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Von allen Seiten November 20, 2012, 5:08

Posted by Lila in Uncategorized.
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Wer spricht davon?

Im Libanon hat die libanesische Armee zwei Raketen entdeckt und unchaedlich gemacht, die auf eine militaerische Station auf der israelischen Seite gerichtet waren. Ich danke den Libanesen fuer ihr Pflichtgefuehl und bin sehr besorgt, was wird, wenn die Hisbollah den Libanon “uebernimmt”. Mir ist klar, dass jederzeit Beschuss aus dem Libanon kommen kann. Auf den Hermon oder Nahariya. Ich weiss gar nicht mehr, wie das war, als ich mich sicher gefuehlt habe. Muss verdammt lang her sein – so lang, dat ich mich kaum erinnre kan.

Und wer spricht davon? Den Angriffen aus dem Sinai?

Und davon – den “Fehlschuessen” aus Syrien?

Und dann noch die ganz normalen Angriffe auf Zivilsten. Sind ja nur Siedler – die haben schon irgendwie ein Recht auf Leben, aber hm, na ja, weniger.

Rundherum Feindseligkeit und Bedrohung. In den Augen mancher wohl ein Beweis fuer die angeborene Abscheulichkeit Israels und der Juden. Oder aber: alles Einbildung, wer kann schon wirklich bedroht sein, wenn wir es sebst nicht sind?

Ich sollte versuchen zu schlafen. Aber es ist Zeit aufzustehen. Vielleicht sehe ich die Welt heller, wenn die Sonne aufgeht? Ueber den Huegeln des Libanon, die ich sehen kann?

Kommentare

1. Hagen - November 20, 2012, 9:17

Zumindest hat sich der Spiegel endlich dem Thema, wie der Terror der Hamas mit den Raketenangriffen auf den Süden funktioniert, gewidmet: http://www.spiegel.de/politik/ausland/israels-gaza-offensive-wie-der-terror-der-hamas-funktioniert-a-868130.html

Vielen Dank für Ihre Einblicke in die Situation in Israel, wie man sie sonst leider in dieser Form in Deutschland nicht erhält. Wünsche Ihnen und Ihrer Familie in den kommenden Tagen und Wochen alles Gute.

2. Culatello - November 20, 2012, 11:53

“Rundherum Feindseligkeit und Bedrohung. In den Augen mancher wohl ein Beweis fuer die angeborene Abscheulichkeit Israels und der Juden.”

……………..und nicht etwa das Ergebnis von Zwangsghettoisierung der Gazaner, Einbehaltung von Transfergeldern und -gütern, willkürliches Unterbrechen der Strom- und Wasserversorgung zum Zweck der Demütigung (“damit die Ganeffs wissen, wo ihr Platz ist”), Bombardierung zusammengepferchter Menschenmassen ohne Flucht- und Versteckmöglichkeit………

Nein nein, auf keinen Fall hat dies etwas mit der Feindseligkeit zu tun: vielmehr ist es so, dass der gesamte Nahe Osten sowie die ganze restliche Welt dem Antisemitismus frönt.

3. Lila - November 20, 2012, 12:01

Mein lieber Culatello, jetzt beantworte mir mal diese Fragen.

Welche Zwangsghettoisierung oder Bombardierung hatten die Araber in den 1920er Jahren zu ertragen? Seitdem fuehren sie einen Terrorkrieg gegen die Juden. Laenger als es die Besatzung, ja den Staat gibt.

Ich weiss, Du willst es nicht einsehen – aber der Hass gegen die Juden kam vorher. Checkpoints, Defensivmassnahmen, Sanktionen, Niederlagender Araber etc sind allesamt ERGEBNISSE von Hass und Terror, nicht deren Grund.

Vor wenigen Jahren war der Weg nach Gaza frei, der Warenverkehr auch.

Ich weiss, nicht jeder hat einen Kopf fuer geschichtliche Zusammenhaenge, was vorher kam und was danach – aber ALLES, was Du anprangerst, ist einfach erklaerbar als Reaktion auf Terror.

Ohne Terror aus der Westbank – kein Sicherheitszaun.

Ohne Terror aus dem Gazastreifen – keine Blockade.

Was ist daran so schwer zu verstehen????

Silke - November 20, 2012, 14:05

ich empfinde culatello gegenüber zunehmend Dankbarkeit

wieviele Artikel müßte ich wohl lesen, um das Unglaubliche glauben zu können, würde er sich nicht die Mühe machen, alles so kurz und knackig für mich zusammenzufassen

4. Culatello - November 20, 2012, 14:16

@Lila 3

“Vor wenigen Jahren war der Weg nach Gaza frei, der Warenverkehr auch.”

Ganz so stimmt das ja nicht.
Ich gehe jetzt nur mal auf den Gazastreifen ein, das Westjordanland wäre nochmal eine andere Geschichte.
Bis zur Räumung 2005 lebten zwar nur 8000 Siedler im Gazastreifen, jedoch beanspruchten diese paar Leutchen 40 % der Fläche für sich inclusive ein ganzes Straßensystem. Dieses Straßensystem – only for jews – sorgte dafür, dass schon vor der Räumung eine Bewegungsfreiheit für Palästinenser nicht existierte, da es sie von Stränden und Feldern abschnitt und oft kilometerweite Umwege von Ort zu Ort notwendig waren.
Hinzu kamen tausende von Häuserzerstörungen, weil die Gebäude zu nahe an von Israelis benutzen Straßen oder Siedlungen lagen.

Die Räumung des Gazastreifens von den Siedlern erfolgte dann ja auch nicht aus reiner Herzensgüte sondern weil es einfach zu teuer war, die paar Siedler und deren Straßennetz und Bewässerungs- und sonstige Infrastruktur – only for jews – durch das Militär vor fremder Nutzung zu bewahren.
Genaue Zahlen liegen mir nicht mehr vor, es waren aber enorme Steuersummen, welche die Siedlungen im Gush Katif u.a. verschlungen.

Möglicherweise war also für Palästinenser seinerzeit der Weg IN den Gazastreifen frei, IM Gazastreifen innen drin war die Bewegungsfreiheit aber noch lange nicht gegeben.

Jetzt ist es genau umgekehrt:
Nun ist eine Abriegelung von außen erfolgt und die Schikanen erfolgen nicht mehr innerhalb des Gazastreifens sondern von außerhalb.
Ich kann mich entsinnen, dass schon damals unmittelbar VOR der Räumung in entsprechenden Foren (z.B. Broder-Forum , das existiert m.W. nicht mehr) martialische Aussagen getätigt wurden wie z.B.: „Den Strip umzäunen und die Palis* aushungern!“ oder „Einkesseln und den Saft abdrehen.“

So ganz unerwartet kam also die Blockade nicht, wenn es schon vor dem Abzug der Siedler die Spatzen von den Dächern pfiffen.

„Seitdem fuehren sie einen Terrorkrieg gegen die Juden. Laenger als es die Besatzung, ja den Staat gibt.“

Da blendest Du aber den jüdischen Terror vollkommen aus. Da Du weißt, wovon ich spreche, nur dies in aller Kürze:

Irgun: 1946, Anschlag auf das King David Hotel in Jerusalem, 91 ermordete Briten, Juden, Araber

Irgun gemeinsam mit Lechi: 1948, das Massaker von Deir Yasin, mehr als einhundert ermordete Araber, darunter viele Zivilisten.
Menachem Begin verteidigte auch später noch das Massaker: „Das Massaker von Deir Jassin hatte nicht nur seine Berechtigung – ohne den ,Sieg‘ von Deir Jassin hätte es auch niemals einen Staat Israel gegeben.“

*damals habe ich im Übrigen nicht eine einzige Behauptung gelesen, welche die Existenz der Palästinenser negiert, dieser Hoax war wohl damals noch nicht so verbreitet.

Silke - November 20, 2012, 14:45

Culatello
hast Du schon mal dran gedacht, Dich in Hollywood zu bewerben?

Glaubst Du ernsthaft, daß ich nach dem, was Du hier so regelmäßig absonderst, ich irgendeiner Deiner Aussagen auch nur das geringste Vertrauen entgegenbringe.

Meine hauptsächlichste Erinnerung nach dem Gaza-Abzug ist an die zerstörten Gewächshäuser – wenn irgendetwas deutlich machen konnte, zu welcher Idiotie Gehirngewaschene fähig sind, dann das.

5. Silke - November 20, 2012, 14:49

von mir für Culatello – ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, wie er das wohl wieder debunken wird.

http://israelsdocuments.blogspot.de/2012/11/newsreel-of-missiles-at-israeli.html

TUESDAY, NOVEMBER 20, 2012

Newsreel of Missiles at Israeli Civilians, in… 1969
Here’s a section from a newsreel of August 1969, including a short report about Katyusha rockets shot at Kiryat Shemona. One woman was injured and property damaged. Richard Nixon was president at the time. The Beatles were (just barely) still recording songs together. Humanity was all agog about Apollo 11’s trip to the moon. Angelina Jolie’s birth was still six years in the future. Queen Elisabeth was on the throne. And Palestinians were shooting rockets at Israeli civilians.

6. Rudi - November 20, 2012, 15:44

@Silke
Wenn man liest, was du zu den echten Argumenten vob Culatello schreibst, kann man nur eines feststelen. Du bist doof.

7. Yael - November 20, 2012, 15:53

Wow, Rudi was für ein qualifizierter Beitrag.🙄

8. Lila - November 20, 2012, 15:58

Und was das Schoenste ist: es ist wieder das Breitmaul! Es variiert seine Benutzernamen und ist deswegen gesperrt, ausserdem wegen allgemeiner Widerlichkeit (die feinsten Happen hab ich Euch erspart).

Aber das Internet ist ja gross genug, so dass er ungestoert anderswo quaken kann.

Seine Daten speichere ich aber, denn bestimmt ist er nicht nur hier auffaellig.

Silke - November 20, 2012, 15:59

Danke Rudi, ganz herzlichen und ganz ehrlich gemeinten Dank.

das mußte mir wirklich endlich mal wieder gesagt werden

Du hast mich damit für heute überglücklich gemacht.

Bis heute abend werden sich bestimmt die Gut-Gemacht-mich-selbst-Anlächel-Falten unheilbar tief in mein Gesicht gegraben haben, so daß sogar morgen früh noch was davon zu sehen sein wird.

Von Culatello Anhängern als doof klassifiziert zu werden, ist die schönste Anerkennung für meine überragende Intelligenz und meinen gigantischen Kenntnisreichtum. Nichts kommt dem gleich.

Silke - November 20, 2012, 16:01

tja Yael
ich vermute, jetzt bist Du ganz grün vor Neid😉

– solch ein schönes Kompliment habe ich schon lange nicht mehr gemacht bekommen.

9. Lila - November 20, 2012, 16:01

Ich wusste, meine Liebe, dass es Dich freuen wuerde – allein darum habe ich den Gestoerten noch mal durchgelassen😀

Silke - November 20, 2012, 16:14

Danke, Lila
ich weiß es zu schätzen, ich wünsche nur, mir würde mal ein ähnlicher Coup/Beitrag zu Deiner Erheiterung/Stimmungsaufhellung vergönnt sein.

10. Lila - November 20, 2012, 16:20

Oh, das tust Du doch oft genug. Wenn ich Dich genussvoll und mit vollem Tempo in eine Auseinandersetzung traben sehe, die ich scheue oder die ich gestrichen satt habe, das ist schon ein schoener Anblick. Und dann die Staubwolke:-)

Wenn ich das Gefuehl habe, es trifft die Falschen, schalte ich mich normalerweise ein.

11. Yael - November 20, 2012, 16:25

Ja, Silke, ich gebs ungern zu. Ich erblasse vor Neid. Aber bitte nicht weiter sagen.

Lila, die Breitmäuler kommen und gehen. Ich hatte auch einige sehr unangenehme Erfahrung auf meinem Blog machen müssen. So dass ich das erste Mal richtig löschen musste. Zwei derer kleben an mir wie Grießbrei.

Silke - November 20, 2012, 16:39

jetzt bin ich aber beleidigt, ich geb mich schließlich der Illusion hin, daß ich galoppiere und nicht bloß trabe.

Meine Mutter war mal mit nem Astrologen befreundet und der hat ihr erklärt, daß typisch für mein Sternzeichen, den Widder, sei, daß der beim Zusammenstoßen die Augen schließe/geschlossen habe.

Aber was anderes – mir ist noch was eingefallen, warum ich glaube, daß die hätten-wir-nicht Überlegungen zu nix führen.

Nach jeder, auch der kleinsten Aktion entsteht die Möglichkeit für Re-Aktionen und/oder Folgeaktionen, die immer dem Law of Unintended Consequences gehorchen.

Und wenn ich denke wie schnell aus dem Verdoppeln eines Sandkorns eine Wüste entsteht …

Hier und Jetzt iss es wie es iss …
und so wie sich die Gemengelage darstellt ist es nicht nur hochgradig scheußlich sondern auch total unübersichtlich.

Wenn man dem hier lobend verlinkten Zettel (gestern?) folgt, der seinerseits ein Anhänger von Stratfor zu sein scheint, dann gab es da diese Bombardierung eines “Feuerwerkskörper”-Zwischenlagers im Sudan am 23/24.10.2012 – und falls Stratfor damit richtig liegen sollte, dann war die Tötung von Jabari bloß eine die-Gelegenheit-ist-günstig-das-gleich-mit-zu-erledigen Aktion.

Und wenn die Sudan-Story stimmen sollte, dann bestätigt das wiederum mein Gefühl, daß Ihr ärmsten in einem Proxy-War die Knochen hinhalten müßt.

Alles in allem ist es zum junge Hunde kriegen …

12. Lila - November 20, 2012, 16:46

Ich haette wirklich fast galoppierst geschrieben…

Mein Mann ist Widder, zwar ein relativ sanfter, aber auch mein Vater war einer, und wenn sie auch nicht viel gemeinsam hatten – einer Auseinandersetzung ist keiner von beiden je aus dem Wege gegangen.

Angeblich bin ich als Stier ja auch so ein schnaubendes Wut-Tier, aber ich glaube, ich bin eher die Kuh, die lange braucht, bis sie durchdreht. Ausserdem passen die meisten anderen Stier-Attribute, bis auf den Nacken, gar nicht auf mich – lebenstuechtig, geschickt im Umgang mit Geld, praktisch😦 Waer ich wohl gern.

Tja, vielleicht ist ja trotz ueberwaeltigender Beweislage nicht in ALLEN Faellen was dran…😀

(Mich interessiert Astrologie als kulturelles Grundmuster, das in vielen Gesellschaften Erklaerungsmodelle und Forschungsimpulse gegeben hat – sehr sehr interessant. Ich liebe Symbole, Bilder, Denkmodelle – bekanntlich ist mein liebstes die Vier-Elementen-Lehre, die ich seit meiner Kindheit faszinierend finde. Weswegen ich auch mehrere Schmuckstuecke mit Kompass habe, immer einen Kompass bei mir trage und einen neben dem Bett habe – wenn ich “am dursch am drehen” bin, stell ich mich mit dem Gesicht nach Norden und breite die Arme aus – ein bescheuert aussehendes kleines Ritual, das mir aber immer hilft, mich zu sammeln…)

13. Gad - November 20, 2012, 16:48

Lila, Ich finde es großartig wenn gerade du dir in deiner schweren Situation Fragen stellst.
Ob Vergangenheit oder Zukunft man sollte nie aufhören zu Fragen.

Wer das nicht mehr tut, verhärtet und verbittert. Ich bin über einen Freund auf deinen Blog
gekommen und bewundere deine vielschichtige Denkweise und nie langweiligen Einträge.

Zu deiner Frage nach einer Palästinensischen Friedensbewegung:
Die entstehen und blühen ja eher in Gesellschaften denen es wirtschaftlich und politisch gut geht.
Von einer Syrischen Friedensbewegung habe ich auch noch nicht viel gehört.

Gegenseitiger Hass: Vielleicht haben auch nicht alle Israelis ein so gutes Verhältnis zu den israelischen Arabern.

Bin gerade auf folgenden Artikel gestoßen.
Schon wieder Propaganda? Oder Reaktion auf die Reaktion auf die Reaktion?

http://www.hintergrund.de/201210262297/politik/welt/wir-sind-rassisten.html

Warum verweist du auf Culatello-links, wenn du ihn für gestört hälst???

14. Lila - November 20, 2012, 16:52

Der Artikel ist Bloedsinn, und nicht Culatello ist der Gestoerte, den ich meine. Culatello ist anderer Ansicht als ich, aber kein Troll.

Silke - November 20, 2012, 17:17

praktisch

nun wenn ich da an Erzählungen von Deinen Küchen-Leistungen denke, verstehe ich das als Fishing for Compliments …
——-

und was Culatello anlangt, Ansicht finde ich ein etwas inadäquates Wort für die Art, wie er die Welt darstellt.

Ansicht finde ich adäquat, wenn man Fakten auf verschiedene mögliche Bedeutungen hin durchleuchtet, nicht wenn man deren Existenz verschweigt. Letzteres läuft bei mir unter Propaganda und/oder Parteilichkeit – und wenn eineR Letzteres ist, dann sollte er/sie das eben so offen sagen, wie ich es immer wieder tue😉

Lt. meinem Astrologiewissen greifen Stiere offen Auges an, was sie so gefährlich macht. Aber es gibt ja wohl auch sanftmütige

Jedenfalls wenn der Bauer gegenüber seinen zu Begattungszwecken aus der Box in den Hof führte, war ich immer zutiefst beeindruckt von dem Riesenvieh und wenn ich in den Stall ging hatte ich beim Vorbeigehen an ihm immer einen ähnlich starken Wunsch mich unwahrnehmbar zu machen wie wenn ich an nem angeketteten Rottweiler vorbei mußte.

Ja das mit den Symbolen finde ich auch spannend – daß wir ohne Klassifizierungen nicht können – ob das angstdämpfend wirkt?

Kompasse faszinieren mich auch – Das probier ich auch mal, aber ob ich mich für’s ein-Norden wie Du entscheide, weiß ich noch nicht – so aus der lameng würde ich sagen, die jeweilige Sonnenaufgangsposition würde mir mehr konvenieren.

15. Gad - November 20, 2012, 17:20

Ich erinnere mich nur daran, dass der sephardische Teil meiner Familie vor 15, 20 Jahren auch schon unter Diskriminierung gelitten hat. Hat sich einiges geaendert seitdem, stimmt schon. Aber ist die israelische Bevoelkerung wirklich so tolerant wie du sie gerne haettest? Bin da anderer Meinung.

Silke - November 20, 2012, 17:36

Gad

wie hält es die deutsche Bevölkerung mit der Toleranz?

Klar gibt es Diskriminierung, vermute ich mal, denn so weit mir bekannt ist, sind Israelis Menschen. Doch anzunehmen, daß Diskriminierung für sich in Anspruch nehmende Gruppen nicht ihrerseits ebenfalls begabte Diskriminierer sind, ist ein fundamentaler Irrtum.

passend dazu aus dem Perlentaucher Medienticker von heute:

“Toleranz: Die Fehler der anderen entschuldigen. Takt: Sie gar nicht erst bemerken.” (Arthur Schnitzler)

16. Wolfram - November 20, 2012, 17:45

Gad, ich beobachte in meinem Arbeitsfeld, christliche Kirche, daß es offenbar vielen Leuten leichter fällt, jemanden mit einer anderen Religion zu tolerieren oder auch ganz toll zu finden, als jemanden aus dem gleichen Stall, aber einer anderen Box. Konkret können meine braven Reformierten manchmal leichter mit Moslems, Atheisten und Buddhisten umgehen als mit Katholiken oder Baptisten.
Und ich vermute, das ist unter den verschiedenen Strömungen und Herkunftsgruppen, die sich in Israel zusammenfinden, ähnlich.

Silke - November 20, 2012, 17:45

PS:

ich habe nie in einer toleranteren/taktvolleren multikulturellen Umgebung gearbeitet/gelebt als in der Zeit in der wir rund 600 ca 20 verschiedene Pässe Haltenden tagein/tagaus im Dienst und nach Feierabend aufs Herzhafteste übereinander herzogen. Gab es Diskriminierung? Aber holla und wer waren die “Opfer”? Frauen natürlich.

17. Lila - November 20, 2012, 17:59

Jede ethnische Gruppe ist arrogant und sieht auf die anderen herab. Da unterscheiden sich die Menschen nirgends. Die Oecher halten sich den Koelnern fuer ueberlegen, die Rheinlaender den Westfalen, die Deutschen den Hollaendern, die Europaeer den Amerikanern. Frauen finden Maenner primitiv, Maenner halten Frauen fuer unzurechnungsfaehig (beide haben natuerlich Recht😉 ). Junge Leute finden, alte Leute sind nicht ernstzunehmen, genau, was die Alten ueber die Jungen denken, und wir Mittelaltler werden von beiden schraeg angeguckt und denken uns unser Teil.

Ich kann nicht erkennen, dass es in Israel irgendwelche Anzeichen dafuer gibt, dass die Menschen intoleranter, spiessiger oder kleingeistiger sind als anderswo. Eher im Gegenteil.

Klar, fuer Y.s Schwester, die einen Irak-kurdischen Juden geheiratet hat, war der Weg, von seiner Familie akzeptiert zu werden, steinig. Umgekehrt hat mein Schwiegervater jeden Nicht-Kibbuznik jahrzehntelang misstrauisch beaeugt. Viele Juden haben ein Problem damit, dass mein Mann eine Christin geheiratet hat, so wie manche Christen mich in (Spam-)Kommentaren beschimpfen.

Alles das ist im normalen Umgang spuerbar, aber fuer mich wesentlich weniger auffaellig als in Deutschland. Wo ich lebe, da gehen auch Araber und Juden aller Arten nett und respektvoll miteinander um. Das ist ein ungeschriebener Vertrag. Gegenseitiger Respekt und Ruecksichtnahme auf die Gefuehle des anderen ist Grundbedingung.

Diskriminierung ist was anderes – sie bedeutet, dass eingeschraenkte Chancen im Arbeitsleben, beim Einkommen, Lebensstandard signifikant auf ethnische Faktoren zurueckzufuehren sind. Ueber Jahrzehnte hinweg haben sich in Israel die europaeischen Juden die Pfruende gesichert. Das ist vorbei. Sehr viele israelische Familien sind gemischt, und die Spharadim haben laengst den Weg durch die Institutionen geschafft.

Die Toechter meiner Schwaegerin tragen einen eindeutig orientalischen Nachnamen, meine Kinder haben eine nichtjuedische Mutter. Bisher habe ich weder bei diesen noch jenen irgendwelche Anzeichen fuer Diskriminierung erkennen koennen. Dass in vielen sephardischen Familien noch Groll herrscht, kann ich verstehen – auch Frauen finden es schwierig, mit vergangener Diskriminierung und “real existierenden” Auswirkungen, Spuren und Resultaten dieser Diskriminierung fertigzuwerden.

Die deutlichsten Spuren solcher Diskriminierung ist die Behandlung aethiopischer Neueinwanderer. Trotz vieler Lippenbekenntnisse haben die verantwortlichen Politiker noch nicht dafuer gesorgt, dass damit ein Ende gemacht wird (Beispiel Schulen, die keine aethiopischen Kinder aufnehmen wollen), ist ein absoluter Skandal.

Wenn ich mir die aktuelle Fuehrungsschicht in Israel angucke, glaube ich, es ist eine egalitaere Gesellschaft. Besonders im diplomatischen Dienst, aber auch der Knesset, an Hochschulen, GErichten und in Krankenhaeusern ist die ethnische Vielfalt viel groesser als zB in Deutschland.

Die naechste Stufe der Verschaerfung, nach dem ueblich-menschlichen Stolz aufs Eigene und Diskriminierung, waere dann der Vorwurf des Rassismus. Eine rassistische Gesellschaft ist eine, die daran glaubt, dass es verschiedene menschliche Rassen gibt (a delusional concept), und dass diese verschiedenen Rassen verschiedene Rechte und Moeglichkeiten haben. Sie lassen Angehoerige dieser “Rassen” nicht in bestimmte Bereiche nicht vorstossen.

Dass das in Israel nicht stattfindet, ist sonnenklar. Jedoch.
Wie die Ablehnung aethiopischer Juden durch bestimmte Schulleiter ist auch die Angst vor den sudanischen Fluechtlingen teilweise rassistisch gefaerbt. Obwohl es auch objektive Probleme mit einem Teil von ihnen gibt.

Und Apartheid? Apartheid ist ein geschlossenes politisches System, das den benachteiligten Gruppen von vornherein keine Chance gibt. Innerhalb Israels ist das ein haltloser Vorwurf.

Und in den besetzten Gebieten? Nun, die Palaestinenser sind keine Staatsbuerger, weder hat Israel die Gebiete eingegliedert noch Staatsbuergerschaft verteilt an die, die sie nicht haben wollten. Und jedes Land unterscheidet zwischen den Rechten der eigenen Staatsbuerger und anderer. Am Flughafen sind immer zwei Schlangen bei der Passkontrolle: EU-Staaten und andere. Ist das Rassismus oder Apartheid?

Dass das den Palaestinensern ungerecht erscheint, verstehe ich. Aber wollen sie wirklich die israelische Staatsbuergerschaft? mit allen Folgen?

Gideon Levy ist ein Journalist, der sein eigenes Land unermuedlich geisselt und ausspricht, was er als Wahrheit erkannt hat. Manche FAcetten sieht er richtig – andere uebertreibt er und verzerrt sie.

Ich habe die Studien der Ebert-Stiftung ueber Fremdenfeindlichkeit, Judenhass und Rassismus in Deutschland gelesen. Meiner Einschaetzung nach wuerde man in Israel geringere Prozentsaetze finden.

Auch wenn die jemenitisch-staemmige Hausfrau gefilte Fisch als Geschmacksverirrung ansieht und die polnisch-staemmige keinen Bissen Chreime runterbringen wuerde – das ist noch kein Rassismus und keine Apartheid. In die diversen Vorurteile, die saekulare, traditionelle, nationalreligioese, Haredim aller Arten einander gegenueber hegen, mag ich gar nicht erst einsteigen…. Evangelen und Katholen, aber in vielfacher Abschattierung misstrauischer Beaeugung.

In jeder Gesellschaft bleibt Raum fuer Verbesserung. Aber als Angehoerige einer Minderheit, noch dazu als Einwanderin aus einem Land, das Juden genug angetan hat, um Feindseligkeit zu erklaeren, als Deutsche und Christin in Israel erklaere ich, dass ich NIE auf echte Diskriminierung gestossen bin. In wenigen Faellen auf leichte Vorbehalte (vielleicht drei, vier Mal in ueber 20 Jahren), in den meisten Faellen auf freundlich-erstauntes Interesse (wer kann verrueckt genug sein, aus dem friedlichen, reichen Deutschland in dieses Irrenhaus mit Wuestenwind zu kommen???).

Allerdings lebe ich selbst mit white privilege und komme aus einem Hintergrund, der es mir leichter macht, mich mit Selbstverstaendlichkeit in verschiedenen Milieus zu bewegen. Ich bin ueberzeugt, dass aethiopische Juden und auch Araber in Israel es viel schwerer haben. Das ist ungerecht und empoerend, und Levy hat Recht, dass er es anprangert. Jedoch schuettet der Artikel nicht nur das Kind mit dem Bad aus, sondern schmeisst auch gleich noch die Badewanne weg. Finde ich.

In meiner Arbeit tue ich in kleinem Rahmen, was ich kann, um Angehoerigen von Minderheiten, Neueinwanderern und Leuten aus der Peripherie die besten Chancen zu geben.

Es ist nie genug. Aber ehrlich gesagt – wenn man in Betracht zieht, mit wie viel Hass und Verachtung und Aussendruck sich Israelis rumschlagen muessen, sind sie beachtlich offen fuer Fremde, Andere.

Warum alle darauf bestehen, jede Nuance israelischer Vorurteile und Kniepigkeiten unter die Lupe zu nehmen, waehrend die Exekution von Homosexuellen, das Haengen von “Kollaborateuren”, Ehebrechern und aehnlichen Abweichlern bei den Palaestinensern nonchalant als Folklore verniedlicht wird, habe ich noch nie verstanden…

18. Jakobo - November 20, 2012, 18:06

“Zu deiner Frage nach einer Palästinensischen Friedensbewegung:
Die entstehen und blühen ja eher in Gesellschaften denen es wirtschaftlich und politisch gut geht.”

Aber genau das haetten sie ja haben koennen oder nicht? Israel hatte sich aus gaza zurueckgezogen. wieviel genau an zahlungen dorthin gegangen ist weis ich nicht aber es wird nicth wenig gewesen sein.

die haetten mehr draus machen koennen als das was sie jetzt haben.

J

Wolfram - November 20, 2012, 18:45

Na, Silke, da irrt Schnitzler: was er Takt nennt, ist Toleranz (wenn “bemerken” eine Reaktion meint), und was er Toleranz nennt, ist so ein pseudo-p.c…
Die wahre Höflichkeit ist schließlich auch, bei einem Niesen nicht “Gesundheit!” zu rufen, weil man dadurch erst den faux-pas des Niesens in die Welt trompeten würde. 😉

19. Jakobo - November 20, 2012, 19:50

“Jede ethnische Gruppe ist arrogant und sieht auf die anderen herab. Da unterscheiden sich die Menschen nirgends. ”

was gut ist, dass man nicht wie ein idiot behandelt wird wenn man die sprache nicht perfekt kann. (wie an anderen orten)

J


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