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Guten Appetit Februar 14, 2013, 22:46

Posted by Lila in Persönliches.
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So so, Pferde waren in der Lasagne. Gut, daß ich keine tiefgekühlten Fertiggerichte esse. Gut, Malauach kauf ich tiefgekühlt, und Erbsen, und Blätterteig, leider auch Heidelbeeren, weil es die frisch nicht oft genug gibt und Johannisbeeren gar nicht — aber wer kauft denn Gerichte mit Fleisch fix und fertig aus der Kühltruhe? Die Leser von Frag Mutti, bevor sie Frag Mutti entdecken?

Klar, das Problem ist ja nicht, daß Pferdefleisch drin war, sondern daß nicht drin war, was draufstand. Das verstehe ich schon. Aber trotzdem würden die meisten, die ich kenne, Pferdefleisch nicht essen, auch wenn auf der Packung deutlich stünde: Rassige Stute in Sahnesauce oder Frisches Fohlenragout oder Hengsthackbraten oder Röhrbein mit roten Rüben.

Vielleicht kann ich mir diesen Skandal mal irgendwann zunutze machen, wenn ich wieder mal Leuten erklären muß, warum auch sonst im Koscheren lässige Israelis bei Meeeresfrüchten und Schwein die rote Linie ziehen. (Nicht alle – es gibt bestimmt auch welche, die sowas essen oder neugierig sind). So appetitlich christlichen Mitteleuropäern das vorkommen mag – Juden oder Moslems würden ebensowenig Nuffnuffs Eisbein wie Schimmelchens Sprunggelenk essen. Das sind so kulturell erworbene Ekelgefühle.

Und ich esse schon so lange kein Fleisch mehr, daß ich gar nicht verstehen kann, wie jemanden das überhaupt lockt.

Na ja, mach ich mich halt unbeliebt 🙂

Kommentare»

1. willow - Februar 14, 2013, 22:58

Ja, so hat jeder seine Tabus und Ekelgefühle … mal abgesehen von Chinesen und/oder Vietnamesen – die eklen sich nur vor den mitteleuropäischen Fertiggerichten 😉

(mal sehen, bin am Sonnabend zum Tet-Fest eingeladen – das könnte spannend werden, ich z.B. fürchte mich vor Hühnerkrallen 😀 )

2. Silke - Februar 14, 2013, 23:00

so um 1950 rum lebten wir im Ruhrgebiet und da gab es noch Pferdemetzgereien. Lt. meiner Mutter schmeckte nur Fohlen gut, das Fleisch erwachsener Pferde schmecke süßlich.

Wenn sie also Fohlenfleisch bekommen konnte, gab’s das bei uns.

Und da ich auch schon Spanferkel gegessen habe, obwohl ich kleine Schweine bezaubernd finde, habe ich da eine praktisch nicht vorhandene Ekelschwelle. (Nach allem was ich drüber weiß, wie Tiere heranwachsen, die auf meinem Teller landen, schizophreniere ich mich, wann immer mich die Fleischeslust überfällt.)

Doch etwas interessiert mich brennend an der Geschichte und keiner scheint was drüber zu schreiben.

Um Pferdefleisch in für die Lebensmittelindustrie sich lohnenden Mengen auf den Markt zu bringen, bedarf es doch vermutlich einer ansehnlichen Zahl von Pferden.

Wo kommen die her? Wo werden die großgezogen?

Sind es nur Fohlen oder sind es die angeblich zu süß schmeckenden als (Hobby)Reittiere nicht mehr taugenden? Oder ist etwa bei der Zucht von Reitpferden für den vermutlich begrenzten Markt, der „Ausschuss“ so groß, daß sich das lohnt?

Mary Beard stellt auch die Frage nach der Medikamentenkontrolle? Dürfen die, falls die aus der Zucht für den Hobby-Bedarf kommen, nicht auch mit ganz anderem Zeugs voll gepumpt werden als „normales“ Schlachtvieh?

Der Blick auf und der Hype um den Ekelfaktor und den Betrug verstellt mir den Blick ganz etwas anderes? Wie geht es so bei Pferdezüchtern zu? Oder gibt es da eine Verbindung zu Abdeckverfahren?

3. Lila - Februar 14, 2013, 23:01

Nimm Nagellack mit. Oh, und mach mal ein Bild. Wie Du lackierte Hühnerkrallen vertilgst. BITTE.

4. Lila - Februar 14, 2013, 23:03

Silke, ich frag mich das die ganze Zeit. Ich hoffe, Quarta wird diese Nachrichten NIE mitbekommen. Das waren bestimmt keine gesunden Freilauf-Bio-Pferde….

Ach, und hier ist der Kommentar nach meinem Herzen 😀

Denn Pferde isst man nicht, jedenfalls nicht mehr im zivilisierten Deutschland, da sind sich sogar Veganerinnen und Schweinshaxnliebhaber einig. Das Pferd hat im Zuge des deutschen Wirtschaftswunders den Aufstieg vom Nutztier zum Familienmitglied geschafft. Sein sozialer Status ist sogar noch höher als der von Hund und Katze. Wenigstens hierzulande käme aber niemand auf die Idee, Lasagne mit Labrador zu essen, ganz im Gegenteil: Der deutsche Tierliebhaber kauft heutzutage seinem Labrador Lasagne, und zwar speziell für ihn gemachte.

5. willow - Februar 14, 2013, 23:03

6. Lila - Februar 14, 2013, 23:05

😯

7. GGeorg - Februar 14, 2013, 23:07

In den leckeren holländischen Frikandels ist seit eh und je ca. 20% Paardevlees 🙂

8. Lila - Februar 14, 2013, 23:11

Aber im Pindakaas doch bitte nicht!!!!

9. arthur - Februar 14, 2013, 23:18

Nicht dass ich es richtig finde, wenn man Lebensmittel falsch deklariert, aber wenn jemand nicht merkt, dass er Pferdefleisch isst, dann kann es ja nicht so schlimm sein…

10. Silke - Februar 14, 2013, 23:21

Lila
schön, daß Du Dich das auch fragst, hoffentlich fragt sich das auch bald einmal ein Journalist …
——–
eine von Mutters Lieblingsgeschichten war, daß sie einmal Verwandtenbesuch Pferdefleischgulasch serviert hatte und keiner hatte was gemerkt. Alle waren begeistert, ein fleischhaltiges für Rind gehaltenes Essen zu bekommen. Und am liebsten war ihr die Story, wie sie die eine vorführte, die gesagt hatte, sie würde so etwas nie essen.

Ich fand ihren Triumphalismus damals schon verwirrend, aber er erwies sich als nützlich, als ich einmal bei meiner griechischen „Schwiegermutter“ in der Küche saß und die Zickendärme für Podo-Kefalo (Kopf und Füße) reinigte, eine köstliche Suppe, die an Ostern um Mitternacht zum Fastenbrechen ein Muss war.

Der Gestank war bestialisch und ich kriegte meinen Ekel erst in den Griff, als ich mir sagte, als Du es gegessen hast, fandest Du es himmlisch – die Suppe wurde mit Ei und Zitrone gebunden. Es wirkte, ich habe auch ihre Suppe wieder mit Genuss gegessen. So kommt Schlechtes zusammen, sich über einen erfolgreichen Betrug freuen, und Gutes, die Köchin ehrlich loben zu können.
——
Doch hier ist ein OT – Nick Cohen zu u.a. Amnesty International und Human Rights Watch – ich find’s schon bemerkenswert, wie sich Israelverleumder und Frauen-bestenfalls-allein-Lasser unterm gleichen Banner finden.

http://blogs.spectator.co.uk/nick-cohen/2013/02/lone-voice-against-terror/

11. Lila - Februar 14, 2013, 23:25

Also Arthur, die Leute haben auch das Gammelfleisch gegessen… wenn es nur scharf genug gewürzt und verarbeitet ist…

Man kann auch Schusternägel essen, wenn man nur genügend Zucker drüberstreut, steht in irgendeinem Kinderbuch…

12. Lila - Februar 14, 2013, 23:25

BÄH und jetzt is mir schlääächt…

13. arthur - Februar 14, 2013, 23:34

Ich finde, Gammelfleisch und geniessbares Pferdefleisch sind zwei paar Schuhe: mit Gammelfleisch wird die Gesundheit gefährdet, da steht die Sicherheit auf dem Spiel, das geht nicht.

Aber Pferdefleisch statt Rindfleisch in Billig-Lasagne? Wenn die Leute es beim Essen nicht merken, dann sind sie eben keine gourmets, dann sollen sie sich im Nichhinein nicht aufregen… Dass die, die es merken ihr Geld zurück kriegen sollen, finde ich aber schon. Schliesslich hat man sie betrogen.

14. Lila - Februar 14, 2013, 23:44

Ich versteh ja nichts davon und weiß auch nur, was ich zu nachtschlafender bzw nichtschlafender Zeit aus dem Internet fische 😀

Aber Pferdefleisch soll ja teurer sein als Rindfleisch. Ergo: wenn es billiger war, Pferdefleisch zu nehmen als das billigere Rindfleisch, dann muß es sich um mieses Pferdefleisch gehandelt haben.

Ich hab vor zwei Tagen, nachdem ich die Katzen gefüttert habe. einen Krümel vom Tisch, an dem wir gerade gegessen hatten, genommen und gedankenverloren in den Mund gesteckt. Ich dachte, das wäre ein Stücksken Zwiebel oder so gewesen, das von meinem Teller gerutscht war. Statt dessen war es

war es

war es

würg

Katzenfutter.

Es muß irgendwie vom Löffel oder beim Dosen-Aufmachen quer durch die Küche gesprungen sein. Ich ekel mich immer noch beim Drandenken. Weiß nicht, wie lange ich gespuckt und gespült habe.

Reine Dämlichkeit, ich kann niemanden verklagen.

Aber obwohl ich weiß, daß wir robuste Tiere sind und in unserem Leben ekelpetriges Zeug zu uns nehmen, das in Marmelade oder Brotteig oder sonstwas verrührt oder vermahlen ist….. denkt man doch nicht gern dran.

Alles liebe ich an Hornblower, aber die realistischen Beschreibungen, wie sie die Maden aus dem Schiffszwieback klopfen… da les ich gaaaanz schnell drüber weg.

15. Lila - Februar 14, 2013, 23:50

http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2013-02/Pferdefleisch-Lasagne-FAQ

ZEIT ONLINE: Der Gesundheit schadet das Fleisch aber nicht?

Reiting: Wenn es sich um einwandfreies Pferdefleisch handelt, nicht. Das Problem ist, dass wir nicht genau wissen, woher die Pferde kamen und ob es wirklich Schlachtpferde waren. In Deutschland bekommen alle Pferde einen Pass, in dem steht, ob sie geschlachtet und für die Fleischproduktion verwendet werden dürfen. Wenn sie als Schlachtpferde eingetragen sind, behandeln Tierärzte sie unter Umständen mit anderen Medikamenten. Denn das Fleisch darf nicht mit Arzneien belastet werden, die dem Menschen eventuell schaden. Von diesen Pferden wissen wir aber nichts. Ob es Schlachttiere waren, darüber kann man nur spekulieren.

16. Andreas Moser - Februar 14, 2013, 23:58

Ich finde Pferdewurst absolut OK.
Die Ekelgefühler der meisten Menschen dürften aber weniger durch ihre Religion als vielmehr durch die mütterliche oder väterliche Küche bedingt sein. Ich bin ein kathlisch aufgewachsener Atheist, und ich esse eine ganze Menge Sachen nicht, die andere Katholiken und/oder Atheisten mit Vergnügen verspeisen.
„Was der Bauer nicht kennt, ißt er nicht.“

17. Lila - Februar 15, 2013, 0:05

Das meinte ich ja. Auch wer religiös nicht gebunden ist, übernimmt den kulturellen Ekel.

Mein Bruder graust sich vor Käse. Iiih, verschimmelte Milch, wie könnt ihr das essen?????

18. Georg - Februar 15, 2013, 1:01

So isses, reine Gewöhnungssache. Asiaten essen Insekten (ich hab das mal gesehen, wie eine Mutter ihrem Kleinkind zeigte, eine Heuschrecke richtig zu essen), Franzosen essen Frösche, Engländer so einen widerlichen Maisbrei (?) und Inoit rohes Robbenfleisch. Proteinen gibt’s überall reichlich, selbst Gammelfleisch war nicht gesundheitsschädlich, da Ewigkeiten tiefgefroren. Selbst vermadetes Aas zu essen schadet der Gesundheit nicht – aber chemische Zusatzstoffe etc. machen den Menschen krank. Irgendwie ist das alles eine Frage des Blickwinkels.

Aber dass auf der Verpackung was falsches draufsteht, so was regt den Deutschen auf 😉

19. arthur - Februar 15, 2013, 1:11

Also die Tschuktschen, die gerne rohes Walfleisch essen, bekommen davon auch immer wieder Krankheiten, und die russischen Krankenschwestern versuchen, ihnen zu erklären, dass es sicherer ist, wenn sie das fleisch erst kochen, aber sie haben noch nicht alle überzeugen können… Rohes robbenfleischt ist wahrscheinlich auch nicht ganz harmlos…

20. Lila - Februar 15, 2013, 1:17

Geh. Endlich. Schlafen.

Rohes Robbenfleisch….

21. Silke - Februar 15, 2013, 2:50

gut durchgekochtes Gammelfleisch ist vermutlich weit weniger gefährlich als medikamentenreiches Pferd.

In meiner Kindheit hieß es, daß ein Fohlensteak einem Rindersteak überlegen sei – warum sonst sollten die Franzosen wohl immer noch Pferdemetzgereien haben?

Meine letzte Erkenntnis – zumindest einiges Pferdefleisch scheint von England nach Frankreich exportiert worden zu sein.

Sowas kann keine Satire erfinden …

22. Silke - Februar 15, 2013, 2:55

Lila 14

ich hatte mal ne Kollegin, die war bei ner Rassekatzenvereinigung wer – die erzählte, daß Whiskas-Leute bei Katzenshowen Whiskas aßen, um die Leute von der Qualität zu überzeugen.

Ich hab’s dann mal ein bißchen nachgelesen, Katzenfutter in Dosen gehört offenbar zum Saubersten und Besten, was Du Dir bei Fleischhaltigem reinziehen kannst.

23. Silke - Februar 15, 2013, 3:02

ja, Georg und das sollte „den Deutschen“ tatsächlich aufregen

Wenn Du ein Auto kaufst und es nicht das, was drauf steht, wirst Du Dich vermutlich auch betrogen fühlen.

24. Silke - Februar 15, 2013, 3:08

Lila 20
meine griechische „Schwiegermutter“, die mit den Zickleindärmen und die, genau wie ich, Halbmuscheln mit Genuss roh ass, von Seeigeleiern ganz zu schweigen (mmmh), spuckte als ich ihr von einer Bekannten mitgebrachtes Heringsstipp zu probieren gab – Matjes und süss – die Deutschen sind Barbaren
😉

25. Silke - Februar 15, 2013, 3:21

OT

wäre es nicht schön, so etwas würde die Schlagzeilen dominieren?

http://blogs.the-american-interest.com/wrm/2013/02/14/egypt-drowns-hamas/

In a surprise move yesterday, Egyptian forces blocked a network of tunnels that run between Egypt and the Hamas-controlled Gaza Strip by flooding them with water. The tunnels, used to smuggle everything from fuel to cement to weapons, are now inoperative. Imagine the global outcry if Israel did anything like this:

26. julia - Februar 15, 2013, 4:06

Ich lebe in Österreich, in Wien, und hier gibt es Pferdeleberkäse-schmeckt viel besser als normaler Leberkäse vom Schwein. Und weil es in einem der ersten Posts angesprochen wurde, mein Mann ist Chinese, und er hat sich angespieben (sorry), als er erfahren hat, daß das magere Fleisch, das er gegessen hatte, nicht vom Rind war, sondern Schlange. Und meine chinesische Schwiegermama hat sich geweigert, irgendwelche Insekten zu verzehren…ich war neugierig und hab Ameisen, Heuschrecken, Bienen, Seidenraupen und Skorpione probiert. War immer eine Überwindung, aber hat gut geschmeckt.

Aber was ist jetzt eigentlich an Pferdefleisch so schlimm (außer der falschen Deklarierung natürlich)? Ich habe mir sagen lassen, daß Pferde empfindlicher als Kühe sind und deshalb besser gehalten werden müssen…ich weiß nicht, ob das stimmt, aber es würde jedenfalls pro Pferd und gegen Rind oder Geflügel sprechen…

27. julia - Februar 15, 2013, 4:12

Ach ja…und in Belgien ist Pferd ganz normal-als Schinken, Wurst und als Steak…und es kommt hauptsächlich aus Norddeutschland und Polen (naja, wenn die Deklarierung stimmt).

28. Paul - Februar 15, 2013, 4:27

Was mich stört, dass bei uns in D alles immer so füüüürchterlich dramatisch ist.
Egal ob Schweinegrippe, BSE, Fukushima, Brüderle, Ozonloch, Klimawandel usw. usf., alles fürchterlich dramatisch bei uns. Gibt es in Deutschland nur noch Hypochonder?
Es werden Waren aus dem Regal genommen, nur weil Pferdefleisch drin sein KÖNNTE. Noch zu retten? Nächstens werden auch die daneben liegenden Waren noch entsorgt, nur weil sie in der Nähe von was weiß ich gelegen haben?
Bisher ist z.B. für Berlin noch nicht erwiesen, dass Pferdefleisch in der Lasagne gewesen ist. Aber es wird erst mal alles raus genommen. Vielleicht noch als Sondermüll entsorgt?
Dort wo es nachgewiesen wurde, waren wohl 2%(!) Pferdefleisch enthalten. Na, wie schrecklich aber auch! Sind wir noch zu retten? Wenn das die Auswirkungen des Wohlstands sind, dann möchte ich lieber wieder arm sein.

Ende der 50er sind wir an der Ostsee meilenweit zur Pferdegaststätte gelaufen. Dort gab es für wenig Geld riesige Portionen. Der Sauerbraten und die Bouletten waren der Renner. Wenn es das heute noch geben würde, würde ich einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen.

Lila, natürlich ist Pferdefleisch billiger als Rindfleisch, sonst hätte die ganze Aktion vom kaufmännischen her keinen Sinn.
Wo das Pferdefleisch herkommt? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass es in der DDR kein Pferdefleisch mehr zu kaufen gab, weil die Pferde ins westliche Ausland exportiert wurden. Als Schlachtpferde. Das haben wir damals sehr bedauert.

Noch was: Wer Schwein, Lamm, Ziege, Kaninchen und Rind isst, der soll mir mal erklären, warum er sich vor Pferd ekelt?

29. Franka - Februar 15, 2013, 11:26

– Es ist Betrug, ‚Rindfleisch‘ zu deklarieren und ‚Pferdefleisch‘ zu verwenden – das ist ja wohl keine Frage.
– Natürlich kann man Pferdefleisch essen; in Sauerbraten scheint das wohl beliebt zu sein.
http://www.pferd-und-fleisch.de/pferdeflsh/laden1.htm
– Und: wer solche Fertigprodukte isst, geht natürlich ein gewisses Risiko ein.
Es geht wohl auch nicht um das Pferdefleisch, sondern wieder mal um Medikamentenzusätze.
Herzliche Grüße,
Franka

30. willow - Februar 15, 2013, 11:51

„Ich hab’s dann mal ein bißchen nachgelesen, Katzenfutter in Dosen gehört offenbar zum Saubersten und Besten, was Du Dir bei Fleischhaltigem reinziehen kannst.“

Das stimmt. Katzenfutter wird auch regelmäßig verkostet – von Menschen. Vermutlich deshalb gibt es kein Katzemfutter in den Geschmacksrichtungen Maus, Ratte oder Singvogel …

31. willow - Februar 15, 2013, 11:52

„Noch was: Wer Schwein, Lamm, Ziege, Kaninchen und Rind isst, der soll mir mal erklären, warum er sich vor Pferd ekelt?“

Wie ein befreundeter Koch immer sagt „Leberwurst ist schlimmer. Kochwurst auch.“ Wenn z.B. Jemand, der sich vor Wurst nicht ekelt sagt, er würde nie Hirn oder Knorpel essen, dann irrt er sich … 😉

32. willow - Februar 15, 2013, 11:57

@ Julia

„mein Mann ist Chinese, und er hat sich angespieben (sorry), als er erfahren hat, daß das magere Fleisch, das er gegessen hatte, nicht vom Rind war, sondern Schlange. Und meine chinesische Schwiegermama hat sich geweigert, irgendwelche Insekten zu verzehren…ich war neugierig und hab Ameisen, Heuschrecken, Bienen, Seidenraupen und Skorpione probiert. War immer eine Überwindung, aber hat gut geschmeckt. “

Ich wollte da auch nicht verallgemeinern . ich kenne auch ne Vietnamesin, die zwar kein Problem mit Hühnerkrallen hat, sich aber nciht nur vor Aaal sondern auch vor etlichen ostasiatischen „Spezialitäten“ ekelt. Auf der anderen Seite lebe ich mit zwei Familienmitgliedern unter einem Dach, die Hühnerkrallen essen …

Wenn ich mir nicht ziemlich sicher wär, daß die Köchin ziemlich pingelig mit dem Essen ist, hätte ich mir das mit der Einladung zum Tet-Fest vielleicht überlegt – wir gehen ja ins „Jahr der Schlange“ 😉

33. um - Februar 15, 2013, 12:11

Habt ihr eigentlich kein anderes Thema? Mir wird schlecht. Wenn das so weitergeht, schaue ich nicht mehr vorbei.

34. Margot - Februar 15, 2013, 18:29

Mein Mann stellte sich einmal vor Jahren auf einem großen Jahrmarkt an einem Grillstand an, der ein großes Reklameschild trug „Beste ROSSbratwurst“. Wir (meine Tochter, mein Sohn und ich) hatten sofort erkannt, dass es nicht RosTbratwurst hieß und ließen ihn so lange anstehen, bis er fast an der Reihe war, um seine erwartete Bratwurst zu erhalten. Als wir ihm lachend erklärten, er solle doch noch einmal genau lesen, ob das die richtige Wurst für ihn sei, wurde er (als passionierter Reiter!) ganz blass. Ihm wurde übel — an diesem Tag aß er überhaupt keine Bratwurst mehr, auch keine Rostbratwurst. Wir mußten alle noch lange Kichern. — Gemein?
Seitdem lese ich immer ganz genau, ob man in fremden Städten auch wirklich RosTbratwurst (und nicht Rossbratwurst) grillt.
Margot

35. Lila - Februar 15, 2013, 18:40

Da fällt mir ein, daß der Metzger, bei dem meine Mutter jahrelang kaufte, ROSS hieß. Aber meine Mutter hat bestimmt keine Bratwurst aus seinen Vettern dort gekauft 😀

36. Silvia - Februar 15, 2013, 21:49

liebe Lila, eine neugierige Frage: ernaehrst du die Katzen auch kosher?
Schoene Gruesse, Silvia

37. willow - Februar 15, 2013, 22:17

Silvia, nach meinen Erkenntnissen werden die Katzen im Hause Rungholt nicht vegetarisch und schon garnicht kosher ernährt – sie werden einfach artgerecht verwöhnt 😉

38. Lila - Februar 15, 2013, 22:17

Auch? Wieso auch? Wen ernähre ich denn koscher? Da ich nicht jüdisch bin, mein Mann nicht gläubig und auch sonst in unserem Hause niemand, ernähre ich niemanden hier koscher. Die würden sich schön bedanken 😀

Ich erkläre wohl manchmal in Deutschland Nachfragern, daß es bei Kashrut-Vorschriften keineswegs darum geht, nach Schweinefleisch jiepernde Juden davon abzuhalten, sich den Bauch damit vollzuschlagen. Sondern daß mit den Vorschriften eine Kultur entstanden ist, in der auch viele nichtgläubige Juden und Moslems sich vor Schweinefleisch ekeln oder es zumindest nicht begehren. Und für fromme Juden gehört koscheres Essen zu einem ganzen Programm gelebter Vorschriften, die den Menschen an Gott binden und diese Bindung tätig ausdrücken.

Alle koscher essenden Menschen, die ich kenne, empfinden das nicht als Beschränkung, sondern als ganz normal, so wie man hygienische Regeln normal einhält, und auf einem Schneidebrett nicht rohes Fleisch und dann Salatgurken schneidet, ohne das Brett mit heißem Wasser und Spüli sauberzuschrubben. Aber ich sehe das jüdische Leben von außen, nicht von innen, und die meisten Familien, die ich kenne, leben koscher light oder koscher very light oder koscher gar nicht mehr 🙂

Zu Deiner Frage.

Kashrut-Vorschriften richten sich nicht an Tiere. Ich bin aber sicher, daß eine fromme jüdische Familie kein unkoscheres Tierfutter im Haus dulden würde, also zB kein Schweinefleisch. Ich habe mir sagen lassen, daß religiöse Familien zu Pessach Probleme mit Vogelfutter haben und es deswegen Haustierpensionen für Pessach gibt, aber das mag eine urbane Legende sein.

Ich nehme daher an, daß israelische Katzen und Hunde mit Geflügel, Fisch und Rind ganz gut zurechtkommen. Bei Gelegenheit guck ich mal nach, ob was davon auf den Dosen und Tüten steht.

39. Silke - Februar 15, 2013, 23:59

ja willow 31 – lt. meiner Kollegin damals wurde es nicht nur verkostet sondern von Vertretern von Whiskas schau-gegessen …

was es alles für Möglichkeiten gibt, seinen Lebensunterhalt zu erwirtschaften – Whiskas-Schauesser …

40. Silke - Februar 16, 2013, 0:04

willow – 31

vor BSE war Hirn eine Delikatesse und zu Recht und natürlich ein Lieblingsessen von mir, wie alle Abkömmlinge von Küstenbewohnern bin ich beim Essen sehr breit aufgestellt.

– Knorpel sind meine Leidenschaft und ich glaube lt. Udo Pollmer kürzlich hochgradig Vitamin C-haltig, also auch noch super-gesund.

Leider sind sie schwer zu bekommen, ich habe jedoch eine beträchtliche Meisterschaft darin entwickelt, abgepackten Schälrippen anzusehen, ob Knorpel dran ist oder nicht.

(Kontakte mit Metzgern an Fleischtheken knüpfen hindert mich beim Schizophrenieren)

41. Silke - Februar 16, 2013, 0:28

Lila
fällt mir gerade wieder ein, bessere Griechinnen (Beamtenfrauen z.B.) befolgen auch irgendwelche Topftrennvorschriften.

42. Silke - Februar 16, 2013, 0:33

da es hier ja um Pferde geht, hier eine ganz heiße Empfehlung von mir für alle, die ihr Allgemeinwissen rund ums Pferd erweitern wollen.

http://thehistorynetwork.org/blog/cavalry-in-the-ancient-world/

Cavalry in the Ancient World
Posted by admin on February 8, 2013 in Ancient Warfare Magazine ·

True cavalry with men mounted on horse back started to appear from the 9th century BC, as chariots were slowly replaced. Imposing they were used in shock charges, their rapid movement made them ideal for reconnoissance, screening an army and for chasing down the enemy. Though despite there usefulness they only remained a small part of a Mediterranean army, comprising of perhaps only some 10% of the total numbers. In the late Roman empire period cavalry drawn from Northern Europe became more prevalent.

The expense of the horse and equipment often made it the province of aristocrats, creating at times divisions in social and political status between that of the infantry and cavalry.

In this episode Jasper, Josho, Murray, Lindsay and Michael consider questions of the tactical roll of the cavalry, the logistics of providing for the cavalry and their weapons and equipment, and the social status of the cavalry and use of “Barbarians”.

43. Marlin - Februar 16, 2013, 0:49

Tjo, hier gibbet eh kein Fleisch, außer für meine 2 Vierbeiner.. 😛

Insofern muss ich mir beim Fertiggerichte-in-den-Ofen-schieben weniger Gedanken machen bzgl. der schönen Antibiotika und wunderbaren Nebenwirkungen von Entzündungshemmern.

Eins weiß ich, Menschen sind eklig.

Ach ja, plausibel finde ich, dass die Pferde aus Osteuropa herangekarrt wurden (Rumänien z. B.), ob die lebend oder tot ankamen ist ja wohl egal, genau wie bei Schweinen oder Kühen, hauptsache billig, dann schön untergemischt und alle haben was davon. Mit der EU-Osterweiterung hat das Pferd als Nutztier wohl nicht mehr den besten Stand, da kann man die auch abwracken.

44. Georg - Februar 16, 2013, 1:06

@ Silke: Natürlich muss man sich beschweren über eine fehlerhafte Deklarierung. Ich denke, es ist sogar strafbar aber halte es ansonsten mit Paul, der zurecht die beinahe hysterische Aufregung in den deutschen Medien beklagt. Jede relative Kleinigkeit wird dort zur Sensation. Was hingegen wirklich wichtig ist, wird oft verschwiegen, ganz so als gäbe es eine kollektive unbewusste Absprache.

Dieser Thread ist übrigens einer der lustigsten seit langer Zeit. Man könnte ja vielleicht noch erwähnen, dass Europäer sich ekeln würden, Hundefleisch zu essen, die lieben vierbeinigen Freunde es allerdings ganz anders sehen. Polizisten berichten oft davon, dass in Singlehaushalten mit Hund, in denen Frauchen oder Herrchen verstorben sind aber nicht umgehend entdeckt wurden, der skelettierte Kopf weit entfernt vom menschlichen Rumpf aufgefunden wird. Man könnte an einen Mord denken, doch es sind die lieben Wauzis, die ihre Besitzer tatsächlich zum Fressen gern haben. Sie müssen halt überleben und kennen dabei keine Ethik.

In menschlichen Notsituationen gibt es bekanntlich auch Kannibalismus. Naja, das führt jetzt zu weit 🙂 aber am Essverhalten sind ganze Kulturen heute und in der Vergangenheit historisch beschreibbar, und da finde ich teilweise höchst interessant, was in welcher Epoche von wem gegessen wurde und wovor sich die Menschen ekelten. Auch haben religiöse Bestimmungen ja fast alle höchst praktische Ursachen, entweder hygienischer Art (fehlende Kühltechnologie etc.) oder aber auch sinnstiftender Art beispielsweise für ein innigeres Gemeinschaftsgefühl. Ein weites Feld …

45. willow - Februar 16, 2013, 10:14

@43. Marlin

Ich will ja nichts schönreden – aber wenn ich mich richtig erinnere, dann ging bein einzigen nicht nur „ekligen“ sondern regelrecht gefährlichen Nahrungsskandal der letzten Jahre (etliche Tote, hunderte Überlebende die ihr restliches Leben schwer leiden werden) um Bio-Gemüse …

46. Marlin - Februar 16, 2013, 12:13

Willow, das stimmt. Aber da ich auch noch wählerisch beim Gemüseessen bin…

So’n Zeug wie Sprossen würde ich mir freiwillig nicht auf den Teller tun. Erbsen und Möhren und noch ein paar andere Sachen nehme ich, aber nicht so viel mehr. Auch gestört, ich weiß. Aber nicht ganz so eklig. 😉

47. Silvia - Februar 16, 2013, 13:16

Liebe Lila,
vielen Dank für Deine ausführliche Antwort zur Katzenernährung! In Deutschland sind die Dosen nicht ausreichend deklariert, da steht dann „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“. Da laut Katzenbüchern Katzen kein Schwein essen sollen, hoffe ich mal, dass keins drin ist. Dafür wahrscheinlich aber Pferd… Auf diese Idee kam ich jedenfalls und damit auf die koshere Tierernährung.
Schön finde ich Deine Unterteilungen in „koscher light oder koscher very light oder koscher gar nicht mehr“. Wir Menschen in unserem Haushalt essen „koscher selbstgemacht“. Keine unkoscheren Tiere (hoffentlich! aber da wir auch keine Fertigprodukte kaufen und das Fleisch vom muslimischen Schlachter kommt, hoffe ich mal das Beste) und wir trennen fleischige und milchigen Speisen. Koscher-Zertifikate spielen keine Rolle, daher „selbstgemacht“. Das ist seit Jahren bei uns eine liebgewonnene Lebenseinstellung. Die macht dann auch vor unserer Katze nicht Halt, so bin ich neugierig geworden, wie Du es handhabst.
Das „auch“ koscher ist in die Frage gekommen, weil ich von der Erklärung des koscheren Lebens auf Deine eigene Ernährung geschlossen habe – war aber doof, ich hab ja schon gelesen, dass Du Vegetariern bist. Herzliche Grüße, Silvia

48. Silke - Februar 16, 2013, 13:57

Marlin

25.000 Pferde sollen aus Großbritannien ins Hack gekommen sein, ob die aus Irland stammten oder genuin englisch waren, war nicht ganz klar.

In Irland soll es dank der „Krise“ eine tote-Pferde-Schwemme gegeben haben, weil die Leute sich das Hobby nicht mehr leisten konnten.
———
lt. Mark Kurlansky in „Die Basken“ S. 414 kriegen Baseball-Bälle einen Überzug aus Pferdehaut – also industriell verwerten darf man die Biester schon, nur nicht essen?

Also wann immer so etwas die Gemüter bewegt, erscheint mir das mit unserer Ethik und Moral so löchrig wie Ajour-Gestricktes zu sein und mit der Verlässlichkeit unserer Liebe auch.

So viel zu dem von Lila geliebten „Pferde sind was Besonderes“ Argument (ja, ich find’s eklig, Fleisch von Tieren zu essen, die einen Namen hatten).

http://www.faz.net/aktuell/politik/pferdefleisch-kein-schwein-12080619.html

49. Silke - Februar 16, 2013, 14:03

Marlin

Menschen sind nicht eklig – Du bist z.B. vermutlich das Ergebnis davon, daß sich 2 Menschen mal nicht eklig fanden

Wir haben nur Schwierigkeiten, unser Tiersein mit unseren durchaus edlen und wünschenswerten Ansprüchen für ein schuldfreies Leben zusammen zu kriegen. Mit anderen Worten wir scheitern regelmäßig an der Quadratur des Kreises.

Wann immer das passiert, kann man sich natürlich vor Ekel schütteln oder es zur Kenntnis nehmen und versuchen, es für’s nächste Mal ne Nummer kleiner hinzukriegen.

Aber sich selbst für eklig erklären (ich nehme an, Du bist ein Mensch), ist die am wenigsten hilfreiche Reaktion.

Wir sind, wie wir sind und müssen lernen, damit zu leben oder es ganz lassen.

50. Silke - Februar 16, 2013, 14:10

Georg

es gab sogar Kulturen oder mindestens eine Kultur (irgendeine im Iran), die ihre Toten von Hunden bestatten ließ (ich glaube, ich hab’s von Konrad Lorenz, die Info ist also mit Vorsicht zu genießen).

Dieser Sitte sollen wir die Züchtung von so Riesenexemplaren wie der Dogge verdanken, denn, nehme ich mal an, je größer und edler der Hund, desto höher der Status des Verstorbenen.

51. Silke - Februar 16, 2013, 14:23

… und noch was zu der derzeitigen Diskussion – zu glauben, daß höhere Preise zu weniger Beschiss führen, widerspricht ja nun jeder Alltagserfahrung. Das Gegenteil dürfte eher der Fall sein. Denn ich finde es schwer vorstellbar, daß die Preiserhöhungen alle zur Einstellung von mehr Lebensmittelkontrolleuren führen.

Besonders (bitter) gelacht habe ich in BILD.de von heute, wo ausgerechnet Augstein-Sohn mit dem Argument so rüberkommt und sich damit, nach echter Fundamental-Sozialisten-Manier als Sprecher des (Groß)Bauernverbandes outet.

Wie man vorschriftenmäßig das Problem löst, daß man in kargen Gegenden Landwirtschaft erhalten will, die aber nach den gleichen Vorschriften, die für Großbetriebe gelten, operieren sollten, das wäre eine wirklich spannende Frage.

——
willow

schon bevor die Sprossen zuschlugen, habe ich die in Plastik-verpackten, also luftdichten Salatschachteln als eine Katastrophe im Wartestand angesehen. Und daß noch nix passiert ist, ändert für mich gar nix.

Übrigens gibt es zur Zeit bei mir massenweise israelische Avocados – zusammen mit Sahnemeerrettich gelöffelt, ein Hochgenuss und hygienisch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit absolut unbedenklich.

Auch die Grapefruits sind in diesem Jahr zu meiner großen Freude wieder fast alle aus Israel.

52. willow - Februar 16, 2013, 14:41

„ja, ich find’s eklig, Fleisch von Tieren zu essen, die einen Namen hatten“

Ach, bei den Kleinbauern in der Umgebung ist das völlig üblich … wenn ich mir da im Hofverkauf ein paar Würste/Wurstgläser ausgesucht habe, dann kommentiert die Bäuerin mit leuchtenden Augen „Ja, das ist von Erna … und die Wurst ist von der Lise …“

53. Silke - Februar 16, 2013, 14:53

Silvia

das mit dem kein Schwein für Katzen bezog sich meiner Erinnerung nach nur auf rohes Schwein – gekocht war’s für Katzen genauso harmlos wie für Menschen.

Das Virus wird bei Temperaturen ab etwa. 60°C inaktiviert.

http://www.katzen-lexikon.de/Aujeszkysche_Krankheit

Aber es ist ein schönes Beispiel dafür, wie das menschliche Hirn funktioniert – da teilt einer der Welt mit, daß man die Katze nicht vom Mett oder ungekochtem Schweine-Gulyas in der Küche naschen lassen sollte und sofort ist das komplette Schwein des Teufels.

Bevor BSE ausbrach plärrte der von Ess-Angst/Unschuldsgier besessene Teil der Menschheit ständig, daß Schwein böse und Rind gut sei. Kaum brach BSE aus, waren sie so still, daß mir die Ohren dröhnten.

Religiöse Speisevorschriften sind für Religiöse, für uns andere gilt,

Daß unsere Massentierhaltungen genau wie abgepackte Fertigsalate Katastrophen sind, die auf den Ausbruch warten, betrifft alle Tiere, die in solchen leiden müssen.

Als mit Beginn der industriellen Revolution die Menschen nach London drängten, war das der ungesundeste Platz des Landes, aber auch der mit den besten Chancen nen Aufstieg zu schaffen.

Es hat sich nix geändert, man kann den Kuchen nicht essen und behalten, entweder wir akzeptieren daß die Weltbevölkerung sich in Richtung gigantisch entwickelt oder wir erlauben dem Hunger wieder
den Deckel drauf zu tun.

54. julia - Februar 16, 2013, 16:20

In Österreich profitieren erstaunlicherweise die Pferdemetzger von dem Skandal-offenbar ist vielen Leuten wieder eingefallen, wie lecker Pferd schmecken kann.

55. Paul - Februar 16, 2013, 17:43

Lieber willow,
wenn Du die „EHEC-Epidemie“ meinst, dann hat Dich Dein Erinnerungsvermögen getäuscht.
Es gab damals 53 Tote durch EHEC.
Die Hysterie war unangemessen riesengroß.

Jährlich sterben ca. 15 – 40 000 Menschen durch Krankenhauskeime. Die Schätzungen gehen sehr weit auseinander. Aber selbst wenn man von der niedrigsten Zahl ausgeht ist es eine Ungeheuerlichkeit, ein Skandal.
Wo bleibt da die Aufregung?
Wie schön ist es doch, wenn man „Nebenkriegsschauplätze“ hat. Die wirklich gravierenden Sachen klammern werden ausgeklammert.

Wußtest Du eigentlich, das z.B. bei TIP in der Lasange der Rindfleischanteil 7,6% beträgt? Davon sollen 2% (absolut oder relativ?) durch Pferdefleisch ersetzt worden sein.
Gehen wir mal von dem schlimmen Fall aus. Dann sind nicht 7,6% Rindfleisch drin sondern nur 5,6% und 2% Pferdefleisch.

Gut, die falsche Deklaration muss geahndet werden.

Aber deshalb das ganze Produkt aus dem Handel nehmen? Ich hätte die Etikettierung geändert und den Preis von 1,25€ auf z.B. 0,99€ gesenkt und geschaut, ob sich nicht doch Käufer finden.
Ich hätte sie gekauft. Gerade wegen des Pferdefleisches.
Vielleicht hätten sich Andere auch so entschieden. Aber deshalb alles wegwerfen? Das ist doch krank!

In Berlin hat man die Ware aus den Regalen entfernt obwohl noch nicht einmal klar war, ob überhaupt Pferdefleisch drin ist.
Bisher ist mir noch kein Pferdefleischnachweis für Berlin bekannt.

56. Jack - Februar 16, 2013, 20:33

Ungewaschene statt gewaschene Hände sind viel schlimmer als Pferdefleisch statt Rind.

Die ganze Geschichte fängt eigentlich schon beim Apfelkuchen an …

🙂

57. Silke - Februar 16, 2013, 23:07

ich finde keine Aufregung um ungeklärte Ausbrüche von Krankheiten unangemessen groß

Das Brabbeln auch immer Maxeiner&Miersch, dabei sind die dann garantiert die Ersten, die schreien, an den Galgen mit ihnen, sollte was aus’m Ruder laufen.

Und um die Krankenhauskeime wird sich gekümmert mit allem, was der Ärzteschaft einfällt – da herrscht höchste Besorgnis und höchste Aufmerksamkeit, jedenfalls bei den Ärzten, mit denen ich sprach.

Aber ja, es gibt ein offenbar unlösbares Problem also auf sie mit Gebrüll und wenn es lösbar ist und es wird sich gekümmert, dann ist es unangemessene Hysterie.

Und solange noch nicht geklärt ist, was in dem Pferdefleisch alles drin war, gehört es raus aus den Läden und nicht umdeklariert. Es wird schon wieder irgendwie in die Nahrungskette reinkommen.

Alle Seuchenexperten zittern vorm Ausbruch der nächsten Grippeepidemie und tun alles Menschenmögliche, um sie hoffentlich im Keim und am Ursprung ersticken zu wollen. Wird ihnen das gelingen, werden wieder alle brüllen „unangemessene Hysterie. Wer nicht superschlauer Journalist ist, dem geht in allen damit befassten Laboren ständig der Ar… auf Grundeis, daß irgendwo irgendwas aus’m Ruder laufen könnte.

Und ja, man sollte die vielleicht alle rausschmeißen und durch Phlegmatiker ersetzen – sarc intended.

Und bloß weil an irgendwas mehrere Tausend sterben sind 53 nicht nix …

58. Silke - Februar 16, 2013, 23:11

Jack
Betrug ist Betrug

59. willow - Februar 16, 2013, 23:38

@55. Paul

Genau darum geht es mir – die allermeisten „Nahrungsskandale“ der letzten Jahre waren -zumindest in Deutschland- zwar teilweise ekelig, aber nicht wirklich gefährlich. Der einzige Skandal, bei dem tatsächlich in größerer Zahl Menschen zu Schaden kamen, hatte bezeichnenderweise nichts mit Massentierhaltung, Fertiggerichten oder FastFood zu tun, sondern kam aus der Bio-Ecke … aber ist natürlich auch wieder Medienmacht – bekommen durch verseuchte Fertiggerichte ein paar hundert Leute Durchfall, dann beherrscht das die Medien … sterben 50 Leute durch Bio-Gemüse und sind hunderte lebenslänglich ein Fall für die Dialyse, dann wird das nicht mehr so dramatisiert wie in den Wochen zuvor, als billige spanische Gurken und Tomaten unter Verdacht standen.

60. arthur - Februar 17, 2013, 11:57

Koscheres katzenfutter? Nein, im Gegenteil, es steht explizit in der torah, dass man das trefene (gerissene) fleisch „den Hunden vorwerfen soll“… Wer kann auf die Idee kommen, dass man tieren koscheres Fleisch geben muss? Da muss man schon sehr, sehr wenig ahnung von der ganzen Sache haben…

Mit dem vogelfutter hat es folgendes auf sich: Zu Pessach ist nur der Verzehr, sondern auch der Besitz von Chametz verboten, und deshalb darf man Chametz auch nicht kaufen/besitzen, um es den Vögeln zu geben. Und als chametz zählt nicht nur das gesäuerte an sich, sondern auch das, woraus gesäuertes werden könnte, also z.B. Weizenkörner…

61. arthur - Februar 17, 2013, 11:58

Ich meinte:
„Zu Pessach ist nicht nur der Verzehr, sondern auch der Besitz von Chametz verboten“

weiss nicht, wo dieses nicht hinverschwunden ist…

62. Silke - Februar 17, 2013, 14:58

für Paul

die nächste Hysterie meldet sich an

http://blogs.the-american-interest.com/wrm/2013/02/16/sars-back-to-stay/

SARS: Back to Stay?

hat offenbar auch nur „läppische“ 800 Tote verursacht. Verglichen mit ner Hungersnot, was ist das schon.

———
und noch was für Paul

Hier ist übrigens ein langes Gespräch mit Pfeiffer, erst auf den ca. letzten 10 Minuten wird seine ich-bin-das-Opfer Masche a bisserl brüchig, falls es Dich interessiert, achte auf seinen Tonfall, wenn er erzählt, wie er und sein Institut es der Kirche gezeigt haben, aber was iss von einem Mann, der behauptet hat, alle DDR-ler seien durch langes Töpfchensitzen für’s Leben verkorkst, schon anderes zu erwarten. OK ich übertreibe, aber so habe ich’s mir nun mal gemerkt.

http://www.ndr.de/ndrkultur/programm/sendungen/klassik_a_la_carte/pfeiffer175.html

——-

willow

Ausbrüche von EHEC werden in den USA in den Medien immer sehr ernst genommen und scheinen große Furcht auszulösen. Ich habe den Eindruck, daß da ein anderes potentiell Unbeherrschbares auf seine Chance wartet.

63. Yael - Februar 17, 2013, 17:42

Nein, Tiere essen ganz sicher nicht koscher. Warum auch, sie sind ja nicht jüdisch. 😉 Nur an Pessach werden Tiere chametzfrei im Haushalt ernährt, da man an Pessach kein Chametz besitzen darf.

64. CK - Februar 18, 2013, 22:28

STEAK DE CHEVAL ist in Frankreich und Luxemburg ein vollkommen normales Gericht. Ich hab kein Problem damit Pferd zu essen.

In einem asiatischen Land würde ich vielleicht auch Hund oder Schlange probieren, mein Bruder hat schonmal Heuschrecken gegessen. Luxemburger Männer sind halt keine Weicheier 😉

65. Silke - Februar 18, 2013, 23:23

CK

bei dem Hamburger Pferdemetzger heute im Internationalen Spiegel laufen auch überwiegend Männer auf, sagt er, daß Säbelzahntigerische, wie Lila sagen würde, ist eben „Eure“ Domäne.

Ihr müßt die Mädels über die Gesundheits-/schönheitsschiene überzeugen, dann tischen die Euch ab sofort täglich Fohlensteak in XXXL auf.

66. CK - Februar 19, 2013, 13:03

@Silke: 😀 – Vorwiegend Männerdomäne, aber nicht nur. Ich kenne eine Frau hier in Luxemburg- sie ist sogar Dressurreiterin!- die isst auch liebend gerne Pferdesteak 😉

67. Silke - Februar 19, 2013, 17:08

CK

und nu, wo es aussieht, als sei die Pferdesau fast durch durchs Dorf, (wobei hoffentlich ne gute Zeit für die paar Pferdemetzger =Einzelpersoneneinzelhändler übrig bleibt), kommt das Nächste

nu sind es Esel, die gefunden wurden und als Ekel-Poster-Tiere herhalten sollen (Betrug beim Etikettieren mal beiseite gelassen) und da frage ich mich, was sagt denn nu der echte Feinschmecker, der doch immer behauptet hat, nur Eselsalami wäre das Wahre.

Bild stellt wenigstens heute die Frage, wo denn das viele Fleisch her kommt. Die Iren, die sich die Haustierchen nicht mehr leisten können, haben sie nicht auf der Latte, aber den „Ausschuss“ bei der Reitpferdezucht erwähnen sie und die scheinen bisher immer unterm Radar geflogen zu sein.

Was Deine Dressurreiterin anlangt, ich finde, man sollte Tiere, denen man Namen gegeben hat, nicht essen, also hoffe ich, sie gibt ihre eigenen in die Anonymität oder gönnt ihnen ein Grab.

– obwohl ich sehr sehr gern Lamm/Schaf/Hammel esse, hat es mir doch den Appetit verschlagen, als einer die Tiere auftischte, denen wir im Sommer beim Mähen seines Rasens zugeschaut und sie mit Kosenamen gerufen hatten.

Als Kind war ich aufs Innigste mit Hühnern befreundet und hatte ihnen Kunststückchen beigebracht, weswegen ich sie fangen mußte/fing, wenn Opa eins schlachten wollte. Würde ich nicht unbedingt zur Nachahmung empfehlen und sogar die Jüngeren unter den Bauern „meines“ Dorfes verbaten ihren Kindern, mit den Karnickeln im Stall zu spielen.

68. CK - Februar 21, 2013, 3:03

@Silke: An mir perlt der ganze Unsinn ab. Man soll halt alles detailliert etikettieren und jeder Konsument entscheidet dann selbst was er essen will und was nicht. Oder eben nicht.

Die Dressurreiterin würde nie ihr eigenes Pferd aufessen, sie isst aber eben Steaks von anderen Pferden im Restaurant, was ja Reiterinnen meist nicht tun, die essen aus Prinzip keine Pferde-normalerweise.

Deine Geschichte erinnert mich an die Szene mit dem toten Kaninchen in „Das Wunder von Bern“.


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