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Ein Pilger März 5, 2013, 15:53

Posted by Lila in Land und Leute.
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hat heute seinen letzten Weg gemacht. Es tut mir leid um Menchem Fuhrman, den Rav aus der Siedlung Tekoa, der ein ungewöhntlicher Mensch war, nicht von dieser Welt. Seine Lösungen waren nicht politisch (obwohl er politisch besetzte Wörter benutzte), sondern spirituell und religiös. Er war kein Realist, Pragmatiker oder Zyniker, sondern sah in jedem Menschen ein Geschöpf des einen Schöpfers, an den er glaubte. Er glaubte, daß man mit religiös motivierten Menschen wie der Hamas in einer religiösen Sprache sprechen muß und so verläßliche Abkommen mit ihnen schließen kann – einen Friedensvertrag auf Jahrzehnte, befristet, aber zuverlässig, der nach seinem Ablauf neu verhandelt wird.

Ob er wirklich Partner dafür gefunden hätte auf der anderen Seite  – und ob außer ihm und seinem Kreis jemand imstande gewesen wäre, so einen Weg auszuhandeln, das werden wir nicht mehr erfahren. Er ist gestorben und begraben, und ich bin erstaunt, daß er nur 68 Jahre alt wurde. Er wirkte wie ein zeitloser alter Mann. Selten habe ich einen Menschen von so unbeirrbarer Sicherheit seines Wegs gesehen. Er hat das Gemeinsame gesucht, nicht das Trennende, den Respekt und die Liebe, nicht das politische Ziel und die Absicherung. Und er glaubte, daß das Gebet verbindet, nicht trennt.

Über seine Ideen kann man streiten, aber so ein Streit wird vermutlich am Kern dessen, was er wollte, vorbeigehen. Seine Vision mag eine Illusion sein – wenn man das praktisch gänzlich einseitige Narrativ seiner palästinensischen Gesprächspartner anhört, kommt sie einem wie eine Illusion vor. Oder vielleicht hat der Rav doch etwas gesehen, was außer ihm niemand gesehen hat, und was andere Menschen erst eine Generation später begreifen. Jedenfalls war er eine Ausnahmeerscheinung. Es tut mir leid, daß er gestorben ist – wir brauchen Stimmen, die in einer anderen Sprache zu uns sprechen. Und es tut mir leid für ihn, daß er seine Vision nicht erfüllt sehen konnte.

Kommentare»

1. Paul - März 6, 2013, 1:38

Ein gütiges Gesicht.
HERR gib ihm die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihm.

2. Lila - März 6, 2013, 18:14

Ein kritischer, differenzierter Nachruf in der JPost.

http://www.jpost.com/Opinion/Editorials/Article.aspx?id=305439

3. Gelobtes Land | Letters from Rungholt - Februar 5, 2014, 19:40

[…] ermutigend, daß es auch solche Stimmen gibt. Von jüdischer Seite aus war der Rav Fuhrman, zu dessen Tod ich im Blog über ihn geschrieben habe, so eine Stimme des Respekts für die andere […]


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