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Seit Jahr und Tag Oktober 5, 2012, 18:18

Posted by Lila in Presseschau, Qassamticker (incl. Gradraketen).
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spekulier ich so vor mich hin, was wohl ein anderes Land als Israel täte, wenn es so großzügig und über Jahre hinweg mit Mörsergranaten, Grads und Qassams bedacht würde wie unsereiner. Wie lange hat Israel Beschuß an der Nordgrenze hingenommen, bis es zu einer Reaktion kam? Die Einwohner von Metulla und Kiriat Shmoma können ein Lied davon singen. Und im Süden? Seit wie vielen Jahren werden Sderot und die Kibbuzim an der Grenze zum Gazastreifen beschossen? Zehn Jahre? Neun? Seit Jahren.

Dort gehen Kinder in die Schule, die gar keine andere Realität kennen. In den letzten Jahren ging der Beschuß immer weiter nördlich, Ashdod, Ashqelon. Nur dem Zivilschutz und dem shomer Yisrael ist es zu danken, daß nicht schon viel mehr Menschen gestorben sind – auch so ist die Bilanz bitter.

Osher Twito, dem eine Qassam-Rakete beide Beine abgerissen hat

Und wie oft habe ich im Blog so überlegt, wie lange die Rheinländer wohl bräuchten, um die Nachbarn jenseits der Grenze zur Räson zu bringen, wenn die auf die Idee kämen, Rübenäcker und Braunkohlelöcher mit “selbstgebastelten Mini-Raketen” zu bedenken. (Preisfrage: wer bastelt eigentlich Grad-Raketen zuhause? im Hobbykeller? gibt es da so Kästen für, “Mein erstes Grad-Bauset”, oder wie stellen die Schreiber solcher Zeilen sich das vor?)

Nun, was die Rheinländer angeht, weiß ich es nicht und werde es wohl hoffentlich in diesem Leben auch nicht mehr erfahren. Jedoch die Türken, ja genau, die Türken, die selbst eine Seeblockade als Maßnahme gegen Raketenschießer unmenschlich fanden, ebendiese Türken haben mir die Antwort gegeben.

Genau eine Mörserrakete. Eine todbringende. Eine versehentlich abgeschossene. Für die es hinterher eine Entschuldigung gab. Aber den Türken hat sie gereicht.

Qassam-Kollektion auf der Polizeiwache von Sderot – ein Bruchteil der im Süden gelandeten Raketen

Kommentare

1. rhadamanthys - Oktober 5, 2012, 21:02

Die Türkei protestiert ja auch gegen israelische Luftangriffe in Gaza und fliegt seit langem selber welche gegen die Kurden. Also keine wirklich neue Erkenntnis.

Übrigens, Mörser verschießen Granaten und keine Raketen.

2. willow - Oktober 5, 2012, 21:17

Aber Lila, *diese* Mörsergranate wurde dich nicht von den Menschenrechtsorganisationen Hamas oder Hisbollah und auch nicht auf Israel abgefeuert, das ist etwas *gaaaanz* Anderes … :-(

3. Paul - Oktober 5, 2012, 22:26

Ja, es ist unfassbar, was Israel und seine Bevölkerung durch den Raketenbeschuss aushalten müssen. Habe leider einen aktuellen Raketenkalender nicht gefunden.
Aber in den Israel Nachrichten wurde veröffentlicht, dass 2012 bis Anfang September 255 Raketen auf Israel abgeschossen wurden. Inzwischen dürften es bestimmt schon fast 500 sein.
(Die Berichterstattung erinnert mich an Remarque. Wenn an einem Tag mal nur eine Rakete am Tag einschlägt: “In Israel nichts Neues”.)

Was soll Israel in dieser Situation machen?
Ehrlich, ich weiss es nicht und werde mich auch hüten aus der sicheren Entfernung Ratschläge zu erteilen. Das hat mich die Bloggerei gelehrt, dass ich dazu wohl eine private Meinung haben darf, aber nicht berechtigt bin, der israelischeb Regierung Ratschläge zu erteilen.

Was ich tun würde, wenn ich an der Regierung wäre, wüsste ich schon.
Ob das aber zum Segen für Israel wäre???

4. Lila - Oktober 5, 2012, 22:44

Zu 1., entschuldige, selbstverständlich, hab gerade Kraut und Rüben im Kopp ….. herrje.

Ja, was sollen wir machen, keine Ahnung, keiner hat eine richtige Antwort.

Vieles von dem, was hier passiert, schreib ich gar nicht hin, die Zeit ist knapp, das Leben gestopft voll, und es ist alles deprimierend.

Irgendwie liegt mal wieder der Geruch von Neuwahlen in der Luft. Yair Lapid, Yesh Atid, läuft sich schon warm. (Daß jemand eine Partei gründet, deren Name sich auf seinen reimt, ist für mich schon ein ausreichender Grund, ihn NICHT zu wählen…. ) Aber vielleicht bild ich mir das nur ein?

Egal wer an der Regierung ist – eine Lösung hat keiner. Wir arrangieren uns mit dem Konflikt, wohl oder übel.

5. pamesch - Oktober 6, 2012, 12:19

….. ich will mir das Ende Oktober mal in Sderot anschauen, ein Solidaritätsbesuch ist fällig. Wer macht mit?

6. flx - Oktober 6, 2012, 17:35

“Daß jemand eine Partei gründet, deren Name sich auf seinen reimt, ist für mich schon ein ausreichender Grund, ihn NICHT zu wählen…. ”

Ach, wenn das das wichtigste Kriterium wäre, hätten wir ja keine Sorgen…

7. grenzgaenge - Oktober 6, 2012, 18:09

Also ich bin immer noch der Meinung Israel täte gut daran, weniger grosszügig auf den Terror zu reagieren. Das Signal der Nachgiebigkeit scheint mir falsch zu sein. Was ist im Süden Israels passiert, nachdem der Gaza-Streifen geräumt worden ist ? Sollte eine Demokratie nicht, um jeden Preis, ihre Bürger schützen ?

8. Piet - Oktober 6, 2012, 18:12

«Eine versehentlich abgeschossene. Für die es hinterher eine Entschuldigung gab. Aber den Türken hat sie gereicht.»

Genau den Gedanken hatte ich auch. Ich hoffe ja immer, dass es keine Gelegenheit mehr geben wird, die Türkei an ihr eigenes Handeln erinnern zu müssen… :-/

Bemerkenswert übrigens auch die Berichterstattung über den Angriff, auch hier lohnen sich Vergleiche. ;)

9. noa50 - Oktober 6, 2012, 19:16

Ach Lila… du nimmst mir das aus dem Mund.. ich wollte eigentlich sofort einen aehnlcihen Beitrag dazu verfassen, als ich das von der Tuerkei las, “wir lassen uns nicht gefallen, dass man auf unser Territorium schiesst”.. hahaaaa… hab ich gedacht, aber Israel ist sooo geduldig und muss sich hinterher (nach der 1000. Rakete) sagen lassen, es reagiert “UNVERHAELTNISMAESSIG”, ja nicht einmal Auge um Auge… wie die Tuerkei..
ich hab auch nur den Kopf geschuettelt, weil natuerlich niemand die Tuerkei verurteilt. Ist ja auch zu verstehen…
Noa

10. Margot - Oktober 6, 2012, 20:24

Ich habe mich bereits an anderer Stelle im Internet dazu geäußert, wie selbstverständlich und sofort die Türkei gen Syrien zurückgeschossen hat. Heute tat sie es auch wieder, weil eine Rakete über die syrische Grenze geschossen wurde. Selbstverständlich ist das ihr gutes Recht. Wie wir aus der Presse erfahren, wundert sich auch niemand, sondern man befürwortet, dass die Türkei sich wehrt. Nur wenn Israel von Gaza her mehrmals in der Woche beschossen wird und dann nach Tagen auch mal einen Angriff zurück startet, regt die Welt sich stets auf. Vielleicht geht jetzt mal einigen Politikern ein Licht auf und man kapiert, in welchem Dauerkonflikt sich Israel mit seinen palästinensischen Nachbarn befindet. Dass diese “lieben” Nachbarn regelrecht darauf abzielen (im wahrsten Sinne des Wortes), mit ihrem Beschuss nicht aufzuhören. Wann hat die UN mal die Palästinenser in die Schranken gewiesen? Mit Syrien taten sie es sofort.
Hier wird ganz offensichtlich mit zweierlei Mass gerechnet, was ja leider nicht neu ist.
Margot

11. A.mOr - Oktober 6, 2012, 20:27

Das nennt sich „Weltpolitik“, damit hat der Staat Israel nur zu tun, wenn Günter Grass es entdeckt, oder die Syrer… mal an der Grenze vorbeigrüßen mit der Waffe im possierlichen Anschlag.
Jepp, eine bittere Bilanz!

(OT) Nachrichten aus Schweden.

(Fundort, zB:
http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2012/10/06/sei-stark-tu-es/)

schawua tow (ale.hem).

12. Wolfram - Oktober 6, 2012, 23:22

Na ja, weißt du, die Türkei ist ein vollgültiger Staat nach Recht und Gesetz, Israel ist nur ein illegaler Okkupant (und wer weiß, vielleicht wollen die Türken ja auch die Oberhoheit dort zurückgewinnen, die sie zu Kalifenzeiten an die Briten verloren). Das kann man ja nun beim besten Willen nicht vergleichen!

Wer Ironie findet, darf sich dran freuen.

13. Lila - Oktober 7, 2012, 14:08

Wenn ich daran denke, daß der deutsche Bundestag damals einstimmig sich auf die Seite der Türkei gestellt hat – bei einem Konflikt, der von der Türkei aus reiner Heuchelei und Feindseligkeit zu Israel inszeniert war, ohne auch nur den Hauch einer Berechtigung – mit der lächerlichen “Hilfsgüter-Fracht” abgelaufener Medikamente… nachdem Israel Tausende von Raketen aus dem Gazastreifen kassiert hat….

Wäre es nicht an der Zeit, daß der deutsche Bundestag mal in sich ginge und sich fragte, welche Reflexe damals zum Vorschein kamen, noch bevor überhaupt alle Fakten geklärt waren? ob es wirklich berechtigt war, den türkischen Protest gegen eine israelische Selbstverteidigung, die die Türkei für sich selbst in Anspruch nimmt, so fraglos zu unterstützen?

Warum ist eine Blockade mit kontrollierter Lieferung von Gütern auf dem Landweg, diese defensive Maßnahme, strikt zu verurteilen?

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/resolution-im-bundestag-israel-muss-gaza-blockade-beenden-11008563.html

14. Piet - Oktober 7, 2012, 14:28

Nun sind erneut Freizeitschipper aufgebrochen (ein schwedisches Schiff voller Widerständler), um Gaza von Italien aus zu befreien. Leider nicht von der Hamas, vermute ich, und auch die ägyptische Grenze werden sie nicht im Blick haben, wenn sie von „Blockade“ sabbeln: The ‘Free Gaza Movement‘ and the Nazi-class Jew haters

15. Wolfram - Oktober 7, 2012, 14:47

Ich hatte letztes Jahr im Juni einen erbitterten Austausch mit dem illustren Jean-Arnold de Clermont gehabt, der auf der Nationalsynode der ERF eine Motion zur Unterstützung einer neuen “Flotte für die Freiheit” eingebracht und leider auch durchbekommen hat. Allerdings mit nicht einer Stimme mehr, als nötig war, um nicht abgelehnt zu werden – vielleicht hat man deshalb nachher nichts mehr davon gehört. Diese Leute sind Idealisten, Freizeitromantiker ohne jeden Sinn für die Realität… und auf dem dicken Geld sitzt JAC auch noch.
Und sein Sohn wird vermutlich mein nächster Regionalpräsident… :-/ aber der ist weniger haute-volaute als ich fürchtete.

Der Bundestag reagiert doch auch nur noch auf Befindlichkeitsgejaule. Was anderes liefern die Medien ja auch nicht mehr; wohin ist eigentlich der Faktenjournalismus meiner Jugend entschwunden? Unter Mauertrümmern versehentlich entsorgt?

16. Neu/Alter Raketenterror « grenzgaenge - Oktober 8, 2012, 13:05

[…] Seit Jahr und Tag spekulier ich so vor mich hin, was wohl ein anderes Land als Israel täte, wenn es so großzügig und über Jahre hinweg mit Mörsergranaten, Grads und Qassams bedacht würde wie unsereiner. Wie lange hat Israel Beschuß an der Nordgrenze hingenommen, bis es zu einer Reaktion kam? Die Einwohner von Metulla und Kiriat Shmoma können ein Lied davon singen. Und im Süden? Seit wie vielen Jahren werden Sderot und die Kibbuzim an der Grenze zum Gazastreifen beschossen? Zehn Jahre? Neun? Seit Jahren. […]

17. grenzgaenge - Oktober 8, 2012, 18:10

Ach ja, es geht und weiter. “55 rockets, mortars hit south”. Quelle. Ynet.

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4289511,00.html

Wie lange wird eine demokratisch gewählte Regierung diesem Wahnsinn zusehen ? Auf der anderen Seite: Was ist die “Lösung” ? Ich hätte ja nichts dagegen den Gaza Streifen einzuäschern und dann mit Siedlungen (Es lebe Gush Katif) zu pflastern. Dann sollte aber nach dem einäschern noch genug Platz für Pflastersteine sein. Nein, ich habe nichts geraucht. Ich träume nur gerade.

(Sieht jemand die Diskrepanz zwischen den Archiv-Bildern aus Gush Katif und der jetzigen Realität ?)

18. colchico - Oktober 8, 2012, 22:20

…; wohin ist eigentlich der Faktenjournalismus meiner Jugend entschwunden? Unter Mauertrümmern versehentlich entsorgt?

Der liegt wohl irgendwo unter der “Perspektivenwiedergabe” begraben. (Keine Ahnung, wie man das auf Deutsch nennt, aber es geht darum, dass Journalisten “den Opfern eine Stimme geben” sollen. Das sei das wahre Kennzeichen einer ethischen Berichterstattung über Konflikte. So hat’s mir jedenfalls ein Dozent an einer Journalistenschule erklärt. Anhand welcher Kriterien man bestimmt, wer in welchem Konflikt das Opfer ist und wovon, konnte er mir allerdings auch nicht sagen.)

19. Silke - Oktober 8, 2012, 22:57

fällt mir gerade ein: Michael Lewis, supererfolgreicher Journalist und Bestsellerautor, hat auch mal ne Journalistenschule besucht und ist alldorten unangenehm aufgefallen, weil er’s nicht richtig gemacht hat.
http://www.tnr.com/article/j-school-confidential

Sein letzter Coup war übrigens eine ausgiebige “Home”story über Barack Obama – hier ist er im Interview bei NPR dazu
http://www.npr.org/2012/09/12/161003362/michael-lewis-studies-obamas-way
Die Story selber gibt’s bei Vanity Fair.

Etwas ist mir dabei aufgefallen, Obama schreit seine Leute beim Basketball an, Lewis erwähnt jedoch nicht, daß seine Leute ihn auch anschreien. Wenn das mit dem Normalsein beim Basketball stimmt, dann müßte er doch eigentlich auch angeschrien werden oder?

Meine große Entdeckung mit dem privaten Internet ab 2000 war der amerikanische Long-Journalism. Der ist, als es den Printmedien anfing, schlecht zu gehen, praktisch von einem Tag auf den anderen verschwunden. Irgendwie vermute ich, daß The Atlantic nicht das einzige Magazin war, daß gemeint hat, seine Stars seien ohne die Sprachwächterin, die sie da hatten und die gleich zu Anfang gefeuert wurde, genauso gut wie ohne. Und drum glaube ich, daß es schlechter geworden ist, weil die Stars jetzt ohne Fußvolk operieren.
Und ich meine, das merkt man sogar stories von solchen Koryphäen wie Michael Lewis an. Ein wirres Stück wie das, das er über seinen Griechenland in der Krise Besuch geschrieben hat, hätte es früher nicht gegeben. Natürlich spielt da vermutlich auch ne Rolle, daß die Reiseetats gekürzt wurden.

20. avra - Oktober 9, 2012, 11:23

@grenzgaenge: “Ich hätte ja nichts dagegen den Gaza Streifen einzuäschern und dann mit Siedlungen (Es lebe Gush Katif) zu pflastern. Dann sollte aber nach dem einäschern noch genug Platz für Pflastersteine sein.”
und weil es immer noch viele gibt die ähnlich denken wie sie (auf beiden seiten), ist eine lösung des konflikts nicht absehbar.

21. Lila - Oktober 9, 2012, 11:39

Ja, Grenzgänger hat mal wieder drastisch übertrieben. Ich bin trotz allem froh, daß wir Gush Katif geräumt haben, die Gründe dafür habe ich oft genug dargelegt. Vom Einäschern halte ich überhaupt nichts. Und was das mit den Pflastersteinen sollte? Keine Ahnung.

Ich gehe auf solche Äußerungen gar nicht mehr ein. Grenzgänger ist es ja nicht selbst, der die Folgen seiner wohlerwogenen Ratschläge ausbaden müßte…. und das werfe ich ihm ungern vor, weil ich weiß, daß er, so er nur könnte, sich brennend gern in jedes Getümel stürzen würde………..

22. willow - Oktober 9, 2012, 11:55

und weil es immer noch viele gibt die ähnlich denken wie sie (auf beiden seiten), ist eine lösung des konflikts nicht absehbar.

Interessant finde ich ja, wie avra anscheinend völlig ausblendet, daß die derzeitige Situation -täglich Raketen und Mörsergranaten- etwas mit dem (Geste des guten Willens, Entgegenkommen, Zugeständnisse gegenüber der arabischen Seite eingehen) Rückzug aller israelischen Soldaten aus dem Gazastreifen zu tun hat, der Räumung aller Siedlungen in diese Gebiet. Meint avra wirklich, Israel müßte nun das Gleiche in all den anderen Gebieten machen, der palästinensischen Seite all das geben was die fordern und dann wäre die Lösung des Konfliktes über Nacht plötzlich “da”?

Ich fürchte, selbst sehr friedenswillige Israeli sind nicht bereit, dieses Risiko einzugehen, das schlicht und ergreifend darin besteht, daß vermutlich innerhalb kürzester Zeit in Nablus, Jenin und Hebron ähnliche Zustände herrschen würden wie im Gazastreifen. Und auch nicht wenige, die -wenn die Voraussetzungen stimmen!- sich lieber heute als morgen den Abzug aus den “Gebieten” wünschen, sind sich schon im klaren darüber, daß die Räumung von Gush Katif dem “normalen” Israeli eben nicht mehr Frieden, mehr Sicherheit gebracht hat – aber immerhin dient dieser Abzug zumindest bei den nicht völlig Verlendeten als Beispiel dafür, daß sich der Konflikt eben *nicht* einfach durch israelisches Entgegenkommen lösen läßt – dafü bräuchte es auch ein Entgegenkommen der arabischen Seite … und da fällt mir gerade kein Beispiel ein.

23. grenzgaenge - Oktober 9, 2012, 11:57

“und das werfe ich ihm ungern vor, weil ich weiß, daß er, so er nur könnte, sich brennend gern in jedes Getümel stürzen würde”

Stimmt, liebe Lila, stimmt !

24. Silke - Oktober 9, 2012, 11:59

in jedes Getümel stürzen würde

sehr sehr gelungene Wortneuschöpfung

25. Lila - Oktober 9, 2012, 13:12

Tja, ich bin eben kreativ :-)

Hier sieht es mehr nach Un-Getümel aus….

26. grenzgaenge - Oktober 9, 2012, 13:16

Nu, der Grenzgänger kann aber auch ganz ungetümelich sein.

http://grenzgaenge.wordpress.com/2012/10/08/das-leben-und-die-kampfer/

Ach Lila, ich vermisse Dein Wohnzimmer :-)

27. Lila - Oktober 9, 2012, 13:20

Na, komm zu Besuch. Wir haben zwar inzwischen ein anderes Wohnzimmer, aber Du bist mir jederzeit willkommen. Kriegst auch den guten löslichen Kaffee, der Willow bleibend traumatisiert hat :-D

28. willow - Oktober 9, 2012, 13:48

Das ließe sich jetzt problemlos als Drohung interpretieren – immerhin stellt Lilas löslicher Kaffee die “letzte Linie” zwischen Hezbollah und Israel dar … ;-)

29. emil weber - Oktober 12, 2012, 7:10

Frag Dich lieber mal, warum das so ist.

Wolfram - Oktober 12, 2012, 8:09

Ruhig, Brauner, ganz ruhig…

30. Piet - Oktober 12, 2012, 9:55

@Emil Weber (#29): Weil…
… Juden (oder in Abstraktion: Der Staat der Juden) schon immer ein bequemer Sündenbock waren?
… Europa/UNO sehr viel Geld zahlt und manche pal. Profiteure eine Einigung so fürchten wie der Teufel das Weihwasser?
… die „revolutionäre“ Daseinsberechtigung wegfiele, die Daseinsberechtigung als „Widerstandsgruppen“ — und die Palästinenser plötzlich richtige Parteien würden haben wollen?
… Schmuggeltunnel und das damit verbundene mafiöse System sehr, sehr viel Geld (und Macht) einbringt?
… weil es immer noch Menschen gibt, die von Großpalästina träumen, vom Fluss bis an das Meer?
… weil es immer noch Menschen gibt, die es nicht ertragen, selbstbestimmte, wehrhafte Juden vor sich zu sehen?
… weil es immer noch Menschen gibt, die sich darüber ärgern, dass die Freundschaft zwischen dem großdeutschen Berlin und dem Großmufti von Jerusalem wg. des frühen Endes des 2. WK in Arabien nicht die gleichen Ergebnisse zeitigte wie die „sehr effektiven“ Judenprogramme in Deutschland?

Es gibt sehr, sehr viele Gründe. Für jemanden, der sich Frieden und ein Miteinander für die Menschen im Nahen Osten wünscht, aber nicht einen, der den Terror rechtfertigen würde.

31. AlphaLimaEchoXray - Oktober 13, 2012, 23:46

Ein bisschen OT, aber mein Freud Erdogan kommt vor… ;-)
Oft wird vergessen, dass der auf dem Koran und der Sunna, also den überlieferten Auslegungen, basierende Islam nicht zwischen Religion und Staat unterscheidet. Nach der Säkularisierung ist unsere Vorstellung von Religion damit nicht einmal ansatzweise vergleichbar. Im Islam bilden Staat und Glauben eine untrennbare Einheit, d.h. für den strenggläubigen Muslim ist das geschriebene Wort das einzig gültige Gesetz und regelt alles in seinem Leben. In Deutschland gibt es z.B. die “Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.” (DÍTÍB) in der um die 900 Moscheevereine zusammengeschlossen sind und von der etwa 80% aller Moschee Neubauten organisiert werden. Interessant ist, dass dieser Verein der direkten Leitung, Kontrolle und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten der Türkei untersteht. Dieses wiederum ist dem türkischen Ministerpräsidialamt angegliedert, also sozusagen unter persönlicher Aufsicht des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der hin und wieder Schoten wie diese vom Stapel lässt: “Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.” Da es die Türkei bis dahin mit ihrem Laizismus sehr ernst genommen hat, wurde er 1998 für seine Agitation zu 10 Monaten Haft und lebenslangem Politikverbot verurteilt. Ganze fünf Jahre später war er Ministerpräsident. Ein nicht ganz unbekannter Österreicher hatte nach neun Monaten Haft immerhin doppelt so lange gebraucht, um Reichskanzler zu werden. Was den Krieg betrifft, so stellt der gute Mann jedoch zum Glück keinen neuen Rekord auf, aber gut Ding will Weile haben. Zumindest wird schon mal nach Syrien zurückgeschossen… Ein Schelm wer Böses dabei denkt! Ach ja und ein Buch hat er in seiner Haftzeit meines Wissens nach auch nicht geschrieben. Wozu auch? Er hatte ja sicherlich schon Mohammed seinen Kampf dabei. Aber als Ehrenbürger von Tehran und Träger der Ehrendoktorwürde der wahabistisch (salafistisch) geprägten saudischen Umm al-Qura University, auch College of Islamic Law (Sharia) genannt, ist Ministerpräsident Erdogan natürlich über jeden Zweifel erhaben.


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