jump to navigation

Wie hätte das auch funktionieren sollen? März 8, 2013, 23:02

Posted by Lila in Presseschau.
trackback

Dortmunder Gefängnis: Rosafarbene Zelle wieder weiß gestrichen

Das neue Design sollte aggressive Häftlinge schneller beruhigen – doch das funktionierte offenbar nicht: Eine rosafarbene Zelle im Dortmunder Gefängnis ist wieder weiß gestrichen worden. In anderen Städten läuft das Projekt weiter.

Die Zelle ist doch so kahl. Für ein echtes Anti-Aggressions-Erlebnis hätte man schon ein bißchen Einrichtung zur Verfügung stellen können.

Da hat aber wirklich jemand zu kurz gedacht.

PS: Entschuldigt meinen Sarkasmus, aber bei aller Hochschätzung für die Macht der Farben… das kann ja wohl nicht ernst gemeint gewesen sein.

Kommentare»

1. Saskia - März 9, 2013, 10:46

Rosa im Gefängnis??
Wie schräg ist das denn bitte. Das weckt bei mir dieselben Assoziationen zum Ponyhof wie bei Dir 🙂

2. Silke - März 9, 2013, 11:26

doch das muss ernst gemeint gewesen sein, denn würdest Du mich in so nen Raum sperren (ohne Deko) könnte ich mich nur vorm Gaga-Werden bewahren, indem ich aggressiv werde und vermutlich versuchen würde, alles kurz und klein zu schlagen, was mir erreichbar wäre.

Und das ist doch der Sinn der Übung – der Ausrastende sichert Arbeitsplätze … garantiert die Existenzberechtigung …

Irgendein Bestseller-Autor, dem man solide Kenntnisse des Fernen Ostens nachsagt (ich glaube, der der auch Shogun geschrieben hat) behauptet in irgendeinem Buch, keine Folter sei so gefürchtet gewesen wie die, in einen Raum gesperrt zu werden, der es darauf anlegt, daß man den Kontakt zur Wirklichkeit verliert.

Ach und da fällt mir ein, manche reagieren darauf mit in sich zurückziehen, apathisch werden – tsk tsk tsk und dabei kommt doch Gefangenenmißhandlung zwecks deren Disziplinierung angeblich bei „uns“ nicht vor, doch wenn Psychos den Mantel des „ist gesund“, gestützt von Gaga-Wissenschaftler-Studien drüberhängen – nu dann …

nie vergessen, daß Harald Welzer öffentlich zu Ute Frevert sagte, ihre abweichende Wirklichkeitserfahrung sei für das Ergebnis der Studie irrelevant. Dabei entsprach die ihre dem, was die Mitglieder von Kreti und Pleti vollinhaltlich bestätigen würden … ebenso wie Welzer’s Ergebnis, doch so viel Gleichzeitigkeit läßt sich eben nicht gut publizieren.

Welzer ist übrigens auch einer von denen, der genau weiß, was Israelis tun müßten, damit Palästinenser …

Derzeit labert übrigens Rupert Neudeck im dradio nicht nur über das Leid der Gazaner rum, von denen er, trotz erfolgreicher Einwerbung üppigster Hilfsgelder, erklärt, sie wären am Verhungern (wenn er dann ins Detail geht, klingt es anders, aber erst einmal stellt er so’n steiles Dings in den Raum), nein er wirbt auch um Verständnis für die Entführer der UNO-Soldaten, denn die sind nicht die Wahren, die sind nur ausrastendes frustrationsgeplagtes Jungvolk …

Außerdem behauptete er, der Grenzübergang nach Ägypten sei kein richtiger sondern bestehe nur aus der Tunnelwirtschaft – wenn Israel, in seinem Fall namentlich unerwähnt, ne Rolle spielt, dann ist jegliche Unsinnsverbreitung aka Lüge erlaubt.

Um zu rosa Zellen zurückzukommen? gibt es die Mode in Israel auch? Ist Rosa nicht ne Girlie-Farbe und drum demütigend für die männliche Identität … in Gefängnissen soll es viel Mann an Mann Vergewaltigung geben, macht der Aufenthalt im Rosa die Opfer …

nö, ich hör schon auf – doch schlichter Unsinn ist das Dingens nicht, es ist in vermutlich hochtönende Sprache verpacktes Widerliches.

3. Lila - März 9, 2013, 15:05

Ich würde nicht abstreiten, daß die Umgebung einen Einfluß auf das Wohlbefinden und damit auf die BEreitschaft zur Gewaltanwendung hat. Würde man mich fragen, ich würde raten, mit positiven Assoziationen besetzte Farben aus der Natur zu verwenden – himmelblau, maigrün, kleine gelbe oder meinetwegen rosa Akzente – oder aber meergrün – einfallslos meinetwegen, aber Farben, die in der Natur großflächig vorkommen.

Ich habe mit mehreren Klassen an der Aufgabe schöne Welt – Horrorwelt gearbeitet. Die schöne Welt war immer in Farben wie Hobbiton gehalten, die Horrorwelt in Schwarz und Feuer – das sind Urbilder von Paradies und Hölle. Das Paradies ist grün, üppig und fruchtbar. Die Hölle dunkel und bedrohlich, mit Feuersbrünsten, denen man hilflos gegenübersteht.

Niemand aber verbindet mit einer Farbe wie rosa oder türkis oder petrol, die in der Natur nur kleinflächig vorkommt, Entspannung und Paradies und einen sicheren Ort. Eine Boutique, eine Theaterkulisse, Hintergrund für einen Videoclip – gern. Aber zum Beruhigen??? Abwegig.

An der Beleuchtung würde ich arbeiten, schöne Bilder wären auch eine Lösung – zB von Escher, die das Gehirn unwillkürlich beschäftigen und die damit für jeden ein Genuß sind, auch für Leute, denen sonst Kunst nichts sagt.

Aber einfach alles quietschrosa???? wie ein Mädchenzimmer???

4. Silke - März 9, 2013, 15:15

Escher beschäftigt sich mein Hirn … als Horrortrip

und weil ich grade dabei bin … kleine Kinder mit Schumann beschallen – also ich weiß wirklich nich – da müßte ich schon sehr genau hingehört haben, was der Pianist damit macht, um das gut zu heißen …

5. Silke - März 9, 2013, 15:40

unsere Betriebskrankenkasse hatte uns mal Kurse für Autogenes Training bis hin zu für fortgeschrittene Fortgeschrittene teil-spendiert. Der wirklich erstklassige Psycho-Leiter führte uns in einer der sehr beliebten Phantasiereisen unter die Erde in eine sehr freundlich gestaltete Gegend – ich glaube es war dabei, daß eine auf einen richtigen Horrortrip abhaute und es fast alle anderen als hochgradig unangenehm empfanden und da nicht hin wollten während ich es rundum genossen hatte und mich sicher und geborgen fühlte.

Der Mensch iss nich wie der Mensch, mancher empfindet vielleicht ein Pink-Zimmer als DAS Anti-Depressivum schlechthin, doch das am lebenden dem zwangsweise ausgelieferten Menschen anzuwenden, finde ich eine hochgradig danebene Zwangsmaßnahme.

http://www.schoener-wohnen.de/einrichten/schlafzimmer/200325-die-15-besten-wohntipps-fuers-schlafzimm-8.html#show

Übrigens habe ich gerade heute morgen gelesen, daß Welzer’s Stern wohl im Sinken begriffen zu sein scheint aka sein ich kenne die Wahrheit Heiligenschein Kratzer bekommt.

In der taz jongliert Chefapokalyptiker Harald Welzer mit Europa-, Klima-, Finanzkrise.

http://www.perlentaucher.de/feuilletons/2013-03-09.html

Wenn es nur nicht immer Jahre und Jahre dauern würde, bis so ein Schaumschläger es so sehr übertreibt, daß es beginnt aufzufallen.

Übrigens der Welzer, der Israelis nix durchgehen läßt, hat beim Promoten seines gemeinsam mit Sönke Neitzel Buches immer wieder betont, daß Soldaten unter Bedingungen des Krieges eben so Unsägliches tun … Noch Fragen?

PS: Mein oben beschriebener erstklassiger AT-Lehrer war übrigens in ner anderen Konstellation ein Verehrer von dem unsäglichen Bert Hellinger.

6. Silke - März 9, 2013, 15:51

Meine wegen Alkohol psychiatrieerfahrene Kollegin war hochgradig allergisch gegen die dort so beliebten Bilder wie z.B. dieses hier, die mir in nem Kalender gut gefallen hatten – sie sprechen immer noch wohltuend zu mir, doch nach der Aufklärung durch sie, sah und sehe ich sie auch mit anderen Augen – i.e. wäre ich eingesperrt und würde mit sowas dauerbeschallt, würde ich vermutlich zusammen mit ihr sehr schlimme Pläne schmieden.

7. Lila - März 9, 2013, 16:25

Ja, vermutlich ist es am besten, einfach nur zurückhaltende Farben zu benutzen und fertig. Alles, was man sich auf Dauer angucken muß, nervt – manchmal sogar Sachen, die man sich selbst ausgesucht hat.

Mein Mann hat ein paar meiner Bilder aus dem Studium aufgehängt – ich knirsche innerlich mit den Zähnen, wenn ich sie sehe, und finde sie einfach nur schrecklich 🙂

Die einzigen meiner Arbeiten, die ich noch ertragen kann, hängen bei meiner Mutter und meiner Tante – Radierungen. Aber meine Übungen in Acryl? Oh Graus.

8. Silke - März 9, 2013, 18:16

Also ich habe seit Jahren die gleichen (Museums)Plakate hängen, Erinnerungen an Erlebnisse, die ich immer noch nicht „verdaut“ habe, die mir immer noch Fragen stellen, eine Geschichte erzählen.

Das gleiche gilt für eine einzige eigene „Arbeit“ – die anderen, die ich nur noch als dekorativ empfand, habe ich schmerzlos entsorgt – ob zurückhaltende Farben die bessere Wahl sind für Leute wie meine Kollegin, die ihnen emotional auf Hochtouren laufend begegnen, ich weiß nicht –

ich hatte sie seinerzeit so verstanden, daß diese gaaanz ruhig Botschaft, dieses besänftigend auf den Kopf getätschelt werden, dieses als der Beruhigung bedürftig Klassifiziertwerden sie zum Kochen statt zum tief und gleichmäßig Atmen brachte. Ich mag die Bockelmann-Bilder, weil sie mich an Aussichten erinnern, die ich genossen habe und genieße.

9. Silke - März 9, 2013, 18:17

Ein ganzes Zimmer, in das man weggeschlossen ist, in einer Farbe ist aber in jedem Fall eine Zwangsmaßnahme, in meinem geliebten himmelblau ebenso wie in diesem Valentinstagpink.

10. Paul - März 11, 2013, 18:17

Es gibt sie schon, die Farbenlehre.
http://de.wikipedia.org/wiki/Farbenlehre

Sicherlich geht dieser Versuch in dem Gefängnis auch darauf zurück.

In den 80er Jahren haben wir das Krankenhaus in dem ich gearbeitet habe Innen neu angestrichen. In diese Gestaltung wollte ich die Mitarbeiter weitgehend einbeziehen. Der Diskussionsbeginn war chaotisch. Jeder hat persönliche Vorstellungen, die er auch kompromisslos verteidigt. Ein einheitliches Konzept für das Krankenhaus war nicht zu erarbeiten. Die Farbgebung ist auch von der Nutzung der Räume abhängig. Verkehrsflächen sollen schon eine unbewusste Signalwirkung entfalten. Sanitärräume müssen sich von Ärztezimmern unterscheiden. Diese wiederum von Patientenzimmenr und med. Behandlungsräumen. Kurz: es muss eine gewisse „Leitlinie“ vorhanden sein.
Leider ist mein Erinnerungsvermögen nicht so gut wie Deines, liebe Lila. Aber daran erinnere ich mich noch als grobes Raster.
Der Zufall kam mir zu Hilfe.
Ein Mitschüler von mir, der zunächst Maler gelernt hat, hat Farbdesigne studiert. Das gab es bei uns in der DDR tatsächlich. Da ich keine Aussicht hatte offiziell derartige Dienste beanspruchen zu können, in der Mangelwirtschaft wird alles geplant, war ich froh, dass er mir das in „Feierabendarbeit“ (so hieß in der DDR gesetzlich zulässige Schwarzarbeit) machen würde. Ich war ein kleiner Glückspilz. Er erstellte eine Dokumentation, die mit den Mitarbeitern diskutiert werden konnte.
Deshalb weiss ich, dass Farben in der Umgebung des Menschen schon dessen Befinden beeinflussen können sollen. Teilweise verläuft die Beeinflussung auch unbewusst.

Ein anderes Beispiel:
In einem der strengsten amerikanischen Gefängnisse tragen die Gefangenen rosa (eine richtige Schlüpferfarbe) Kleidung. Damit sollen sie gedemütigt werden. In dem gezeigten Film sahen sie auch wirklich wie Marzipanschweine aus.

Nachbemerkung:
Die Farben oben empfinde ich mehr als erikaviolett 4003
Ich meine bei den Gefangenen war es altrosa 3014

Herzlich, Paul

11. Paul - März 11, 2013, 18:21

Korrektur:
„Babyrosa“ hätte ich schreiben müssen, statt „Schlüpferrosa“.

12. Paul - März 11, 2013, 18:32

Noch eine Korrektur: 😦

Die Gefangenen müssen pinkrosa Unterwäsche tragen und nicht Gefängniskleidung.
Aber sie müssen auch noch andere „Gemeinheiten“ des härtesten Sheriffs der USA aushalten.

13. Paul - März 11, 2013, 18:33

heute ist nicht mein Tag:
Habe den Link vergessen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Joe_Arpaio


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s