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Und die naechste Ladung… November 25, 2012, 13:01

Posted by Lila in Presseschau.
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…ist schon unterwegs. Vom Iran ueber den Sudan und Aegypten in den Gazastreifen werden neue Fajr-Raketen gebracht.

Jetzt bin ich mal gespannt, was all die eyzesgeber zu sagen haben und vor allem, was sie tun.

In der Sesamstrasse gab es zu Zeiten meiner Kindheit das Was-passiert-dann-Spiel. Das spielen wir jetzt wieder.

Kommentare

1. Silke - November 25, 2012, 14:39

nu lt. Deutschlandfunk Nachrichten von heute 6:00 haben “sie” entschieden Wichtigeres zu tun, denn es läuft schließlich immer auf: “it’s Israel stupid” hinaus.

UNO will Atomwaffen aus Nahost verbannen

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon will sich verstärkt für einen atomwaffenfreien Nahen Osten einsetzen. Er sei fest entschlossen, dieses Ziel zu erreichen, heißt es in einer Erklärung Bans, die in New York verbreitet wurde. Demnach strebt er im nächsten Jahr eine Konferenz an, in die unter anderem Russland, die USA und Großbritannien eingebunden werden sollen. Als Gastgeber für die Konferenz habe sich Finnland angeboten. Es wird vermutet, dass Israel als einziges Land im Nahen Osten über Atomwaffen verfügt. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht. Sorge bereitet aber auch das iranische Nuklearprogramm.

2. Silke - November 25, 2012, 15:08

OT für Lila

Ich weiß ja nich, wie Du’s mit Nikolaus hältst – doch diese Stiefelidee gefällt mir so gut

http://www.impressionen.de/shop/produkt/nikolausstrumpf/5677114?MC=29087&etcc_cmp=Thema&etcc_par=NL47_20121125&etcc_med=Newsletter&etcc_acy=EMP&etcc_tar=PE

3. Malte S. Sembten - November 25, 2012, 16:05

@ Silke:

Fassen wir zusammen:

UNO will Atomwaffen aus Nahost verbannen, [weil] Israel als einziges Land im Nahen Osten über Atomwaffen verfügt.

4. Ludwig - November 25, 2012, 16:24

Was könnte passieren? Vielleicht erkennt Israel, dass sein internationaler und militärischer Handlungsspielraum sowie die Glaubwürdigkeit der israelischen Regierung in den letzten Jahren beständig gesunken sind und versucht es mal wieder mit Alternativen zur einseitigen Abschreckungspolitik, etwa damit Fakten für eine Zwei-Staatenlösung zu schaffen, anstatt weiter in der Westbank die Einstaaten-Realität zu zementieren.

Naja, aber was verstehe ich schon davon. Es macht bestimmt mehr Sinn, wenn die Hamas politisch gestärkt aus Operation Wolkensäule hervorgeht und Danny Ayalon gleichzeitig der PA damit droht, die israelische Regierung werde sich einen neuen Verhandlungspartner suchen, wenn Abbas demnächst eine Aufnahme Palästinas als Beobachterstaat bei der UN-Vollversammlung beantragt.

Vgl. http://www.timesofisrael.com/abbas-confident-free-world-will-support-palestinian-un-bid/

5. Jakobo - November 25, 2012, 16:37

“wenn die Hamas politisch gestärkt aus Operation Wolkensäule hervorgeht ”

die hamas stellt sich immer als sieger dar. sollen sie doch wenn es ihnen spass macht.

J

6. willow - November 25, 2012, 17:20

@4. Ludwig

Sie fordern also von Israel mal wieder, der arabisch-palästinensischen Seite Geschenke zu machen, einseitige Zugeständnisse …

Vielleicht würde sich ja in der Region tatsächlich einmal etwas in eine vernünftige Richtung bewegen, würden endlich endlich auch mal an die arabisch-palästinensischen Seite Forderungen gestellt (statt immer wieder so zu tun, als würde alles plötzlich “gut ” werden, wenn nur endlich die Israeli sich an Absprachen halten würden) – denn leider sieht es in der Realität sehr häufig so aus, daß die arabische Seite sich nicht an die geschlossenen Verträge hält.

Kleiner Test für sie, Ludwig:

http://spiritofentebbe.wordpress.com/2012/09/20/fragebogen-fur-palastina-solidaritater/

7. Silke - November 25, 2012, 17:45

OT

ist zwar schon 6 Tage alt, doch von allen Experten, die ich mir heute reingezogen habe der einzige, der meinen Standards in bezug auf Kenntnisse und Nüchternheit und Ausgewogenheit entspricht. Hamed Abdel Samad war einer der von mir abgelehnten.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1925653/

Stephan Vopel, Israelexperte der Bertelsmann Stiftung

8. flx - November 25, 2012, 17:46

Man kann kaum bestreiten, dass das für Hamas ein Sieg war. Sie werden natürlich von ihren Leuten als diejenigen gesehen, die etwas bewegen können. Erst der Shalit-Deal, jetzt zumindest eine Lockerung der Blockade. Kein Wunder, dass die denken, dass Terror etwas bewirkt.
Natürlich wird Hamas es niemals militärisch mit Israel aufnehmen können, aber trotzdem haben sie ihre Position gefestigt.

9. Silke - November 25, 2012, 17:47

Malte 3
ja, genauso verstehe ich das auch

und beachte stets mit, daß das z.B. die Mami beim Sonntagsbraten Vorbereiten gehört hat, also mit geteilter Aufmerksamkeit

10. Lila - November 25, 2012, 18:00

flx, so einfach ist das nicht.

Nach dem Libanonkrieg II haben alle die Hibollah zum Sieger ausgerufen. Damals hat Olmert den Fehler gemacht, zu bombastische Kriegsziele anzukuendigen, und das ist ein elementarer Fehler, aus dem diesmal gelernt wurde.

Rueckblickend koennen wir sagen: in den letzten sechs Jahren hat die Hisbollah keine einzige Rakete mehr auf uns abgeschossen. Die Raketen, die noch flogen oder geschossen werden sollten, waren von Palaestinensern plaziert und wurden von der libanesischen Armee oefter verhindert als nicht.

Wir haben aus diesem Krieg so viel gelernt, dass mein Mann immer laechelt, wenn er Nasrallah sieht und moechte ihm Blumen schicken. Er sagt immer, nichts war besser fuer die Armee als die klingende Ohrfeige im Krieg.

Und verloren haben wir nicht, denn das realistische Kriegsziel, Ruhe im Norden, ist erreicht.

Und zur letzten Aktion. Diesmal war Barak vorsichtig und er hat genau umrissene, nachpruefbare, realistische Ziele vorgegeben: Reduktion der Waffenkraft der Hamas, Einstellen des Beschusses auf den Sueden, Liquidierung der Fuehrungsschicht der Hamas. (Ja, klingt unschoen, aber Krieg ist Krieg, und die Hamas zielt seit elf Jahren fast ausschliesslich auf Zivilisten.) Kurz, Wiederherstellung der Abschreckung.

Und ob diese Ziele erreicht sind, wird sich zeigen. Das kann jetzt keiner beurteilen, ob der Beschuss aufhoert, aber dass sehr viele Fajrs, militaerische Infastruktur etc zerstoert wurden, ist unbestreitbar.

Die Ziele der Hamas hingegen, Israel auf die Knie zu zwingen, die Knesset zu beschiessen etc, sind nicht erreicht worden. Die Tatsache, dass sie BEHAUPTEN, sie haetten das erreicht, sagt gar nichts.

Die Definition der Kriegsziele ist ein absolut wichtiger Schritt, der letztendlich ueber Gelingen oder Scheitern entscheidet.

Dass die Hamas sich politisch etablieren konnte, sehe ich nicht unbedingt als Nachteil fuer Israel an. Realistisch betrachtet, ist es fuer uns besser, einen berechenbaren Partner zu haben, der als Gespraechspartner, selbst indirekt, verfuegbar ist und mit dem man Abkommen schliessen kann. Wie das zum Thema Gilad Shalit.

Je mehr die Hamas in politische Verantwortung eingebunden ist, desto weniger kann sie sich als wilde Bande profilieren. Hoffe ich zumindest. Auch wenn das nicht nach unserem Geschmack ist.

Wir werden sehen, wie es weitergeht.

The proof is in the pudding, and the pudding’s not served yet.

Silke - November 25, 2012, 18:08

Lila

Deinen letzten Satz unterschreibe ich in dicker Tinte.

Was das hier anlangt:

Je mehr die Hamas in politische Verantwortung eingebunden ist, desto weniger kann sie sich als wilde Bande profilieren. Hoffe ich zumindest.

das haben von Papen & Co. auch gehofft – es wird auch immer gehofft, wenn die NPD es irgendwo rein schafft. Bei denen scheint es bis jetzt geklappt zu haben.

Mein Verdacht ist, daß der Unterschied in einer zur Hirn-Vernebelung begabten Celebrity liegt. So lange die nicht auftaucht, scheint die Wirklichkeit eine Chance zur Mitsprache zu haben.

Und was die unintended Consequences anlangt, diese Konsolidierung der Muslim-Brüder über Grenzen hinweg läßt den Pudding total offen. Es kann in jede Richtung losgehen. Ägypten könnte z.B. den Gaza-Streifen zur Provinz erklären …

Und so sehr das wohl sehr viele bejubeln würden steht es in den Sternen, ob das dann kurz-, mittel- oder langfristig gut für Israel wäre.

Silke - November 25, 2012, 18:16

noch ein Beispiel aus Subkutanien für Malte

und ich garantiere, daß ich von dem Mann noch nie einen antisemitischen Ton gehört habe. Um Dich anzufixen: was glaubst Du, welches Video er als Bespiel für seine Sicht bespricht?

http://www.radiobremen.de/nordwestradio/serien/jochen_hoerisch/audio100368-popup.html

Das Medienecho: Medienkrieg zwischen Israel und Hamas

Israel, die Hamas und der Echtzeit-Krieg im Internet: Über den Medienkrieg im Nahost-Konflikt sprach Nordwestradio-Moderatorin Nicole Nelhiebel mit Jochen Hörisch.

11. flx - November 25, 2012, 18:27

Ich habe auch nicht gesagt, dass Israel verloren hat. Israel hat seine Ziele erreicht, schön, aber die Fischer in Gaza werden sich nur erinnern, dass sie plötzlich weiter aufs Meer fahren dürfen und man erinnert sich daran, dass Hamas 1000 Verbrecher freipressen konnte. So etwas hat Fatah nicht vorzuweisen. Ich sehe es problematisch, wenn Hamas gegenüber Fatah an Bedeutung gewinnt.

12. Lila - November 25, 2012, 18:36

Silke, es waere die ideale Loesung, wenn Aegypten den Gazastreifen uebernaehme. Sie haben es ja bisher nicht gewollt.

Ich habe von den Moslembruedern NICHTS erwartet und trotzdem hat Mursi eine konstruktive Rolle gespielt. Gut, waehrend er den amerikanischen Seidenschal schon am Hals spuerte :-D Aber an den Ergebnissen gemessen, kann man ihm die Anerkennung nicht versagen.

13. Yael - November 25, 2012, 18:49

Ich sehe es schon wie flx, die Blockade soll gelockert werden, die Fischer dürfen weiter hinausfahren um zu fischen und so weiter.
Die Denke ist doch so bei der Hamas, dass sie meinen, sie hätten gewonnen. Letztendlich werden sie durch diese Neuerungen in ihrem Glauben bestärkt, die Beschießung durch Raketen hat sich gelohnt.

Silke - November 25, 2012, 20:09

natürlich gefällt es mir nicht, daß Hamas an Bedeutung gewinnt. Andererseits erschreckt mich die Aussicht, daß Hamas gegenüber Islamic Jihad verliert noch viel mehr.

Kissinger soll während des Yom Kippur Kriegs dafür gewesen sein, daß die Ägypter erst noch einmal ein bißchen gewinnen, weil ein stolzes Ägypten besser sei. Das haben wir jetzt gekriegt, sogar so stolz, daß Mursi sich mit dem Frühlingsvolk anlegen kann.

Und vielleicht läßt sich Ägypten ja mit dem Prestigegewinn verführen, nicht daß es Gaza eingemeindet, aber sich als autonomes Gebiet oder wie man so einen Zwitter nennt, angliedert.

Insgesamt schon 2-dimensionales Schach überfordert mich und das, was da abgeht ist. mindestens 5-dimensional.

Worauf ich in nächster Zeit ein Auge haben werde ist, wie Morsi es mit der Balance zwischen Sunni-Treue und Fundamentalismusverwirklichung halten wird. Ich habe nämlich immer im Hinterkopf, daß Teheran sich an Hamas’ Sunni-Sein nicht gestört hat und umgekehrt auch nicht. Die waren sich, wie ich bei 2 vertrauenswürdigen quellen gelesen bzw. gehört habe, viel zu einig im Fundamentalismus, um sich am Schisma zu stören.

Und was treibt eigentlich Saudi-Arabien – bei mir ist da totale Hör- und Les-Stille. Daß die nicht am Mit-Mischen sein sollen, erscheint mir aber wenig wahrscheinlich.

Unterm Strich wollen sie wohl alle Umma, doch wer der Papst sein soll, ist noch vollkommen offen. Möge das gute alte Teile und Herrsche funktionieren, so daß die für lange lange mehr miteinander als mit Israel beschäftigt sind.
—–
Lila
klar erscheint es heute ideal, wenn sie Gaza übernehmen würden, doch ich bin eine Anhängerin des Laws of unintended consequences oder erstens kommt es anders zweitens als man denkt und ich kann mir durchaus eine Reihe von Entwicklungen zusammenphantasieren, die dann zu “oh hätten wir nur” führen.

14. Silke - November 25, 2012, 20:15

Deutschlandfunk-Nachrichten 18 Uhr

habe ich nicht mal behauptet, daß die Patriot-Raketen Gutes bewirken würden und mich dabei zu Davutoglu ausgemährt?

Möge dies bedeuten, daß die Bedingung-an-was-Knüpferei endlich wieder eine neue Blütezeit erlebt.

Türkei und Israel wollen Verhältnis verbessern

Die Türkei und Israel streben eine Verbesserung ihrer Beziehungen an, die sich im Streit um die Palästinenser-Politik verschlechtert hatten. Der türkische Außenminister Davutoglu bestätigte, es habe dazu ein Treffen ranghoher Gesandter beider Staaten gegeben. In Medienberichten heißt es, der Vorschlag für das Gespräch sei von Israel ausgegangen und habe zum Ziel, die diplomatischen Beziehungen zu normalisieren. Der türkische Ministerpräsident Erdogan hatte das Vorgehen Israels im Gaza-Streifen wiederholt verurteilt und der Regierung in Jerusalem vor kurzem unter anderem Staatsterrorismus vorgeworfen.

15. Jakobo - November 25, 2012, 20:23

FLX:

“Man kann kaum bestreiten, dass das für Hamas ein Sieg war.”

“Ich habe auch nicht gesagt, dass Israel verloren hat. Israel hat seine Ziele erreicht, ”

Dann ist doch alles bestens und alle koennen zufrieden sein oder nicht? Was tatsaechlich rumkommt wird sowieso erst die zeit sagen.

J

16. Silke - November 25, 2012, 20:26

PS:

wenn Israel eine freundliche oder mindestens es Maul haltende Türkei gekriegt hat (vielleicht hat es das zur Bedingung für den Waffenstillstand gemacht? sowas weiß man immer erst nach Öffnung der Archive) dann ist das sicher ein Preis, der das bißchen mögliche Aufwertung für Hamas wert ist. Und wenn an meiner Angst, daß Gaza zum failed state abrutscht was dran ist, dann ist a bisserl Aufwertung der Hamas sogar weise.

Und vielleicht bringt das sogar Abbas mit seinem bescheuerten UN-Plan wieder zur Besinnung. Konkurrenz, nicht mehr das einzige lieb Kind sein, hat manchmal den Effekt, daß sie vernünftig macht.

Es gibt so endlich viele Elemente in dem Spiel – es kann doch auch sein, daß die Fischer jetzt so zufrieden werden, daß ihnen Jihad am A.. vorbeigeht. Hoffentlich sind Israel’s Überwachungsmöglichkeiten jetzt so weit, daß da keine Ausreißer zum Waffen fischen rausfahren können.

17. Ludwig - November 25, 2012, 20:55

@6. Willow

Wäre dies eine Schönheitskonkurrenz, würden natürlich Lila, ihre Familie und die Republik Tel Aviv bei mir mit Abstand gewinnen. :)

Der Fragebogen belegt für mich in erster Linie, dass die Einstaatenlösung nach der Formel „ein Staat für zwei Nationen“ scheitern muss und dies allen Beteiligten klar ist. Ich sehe nicht, wo Israels Regierung in den letzten paar Jahren Fakten geschaffen hat, um dieses Scheitern zu verhindern. Andererseits ist für mich die UN-Initiative der PA eine Chance den Handlungsrahmen so zu ändern, dass der Konflikt schrittweise mit politischen Mitteln gelöst werden kann.

Wenn es in Israel einen mehrheitsfähigen Konsens gibt, lautet der meiner Ansicht nach kurzfristige Risiken zu minimieren, was ich voll und ganz verstehe, und langfristig abzuwarten, bis die PA deutlich kompromissbereiter wird oder Ägypten und Jordanien irgendwann Israels Palästinenserproblem lösen.

Persönlich sehe ich keinen Trend dafür, dass Israels langfristiges Kalkül aufgeht: Unterdessen hat der Mursi in Kairo gerade einen Staatsstreich durchgeführt und der jordanische Ableger der Bruderschaft wird stärker …

Etwas polemisch ausgedrückt: Während Israel handlungsunfähig scheint – nichts Anderes verstehen ich, wenn es mir „Was sollen wir denn noch alles tun, Du Solitäter!“ entgegenschmettert – steigt durch diese vermeintlich alternativlose Initiativlosigkeit Israels die Chance, dass sich die Wunschträume als Albträume erfüllen, indem die PA implodiert, Gaza dann Ägypten „übernimmt“ und Jordanien zur Westbank wird.

18. flx - November 25, 2012, 21:06

“…steigt durch diese vermeintlich alternativlose Initiativlosigkeit Israels die Chance, dass sich die Wunschträume als Albträume erfüllen, indem die PA implodiert, Gaza dann Ägypten „übernimmt“ und Jordanien zur Westbank wird.”

Gaza zu Ägypten und die Westbank zu Jordanien? Das wäre doch ein Traum!

19. Lila - November 25, 2012, 21:10

Ludwig, wo siehst Du aber tragfaehige Anzeichen dafuer, dass die Palaestinenser das auch wollen? Abu Mazen sagt es, dann nimmt er es zurueck. Jibril Rajoub sagt es, und ich glaube ihm auch, dass er es persoenlich ehrlich meint.

Ja, Olmert und Livni meinten, in den geheimen Verhandlungen war auch klar, dass beide Seiten die Zweistaatenloesung grundsaetzlich wollen.

Problem: solange palaestinensische Medien und Politiker noch die Maximalloesung (Zerstoerung Israels) pushen und ihrem Pubilkum nicht die Wahrheit sagen, naemlich dass sie mit uns leben muessen und wir mit ihnen.

Und Problem II: wie versprichst Du, dass nicht passiert, was in Gaza passiert ist? also dass in das Vakuum Terroristen stossen, die Abschussrampen suchen? oder dass es nach der Raeumung einen Putsch gibt und die Regierung kippt und die Raketen wieder dicht fliegen? Die Palaestinenser fordern die Grenzen von 1967 zurueck, gegen die damals die arabischen Armeen aufgestanden sind. Sehr riskante Grenzen – und seit wann werden Kriegsgewinner mit territorialen Verlusten, vital sicherheitsrelevanten Territorien noch dazu, bestraft? Das muss man Israel schon schmackhaft machen.

Und Problem III: warum ist so klar, dass die Gebiete absolut ethnisch homogen sein muessen, sprich, dass alle Siedler rausmuessen? Warum?

Und Problem IV: wenn die Palaestinenser strikt ablehnen, palaestinensische Fluechtlinge (laut UNRWA-Definition) in ihren Staat aufzunehmen – dann bleibt immer noch das ungeloeste Fluechtlingsproblem. Krass gesagt: welchen Anreiz hat Israel fuer so einen aufwendigen und riskanten Schritt, wenn danach noch immer das Fluechtlingsproblem besteht? Israels Ziel ist: Ende des Konflikts.

Kurz, die Gespraeche sind schon sehr weit gekommen, aber am Ende hakt es immer wegen solcher Fragen.

Und die sind nicht vom Tisch zu wischen. Ich faende das Fernziel zwei friedliche Nachbarstaaten, die freundlich nebeneinander herleben und wirtschaftlich kooperieren und kulturellen Austausch betreiben und einer dem anderen die religioesen Staetten behueten – das ist ein wirklich lohnenswertes Ziel.

Aber leider kann man nicht einfach mit beiden Beinen reinspringen wie frisch verliebt in die Ehe. Sondern beide Seiten muessen sich absichern und abwagen, was sie wollen.

Wir wollen: ein Ende des Konflikts, sof ha-sichsuch, Ende aller Ansprueche, Klagen, Forderungen.

Ganz ehrlich und ganz fair: wollen die Palaestinenser das auch? Jibril Rajoub sagte JA, er will genau das. Ich habe es gern gehoert. Wie viele Jibril Rajoubs gibt es, und wie viel Einfluss haben sie? Ich wage es nicht zu sagen.

Silke - November 25, 2012, 21:21

Lila

ich würde sagen, Ludwig ist der Meinung, daß Israel Problem II kurzfristig ignorieren und langfristig auf sich zukommen lassen sollte … – Spott beabsichtigt.

Und Problem III: warum ist so klar, dass die Gebiete absolut ethnisch homogen sein muessen, sprich, dass alle Siedler rausmuessen? Warum?

frage ich immer, nur fieser formuliert als Du – ich habe noch nie ne Antwort bekommen, noch nie! außer natürlich daß die “Siedler” so böse sind, daß keineR usw. usw. Und wenn ich dann frage, warum die Palästinenser aller Abbas-Drohungen zum Trotz offenbar weiterhin gern für sie arbeiten (streiken sie eigentlich so oft gegen ihre Siedler-Arbeitgeber wie gegen UNRWA?) bekomme ich erst recht keine Antwort.

Ich faende das Fernziel zwei friedliche Nachbarstaaten, und warum eigentlich nicht eine Nahost-Union, nur besser als die EU und nein, das meine ich nicht ironisch, das ist ein Traum, der mich wirklich anfixen würde.

Aber auch ein funktionierender kalter Frieden wäre bestimmt einem Kumbaya-Fake vorzuziehen, in dem junge Israelis mit der Waffe in der Hand krawallige Nachbarsjugendliche im Schach halten müssen.

20. Lila - November 25, 2012, 21:29

Auf die meisten dieser Fragen gibt es gar keine Antworten, ausser: “weil die Palaestinenser das eben so wollen”. Und das reicht nicht. Die Antworten und Loesungen muessen beidseitig zur Befriedung beitragen.

Wir waren damals zu OsloZeiten auf einem Weg, der uns so gut vorkam. Ich erinnere mich noch an die Nachrichten aus der Zeit – wieder eine Stadt geraeumt, Zusammenarbeit mit der palaestinensischen Polizei, es schien so gut zu klappen.

Der Schock, als sie wirklich in die Intifada eingestiegen sind statt zurueckzusteuern auf Oslo-Kurs, den kann niemand nachvollziehen, der damals nicht dabei war. Da hat uns der Donner geruehrt. Nachhaltig.

Wir dachten, wir sind noch Friedenspartner, aber wir waren Zielscheiben fuer Bomben und Hass.

Ich weiss, dass auch bei den Palaestinensern viele Schocks tief sitzen. Wer als Kind miterlebt hat, wie eine Gruppe Soldaten bei ihm zuhause einen Verdaechtigen sucht, erholt sich nie mehr davon, und die Soldaten und alles, wofuer sie stehen, ist von nun an Feind.

Ich wuenschte, es gaebe Politiker, die das Format haben, gegen diese Traumata an zu leben – wir haben Peres, aber der ist schon alt, und wie gesagt, wenn Rajoub das Format hat, ein Peres der anderen Seite zu werden, mehr als willkommen. Natuerlich reichen zwei Maenner nicht aus – aber irgendwo muessen tragfaehige Verhandlungen ja anfangen.

Und wieder denke ich: israelische Araber, wo seid Ihr? Wir brauchen Brueckenbauer, viele, ueberall.

21. Silke - November 25, 2012, 21:40

Lila

1. ich protestiere wie immer gegen diese “erholt sich nie mehr” Doomsday-Rhetorik. Die hat allgemein gesehen, ein derartiges Ausmaß angenommen, daß man sich schon als unsensibler Holzkopf vorkommt, wenn man nicht klagt. Es gibt viele Dinge, die einem im Gedächtnis bleiben und einem die Weltsicht formen, eins davon kann ein lächelnder Soldat sein, der einem eine Tafel Schokolade in den Puppenwagen schmeißt. Wenn einer das erzählt, dann kommt nie hinterher der Satz “erholt sich nie mehr”.

2. Ich habe keine Meinung zu Sarah Honig’s Forderungen, doch das Lesen ihres Posts hat mir, wie so oft schon, klar gemacht, daß die Palästinenser und die MSM immer wieder schaffen, einem den Blick in ganz enge Kanäle zu lenken. Angeblich funktionieren Zaubertricks auf der Bühne nach dieser Methode. Es ist eine wirklich vollkommen irrwitzige Situation und doch habe ich mich in der letzten Zeit auf das moral philosophizing aka das Prinzipielle ablenken lassen.

http://sarahhonig.com/2012/11/25/supplying-gaza/

22. Silke - November 25, 2012, 22:08

was für ein Verwirrspiel (via EoZ) – über die Daily Mail wird oft wie über BILD die Nase gerümpft. Andererseits sind die Fakten von BILD mindestens so zuverlässig wie die der “seriösen”.

Hier geht’s um den, der hinterm Motorrad durch die Straßen geschleift wurde. Falls das mit Al Qaeda stimmt, hoffe ich, daß es Hamas gelingt, den Daumen drauf zu halten, als das vermutlich kleinere von 2 Übeln.

http://www.dailymail.co.uk/news/article-2238136/Terrified-girl-clutches-picture-father-publicly-executed-dragged-streets-Gaza-motorbike-lynch-mob.html

Badawi was a member of the Islamist group Jaljalat – Thunder – which takes its inspiration from Al Qaeda and is more hardline than Hamas.

23. Silke - November 25, 2012, 22:20

und hier ist die israelische Variante von “nächste Ladung” –

möge es Hirnschmalz und Genialität auf die Entwickler regnen – und so einen Staat soll ich nicht bewundern?

http://blogs.the-american-interest.com/wrm/2012/11/25/missile-defense-the-next-generation/

Israel’s leaders, who consider these weapons and longer-range missiles from Iran potential threats, have turned to engineers from Waltham-based Raytheon Co. to help develop the next-generation interceptor missile.

eines Tages wird ihnen hoffentlich noch das Hacken der Incoming Missile in mid-flight gelingen, so daß die dann punktgenau zu ihrer Abschußbasis zurückkehrt – ein System Bumerang sozusagen.

24. stefanolix - November 25, 2012, 22:44

Aber wenn Gaza ein Teil Ägyptens würde und Ägypten heute schon nicht verhindern kann, dass diese »nächste Ladung« kommt – was wäre dann gewonnen?

Sind die ägytische Armee und die ägyptischen Sicherheitsorgane so stark, dass sie die Terroristen im Gaza-Streifen ausschalten könnte?

Manche Leute haben ja die Vision einer Gaza-Sonderwirtschaftszone, in der die Palästinenser Arbeit und Auskommen, Infrastruktur und Bildung haben sollen: Frieden durch Wohlstand schaffen. Diese Zone könnte unter der Verantwortung Ägyptens stehen.

Aber das geht doch nur, wenn Ägypten wirklich durchgreift und Sicherheit herstellt. Ist Ägypten stark genug dazu? Was geschieht denn, wenn in Kairo die Anschläge verübt werden, die bisher Israel trafen?

25. Lila - November 25, 2012, 22:51

In Aegypten gab es schon Anschlaege – aber was jetzt in so einem Fall passieren wuerde, ist schwer zu sagen. Ich wage mal die Voraussage, dass Aegypten ziemlich hart durchgreifen wuerde.

Wie ging es Gaza unter den Aegyptern? Ich weiss nicht genug darueber.

Eine Sonderwirtschaftszone – das waere schoen. Wie gesagt, die Vision ist in Karni und Eres auch eine Zeitlang erfolgreich umgesetzt worden.

Ein Problem allerdings koennte das Wohlstandsgefaelle zwischen Gaza und Aegypten sein. In Gaza geht es den Menschen ja wesentlich besser als in Aegypten. Die Gazaner muessten sich an niedrigere Loehne gewoehnen. Aber das ginge vermutlich nach einer Weile ganz gut.

Aber die UNRWA wuerde niemals einen Schritt zulassen, der sie selbst arbeitslos macht :-)

Silke - November 25, 2012, 22:56

tja, was wäre wohl, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre

Wenn Ägypten Gaza übernehmen würde, könnte endlich endlich niemand mehr Israel dafür verantwortlich machen, wenn in Gaza eine Obesity Crisis droht …

Obwohl nicht mal das halte ich für sicher – vermutlich werden sie dann feststellen, daß illegal empfangenes Israel-TV die Gazaner dazu zwingt, sich zu überfressen.

Und nein, das mit der Obesity Crisis ist kein Witz, es gab tatsächlich NGOs, die das probiert haben, nachdem das mit dem Hunger sich nicht hatte substantiieren lassen.

Aber alles in allem würden sie sich doch a bisserl lächerlicher machen als derzeit und die Raketen würden nicht mehr und nicht weniger und so lange die ägyptische Armee keine Lust auf nen Waffengang hätte …

Ägypten ist ein Staat und hat bis jetzt weder Lust rogue noch failed zu werden.

Silke - November 25, 2012, 22:59

UNRWA müßte ja nicht arbeitslos werden, die sind ja auch in Judäa und Samaria nicht arbeitslos. Nach dem was ich bei EoZ gelesen habe, läßt die PA “ihre” Flüchtlinge auch nicht raus. Und da gab es doch mal diesen Bericht von einem von Cicero in einem Lager in der Gegend von Bethlehem und der bekam da gesagt, daß die auch selber auf keinen Fall raus wollen, es sei denn …

26. Wolfram - November 26, 2012, 10:35

Ludwig, eins siehst du falsch – genau eins: nicht Israel widersetzt sich der Zweistaatenlösung, sondern die palästinensischen Führer. Die wollen nur einen Staat, vom Jordan bis zum Meer, und den wollen sie palästinensisch und judenfrei. Israel kann mit einem Staat an seiner Seite gut leben, und sicher besser als mit einem rechtlosen Räubernest.

btw, Lila, gibt es im Gazastreifen eigentlich CHristen? Mir wurde wieder mal dieser unsägliche “Kairos”-Text zugesandt, in dem sich die (“christlichen”) Patriarchen von Betlehem und Jerusalem als Flüchtlinge darstellen und der letztlich auch die Einstaatenlösung ohne Juden propagiert…

27. stefanolix - November 26, 2012, 11:26

Trotzdem bleibt eine Frage. Ägypten und Israel haben ja einen Friedensvertrag. Warum kann Ägypten nicht die Nachschubwege in den Gaza-Streifen besser kontrollieren? Wenn Israel aus den Ergebnissen seiner Aufklärung die Informationen beisteuert, müsste es doch möglich sein, die Raketentransporte vor der Grenze zum Gaza-Streifen zu stoppen?

28. Arthur - November 26, 2012, 12:44

Ich denke, die Ägypter haben gewusst, warum sie 1979 beim Camp-David-Abkommen die Souveränität über den Gaza-Streifen dankend abgelehnt haben…

Ob mursi da wirklich so viel anders denkt?


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