jump to navigation

Bei einer Tasse Caro-Kaffee November 21, 2012, 12:38

Posted by Lila in Presseschau.
trackback

Vorhin kam ich von der Arbeit (kurzer Tag) und war so muede, dass ich dachte – genug, seit einer Woche schlaf ich hoechstens zwei Stunden pro Nacht, und auch die  nur aus reiner Erschoepfung, und bevor ich mich jetzt dem Garten zuwende,ess ich einen Happen, trink eine Tasse Caro-Kaffee wie in Kinderzeiten, schnapp mir die puscheligste Decke von allen und leg mich im Arbeitszimmer aufs Ohr.

Nur einen Moment Nachrichten vorher, um zu hoeren, was fuer Fortschritte Hillary macht.

Und dann das. Von der ersten zoegernden Mitteilung bis zum vollentwickelten pigua-Modus dauert es nur Minuten. Der Terrorist muss den Sprengsatz zurueckgelassen haben – pigua mit’an. Jetzt sucht die Polizei einen pummeligen Attentaeter mit gemustertem Pullover, arabische Sender sprechen von einer Frau. Jeder, der je in Tel Aviv war, kennt natuerlich Sha’ul ha Melech. Gegenueber vom Museum, bei der Kiriya,

Im Hamas-Fernsehen wird gejubelt, gesungen und getanzt. Was fuer ein Sieg! Welcher Heldenmut! Bewundernswert. So viele Zivilisten wie nur moeglich dahinmaehen, so sieht der Kampf eines Heldenvolks aus, um der Welt zu zeigen, dass es einen Staat verdient hat.

Allerdings, sie haben es angekuendigt.

Wohlgemerkt, sie verdanken die Gelegenheiten zu diesen Taten der Tatsache, dass es hier keine Apartheid gibt und Araber sich ueberall frei bewegen koennen.

Wir haben solche Angriffe oefter miterlebt, als wir denken koennen. Seit den Araberaufstaenden der 20er Jahren kennt das Volk Israel, das damals noch keinen Staat Israel hatte, das Leid, das der Terror bringt.

In israelischen Krankenhaeusern werden uebrigens wie immer Patienten aus den palaestinensischen Gebieten behandelt, auch aus dem Gazastreifen. Teilweise bezahlen Stiftungen wie die Peres-Stiftung ihre Behandlung.

Aber die Trolle, die mir den Blog jedesmal verpesten, wenn er irgendwo erwaehnt wurde, finden natuerlich, die Palaestinenser sind die friedfertigen Edelmenschen und die Israelis sind die blutgierigen Barbaren.

Mein Caro-Kaffee wird kalt, und mein Herz auch. Waffenstillstand?

(Gott sei Dank: keine Schwerverletzten – bisher zumindest klingt es relativ gut, vermutlich war der Sprengsatz klein. Bestimmt laufen sie sich gerade erst warm. Oder es war eine pivate Intitiative. Ich fahre IMMER mit oeffentlichen Verkehrsmitteln und habe nicht vor, damit aufzuhoeren. Ich habe mich auch mitten in der Terrorwelle taeglich in Haifa in den Bus gesetzt und werde das auch weiterhin tun.)

Kommentare

1. Andre - November 21, 2012, 12:55

Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte! – Entschuldige bitte diesen alten, abgedroschenen Spruch, aber langsam versiegt mein verbales Ausdrucksvermögen und ich kann mir nur mit Worthülsen helfen. Ich muß immer daran denken, dass wir vor 3 Tagen noch selbst in Tel Aviv fröhlich mit dem Bus herumgefahren sind. Ein Teil von uns ist dort zurückgeblieben und leidet bei jeder dieser Nachrichten mit. Ich bin schon soweit, dass ich hier im lauschigen Wolfenbüttel zusammenzucke, wenn irgendetwas piept oder eine Autotür laut zugeschlagen wird.

2. Hadassa - November 21, 2012, 13:07

Scheiße ist das. Ich habe die Explosion im Büro gehört. Dabei bin ich heute so optimistisch aufgewacht, nachdem es gestern Abend nach Waffenstillstand aussah. (Naives Ding, ich)

3. Piet - November 21, 2012, 13:07

Haaretz schreibt: „At least five seriously to moderatley wounded, the rest lightly“ und der Tagesspiegel: „Fünf von ihnen sollen sich in einem kritischen Zustand befinden.“

Hoffentlich ist das nicht der Auftakt zu einer neuen Intifada (als eine Art Mistrauensvotum einer verhandlungsbereiten Hamas gegenüber, oder so), hoffentlich nicht! Den Verletzten mein ganzes Mitgefühl.

4. Janina - November 21, 2012, 13:25

Ich habe die Nachricht als Pop-Up der Tagesschau aufs Telefon bekommen und dachte nur, das kann doch nicht sein, bitte bitte nicht – und lese bei Dir, daß es leider doch so ist. Ich könnte heulen und weiß doch, daß es nichts bringt.

5. Lila - November 21, 2012, 13:31

Ich glaube Ruth hat mal aufgefuehrt, was fuer spartanische Begriffe von Verletzungen offiziell ueblich sind. Auch schwerste Verletzungen – wenn sie nciht lebensbedrohlich sind, sind sie „moderate“. Zwei Verletzte sind im OP, aber keiner ist lebensbedrohlich verletzt. Gott sei Dank. Der Bus sieht auch ganz, ganz anders aus als zu Zeiten der Intifada. Damals waren die Busse blutbespritzte, zerborstene Staetten des Grauens. Es war ein kleiner Sprengsatz.

Ich seh gerade Channel 10 und Shlomi Eldar, den ich schaetze, sagt, dass sich ein Zweig der Fatach bekannt hat.

Mal gucken.

Verhandlungen ueber Waffenstillstand gehen weiter. Aber wer meint, dass die Palaestinenser jetzt unbedingt einen Staat bekommem muessen, der traeumt. Halevai und wir koennten uns aller Probleme dadurch entledigen – aber der Terror geht immer weiter. Sie koennen gar nichts anderes.

Ich verzweifel gerade an ihnen. Morgen, heute abend schon entdecke ich vielleicht andere Facetten. Aber heute? Was haben die Palaestinenser der Menschheit geschenkt – ausser Mord-Methoden? Ein paar Schriftsteller, ein paar Kuenstler, ein paar Wissenschaftler, ja. Aber im Grossen und Ganzen? Wann sieht, wann hoert man sie?

Wohlgemerkt: in Israel entfalten sie sich anders, ich kenne hier sehr viele kreative, gut ausgebildete und wunderbare Palaestinenser. Auch in anderen Laendern. Aber in ihren eigenen Gebieten? Katastrophal. Jedes Potential, das sie haben, geht unter in einem Strom von Gewalt und Blut.

6. Lila - November 21, 2012, 13:39

Janina – wir haben noch Glueck gehabt, der Sprengsatz war klein. Aber ich bin natuerlich in Sorge um alle NIchten und Freunde, die in der Gegend wohnen und arbeiten.

Der Terrorist ist entkommen und wird gesucht. Und dann wird er ein paar Fragen beantworten muessen.

7. Silke - November 21, 2012, 13:43

BILD hat einen Live-Ticker eingerichtet

http://www.bild.de/politik/ausland/nahost-konflikt/israel-gaza-hamas-raketen-luftangriffe-liveticker-tag-acht-27291692.bild.html

und ich erspare mir irgendeine Bemerkung zur nach wie vor mir als so moderat angepriesenen Fatah – falls es die gibt, sind sie entweder nicht in der Lage oder nicht willens, ihre Mordgierigen zu disziplinieren.

Ich glaube bei EoZ hatte ich gelesen, daß Fatah-Kämpfer ebenfalls – wie Ägypter – nach Gaza ziehen.

8. Silke - November 21, 2012, 13:58

na wenigstens da läuft es (so langsam fange ich mich an, mich wirklich dafür zu interessieren, warum Lieberman als so untendurch gilt)

http://www.ortneronline.at/?p=19878
Na bitte, geht doch…
21. November 2012 | Autor: Christian OrtnerKommentareEinen Kommentar schreiben
“The European Union strongly condemns the rocket attacks on Israel from the Gaza Strip which Hamas and other armed groups in Gaza must cease immediately. There can be no justification for the deliberate targeting of innocent civilians. Israel has the right to protect its population from these kinds of attacks; in doing so it must act proportionately and ensure the protection of civilians at all times.” (Der Europäische Rat der EU zu den Terrorangriffen auf Israel)

9. marie_sophie - November 21, 2012, 14:28

Zeruya Shalev hat einmal in der FAZ über das Weiterleben nach dem Anschlag und die Angst als Lebensform gesprochen, immer noch sehr eindrücklich, wie ich finde.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/portraet-wenn-wir-sterben-sterben-wir-138711.html

10. Yael - November 21, 2012, 14:49

Diese Schweine. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Wobei ich keine Schweine beleidigen möchte.

11. Lila - November 21, 2012, 15:07

Oh bitte. Verschon die Schweine. (Kein Wunder, dass Wildschweine uns so grimmig angucken – die hoeren, wie wir ihnen alles zur Last legen).

Die Hamas preist den Bombenanschlag. „Wir gratulieren unserem Volk zu dieser heldenhaften Tat“, hieß es in einer Mitteilung, die über die Lautsprecher von Moscheen im Gazastreifen verlesen wurde. Es handele sich um eine „natürliche Reaktion“ auf die Tötung von Zivilisten durch die israelische Luftwaffe, hieß es im Hamas-Fernsehsender. Im Gazastreifen gab es nach israelischen Medienberichten auch Freudenschüsse in die Luft.

http://www.welt.de/politik/ausland/article111348735/Viele-Verletzte-bei-Anschlag-auf-Bus-in-Tel-Aviv.html

12. Yael - November 21, 2012, 15:37

„Die Hamas preist den Bombenanschlag. “Wir gratulieren unserem Volk zu dieser heldenhaften Tat”

Jetzt fehlt nur noch der Tapferkeitsorden und Ritterkreuz an den Attentäter. Mich erinnert die Worte der Hamas irgendwie an Hitler, Goebbels und vor allem an Himmler (Posen 44).

Ich verschone die Schweine, keine Sorge. Ich mag eigentlich Schweine. Warum gibt es eigentlich keine anderen Wörter um diese Verbrecher zu umschreiben? Kein Tier ist so wie diese sogenannten Menschen.

13. Lila - November 21, 2012, 15:46

Ich finde Schweine auch sympathisch und verstehe nicht, wie jemand Tiere essen kann, die so menschlich aussehen… und Wildschweine sind wirklich schoen, so struppig und eckig und so schoene Farben.

Ich sage „Barbaren“, obwohl ich ja selbst Barbarin bin. Also Menschen, die sich ausserhalb der Normen der zivilisierten Gesellschaft positionieren – bewusst. Die universale Normen nicht anerkennen (was du nicht willst, das man dir tu…), die Schwaechere nicht schuetzen, die luegen ohne zu zoegern, denen die Durchsetzung eigener Interessen ueber allem steht, die nie in Frage stellen, was ihnen eingetrichtert wird, nie Informationen ausserhalbe suchen, sich selbst nie von aussen betrachten.

„Unmenschen“ waere ungenau, denn in unserem Naturzustand sind wir alle vermutlich genau so. Aber dazu dient die Erzieuhung, dieser schmerzhafte Prozess, in dem wir Abwaegen, Empathie, Fairness, Verzicht, Kompromiss und Schonung lernen und verinnerlichen.


Sorry comments are closed for this entry

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 274 Followern an