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Pech gehabt, November 26, 2012, 8:39

Posted by Lila in Presseschau, Uncategorized.
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niemand kuemmert sich um Euch, tote Kinder von Damaskus. Wie zynisch ist unsere Welt? Keine einzige deutsche Zeitung, die ich gestern nacht und heute frueh geprueft habe, hat das als Schlagzeile gebracht. Die meisten haben einen Rennfahrer bejubelt, der wohl gestern ein wichtiges Rennen gewonnen hat, und heute geht’s schon um andere Dinge, um den Klimagipfel in Doha. Da koennen so zehn tote syrische Kinder, die draussen gespielt haben und von einem Flugzeug aus erschossen wurden,  schon mal durch den Rost fallen.

Und ich bin nicht weniger zynisch, wenn ich denke: waert ihr mal so schlau gewesen, durch einen israelischen Fehlschuss ums Leben zu kommen, oder auch nur den Verdacht irgendwie auf Israel lenken zu koennen! Dann waeren Euch traenenreiche Nachrufe gewiss.

Wenn das mal nicht ein klassisches Beispiel fuer Disproportionalitaet ist – jeder Tote im Gazastreifen wird medial als Opfer eines sinnlosen Massakers betrauert, aber Tausende Zivilisten in Syrien sterben, ohne dass ihr Tod es auch nur in die Zeitungen schafft.

Deutschsprachig habe ich nur die Basler Zeitung gefunden, die sich des Ereignisses annimmt, und die NZZ. Vielleicht findet sich ja in gedruckten Ausgaben was. Agenturmeldungen gab es also. Aber sie waren wohl nicht wichtig genug, um in die Nachrichtenportale Eingang zu finden. Die ZEIT hat allerdings auf der Startseite einen Clip zum Thema Syrien, der die Opferzahl, so wie sie bisher bekannt ist, wiederholt: 40.000.  Nicht 40, nicht 1000 – sondern 40.000 Opfer.

Und taeglich geht das Sterben weiter.

Kommentare

1. Silke - November 26, 2012, 11:52

Die ZEIT hat allerdings auf der Startseite einen Clip zum Thema Syrien

finde ich nicht – interessieren würde mich an dem Clip, ob er einen vergleichenden Body Count macht i.e. wie viele von Rebellen getötet werden. Dieses ständige einander gegenüber stellen war es, was mich zuletzt so genervt hat. (denn der Sinn der Selbstverteidigung ist ja wohl, daß man selbst am Leben bleibt und/oder unversehrt bleibt – hatte ich bisher jedenfalls immer so verstanden – es kann ja nicht sein – oder doch – , daß ich einem Angreifer nur dann ein blaues Auge hauen darf, wenn ich auch mit einem aus dem Kampf hervorgehe)

2. grenzgaenge - November 26, 2012, 14:11

Ja, die Welt ist zynisch. Hoffentlich nicht so zynisch wie der Grenzgänger. Aber manchmal hat der Grenzgänger das Gefühl bei der Welt in die Lehre gehen zu können.

Was die Kinder angeht: Wirklich Pech gehabt. Wären es palästinensische Kinder gewesen … Nein, kein Zynismus in Rungholt. Dafür muss der Grenzgänger schon selbst sorgen.

3. klaus kuehn - November 26, 2012, 14:30

Hallo Lila, ich habe was bei der Süddeutschen gefunden:
http://www.sueddeutsche.de/politik/syrien-mindestens-acht-kinder-sterben-bei-luftangriff-1.1533044
Interessant das Palästinensische Trainingslager welches sich in Syrien befindet
Gruss Klaus

4. Hein - November 26, 2012, 15:16

Es ist nicht entscheidend, ob die getöteten Kinder in Syrien in den Medien erwähnt werden. Von Bedeutung ist, welche Emotionen dies auslöst. Es mögen sich die Palästinenser gegenseitig umbringen, sich die arabischen Bruderländer massakrieren; das ist alles nichts gegen eine Beteiligung Israels. Erst dann kochen die deutschen und europäischen Emotionen hoch. Warum? Tausende Jahre anhaltender Antisemitismus. Wer von dieser Krankheit befallen ist, ist immun gegen Fakten.

5. Paul - November 26, 2012, 16:13

SPON ist sicherlich nach Deiner Recherche mit der Meldung gekommen.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-viele-kinder-sterben-bei-luftangriff-des-militaers-a-869254.html

Aber im Prinzip hast Du recht. Gaza und das “Leid der Palästinenser” steht im Mittelpunkt der Berichterstattung und fast immer geht es gegen Israel. Hast Du hier auch schon thematisiert.

Über die Ursache kann man sicherlich Doktorarbeiten schreiben. Brauche ich nicht. Für mich ist klar, der Judenhass scheint bei den Deutschen “genetisch” bedingt zu sein. Jedenfalls habe ich diesen Eindruck. Ein Glück, dass ich ein “Mischling” bin. Je 25% Tscheche und Ungar und nur 50% Deutscher. Deshalb bin ich nicht betroffen. :lol:

Im Ernst, mir ist es ein Rätsel, dass die Deutschen so Judenfeindlich sind. Das Allerschlimmste, manchmal behaupten sie Freunde der Juden zu sein: “aber das wird man doch noch sagen dürfen”?
Und dann geht es aber los. Das ist mein großer Kummer. Deshalb kann ich nicht so richtig darauf stolz sein, ein Deutscher zu sein.

Nach der Wiedervereinigung war ich ein paar Jahre stolz auf Deutschland. Inzwischen ist es wieder “verheilt”.

6. Jack - November 26, 2012, 19:33

(Lila, Vettel damit nichts zu tun.)

The Atlantic ist eine US Zeitschrift, deren Online-Ausgabe am 8. November 48 Fotos veröffentlichte.
Ich hatte sie damals als Lesezeichen gespeichert. Und mich eben gerade vertippt und ’Lebenszeichen’ statt ’Lesezeichen’ geschrieben. Erschreckend wie weit weg ich bin, fast Reflex der Selbstverständlichkeit. Ich glaube vom Glück überwältigt. Ja, vom Glück überwältigt. Vom Glück überwältigt. Nichts sehen und nichts hören. Von Bürgern im Krieg, vom Töten im Sterben.

Ich möchte warnen vor dem Ansehen dieser Fotos. Wer das nicht möchte, sollte nicht gucken. Es ist nicht zu ertragen. Ich kann mir nicht vorstellen, was das für die Menschen dort bedeutet.
Syria in Ruins.
http://www.theatlantic.com/infocus/2012/11/syria-in-ruins/100402/

7. Arthur - November 26, 2012, 20:58

Ich verstehe grundsätzlich nicht, wie man stolz auf ein Land sein kann, und noch weniger, wie man stolz auf Deutschland sein kann, und schon gar nicht wegen einer Wiedervereinigung, die ganz Europa, ja die ganze Welt mit Misstrauen beäugt(e)…

8. Paul - November 27, 2012, 2:07

Zu 7 Arthur, habe ich früher auch nicht verstanden. Das hat sich aber geändert.

Für mich als DDR-Bürger hat sich durch die Wiedervereinigung ein Lebenstraum erfüllt, von dem ich nicht glaubte ihn jemals erleben zu können.
Klar war mir, dass die Trennung Deutschlands keinen Ewigkeitscharakter haben würde. Aber genauso klar war mir, dass ich die Wiedervereinigung nicht mehr erleben würde.

Als es dann von uns Bürgern der DDR, mit moralischer und anderer Hilfe aus dem Ausland, gelungen ist die Wiedervereinigung herbeizudemonstrieren, war ich stolz darauf. Sehr stolz. Sicherlich, weil ich mit meinen bescheidenen Kräften etwas dazu beigetragen habe.

Da war ich dann einige jahre sehr stolz auf Deutschland.

Inzwischen ist das, durch manigfaltige Entwicklungen nicht mehr gegeben.

Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass es Menschen gibt, die stolz auf ihr Land sind.

Als Israeli und als Schweizer, könnte ich mir das vorstellen.

9. Kinderliebe und Heuchelei « grenzgaenge - November 27, 2012, 19:57

[…] Bei Lila gelesen. 10 Tote Kinder bei einem Angriff. Leider hatten die Kinder Pech. Die Opfer waren Syrer, nicht Palästinenser. […]


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