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Gedenktage Januar 27, 2013, 23:07

Posted by Lila in Land und Leute.
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Der internationale Holocaust-Gedenktag war ja heute – der Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz. In der Wahl des Tags drueckt sich der Wunsch aus, irgendetwas Troestliches zu finden. Ausserdem sind an diesem Tag die Befreier Helden, die Nicht-Beteiligten ruecken an diesem Tag ins Licht. Darum macht es dieser Tag auch leichter, allgemeine Lehren zu ziehen, wie in vielen typischen Holocaust-Tags-Gedenkreden. Ein Appell, dass der Mensch an sich besser sein sollte, keine Diskriminerung, kein Hass mehr — Worte, denen jeder zustimmen kann. Das sind die Lehren, die die Welt aus der Shoah gezogen hat.

In Israel ist ein anderes Datum fuer den Shoah-Gedenktag gewaehlt worden. Der Jahrestag des Warschauer Ghetto-Aufstands. Auch dieses Datum zeugt vom Wunsch, einen Lichtpunkt in der totalen Finsternis zu finden. Der Tag ist auch nicht den Opfern allein gewidmet, sondern auch den Helden des Aufstands – verzweifelte, hoffnungslose Gegenwehr, und ein Tod im Kampf, nicht in der Wehrlosigkeit. Dementsprechend erwaehnen die Reden in Israel die Lehren, die das Volk Israel aus dem Holocaust gezogen hat: sich wehren ist besser als stillhalten, lieber kaempfend untergehen als dahingeschlachtet werden, Warnungen ernstnehmen, ein Auge auf antisemitische Drohungen und Taten haben.

Die Welt hat allgemeine Lehren gezogen (und ein Teil der Welt bestreitet, dass es die Shoah ueberhaupt gegeben hat, bedauert ihr vorzeitiges Ende, und moechte beim naechsten Versuch die Sache zu Ende bringen – von denen rede ich hier nicht). Israel hat spezifische Lehren gezogen.

Die verschiedenen Daten bringen das glasklar zum Ausdruck. Wer wissen moechte, wo sich der Westen und Israel unterscheiden (die doch so vieles gemeinsam haben), der findet hier einen Ansatzpunkt. Amerikaner und Europaeer begehen den Tag, an dem sie die Opfer befreit haben. Israelis und Juden begehen den Tag, an dem sie Widerstand geleistet haben.

So oder so – unertraegliche Abgruende.

Kommentare»

1. Jack - Januar 27, 2013, 23:37

Es gab diese Woche im Fernsehen einen guten Fim zum Thema.
Pizza in Ausschwitz, Doku (Isra. 08).
Wer ihn gesehen hat, weiß was ich meine. Oder auch nicht.
http://www.wdr.de/tv/kinozeit/dokufilm/sendungsbeitraege/2013/0124/index.jsp

2. Silke - Januar 28, 2013, 0:05

Hanna Krall erzählt eine Geschichte von ein paar Juden in Polen, die sich in einem dieser Keller versteckt hielten, zu denen man über eine Bodenklappe z.B. im Küchenboden Zugang hatte.

Als ihre Häscher kamen und die Klappe öffneten, haben sie das Feuer eröffnet – ich kann mich genau erinnern, daß mir, nach all der Aufklärung über Juden, die sich wehrten oder nicht wehrten, da beim Lesen bewußt wurde, wie tief auch bei mir das Bild saß, von den geduldig Schlange stehenden, daß die anderen, die die sich wehrten, mir gar nicht so gleichwertig gegenwärtig waren.

Vielleicht war es die verdichtete Darstellung, die mein unterbewußtes Bild nachhaltig verschob und ja, es ist schlimm, daß „Ihr“ Euch wehren müßt und ja, ich wünsche Euch von Herzen, es möge anders sein, doch ich habe mir heute wegen des Bohais um General Mattis die Karte von Centcom angesehen – die Chancen stehen nicht gut.

Es ist eine sehr eindrucksvolle und für Israelis vielleicht deprimierende Karte, aber ich GLAUBE fest daran, daß Ihr es eines Tages geschafft haben werdet, nicht nur eine Oase zu sein, sondern auch eine Oase, die ihre Ruhe hat, so wie sie die Schweiz hatte, wenn „wir“ aufeinander los gingen. (Ob die wohl die Buchstaben extra so draufgeklatscht haben, damit man nicht sieht, daß da doch irgendwie noch was ist? – so etwas in dieser Art etwa …)

Wir befinden uns im Jahre 50 v.Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum liegen…

3. Malte S. Sembten - Januar 28, 2013, 13:01

Amerikaner und Europaeer begehen den Tag, an dem sie die Opfer befreit haben. Israelis und Juden begehen den Tag, an dem sie Widerstand geleistet haben.

Vielsagend. War mir bisher gar nicht bewusst.

4. wollecarlos - Januar 28, 2013, 14:45

„So oder so – unertraegliche Abgruende.“

Vielleicht hat das mit STOLZ und FREUDE zu tun.

Bei den Befreiern FREUDE darüber, einige Tausend von den Millionen gerettet zu haben.

Bei den Juden STOLZ darüber, daß sie sich wehrhaft auf verlorenem Posten zeigten.

5. Silke - Januar 28, 2013, 20:14

noch mal nachgedacht – vielleicht wäre der ideale Gedenktag einer genau in der Mitte zwischen beiden …

Denn unter denen, die befreit haben, waren meines Wissens auch eine gar nicht kleine Zahl sehr wehrhafter Juden

6. Silke - Januar 28, 2013, 20:16

wollecarlos
würdest Du das mit Stolz und Freude vielleicht noch a bisserl näher auseinanderklamüsern?
Danke!

7. wollecarlos - Januar 28, 2013, 21:24

Nein, Silke, warum sollte ich?
Ich habe meine emotionalen Zuordnungen beschrieben, jedoch wenigstens das Wort „vielleicht“ davor gesetzt, damit für weitere Interpretationen Anderer Platz bleibt.

Schreib Deine Meinung, vielleicht können wir uns was sagen.

8. willow - Januar 28, 2013, 22:21

„Bei den Juden STOLZ darüber, daß sie sich wehrhaft auf verlorenem Posten zeigten.“

Ach, bisher haben sich die Juden gegen die überwältigende arabische Übermacht doch ganz gut gehalten … 1:58 – wenn das kein Grund für einen gewissen Stolz ist 😉

9. Lila - Januar 29, 2013, 8:53

Die Rede war vom Ghetto Warschau. Da war den Kaempfern klar, dass sie nicht gewinnen koennen.

Freude ist bestimmt kein Gefuehl, das ich mit dem Holocaust in irgendeiner Art verbinden wuerde. Die Welt hat ihn geschehen lassen. Andere Laender haben sich geweigert, Juden aufzunehmen, sie haben WArnungen nicht ernstgenommen und haben keine Anstrengungen unternommen, den Ablauf zu stoeren (Stichwort Bahnlinien bombardieren). Dass sie sich in ihrem Gedenktag auf den einen Tag konzentrieren, nach jahrelanger Armseligkeit, an dem sie ein gutes Bild abgeben, ist kein Zufall.

Die allgemein gehaltenen Reden bezeugen das. Spezifische Lehren in Bezug auf die Bedrohung der Juden sind ueberwiegend von den Juden selbst gezogen worden. Ja, es ist moeglich, am Holocaust-Gedenktag Israel anzuprangern.

So hat dieser Tage das britische Aussenministerium Israel schlechte Noten ausgestellt:

Israel has been featured in a quarterly report on Human Rights and Democracy released by the British Foreign Office on Thursday, alongside serial human rights offenders Iran, Bahrain and Belarus. The foreign office identified the Jewish State as a „country of concern,“ making a special mention of the recent Gaza escalation, Israeli settlement policy and the Israel government’s withholding of Palestinian custom revenues.

….

By contrast, the corresponding report on human rights violations in Iran measured half the length of that accumulated on Israel, with concerns about the continued use of the death penalty, as well as reports of violation of minority rights, including freedom of religion, being detailed.

Das ist natuerlich alles viel schlimmer als zB von UK-Soldaten getoetete Zivlisten in Afghanistan….

Die Tatsache,dass die britische Regierung direkt fuer den Tod vieler Juden verantwortlich war, Stichwort White Paper und Begrenzung der Einwanderung von fluechtenden Juden ins britische Mandatsgebiet Palaestina, ist von den Briten, soweit ich es erkennen kann, nie aufgearbeitet worden. Von der kolonialistischen Unverschaemtheit, mit der insbesondere Franzosen und Briten im Nahen Osten Grenzen gezogen und Gebiete verteilt haben, in denen sie gar nichts zu suchen hatten und die bis heute fuer Unfrieden sorgen, ganz zu schweigen.

Wie zB ist es moeglich, dass die Bekaempfung von Islamisten in Mali eine Heldentat ist, in Gaza hingegen ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Wo bitte ist Richter Goldstone, um das militaerische Vorgehen in Libyen, Mali oder Afghanistan kritisch zu durchleuchten?

Alles Indizien fuer die Verlogenheit, die diesen Gedenktag umgibt. Man haette ja auch mal ueber diese Dinge reflektieren koennen, ueber die eigene Schuld. Statt Israel nach Kraeften daran zu hindern, sich der angedrohten Vernichtung zu widersetzen.

(Und dabei habe ich noch vergessen, was fuer eine abscheuliche Karikatur am Holocaust-Gedenktag in der Sunday Times erschienen ist – Murdochs Entschuldigung ist schlicht geheuchelt. Erst verleumden, dann sich schwach entschuldigen.)

10. Ach, wirklich? - Januar 29, 2013, 10:40

Na ja, als deutsche in israel scheinst du gerne die israelische empoerung zu uebernehmen und die rolle deutschlands bei der ganzen sache zu vergessen.

Ja, es waere besser gewesen, wenn die briten in palaestine keine kontingente eingefuehrt haetten, aber diejenigen, die die menschen umbrachten oder umbringen luessen waren die deutschen, nicht die briten.

Und bei aller entschuldigungdindustrie darf man das indeutschland heute undseit 70 jahren nicht sagen.

Wenn du dir holocaust gedenktafeln in deutschland anschaust, so sind es immer verbrechen, die „im deutschen Namen“ begangen wurden. Wir? Wir wollten das alles janicht, das waren die boesen nazis!

Wenndu dir die reden zu holocaust-gedenken anhoerst, dann kommt an den kritischen stellen immer ein passiv ohne handelndes subjekt: „die milionen von menschen, die emordet wurden“ wer hat emordet? Das wissen wir nicht so genau, bzw das wollen wir nicht aussprechen.

Bevor du also den englaendern oder franzosen vor den karren faehrst, kehre lieber vor deiner deutschen tuere!

11. Lila - Januar 29, 2013, 10:44

Ach wirklich? Deswegen kriege ich auch regelmaessig Kommentare von Leuten, die mir vorwerfen, dass ich deutschen Selbsthass predige.

Hast Du noch was anderes von mir gelesen, oder reicht Dir ein Eintrag, um zu Deinem messerscharfen Schluss zu kommen?

12. Ach, wirklich? - Januar 29, 2013, 10:58

Als Deutsche wuerde ich mich schlicht und einfach mit solchen kommentaren uebe die briten zurueckhalten. Das ist gebietet schlicht und einfach der gute Geschmack (aber mir ist bewusst, dass dieser in deutschland nicht allzu weit verbreitet ist).

13. Lila - Januar 29, 2013, 11:06

Was fuer ein Unfug. Dass ich als Deutsche geboren bin, verbietet mir also eine Meinung ueber das Verhalten anderer im 2. Weltkrieg? Bestimmt hast Du einen ganzen Katalog von Denkverboten in der Schublade, um Falle internationaler Kritik fair zu regeln.

Wie steht es denn um den Takt und Geschmack der Deutschen, die sich mit Israel-Kritik gern hervortun…?

Bist Du eigentlich deutsch? Darfst Du in einem israelischen Blog ueberhaupt was sagen? Schweizer? „Das Boot ist voll“?

(Es ist bemerkenswert, wie viele Trolle aus der Schweiz hier aufschlagen. Es scheint, dass die Ressentiments gegen Israel und Deutschland bei manchen Schweizern eine ungesunde Mischung ergeben.)

14. willow - Januar 29, 2013, 11:11

Ach, wirklich?

Ich denke, daß zusätzlich zu den Abhandlungen über deutsche Schuld auch die Beeiligung „Anderer“ am Holocaust thematisiert werden sollte … warum eigentlich nicht?

Im Übrigen scheint es bei ihnen einige Wissenslücken bezüglich der durchaus judenfeindlichen Politik der Briten zu geben – wußten sie, daß (durchaus im krassen Gegensatz zu den Bestimmungen des Völkerbundmandats, zu deren Einhaltung die Mandatsmacht nicht nur eigentlich verpflichtet war) die Einwanderung von Juden extrem stark behindert wurde, dagegen die Masseneinwanderung von Arabern ebenso gefördert wurde wie (zumindest zeitweise) arabische Übergriffe gegenüber Juden? Die Frage, warum die Bahngleise zu den Vernichtungslagern nicht von den britischen Bombern zerstört wurden, hat Lila ja schon gestellt …

15. willow - Januar 29, 2013, 11:12

der spamfilter wurde wohl noch nicht gefüttert …

16. Lila - Januar 29, 2013, 11:13

Doch – mit Dir 🙂 Du bist eben besonders lecker, meint mein Cerberus.

17. Ach, wirklich? - Januar 29, 2013, 11:27

Fuer „dasbootist voll“ gilt dasselbe wie fuer diebrieten: die schweizer haetten mehr tun uessen, um menschen vor den deutschen zu retten, es war grausam, dass sie familien direkt an die deuts hen ausgeliefert haben, aber die, die diese menschen umgebrachr haben oder umbringen liessen waren die deutschen.

Als schweizer kann ich mich fuer „das boot ist voll“, fuerkollaboration mit nazi-deutschland, fuer den umgang mit nachrichtenlosen vermoegen schaemen. Aber du als deutsche solltest daran denken, dass dein land wesentlich mehr grund hat, sich zu schaemen, als jede schweiz und jedes vereinigte koenigreich.

Wzrum ich anti-israelisch sein soll ist mir schleierhaft, aber es stimmt: fuer deutschland habe ich auch 68 jahre nach holocaust ur sehr wenig sympathie, und fuer deutsche ehrlich gesagt auch nicht, aber das hat nichts mit dem holocaust zu tun, sondern mehr mit der deutschen art, wie sie auch hier auf diesem blog imme wiederzum vorschein kommt.

18. wollecarlos - Januar 29, 2013, 13:01

„Die Rede war vom Ghetto Warschau. Da war den Kaempfern klar, dass sie nicht gewinnen koennen.

Freude ist bestimmt kein Gefuehl, das ich mit dem Holocaust in irgendeiner Art verbinden wuerde.“

Zu FREUDE:
Mein Vater erzählte, wo wenige Wochen nach Kriegsende ein amerikanischer Soldat ihm von den apokalyptischen Begebenheiten in Bergen-Belsen erzählte.
Und dieser GI sich „freute“ sich, daß er mithelfen konnte, wenigstens einige Menschen zu retten. Unter Einsatz seines Lebens und der seiner Kameraden.

Zu STOLZ:
Da gibt es einen Begriff und einen Ort, der mit MASADA bezeichnet wird.
Ein Israeli wird wissen, was ich meine und damit verbinde.

19. willow - Januar 29, 2013, 14:10

Ach, wirklich?

Ich bin mir nicht sicher, wie alt sie die Blogbetreiberin schätzen – aber ich behaupte mal, daß sie für jede Beteiligung an den Judenmorden durch Deutsche und ihre Komplizen bei weitem zu jung ist. Es besteht auch kein Zweifel daran, daß Lila das Verbrechen des Holocaust in erster Linie asl Verbrechen Deutschlands sieht – aber warum sollte es unzulässig sein, auch weitere Schuld zu benennen?

Davon abgesehen finde ich es schon merkwürdig, wenn ein Mensch, der seinen Mitmenschen derart anspruchsvolle moralische Vorgaben macht, dann Formulierungen über die „deutschen art“ macht – da frage ich mich doch, wer sie eigentlich sind, daß sie der Meinung sind, so über ihnen unbekannte Menschen zu urteilen und sie derart zu verurteilen …

20. Lila - Januar 29, 2013, 14:17

Aber Willow, das ist doch wirklich ganz einfach.

Deutsche Selbstgerechtigkeit ist praetentioes und ekelhaft.

Schweizer Selbstgerechtigkeit hingegen ist natuerlich und sympathisch.

Wirklich, bei den regelmaessigen Besuchen widerlich selbstgerechter Schweizer auf meinem Blog koennte ich geradezu anti-Schweizerische Gefuehle entwickeln, waere ich nicht durch die Bekanntschaft mit wahrhaft reizenden Angehoerigen dieses Volks dagegen gefeit.

Und ich werde auch nie begreifen, was Menschen dazu treibt, ihre kostbare Lebenszeit auf Blogs von ihnen unsympathischen Fremden zu verschwenden. Zu sowas hab ich gar keine Zeit.

21. Ach wirklich? - Januar 29, 2013, 14:33

„warum sollte es unzulässig sein, auch weitere Schuld zu benennen?“

„Dass ich als Deutsche geboren bin, verbietet mir also eine Meinung ueber das Verhalten anderer im 2. Weltkrieg?“

eine Meinung darf man haben, aber dieser Brustton der Empörung über DIE Briten ist widerlich, besonders wenn er von DEN Deutschen kommt.

Da habe ich dann eben den Eindruck, dass DIE Deutschen da etwas ganz fundamentales im Bezug auf den 2. Weltkrieg und den Holocaust vergessen haben…

Und das war jetzt der Fall, deshalb habe ich dazu eine Anmerkung gemacht. Wenn Lila deswegen nun Anti-Schweizerische Ressentiments entwickelt, dann tangiert mich das nur peripher. Dass die Deutschen finden, „am Deutschen Wesen soll die Welt genesen“ ist für mich nichts Neues.

22. vered - Januar 29, 2013, 14:47

@Ach, wirklich?
In deinen Kommentaren hier kommen Fremdenhass und Selbstgerechtigkeit zum Vorschein. Siehst wohl überall schwarze Schafe, nur in der CH nicht, SVP? Es wäre an der Zeit, dass wir aufhörten, Briten, Deutsche, Israelis, Schweizer usf. nach Herkunft zu be- und verurteilen und statt dessen darauf achteten, wer eine/r ist und was sie/er zu sagen hat.

23. Lila - Januar 29, 2013, 15:24

Keine Sorge, ich entwickle keine anti-Schweizerischen Ressentiments, ich finde es nur witzig, wie jemand bei mir das „am deutschen Wesen“-Syndrom ortet 🙂

Soll ich jetzt etwa meine riesige Deutschland-Flagge abmontieren und aufhoeren, meine Kollegen als Buerschlein zu titulieren, Studentinnen als Maedel… und dalli, dalli oder vorwaerts, Marsch! zu bruellen? OH Mann. Mach ich nicht.

Oh, und hier ist eine Liste der wuetenden Proteste, Botschaftsstuermungen, gewaltsamen Demonstrationen und geplanter Aktionen der Juden und Israelis auf der ganzen Welt, als Reaktion auf die ekelhafte Karikatur der Sunday Times: http://www.israellycool.com/2013/01/29/so-what-did-jews-do-after-that-cartoon/

Und ja, selbst ich als Deutsche nehme mir heraus, diesen britischen Antisemitismus, der weit verbreitet ist, ekelhaft zu nennen. (Ich erinnere an die Proteste gegen die Bat Sheva Dance Company und den akademischen Boykott, der zwar offiziell nicht beschlossen wurde, der aber inoffiziell sehr wohl gilt).

Und jetzt hole ich die Keule und meinen Vorrat an Mollies, weil wir heute nachmittag vorm British Council randalieren gehen, bevor wir unsere Baende von Dickens und Jane Austen rituell auf dem Dizengoffplatz verbrennen.

24. Ach wirklich? - Januar 29, 2013, 16:04

Lass die Israelis in Frieden. Israelis und Deutsche, das ist nicht dasselbe, für den Fall, dass du es noch nicht gemerkt hast. Ich finde es billig, wenn Deutsche mit den Finger auf Völker zeigen, die mehr tun hätten sollen, um Menschen vor einer Vernichtungsmaschinerie zu retten, die sie, und sie alleine erfunden, angeordnet und in Betrieb gesetzt haben. Ist das so schwer zu begreifen?

25. Lila - Januar 29, 2013, 16:26

Da hat aber jemand heute seine Tabletten noch nicht genommen….

26. Ach wirklich? - Januar 29, 2013, 16:27

Dann nimm sie jetzt schnell, ist ja erst halb fünf bei Euch!

27. Lila - Januar 29, 2013, 16:30

Und damit ist ein weiterer geistig schwer verwirrter Troll auf dem Weg in den Blog-Keller, wo er mit anderen merkwuerdigen Figuren spielen darf…

Was fuer Leute im Internet ihr Unwesen treiben….

28. willow - Januar 29, 2013, 17:05

Ob der überhaupt mitbekommen hat, daß du seit über 20 Jahre in Israel lebst? 😉

29. Culatello - Januar 29, 2013, 17:20

@ Ach wirklich?

„Lass die Israelis in Frieden. Israelis und Deutsche, das ist nicht dasselbe, für den Fall, dass du es noch nicht gemerkt hast.“

Hihi, der Rat ist gut, kommt aber mehr als 20 Jahre zu spät, wenn man bedenkt, dass Lila vier Kinder mit ihrem israelischen Ehemann hat.
Du siehst, bitterböse Deutsche versuchen Israel zu infiltrieren 😉
Da fliegen ja jedem anständigen Schweizer die Löcher aus dem Käse!

30. Lila - Januar 29, 2013, 18:07

Wie gut, dass mir endlich mal jemand einen Hinweis gegeben hat 😀 Ich hab schon gefuehlt, dass ich irgendwas nicht kapiere, aber konnte nicht genau sagen, was es war. So, Israelis und Deutsche sind verschieden? Jetzt sagt mir noch, dass Maenner und Frauen auch verschieden sind, und ich fall in Ohnmacht…

31. Wolfram - Januar 29, 2013, 19:17

Von den jüdischen Millionen hat die Schweiz jedenfalls bis 60 Jahre nach Kriegsende sehr gut gelebt… und auch sonst die Nazis nicht grad abgelehnt, wenn an ihnen zu verdienen war. Wahrscheinlich ist das aber durchaus gerechtfertigt, denn sonst hätte ja bestimmt jemand anders all das Beutegold gekauft…
Die hohe Zustimmung zur SVP ist auch nicht grad ein Ruhmesblatt.

Lila, es gibt einen Unterschied zwischen Männern und Frauen, und er sei gelobt! 😉

32. Silke - Januar 30, 2013, 0:09

ich lese gerade eine (naja geschriebene) Geschichte der Basken – nach Guernica waren Frankreich (ohne jegliche Quote für alle Flüchtlinge), England (4000 Kinder) plus Belgien, Dänemark, die Schweiz, Mexiko und die SU nahmen insgesamt über 20.000 baskische Kinder auf. Die britische Royal Navy war bei der Evakuierung behilflich.

S.261 von Mark Kulansky „Die Basken“

tja so isses eben …

33. Silke - Januar 30, 2013, 0:12

ich weiß, das Bahnlinien-Argument ist etabliert, aber gerade dazu habe ich aller-aller-gründlichste Zweifel, ob das sinnvoll gewesen wäre. Als Metapher ist es sehr wirkmächtig, als reales militärisches Vorgehen vermute ich mal nahe an Null.

34. Stefan Wehmeier - Januar 30, 2013, 20:12

Dummheit

„Trotz der heiligen Versprechen der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten, trotz der Rufe der Millionen: ‚Nie wieder Krieg‘, entgegen all den Hoffnungen auf eine schönere Zukunft muß ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich es, heute schon zu behaupten, daß es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen.
Ich sehe die kommende Entwicklung klar vor mir. Der heutige Stand der Technik läßt die Wirtschaft rasch zu einer Höchstleistung steigern. Die Kapitalbildung wird trotz der großen Kriegsverluste rasch erfolgen und durch Überangebot den Zins drücken. Das Geld wird dann gehamstert werden. Der Wirtschaftsraum wird einschrumpfen, und große Heere von Arbeitslosen werden auf der Straße stehen. An vielen Grenzpfählen wird man dann eine Tafel mit der Aufschrift finden können: ‚Arbeitssuchende haben keinen Zutritt ins Land, nur die Faulenzer mit vollgestopftem Geldbeutel sind willkommen.‘
Wie zu alten Zeiten wird man dann nach dem Länderraub trachten und wird dazu wieder Kanonen fabrizieren müssen, man hat dann wenigstens für die Arbeitslosen wieder Arbeit. In den unzufriedenen Massen werden wilde, revolutionäre Strömungen wach werden, und auch die Giftpflanze Übernationalismus wird wieder wuchern. Kein Land wird das andere mehr verstehen, und das Ende kann nur wieder Krieg sein.“

Silvio Gesell, 1918 (direkt nach dem Ende des 1. Weltkrieges)

„Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. Soviel ist sicher, daß sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist.
…Daß der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen.“

(aus „Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit“, 1943)

Hätte sich Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945) die Ursache der Dummheit bewusst machen können, wäre er kein Theologe mehr gewesen. Denn es ist die Religion, die – unabhängig von „Glaube“ (Cargo-Kult) oder „Unglaube“ (Ignoranz) – den Kulturmenschen verdummt, damit er in einer noch fehlerhaften Makroökonomie, die Massenarmut, Umweltzerstörung, Terrorismus und Krieg unvermeidlich macht, die „Mutter aller Zivilisationsprobleme“ bis zum eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation, der Natürlichen Wirtschaftsordnung, nicht sieht und auch gar nicht erst sehen will:

Opium des Volkes

35. Shagy - Januar 30, 2013, 23:15

… und heute besuchte Mursi Deutschland…
dem tag an dem an die Machtergreifung durch die deutschen Faschisten gedacht wurde- sicher nur ein dummer Zufall nicht wahr Frau Merkel und Herr Westerwelle? …aber wenn es um das Geld geht dann gibt es eben keine Moral mehr…(Frei nach Bert Brecht)

Wie wurde den der Besuch in Israel gesehen liebe Lila?

36. Lila - Januar 30, 2013, 23:20

Keine Ahnung. Ich habe nicht mitgekriegt, dass es jemanden besonders interessiert haette. Dass Mursi Juden hasst, wissen wir. Dass man mit ihm reden kann, ebenfalls. Aber wo er gerade hinfaehrt – ich habe nicht bemerkt, dass das jemandem aufgefaellen waere. Syrien und was wir als naechstes von dort zu erwarten haben, das war heute eigentlich da wichtigste Thema.

37. Silke - Januar 31, 2013, 0:29

wer zum Thema Religion was Intelligentes, Prickelndes, Aufregendes lesen will (anders als Stefan Wehmeier’s abgelutschtes Zeugs), dem empfehle ich Jan Assmann’s heute im Perlentaucher erschienenes Essay, witzigerweise genau an dem Tag, Zufälle gibt’s, die gibt’s gar nicht, an dem Yaacov Lozowick ne heiße Empfehlugn für ein anderes Buch des Mannes ausgesprochen hat (oh wieso muß man schlafen, es nimmt einem so viel Lesezeit …)

http://www.perlentaucher.de/essay/monotheismus-und-gewalt.html

Wolfram - Januar 31, 2013, 8:29

Stefan, du redest, wie du’s verstehst – und das ist leider nicht besonders gut. Du hättest dich halt mit Bonhoeffer mal beschäftigen sollen, statt ihn nur niederzumachen.
Bonhoeffer ist erklärter Vertreter des „Glaubens ohne Religion“, besser: „Glauben nach der Religion“.

Aber Wissen ist halt keine gute Basis für billige Polemik…

38. willow - Januar 31, 2013, 9:25

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