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In Sachen Ben Zygier März 3, 2013, 21:27

Posted by Lila in Presseschau.
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hat die Reporterin Ilana Dayan anscheinend sehr eifrig recherchiert. Ich habe zu Dayan ein ambivalentes Verhältnis – sie hat sich einige Male mit ihren „investigativen“ Reportagen ein bißchen zu weit aus dem spekulativen Fenster gehängt und mindestes einmal dabei praktisch einen Rufmord begangen. Jedenfalls kann man ihr nicht vorwerfen, systemkonform zu arbeiten – sie gehört zu den Journalisten, die mit einer Art grimmiger Befriedigung jeden Klumpen Dreck am Stecken der Staatsgewalt vor die Kamera bringen, was ja auch richtig so und ihr Job ist.

Morgen ist ihre Sendung dran, die ich selten sehe – außer alle paar Tage Nachrichten sehe ich kein fern. Ich komme ja nicht mal dazu, mir Filme anzugucken, die ich unbedingt sehen will. Aber die Sendung morgen will ich mal angucken.

In einer kurzen Vorschau meinte Dayan, daß es vor Zygiers Selbstmord deutliche Warnzeichen gab. Es darf immer noch nicht veröffentlicht werden, was er sich eigentlich hat zuschulden kommen lassen, aber nach Dayans Version war es von seiner Seite aus keine Absicht, dem Staat Israel zu schaden, sondern er hat durch Leichtsinn oder Unvorsichtigkeit oder wie auch immer einen gravierenden Fehler begangen und damit andere gefährdet. Er war also kein Verräter, obwohl er Geheimnisse verraten hat.

Es war klar, daß er psychisch labil ist und Hilfe braucht, weswegen einmal die Woche eine Sozialarbeiterin zu ihm geschickt wurde, die ihm mit ihm sprechen durfte. Aber auch ihr durfte er nicht erzählen, was ihn bedrückte, was er bereute und wovor er Angst hatte, so daß er fast durchdrehte. Laut Dayan haben mindestens zwei Menschen seiner Umgebung in den Wochen vor seinem Selbstmord gewarnt, daß er kurz davor steht, sich ein Leids anzutun. Aber die Gewißheit, daß es in der Zelle unmöglich ist, obwohl es genügend Präzedenzfälle gibt, hat wohl die Verantwortlichen in Sicherheit gewiegt.

Falls Dayans Version exakt ist, gibt es also durchaus Verantwortliche, und die Untersuchung der Staatsanwaltschaft war und ist gerechtfertigt. Jedoch hat die Geschichte keine Ähnlichkeit mit der reißerischen Version, die zu Anfang verbreitet wurde, vom rechtlosen, namenlosen, praktisch lebendig begrabenen Gefangenen aus einem fremden Land, der dann umgebracht wurde.

Das Unrecht ihm gegenüber fing schon an, als er engagiert wurde, für den Mossad zu arbeiten, obwohl er nicht die richtige Persönlichkeitsstruktur dafür hätte. Das ist weiß Gott kein Makel. Jemand hat ihm trotzdem Aufgaben übertragen und ihn letztendlich damit reingerissen. Er hatte Rechtsanwälte und Betreuung und seine Familie hat ihn besucht – aber seelisch war er alleingelassen. Wie gesagt, wenn Ilana Dayan diesmal den richtigen Hasen bei den Ohren hat. (Oft genug hat sie das ja.)

Ich guck´s mir morgen an und erzähle ein bißchen, wenn´s geht. Ich bin froh, daß diese Geschichte nicht einfach untergeht, eine tragische Geschichte, in denen es von moralischen Sinkllöchern nur so wimmelt. (Pardon für die Metapher, die natürlich ebenfalls aus den Nachrichten stammt…) Ob noch andere Medien außer den israelischen und vielleicht den australischen den Fall verfolgen, nachdem das reißerische Element nicht mehr dabei ist? Wohl kaum, die Welt ist leider voll von trüben Geschichten.

Kommentare»

1. Silke - März 3, 2013, 21:41

Lila

ich habe gerade einen Bericht gehört, mit vielen Interviews von den realen Argo-Akteuren. Einer hat sich beschwert, daß sie so lange einen Teil-Maulkorb tragen mußten und da habe ich mich natürlich sofort gefragt, ob nicht, nachdem es jetzt alles raus ist, die gleiche Masche „verbrannt“ ist.

Ich glaube nicht, daß Graham Greene oder Somerset Maugham als Personen besonders in sich gefestigt waren, eher vermute ich das Gegenteil.

Ich glaube nicht, daß eineR der sich die „Lügen“ zutraut, die Geheimdienstarbeit von ihm erfordert, eher nicht zu den in sich ruhenden Personen gehören kann.

Natürlich ist es schlimm, wenn etwas schief geht – eins ist mir jedoch unklar an Deinem Post – Zygier hat doch bestimmt einen Handler gehabt und ist debriefed worden, will sagen, da gab es doch ziemlich wahrscheinlich ein langes Davor.

In der BBC gab’s einen „Moral Maze“ zu der Zeugin in einem Kindesmißbrauch-Prozess, die sich umgebracht hat. Welch ein Haufen von Zwickmühlen … und immer läuft’s letztendlich darauf hinaus, ob man Leuten ihre Fähigkeit zur Selbstverantwortung abspricht und falls ja, inwieweit.

Und dabei behalte ich immer im Hinterkopf, daß weltweit irgendwie Einigkeit besteht, daß Kindersoldaten so um die 15 herum aufhören, als Kinder zu gelten.

2. Lila - März 3, 2013, 21:49

Er hatte zwei Handler, laut Dayan, einen Mann und eine Frau. Nur mit denen konnte er anscheinend offen sprechen.

Selbstverantwortung schön und gut, aber wenn Vorgesetzte, die damit verantwortlich sind, sehen, daß jemand für seine Aufgabe nicht taugt…? Natürlich ist der Mensch trotzdem noch selbst verantwortlich, und ein erwachsener Mann war er ja wohl, als er den Job anfing. Aber er war eben nicht allein verantwortlich.

Und wenn er andere gefährdet hat und dann noch Schuldgefühle hinzukamen und der unausweichliche Prozeß der Desillusionierung, der sich IMMER einstellt, wenn man ein System von innen kennenlernt – ob es ein Theater, ein Land, ein Kibbuz, ein Krankenhaus oder eben der Mossad ist — es ist ja eigentlich erstaunlich, daß es nicht noch viel mehr solche Zygiers gibt.

3. Silke - März 3, 2013, 22:41

Lila

die Frage ist doch, wann haben sie gesehen, daß er nicht taugt, bevor oder nachdem er Mist gebaut hat und wie zugänglich war er, nachdem er Mist gebaut hat.

Es ist immer so leicht, die Verantwortlichen zu beschuldigen, doch ich erinnere mich eben auch an viele viele Jammereien im Büro, bei denen nach kurzem klar war, daß es der Jammernden nicht darauf ankam, etwas zu ändern, sondern weiter jammern zu können.

Es gibt nun mal Leute, die wollen nicht und wenn die Geheimnisträger sind und unzuverlässig, was machste dann?

Ich sage nicht, daß es so war, ich bin nur dagegen, gleich der Institution die Schuld zu geben. Er konnte mit 2 Leuten reden, ob er denen was vorgemacht hat? Spione sollen gut im anderen was vormachen sein, wären sie das nicht, wären sie für Geheimdienste wohl kaum attraktiv.

Ich z.B. kann glaubhaft lügen und werde nie rot dabei – schade daß sich nie ein Geheimdienst für mich interessiert hat, ich hätte der Romantik wohl kaum widerstehen können, ob ich aber auch den Gehorsam hätte bringen können, ist ne andere Frage …

4. Silke - März 3, 2013, 22:46

im Fall der Engländerin, die sich umgebracht hat, versuchen jetzt viele dem, der sie ins Kreuzverhör nahm, die Schuld zu geben. Doch bleibt bei einer zarteren Behandlung der Zeugin nicht u.U. der Angeklagte auf der Strecke, der schließlich ein Recht auf die Unschuldsvermutung hat? Und wer kümmert sich jetzt um das Seelenwohl des Kreuzverhörers, der beschuldigt wird, eine in den Selbstmord getrieben zu haben? (die ne lange Vorgeschichte hatte).

Manchmal denke ich, es ist wie bei Zauberkünstlern auf der Bühne, die es schaffen, unsere Blicke zu lenken …

So ganz generell gesprochen finde ich, daß wir die Möglichkeit, es könne unverschuldetes Unglück geben viel zu wenig auf dem Radar haben.

5. Jakobo - März 3, 2013, 22:59

„Das Unrecht ihm gegenüber fing schon an, als er engagiert wurde, für den Mossad zu arbeiten, obwohl er nicht die richtige Persönlichkeitsstruktur dafür hätte. “

DAs denke ich auch. Obwohl ich mich nicht dem anschliessen will,
der in etwa meinte, mann sollte am besten nur sabras mittleren
alters vielleicht noch mit familie anwerben.

die sache ist, israel ist wahnsinnig schnell wenn es darum geht
aus solchen fehlern zu lernen. und ich lege meine hand ins
feuer dass intern die procedures fuer das auswahlverfahren schon
laengst geaendert wurden.

J

6. Miriam Woelke - März 4, 2013, 10:13

B“H

Ich erinnere mich nicht mehr genau, ob es bei Mako oder Walla war: Jedenfalls wurde ein Video veroeffentlich (auch im australischen TV). Ein Video mit einem Interview Zeygiers. Und eines war klar: Er plapperte wie ein Wasserfall.

Der Mossad muss es sehr noetig haben, derlei Charaktaere zu engagieren.

7. Silke - März 4, 2013, 14:42

Miriam

natürlich kann der allwissende Mossad die persönliche Entwicklung eines Menschen mit absoluter Sicherheit voraussagen über Tage, Monate, Jahre, Kontinente und Ewigkeiten hinweg.

Noch einmal, da Spione gut im Phantasieren und/oder Lügen sein müssen, können sie ja der Natur der Sache nach kaum zu den vorhersagbarsten und verlässlichsten Exemplaren der menschlichen Spezies gehören.

Was für bizarre Typen erfolgreiche Spione waren, ist hier in einem sehr amüsanten Vortrag zu hören

http://media.nationalarchives.gov.uk/index.php/hunting-for-spies-in-the-national-archives/

Kann es sein, daß Du Dir den idealen Spion als Ärmelschoner tragenden Sesselfurzer vorstellst?

8. Lila - März 4, 2013, 14:50

Nein, ich glaube kaum, daß Miriam dieser Vorstellung anhängt. Jedoch kann ich mir vorstellen, daß sie, wie ich, davon ausgeht, daß beim Mossad Profis arbeiten, die imstande sind zu erkennen, wann ein Mensch überfordert ist, sich selbst und andere gefährdet. In vielen Branchen brauchen Verantwortliche dieses Wissen.

Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie solche Organisationen überhaupt funktionieren, nach welchen Kriterien Mitarbeiter angeheuert werden etc. Aber so wie ich mich nicht für so eine Arbeit eignen würde, so eignen sich auch sehr viele andere nicht. Grundlegend für die Arbeit des Mossad ist ja wohl, solche Leute von vornherein auszusieben.

Versehen kommen vor, der Mossad hat eine lange Liste von Fehlschlägen, Versagen und Pannen vorzuweisen, wie wohl jeder Geheimdienst und jede andere Organisation auch.

Es scheint nur, daß in Zygiers Fall das Menetekel schon an der Wand stand.

Ich bin gespannt auf die Sendung heute abend. Hoffentlich krieg ich sie noch mit, ich komme erst so spät von der Arbeit wieder :–(

9. Miriam Woelke - März 4, 2013, 15:03

B“H

ich schaetze einfach mal, dass es diversen Mossad – Mitarbeitern im Falle Zeygier einfach nur um den australischen Pass ging. Australien bietet ja angeblich die einfache Moeglichkeit, Namen nach Belieben zu aendern und, im Nachhinein, wusste Zeygier vielleicht zu viel ueber das Pass – Business des Mossad. Schon allein im Hinblick auf die Exekution im Hotel von Dubai.

Im TV Interview kam das jedenfalls auch so heraus.

10. Silke - März 4, 2013, 15:18

Lila

wenn die Briten seinerzeit auf Menetekel geachtet hätten, hätten sie die ganze Double Cross Gruppe gar nicht erst an irgendwas rangelassen.

Jedesmal wenn irgendwo eine(r) durchknallt, sagen Massen von leuten, daß sie ihm/ihr das nie zugetraut hätten und wenn Du ihrer Natur nach im „normalen“ Leben als unzuverlässig geltende Leute engagierst, dann ist Desaster vorprogrammiert.

Man kann auch vom Mossad nicht die Quadratur des Kreises verlangen. Ich möchte nicht wissen, bei wie vielen Aktionen die einen am Rande des Durchknallens haben weitermachen lassen und für einen Erfolg gefeiert werden.

Mich stört dieses auf sie mit Gebrüll, wann immer was daneben geht.

Der Mossad ist nicht das Katasteramt.

11. Silke - März 4, 2013, 15:44

PS:
wie oft drehen welche von den „normalen“ Sesselfurzern durch und dann gibt es kein vergleichbares in den Krümeln suchen.

12. Silent Reader - März 4, 2013, 18:09

„wie oft drehen welche von den “normalen” Sesselfurzern durch und dann gibt es kein vergleichbares in den Krümeln suchen.“

Doch, wenn am Schluss einer tot ist, dann wird normalerweise „nach Krümeln gesucht“, egal ob es ein Ingenieur ist, der sich bei der Brücke verrechnet hat (oder beim Dach des Hallenbades) oder ein Sozialarbeiter der das Kind dem Vater statt der Mutter zugesprochen hat (und der Vater bringt es um) oder ein Jugendschützer der das Kind der drogensüchtigen Mutter nicht weg genommen hat (und das Kind stirbt an überdosis) oder ein Waffenhändler, der dem falschen Typen eine Waffe verkauft hat…

13. Silent Reader - März 4, 2013, 18:16

Angeblich ist der australische Geheimdienst auch nicht ganz blöd und hat Australier, die neue Pässe mit neuen Namen anfordern und womöglich noch eine zweite Staatsbürgerschaft haben, automatisch unter Kontrolle gestellt… Die Australier waren Zygier schon lange vor der Dubai-Aktion auf den Fersen…

14. Silent Reader - März 4, 2013, 18:17

@silke: vielen Dank für den Link über den englischen Geheimdienst zu d-day. Das war wirklich sehr interessant und äusserst erfrischend. dazu noch in schönstem Englisch gehalten…

15. Jakobo - März 4, 2013, 18:38

„ich schaetze einfach mal, dass es diversen Mossad – Mitarbeitern im Falle Zeygier einfach nur um den australischen Pass ging. Australien bietet ja angeblich die einfache Moeglichkeit, Namen nach Belieben zu aendern und, im Nachhinein, wusste Zeygier vielleicht zu viel ueber das Pass – Business des Mossad. Schon allein im Hinblick auf die Exekution im Hotel von Dubai.

Im TV Interview kam das jedenfalls auch so heraus.“

ich hab das interview nicht gesehen. aber .. aber wenn der mossad
nur an dem pass interessiert ist warum haette er dann Zeygier
dann noch in andere sachen einweihen sollen? das klingt nicht
logisch fuer mich. das einzige wissen dass er unter diesen
umstaenden haben sollte ist das der mossad seinen pass hat, und
das er das gesicht von einem agentenerkennen kann. und
mehr nicht.

J

16. Lila - März 4, 2013, 22:16

Jakobo, Mißverständnis: gemeint ist, an dem Menschen mit dem echten Paß. Und so war es wohl auch. Vor lauter Jieper auf den Agenten mit dem wasserdichten Dokument hat man wohl nicht genug hingeguckt, was der seelisch aushält. Sehr traurig.

Die Reportage war auch sehr traurig, aber praktisch null Erkenntnisgewinn. Ein Psychiater, der Z. kurz vor seinem Tod besucht hat, und ein Mitarbeiter des Gefängnisses haben Alarm geschlagen,d aß er akut selbstmordgefährdet ist, unter der Isolation und dem Schweigegebot, aber auch unter Gewissensbissen, Scham und Zukunftsangst leidet. Bis sich bei den zuständigen Leuten jemand in Bewegung gesetzt hat, war der Mann schon tot.

Klar war nur, daß nie ein Mordverdacht bestanden hat, und niemand hat auch nur in diese Richtung was angedeutet – im Gegenteil, jedem ist aufgefallen, daß der Mann abmagert, Essen verweigert, verzweifelt menschliche Nähe und Kontakt sucht, depressiv ist. Und daß Feldman, der ihn einmal besucht hat, das nicht bemerkt hat, sagt noch gar nichts.

Dayan deutete an, daß es auch eine persönliche Krise gab, über die nicht berichtet werden darf, am Tag des Selbstmords muß er eine Nachricht erhalten oder ein Gespräch gehabt haben.

Schwer zu sagen.

Ja, Brücken stürzen ein, Decken auch, und jedesmal wird hinterher geprüft, was falsch gelaufen ist. Damit es nie wieder passiert. Das einzige, was noch bleibt, ist, aus so einer Geschichte zu lernen.

Leider sind praktisch alle Fragen weiterhin offen.

17. Miriam Woelke - März 4, 2013, 23:04

B“H

Es wundert mich nicht, dass Ilana Dayan auch nicht viel Neues brachte, denn die offiziellen Stellen veroeffentlichen ja kaum Informationen. Noch dazu, wo zwei weitere Australier in Israel leben, die offenbar auch in das Passgeschehen involviert waren.

18. Jakobo - März 4, 2013, 23:05

Ja, Lila, das klingt schon logischer…

„Leider sind praktisch alle Fragen weiterhin offen.“

welche fragen meinst du genau? es gibt die militaerische
geheimhaltung und die persoenlichen rechte der familie.
der rest wird wohl offen bleiben.

die sache ist, israel ist ein land.. alles und jede kleinigkeit, die
sie heute gut machen, machen sie gut weil sie es einmal falsch
gemacht haben. und das geht von idotien wo sich jeder nur
an den kopf langen kann bis zu komplexen loesungen wo
man den mund nicht mehr zu bekommt.

aber trotzdem diese geschichte beruehrt schon sehr und
ich versteh nicht wie sie da so fahrlaessig sein konnten..
geheimndienst und psychologie sind ja sehr grosse staerken
in israel mit sehr viel erfahrungsschatz. sowas haette nciht
passieren duerfen.

J

19. Silke - März 4, 2013, 23:10

Silent Reader

ich weiß nur, daß es in Konzernen immer wieder Selbstmorde gibt, von denen keiner groß redet i.e. die nur über die Buschtrommel bekannt werden und drum nehme ich mal an, daß es die unter Beamten auch gibt. Will sagen, da findet keine große Untersuchung statt, wer wo und wie was übersehen haben könnte.
—–

Wenn bei einem Geheimdienst was schief läuft, die totale Offenheit zu fordern, hat was Selbstverletzendes – irgendwo muß diese Offenheitssucht ihre Grenzen haben.
—–

Und da Du Dir Ben Macintyre reingezogen hast, wirst Du ja jetzt wohl zustimmen, daß Geheimdienste ohne die Mitarbeit instabiler Leute aufgeschmissen sind.
——

Selbstmorde sind übrigens meines Wissens die große Angst aller Psychos und insbesondere die Psychiatrien – und wenn die die noch nicht mal verhindern können, dann soll es der Mossad können mit nem Mann, der möglicherweise zum Plappermaul geworden ist?
—–

Man kann’s mit den Fürsorge Forderungen auch übertreiben …

20. Silke - März 4, 2013, 23:13

PS:

Ein Mensch, der sich umbringt, ist keine Brücke, die einstürzt – da gibt es Anzeichen, Risse im Beton sozusagen, aber vermutlich praktisch keine Prüfmöglichkeiten.

Ein Mensch hat einen freien Willen – ich weiß, was die Neuros sagen, doch für mich gehört es zur Würde eines Menschen, daß man ihm den Besitz eines solchen zugesteht.

21. CK - März 5, 2013, 19:35

@Silke: Ein Mensch hat einen freien Willen – ich weiß, was die Neuros sagen

Die Neuros stützen sich dabei allein auf diese unsäglichen Libet-Experimente, besser gesagt auf ihre unsägliche verkopfte Interpretation (die Experimente an sich sind durchaus interessant). Diese Interpretation, die leicht mit Gegeninterpretationen wegwischen zu ist, habe ich noch nie ernstgenommen.

ich weiß nur, daß es in Konzernen immer wieder Selbstmorde gibt

Oh ja. Habe selber sowas miterlebt. Ich hatte zu dem betreffenden Arbeitskollegen allerdings nur wenig Kontakt. Bei dem wenigen Kontakt, den wir hatten, ist mir allerdings nie etwas aufgefallen.

Der Typ war sehr belesen, hochintelligent (vermutlich auch ein Kandidat für Mensa, ich fand es persönlich immer ne Verschwendung seiner Intelligenz, dass er keinen anspruchsvolleren Job in bspw. der Forschung hatte), aber wohl gar nicht glücklich mit seinem Leben und niemand hat was gemerkt. Eines Tages fuhr er weg, angeblich Getränke einkaufen, und erst Tage später fand man ihn tot in seinem Wagen im Wald in Belgien. Selbst seine Freundin hat laut eigener Aussagenie irgendwelche Risse bemerkt. Vermutlich kann das, wenn überhaupt, auch nur ein Experte.

Aber erschreckend die Vorstellung dass jemand sich umbringt, mit dem man zusammen ist und man vorher nicht merkt wie schlecht es dieser Person geht…

Und der Präsident meines Schachklubs ist vor ca. einem Jahr auf die Gleise. Vermutlich weil er Angst vor einer Herz-OP hatte, auch das war erschreckend…

22. Silke - März 5, 2013, 21:00

CK

ich meinte so Selbstmorde, wo die Ärmsten vom Dach der Firmenzentrale springen, wo also der Verdacht, es habe mit dem Job zu tun, sich aufdrängt.

Andere sozusagen mehr private Selbstmorde – Leute sagen oft, daß sie es tun wollen und die Psychos sagen, man solle es ernst nehmen, andererseits hat das meiner Erfahrung nach gern etwas hochgradig Erpresserisches.

Die meisten tun’s dann doch nicht, aber der Mossad hätte es natürlich wissen müssen i.e. der Mossad muß mit Sicherheit etwas sagen können, woran sogar geschlossene psychiatrische Anstalten scheitern.

Das war der Punkt, den ich versucht habe zu machen i.e. daß auch der Mossad eine Institution ist, die nach menschlichen Maßstäben beurteilt werden sollte.

23. Silke - März 5, 2013, 22:36

CK

hier ist ein IMHO sehr interessantes Gespräch mit einem sehr interessanten Mann, der sich, wie ich finde, sehr interessante Gedanken dazu gemacht hat, wie man der Öffentlichkeit Uncertainties/Ungewissheiten mitteilen sollte.

http://www.bbc.co.uk/programmes/b01jgll3

Einen Lokal- oder sonstigen Politiker, der mir seine Welt so erklärt, finde ich hochgradig vertrauenswürdig und damit wählbar.

24. Arthur - März 6, 2013, 0:14

also dieser Spionage-Link von Silke ist toll! Sehr interessanter vortrag. Man könnte fast eine Kino-Komödie damit machen: fünf gescheiterte Existenzen, die sich für den Nabel der Welt halten, jede mit ihren Mödelchen (schöne dame mit Hund) werden vom britischen Geheimdienst eingeseift, damit sie den Deutschen falsche Informationen unter dem Siegel der grössten Verschwiegenheit weiter leiten! ein genialer Schachzug. Und je mehr diese Doppel-Agenten selber daran glaubten, dass sie höchst vertrauliche Militärgeheimnisse ausplauderten, desto besser für die ganze aktion!

Das ist im Prinzip so, wie man der Grosstante Geheimnisse unter dem Siegel der grössten Verschwiegenheit erzählt, wenn man möchte, dass die ganze Familie es möglichst schnell erfährt… Wunderbar gespielt von MI5…

25. Silke - März 6, 2013, 0:45

Arthur
doch die Amis sind, so lese ich, stocksauer wegen MacIntyre’s Büchern … (Double Cross und dem davor) Gründe kannste Dir selbst vermutlich mühelos denken, falls nicht, sie kommen drin praktisch nicht vor.

Zu Spionage an sich ist übrigens das beste Stück, das ich je gelesen habe, von Malcom Gladwell im New Yorker

das hier dürfte es sein http://www.newyorker.com/arts/critics/atlarge/2010/05/10/100510crat_atlarge_gladwell

26. Silke - März 6, 2013, 0:49

Yaacov, der von mir fast kritiklos verehrte hat hier auch was Interessantes zu Spionage

http://israelsdocuments.blogspot.de/2013/03/frances-levys-fbi-file.html

27. Silke - März 6, 2013, 19:26

da ich Arthur für „meinen“ National Archives Vortrag begeistern konnte, möchte ich hier noch gleich einen nachschieben, der für alle, die Familienforschung betreiben (Lila und???) ein Leckerbissen sein dürfte.

Ich habe mich, obwohl komplett uninteressiert an Familienforschung, dennoch wundervoll unterhalten und üppig informiert gefühlt.

Auch die anderen verfügbaren Vorträge/Unterrichtsstunden von Audrey Collins, die sagt, Familiengeschichte wäre ihr Dings, waren ein Genuss, doch dieser, mein erster von ihr, schlägt sie alle.

http://media.nationalarchives.gov.uk/index.php/sex-lies-and-civil-registration/

28. CK - März 6, 2013, 22:41

@Silke: Danke für diesen interessanten Link! Und auch für den Hinweis im anderen Thread.

29. Arthur - März 7, 2013, 1:06

Der Link mit der erfundenen Wasserleiche hat mir auch sehr gefallen…

30. CK - März 7, 2013, 12:14

@Lila und auch Silke und andere Mitleser: wie fandet ihr egtl. die Doku über den Shin Bet gestern abend?

Man kann sie sich im Internet kostenlos ansehen:
http://videos.arte.tv/de/videos/toete-zuerst–7351110.html

Ich fand sie sehr interessant, aber auch anstrengend und aufwühlend.

31. Silke - März 7, 2013, 12:58

CK

danke für den Link, aber ich habe schon lange aufgehört, mir Infos via Videos im weitesten Sinne reinzuziehen –

es gibt 1000 Gründe, viele davon gelten natürlich auch für die von mir geliebten Vorträge und Book Talks, doch da habe ich wenigstens die Stimmen der Leute, die mir Hinweise geben, wie ehrbar dieselben sind.

Alles in allem finde ich, daß sogar ein mies gemachtes Buch 1000x hilfreicher ist, weil ich dank des wundervollen Internets alles, was mir verdächtig erscheint, überprüfen und mir somit einen Standpunkt schaffen kann –

Filmisches hingegen geht mir viel zu schnell, da ist es viel zu leicht, mir etwas unterzujubeln, denn anders als aufrechtere Menschen bin ich manipulierbar und lege drum großen Wert darauf, die Oberhoheit über das zu behalten, wovon ich mich manipulieren lasse.


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