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Nachts-gedacht November 20, 2012, 4:56

Posted by Lila in Persönliches, Presseschau, Uncategorized.
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Ist es moeglich? Ich kann doch tatsaechlich nicht schlafen, obwohl ich es brauchen koennte. Seit Mittwoch ersetze ich Schlaf durch Bloggen-beim-Fernsehen oder Fernsehen-beim-Bloggen, sehr gesund kann das nicht sein.

Eine Studentin in meinem Alter kam vor der Stunde zu mir und sagte: ich moechte mein Telefon anlassen, ausnahmsweise, weil mein Sohn.… Und ich sagte: Im Sueden? Und sie: Ja. Und bevor er sein Telefon abgeben muss, will er noch mal anrufen. Und ich: meiner hat seins gestern abgegeben. Welche Einheit ist deiner? Sie: Shirion. Ich: meiner Nahal, und eine Tochter in Nevatim. Sie sah genauso fertig aus wie ich.

Sie ist fast die einzige juedische Studentin im Kurs. Die anderen sind Drusen, Beduinen, Moslems, Christen. Eine der nettesten Gruppen, die ich je hatte – erwachsen, erfahrene Lehrer, hellwach, interessant. Ich frage mich: hat hier jemand Verwandte im Gazastreifen? sind die Verwandten so offen, zugewandt, intelligent, nachdenklich wie sie? Aber ich kann das Thema nicht ansprechen – vielleicht spaeter, vielleicht, wenn wir wieder mehr Platz fuer Empathie haben. Ich suche sicheres Terrain, bin zu verletzlich heute, wir sind es alle. Ich suche Gemeinsamkeiten, keine Graeben.

Ich habe ueber Kinderzeichnungen gesprochen und hatte als Beispiel dafuer, wie ein Kind die Grundformen erwirbt, ein uraltes Bild von Secundus in der Praesentation, wie er als Zweijaehriger vor seinem Blatt Papier sitzt, Wachskreide mit der ganzen Hand umfasst und ernsthaft vor sich hin schaut. Natuerlich wusste niemand, dass das Beispielkind mein Junge ist, der jetzt in seinen ollen Stiefeln irgendwo im Sueden rumstiefelt. Die Beispielbilder in der Praesentation habe ich als Studentin gesammelt – auf jedem Bild steht unten Name und Datum, und alle damaligen Kinder sind heute – in der Armee, oder kurz danach.

Man hat manchmal so Szenen, wo man sich denkt: wo ist der Regisseur, der auf die Idee gekommen ist? Wenn das ein Film waere, wuerde man sagen: puh, sentimental, lass das weg, das Zusammentreffen ist zu gestellt. Sowas passiert nicht. Aber natuerlich passiert sowas dauernd.

Nun, im Moment laeuft die Suche nach einer politischen Loesung auf Hochtouren, und ich bin mehr als dankbar dafuer. Ich denke mir natuerlich: Guido, warum bist du nicht vor zwei Wochen gekommen, als wir schon mental am Anschlag waren? dann haette das alles nicht passieren muessen. Wo war Ban Ki Moon vor zwei, drei Wochen? Wo, als der thailaendische Arbeiter so schwer verletzt wurde? Wo, als die vier Soldaten von nun-tet-Waffen verletzt wurden, auf israelischem Grund und Boden?

Aber ich muss auch sagen: wir haben nicht genug getan. Beim Autofahren heute haben wir, was wir sonst nie tun, Radio gehoert (fuer mich ist das Auto im Moment einfach nur Radio mit Raedern). Die Berichte waren interessant, dann sang Georges Moustaki, und immer wieder unterbrach eine samtweiche weibliche Stimme Bericht oder Lied und sagte an: Alarm soeben in…. Und dann folgte eine Liste von Ortsnamen. Kibbuzim, Moshavim, Doerfer. Kernige, landwirtschaftliche Namen.

Und mir fiel es wie Schuld aufs Herz. Wie lange schon werden die Bewohner dieser Orte beschossen? Bis Mittwoch hat niemand ihre Namen und Alarme durchgesagt. Vielleicht hiess es gegen Ende der Nachrichten: Heute fielen in der Gegend von Eshkol drei Katyusha-Raketen, niemand wurde verletzt und kein Sachschaden angerichtet. Ja ich hab es oft genug im Ticker hingeschrieben, aber wenn ich keine Zeit hatte oder keine Lust, dann eben nicht.

Aber die Moshavnikim und Kibbuznikim und Bewohner von Ofakim und Netivot und Beer Sheva, die mussten, ob Zeit oder Lust oder gar nichts, alles stehen und liegen lassen, in die Schutzraeume rasen, sich um die Kinder in der Schule und die Eltern und Geschwister und Partner sorgen, haben die es rechtzeitig geschafft?, und auf den BUMM warten und die Entwarnung.

Die Medien haben auch bei uns das Thema eher runtergespielt.

Und unsere Politiker? Vielleicht habe ich leicht reden, aber in meinem Herzen glaube ich, dass auch sie mehr haetten tun koennen. Ich begreife, warum Netanyahu zum Thema Iran einen riesigen internationalen Wirbel gemacht hat – er hat gute Gruende dafuer, und es kann gut sein, dass in 40 oder 80 Jahren rueckblickend das seine grosse historische Leistung sein wird – zu verhindern, dass Atomwaffen in Haende gelangen, die sie wirklich einsetzen wuerden und nicht nur als Abschreckung im Magazin halten. Ich will das nicht kleinreden, nicht nur wir werden, wenn er Erfolg hat, ihm danken muessen, sondern auch viele andere Staaten.

(Und selbstverstaendlich hat der Iran seine Finger schon lange im Spiel.)

Ich kann auch verstehen, dass er nicht zwei Themen gleichzeitig auf der Weltbuehne hochjagen konnte. Und er ist es  ja nicht allein, er hat ein Kabinett, wir haben ein Parlament, wir haben Filme, die ueberall gesehen werden, und Buecher. Keiner, weder Grossmann noch Yoshua noch Oz, weder die Regisseure der vielen Libanon-Trauma-Regisseure, und auch wir Blogger nicht – keiner von uns ist der Welt an die Gurgel gesprungen und hat gerufen: solange die Leute in Nir Am nicht ruhig schlafen koennen, geben wir keine Ruhe!

Wir haben es nciht mal probiert. Haetten wir es geschafft, Ban Ki Moon, Westerwelle, alle Schoenen und Maechtigen dieser Welt, hierher zu locken? Natuerlich lag die Kraft des Eroeffnungsschusses in der Ueberraschung. Aber waere es nicht moeglich gewesen, NACH dem Startschuss letzten Mittwoch mit Donnerhall weitere Luftschlaege anzudrohen? So wie jetzt mit der Bodenoffensive gedroht wird? Die Luftschlaege haben ihren Sinn – Hunderte, ja Tausende von Abschussrampen, Waffen-Werkstaetten, Ihr wisst es selbst, die “Bank der Ziele”. Ihren Sinn, aber auch ihren Preis.

Haette jemand ernstgenommen, wenn Netanyahu richtige Brandbriefe geschrieben haette? sich Bill Clinton oder weiss ich wen als Sonderberater erbeten haette, um dem Beschuss ein Ende zu bereiten?

Haben wir wirklich alles probiert? Alles, alles, alles? Ich sehe das Sterben und frage mich. Koennte ich Bibi fragen, Lieberman fragen, Ron Prosor fragen, sie wuerden vermutlich sagen: du hast ja gar keine Ahnung, was wir alles probiert haben, keiner hat auch nur mit der Wimper gezuckt, glaub es ruhig, wir haetten bestimmt nicht angefangen, wenn es anders gewesen waere.

Trotzdem muessen wir uns diese Frage stellen: wo waren wir, als die Kinder von Kibbuz Re’im geweint haben? Worueber haben wir gesprochen? Ueber soziale Gerechtigkeit, ueber die Anlage in Natanz, ueber Balkan Beat Box? Dann haben wir es versaeumt, ein wirklich wichtiges Thema ueber alle Daecher zu schreien.

Ein weiteres Versaeumnis, das mir heute zu Bewusstsein kam, als ich Irit Linur und Kobi Ariel im Radio zuhoerte. Sie stimmten ueberein, dass wir ideale Brueckenbauer zwischen Israel und der arabischen Welt “zur Hand” haben, wir es aber nicht geschafft haben, diese auch in Bewegung zu setzen, zu aktivieren. Sie verweigern sich, sie wollen nicht, sie tun das Gegenteil. Ahmed Tibi und andere arabische Politiker in Israel, die beide Gesellschaften und ihre Codes von innen kennen, die die Beduerfnisse, Verletzungen, Aengste und roten Linien jeder der Seiten kennen, waeren praedestiniert fuer Vermittlung. Linur und Ariel drueckten Frustration ueber Tibis Verweigerung und seinen Hass auf Israel aus – aber ich muss immer weiter denken, mich immer fragen: und was haetten wir dazu tun koennen?

Was waere gewesen, wenn zu Zeiten, als Tibi ganz gut verwurzelt war im israelischen Mainstream, der Premierminister (egal welcher, es gab schon vor Bibi ein paar davon) ihn angeheuert haette fuer den Posten eines Ministers fuer regionale Verstaendigung? Das Kabinett enthaelt so bedeutungsvolle Posten wie “Minister fuer die Entwicklung des Negev und Galiaeas” und “Minister fuer die Verbesserung des Oeffentlichen Diensts”. Excuse me, koennte man nicht ein paar dieser Posten zusammenlegen, die wohldotierten Stellverteter-Posten streichen, und statt dessen einem Mann wie Tibi Verantwortung, einen Stab Mitarbeiter und eine Buehne bieten? Heute ist es zu spaet, die Entfremdung sitzt zu tief, wir haetten das schon machen muessen, als die Intifada II Rueckhalt in der arabischen Bevoelkerung fand.

So ein Minister, der sich nicht scheut, auszusprechen, warum er nicht nach Ramallah ausgewandert ist, und was er an Israel schaetzt, zB das Recht, auszusprechen, was er NICHT schaetzt, und der israelische Interessen so erklaeren kann, dass ach ein Jordanier, Gazaner oder Saudi sie versteht – das waere fuer uns alle ein Gewinn gewesen.

Vermutlich wuerde ich, wenn ich Netanyahu waere, den neulich erwaehnten Aatef anrufen, ihn zu einem Gespraech einladen, und ihm einen Posten anbieten. Klar, die Araber wuerden ihn vermutlich als Verraeter ansehen und ihn nicht anhoeren wollen. Aber immerhin wuerde hinter einem solchen Mann Israel mit seinem ganzen Aufgebot an nicht-verbalen Kommunikations-Mitteln stehen. Zu ueberlegen waere es. Ist Westerwelle tatsaechlich besser geeignet als ein Beduine aus dem Sueden Israels, zwischen Israel und der Hamas zu vermitteln?

Wir verpassen da eine Gelegenheit, fuerchte ich.

Kurz, ich kann mir nicht ersparen, mich zu fragen, ob wir wirklich alles getan haben, um uns selbst und anderen Leid und groesseres Leid und noch groesseres Leid zu ersparen.

Kommentare

1. frontalière - November 20, 2012, 10:52

Ach je, Deinen Beiträge sind so berührend!! Deine und Eure Geschichte ist so berührend. Ich kann Deine Sorgen körperlich spüren, und dass der Schlaf flieht ist sehr gut verständlich.

Ich maße mir nicht an für Israel eine Idee für einen Frieden zu haben. Aber es liegt auf der Hand, dass die Interessen der Menschen die dort leben und die Interessen der Politik offenbar nicht deckungsgleich sind. Dabei meine ich garnicht mal die Isralische Politik. Israel ist ein demokratischer Staat, das darf man nicht vergessen. Und das kann man von den Nachbarstaaten nicht ohne weiteres behaupten.

Es ist längst Zeit, dass der Staat Israel in seinem Bestand von den Nachbarstaaten uneingeschränkt anerkannt wird. Es ist längst Zeit, das die Grenzen Israel und der Nachbarstaaten so verhandelt werden, dass alle damit leben können. Das gilt vor allem auch für das Westjordanland (das zumindest optisch ehe zu Israel gehört, als zu Jordanien). Es ist längst Zeit Bedingungen zu schaffen, die es allen erlaubt gut zu leben, in Frieden, Anerkennung, gegenseitigem Respekt.

Und Du hast Recht, es wäre besser gewesen, wenn die internationale Politik sensibler auf die Problem Israels reagiert hätte. Es ist doch unerträglich, wenn ein Staatsgebiet mit seinen Menschen permanent von Raketen beschossen wird. Man muss eigentlich Israels Langmut fast bewundern, so lange Ruhe bewahrt zu haben.

Für mich ist es unerträglich, dass Menschen, die den Holocaust noch in den Knochen haben, (also nicht nur die, die ihn erlebt haben, sondern auch die Kinder und Enkelgeneration, die sich von diesem Leid nicht lösen kann) permanent unter dieser kriegerischen Bedrohung leben müssen. So traurig – so schade.

Der nahe Osten war immer schon eine Wiege der Hochkultur. Einer Kultur die in den geführten Kriegen verschüttet zu werden droht. Das hat Folgen für die gesamte Menschheit.

Nun frage ich Euch. Warum ist das so? Ich weiss von Friedensinitiativen sowohl unter den Palastinensern als auch unter Israelis. Wer hat genau welche Interessen, dass es keinen Frieden gibt? Wer verdient daran? Wer hat Macht und warum? Menschen wie Du und ich, Menschen, die ihre Kinder an die Front schicken müssen, die jedenfalls sind es nicht….

Zum Verzweifeln ist das….

2. Lila - November 20, 2012, 11:21

Welche Friedensinitiative der Paleastinenser kennst Du? Ich kenne den Kreis verwaister Eltern von beiden Seiten – ob die ueberhaupt noch aktiv sind, weiss ich nicht, aber ich habe sie sehr bewundert, dass sie in ihren Treffen das Gemeinsame, das unertraegliche Leid, in den Mittelpunkt gestellt haben, die Empathie des universal Menschlichen.

Ansonsten weiss ich von Sari Nusseibeh, dass er sich mit seinen Ideen eine Zeitlang sehr weit aus dem Fenster gelehnt hat, fuer palaestinensische Verhaeltnisse, aber von ihm haben wir ewig nichts gehoert, und so ein richtiger Friedensaktivist ist er nicht.

In den letzten Jahren ist unsere Friedensbewegung erodiert, Leute wie Yuval Rabin sind still geworden, aber wir haben immer noch Yariv Oppenheimer, die Meretz-Leute (von denen in der momentanen Krise nur der handfeste Ilan Gillon aus dem Sueden eine ganz gute Figur macht), und die vielen, vielen Initiativen wie Shovrim Stika, Machsom Watch, Betselem, Taayush, Givat Haviva (in all denen kenn ich Aktive)… was haben wir auf der anderen Seite? Wo sind die palaestinensischen Aktivisten, die sich nicht gegen Israel, sondern gegen Gewalt von ihrer eigenen Seite wenden?

Oh, ich mag die inner-israelischen Aktionen und werde zum Drei-Feste-Festival im Wadi Nisnas gehen, wo ich ebenfalls Freunde habe.

Ich finde bei Wikipedia Medji, das klingt sehr gut und sinnvoll, oh ja, und da sind die Parent Circle-Eltern auch erwaehnt.

Der ueberwiegende Teil dieser Aktionen wendet sich gegen Besatzung, gegen Checkpoints, gegen israelischen sog. Rassismus, gegen die israelische Armee.

Es herrscht ein deutlicher Mangel an Aktionen gegen Selbstmordterror, gegen Raketenbeschuss, gegen brutale Indoktrinierung der Jugend, gegen Daemonisierung der Juden als Schweine und Affen und so weiter.

Bei einem Interview mit einer normalerweise hamas-kritischen jungen Bloggerin aus dem Gazastreifen jedenfalls vor ein paar Tagen war Moderatorin Ilana Dayan (bekannt als Linke) verbluefft, von ihr in deutlich schrillen Toenen zu hoeren, dass Gaza Hamas ist und Hamas Gaza, und dass Israel auf den Abfallhaufen der Geschichte hoert, weil die Juden das Land der Palaestinenser gestohlen haben und kein Recht auf einen Staat haben. Und so weiter.

Sie wirkte ehrlich gesagt nicht wie eine Frau, die Angst hat, zu sagen, was sie denkt, sondern eher wie eine Frau, die einfach deutlich sagt, was sie fuehlt und denkt. Und das war dann nicht hamas-kritisch.

Von daher – wenn Du mehr weisst, wuerde es mich freuen und aufbauen, davon zu hoeren.

http://en.wikipedia.org/wiki/Arab-Israeli_peace_projects

3. Silke - November 20, 2012, 13:34

Lila

rückblickend hat man nie genug getan und es ist in der augenblicklichen Lage nicht das Richtige. Gerade jetzt darfst Du total parteiisch nett zu Dir selbst sein und mußt nicht in Monday-Morning-Quarterback-ism verfallen.

Ich habe Tibi mehr als 22 Minuten lang in nem Interview vom 30.04.2010 in den USA mit dem Palestine Center zugehört und war entsetzt, wie ein Staatsbürger sein eigenes Land derartig im Ausland diffamieren kann.

“Sie” haben das verdammte Pech, daß Leute an die Macht gekommen sind, die böse sind und es gibt nix, was Du daran hättest ändern können, zumindest nix, worauf Du überzeugend hinweisen könntest. Es ist mittlerweile üblich zu behaupten, daß die Nazis verhinderbar gewesen wären – je mehr ich drüber lese, desto mehr zweifle ich, der Boden des alles oder nichts/wir und die anderen wurde über lange Zeit gedüngt, auch mit vielem Wohlmeinenden.

und wo immer ich mich in Blogs rumtreibe, kommen die radikalen anti-Moslem/Islam/Palästinenser Äußerungen nicht von in Israel selbst lebenden Israelis. Mein Gesamt-Eindruck ist also der, daß “Ihr” im Alltag das “some of my best friends” stets und ständig zur Wirklichkeit macht. (aber psst nicht Culatello weitersagen, sein Weltbild könnte sonst leiden)

und vergißt Du nicht Khaled Abu Toameh (via Goldberg)
http://www.gatestoneinstitute.org/3457/arab-view

4. Silke - November 20, 2012, 13:39

und um auf die Schlaferei einzugehen – die Version macht mich vor Rührung heulen und heulen über (schönes) Sentimentales ist (für mich) ein guter Spannungslöser

Silke - November 20, 2012, 14:00

Lila

meine vielleicht ent-täuschendste Nachricht war, als Yaakov mitteilte, daß er das Projekt, gemeinsam mit einem Palästinenser ein Jerusalem-Buch zu schreiben aufgeben mußte.

Und wie in Yaakov affinen “Kreisen” sattsam bekannt, erwies sich der “palästinensische” Blogger mit dem er gemeinsam ein Blog unterhalten wollte, als argentinischer Fake, Antisemit und auch schon mal “as a Jew” Aufgefallener, der den stunt wohl nur als blog-pimping-Versuch geplant hatte.

5. G. - November 20, 2012, 14:12

Derartige Überlegungen ehren Dich, @lila. Wie der gesamte Blog.

Aus meiner recht begrenzten Perspektive kann ich – für meinen Teil – leider kaum Ansätze erkennen, durch irgendeine wie auch immer gelagerte, zusätzliche Form der Kommunikation auf die Seite Eurer Gegner entscheidend einzuwirken.

Um einmal zu spekulieren: Diejenigen unter den Palästinensern, die Einfluss auf deren Verhalten ausüben, sind von einem gerichteten Hass durchdrungen, der jedes nachvollziehbare, gesunde Ausmass übersteigt.

Jahrzehnte der Konfrontation sind vorausgegangen. Auf mehreren Ebenen.

Getragen von abgrundtiefem Misstrauen, vorrangig destruktiven Zielsetzungen und einer kaum zu leugnenden Neigung zu elaboriertem, oftmals wenig situationsadäquatem Handeln, erreichst Du sie nicht. Sie haben die Perspektivlosigkeit ihrer Seite nicht allein akzeptiert, sondern leben sie. Taube Ohren.

Arabische Politiker in Israel, die sich in Deinem Sinne einsetzten, könnten sich, ihre Familie und ihren (verbleibenden) Freundeskreis zu einer Zielscheibe machen, der sicherlich die Rechnung präsentiert würde. Ruf und Leben dieses Personenkreises wären wohl der Preis. Wer sollte ihnen folgen, derartiges vor Augen?

Westerwelle?

Derzeit kann man vielleicht nur noch hoffen, dass selbst – nicht nachzuvollziehende Entwicklungen – dazu angetan sind, aufatmen zu lassen! Das wäre ja das Gute an der Genese deratigen (pathogenen) Verhaltens: Man darf mit allem rechnen. Jederzeit. Eben auch mit Positivem! (Allerdings kaum in Form allein schon hinsichtlich der Möglichkeit ihres Zustandekommens eher unvorstellbaren palästinensisch-bürgerlichen Friedensinitiativen.)

In diesem Sinn hoffe ich, Du hast die Gelegenheit, Schlaf zu finden. Schlafentzug in dieser Belastungssituation könnte zusätzlich schwächen. Nichts, was sich Deine Leser aus der Unendlichkeit des Netzes für Deine Person wünschen. Just my two cents.

6. Paul - November 20, 2012, 14:59

Liebe Lila, Dein Artikel und auch Dein Kommentar #2 haben mich sehr bewegt. Bewegt hat mich Deine Frage was haben wir in der Vergangenheit falsch gemacht oder versäumt. Was hätten wir besser machen können.
Quäle Dich nicht mit diesen rückwärtsgewandten Fragen. An der Vergangenheit kannst Du eh nichts ändern. Also zermartere Dir darüber nicht den Kopf.
Ich halte es mit dem Schrifwort: “Lasst die Toten ihre Toten begraben.” Jedenfalls deute ich es so.
Die Situation ist heute so wie sie ist.
Daran kann man nichts mehr ändern.

Was man ändern kann, anders machen kann, beeinflussen kann, liegt in der Zukunft.
Ich bin aber ehrlich, dass ich dazu eine Meinung habe, die ich aber hier nicht äußern werde. Die äußere ich nur als “Besserwisser” in Deutschland gegenüber deutschen Gesprächspartnern. Etwas anders steht mir nicht zu. Um ehrlich zu sein, als Ausländer werde ich mich in diese Angelegenheit in Israel und Palästina nicht einmischen.

Mich stören nur historisch falsche Bewertungen.
Zum Beispiel, gerade im Fernsehen gehört, ein Hamasvertreter, ich glaube Teilnehmer am “Gespräch” in Ägypten, brachte zum Ausdruck, dass derjenige der die erste Rakete geschossen hat auch wieder als erster aufhören muss. Bis dahin gebe ich ihm recht.
Nun kommt es aber.
Mit der Liquidierung des Hamasführers habe Israel mit dem Konflikt angefangen. Die Hamas reagiere nur auf diese Eskalation.
Das sagt dieser Mann ungestraft. Niemand stellt das sofort richtig. Niemand widerspricht ihm. Jedenfalls habe ich weder von Politikern noch von den “Qualitätsschurnalisten” etwas gehört.
Das macht mich rasend, macht mich ganz unchristlich wütend. Dagegen kämpfe ich. Natürlich ziehe ich auch Schlussfolgerungen aus solchen Äußerungen.
Die Ursache dieses Konfliktes, die Geschehnisse Anfang des 19. Jahrhunderts klammere ich mal aus, ist für mich 1948 mit “der Mutter aller Kriege” gegeben.

Dankbar bin ich, dass wir Deutschen, mag man über uns reden was man will, vernünftiger waren. Auch wir haben einen Krieg verloren. Unser Land wurde besetzt. haben wir durch Terror, Intifada, Raketen u.v.a.m. versucht diesen Zustand zu verändern? Nein, haben wir nicht. Wir haben den “Kopf gesenkt”, die Schuld auf uns genommen und versucht das Beste daraus zu machen. Das Ergebnis ist unsere heutige Situation.
Vergleiche unsere Situation mit der Situation der Palästinenser.
Natürlich hatten wir den “Vorteil”, dass uns die umliegenden europäischen Länder nicht missbraucht haben.

Wenn die Araber das Ergebnis des Krieges von 1948 anerkannt hätten, wäre der ganze Nahe Osten eine “Blühende Landschaft.”

Ich merke, ich mache das was ich Dir “verboten” habe. Ich schaue nach rückwärts und frage: “Was wäre Wenn?”
Meine Emotion hat mich davongetragen. Deshalb höre ich schon auf.

Gott Schütze Dich und Deine Familie.
Gott schütze Israel.

7. Paul - November 20, 2012, 15:07

Ich werde noch verrückt:
Gerade höre ich im Fernsehen die Ankündigung einer Sondersendung:

“Die Hamas schickt Raketen, Israel bombardiert.”

Es ist zum verrückt werden!

8. Silke - November 20, 2012, 15:18

eine abweichend-von-LIla Variante zu “alles getan”:

http://starke-meinungen.de/blog/2012/11/20/nicht-gaza-ist-das-problem-damaskus-und-teheran-sind-das-problem/

(mein Eindruck: leicht gesagt, denn nur mal so als Frage – will irgendwer die syrische Opposition gern an der Macht nach der Erfahrung mit Libyen? – es ist das ewige “the devil you know” Dilemma, das daß hinterher immer so einfach erscheint)

frontalière - November 20, 2012, 19:33

@lila: Nein, Du hast Recht was die Palastinensischen Friedensaktionen angeht bin ich auch nur auf das angewiesen was mir im Netz begegnet. Dazu gehört eine FB-group Israelisch – Palatinensischer Freundschaft. Das ist natürlich keine Initiative, sondern einzelne Menschen, die sich Frieden wünschen. Insofern habe ich mich unter dem Eindruck dessen was ich dort gelesen habe, verleiten lassen. Entschuldige bitte.

9. Lila - November 20, 2012, 20:04

Weisst Du was? So wie die mit ihren “Kollaborateuren” umspringen, kann man es keinem verdenken, dass er Angst hat. Da bleibt einem ja das Herz stehen.

Bilder werden in Israel nicht gezeigt, hier herrscht sehr viel Pietaet beim Umgang mit dem Tode, aber wie schrecklich sind diese Tode.

http://www.nydailynews.com/news/world/hamas-kills-suspected-collaborators-israel-gaza-article-1.1205010

Wer haette da den Mut, sich kritisch ueber seine eigenen Leute zu aeussern? In Israel empoeren wir uns ueber die Hamas, die ihre Buerger weder mit Sirenen noch auch nur einfachen Unterstaenden schuetzen – in Gaza wagen die Leute kaum aufzumucken, nur ganz verdeckt meinten heute zwei im Fernsehen interviewte Gazaner, “Luftschutz gehoert nicht zu unserer Kultur” und “die Hamas raet uns, zuhause zu bleiben, und das tun wir…”

Aber wie brutal ist es, dass der Feind warnt und die eigene Regierung einen an der Flucht hindert.

10. Jakobo - November 20, 2012, 20:19

“Rocket hits central Israeli town; 2 hurt

Two lightly injured when rocket hits building in Rishon Lezion; another projectile seriously wounds one person in Ashkelon. IAF warns northern Gaza residents to evacuate”

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4309330,00.html

11. Lila - November 20, 2012, 20:22

Und ein Soldat ist tot.

Silke - November 20, 2012, 20:24

ja, das kille einen, diszipliniere 1000 funktioniert, gerade bei “normalen” funktioniert es vermutlich besonders gut.

In einer der Autobiografien von Theodor Eschenburg kommt ein Mitglied der Clique mit fehlenden Zähnen von ner Verhaftung zurück und erzählt nix, weil er nicht darf und das sagt er, daß es ihm verboten ist – mehr erzählt Eschenburg dazu auch nicht, aber das Entsetzen springt mich zumindest in der Regel aus so unterkühlt erzählten Begebenheiten viel unmittelbarer an als in stärker ausgemalten. Ich fühlte mich jedenfalls, als ich das las, mittendrin und verstand viel und glaubte das in sich Hineinschrumpfen der anderen zu spüren.

Silke - November 20, 2012, 20:40

wo – an der Grenze zu Gaza?

12. Lila - November 20, 2012, 20:49
13. Yael - November 20, 2012, 20:54

Furchtbar die Bilder (9).

14. Lila - November 20, 2012, 21:00

Na ja, Yael, Du musst bedenken, dass die Brutalitaet der israelischen Besatzung die armen Menschen zu Tieren gemacht hat. Eigentlich ist Israel schuld. Und diese Brutalitaet ist so stark, dass sie auch die armen Syrer und Libyer vergiftet hat, die ja aehnlich barbarisch… nein nein, das ist alles der Westen schuld. Das KOENNEN die Araber nicht alleinverantwortlich schuld sein, sie sind doch wie Kinder, nicht schuldfaehig, es muss noch mehr Geld her fuer sie, noch mehr UNRWA-Angestellte, sie sind einfach nicht wie andere Menschen zu beurteilen.

Die Israelis dagegen! Die muessen doppelt scharf beobachtet werden, schliesslich waren sie im aufwendigsten borstal der Welt und haben doch nichts gelernt!

Ja, man wird sauer, wenn man die Bilder sieht.

Bin schon still.

Und die wahren Barbaren, so wie zB Doron Lurie, bringen inzwischen die Breughels in Sicherheit.

Silke - November 20, 2012, 21:05

erinnert mich an Somalia 1993 (Black Hawk Down)

Silke - November 20, 2012, 21:09

Frage:

Hat jemand mal irgendwo Osmanen und Imperialisten kombiniert gelesen? und ich meine nicht, daß die bösen Imperialisten den kranken Mann am Bosporus, nein ich meine die Osmanen als sie den Namen noch verdienten.

Werden eigentlich jemals die Russen oder die Chinesen Imperialisten genannt?

Wer gilt eigentlich heute alles als aktiver und/oder ehemaliger Imperialist?


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