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Komisch leer Februar 12, 2013, 9:48

Posted by Lila in Kinder, Persönliches.
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ist das Haus. Primus ist wieder in Deutschland, sein Deutsch endgültig aufpolieren. Als er sich für den Sprachkurs Deutsch anmelden wollte, sah die Sekretärin ihn verständnislos an. Sie dachte, er will eine Fremdsprache lernen – Deutsch kann er doch. Nur wenn man gut hinhört, erkennt man, daß er die Silben sorgfältig betont und nichts wegnuschelt, wie die Eingeborenen das tun. Hebräisch gefärbte Ausdrücke benutzt er kaum noch. Aber um studierfähig zu sein, muß er am schriftlichen Ausdruck feilen.

Secundus ist unterwegs. Am Sonntag hatten sie einen „Kulturtag“ in Jerusalem, aber wie war es? Och, ziemlich langweilig. Wenn man dann genauer nachfragt, stellt sich raus, daß es eigentlich ganz interessant war. Alle sechs Monate haben sie so einen Kulturtag und gucken sich gemeinsam Museen, Ausstellungen oder Einrichtungen an, hören Vorträge oder sonst allerlei Dinge, die sie sonst bestimmt nicht sehen und hören würden.

Tertia beweist ihr Talent, in schwierigen Situationen mit Humor, aber auch mit Schärfe zu reagieren, wenn sie muß. Um Tertia muß ich mir keine Sorgen machen. Mußte ich eigentlich noch nie, aber habe ich natürlich trotzdem immer. Seit sie als winziges Kleinkind energisch darauf bestand, alles allein zu tun, ist ihr Drang nach Unabhängigkeit kaum zu bändigen. Daß sie bei der Armee keine Probleme hat, sich einzuordnen, liegt daran, daß die Aufgaben interessant sind, die Freundinnen nett und daß es immer Gründe gibt, abends über die Ereignisse des Tages ausgiebig zu lachen. Wir telefonieren oft, auch wenn sie mir nicht viel erzählen kann.

Nur Quarta ist noch jeden Tag zuhause. Ich koche viel zu viel, daran merke ich, daß ich die Großen vermisse. Ich lüfte jeden Tag ihre Zimmer und räume ihnen die Wäsche ein und lege den Soldatenkindern Süßigkeiten zwischen die T-shirts, die sie manchmal gar nicht finden. Ich weiß nicht, wann dieses Rad der Sorgetätigkeit ausschwingt. So viele Jahre war es mit viel Arbeit verbunden, die Kinder großzuziehen, und obwohl ich es genieße, mehr Zeit zum Lesen, Häkeln und Arbeiten zu haben, irritiert es mich doch, daß die Woche über so gar nichts Kindermäßiges zu tun ist. Mit Quarta bin ich nicht ausgelastet, und die Katzen wehren sich gegen zu viel Zuwendung – außer Leo natürlich, der verschmust ist wie eh und je.

Ich sage ja immer – ein Familienhaus ist wie ein Schiff, das erst ab einer gewissen Ladung gut im Wasser liegt. Die Woche über ist unser Schiffchen eindeutig unterbelastet. Ich warte immer auf den Donnerstag, wenn mit Wäsche, Hunger und Bedürfnissen aller Art Secundus und Tertia eintrudeln, sich Wochenendbesuch ansagt und die Zeit eigentlich ebensowenig reicht wie der Kuchen. Und ich bin gespannt, wann Secundus anfängt, Pläne für die Zeit danach zu schmieden. Der Sommer rückt näher.

Kommentare»

1. Arthur - Februar 13, 2013, 12:27

Das freut mich aber, dass Primus jetzt schon so gut deutsch spricht. Will er in deutschland studieren? was möchte er studieren?

Ich finde, dass es junge menschen sehr bereichert, wenn sie in verschiedenen Ländern leben und studieren. Primus hat glück, dass er bi-nationale Eltern hat, da fällt ihm das sicher in jeder Hinsicht leichter: mit der Sprache, und auch mit den Bewilligungen. Wenn er will, kann er ja überall in der EU leben und arbeiten. Das ist für einen Israeli sicher eine grosse Chance. Das land ist ja so klein, und die Nachbarländer sind nicht freundlich, also gibt es keinen Verband wie die EU, wo man einfach ins benachbarte ausland gehen könnte. Israelis, die nur einen israelischen Pass haben, haben es heutzutage schwer, in Europa eine Aufenthaltsbewilligung zu bekommen, weil die EU-Staaten und die EWR-Staaten bevorzugt werden, und Israel ist erst im „3. Kreis“, mit allen anderen Ländern der Welt. Sie dürfen die Stelle erst bekommen, wenn niemand aus Deutschland, niemand aus der EU, niemand aus dem EWR zu finden ist. Deshalb ist es gut, wenn eltern, die eine andere STaatsbürgerschaft haben, dafür sorgen, dass die Kinder die auch bekommen.

2. Rika - Februar 13, 2013, 18:58

Ach, Lila, das Gefühl kenne ich gut!
Das Nest, das über so viele Jahre voller Leben war, leert sich – und plötzlich fragt man sich, wo all die Jahre geblieben sind mit den Kindern. Es hört sich eigenartig an von „plötzlich“ zu reden, aber genauso ist es mir ergangen. Es war, trotz des jahrelangen Wissens, dass es so kommen würde, doch ein plötzliches Erkennen, dass es nie mehr so sein würde, wie zu der Zeit, als die Kleinen noch klein waren! Denn wie bei euch, so war es auch bei uns, immer schneiten die Studentenkinder (bei dir die Soldatenkinder) noch mal kurz vorbei, aber dann war auch die Studentenzeit vorbei und die Kinder bauten ihre eigenen Nester.
Unser „Schiff“ dümpelt nun schon ein paar Jahre an der Reling des Rentenstandes und es füllt sich nur von Zeit zu Zeit noch und nimmt allenfalls Fahrt auf für eine kleine Hafenrundfahrt, um im Bild zu bleiben.
Aber ich habe mit der Zeit gelernt, den ruhigen Hafen zu genießen und freue mich um so mehr auf und über die kleinen Abstecher mit voller Besatzung und unter wehenden Segeln…. um in deinem Bild zu bleiben.
Genieße sie, die Zeit …
und dann wird man ja irgendwann zu Großvater und Großmutter … und irgendwie, nur mit anderer Verantwortung, beginnt eine neue Fahrt…. ich bin glücklich über die beiden kleinen neuen Matrosen an Bord!

3. Lila - Februar 13, 2013, 19:09

Ich freue mich auf diese neue Lebensphase, die aber noch eine Weile auf sich warten lassen wird. Oma-Reife habe ich längst erreicht, aber noch muß ich mich mit NeffNichten begnügen. Was auch schön ist. Aaaber…


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