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Vergessen? Oktober 22, 2012, 17:26

Posted by Lila in Persönliches.
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 „Lance Armstrong hat keinen Platz mehr im Radsport, er muss vergessen werden“, sagte UCI-Präsident Pat McQuaid am Montag in Genf.

Armstrong muß vergessen werden? LAMPE muß vergessen werden.  Gründlich und für immer – jeden Tag aufs Neue.

Kommentare»

1. Hans (@hjslaw) - Oktober 22, 2012, 23:42

LOL, aber noch besser, N-TV online: „Armstrong, der amerikanische Lügner“. Ich mag jetzt nicht über Doping philosophieren, aber die Überschrift ist ein neuer Tiefpunkt der Deutschen Berichterstattung über die USA.

2. Paul - Oktober 23, 2012, 1:11

🙂 🙂 🙂

3. Lila - Oktober 23, 2012, 2:56

Und wäre es nicht deutlich sinnvolller, sich an Armstrong zu erinnern, als ihn zu vergessen?

4. ben - Oktober 23, 2012, 5:17

Eher schlechte deutsche Uebersetzung. Im Original sagt er „Lance Armstrong deserves to be forgotten in cycling.“ (er verdient es, vergessen zu werden).

5. Lila - Oktober 23, 2012, 6:00

Erstens finde ich auch das von der Sache her komplett falsch – das hätten sie wohl gern, weil damit die Peinlichkeit für Funktionäre, Sponsoren, Kollegen, Journalisten und Fans vorbei wäre. Meiner Meinung nach genau die falsche Schlußfolgerung. Wenn man den Sport überhaupt retten will, muß man Armstrong nicht vergessen, sondern in Erinnerung halten.

Zweitens erinnert die deutsche Formulierung fatal an Kants berühmte Notiz – vielleicht kannte der Journalist die nicht? Ich finde Kants Art, sich daran zu erinnern, daß jemand vergessen werden muß, brilliant.

6. Carina - Oktober 23, 2012, 8:49

Ich weiß gar nicht was ich davon halten soll! Ich mein Armstrong ist der groesste Dopingskandal der modernen Sportgeschichte! Wenn irgendwelche Leute meinen das man ihn vergessen sollte dann sollen Sie es. Aber er wird immer wieder auftauchen und es wird immer wieder Schlagzeilen um ihn geben- eben wegen des Dopings! Wenn ich den Namen Armstrong höre an was denke ich wohl? Genau!

7. Arthur - Oktober 23, 2012, 11:08

Wenn Amstrong jetzt Geld braucht, kann er ein grosses Geständnis-buch schreiben. Das wird sich sicher gut verkaufen! Jede Publicity ist gute Publicity, sagen die Spezialisten…

Silke - Oktober 23, 2012, 11:40

Aber Lila 3 – Damit würdest Du doch der Doping-Industrie noch mehr schaden, als es ohnehin schon zu geschehen scheint.

It will be a grievous blow to Texan pride if the only man to have won the Tour seven times is stripped of his titles. And we tifosi will again have to face up to the fact that we love the sport despite one painfully large part of its history.
—–
I could, but shan’t, name a couple who were climbing like Superman a few years back but were absolutely cooked when the going got tough last year. At last, the testers do seem a step ahead of the dopers and their black arts.

http://www.tnr.com/article/politics/magazine/104911/cycles-life-tour-de-france

8. Paul - Oktober 23, 2012, 12:16

Zu #6 Carina:

Also, liebe Carina, …

„Wenn ich den Namen Armstrong höre an was denke ich wohl?“

..das weiß ich nicht, :-D, aber ich denke dann immer an Louis „Satchmo“ Armstrong. 😉

Dagegen kann ich nichts machen!
Will ich überhaupt was dagegen machen?

9. Paul - Oktober 23, 2012, 12:42

Lila, verstehe mich bitte nicht falsch.
Ich bin völlig Deiner Meinung.
Dieses „das sollte man vergessen“ ist doch nur ein sinnentleertes Gequatsche.
Sowas soll und darf man nicht vergessen.
Es wird auch nicht geschehen.

Wenn das gesagt wird, dann doch nur in dem Sinn: Man solle nicht in die „finstere“ Vergangenheit des Radsports zurückschauen, sondern sich dern neuen, strahlenden Zukunft zuwenden.

Aber auch das kann ich nicht.
Der Leistungssport hat für mich seine Unschuld verloren! Die wird er auch nie wieder bekommen.
Wenn ich im Sport Höchstleistungen erllebe, dann denke ich immer, ich betone – immer – Doping mit.

Nachdem mein Schwiegersohn, der aus „Spaß an der Freude“ Triathlon betreibt, mir mitteilte, dass selbst im Freizeitsport aus überbordendem Ehrgeiz oder aus welchen Gründen auch immer, Doping betrieben wir, finde ich auch an diesen Sportübertragungen keine Freude mehr.

Doping überall?!

Selbst Pferde werden gedopt.

Auch bei manchen Gewaltexcessen, wie letztens bei uns am Alex, bin ich mir nicht sicher ob nicht auch Partydrogen (welch verharmlosendes Wort für Suchtmittel) im Spiel sind.

Entschuldige bitte, liebe Lila, aber es hat mich wieder mal übermannt (überfraut). 😦

10. Arthur - Oktober 23, 2012, 13:25

Ach, eigentlich ist doping doch nur verboten, damit sich die Sportler damit nicht umbringen. Wenn sie unbedingt wollen, sollen sie sich doch umbringen! Autorennen schaut man schliesslich auch, um die tödlichen Unfälle life mitzuerleben… dasselbe gilt für „Wetten dass…“

11. Lila - Oktober 23, 2012, 13:33

Ich seh weder das eine noch das andere (hat mich sehr erstaunt, was die deutschen Medien um Wetten dass für ein Bahei gemacht haben…. ist die Sendung denn so gut???).

Tour de France guck ich wenn überhaupt wegen der schönen Luftaufnahmen der Schlösser, Kirchen und Landschaften. Ich warte noch auf einen Fernsehkanal, der nichts als wunderschöne Luftaufnahmen von interessanten Kultur-, Natur- und Industrielandschaften sendet, aber ohne rosagekleidete schwitzende Männer. Bis es das gibt, nehm ich die Männer in Kauf.

Silke - Oktober 23, 2012, 13:42

Du hast vergessen, den guten alten Zirkus zu erwähnen

Trapez- und Raubtiernummern haben mich schon als Kind aus vielschichtigen Gründen gepeinigt und ach ja, da gab’s ja noch ein Ski-Springen in glaube ich Garmisch 1952 oder 53, wo einer sich als es um 139 m ging, das Rückgrat brach.

Meiner Erinnerung nach stieg die Stimmung, als die „oh wie schrecklich“ Nachricht durchkam, beträchtlich, sogar bei meinen eigenen Eltern, die ansonsten immer wider Straßenunfallguckerei wetterten und sich auch strikt dran hielten.

12. Yael - Oktober 23, 2012, 15:17

Ich weiß nicht wie man einen Menschen vergessen sollte.
Wenns darum geht, müsste man die ganze Tour de Dope äh Tour de France vergessen.

13. Piet - Oktober 23, 2012, 16:18

*hihi* Louis Daniel ist eigentlich auch meine erste Assoziation. 🙂

Das Interessante ist doch: Bekommt nun Jan Ullrich als Zweitplatzierter den Titel zugesprochen? Und was dann? 😉

14. Yael - Oktober 23, 2012, 16:27

Übrigens hat Jan Ullrich wohlweißlich, auf die Titel verzichtet, da er als zweiter, Armstrong nachrücken müsste. Sonst heißt es: Vergesst Jan Ullrich. 😉

15. Arthur - Oktober 23, 2012, 21:22

@ Silke: Genau. Zirkus! Und Freilicht-Artisten à la Philippe Petit. Aber da ist Red Bull immer zur Stelle, wenn es was zu sponsorn gibt. Erst kürzlich hat sich Ueli Gegenschatz für eine Red-Bull-Reklame umgebracht (basejump von einem Hochhaus), aber sie haben ja noch den Mesosphären-Jumper! Ist eh alles Gut gegangen….

Silke - Oktober 23, 2012, 22:27

ob mit oder ohne Red Bull, es gibt offenbar genug unter uns Menschen, die gierig auf so was sind.

Es gibt ein Buch von P.D. James, das eine Beschreibung der letzten oder eine der letzten öffentlichen Hinrichtungen in England enthält. Irgendwie ziehe ich da die Irren, die freiwillig für Red Bull springen schon vor und dann gibt es ja auch noch, so ich mich recht erinnere, hohes Lob von Hochgeistigen für Boxkämpfe.

Ich erinnere mich deutlich, wie sehr Cassius Clay (jetzt Muhammed Ali) immer dafür „gescholten“ wurde, daß er danach trachtete, nix am Kopf zu erwischen.

Mir ist das Vergnügen, das angeblich die ganze Wettkämpferei und sich-Leute-für-mein-Vergnügen in-Gefahr-Bringerei verursachen soll, ziemlich fremd.

Genau genommen finde ich’s ziemlich langweilig. Ich mag es nicht, wenn sie jemand zum Affen macht, um bei mir landen zu können.

16. Silke - Oktober 23, 2012, 22:35

OT

Lila ich weiß nicht, ob sowas Dich (und andere hier) interessiert, aber ich fand’s ein sehr sehr sehr hörenswertes Gespräch (die erste deutsche Professorin überhaupt war Jüdin und ne Menge das Weltbild verkomplizierende andere Infos).

HH 004: DEUTSCHES JUDENTUM IM KAISERREICH

http://homohistoricus.podcast-kombinat.de/hh-004-deutsches-judentum-im-kaiserreich

Auf/anregend aus der gleichen Serie fand ich auch den Gesprächspartner zum Thema „Staatenlos“.

17. Jack - Oktober 23, 2012, 22:43

Jan Ullrich ist unvergessen. Es gibt nicht viele Talente, und sie heißen nicht umsonst Jahrhunderttalente. Jan Ullrich war eines der größten deutschen Talente und es war ein Genuß, ihm beim Fahren zuzusehen. Doping hat damit wenig zu tun. Jeder Sportler weiß das, und es gibt in Deutschland noch im Ausland so gut wie keinen Sportler, der auch nur ein böses Wort über Jan Ullrich verloren hat.

Und es geht auch weniger ums Doping, schon gar nicht geht’s um eine umfassende Bekämpfung dieser Problematik. Es geht vielmehr auch hier um die in bürgerlichen Kreisen weit verbreitete Suche nach der befleckten Schuld. Es geht um Moralduelle und um die Deutungshoheit, in welcher scheinheiligen Sehweise man Gesellschaftsabläufe gefälligst zu betrachten habe.

Das ist so lächerlich, wenn’s nicht zugleich so traurig ist. Wie war das noch mal der Enttäuschung über den schlechten deutschen Medaillenspiegel bei der letzten Olympiade in London?

An Doping-Schraube drehen viele Parteien und ganz bestimmt nicht der Sportler alleine. Das Übel steckt vielmehr im System, wenn sich Trainer, Betreuer, Funktionäre, Ärzte, Journalisten, Medien, Sponsoren, Industrie und Veranstalter an Talente heranmachen, sie für ihre Zwecke formen und gefügig machen, sie konditionieren um schließlich von ihnen zu profitieren. Jeder denkt einzig mit seinem Hirn. Und noch mehr ans Geld.

Übrigens, die beiden Ärzte, die an der Elite-Uni Freiburg die Radsportler mit Doping optimierten, die sind schon wieder in ihrer Arbeit. Man will ja Elite-Uni bleiben. Und gesperrt ist von denen niemand, schon gar nicht lebenslänglich.

18. Lila - Oktober 23, 2012, 22:51

Eben das wollte ich damit ja zart andeuten. Wenn sie dann gegen Armstrong wettern und fordern, dass er vergessen wird, dann fordern sie damit gleichzeitig, dass ihre eigene Beteiligung an dem ganzen Skandal vergessen wird. Damnatio memoriae und so. Immer praktisch.


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