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Ausnahmsweise Oktober 9, 2012, 21:43

Posted by Lila in Presseschau.
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hab ich mal um acht die Nachrichten geguckt. Es war klar, daß es heute interessant wird. Tatsächlich hat Bibi um kurz nach acht seinen Quadratschädel gedankenvoll geneigt in die Kameras gehalten, seine Regierung nach Kräften gelobt, sich selbst ein bißchen mit, und dann Neuwahlen angekündigt. Wir wußten ja, daß es kommt, und  es ist die längste Zeit, die eine Regierung durchgehalten hat in den letzten Wahlperioden. Also gut.

Die Ankerdame schaltete dann rasant von einem Politikergesicht zum nächsten, um zu hören, wie auch diese sich selbst nach Kräften anpreisen, und meinte trocken, „ich sehe, es ist schon Wahlkampf“. Mofas (der meiner Einschätzung nach Kadima endgültig in den Boden fahren wird) erwähnte seinen Ruhm als Ramatkal, Shelly ihre Leistung bei der Reanimation der alten Avoda-Partei, Lieberman war wohl nicht erreichbar (oder wurde gar nicht erst angerufen…), Eli Yishai vermerkte mit kaum verhülltem Ärger, daß alle nur wissen wollen, ob er seinen Stuhl für Arie Deri räumt, und Yair Lapid gab eine etwas unzusammenhängende Rede über die Notwendigkeit, das politische System zu ändern…. obwohl das gar nicht zur Wahl steht…. bis schließlich die Reihe an Barak kam.

Dessen politische Karriere blüht und gedeiht ungefähr so prächtig wie die von Mofas und Zipi Livni, sprich, er kann schon anfangen, Kränze zu winden. Das hinderte ihn nicht, mit der Ankerdame zu scherzen, daß sie ja so wunderbar guter Laune sein. Klar, meinte die, heute gibt´s mal Arbeit! Als ob es sonst an Nachrichten mangelte… Barak pries sein Parteichen an wie die feinen Damen im Einkaufszentrum die Zauberfeilen, mit denen man sich mühelos die Beine enthaaren kann. Ungefähr so viele Wähler wie diese Damen wird er bestenfalls wohl auch überzeugen können. Der Mann muß, wie man auf Hebräisch sagt, „im Film“ leben, wenn er glaubt, daß irgendjemand ihn wählt. Er war ein brillianter Soldat, aber das ist schon ein paar Jahre her – und seitdem hat er einen Schiffbruch nach dem anderen zu verantworten. Jetzt hat er sich noch mit seinem alten Kameraden und Rivalen Bibi überworfen, als hätte er ihn nicht nötig… aber er klang, als wäre er noch die große Hoffnung am politischen Horizont.

Zipi hat keine politische Funktion und wurde auch nicht interviewt, auch die Vertreter kleineren Parteien nicht. Die Medien, also zumindest Channel 2, versuchen wohl so zu tun, als könnte wirklich jemand Bibi aushebeln. Das wird wohl nicht möglich sein, weder Yair Lapid noch Shelly und erst recht nicht Mofas oder Barak werden mehr Stimmen auf sich versammeln. Es kann sein, daß Meretz gänzlich abwrackt und diese Stimmen, sowieso nicht viele, an die Avoda gehen. Mal gucken, wie im Kibbuz gewählt werden wird.

Worauf man hoffen kann? Auf eine Koalition, in der mehr Zentrum vertreten ist, weniger Siedler, weniger Religiöse (oder wenn, dann einer, der auch Nicht-Religiöse mitbedenkt). Auf einen Außenminister, bei dessen Anblick die Leute nicht zusammenzucken, und der nicht mitten in einem Radio-Interview die Klospülung betätigt. Auf einen Finanzminister mit ein paar eigenen Ideen (Steinitz machte von Anfang an eine unglückliche Figur), der nicht immer automatisch die Hand in Richtung Mittelschicht ausstreckt, wenn ihm Geld fehlt. Daß Saar ein so blasser Bildungsminister sein würde, hat mich etwas enttäuscht – ich hatte ihm mehr zugetraut, eigentlich. Auch von Benny Begin, den ich immer geschätzt habe als Persönlichkeit, hat man nichts mitbekommen, ebenfalls nicht von Dan Meridor. Intelligente Leute, vielleicht haben sie im Hintergrund was bewirkt?

Wen würde ich besetzen? Ich hoffe ehrlich gesagt auf ein paar neue Gesichter.  Oh, und ich würde Arie Eldar zum Gesundheitsminister machen, weil der wie ein Löwe für richtige Prioritäten kämpfen würde, ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit, das traue ich ihm zumindest zu.  Das Gesundheitssystem braucht jemanden, der weiß, wo was gebraucht wird. Ansonsten müssen wir erst mal gucken, wie die Wahlen ausgehen und welche Koalition zusammengemaggelt wird. Und ich würde mal ernsthaft überlegen, arabischen Knesset-Mitgliedern wichtigere Positionen zu geben. Kritisieren ist leicht, Bessermachen schon schwieriger. Drum halt ich jetzt auch mal lieber den Mund:-)

Kommentare

1. Silke - Oktober 10, 2012, 0:04

und um Dir gleich die Laune zu verhageln die Frage, kann es sein, daß das hier schon Teil auch Eures Wahlkampfs ist? (ich meine Jeffrey Goldberg hätte David Rothkopf mal warm empfohlen, aber das ist auch schon alles, was mir zu dem Namen einfällt und das Magazin, in dem der Artikel steht, gehört nicht zu „meinen“)

http://www.foreignpolicy.com/articles/2012/10/08/wanted_a_truly_credible_military_threat_to_iran?page=full

Indeed, according to a source close to the discussions, the action that participants currently see as most likely is a joint U.S.-Israeli surgical strike targeting Iranian enrichment facilities.

Ich bekenne mich ja zu ner Schwäche für Lieberman (der hat uns Guido damals einfach zu schön ausgebremst), aber jenseits davon, frage ich mich schon, wo kriegt ihr einen her, der als Punchball beliebter ist und wenn Ashton ne Schwäche für ihn hat, dann wird die eher noch biestiger, wenn man ihr diese Sternminuten in ihrem Dasein nimmt.

2. vered - Oktober 10, 2012, 11:20

Lila, du machst mir den Tag mit deiner Schilderung des gestrigen Jahrmarkts der Eitelkeiten. Mangels TV habe ich ihn nicht gesehen, aber dank dir kann ich mir das Theater wie live vorstellen. Quadratschädel! Eise bidur! Unbezahlbar.auch die Übrigen, Ishai, Barak, Bösermann. .- Was meinst du, wird Olmert antreten oder nicht? Wenn Dery rennen darf, könnte er auch, oder? Dreck am Stecken ist doch kein Hindernis in der Politik?
Sag an, was ist eine Ankerdame? Ich weiss es nicht, auch der Online-Duden nicht.

3. zimtapfel - Oktober 10, 2012, 12:49

@vered: Ich vermute in der Ankerdame das weibliche Pendant zum „Anchorman“.:-)

4. Lila - Oktober 10, 2012, 12:55

Eine Ankerdame, na das ist ein weiblicher anchor man, in diesem Falle also Yonit Levi, die ich sehr angenehm unterkühlt finde.

Böserman:-) hat aus seinem Job nicht viel machen können. Außer dem Dauerflirt mit der Baronin Ashton. Vielleicht kann er ja bei ihr Jagdhüter werden, wenn alle Seile reißen…

Olmert will rennen, Dery auch. Dreck am Stecken ist geradezu Vorbedingung. Bei beiden war auch das Geschrei größer als hinterher die Befunde. Ich weiß nicht, ob für solche Sachen in Deutschland jemand angeklagt würde – hab so das Gefühl, Schröder zB würde ganz andere Dinger erzählen können. Eine komische Sache mit Olmert. Er hat es sich einfach mit allen verdorben und hat im Dschungel Jerusalem wohl etwas die Orientierung verloren. Too clever by half – Rechtsanwalt eben.

Mir hat mal jemand eine komplette Verschwörungstheorie zum Thema Olmert erzählt, weiß die Einzelheiten nicht mehr, weiß auch nicht, ob was dran ist. Ich wüßte zu gern mal die ganze Wahrheit. Aber ein politisches Comeback – hm, reicht es dafür? Er müßte sich ins Zeug legen wie blöd, um die Talansky-Briefumschlag-Assoziationen vergessen zu machen. Er wäre aber für die politische Mitte eine Möglichkeit. Er könnte eigentlich mit jedem und allem koalieren. (Frage ist nur: was dann?)

Und Dery hat unleugbar Charme. Ich bin ja sonst Charme gegenüber sehr mißtrauisch und ziehe uncharmante Menschen vor, aber Dery ist der einzige religiöse Politiker, bei dem ich das Gefühl habe, er hat nicht nur Partikularinteressen im Kopf. Vielleicht spinne ich und überschätz ihn, weil er Pfeife raucht und so ein hübsches resh hat. Meinetwegen kann er ruhig zurückkommen, und dann vernünftige Sozialpolitik machen. The proof is in the pudding. Nicht nur in den religiösen Rosinen.

Man traut sich ja kaum, es zu erzählen, aber neulich komm ich durchs Wohnzimmer und sehe, daß Y. fernsieht, irgendwas in der Knesset. Ich sage so, „na, was ist denn das für eine Versammlung von Religiösen, ist heut ein Fest?“, und er so, „äh, nee, das ist der Finanzausschuß….“😀

5. Arthur - Oktober 10, 2012, 13:39

dery hat wohl mehr die eigenen partikularinteressen im Kopf als die seiner Gruppe oder Partei. Aber ob das viel besser ist? Ich finde, einmal bestochen, immer draussen. Adieu Olmert, Adieu Bibi, adieu Dery und wie sie alle heissen…

6. Lila - Oktober 10, 2012, 13:45

Ja, dann wird´s leer in der Knesset… dann sind ganze Parteien draußen, Shas zuallererst.

7. Arthur - Oktober 10, 2012, 14:57

ja, klar, adieu Rabin, adieu ben Gurion, aber die sind sowieso schon tot…

Oder ist Bestechung in israel eine notwendige Voraussetzung, um gewählt zu werden – nur ein Freier lässt sich nicht bestechen oder so?

8. Lila - Oktober 10, 2012, 15:27

Warum meinst Du, daß Israel da anders ist als andere Länder? In Israel funktioniert wenigstens das Justizsystem.

Meinst Du nicht, daß es auch in Deutschland Filz gibt, Affären aller Art, und vor allen Dingen viele Grauzonen? Daß vieles auch daran liegt, wie sich jemand vermarktet? Ich denke manchmal, hätte ein Herr Wulff sich geschickter verhalten, wäre alles ganz anders gelaufen. Diese ganzen Übertretungen hätten auch als läßliche Lappalie durchgehen können. Es war seine Haltung dazu, die die Leute schockiert hat.

Aber allein schon die erschwindelten akademischen Titel, von denen wir auf einmal mehr und mehr erfahren…. Manches muß man eben erstmal überhaupt entdecken und unter die Lupe nehmen, um zu erkennen, wie viele Unredlichkeiten abgelaufen sind im Laufe der Jahr.

Und wenn ich an die EU denke, an die vielen nicht gewählten Bürokraten, die man nicht mit Namen kennt und durch deren Hände so viel Geld, so viel Einflußmöglichkeiten gehen… kannst Du dafür die Hand ins Feuer legen?

In die Politik gehen ehrgeizige und damit grundsätzlich verführbare Menschen. Es wird auch von ihnen erwartet, daß sie eine gewisse Nähe zur Industrie, zu einflußreichen Gremien pflegen, natürlich zum Nutzen „der Bürger“. Die einen haben die Gewerkschaften, die anderen die IHK, alle suchen nach gemeinsamen Interessen.

In Deutschland bestehen auch enge Verbindungen zwischen Parteien, Hochschulen, kulturellen Einrichtungen, der Industrie und allen möglichen Interessenverbänden. Deswegen wechseln manche Leute auch von einer Branche in die andere. Solange sich alle an die Regeln halten, ist das ja auch okay. Aber Regeln haben manchmal unscharfe Ränder. Oder bei einem Verdacht auf Regelverstoß verhält sich jemand so ungeschickt, daß er vorverurteilt wird.

In Israel jedenfalls geht die Justiz inzwischen ziemlich bandagenfrei mit solchen Fällen um. Manche Prozesse gehen mit einer Verurteilung aus, wie im Falle Hirschson oder Katzav, andere eher wie´s Hornberger Schießen, wenn sich herausstellt, daß doch nicht alle Medienberichte ganz exakt waren.

Ich finde diesen arroganten Ton Israel gegenüber jedenfalls unangebracht. Ich s schon mitgekriegt, daß manche deutschen Beobachter den Ausgang des Olmert-Prozesses als Beweis dafür sahen, daß die israelische Justiz eben doch nicht zubeißt. Während Wuff seinen Ehrensold verzehrt und Hirschson irgendwo Tüten klebt…

9. Arthur - Oktober 10, 2012, 15:36

Dass jemand wie Olmert oder Deri nach Verurteilung wieder frisch und munter in der Politik weiter macht, finde ich stossend. Gilt aber auch für bibi oder Rabin…

Ich finde, man sollte wenigstens die Verurteilten ausschliessen und neue suchen…

In vielen Ländern verliert man, wenn man verurteilt wird, für einige Zeit das passive Wahlrecht. Das finde ich richtig!

Dass es dann immer noch genug gibt, die sich nicht erwischen lassen, ist ein anderes Problem. Aber kein Grund, die Erwischten wieder zu wählen…

10. Claudio Casula - Oktober 10, 2012, 16:03

Yonit Levi?! Außen rot, und innen auch. Wobei das Äußere durchaus zu gefallen weiß.

11. Lila - Oktober 10, 2012, 16:11

Rabin ist zurückgetreten, als entdeckt wurde, daß seine Frau noch ein Konto in den USA beibehalten hatte, was damals in Israel verboten war. Die Rabins haben ja eine Weile in den USA gelebt. Heutzutage würde kein Mensch wegen sowas zurücktreten.

Bibi ist nicht wegen Korruption verurteilt worden.

Die Vorwürfe gegen Olmert haben sich als weniger gravierend herausgestellt als befürchtet. Deri hat seine Zeit abgesessen.

In Israel gibt es durchaus ein Gesetz, das bestimmte Straftaten mit einem sog. kalon belegt, sie sind schändlich. Wer eine solche schändliche Tat begangen hat, ist entweder für einen bestimmten Zeitraum oder lebenslang vom politischen Leben ausgeschlossen und darf kein öffentliches Amt mehr übernehmen.

Ich nehme an, Du wußtest von dieser Regelung nichts.

Im Falle Olmerts wundert es mich auch, daß die Medien schreiben, der Mann könnte Bibi gefährlich werden. Das sehe ich nicht so. Er ist überhaupt nur gewählt worden, weil Sharon so plötzlich ausfiel, und er versprach, Sharons Linie weiterzumachen. Er war nie beliebt. Mit dem Libanonkrieg II, den unklar formulierten Kriegszielen, der Kriegsführung unter Mißachtung aller ausgearbeiteten Strategien, den schweren Fehlentscheidungen, hat Olmert sich um Kopf und Kragen gebracht in der israelischen Wählergunst.

Und obwohl vermutlich ein Großteil der Medienberichte über seine diversen Verfehlungen unverhältnismäßig aufgeblasen wurden (wie man das aus ähnlichen Konstellationen auch in anderen Ländern kennt), hat er immer noch genügend Dreck am Stecken, um die meisten seiner früheren Wähler abzuschrecken. Das ist zumindest meine gänzlich unprofessionelle Einschätzung.

Allerdings: wer über Koalitionen spekulieren will, und das ist israelischer Nationalsport, der kann mit Olmert wie mit einem Joker gedankenspielen. Denn der Mann ist koalitionstechnisch eine eierlegende Wollmilchsau – es gibt kaum eine Partei, die nicht mit ihm in eine Koalition ginge. Aber Kadima halte ich für einen Wegwerfartikel, dessen Zeit abgelaufen ist. Schade eigentlich, denn Israel braucht eigentlich eine Partei der Mitte, weswegen es unzählige Versuche gegeben hat, eine solche zu gründen.

Aber sie scheitern alle ebendaran, daß sie doch kein richtiges Profil haben, allen alles versprechen und sich dann zwischen den Fronten aufreiben.

12. Lila - Oktober 10, 2012, 16:21

Hm, Claudio, ich seh sie nicht oft genug, um das beurteilen zu können. Auch Journalisten haben eben Meinungen, und viele Journalisten nicht nur in Israel tendieren eben in Richtung links der Mitte… das macht aber Roni Daniel alles wieder wett:-) (Es herrscht ja kein Mangel an Neoliberalen wie Nehemia Strasler, der Bibis Wirtschaftspolitik begeistert preist, und mehrere religiöse Journalisten gibt es auch… )

Ich finde die Latma-Parodien jedenfalls äußerst lahm und langweilig.

In Interviews jedenfalls habe ich nicht gesehen, daß Levi linke Politiker behutsamer anfaßt als rechte. Und sonst anchort sie ja nur, hat also selten Gelegenheit, anders als durch Intonation oder Hochziehen der Augenbrauen eine Meinung kundzutun. Und ob sie damit das Volk manipuliert? Soooo doof sind die Leute ja nun auch wieder nicht.

Äh, hoffe ich mal.

PS: Hast Du ihre Reportage über die Familien gesehen, die aus dem Gazastreifen geräumt wurden? http://www.youtube.com/watch?v=CMMQJvNUFtw&feature=relmfu Sehr empathisch und fair. Wirklich eine sehr traurige Geschichte.

13. Silke - Oktober 10, 2012, 16:45

Gestern habe ich gehört, daß auch in Hannover die Ermittlungen gegen Wulff eingestellt wurden. Somit ist nix übrig geblieben von dem ganzen Bohai?

Ich persönlich hänge der Verschwörungstheorie an, daß er geschasst wurde, weil er gesagt hat, der Islam gehöre zu Deutschland.

Er war ungeschickt und vermutlich ziemlich unhelle, vielleicht mochten ihn aber auch seine Beamten nicht, was auch immer

Unser neuer Gauck hat Merkel kritisiert, gesagt sie müsse mehr erklären, es dann in nem gemeinsamen Auftritt mit Helmut Schmidt zurückgenommen, so habe er es nicht gemeint und als Nächstes wohl die Politiker allgemein ermahnt, sie müßten erklären.

Große Aufregung, nein der Mann ist ja angeblich so eine Geistesleuchte, da kann man seufzen vor Seligkeit.

Das ärgert mich am meisten, daß die Medien immer wieder versuchen, mir eher schlichte Gemüter als Genies anzudrehen.

14. Arthur - Oktober 10, 2012, 16:58

Olmert hatte doch schon als Bürgermeister von Jerusalem seine Korruptionsskandale. Das jetzt ist doch nur „the sequel“…

15. Silke - Oktober 10, 2012, 16:58

was immer mit Euren Politikern los ist, ich hoffe, Ihr segelt nicht mit auf diesem Dampfer.

Helmut Schmidt hat mal vor Jahrzehnten gesagt, daß gewählte Politiker fähig sein müssen, sich beliebt zu machen und, wie jeder aus seinem Alltag wisse, dies nicht eine Eigenschaft sei, die einen Menschen besonders angenehm mache.

Außerdem hat er sich mal dafür verdammt, als Staatsoberhaupt öffentlich geweint zu haben. Er fand es unter den Umständen verzeihlich, daß es ihm passiert sei, finde aber generell, es gehöre sich nicht, daß Bundeskanzler so mit den Emotionen der Wähler rumfuchtele.

Und heute halten sie Händchen und heulen gemeinsam und knutschen ihre Ehefrauen

Wenn mir an Merkel überhaupt was gefällt, dann wie sie ihren Ehemann und ihre Ehe raushält

16. Lila - Oktober 10, 2012, 17:30

Richtig, dieses Geküsse ist so eingerissen, furchtbar. Diesen ganzen POTUS-Family-Kult finde ich ehrlich gesagt abartig. Auch furchtbar unfair den Familien gegenüber. Meine Güte, Pubertät ist so schon schwierig genug, aber dann noch im Weißen Haus? Ein Albtraum.

Immer, wenn ich einen Politiker sehe, der wie in Jugendzeiten händchenhaltend, dabei aber mit routiniertem Lächeln und distanzierter Körpersprache aus einem Flugzeug klettert, krieg ich zuviel. Diese ganzen Anekdoten seiner Töchter, die Obama ständig von sich gibt – ich würde mich nicht wundern, wenn eine von ihnen mit der Axt auf ihn losgeht, ich hätte vollstes Verständnis dafür, obwohl ich sonst nicht zu Gewalt neige. Romney zerrt selbst seine Enkel mit auf die Bühne. Was soll das?

Inbegriff der Politikergattin als Opfer der Inszenierungen ihres Mannes ist für mich heute rückblickend Frau Kohl. Die amerikanischen Gattinnen machen das freiwillig und denken sich anscheinend nichts dabei. Michelle Obama hat sich in London durch die gesamte Olympiamannschaft geküßt, da wußte ich nicht, ob ich sie bewundern, bedauern oder für verrückt erklären sollte.

Gott sei Dank, in Israel sind wir noch nicht so weit, auch wenn Bibi in seiner ersten Amtszeit unheimliche Anstrengungen gemacht hat, uns seine Frau aufzudrängen. Das ist nach hinten losgegangen, heute versteckt er sie eher. Peres halte ich zugute, daß ich nicht mal weiß, wie seine Frau aussah.

Und kann mir mal einer erklären, wie Helmut Schmidt es fertiggebracht hat, zum Lieblingsonkel und Orakel der Nation zu werden? Mir fehlen da ein paar Jahrzehnte. Elder statesman schön und gut, ich höre jedem gern zu, aber die Ehrfurcht, mit dem Schmidts Worte aufgenommen wurden, verblüfft mich schon etwas. Was ist daran echt?

17. Silke - Oktober 10, 2012, 18:27

Michelle Obama hat sich in London durch die gesamte Olympiamannschaft geküßt

also als Bewunderin von schönem Mannsvolk, hätte ich da vielleicht auch schwach werden können.😉 obwohl Merkel’s Besuch in der Umkleidekabine unserer Fußballstars mir viele Illusionen geraubt hat, was bei manchen von diesen hier ganz anders ist.

http://www.spiegel.de/fotostrecke/freiwillige-feuerwehr-bad-laer-macht-oben-ohne-kalender-fotostrecke-88249.html

Was Schmidt anlangt, ich habe mir diese gemeinsame Show mit Gauck angesehen, der Mann ist alt, sehr alt und wenn man ihn überhaupt anhören will, dann sollte man sehr viel Zeit mitbringen.

In dem Gespräch mit Gauck hat er versucht, das gigantische Bevölkerungswachstum in unserer Lebenszeit zum Thema zu machen. (ich erinnere mich, daß Städte mit 2 Mio Einwohnern noch Ooh und Aah auslösten, heute gehören die schon beinahe zu den Kleinstädten) Das wäre in der Tat interessant, darüber mal rumzuspinnen, aber das interessiert keine Sau, außer als Basis für das Lamento, daß „wir“ zu wenig Kinder kriegen möglichst noch kombiniert damit, daß es die falschen Frauen tun. Ich interessiere mich erst wieder für das Thema Demografie, wenn ich mal einen rumspinnen höre, ob eine Gesellschaft, die nur die Kinder kriegt, die sie auch ausgezeichnet ausgebildet ins Leben schicken kann, nicht auch ein paar Vorteile hat.

Die beiden Schmidt’schen Bemerkungen, die ich oben aufgeführt habe, sind lange lange her und ich halte sie immer noch für bedenkenswert.

Was Obama und MIchelle anlangt, so gefiel mir ganz besonders das Titelbild von ihrem ersten Wahlkampf, wo er hinter ihr war und ganz verführerisch an ihrem Ohrwascherl zu nagen schien und dann natürlich das Foto, wo er auf Hawaii den Wellen entsteigt (obwohl diese totale Brusthaarlosigkeit nicht mein Ideal ist).

18. Jack - Oktober 10, 2012, 20:00

(8.)
„Es war seine Haltung dazu, die die Leute schockiert hat.“

Ne, schockierend war die Haltung der bzw. vieler Leute, die nur allzu gerne von sich selber abgelenkt haben. Die Gier danach war schon unglaublich. Das Problem ist, sie merken’s scheinbar nicht mal.
Aber ich.:-)

Und was ist eigentlich mit dieser Annette Schavan, die hat an anderer Stelle mit ihrem Zeigefinger doch so richtig auf Karl-Theodor gezeigt, sicherlich um sich selber dabei (nicht) zu vergessen, daß auch sie abgeschrieben hatte.
So was lob ich mir – nicht.

Aber der Grund für Annettes ’Nichtberücksichtigung’ ihrer Verfehlung liegt auf der Hand, denn er ist ein überaus ordinärer und widerlich gewöhnlicher: Denn er ist typisch.

19. grenzgaenge - Oktober 11, 2012, 21:49

Liebe Lila,

ich finde diesen Artikel sehr interessant. Habe das auch gerade bei mir verlinkt.

http://embassies.gov.il/berlin/NewsAndEvents/Kommentare/Pages/Ein-juedischer-Staat-aller-seiner-Buerger.aspx

Beste Grüsse,
Der Grenzgänger

20. A.mOr - Oktober 12, 2012, 11:20

Claudio Casula (#10)
Yesss – you’re right!😉


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