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Falls Israel den Iran angreifen sollte… Oktober 24, 2012, 18:34

Posted by Lila in Presseschau, Qassamticker (incl. Gradraketen).
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…. was ich NICHT erleben moechte, wohlgemerkt…. dann kann keiner sagen, Israel haette den ersten Schuss abgegeben. Wir wissen schon lange, dass sowohl Hisbollah als auch Hamas aktiv vom Iran unterstuetzt werden. Deutliche Beweise dafuer sind bei IsraellyCool zu bewundern. Bilder angucken!

Natuerlich kein Grund, nicht bittere Krokodilstraenen ueber die Seeblockade Gazas zu heulen. Als ob es die gegeben haette, bevor ein ganzer Haufen Raketen auf Israel niedergegangen war.

Wie viel kann ich mir leisten, darauf zu wetten, dass diese Bilder es NICHT in deutsche Zeitungen schaffen werden? Och, da kann ich eigentlich beliebig hoch wetten, ausser der Juedischen Allgemeinen interessiert sich da keine Redaktion fuer…

Kommentare»

1. Silke - Oktober 24, 2012, 19:23

falls irgendeiner das hier oder so etwas in der Art aus deutscher nicht Nischenquelle findet, würde mich das sehr interessieren

http://blogs.the-american-interest.com/wrm/2012/10/23/saudi-arabia-cozies-up-to-india/

irgendwie glaube ich ja auch, man sollte dem Leser und der Leserin so etwas lieber nicht zumuten. Wie soll man schließlich mit der Verwirrung klarkommen können, daß das böse Saudi-Arabien etwas tut, worüber man sich ziemlich freuen muß?

Auf die Reihe zu kriegen, daß Israel nix gegen die Lieferung von Militärzeugs durch Deutschland an die Saudis hat, war schon verwirrend genug.

Erstaunlich ist nur, daß so leicht Verwirrbare sich mit der Verdammung wesentlich eindeutigerer Feinde wie Hamas oder Hisbollah dann wieder so schwer tun. (andererseits frage ich mich, ob Hamas oder Hisbollah in all ihrer Scheußlichkeit nicht dem Chaos, das möglicherweise ohne sie ausbrechen würde, vorzuziehen sind.)

70 Geschosse sind wahrhaftig gruselig genug, doch leider kann ich mir noch wesentlich schlimmere Wahnsinnsaktionen nur allzu gut vorstellen, wenn es dazu kommen sollte, daß die Irren einen „wer ist am radikalsten“ Wettbewerb unbehindert von irgendwelche Führern austragen können.

2. Silke - Oktober 24, 2012, 22:04

OT für Lila für den Fall, das Dich sowas anmacht (und tröstet)

ich finde es immer aufs Neue aufregend zu lesen, was nach so langer Zeit noch alles wissbar ist.

http://standpointmag.co.uk/critique-november-12-hidden-sanctuary-of-byzantine-art-alasdair-palmer-santa-maria-antiqua

3. Piet - Oktober 25, 2012, 0:06

Ach Lila, jetzt, wo unsere Abgeordneten gerade mal wieder auf kulturellen Austausch und ausgestreckte Hände setzen, wird man doch nicht mit solchen Bilder düpieren wollen…

4. Nikolaj - Oktober 25, 2012, 16:59

Dazu braucht es überhaupt keine Bildbeweise, diese Unterstützung wird von Seiten des iranischen Regimes offen zugegeben:

http://english.farsnews.com/newstext.php?nn=9102112759

5. Silke - Oktober 25, 2012, 18:03

Neues von den ach so Aufeinander-Zugehen-verweigernden Israelis

http://yaacovlozowick.blogspot.de/2012/10/al-ghazali-st-in-jerusalem.html

As a life-long resident of Jerusalem, I’m proud we’ve now got a street named after Ghazali; the idea that there’s a Medina street in jerusalem tickles me no end.

In dem Post gibt es noch mehr Hinweise darauf, wie sich ein solcherart verhärteter Israeli so im Alltag verhält (sarc alert)

Wird Fürchterlichkeiten sammelnder Culatello wohl was dazu sagen?

6. Yael - Oktober 31, 2012, 12:51

Die israelische Regierung hat im Streit über das iranische Atomprogramm überraschend ein Signal der Entspannung gesendet: Verteidigungsminister Ehud Barak sagte der britischen Zeitung “Daily Telegraph”, die iranische Regierung habe ihre Absicht vorerst auf Eis gelegt, eine Atomwaffe zu bauen.

http://www.welt.de/politik/ausland/article110449592/Signal-der-Entspannung-zwischen-Israel-und-Iran.html

7. Günther - November 3, 2012, 10:09

Noch so ein Blog voll pro-israelischem Grützmist.
Der meinen Kommentar garantiert nicht freischalten wird, weil ich nicht pro-israelisch dahersülze. Immer und überall ausgewogene Berichterstattung fordern und dann Kommentare unterdrücken die einem nicht passen.Als was sehen Sie sich eigentlich Frau lila-blau-rot-weiß? Retterin der Welt? Die, die Wahrheit weiß?
Fakt ist doch, die größere Atombombe hat immer noch Israel. Und wahrscheinlich auch nicht nur eine! Aber sagt dagegen jemand etwas? Nein! Der böse Iran will das „arme wehrlose“ Israel angreifen. Ja und ? Pech gehabt!!!!! Es muss doch irgwann mal Konsequenzen geben gegen diese israelischen Verbrecher!!! Ach egal was schreib ich hier eigentlich 😉 Ihr Fanatiker löscht das ja eh wieder

Silke - November 3, 2012, 12:12

Günther’s letzte Tinte?

8. flx - November 3, 2012, 12:27

Hoffentlich war’s Ironie…

Silke - November 3, 2012, 13:56

auf daß Günther Material für seine aller-letzte oder aller-aller-letzte Tinte bekomme, hier ist ein offenbar neuer Wohlstandsindex – insgesamt scheint Israel weniger wohlständig als Deutschland, doch wenn es zur Average Life Satisfaction kommt schlägt es uns locker und liegt in dem Punkt nur ganz knapp hinter der Nr. 1 der Übersicht Norwegen.

http://www.prosperity.com/

9. willow - November 3, 2012, 14:59

Günther, warum sollte Lila etwas gegen Satire haben …

Sie wollten sich doch jetzt diese geifernten Israelhasser karikieren – oder!?

10. Lila - November 3, 2012, 15:24

Ja, das war ein sehr gelungener, sprachlich differenzierter und von feiner Ironie durchzogener erster Auftritt. Guenther – diesen Namen wird man sich merken muessen.

Silke, ich hab mir diese Umfragen auch angeguckt. Ja, es ist komisch, bei allem Aerger sind die meisten Israelis mit ihrer Lebenssituation zufrieden, und wenn mich nicht gerade alle nerven, bis ich am Rad drehe, oder ich daran denke, dass schon wieder die Lebensmittelpreise steigen…. dann bin ich es eigentlich auch.

Ist schon ein komisches Land. Meine Erklaerung dafuer ist nicht umfassend oder originell, aber ich glaube, das starke Gefuehl der sogenannten juedischen Identitaet einerseits, und die starke Bindung innerhalb der Familie – das sind die zwei Elemente, die ein grundlegendes Gefuehl von Geborgenheit aufkommen lassen.

Teil einer Gemeinschaft zu sein – im Falle des juedischen Volks Teil einer Schicksalsgemeinschaft, die sich in gemeinsamen Festen ihrer Identitaet versichert, und Teil eines Familienverbands, in dem sehr grosser Wert auf Kinder, also auf Weiterfuehrung der Familie gelegt wird.

In Deutschland gibt es beides natuerlich auch – gerade wenn Deutschland von anderen harsch und vielleicht unfair kritisiert wird, merkt man doch, dass es eine Art deutschen Konsens gibt, und dass man sich doch noch mit dem Land identifiziert, das sonst so unwichtig, muffig und von der Geschichte europaeisch ueberholt wirkt. Und auch Familie ist bei denen, die sie haben, wichtig. Aber die vielen Diskussionen und die Bangigkeit, ob man sich Kinder ueberhaupt leisten kann oder sollte, verderben vielleicht die Freude daran?

Silke - November 3, 2012, 15:56

Lila

zum Kinderkriegen kenne ich nur die Anekdoten meiner Kolleginnen und die sind jede für sich ein Trauerspiel und scheinen mir eher der Normal- als Einzelfälle zu sein.

Danach ist es weniger das sich leisten können oder wollen, das ist was folgt, aber zuerst kommt wohl die Wut darüber, wie frau beruflich abgehängt wird, wenn sie es wagen sollte … (und wie menschlich schofel beim Abhängen vorgegangen wird und da geben sich als Vorgesetzte Männlein und Weiblein gegenseitig nix – jede Schwangerschaft gefährdet schließlich die Performance der Gruppe/Abteilung etc.)

Und dann kommt wohl noch dazu, daß Ehen immer mehr als nicht besonders lebenslang haltbar empfunden werden – von eben jenen schon vom Arbeitgeber (der offiziell die schönsten Pro-Frauen-Bekenntnisse abgibt) gebeutelten berufstätigen Frauen. Wenn es immer mal wieder bei ner Kollegin kracht, deren Partnerschaft geglückt schien, dann fängt frau vielleicht an, sich zu fragen, ob bei ihr eines Tages nicht auch …

Vielleicht wird es anders, wenn der Papa sich weiter zum begehrenswerten Rollenmodell entwickelt – die Hoffnung hab ich wohl, allein mir fehlt der Glaube … Derzeit profiliert sich anscheinend der alte Adam dadurch, daß er Bücher drüber schreibt, wie entsetzlich benachteiligt die Männer sind. Ich habe ja durchaus ein offenes Ohr dafür, den Schulen, in denen nur noch Frauen unterrichten, sind wohl kaum das Wahre, doch vergessen alle, die ich bis jetzt dazu gehört habe, daß die Kerle halt immer noch die dickeren Muskeln haben, obwohl einer behauptet bei häuslicher Gewalt hätten wir aufgeholt, differenziert aber dann in seinem Vortrag nicht zwischen häuslicher Gewalt gegen Kinder (wo Mütter wohl vorne liegen) und der zwischen Mann und Frau.

Und daß es Neustädterinnen nicht zurück zur Ehe ihrer Bauern-Mütter zieht, kann ich natürlich auch gut verstehen.

Lebensmittel werden hier auch ständig teurer – vermutlich werde ich mir als Protest dagegen die weihnachtliche Eierlikörorgie versagen. Doch ernsthaft, ich bin dabei mir Fertigfutter abzugewöhnen und auf Grundnahrungsmittel umzusteigen und zwar weil ich zunehmend das Gefühl habe, abgezockt zu werden.

11. Günther - November 3, 2012, 15:57

Ich mag Satire. Aber das war keine.

12. Silke - November 3, 2012, 15:58

zum Zufriedenheitsfaktor – kann es sein, daß der daher kommt, daß es in Israel einfach noch um was geht?

Und die Mittelschicht wird weltweit gemolken, ich glaube, das ist eine zwangsläufige Folge des Trickle Down Effects.

(sarc intended)

13. grenzgaenge - November 3, 2012, 19:22

Ach, der Günther auch hier … Nu, für solche Fälle habe ich einen Spam-Filter …

14. Jack - November 3, 2012, 19:23

Klar haben die Deutschen einen gemeinsamen Konsens, der ist sogar prämiert und weltweit berühmt.

15. Yael - November 3, 2012, 20:02

Was für ein Ekelpaket. Günther? Davon laufen schon zu viele derer herum oder schreiben dumme Gedichte.

16. colchico - November 4, 2012, 0:09

Zum beruflichen Abgehängtwerden junger Mütter: Zumindest in meinem Arbeitsumfeld ist es die Regel, dass Frauen nach dem Mutterschaftsurlaub mehrere Tage pro Monat fehlen, und das über Jahre hinweg: Kind 1 krank, Kind 2 krank, Kind n krank, Unfälle, Tagesstätte geschlossen, Schulferien, Termine mit Klassenlehrern, etc. pp.

Das sind Notfälle, gewiss. Allerdings haben die meisten Kinder auch einen Vater. Zudem gibt es Kinderpflegedienste, Babysitter-Services, in manchen Fällen auch Haushälterinnen oder Kindermädchen. Da ist es schon bei Stellen mit relativ wenig Verantwortung schwierig zu vermitteln, weshalb es jedes Mal die Mutter sein muss, die fehlt, und ihre Arbeit deshalb an den Kolleginnen und Kollegen hängen bleibt. Bei Schlüsselpositionen geht das gar nicht. Fragt man Frauen beim Bewerbungsgespräch nach entsprechenden Notfallszenarien, gibt’s selten mehr als große Augen oder Diskriminierungsgezeter.

17. Lila - November 4, 2012, 7:22

Schulferien und Termine mit Klassenlehrern sind in der Regel keine Notfaelle, sondern lassen sich anders loesen. Krankheiten und Unfaelle allerdings sind was anderes. In Deutschland mag es anders sein, aber in Israel gilt, dass kranke Kinder nicht in Kindergarten oder Schule gebracht werden duerfen. Was schlaegst Du vor?

Ich kenne niemanden mit Hauspersonal, aber ich verkehre vielleicht in den falschen Kreisen. Wer mit Haushaelterin und Kindermaedchen versehen ist, kann ihnen in der Tat ein krankes Kind ueberlassen.

Babysitter- oder Kinderpflegedienste, die auf Abruf bereitstehen, und dem man ein krankes Kind anvertrauen kann, kenne ich nicht, gibt es sowas in Deutschland? Private Babysitter sind normalerweise tagsueber selbst in der Schule oder an der Uni oder bei der Arbeit, sie koennen meist nur nach der Arbeit aushelfen.

Was also tun? Was wuerdest Du sagen, wenn sich maennliche Mitarbeiter um ihre kranken Kinder kuemmern? Das wuerde Dir doch nicht besser gefallen. Fragst Du junge Vaeter beim Einstellungsgespraech auch nach solchen Notfaellen?

Mir haben uebrigens ziemlich viele teilzeitbeschaeftige Muetter erzaehlt, dass sie mit ihren Arbeitsstunden nicht auskommen und einen Teil der Arbeit in ihrer sog. freien Zeit erledigen. Ich selbst mache das schon immer so. Gleichzeitig werden Teilzeit-Mitarbeiterinnen oft nicht fuer voll genommen, bei Befoerderungen uebergangen etc, was in Kauf zu nehmen nicht allen leichtfaellt, weil sie den Stress der Arbeit ja sehr wohl fuehlen, aber die Belohnungen dafuer in Form von Anerkennungen und Fortkommen in geringerem Mass bekommen.

Sind die Frauen, von denen Du berichtest, vollbeschaeftigt? Halten sie karrieremaessig mit Maennern und kinderlosen Frauen mit? Die meisten Frauen nehmen einen Karriereknick wegen der Kinder in Kauf, viele verzichten wie ich gleich ganz auf eine Karriere und begnuegen sich damit, einfach zu arbeiten, so gut sie koennen.

Ist das Gezeter, das unfair zu finden? In meiner Kindheit waren Gehaelter so, dass eine Familie von einem leben konnte. Heutzutage ist das nicht mehr so, die meisten Familien brauchen zwei Gehaelter, um ueber die Runden zu kommen. Frauen sind gut ausgebildet und wollen arbeiten. Manche haben auch den Mut, Kinder in die Welt zu setzen, deren Ansprueche nicht immer in den Arbeitsmarkt passen – der ja schliesslich in seiner heutigen Form von Maennern entwickelt wurde, die zuhause eine Hausfrau hatten und nie einen Termin verpassen mussten, weil ein Kind einen Asthma-Anfall hatte.

Die Probleme mit kranken Kindern sind akut, waehrend die Kinder klein sind. Aeltere Kinder werden weniger krank, oder man kann sie mit dem Handy alleinlassen, wenn es sein muss. Aber in den Jahren, wo die Kinder klein sind, brauchen junge Familie Hilfe und meiner Meinung nach auch Solidaritaet vom Umfeld, so wie auch alte Menschen Hilfe und Solidaritaet verdient haben. Der alte Mensch hat sich sein Ruhegeld im Laufe eines langen Lebens verdient, bei jungen Eltern ist die Unterstuetzung durch das Umfeld eine Investition in die Zukunft.

Ich muss Y. noch mal nach der genauen Regelung fragen, aber ich glaube, wir haben im Vertrag die Moeglichkeit, wegen Krankheit der Kinder zu fehlen, genau wie bei eigener Krankheit, mit Attest.

Eine Freundin von mir, die vier Kinder hat und einen wirklich eindrucksvollen Lebenslauf, hat in ihrem Kibbuz durchgesetzt, dass eine extra Abteilung in den Kinderhaeusern eingerichtet wurde, wo man die kranken Kinder hinbringen konnte. Denn auch im Kibbuz verweigern normale Kinderhaeuser kranken Kindern den Zutritt. Das Kinderhaus fuer kranke Kinder war im Sommer leer, im Winter ueberfuellt, und war ein grosser Erfolg. In Kibbuzim hat man die Moeglichkeit, sowas auf die Beine zu stellen, weil es kleine, flexible Einheiten sind, bei denen die Belange von Familien allerhoechste Prioritaet haben, ebenso wie der Wert der Arbeit.

Deswegen haben in Kibbuzim die meisten Familien zwischen drei und fuenf Kindern, und ein hoher Prozentsatz der Frauen ist beruflich weit gekommen.

Alle anderen Frauen, die ich kenne, haben gar keine Wahl, als bei Krankheit der Kinder zuhause zu bleiben. Es sei denn, sie haben eine hilfsbereite Oma in der Naehe, die selbst nicht mehr arbeitet.

Wie hast Du es denn gehandhabt, Colchico, als Deine Kinder klein waren?

Silke - November 4, 2012, 10:48

colchico und LIla

Ich meine eine gewisse Anzahl Kinderkrankheitstage waren in den letzten Jahren entweder tariflich oder gesetzlich vorgesehen.

Ich erinnere mich aber nicht, daß sie je eine meiner mit Kindern behafteten Kolleginnen in Anspruch genommen hätte. Die haben das alle mit Hilfe von Großeltern gewuppt. Kann es sein, daß Frauen ohne willige Eltern oder Schwiegereltern es sich gar nicht mehr trauen können, sich in die durch Kinder haben entstehende Abhängigkeit und damit potentielle finanzielle Prekarität zu begeben? Von uns Single-Frauen gab es durch mein ganzes wechselvolles Berufsleben hindurch immer nur solidarische Wut mit den Purzelbäumchen, zu denen Mütter gezwungen wurden und das können die sich ja kaum mit unkollegialen Machenschaften verdient haben.

Natürlich gibt es die beim Erfinden von zu Hause-bleiben-müssen Gründen erfinderischen Kolleginnen*) und wenn da eine von ne Mutter ist, dann wird das à la urban myth mit Hochgenuss verbreitet und verallgemeinert und führt dazu, daß eine wenige Tage vor Unterzeichnung ihres Dauerarbeitsvertrages . (ich habe von der Sorte nur Nichtmütter erlebt, so der ich bin ein zartes Weibchen Typ und irgendwie – Achtung Vorurteil – sehe ich zartes Weibchen und Mutter als Kombi nicht richtig)

Wenn das in colchico’s Umfeld so einfach funktioniert, dann vermute ich mal, daß sein Umfeld ne Behörde mit hohem Unkündbarkeitsstatus für Mitarbeiter ist.

*) mein Vorurteil ist, daß die in männerlastigen Abteilungen seltener sind.

Und colchico was würdest Du dazu sagen, wenn eine nach Babypause halbtags wieder eingestiegene promovierte nie kranke Chemikerin kein Einzelzimmer bekommt, sondern ihr Büro mit ner besseren Tippse teilen muß? Ich kann mir nicht vorschlagen, daß es irgendeiner auch nur wagen würde, daran zu denken, das einem Mann vorzuschlagen. Peanuts? gewiss, aber in seiner Normalität ganz schön nervend.

Übrigens ist Diskriminierung-Wahrnehmen etwas, was man anscheinend erst kann, nachdem man es am eigenen Leib erfahren hat. Ein bei uns Weibsen hoch beliebter Kollege/Chef war Rollschuhfahrer und eine deutschlandweite Koryphäe in seinem Fach. Nie Krank war er außerdem. Über Jahre konnte er nie verstehen, was wir mit unserem Diskriminierungsgejammer meinten, bis er eines Tages gesagt bekam, daß er mit seiner Behinderung ja froh sein müsse, überhaupt einen Job zu haben. Danach war seine Wahrnehmung eine andere.

PS: kleine Termine waren für Mütter dank unserer sehr weit gefaßten gleitenden Arbeitszeit kein Problem.

18. Silke - November 4, 2012, 11:48

PS:

der Gerechtigkeit halber muß ich aber anmerken, daß für von Zielvorgaben geknebelten Abteilungsleitern schon der gesetzlich vorgesehene Mutterschaftsurlaub allein ein Albtraum ist und im Interesse der Mehrheit der Abteilung auch sein muß.

Eine Kollegin teilte sich die Babyauszeit mit ihrem Mann und kam schon nach 6 (oder 12?) Monaten wieder. Es war erstaunlich, wieviel sich in dieser kurzen Zeit geändert hatte und dieses Computer-Ass somit nach-lernen mußte.

19. Silke - November 4, 2012, 12:58

colchico

Da Dein Umfeld so anders als meins zu sein scheint noch eine Frage, 50 % ehrliches Interesse und 50 % tongue in cheek

Wie ist Dein Eindruck, sind Männer öfter dem Alkohol verfallen als Frauen?
und wenn Dir das genau wie mir so scheint, spricht die Tatsache, daß die zumindest meiner Erfahrung zwar zugedröhnt aber zuverlässig an ihren Plätzen sitzen zu ihrem Vorteil?

(Frauen sollen übrigens schwerer vom Arbeitgeber – so er sich überhaupt kümmert – zum Entzug zu kriegen sein als Männer – das nur um der Ausgewogenheit willen;)

20. Yael - November 4, 2012, 13:11

@Lila

wie wird das denn in Israel aufgenommen, dass der Konflikt momentan erst einmal mit dem Iran gelöst wurde?
Die deutschen Medien juckt das, wie es scheint, nicht besonders.
In den Fernsehnachrichten habe ich zumindest nichts vernommen.

21. grenzgaenge - November 4, 2012, 14:07
22. colchico - November 4, 2012, 16:56

Lila, ja, bei diesen Frauen handelt es sich fast ausnahmslos um Vollzeitbeschäftigte in „gehobenen“ Positionen mit entsprechendem Gehalt. (Bei den Teilzeit arbeitenden Kolleginnen tritt das Phänomen fast gar nicht auf, und auch Frauen in „einfacheren“ Positionen können sich anscheinend besser organisieren oder haben gesündere Kinder.) Daher auch die Schwierigkeit, zu verstehen und zu vermitteln, weshalb jedes Mal sie zu Hause bleiben müssen, statt Haushälterin, Kindermädchen, Pflege- oder Babysitterdienste in Anspruch zu nehmen (die ihnen tatsächlich zugänglich sind) oder sich mit dem Vater abzuwechseln. Männer können das nämlich auch 🙂 Verteilen sich die Fehlzeiten auf zwei Arbeitsplätze, ist die zusätzliche Arbeitslast für die jeweiligen Kollegen und Kolleginnen eher tragbar, und es würde sehr viel weniger oder gar kein Unmut entstehen.

Wenn es um die Neubesetzung von Stellen geht, deren Arbeit andere nicht mal eben miterledigen können, dann sind die Chancen dieser Frauen tatsächlich nicht groß. Das hat mit den beschriebenen Erfahrungen zu tun. Die jungen Väter werden bei solchen Stellen übrigens ebenfalls nach Notfallplänen gefragt, und siehe da, sie haben welche. Manchmal sogar solche, die über „meine Frau“ hinausgehen.

Bei uns war das in den ersten Jahren so, dass beide Teilzeit arbeiteten und die Familienaufgaben teilten. Hatte der eine einen unaufschiebbaren beruflichen Termin, blieb im Notfall der andere zu Hause und umgekehrt. Kinderpflegedienste auf Abruf gab’s damals noch nicht, Hausangestellte hätten wir uns nicht leisten können. Was liegen bleiben konnte, erledigte man hinterher selbst. Dass Kinder und Teilzeitpensen sich selten mit dem Lebensstandard Vollzeit arbeitender DINKs vereinbaren lassen, war bereits unseren Eltern klar gewesen und hat auch uns nicht weiter gestört. Allerdings legen wir wenig Wert auf Statussymbole. (Die scheinen hier sehr wichtig zu sein, alles „muss was hermachen“.)

Betreuungsgelegenheiten für leicht erkrankte Kinder in Tagesstätten oder Kinderhäusern halte ich für eine ausgezeichnete Idee. (Bei einer schweren Erkrankung ist es wohl jedem klar, dass ein Elternteil eine Weile am Arbeitsplatz ausfällt oder nur eingeschränkt arbeitsfähig ist. Das war auch bei uns so. Aber das sind in der Regel langfristige Angelegenheiten, für die man eine für alle verträgliche Lösung finden kann.) Aber ich bin mir nicht mal sicher, ob sie in Deutschland und der Schweiz Kundschaft finden würden. „Eine gute Mama bleibt zu Hause“, auch bei Teenagern mit „Magenverstimmung“ oder Schulferien, scheint hier doch noch recht verankert zu sein. Offenbar aber vor allem bezogen auf die Mama, nicht auf den Papa.

23. colchico - November 4, 2012, 17:15

Silke, auf die Großeltern zu setzen, funktioniert heute nicht mehr so selbstverständlich: Dass alle selbst noch erwerbstätig sind, also nicht nur die Großväter, ist keine Seltenheit. Manche leben auch zu weit weg, oder sie sind bereits selbst hilfsbedürftig, oder sie haben keine Lust, nach der Pensionierung solche Aufgaben zu übernehmen – was man ihnen ja nicht verübeln kann.

In einer Behörde arbeite ich nicht, aber da mein Arbeitgeber Wert auf Familienfreundlichkeit legt, ist man in solchen Fällen sehr großzügig; „Unkündbarkeit“ trifft’s daher ziemlich gut. Einzelbüros gibt’s bei uns nur für die Geschäftsleitung und ihre Sekretärin, nicht wegen des Status, sondern wegen der Arbeitsinhalte. Alle anderen teilen sich Büros und im Fall von Teilzeit Arbeitenden mit passendem Pensum auch einen Schreibtisch. Ob sie Akademiker sind oder nicht, spielt bei der Zuteilung keine Rolle.

Die Länge des Elternurlaubs ist auch bei Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland bei uns kein großes Problem, da man sie über Neuerungen und Weiterbildungen auf dem Laufenden hält. Ungünstig ist’s eher für die Vertretungen, die sich sehr schnell einarbeiten und bald danach wieder gehen müssen. Aber das ist ein anderes Thema.

24. colchico - November 4, 2012, 18:53

Silke, bei Alkohol weiß ich es nicht. Zwar kenne ich durchaus Frauen und Männer, die sich an Feiern betrinken. Mein Eindruck ist, dass Männer dann auffälliger werden als Frauen. (Letztere lachen eine Weile schrill und „verschwinden“ bald.) Aber dass sie auch im Alltag betrunken wären, ist mir im beruflichen Umfeld bisher nicht aufgefallen. Ist das Deiner Beobachtung nach sehr verbreitet?

Dass jemand im Dauersuff sich über längere Zeit auf einer Stelle hält, kann ich mir eigentlich nur bei sehr gutmütigen Kollegen oder extrem hohen Abgangsentschädigungen vorstellen. (Dann irgendwo in einem gut isolierten Büro, aus dem kein Schaden dringt; labyrinthaft genug wäre der Laden.)

Silke - November 4, 2012, 18:58

colchico

wo ich war, war im Vergleich zu anderen Arbeitgebern rundum heile Welt …

und bei uns war es auch so, daß interessante Arbeit mehr Geld brachte, mit anderen Worten, der Verzicht auf Geld bedeutete Verzicht auf geistig Herausforderndes und das galt für das „Fußvolk“ überall, wo ich gearbeitet habe.

Silke - November 4, 2012, 19:43

colchico

Dauersuff ist sehr weit verbreitet, auch in kleineren Outfits als meinem letzten (und mir ist nur eine Frau begegnet, alle anderen waren Männer – ach ja und da gab es ganz am Anfang die beiden Frauen, die sich Tag für Tag ne Flasche Chantré teilten, aber an denen hat keineR je rumgemeckert, die waren auch arbeitsmäßig ziemlich Spitze und es war ne vergleichweise kleine Firma und es gehörte zu meinen Aufgaben als Jungkraft nach dem Essen über den Hof in die Kantine zu traben und die Flasche unter meinem Kittel „versteckt“ ins Büro zu transportieren) so lange derjenige nicht rumtorkelt oder pöbelt, also auffällig wird, sondern ein stiller Säufer bleibt, bemerkt man es nicht, jeder weiß es, aber keineR sagt was. Auch nicht, wenn der Kollege am Nachmittag zu keinem zusammenhängenden Satz mehr fähig ist (aber nicht lallt).

Als bei uns die Sozialabteilung eingerichtet wurde, wurden zuerst die Abteilungsleiter aufgerufen, es zu merken und anzusprechen und dann ging es nicht darum jemanden rauszuschmeißen, sondern den Kranken durch Drohungen therapiewillig zu machen.

Und dann gibt es noch die Dauersuffler, die zumindest Neulingen überhaupt nicht auffallen, die aber bei irgendwelchen Geburtstagsumtrunken nach nur einem Bier schlagartig wie rackezu wirken.

Ich habe auch mal in ner Firma gearbeitet, in der gar kein Alkohol erlaubt war (wundervolle Sitte) und da gab es einen Kollegen, der schluckte tagsüber nix, aber abends eine komplette Flasche Wodka wie nix. Der gab uns Bridgeunterricht und blieb klar bis zum Ende und ging aufrecht raus und funktionierte auch tagsüber angeblich tadellos.

(Das mit der Kündigungsdrohung habe ich mehr metaphorisch gemeint, so etwas läuft in großen Firmen mit starkem Betriebsrat in aller Regel über Mobbing, Benachteiligung, Übergehen. Kündigung kommt entweder nur „betriebsbedingt“, also Abteilung wird verkleinert oder so oder wenn jemand die berühmten silbernen Löffel geklaut hat.)

So etwas wie das, was Du von Euren Frauen erzählst, habe ich nie erlebt. Machen die vielleicht nach, was bei prominenten Männern jetzt so in ist, daß die ab und zu mal vorführen, daß die zur Konferenz oder zur Ehrung schon mal nen Vertreter schicken, weil die Familie vorgeht? Obama treibt das ja auch irgendwie als PR. Möge es Einleitung eines Wandel zum Besseren sein.

25. Arthur - November 4, 2012, 21:14

Ich habe das Problem, das colchico schildert, auch erlebt, und zwar auch bei Teilzeit-Stellen. Was ich nicht ganz verstehen konnte: wenn jemand 2-3 Tage pro Woche arbeitet, und er/sie muss fehlen, weil das Kind krank ist, warum kann er nicht dafür einmal 5 Tage in der Woche kommen, wenn das Kind wieder gesund ist. die Firma hatte tatsächlich höhere Kosten, weil sie die Arbeit, wenn das Kind krank war, auswärts vergeben musste, und den Eltern ist es nicht eingefallen, die Tage zu kompensieren.

Silke - November 4, 2012, 22:53

Arthur

wenn Du krank geschrieben zu Hause bleiben mußt, kompensierst Du das hinterher oder betrachtest Du es, wie es Dir gesetzlich und/oder tariflich zusteht als Dein gutes Recht, denn der Arbeitgeber hat die Kosten dafür ja hoffentlich in seine Verkaufspreise einkalkuliert.

Falls Du also im obigen Fall nicht kompensieren solltest, wieso sollten es dann Eltern tun, die aufgrund tariflicher oder gesetzlicher Vorschriften das Recht auf bezahlte Freistellung haben?

Unser Tarifvertrag sah z.B. zusätzliche Freitage für Tod von Eltern oder Umzug vor, auch hatten wir mehr Urlaub als gesetzlich vorgeschrieben, also eine Menge Benefits, die Teil unseres Arbeitsvertrages waren. Sollten wir dafür auch kompensieren?

Eine andere Möglichkeit ist natürlich, daß der Arbeitgeber ohne Lohnfortzahlung freigestellt hat und dafür sollten dann Eltern kompensieren?

26. Lila - November 4, 2012, 22:54

Na ja, kommt wohl auf die Art der Arbeit an. Ich arbeite Teilzeit und ich kenne nur, dass ich sehr viel mehr arbeite, als ich bezahlt kriege, weil ich einfach nicht sagen kann: gut, meine Schicht ist vorbei. Und so sitze ich endlose Stunden, die ich nicht bezahlt kriege, und arbeite. Auch nicht ideal.

Arbeiten Leute ihre Ausfaelle durch Krankheit grundsaetzlich nach? Wenn man eine Arbeit hat, die niemand anders tun kann, so wie ich zB, dann vermutlich ja. (Ich bin am Tag, nachdem mein Vater gestorben war, unterrichten gegangen, weil ich wusste, dass mich niemand ersetzen kann und die Studenten die letzte Stunde im Semester brauchen.)

Aber andere? Wenn jemand selbst krank war, muss er das dann auch kompensieren? Wuerdest Du das auch erwarten, wenn eine Firma Verluste hat, weil jemand krank wurde oder einen Unfall hatte? Ich frage nur.

27. colchico - November 4, 2012, 23:40

Silke, ist das nicht ein Schnaps? Dann waren die Damen wohl ordentlich in Schwung.

Da Alkoholismus offenbar so verbreitet ist, wird es ihn wohl auch bei uns geben. Ich erinnere mich auch an einen Kollegen, der mal mit Zungenschlag anrief, um frei zu nehmen, weil er vom Vorabend noch einen Rausch hatte. Sollte man aber jemanden bei der Arbeit mit Alkohol erwischen, wäre das, als hätte er silberne Löffel geklaut: in den Kantine- und Pausenräumen ist Alkohol verboten, und außerhalb dieser Räume darf man keine mitgebrachten Lebensmittel konsumieren. Was an Alkohol vorhanden ist, ist vergällt und dürfte daher auch verdünnt grauenvoll schmecken. Aber natürlich weiß ich nicht, was sich Kollegen vor und nach der Arbeit so genehmigen. Solche, die sprachlich verunfallen, gibt’s jedenfalls genug.

Die erwähnten Frauen, fürchte ich, missbrauchen einfach etwas, das eigentlich sinnvoll und gerecht ist: Regelungen, die es endlich ermöglichen sollen, Mutterschaft mit Karriere zu vereinbaren. (Mein Arbeitgeber geht ziemlich weit über das gesetzlich Vorgeschriebene hinaus.) Dass sie sich mit ihrem Verhalten selbst die Leiter absägen, sehen sie nicht, und die Kollegen und die Möglichkeiten der Nachrückenden interessieren sie wohl nicht.

28. Arthur - November 5, 2012, 0:09

Nein, wenn man selbst krank ist muss man nicht kompensieren. Aber dass man Tage für Krankheit der Kinder frei kriegt ist ein besonderes Entgegekommen des Arbeitgebers, mit Krankheit des Arbeitnehmers nicht zu vergleichen (denn der ist ja gesund und kann zur Arbeit kommen). Meistens sind diese Tage auf 3-5 pro jahr beschränkt, danach muss der Arbeitnehmer Ferientage oder unbezahlten Urlaub nehmen.

Aber wenn der Arbeitgeber entgegenkommt und der Mitarbeiter Zeit hat, die Tage zu kompensieren, warum kann er dann nicht auch seiner Abteilung ein bisschen entgegenkommen und halt wirklich mal eine woche voll kommen, nachdem er aus so einem Grund gefehlt hat. Besagte Mutter war so oft abwesend, dass man sie kaum je gesehen hat… es war fast ein Wunder, wenn sie mal da war!

29. Arthur - November 5, 2012, 0:15

@Lila: vielleicht ist mir etwas entgangen, aber soviel ich verstanden habe, unterrichtest du. Das ist ja bekannt dass nicht eine Unterrichtsstunde eine Arbeitsstunde ist, sondern mehr. Das wird einfach mit dem Lohn der Unterrichtsstunde abgegolten, genauso wie ein Musiker, wenn er ein Konzert gibt, mit der Gage für das Konzert auch für das Üben bezahlt wird. Ohne Üben kein Können, ohne Können kein Konzert. So ist es bei Lehrern auch. Ohne gute Vorbereitung kein Unterricht, ohne Korrektur der Arbeiten kein Unterricht.

Wozu ich sagen muss, dass gerade dozenten an hochschulen eine sehr prekäre Stelle haben und oft als Manövriermasse verwendet (missbraucht) werden. Die Unis rechnen irgendwie damit, dass der dozent ein Gewissen hat und seine Studenten nicht fallen lassen wird, und das nützen sie schamlos aus: prekäre Verträge, die jederzeit kündbar sind (oh, sorry, der Kurs ist dieses Semester nicht zustande gekommen… Ach sie haben jetzt im Sommer schon alles vorbereitet? tut mir leid, es haben sich nur zwei angemeldet, na vielleicht wird es ja im nächsten Jahr was…)

30. colchico - November 5, 2012, 0:25

Arthur, bei uns haben Teilzeit Arbeitende die Möglichkeit, blockweise zu arbeiten, bei einem Fünfzigprozent-Pensum zum Beispiel eine Woche Vollzeit, dann eine Woche frei. Davon machen auch viele Gebrauch, und soweit ich das mitbekomme, bewährt es sich in mehrfacher Hinsicht gut. Was die Fehlzeiten betrifft, so reduziert das Modell zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, dass junge Eltern gerade an den Arbeitstagen zu Hause bleiben müssen, weil den Kindern unwohl ist. Vielleicht wäre das auch bei Euch möglich?

Bei Beteiligung an den Bewerbungsgesprächen kann ich auch die Frage nach Notfallszenarien empfehlen (für weibliche wie für männliche Bewerber und mit voller Offenheit: dass es sich um eine Stelle handelt, deren Arbeit nicht liegen bleiben kann, und die Kollegen mit ihren eigenen Aufgaben gut ausgelastet sind).

Silke - November 5, 2012, 11:20

colchico – 30

dass es sich um eine Stelle handelt, deren Arbeit nicht liegen bleiben kann, und die Kollegen mit ihren eigenen Aufgaben gut ausgelastet sind

Das hört sich für mich wie ne Ausschreibung für nen Subunternehmer an.

Und drum kann ich mich langsam des Verdachts nicht mehr erwehren, daß hier eine Risikoverschiebung von Arbeitgeber zu Arbeitnehmer stattfindet oder anders gesagt, die Transformation des abhängig Beschäftigten zum (Schein)Subunternehmer macht Fortschritte.

Das mag in der heutigen Konkurrenzlandschaft notwendig sein, doch man sollte nicht versuchen zu verschleiern, daß es ein weiteres in die Taschen der Mittelschicht Greifen ist.

Traditionell war es Teil des unternehmerischen Risikos des Arbeitgebers, seine Work Force so zu gestalten, daß ausreichend back-up verfügbar war. Denn merke, wer die größere Aussicht auf Gewinne hat und das unbestrittene Recht, jene für sich allein zu behalten, hat auch die Pflicht, größere Risiken zu tragen.

Wenn Arbeitgeber eine WorkForce von Subunternehmern wollen, dann müssen sie ein volles Mitbestimmungs- und Beteiligungsmodell errichten, doch um das zu haben, sind sie in aller Regel nicht Arbeitgeber geworden und Aktiengesellschaften auch nicht.

Silke - November 5, 2012, 11:32

Arthur

es ist Sache des Arbeitgebers das mit der Mutter zu regeln und Sache der Abteilung, den Arbeitgeber dazu zu zwingen und für eine angemessene zusätzliche Arbeitskraft in ihren Fehlzeiten zu sorgen.

Natürlich zieht es ein Arbeitgeber in aller Regel vor, wenn seine abhängig Beschäftigten ihm solche Probleme per Einforderung von Abteilungssolidarität vom Hals halten.

Wenn abhängig Beschäftigte auf diese Masche des Arbeitgebers reinfallen und anfangen untereinander zu zoffen, müssen sie auch bereit sein, den Preis für ihre Dummheit/Feigheit zu zahlen und fortan in Unfrieden und Gegrummel miteinander leben.

Merke: der Fisch fängt IMMER am Kopf zu stinken an.

Eine meiner allerersten Berufserfahrungen war, daß ein neuer Chef kam und die notorischste aller Krankfeierinnen (Nicht-Mutter) wurde zur engagierten Kollegin, die schließlich sogar die Abteilungsleitung übernahm. Nein ihr wurde nicht gedroht, sie wurde motiviert, eines der Talente, mit denen Führungskräfteeinkommen gerechtfertigt werden und wenn sie es haben, sei ihnen jede Mark gegönnt, denn dann verbringt man als Untergebene seine ArbeitsZeit in angenehmer und stimulierender Umgebung. (es gibt Faulenzer, die auf Motivation nicht ansprechen, ich habe aber Grund zur Vermutung, daß sie eher selten sind, weil Menschen nun mal gern Status haben)

PS: Ich bin sicher Lila weiß sehr genau, wieviel Zeit für Vorbereitung und Korrekturen mit ihrem Honorar abgegolten sind und wieviel nicht. Ich habe sie so verstanden, daß sie nur über weit über Abgegoltenes hinaus sprach.

Silke - November 5, 2012, 11:42

colchico

wer von Euch, wenn er jemanden bei der Arbeit erwischt, der z.B. Cognac in seiner Teeflasche beherbergt oder Wodka in seiner Wasserflasche (soll sehr beliebt sein, weil das Zeugs angeblich keine Fahne macht – ich bin „riechbehindert“, konnte es also nie überprüfen) würde „petzen“, wissend, daß es den Kollegen den Arbeitsplatz kostet oder würde ihn/sie direkt darauf ansprechen mit „ich weiß jetzt und gehe jetzt sagen oder tu’s beim nächsten Mal?)

Unsere Sozialabteilung fing mit gutem Grund ihre Gegenwehr bei den Abteilungsleitern an.

Und himmlisch sind Arbeitsplätze, wo ohne Ausnahmen nix Alkoholisches erlaubt ist. Ich glaube es waren die Psychos von der Sozialabteilung die’s mal vorgeschlagen haben. Es wurde bis in die höchsten Etagen abgelehnt. Wenn ich zur monatlichen Pressearbeitsbesprechung (mein Nebenjob) beim Standortleiter antanzte, bot der mir immer zuerst einen Sherry an (mag ich nicht, ich bin oder war kaffeesüchtig)

Verstehe ich Dich richtig, daß Ihr am Arbeitsplatz auch keinen Kaffee dürft/könnt? Wie überlebt Ihr das?

Leute die so dumm sind, daß sie Großzügigikeit ausnützen, gibt es immer. Es ist Sache des Arbeitgebers (s.o. an Arthur), dem einen Riegel vorzuschieben und damit miese Stimmung in den Abteilungen zu verhindern. Falls er’s nicht tut, wird er seine Gründe haben aka teile und herrsche oder vielleicht auch einfach Indolenz.

31. Silke - November 5, 2012, 11:46

colchico

Chantré ist Cognac pardon Weinbrand 😉 und war in den 60ern die Billigmarke zu Asbach Uralt (wie Faber zu Henkel Sekt). Wo die Marke heute steht, weiß ich nicht. Von harten Drinks wird mir schlecht.

32. Silke - November 5, 2012, 13:35

Warum Menschen es generell vorzuziehen scheinen, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen anstatt Zuständige in die Pflicht zu nehmen, gehört zu einem der Rätsel, deren Lösung ich nie näher gekommen bin.

Zuständige lieben es aus den verschiedensten Gründen, wenn die Nichtzuständigen Dinge untereinander „regeln“. Zumindest am Arbeitsplatz ist das aber in aller Regel ein Beleg für Dummheit und Unfähigkeit. Da schadet teile und herrsche (ob aus Naivität oder mit Absicht betrieben, ist wurscht) dem Profit. (Natürlich gibt es auch die dämliche Sorte Vorgesetzte, die das Problem zugunsten des Störenfrieds regelt. Das ist die wir müssen aufeinander zugehen Sorte – Entscheidungsschwäche getarnt als Psychoweisheit.

33. Arthur - November 5, 2012, 14:10

„Traditionell war es Teil des unternehmerischen Risikos des Arbeitgebers, seine Work Force so zu gestalten, daß ausreichend back-up verfügbar war.“

Ach, meine Gute! Ich sehe, deine Erfahrungen aus der Arbeitswelt stammen aus einer anderen Zeit! Du hast wohl noch in paradiesischen Zeiten gearbeitet! Noch nie was von Entlassungswellen und Kostenkontrolle und Stellenkomprimierung und Automatisierung gehört? Das sind die sehr realen Auswirkungen davon! Der Speck ist weg!

34. Lila - November 5, 2012, 14:50

Ich bin fuer gar nichts typisch. Ich bin Perfektionistin und feile an jedem Vortrag rum, als haette ich das Thema noch nie behandelt. Gerade sitze ich im Lehrerzimmer und „verbessere“ die soeben gegebene Stunde noch, bevor ich sie ins Internet stelle.

Ich investiere weitaus mehr Zeit, als ich muesste, in meine Studenten und meine Stunden und die Korrekturen. Allein schon die Lawine von Emails, die unerbittlich auf mich niederprasselt. Wuerde ich dafuer bezahlt, koennte sich keine Hochschule der Welt mich leisten.

Ich halte mich damit schadlos, dass ich viele Vortraege auf Honorarbasis bei privaten Einrichtungen gebe. Die bezahlen pro Stunde besser als eine Hochschule, und es haengt nichts dran – keine nervigen Mails, keine Konferenzen, keine Notenvergabe, keine muehselige Erstellung und Korrektur von Arbeiten und keine panischen Telefone am Wochenende und nachts.

Ohne diese Vortraege, fuer die ich mich als Einzelkauffrau beim Finanzamt habe registrieren lassen, kaeme ich ueberhaupt nicht ueber die Runden. Ein teures Hobby nennt mein Mann meine Arbeit an der Hochschule. Ich war diesen Sommer verdammt nah dran, sie an den Nagel zu haengen.

Aber ich mag die Studenten, und ich wuerde alles dafuer tun, die Qualitaet der Lehrerausbildung zu heben. Was ich kann, das tue ich. Ich liebe auch mein Fach.

Grundsaetzlich stoert es mich schon, was in unserer Gesellschaft als wichtig und geldwert betrachtet wird und was nicht. Aber ich bleibe deswegen trotzdem meiner brotlosen Arbeit treu und habe den Lohn schon dahin.

Heute hoerte ich, wie eine Studentin der anderen sagte: „warte nur, bis du Lilas Fragen fuer die Hausarbeit siehst. Coolere und interessantere Fragen gibt es ueberhaupt nicht. Hat echt Spass gemacht, sie zu beantworten! Vergleich das bloss nicht mit den Fragen von anderen Dozenten…“ Da war mein armes Ego doch gleich versoehnt mit meiner Arbeit.

Es gibt nichts Erfuellenderes fuer mich als Erziehung und Lehre. Ich kann nicht bereuen, dass ich nicht in ein lukrativeres Metier gegangen bin.

Heute habe ich zB das Apsenmosaik von Santa Pudenziana gezeigt und versucht den Studenten zu erklaeren, warum die im Christentum entwickelte Methode, Inhalte bildlich weiterzugeben, bis heute relevant ist und sie sie lernen muessen. Das Judentum arbeitet mit Texten, das Christentum mit Bildern – grob gesagt, aber ueber Jahrhunderte hinweg doch gueltig. In einigen Augenpaaren sah ich ein gewisses interessiertes Aufflackern, einen Funken von Verstaendnis fuer die groesseren Zusammenhaenge nicht nur des Studiums, sondern der westlichen Welt ueberhaupt.

Fuer solche Momente arbeite ich.

Silke - November 5, 2012, 14:53

Arthur
ich habe nicht nur schon davon gehört, ich war mittendrin

und gerade unter solchen Gegebenheiten ist es wichtig, die Verantwortungen klar gegliedert gegenwärtig zu haben und nicht dem Wunsch des Arbeitgebers nach teile und herrsche nachzugeben.

Mein Arbeitgeber war in einer der Fusionsphasen, in der alle auf Selbstverteidigung bedacht waren, auf die Idee gekommen, ein anonymes Forum im Intranet zur Verfügung zu stellen, auf daß die „Betroffenen“ und „Bedrohten“ sich gegenseitig austauschen konnten. Das Forum wurde zum frühest-ohne-Gesichtsverlust-Zeitpunkt eingestellt als hat-seinen-Zweck erfüllt.

Dabei traute keineR der TeilnehmerInnen der Anonymitätzusage so weit, sich unverblümt zu äußern, doch auch ohne blühte das Gefühl im gleichen Boot zu sitzen und Verantwortung wurde da zugeschrieben, wo sie hingehörte. Wobei die Teilnehmer so fair waren, daß sie auch in Betracht zogen, daß z.B. der Vorstandsvorsitzende seinerseits von den Abgesandten der Aktienfondsgesellschaften (shareholder value) gebeutelt wurde.

Und konkret zur Sache, wenn ein Arbeitgeber heute nicht genügend back-up force intern bereit stellen kann, dann muß er die job descriptions so gestalten, daß ein andereR Kundiger mit Hilfe von Leihkräften über die Runden kommen kann. Wo ein Wille ist, ist ein Weg, doch der Weg die Untergebenen allein zu lassen und aufeinander zu hetzen ist ein Beleg für mangelnde Führungsfähigkeit.

Silke - November 5, 2012, 14:59

ach Lila

was für eine schöne Beschreibung von Selbstausbeutung …

ich war immer dranzukriegen, wenn es galt, den Keil zu finden, mit dem eine Vorschrift/eine Regel/ein Paragraph so zu handhaben war, daß der Mensch das von ihm Gewünschte oder ihm nach Gerechtigkeitsgefühl Zustehende zu bekommen.

über das Mitmenschliche läuft es immer bis hin zu Soldaten, wie ich immer wieder lese und höre, sie sind tapfer wegen ihresgleichen.

35. colchico - November 6, 2012, 1:01

Silke, Ausschreibungen für Scheinselbständige gibt’s bei uns zum Glück (noch) nicht. Wenn ich mich nicht irre, ist das sogar im ganzen Land illegal, wie die Mini-Jobs ohne Sozialabgaben. (Was vermutlich auch irgendwelche Nachteile hat, aber mir ist’s sehr recht, wenn Arbeitgeber ihren Teil an den Sozialversicherungen bezahlen müssen.)

Der Hinweis bei Bewerbungsgesprächen enthält keine verschlüsselte Botschaft. Es geht mir jeweils nur darum, die Frage nach den Notfallszenarien zu erklären, und zwar aus Arbeitnehmersicht: Wir laufen alle seit Jahren am Anschlag. Bei anders nicht abdeckbaren Notfällen springen wir gern und selbstverständlich ein. Wir tun das aber jedes Mal um den Preis unserer eigenen Freizeit. Das darf und soll auch den Neuen klar sein. (Arbeitskraftreserven soll’s früher mal gegeben haben, aber die wurden eingespart. Den Shareholdern wünschen wir täglich einen schönen Tag.)

Die familienfreundlichen Regelungen wieder abschaffen, weil einige sie bis zum geht nicht mehr ausreizen, das will eigentlich keiner, auch ich nicht. Da steckt viel Engagement drin. Aber wahrscheinlich waren wir blauäugig, gerade was das Verantwortungsbewusstsein derjenigen betrifft, die dafür gut bezahlt werden. Wird der Anteil schwarzer Schafe nicht kleiner, wird es wohl auf eine starke Beschränkung der bezahlten Fehltage hinauslaufen – wie üblich zum Schaden derjenigen, die anständig mit den Angeboten umgehen.

Tee- und mitgebrachte Wasserflaschen gibt’s bei uns nicht, nur Getränkeautomaten und Wasserspender mit Bechern und Gläsern. Wer auch während der Arbeitszeit picheln möchte, müsste schon die Zutrittskontrolle, den Getränkelieferer und den Automatenauffüller bestechen und mit diesen alle, die sich am selben Automaten bedienen. Früher soll’s aber anders gewesen sein, ich habe mich heute nämlich erkundigt. Wenn an den Geschichten nur die Hälfte wahr ist, ging’s da früher richtig wild zu und her. Aber ich bin natürlich wieder zu spät.

Tee, heißes Wasser, Kakao, Brühe und natürlich auch Kaffee gibt’s kostenlos aus den Getränkeautomaten. Auch das kalte Wasser ist frei. Der Kaffee ist sogar trinkbar. Man darf ihn nur nicht mit demjenigen zu Hause vergleichen.

36. colchico - November 6, 2012, 1:04

Lila, Dein Blog schätze ich wegen vieler Artikel und Themen. Die allerliebsten aber sind mir die Artikel über Kunst. Mir scheint, wer es schafft, sogar einen hartleibigen Banausen wie mich mit Freude Artikel über Gemälde und Kunstgeschichte lesen und freiwillig ins Museum rennen zu lassen, der versteht was vom Lehren und gehört eigentlich als hochgeehrter und -bezahlter Professor auf einen Lehrstuhl an der besten Hochschule. Gern mit genügend Freizeit, um weiterhin zu bloggen. Ich würde rungholt nämlich sehr vermissen. So.

Wer legt bei Euch eigentlich die Honorare für Dozenten fest? Darf man den watschen? Es wäre mir ein Anliegen.

37. Silke - November 6, 2012, 12:30

für Lila gerade gelesen – nur weil’s so schön gesagt ist.

‚Es ist immer gut, wissenschaftlich zu denken‘, antwortete Tschechow skeptisch. ‚Das Problem ist, dass der Versuch, wissenschaftlich über Kunst zu denken, unvermeidlich degeneriert zu einer Suche nach ‚Zellen‘ oder ‚Zentren‘, die für die kreativen Fähigkeiten zuständig sind, während ein beschränkter Deutscher sie irgendwo in den Schläfenlappen entdecken wird.“

http://www.perlentaucher.de/magazinrundschau/2012-11-06.html#a35910

38. Silke - November 6, 2012, 12:32

PS für Lila und zur Unterstützung von colchico:

hast Du je daran gedacht, eine oder mehrere Deiner Lektionen bezahlpflichtig online zu stellen?

oder verbietet Dir das Dein Dienstvertrag/Ethos? Es müßte ja nicht als Audio sein. Text und Bilder wären’s doch schon.

39. colchico - November 8, 2012, 1:14

Oh, Tschechow 🙂 Sehr empfehlenswert, Artikel wie Tschechow. Gerade auch für Leute, die mit der „russischen Seeligkeit“ bei Dostojewski und Co. Mühe haben.

Dieses Zitat hier werde ich mir für den einen oder anderen „Aktivisten“ merken:
„There is nothing like realizing that people see you not as glamorous or romantic, but in need of clean underwear.“
http://www.newcriterion.com/articles.cfm/Chekhov-s-enlightenment-7471

40. colchico - November 8, 2012, 1:17

Nach drei Abenden Texte über Bedeutung und Geschichte von dargestellten Körperhaltungen, der Position der Abgebildeten zueinander, von geflügelten Ochsen und Löwen, Farben von Kleidern und Möbeln, vorhandenen und abwesenden Halos, Gesichtsbehaarungen und Lorbeerkränzen frage ich mich, ob es ein Steinchen in diesem Mosaik gibt, das „nur“ aus ästhetischen Gründen eingefügt wurde. Wie war das für die „gewöhnlichen“ Leute von damals, wenn sie in den Bänken saßen und nach oben sahen: waren ihnen die Bedeutungen all der Bildelemente geläufig? Konnten sie sie so lesen wie wir heute einen Text?

41. colchico - November 8, 2012, 1:30

Außerdem finde ich, Silke hat da einen guten Punkt vorgebracht. Keine Ahnung, wie aufwendig es technisch wäre, solche Artikel bezahlpflichtig online zu stellen, aber ich wäre gern Abonnent. Vielleicht wäre iTunes eine Möglichkeit? Oder einfach ein Pay-Button auf Deiner Seite, damit die, die für all die Anregungen und Informationen etwas zahlen wollen und können, es auch dürfen?

42. Lila - November 8, 2012, 7:27

Meine Powerpoint-Praesentationen sind im Netz, frei zugaenglich, fuer Studenten und jeden, der sie sucht. Da kriegt man kein Geld fuer, es wuerde auch keiner dafuer bezahlen. Ich wuerde es auch nicht nehmen wollen. Auch mit meinem Blog verdiene ich nichts – keine Werbung, kein Spendenknopf. Wuerde ich mich sehr unbehaglich mit fuehlen, obwohl ich es bei anderen akzeptiere.

Die Kirche hat jahrhundertelang darauf gesetzt, Kirchen zu theologischen Bilderbuechern zu machen. Das Pudenziana-Mosaik ist ein christliches Credo in Bildform. Ich bin sicher, dass der Grossteil der Betrachter und Kirchenbesucher damals das Mosaik genauso lesen konnten wie auch heute jeder glaeubige Christ es kann.

Das alltaegliche Wissen um die grundlegenden Glaubenssaetze des Christentums ist erst in den letzten Jahrzehnten verlorengegangen.

Meinen Studenten muss ich das erst erklaeren, aber meine zwei Christinnen in der Klasse, die ich extra gefragt habe, konnten selbstverstaendlich sofort jedes Element des Mosaiks identifizieren. Eine hatte etwas Probleme mit den gefluegelten Tieren, aber sie wusste, dass das Evangelisten-Symbole sind.

Das Christentum hat eine Methode entwickelt, Glaubenssaetze in Bilder zu fassen, und diese Bilderwelt muss man kennen und lesen koennen und verstehen, wie sie funktioniert, um die westliche Kultur zu kennen. Unsere Kultur ist eine visuelle, immer noch und schon wieder. Ich habe Spass daran, jungen Israelis, die dieser Kultur angehoeren und doch nicht ganz, beizubringen, wie das funktioniert.

Bis in die Alltagskultur.

Den Lohn habe ich schon dahin, denn ich mach es wirklich gerne.

Muss wieder bloggen, kann mich aber nicht aufraffen, habe zu viel anderes zu tun, leider!!!!

43. Silke - November 8, 2012, 13:01

Lila

wo sind Deine Lektionen im Netz und in welcher Sprache. Ich bin von der Hebrew-challenged = Hebräisch überfordert Sorte.

Lila es ist nicht verboten, für Dinge, die man wirklich gern macht, anständig Geld zu nehmen. Die Hingabe wird dadurch nicht befleckt.

——-
colchico

zur Unterstützung von Deinem Tschechow –
mein Gedächtnis sagt, daß es E.M. Forster war, der erkannt hat, daß man einen wichtigen Schritt in Richtung Vermenschlichung getan hat, wenn man es ertragen kann, daß man sich gegenüber einem von lower class lächerlich gemacht hat. (er hat es natürlich viel schöner gesagt, doch so habe ich es mir gemerkt)

——
und ganz OT, doch da wir gerade bei Russland sind.

Frauen in Russland 1698, also im 16. Jahr von Peter dem Großen, lebten noch weggeschlossen, nur mit anderen Frauen zusammen. Es sind Oberschichtfrauen.

Und hier ist das must have must read Buch, aus dem ich’s habe. – was für eine Entdeckung, eine Deutsche kann erzählen frei von aller creative writing gimmickry

http://www.amazon.de/Die-Nachtigall-Zaren-Kastraten-Filippo/dp/3869061251/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1352372098&sr=8-3

44. Marlin - November 8, 2012, 19:08

Ich glaube, Lila hatte mal einen Link zu einer Vorlesung eingestellt. Da es Ivrit ist, kann ich damit nichts anfangen, sozusagen stände ich davor, als wenn ich nichts durch Lila kennengelernt hätte.

Ich kann deshalb nur die beiden Anderen unterstützen und sagen: Die Studenten haben großes Glück.
Bei englischen oder deutschen Vorträgen wäre ich voll dabei.

45. Rosa Grün - November 8, 2012, 19:47

Um mal zu dem ursprünglichen Thema „Falls Israel den Iran angreifen sollte…“ zurückzukehren: Was nun, nach den Wahlen in den USA? Hierzu ein sehr pessimistischer Artikel einer sehr klar sehenden Frau:
http://melaniephillips.com/america-goes-into-the-darkness#.UJvS2eVT7P0.email
Bin ganz ihrer Meinung. Leider.

Silke - November 8, 2012, 20:18

was den Iran anlangt, so hat mich Lee Smith überzeugt
http://www.tabletmag.com/jewish-news-and-politics/109873/why-romney-wont-strike-iran

Melanie Phillips – ich weiß nicht so recht und ein kleiner Check macht mich noch aufmerksamer: Jarrett was born in Shiraz, Iran to American parents

Melanie Phillips hingegen: For Iranian-born Jarrett – aufgrund meiner Englischkenntnisse urteilend würde ich sagen, Flüchtigkeitsfehler oder beabsichtigtes a bisserl in die Irre führen.
http://en.wikipedia.org/wiki/Valerie_Jarrett

Ich habe gerade (endlich) die zweite Hälfte von Churchill’s Band 1 zu WW2 angefangen – es ist gänsehaut-erzeugend, was in einem Land alles nicht vorbereitet ist und was ist, wenn ein Krieg ausbricht.

So habe ich mir das nicht vorgestellt. Anscheinend kann man alles, was dann auf einmal geht, vorher nicht machen und hinterher muß es mehr als hopplahopp gehen.

46. Jack - November 8, 2012, 22:06

Und wieder ein absurder Artikel von Rosa Grüns Melanie. Aber das Foto von Chefaufklärerin Melanie passt natürlich, gerade auch dann, wenn man Obama Narzissmus unterstellt. „Guck Dich selber, hast genug zu tun“, möchte man da sagen.

Wißt Ihr was das Geilste ist bei diesem ganzen Obama-Bashing, gerade auch von Teilen israelischer bzw. sogenannten pro-israelische Seiten? Das Ding ist doch, daß Kritik, gerade auch an Israel immer eine Gradwanderung in Abgrenzung zu einer Verleumdung ist. Genau das wird m.E. von israelischer Seite zu Recht kritisiert, daß eine Überschreitung der Grenze von Kritik zur Verleumdung ihres Landes von vielen Kritikern bewusst und gehässig überschritten wird. Mit voller Absicht.
Wenn ich mir aber angucke, wie viel bewusst verleumderische Scheiße über Obama ausgekippt wird, dann frag ich mich: Wollt Ihr mich verarschen? Oder soll ich Euch verarschen? Also, was soll die ganze Arsche, soll das etwa Politik sein?

47. Arthur - November 8, 2012, 22:21

Ach, das obama-bashing liegt doch nur daran, dass die Amerikaner, die in Israel leben, nicht unbedingt repräsentativ sind, weder für Amerika, noch für die jüdische Bevölkerung amerikas. man weiss doch, dass in den Siedlungen überdurchschnittlich viele fanatische Neu-Einwanderer aus den USA (und tw. auch aus Frankreich) leben.

Unter ihnen findet man bekennende Kahane-Fans, wie zum Beispiel „a soldier’s mother“, die hier auf diesem Blog verlinkt ist (Sie erzählt in einem Post begeistert von ihrer Begegnung mit Rabbi Meir Kahane, noch in den USA, als er noch am Leben war, natürlich).

Wenn man so die English-sprachige Israel-Blog-Szene durchgeht, findet man sehr viele Vertreter dieser Spezies und relativ wenig Gegenbeispiele. Die israelische Blog-Szene auf hebräisch ist da viel ausgewogener.

diese national-Relgiösen Amerikaner sind meistens auch bekennende Republikaner. In Amerika hat man zwar immer jüdisch mit „demokratisch“ assoziiert, aber das gilt eher für die weniger religiösen… Die jüdische „religiöse Rechte“ ist in den USA traditionell auch politisch rechts.

48. Lila - November 8, 2012, 23:38

Bestimmt ist Dir auch bekannt, dass fast 70% der amerikanischen Juden Obama gewaehlt haben. Bin nicht gut in Mathe, aber das sieht mir ganz nach einer Mehrheit aus.

Von einer Vorliebe fuer Kahane habe ich Paulas Blog nichts gefunden, aber ich erinnere daran, was ich zu Verlinkungen auf meiner Ich-Seite geschrieben habe.

Auf meiner Blogroll finden sich viele verschiedene Standpunkte, nicht immer die meinen.

Und ich habe auch Dutchblog Israel verlinkt. Eine Blogroll ist ein Angebot zum Weiterlesen, kein endorsement.

49. Yael - November 9, 2012, 0:04

@Arthur

„diese national-Relgiösen Amerikaner sind meistens auch bekennende Republikaner. In Amerika hat man zwar immer jüdisch mit “demokratisch” assoziiert, aber das gilt eher für die weniger religiösen… Die jüdische “religiöse Rechte” ist in den USA traditionell auch politisch rechts.“

Dazu hätte ich gern eine Quelle, denn wie Lila schon schrieb, haben fast 70 %, genau 69 % der amerikanischen Juden Obama gewählt. Vor 4 Jahren waren es circa 78 %.
Wichtig sind für amerikanische Juden vor allem die Wirtschaft und die Sozialpolitik und dann erst Israel.

—————————————————

Und was Obama angeht, sind mir die, die aus Obama einen Heiligen machen genauso suspekt wie die, die in ihm den Teufel sehen.

50. Rosa Grün - November 9, 2012, 0:06

Silke, V.Jarretts Eltern waren zwar in Amerika geboren, aber ausgebürgert („expatriated“), insofern finde ich die Beschreibung nicht irreführend; die Linksextremistin , stets auf Appeasement dem Islam gegenüber ausgerichtete V.J. ist nicht nur die vielleicht einflussreichste Beraterin, sondern eine Duzfreundin der Obama-Familie. (Sie hat so lange wie möglich die Tötung Osama Bin Ladens verhindert).
Zu Deiner Churchill-Lektüre: Churchill war meiner Meinung nach der fähigste Politiker des letzten WK, zum Unterschied zu Roosevelt hat er den Kommunismus glasklar durchschaut, und wäre es nach ihm gegangen, hätten die Westalliierten, statt in der Normandie zu landen, von Griechenland aus nach Norden den Russen den Weg abgeschnitten…, das hätte die Nachkriegsgeschichte wesentlich verändert. Als Einziger hat er auch die eminente Wichtigkeit des Sieges in Nordafrika erkannt und alles daran gesetzt, dass Montgomery und nicht Rommel die Schlacht in El Alamein gewinnt, womit die Wende eingeleitet war (nicht erst in Stalingrad). Churchill hat auch schon sehr früh, als junger Mann und Berichterstatter, die Gefährlichkeit des Islams erkannt…

Silke - November 9, 2012, 0:22

„man“ weiß dies und „man“ weiß das und „jedeR“ weiß doch …

ich bewundere Leute mit dem totalen Überblick. Ich fühle mich dann so richtig demütig, warum gelingt mir das allem heißen Bemühen zum Trotz auch nicht im entferntesten, da ranzukommen.

Silke - November 9, 2012, 0:30

für die Behauptung, daß Jarrett’s Eltern ihre US-Staatsangehörigkeit entzogen wurde, hätte ich denn doch gern einen Beleg. So etwas passiert nicht so im Vorbeigehen. Bis Du die Behauptung nicht belegen kannst, betrachte ich sie als Verleumdung.

Mir ist es schnurz, was einer für ne Staatsangehörigkeit hat, doch wenn einem die eines demokratischen Staates weggenommen wird, dann muß er wirklich was angestellt haben.

Also her damit oder entschuldige Dich.

Und erzähl mir nix über Churchill, ich habe bis jetzt rund 3000 Seiten von dem Mann gelesen – und was den soft underbelly anlangt, so wäre dessen Vorteil im 2. Weltkrieg gewesen, daß man damit die Russen besser mit Nachschub hätte versorgen können. Keiner der Alliierten wollte seinem Volk den Blutzoll auferlegen, den die Russen gezahlt haben und zahlen mußten.

Nach dem Ende des Krieges hätte Churchill wohl gern weitergemacht, dann gegen die Sovietunion, doch so wie Du die soft underbelly story erzählst ist sie Kokolores und entbehrt jeder Wahrscheinlichkeit.

Ist das die gleiche Quelle von der Du das „expatriateD“-Märchen hast?

51. Arthur - November 9, 2012, 1:23

@Lila:
Ich beziehe mich auf diesen Post, und insbesondere folgendes Zitat in diesem Post:

„When I was a teenager, I had the honor of hearing Rabbi Meir Kahane speak.“

http://israelisoldiersmother.blogspot.ch/2012/08/jew-on-google.html

Ich wollte damit auch keineswegs kritisieren, dass dieser blog hier verlinkt ist, sondern eher auf ein Beispiel hinweisen, das für Leser dieses blogs leicht zugänglich ist, eben weil es verlinkt ist…

@Yael:

Ja, 70:30, das kann in etwa hinhauen: 70% nicht so religiös, 30% religiös bis sehr religiös, die republikanisch wählen (unter der wahlberechtigten Bevölkerung. Es könnte sein, dass die Religiösen bei den Minderjährigen einen grösseren Anteil stellen)

Chabad zum Beispiel ist deutlich republikanisch, die übrigen hassidischen Gemeinden meist auch (in manchen Fällen sind sie pragmatisch, was für sie lokal gerade am besten ist).

http://dovbear.blogspot.ch/

Sieh dir diesen blog mal ein bisschen näher an. Der ist von einem „schwarzen Schaf“, der als einziger in seinem Umfeld eher zu demokratisch tendiert. Stöbere ein bisschen herum, was er so erzählt, was die Leute um ihn herum so denken und sagen. Er sagt sehr deutlich, dass das hareidische amerika, und grösstenteil auch das „national-religiöse“ republikanisch ist…

Es gäbe noch mehr Beispiele, z.B. die politischen Debatten auf Hareidischen Newssites, die ich dir sicher nicht verlinken muss, weil du sie selber bestens kennst… Musst dort nur ein bisschen herumsurfen, um dich kundig zu machen…

52. Rosa Grün - November 9, 2012, 1:29

Die Juden in den USA sind vermutlich nicht mehr und nicht weniger pro-israelisch als die übrigen Diaspora-Juden (für manche ist Israel geradezu ein Dorn im Auge). Und 8 % haben ja immerhin „umgedacht“, wie man sieht. Die zu AIPAC gehörenden Juden haben bestimmt nicht Obama gewählt. Aber es kommt doch für Israel gar nicht so sehr auf die paar Juden (ca.2%!) an, sondern auf die ca.70% Evangelikale! Und die stehen fest zu Israel, egal aus welchen Gründen! Und DENEN ist es zu verdanken, dass kein Präsident, auch Obama nicht, machen kann, was er will. Ich selbst praktiziere überhaupt keine Religion, habe aber den größten Respekt vor diesen unerschütterlichen Freunden Israels, z.B. für CUFI, die TUN doch wenigstens was und reden nicht nur.

53. Rosa Grün - November 9, 2012, 2:21

Silke, sie können doch freiwillig die Staatsbürgerschaft gewechselt haben! Hier z.B ist es erwähnt, kannst ja selber nach weiteren Quellen googeln:
http://news.investors.com/ibd-editorials/092512-627025-valerie-jarrett-rasputin-to-barack-obamabarack-obama-valerie-
“…The Iranian-born Jarrett (her parents were American-born expatriates)…”
Und über die unselige Macht dieser Frau gibt’s ja wahrlich genug auffindbare Berichte!
Und was Churchill anbelangt: Wir haben den letzten Weltkrieg life erlebt (nicht nur nachträglich aus Geschichtsbüchern), so auch die Reden Churchills…und andere Entscheidungen, als sie getroffen wurden – soweit sie bekannt wurden…Begreiflicherweise wurde in unseren Kreisen fast nur darüber geredet, es hing ja schließlich unser Leben von jedem neuen Ereignis ab.
Stalin hat bekanntlich mit Hitler paktiert, und hätte ihn dieser nicht überfallen (was Stalin nicht fassen konnte!) hätte er sich nur allzu gern die Welt mit ihm geteilt. Aber so war er gezwungen umzudenken, und es stimmt, die russischen Soldaten haben dann einen hohen Blutzoll bezahlt (wurden aber auch von ihm liquidiert, wenn sie nicht durchhielten). Und im Übrigen haben die USA sehr viel Material den Russen geliefert – und sind dann blöderweise, gemäß den Abmachungen, stehen geblieben und haben die Russen nach Berlin einmarschieren lassen…
Aber das ist Schnee von gestern…, interessant ist die Gegenwart und wird die Zukunft.

54. Arthur - November 9, 2012, 7:14

Na ja, aufgrund historischer Erfahrungen wäre ich den evangelikalen gegenüber eher misstrauisch. Wie oft ist es in der Geschichte passiert, dass eine christliche Gruppierung aus irgend einem Grund plötzlich besonders freundlich zu den Juden war, und als die Juden sich dann nicht pflichtschuldigst bekehren wollten, schlug die Stimmung schnell ins Gegenteil um (siehe Luther und sein Antisemitismus, der noch Philosemitismus war, als er glaubte, die Juden zu seiner Religion bekehren zu können).

Mir sind diese Evangelikalen als Freunde gar nicht sympathisch, und ich würde von ihnen auch nicht unbedingt Geld nehmen. Manche sind missionarisch, andere glauben, dass ihr Jesus wieder kommt, wenn in Israel Frieden herrscht oder so.

Soviel ich verstehe sind die Mormonen den Juden gegenüber sehr indifferent bis feindselig eingestellt. Ich bin also froh, dass in den USA der Einfluss der Evangelikalen nach den neuesten Wahlergebnissen eher zurückgedrängt wird. Das mit Bush und seiner blind-fanatisch-religiösen Art war mir eher unheimlich.

55. Arthur - November 9, 2012, 7:22

„Mir ist es schnurz, was einer für ne Staatsangehörigkeit hat, doch wenn einem die eines demokratischen Staates weggenommen wird, dann muß er wirklich was angestellt haben.“

Da täuschst du dich. In Deutschland oder Österreich reicht es z.B., eine fremde Staatsbürgerschaft anzunehmen. Oder in einem fremden Land Militärdienst zu leisten. In der Schweiz wurde Frauen noch in den 70er jahren automatisch die Staatsbürgerschaft aberkannt, wenn sie einen Ausländer heirateten und nicht ausdrücklich beantragten, den CH-Pass zu behalten.

Auch die US-Staatsbürgerschaft verliert oder verlor man relativ leicht, wenn man im Ausland lebt(e). Man muss(te) sich da irgendwie regelmässig im Konsulat melden und sagen, dass man sie behalten will… und ausserdem eine US-Steuererklärung ausfüllen und ev. auch Steuern bezahlen.

56. Arthur - November 9, 2012, 9:34

PS: @rosa-grün: Iranian-born bedeutet,soviel ich weiss, einfach „im Iran geboren“ und macht keine Aussage über Staatsbürgerschaft…

Silke - November 9, 2012, 12:37

Rosa

das ist wirklich zu albern – ein expatriate ist jeder, der im Ausland lebt und ist NICHT gleichbedeutend mit expatriateD

lern erst mal Englisch und dann komm mit der nächsten Verschwörungstheorie
http://britishexpats.com/forum/forumdisplay.php?f=76

Barack Obama’s Mutter war, zumindest so lange sie in Indonesien lebte, ein expatriate, aber nicht expatriateD

fällt jetzt der Groschen?

Aha, Du hast es also erlebt und deshalb weißt Du besser als Churchill selbst, was er wollte?

Rosa in Familien wird viel viel Unsinn erzählt und geglaubt, lies lieber mal zur Abwechslung ein Original.

57. Yael - November 9, 2012, 12:54

„70% nicht so religiös, 30% religiös bis sehr religiös, die republikanisch wählen“

@Arthur

das ist doch eine reine Spekulation. Nur weil jemand religiös ist, heißt das nicht, er wäre ein Republikaner.

Silke - November 9, 2012, 13:41

Arthur und Rosa – der Beginn einer wundervollen Freundschaft.

expatriateD insinuiert immer noch was anderes als was Du beschreibst.

Ich war 1962 mit nem Österreicher verheiratet und meine Staatsbürgerschaft war zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Keiner der von mir verwalteten Expats war je in Gefahr, seine Staatsbürgerschaft zu verlieren. Keiner der Hippies von den Griechenland in den 70ern wimmelte, hatte je Schwierigkeiten mit seiner Staatsbürgerschaft gehabt usw. usw.

Iranian born ist offen für Interpretation born in Iran wäre es nicht.

58. Silke - November 9, 2012, 13:45

PS für Arthur

ich habe Melanie Phillips bei einer Buchpräsentation in den USA während der Q&A sehr Unfreundliches sagen hören, wie man mit den Ausländern in England verfahren solle, nämlich in etwa „raus damit“ und stop immigration von 3x darfst Du raten, wem.

Sie ist zweifellos eine kluge Frau, doch wehe wenn sie losgelassen.

Silke - November 9, 2012, 13:50

Arthur – eine Frage

das mit Obama’s pastor haste verdrängt – oder ist Dir der nicht evangelikal genug?

Ich meine Michael Oren hat mal erwähnt, daß das was sich die Evangelikalen von Jerusalem erhoffen, als sozusagen collateral damage leider den Tod der Israelis beinhaltet.

Churchill hat in WW2 mit Stalin gekungelt – was hätte er machen sollen, statt dessen lieber seine eigenen Leute killen lassen?

Im Krieg sucht man sich Unterstützung, wo man sie kriegen kann und wechselt die Seiten, wann immer es nützlich erscheint.

Da ich das Gerede von Israel’s Nachbarn ernst nehme (wie das von Verrückten generell), befindet sich für Israel in a war of attrition.

59. colchico - November 10, 2012, 2:10

Silke, zu Deinem Tschechow-Zitat viel weiter oben (das Hervorkramen dauerte ein ein Weilchen): „A lot of different areas of the brain are involved in devising a solution, no matter which process is used, but during the Aha! moment, there is a burst of high-frequency activity in the right temporal lobe, Dr. Kounios said.“

60. colchico - November 10, 2012, 2:12

Lila, so ein Button wäre ein Danke-Knopf. Vielleicht kennst Du das ja selbst: Jemand zeigt einem einen neuen Blickwinkel oder eine ganze neue Welt. Man freut sich über die Anregung und möchte sich bedanken. In der analogen Welt ist das relativ leicht, da findet man meistens heraus, was dem „Fremdenführer“ Freude machen könnte: Roman, Fachbuch, Eintrittskarten, Blumen? CD, DVD, Sammelobjekt? Werkzeug, ein besonderer Wein, eine Leckerei? – Im Internet geht das schlecht. Es sei denn, jemand habe einen Danke-Button oder eine Wunschliste. Das wäre eine Dienstleistung an Deinen Lesern 🙂

61. colchico - November 10, 2012, 2:14

Ist es nicht verblüffend, wie viele wahlberechtigte Bürger der USA sich hier befinden?

Silke - November 10, 2012, 15:35

colchico – 59

LOL und dann heißt der Porträtierte auch noch Jung – sehr verdächtig – ich habe übrigens meine liebsten AHAs morgens in der Halbschlafphase – ob das wohl daher kommt, daß ich meistens Bauchschläferin mit Kopf nach rechts gedreht bin, so daß mein right frontal lobe Teil des Hirns von kühler Luft umfächelt ist?

Tschechow wäre zweifellos begeistert …

andererseits hoffe ich, daß solche Forschungen was dazu beitragen, daß die, die Hirntumore operieren, heute wohl zu ganz phantastischen Leistungen fähig sind.

Silke - November 10, 2012, 15:38

Wäre es nicht ideal, wenn man bei amazon oder ZVAB oder abebooks Geschenk-Gutscheine erwerben/hinterlegen könnte?

Dann könnte Lila es vielleicht mehr als was Ideelles sehen 😉

Silke - November 10, 2012, 15:41

auf mich wirken colchico’s „wahlberechtigte Bürger“ meistens wie Regierungsberater-Bewerber manqués

wenn nur endlich endlich endlich jemand auf sie hören würde …

Silke - November 10, 2012, 16:08

für colchico

um Deutsch und Kreativ zusammenzuführen – in diesem Vortrag, der für wen’s interessiert, das Anhören lohnt, habe ich gestern einen Spruch über die EU im Zusammenhang mit ihrem Umgang mit Geld gelernt:

meine Übersetzung:

die Italiener haben eine Idee, die Franzosen formulieren sie als Regel und die Deutschen halten sich dran.

http://www2.lse.ac.uk/newsAndMedia/videoAndAudio/channels/publicLecturesAndEvents/player.aspx?id=1636

PS: der Vortrag enthält wenig Kaiser Wilhelm und Merkel, dafür aber viel Kohl und Mitterand und Thatcher.


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