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Ein erstaunlicher Artikel Oktober 20, 2012, 23:52

Posted by Lila in Presseschau.
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auf ArabNews, den mir Y. gerade gezeigt hat. Ich weiß nicht, wer Abdulateef al-Mulhim ist, aber ich bin gespannt, ob seine Worte auch in anderen Medien Widerhall finden werden.

Er fragt sich, was ich mich schon lange frage. Er blickt auf die Kriege zurück, die die arabischen Staaten gegen Israel geführt haben, und er stellt drei Fragen:

The questions now are: What was the real cost of these wars to the Arab world and its people. And the harder question that no Arab national wants to ask is: What was the real cost for not recognizing Israel in 1948 and why didn’t the Arab states spend their assets on education, health care and the infrastructures instead of wars? But, the hardest question that no Arab national wants to hear is whether Israel is the real enemy of the Arab world and the Arab people.

Was haben die Kriege den Arabern gebracht? Wie hoch ist der Preis, den die Araber bis heute für die Weigerung, Israel anzuerkennen, zahlen? Und wer ist der wahre Feind der Araber?

Er gibt die ehrliche Antwort: die Kriege haben den Arabern gar nichts gebracht, der Preis war viel zu hoch, und die wahren Feinde der Araber sind nicht Israel.

The Arab world has many enemies and Israel should have been at the bottom of the list. The real enemies of the Arab world are corruption, lack of good education, lack of good health care, lack of freedom, lack of respect for the human lives and finally, the Arab world had many dictators who used the Arab-Israeli conflict to suppress their own people.

Da hat er, wie ich finde, den Finger in die Wunde gelegt. (Heute beschuldigte der Iran Israel, die Bombe im Libanon gezündet zu haben – obwohl Israel daran nicht das leiseste Interesse hatte und Bombenattentate mit massenhaften Kollateralschäden nicht gerade Israels Markenzeichen sind… und obwohl die Libanesen selbst die Schuldigen ganz woanders suchen… aber es ist doch immer schön und stiftet Sinn für Gemeinschaft, wenn man mit dem Finger auf Israel zeigen kann, egal wie absurde die Anschuldigung ist… doch zurück zum Artikel.) Israel wird ja für alles, alles, alles verantwortlich gemacht – ich habe ja schon oft genug die absurden Verschwörungstheorien verlinkt, die von störenden Eichhörnchen bis zu angriffslustigen Wildschweinen und Erdbeben alles, alles, alles vor Israels Tür abladen. Doch tun sich die Araber, die diesen Mist glauben oder verbreiten, damit einen Gefallen? Nein, das tun sie nicht, denn dieser ganze Ärger auf Israel verhindert nur, daß jemand mal genauer hinguckt.

 Syrians are leaving their own country, not because of the Israeli planes dropping bombs on them. It is the Syrian Air Force which is dropping the bombs.

Er gibt noch viele weitere Beispiele. Araber sind die ärgsten Feinde der Araber. Und wo ist in der Zwischenzeit Israel?

Israel now has the most advanced research facilities, top universities and advanced infrastructure. Many Arabs don’t know that the life expectancy of the Palestinians living in Israel is far longer than many Arab states and they enjoy far better political and social freedom than many of their Arab brothers. Even the Palestinians living under Israeli occupation in the West Bank and Gaza Strip enjoy more political and social rights than some places in the Arab World. Wasn’t one of the judges who sent a former Israeli president to jail is an Israeli-Palestinian?

Er kommt zu dem Schluß:

The Arab Spring showed the world that the Palestinians are happier and in better situation than their Arab brothers who fought to liberate them from the Israelis. Now, it is time to stop the hatred and wars and start to create better living conditions for the future Arab generations.

Und ich möchte hinzufügen: sobald der unbändige, irrationale Haß weg ist, lösen sich auch andere Probleme, die heute unlösbar sind. Denn ohne diesen Haß droht kein Terrorismus mehr. Und wenn der nicht mehr dreht, dann kann Irael sich auch historische Kompromisse leisten. Dieser Haß – der ist der Schlüssel zu dem ganzen Konflikt.

Wenn Leute wie al-Muhlim sich in der arabischen Welt Gehör verschaffen können, wenn endlich die Selbstverpflichtung der Palästinenser umgesetzt wird, mit der Haßpropaganda aufzuhören, und wenn das Denken aufhört, die eigenen Leute auch auf Kosten der Wahrheit reinzuwaschen, und statt dessen auf Israel einzuprügeln – wenn das aufhört, dann machen wir hier richtige Fortschritte.

Vorausgesetzt natürlich, daß die Mehrzahl der Israelis nicht schon innerlich daran verzweifelt ist, je eine Lösung zu sehen..

Hätte so ein Artikel eine Chance in deutschen Medien? Ich wüßte es zu gern. Ich würde allen Beteiligten so wünschen, aus dem Konflikt endlich auszusteigen…

 

Kommentare»

1. Claudia Sperlich - Oktober 21, 2012, 0:29

Mögen das sehr viele Leute lesen!
Und bitte, auch verstehen. Aber irgendwo fürchte ich, daß bereits irgendwo die Annahme kursiert, Abdulateef al-Mulhim sei vom Mossad mit Drogen gefügig gemacht. Oder mit Eichhörnchen, wer kann das schon unterscheiden.

2. Georg - Oktober 21, 2012, 1:17

Im Gegensatz zu dir, liebe Lila, glaube ich nicht, dass der Antiisraelismus lediglich auf naturgegebenen Hass gegen die Juden begründet ist, sondern dieser Hass ist nur das Werkzeug, das Mittel zum Zweck. Er mag sich verselbstständigen, doch am Anfang und als Intention steht m.E. allein der Wille zur Macht – die Vorherrschaft im Orient.

Die arabischen Länder sind alle untereinander zerstritten. Deswegen muss es nach außen immer den einen Feind Juden geben, denn nur so fällt es nicht auf, was im Grunde genommen alles untereinander gemauschelt und gemeuchelt wird.

Der Arabische Frühling anfangs in Ägypten war initiiert tatsächlich von gebildeten und denkenden Menschen, sie wurden enttäuscht durch das Wählervotum der überwiegend ungebildeten Bevölkerung. Ich glaube trotzdem nicht, dass die Moslembruderschaft sich auf Dauer in Ägypten festsetzen kann – zu gebildet und aufgeklärt ist ein Großteil der Bevölkerung.

Vielleicht stehen wir an der Schwelle eines großen „arabischen Bürgerkrieges“, an dessen Ende ich glasklar die aufgeklärten Menschen sehe. Und dann gibt es Frieden und Zusammenarbeit mit Israel. Ich sehe das in maximal zwei Generationen so.

Hugh, nenne mich einen Propheten 😉

3. Paul - Oktober 21, 2012, 1:49

Ich habe für deutsche Einsprachler etwas ergänzendes gefunden.
Abdulateef al-Mulhim ist ein saudi-arabischer Journalist.
http://de.ibtimes.com/articles/26106/20121010/saudi-araber-nicht-israel-sondern-korruption-und-diktatoren-sind-die-wahren-feinde.htm

Es lohnt sich diesen Artikel, der noch einige Ergänzungen enthält zu lesen.
Er ist für mich der einsame Rufer in der Wüste der arabischen Welt.
Aber immerhin: Es ist ein Anfang.

4. Yitzhak Rothstein - Oktober 21, 2012, 2:49

DIE Araber? Da sind soooo viele Länder im Nahen Osten,die mit Israel überhaupt kein Konfliktpotential haben. Das ist mit den unmittelbaren Nachbarn Israels leider anders. Da ist die Lage so verfahren. Die Golanhöhen zum Beispiel: das Quellgebiet des Jordan: wer da sitzt,ist Herr über das Wasser. Israel wird im ereigneten Interesse kein Jota breit zurückweichen. Die halbe Wüste Negev wird bewässert und der Jordan ist nur noch ein Rinnsal. Da haben die Nachbarn natürlich“sonnen Halz“ Möglicherweise kann nur noch internationaler Druck für eine Einigung sorgen, die dann im weiteren Verlauf ein friedliches Miteinander ermöglicht. Das derzeitige Gehacke der islamischen Länder untereinander ist nun ein ganz anderes Kapitel. Ich wünschte,daß dort einmal ein gesunder Pragmatismus greift und dazu sind Leute wie Abdullateef al Muhlim vielleicht der Schlüssel.

5. vered - Oktober 21, 2012, 9:55

Gebe Gott, dass das ein erstes Anzeichen für einen wahren arabischen Frühling ist!

Zu #3: Danke, Paul. Interessant auch ein dort angezeigter Artikel
http://de.ibtimes.com/articles/26130/20121019/versorgung-der-pal-stinenser-im-gaza-streifen.htm
Was werden die Protestler auf der Estelle erzählen, nachdem sie ihre nicht existierenden „Hilfsgüter“ nicht im Hafen von Gaza löschen konnten?

6. willow - Oktober 21, 2012, 9:55

Yitzhak Rothstein …. naja,

Wie auch immer, vielleicht sollten sie sich ja einfach mal über den Nahen Osten (aber auch über Israel und seine Vertrage über Wassernutzung mit den Nachbarn) informieren 😉

7. Hein - Oktober 21, 2012, 10:14

Ich habe den Artikel von Abdulateef Al-Mulhim seit Anfang Oktober. Ein Kommentar von einem Leser dazu:
„i’m am an isreali arabian(muslim),and i want to say that every word in this article is true,i live in isreal and many of my friends are jews,and most jews really are spectacular people,i’ve learned many new things from them,that will help me in the future, AND I WANT TO COMFIRM WHAT THE WRITER SAIED: my life in isreal is even more great than u think,and i am grateful that i live in isreal JUST LIKE THE WRITER SAIED!“
Mein Kommentar: Israel ist nicht das Problem. Israel kann die Lösung des Problems sein und seinen Nachbarn helfen aus der „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ aufzuwachen und wirtschaftliche und menschliche Erfolge zu generieren.

8. Lila - Oktober 21, 2012, 11:47

Israel hat mehrmals Anläufe dazu genommen – darf ich wieder mal an Erez und Karni erinnern, die gemeinsamen Industrieparks, die wegen palästinensischer Terroranschläge leider geschlossen werden mußten. Stef Wertheimer preist seit Jahrzehnten seine Idee an, im gesamten Nahen Osten Industrieparks wie sein vorbildliches Tefen zu errichten. Israel sitzt in den Startlöchern und würde gern, auch viele in der arabischen Welt würden eigentlich gern… aber sie haben Angst, dann von Irren angegriffen oder boykottiert zu werden.

In den palästinensischen Gebieten werden sog, Kollaborateure ermordet.

9. Ima - Oktober 21, 2012, 11:52

Zitat von Yitzhak Rothstein
„Da ist die Lage so verfahren. Die Golanhöhen zum Beispiel: das Quellgebiet des Jordan: wer da sitzt,ist Herr über das Wasser.………“

Ach ja, mal wieder das Märchen vom Land- und Wasserräuber Israel.

Ich frage mich immer ob es lohnt sich mit diesen Lügengeschichten auseinanderzusetzen oder ist dies vergebliche Liebesmühe.

Daher der Einfachheit nur dieser aktuelle Artikel
http://www.israelheute.com/Nachrichten/tabid/179/nid/24999/Default.aspx

10. Lila - Oktober 21, 2012, 14:40

Och, vergiß es einfach, es ist noch nie gelungen, einen von der Israel-ist-an-allem-schuld-Fraktion von der Wahrheit zu überzeugen.

Lieber mal hier lesen:

http://www.welt.de/politik/ausland/article110063475/Besser-als-Krieg-Der-palaestinensische-Internet-Boom.html

Yadin Kaufmann jedenfalls wittert ein großes Geschäft, und der in Harvard ausgebildete Israeli hat schon einmal sehr gutes Gespür bewiesen. Als Kaufmann Ende der 80er-Jahre Verita Venture Partners gründete, um in junge israelische Firmen der Technologiebranche zu investieren, erklärten ihn viele für verrückt. Eine Technologieindustrie gab es in Israel damals so gut wie gar nicht, die labile Sicherheitslage schreckte ausländische Investoren ab. Kaufmann sollte recht behalten und machte ein lukratives Geschäft mit Garagen-Firmen, die bald Milliarden wert waren.

Jetzt glaubt der 51-Jährige, dass die Zukunft einige Kilometer weiter östlich liegt – im Westjordanland. Gemeinsam mit seinem palästinensischen Partner, dem ehemaligen Microsoft-Programmierer Saed Nashef, hat er fast 30 Millionen Dollar für den ersten palästinensischen Wagniskapital-Fonds „Sadara“ gesammelt. Das sei nicht wirklich viel Geld, gibt er zu. Aber da der Sektor in Palästina noch in den Kinderschuhen stecke, könne man damit schon etwas erreichen.

….

Wenn man ihn (einen Unternehmer namens Zaher) nach der größten Gefahr für seine Firma fragt, spricht er nicht etwa von der israelischen Besatzung, sondern ausgerechnet von der Omnipräsenz internationaler Helfer. „Ich glaube daran, dass Palästina nicht durch Hilfsorganisationen auf die Beine kommt, sondern über den Privatsektor“, sagt der Jungunternehmer. Die Nichtregierungsorganisationen allerdings würden den Markt verzerren: „Sie zahlen 1500 Dollar Gehalt, während wir im Privatsektor gerade mal 500 bis 700 Dollar zahlen können.“
.
….

Auf jeden Fall lesenswert und wie ich finde GENAU der richtige Weg für die Palästinenser. Make progress, not terror.


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