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Mein ganz persönliches Hühnchen September 22, 2012, 9:35

Posted by Lila in Persönliches, Uncategorized.
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möchte ich hier rupfen.

Das war im Sommer 2006:

Im Nahen Osten sterben im Konflikt zwischen Israel und Libanon/Hisbollah jeden Tag auf beiden Seiten Soldaten und unschuldige Zivilisten, darunter viele Kinder. Zerstörungen durch Feuerwaffen und Raketen erschweren das Überleben. Unzählige Menschen sind auf der Flucht oder verstecken sich voller Angst in Bunkern.

Angesichts dieser Schrecken des Krieges rufen amnesty international, Gesellschaft gegen das Vergessen und für Toleranz, Pax Christi und terres des hommes sowie engagierte Einzelpersonen in Jülich für Montag, den 7. August, um 18 Uhr auf dem Kirchplatz vor der Propsteikirche zu einer Mahnwache als Protest gegen den Krieg, für einen Waffenstillstand und eine Solidarität mit den Opfern auf beiden Seiten des Konfliktes auf.

Auch weltweit hat amnesty international zu Mahnwachen am Montag aufgerufen.

Auch wenn die Formulierung so klingt, als wäre die Mahnwache für “Opfer auf beiden Seiten” gemeint, war die Stoßrichtung klar. Einer der Veranstalter war ein Verein gegen die israelische “Mauer”, und eine Frau gab meiner Mutter gegenüber am Telefon zu, daß die Empörung über die israelische Aggression so groß war…

Und was kann man in Richtung Frieden in Deutschland dieser Tage tun? Jede Menge.

Freitag, 21.09.2012 – 22.09.2012 Essen: Tagung “Israel und Palästina – der schwierige Weg zu Gerechtigkeit und Frieden 

Samstag, 22.09.2012 Berlin: Gespräch “Breaking the Silence” – Diskussion begleitend zur Ausstellung im Willy Brandt Forum der SPD Zentrale Berlin

Montag, 24.09.2012 Frankfurt: Buchvorstellung und Diskussion “Breaking the Silence: Israelische Soldaten berichten von ihrem Einsatz in den besetzten Gebieten”

Freitag, 28.09.2012 Kassel: Film “Wir weigern uns Feinde zu sein – Deutsche Jugendliche am Krisenort Nahost” 

Freitag, 28.09.2012 München: Mahnwache “Für gerechten Frieden im Nahen Osten: Ende der Besatzung – Stop the Occupation”

und so weiter und so weiter. Näheres kann man hier finden.

Was fällt daran auf? Die Opfer, über die man wohlig-selbstgerechte Empathie ergießt, sind die Palästinenser. Und die Täter? Israel. Israel. Israel. Andere Täter scheint es nicht zu geben.

Aber was passiert so in der Welt, wenn man den Kopf mal aus der Anti-Israel-Blase steckt? Och, nicht viel. Immer dasselbe.

400 Palästinenser sind bisher in Syrien ums Leben gekommen

10 Palästinenser in einem Flüchtlingslager in Damaskus ermordet

Die syrische Armee greift das Flüchtlinglager Yarmouk an, Zivilisten kommen ums Leben – und wo sind die international Friedensbewegten und Solidarischen? Die haben gerade keine Zeit. Sie müssen in Essen, München oder Berlin gegen Israel demonstrieren, diskutieren und Zeichen setzen.

Ganz schön zynisch, was? Es ist ihnen nämlich eigentlich scheißegal, ob irgendein palästinensischer Zivilist in Yarmouk lebt oder stirbt. Erst wenn man irgendwie Israel dafür verantwortlich machen kann, treibt es die braven Menschen auf die Straße mit ihren bemalten Bettlaken und ihrer gerechten Empörung.

In Jülich jedenfalls wurden bisher noch keine Mahnwachen für die armen Zivilisten, Palästinenser oder Syrer, gesichtet, die im Syrien-Konflikt ums Leben gekommen sind. Aber wenn sich Israel mal gegen den Beschuß und Terror aus dem Süden wehren sollte – dann kann man die alten Plakate ja ganz schnell wieder hervorkramen.

Mahnwache in Jülich 2006 – betroffene Gesichter beim Gedenken an die Opfer der brutalen Zionisten.

Und es ist so selbstverständlich, daß es mir nicht mal eingefallen ist: während der Terrorserien hat es selbstverständlich nie eine Mahnwache für israelische Opfer gegeben, auch für seit Jahr und Tag unter Beschuß lebende Israelis im Süden oder auch Norden nicht. (Da die Seite von AI Jülich seit drei Jahren nicht mehr erneuert wurde, wundert es nicht, daß es dort keinerlei Informationen über Syrien gibt.)

Kommentare

1. Inch - September 22, 2012, 9:52

Das ist das Problem. Die Menschen sind meistens schlecht informiert. Medien manipulieren in die richtige Richtung. Nur wenige machen sich die Mühe, sich auch andere Informationsquellen zu erschließen. Und Gutmenschen, so jedenfalls meine Erfahrung, gehören nicht nur zu denen, die sich eben keine anderen Informationsquellen erschließen, sie wollen auch gar nicht hören, dass sie irgendwie einseitig denken und handeln. Gutmenschen sind in der Regel dogmatisch.

2. lalibertine - September 22, 2012, 12:18

Diese sogenannten “Friedensaktivisten” sind nichts anderes als willige Helfer der Mörder in Nahost – der Assads, der Ahmadinedschads, der Hamas, der Hisbollah usw. Dadurch, dass sie die Lüge vom mörderischen Zionismus aufrecht erhalten, schaffen sie eine Atmosphäre in der es sich leichter morden lässt, vorausgesetzt mein ist arabischer (iranischer) Despot oder Terrorist.

3. Silke - September 22, 2012, 12:31

beim Abarbeiten meiner News warte ich derzeit gespannt, wie breit die Berichterstattung über die Libyer sein wird, die versuchen, die mörderischen Militias in den Griff zu kriegen.

Ob jemand Solidarität mit denen organisieren wird?
Wie passen die ins Schema? aka auf wessen Seite positionieren sich die Palästinenser?
Um 6:00 war’s noch die Nachricht Nr. 1.

http://www.dradio.de/nachrichten/

4. Lila - September 22, 2012, 12:39

Und ich frage mich bekommen: quo vadis, Jordanien…? Es wäre mein ganz persönlicher Albtraum, wenn nun auch dort Islamisten ans Ruder kommen.

5. Rika - September 22, 2012, 12:44

Ich kann Deine Frustration und Deinen Ärger so gut verstehen!

Für Israel offen einzustehen?
Die Überlegung dazu gibt es immer wieder mal. Aber weißt Du, was ich auch immer wieder zu hören bekommen habe? Dies: “Wie sieht das denn aus, wenn wir zu einer Demonstration für Israel aufrufen und es kommen nur 10 Leute”… in einer Stadt wie Hannover, wohlgemerkt. Das könnte doch eine Blamage sein sowohl für die Veranstalter, wie auch für “Israel”. Und deshalb bleibt man am besten gleich ganz zu Hause…
Vor Jahren haben wir dann tatsächlich mal am Mahnmal in Hannover gestanden in Solidarität mit Israel. Wir hatten ein einfaches selbstgemaltes Schild und Kerzen – es muss an einem Herbst- oder Winterabend gewesen sein. Vielleicht waren wir sogar mehr als 10 Leute, die meisten Passanten machten einen Bogen um uns, einige sprachen uns an, die wenigsten waren auf “unserer”, auf Israels Seite.
Und dann noch die so überaus “verdächtige” Tatsache, dass es fromme Christen sind, die da mit ihren Kerzen stehen… Fromme Christen sind nämlich überaus suspekt und darum mit Vorsicht zu genießen. Zwar verbrennen sie keine Fahnen und werfen auch nicht mit Steinen, aber sie könnten auf den Gedanken kommen zu beten oder fromme Lieder zu singen. Und das, Lila, geht gar nicht. Jedenfalls nicht in den Augen der Reporter, die über solche “Demonstrationeen” berichten. Dann schon eher über einen Protestzug berichten, der mit großem Tammtamm gegen Israel Stimmung auf der Straße macht…. Das bringt dem Reporter Ansehen und der Presse gute Absatzzahlen.
Das ist die traurige Realität in diesem Land, in denen man ganz wunderbare Reden zum Holocaustgedenktag hält und am 9. November an der zerstörten Synagoge im Namen der Stadt einen Kranz niederlegt…
Und was Syrien angeht , die getöteten Frauen und Kinder…. tja, die haben das Pech, NICHT von Juden umgebracht worden zu sein, dann hätten sie wenigstens noch einen tollen Nachruf in unseren ach so demokratischen Medien… und man würde sofort eine Flotte schicken… aber es ist ja Syrien und nicht Gaza!

6. Lila - September 22, 2012, 12:56

Ich erwarte von niemandem, für Israel aktiv einzustehen – wirklich, das kann man niemandem vorwerfen, wenn er sich da lieber raushält, das ist menschlich. MIch frustriert es eben nur, daß die deutsche Seele kocht, wenn “Opfer israelischer Aggression” zu beklagen sind, dagegen andere Tote keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken. Wo sind sie denn jetzt, AI Jülich und Forum Ziviler Friedensdienst und Pax Christi…? Was in Syrien von beiden Seiten verübt wird, sollte sie eigentlich alle nicht mehr schlafen lassen.

Silke - September 22, 2012, 13:23

Jordanien oh ja und Libanon und was ist mit Eurem Gegenüber Griechenland (80% oder so der Flüchtlinge aus muslimischen Ländern schlagen da auf und die haben angeblich das größte Militärbudget in der EU) und den Chinesen in Piräus und wo sonst noch und der Türkei

http://www.ortneronline.at/?p=18963 – hier ein Beispiel für echte Männlichkeit in Aktion und die mischen da mit, jedenfalls wollte das Davutoglu angeblich in seinem Buch gern und Götz Aly träumte auch schon mal von einer Osmanischen Union.

(da habe ich mich übrigens erregt, daß er sich mit dem Titel seines Tagebuchs als Goethe gerierte, aber vielleicht war’s ja für jemanden ne Einstiegsdroge.;-)

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/von-goetz-aly–historiker-die-osmanische-union–ein-traum,10810590,10718726.html

PS: hast Du einen Überblick, ob Ausländer über andere demokratisch legitimierte Staatsoberhäupter auch so oft mitteilen/einflechten, wie sie sie beurteilen?

Cameron, Merkel, Monti usw. usf. Hier ist Sylke Tempel mit einer dieser ganz kurz reingeschobenen Mitteilungen, die ich meine, in Gesprächen über andere nicht zu hören.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/tacheles/1867298/

7. Silke - September 22, 2012, 14:42

hier ist ein Bonbönchen erster Ordnung – der Leuchtturm-Intellektuelle Klaus Staeck eiert sich durch die Prinzipien seiner Kunst (besonders schön auch der einige meiner besten Freunde Hinweis auf Westergaard)

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1872830/

Die evangelikalen Radikalen sind kein bisschen besser nach meiner Überzeugung wie die jetzt, die sich Salafisten nennen.

8. Silke - September 22, 2012, 14:43

PS: ich bekenne übrigens, daß ich in den dunkelsten Ecken meiner Phantasiewelten kein bißchen besser als die wüsteste Terroristin bin.

9. neusprech - September 22, 2012, 15:39

Zum Thema “Pax Christi” habe ich nur folgendes zu sagen:

10. Lila - September 22, 2012, 15:41

Da seh ich leider nichts. :-(

11. grenzgaenge - September 22, 2012, 18:20

@Lila: Natürlich hast Du Recht. Aber was will man vom linken, verlogenen, Friedenspack anders erwarten? Für diese Leute, die übrigens nicht schlecht informiert sind, sind die Juden eben immer, an allem und an jedem, schuld. Die Palästinenser sind immer die edlen Wilden. Diese edlen Wilden sind alle Opfer der bösen israelischen Besatzung. Wie rassistisch (und faschistoid) diese Meinung ist, kommt den linken Gutmenschen erst gar nicht in den Sinn. Die warten halt auf einen Vernichtungsschlag gegen Israel und würden dann eine süsse, kleine Mahnwache veranstalten und Krokodilstränen vergiessen. Die linken Faschisten haben eben ein Herz für toten Juden. Je mehr tote Juden, desto mehr Krokodilstränen und umso grösser das Mahnmal. Und: Nein, es handelt sich um keine Satire. Ich weiss gar nicht mehr, wie oft ich diese Schei**** schon gehört habe. Übrigens von Leuten mit einem guten Hochschulabschluss und manchmal recht guten Ansätzen (z. B. in der Umweltpolitik) Traurig, aber wahr.

12. willow - September 22, 2012, 18:20

Ich kann natürlich nur für meine Stadt sprechen, aber hier ist die lokale Gruppe der “Freunde Palästinas” in extremem Maße mit (mehr oder weniger offen bekennenden) Nazis durchsetzt … :-(

http://www.freunde-palaestinas.de/

“Frieden für Palästina, Frieden für die Welt”

13. Lila - September 22, 2012, 18:52

Willow, das ist das sogenannte Stufenprogramm zur Rettung der Welt.

“Frieden für Palästina, Frieden für die Welt”

Eines folgt ja logisch und kausal aus dem anderen.

Ein Mensch mit viel freier Zeit sollte mal die Geschichtsdarstellung http://www.freunde-palaestinas.de/page/konflikt/konflikt.html um sinnvolle Einzelheiten ergänzen, die irgendwie schwups, nicht vorkommen :D

14. flx - September 22, 2012, 20:28

Schreckliche Seite.
http://www.freunde-palaestinas.de/page/konflikt/fakten/3palaestina48.html
Das Thema Landbesitz finde ich interessant. Warum wird eigentlich immer davon ausgegangen, dass alles was den Juden nicht privat gehörte, automatisch privater Besitz der Araber war? Nicht, dass ich von solch einer Seite etwas anderes erwarten würde…

15. Silke - September 23, 2012, 11:32

mir fällt gerade auf, daß alle feiern, wie nicht eingeknickt sich “der Westen” benahm, als die Rushdie-Fatwa kam. Hat es was genützt? War es die 241 (?) Toten wert? Hätte man damals irgendetwas besser machen können?

Gab es Erfahrungen aus dem seinerzeitigen Nicht-Einknicken, die dazu geführt haben, daß heute die Willigkeit zu appeasen größer scheint?

Und noch was fällt mir auf, daß in all den Nicht-Einknick-Texten, die ich bis jetzt las, die Toten nicht vorkommen.

Und damit kein Mißverständnis aufkommt, hätte es nicht dieses Video gegeben, hätten “die” was anderes gefunden. Mir scheint, es ist ein ziemlicher Doppelnelson, in dem “wir” uns da befinden und das Ärgerlichste ist, daß “wir” (und besonders die Pro-Israel-Stimmen) es nicht einmal fertig bringen, die “Kritik” an Israel mal so lange ruhen zu lassen, bis der Abnutzungs-/Belagerungs-Kriegszustand wenigstens an der Front zu “unseren” Gunsten entschieden ist.

16. Stoff für’s Hirn « abseits vom mainstream – heplev - September 23, 2012, 13:14

[…] fast eine zu nette Beschreibung der Zustände bei den „Menschenrechtlern“ – Lila hat wieder klare Worte für die Friedensbewegten, die – wie immer – in ihren Löchern stecken bleiben, […]

17. Dr. Lee - September 24, 2012, 3:54

Edle Wilde, da gibt bzw. gab es ein paar Rothäute (keineswegs alle) und die bekloppten Islamisten, die aber nur in Rungholt so bezeichnet werden (als Edle Wilde). In D kenne ich niemanden, der Araber als edle Wilde bezeichnen würde, höchstens ungezähmte Pferde. (Karl May habe ich nicht gelesen und der wäre auch kein Ernst zu nehmender Maßstab.)

Kleine Menschenkunde: Ich mag sympathische Menschen und unsympathische mag ich eher nicht. Das hängt aber durchaus nicht von deren Zugehörigkeit zu irgendeinem Land oder Glaubensbekenntnis ab.

Linke faschistische Gutmenschen und rechte faschistische Schlechtmenschen? Der korrekte Manfred, Msgr. Thatcher, Fjordman, Breijvik – und der Grenzgänger schließt auf.

Wir schauen nur auf eine Seite der Münze, die andere Seite existiert nicht. Gewissermaßen eine Möbiusmünze.
Aber einseitige Münzen gibt es wie Sand am Meer, und doch ist keine eine wirkliche Münze.

Wer Langeweile hat, geht auf Youtube und gibt Slums, Gangs etc. ein und kann sich tagelang die Hölle ansehen. Kommt größtenteils auch nie in den Nachrichten vor.

Dass der lobotomierte Islamismus ein großer Teil eines der drei großen Probleme der Zukunft ist, wird allmählich auch dem letzten vernunftbegabten Menschen klar.

Feindesliebe ist nur was für faschistische Gutmenschen, und nahe Nächstenliebe ist so trivial wie der Wunsch, Hunger und Durst zu stillen.

War hier letztens nicht zu lesen, das Israels Bevölkerung insgesamt zu den zufriedensten Völkern der Welt gehört?
Besser zufrieden leben und sterben
als unzufrieden leben und sterben.

Eines ist sicher: das Ende ist nah
– denn 50 Jährchen vergehen so schnell wie ein Fingerschnippen, jedenfalls sehr, sehr schnell.

Bleibt noch ein klein wenig Zeit, Gutes zu tun.

18. willow - September 24, 2012, 12:41

“MIch frustriert es eben nur, daß die deutsche Seele kocht, wenn “Opfer israelischer Aggression” zu beklagen sind, dagegen andere Tote keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken.”

Ich fürchte, in Ermangelung von Argumenten werden uns die “Freunde Palästinas” wohl “Breakin the Silence” Bücher an den Kopf werfen … :-(

19. Lila - September 24, 2012, 12:55

Willow, die Jungens von Breaking the Silence kann ich verstehen. Sie leisten ihren Dienst in einer brutalen Umgebung ab, die sich vollkommen von den ihnen in der Erziehung vermittelten Werten unterscheidet. Während des Diensts stellen sie das nicht in Frage. Nachher schon. Sie leisten diese Infragestellung öffentlich und gehen damit Gefahr ein, Leuten, die die ganze Situation von Anfang an als “israelische Aggression gegen harmlose Palästinenser” lesen, Material in die Hand zu geben.

Y. ist kritischer als ich, weil er sagt, wer ein Gewissen hat, braucht keine Befehle zu befolgen, die seinem Gewissen widersprechen. Hinterher in Frage zu stellen, was man gedankenlos gemacht hat, hält er für sehr schlechten Stil und ein Zeichen für einen schwachen Charakter. Er sagt, die Armee läßt genügend Raum auch für empfindliches Gewissen. Das ist aber bestimmt nicht in allen Einheiten so. Wer Pech hat, gerät in eine Einheit, wo die Sitten auch untereinander brutal sind (Stichwort subo), und wo Frustrationen an schuldlosen palästinensischen Zivilisten ausgelassen werden. Wie man es von Uniformierten in aller Welt leider kennt, die im Schutz der Uniform ihre düsteren Seiten ausleben. Keine Armee, keine Polizeimacht der Welt ist daegen gefeit.

Ich finde, daß sowohl Breaking the Silence als auch Be Tselem, Machsom Watch, Taayoush und die Frauen in Schwarz einfach ein Zeichen dafür sind, wie stark der zivile, gewaltfreie Geist in der israelischen Gesellschaft ist, und wie widerwillg Israelis in diesem Konflikt agieren. Aus diesem moralischen Dilemma kommt man nicht so einfach raus.

Ich kenne einige Leute aus dem Umfeld von Breaking the Silence. Sagen wir so: daß es von palästinensischer Seite nichts Entsprechendes gibt, sagt einem eigentlich schon alles, was es über den Konflikt wissen möchte. Vollkommene Selbstgerechheit auf der einen Seite, sehr scharfe Selbstkritik auf der anderen Seite.

Ich sehe gerade in Breaking the Silence ein Symptom für die seelische Krise nach drei harten Jahren, für die wir unsere 18jährigen überhaupt nicht wappnen können. In Machsom Watch und Women in Black sehe ich das nagend schlechte Gewissen der Mütter, die ihre Kinder in diese Situation schicken und nun von der Seite darüber wachen, daß deren Kollegen die Regeln einer zivilen Gesellschaft einhalten.

Es wäre viel einfacher, wenn die Israelis wrklich so skrupellos, hartgesotten und gewaltverliebt wären, wie sie immer wieder geschildert werden. Aber dann wären natürlich die humanen, jüdisch motivierten Grundwerte nicht mehr da, weswegen es sich für Israel zu kämpfen lohnt.

Kurz: unlösbar, außer durch Frieden. Die einzigen, die dieses Dilemma wirklich verstehen und mit Wonne für sich nutzen, sind selbstverständlich die Palästinenser. Wohlgemerkt: nicht alle. Es gibt auch bei ihnen Leute, die ähnliche Probleme haben, diese aber nicht laut artikulieren dürfen. Son of Hamas ist ein seltenes, aber äußerst eindrucksvolles Beispiel.

20. Fortissimo - September 24, 2012, 13:34

“Vollkommene Selbstgerechheit auf der einen Seite, sehr scharfe Selbstkritik auf der anderen Seite.”

Ich bin mir nicht so sicher, ob die Rollen hier so eindeutig verteilt sind. Ich denke, dass es auch auf Israelischer Seite Fragen gibt, die “man” einfach nicht stellt, (z.B die Frage der Rückkehr der palästinensischen flüchtlinge von 1948), weil man befürchtet, dass sie die Existenz Israels in Frage stellen könnte. Nur selten gibt man sich darüber Rechenschaft ab, dass Israel in den Grenzen von 1967 tatsächlich kein mehrheitlich jüdischer Staat gewesen wäre, wenn all diese Flüchtlinge nicht weg gegangen wären.

Auch bei der Frage der Aggressionen scheint mir die Wahrnehmung, wie oft in Konflikten, nicht ganz ausgewogen. ja, es stimmt, dass die Palästinenser sich “böser” aufführen, dass sie angreifen, auch die Zivilbevölkernung. Und doch – wenn man die Opferstatistiken anschaut, gibt es auf palästinensischer Seite mehr Opfer – und das kontinuierlich seit 60 Jahren. Ich denke, dass diese Tatsache den meisten Israelis nicht bewusst ist.

Bis zu einem gewissen Grad ist das verständlich, dass man in einem Konflikt Partei ergreift, und dass einem das Hemd näher ist als die jacke.

Silke - September 24, 2012, 13:50

Danke Lila 18

so habe ich diese Leute noch nie gesehen.

Bei Yaacov kam ab und zu einer von denen, die dieses ihr Gewehr wegwerfen Symbol haben und ich war immer schockiert, wie sie ihr eigenes Land diffamierten. Genau wie es Tibi tat in dem Gespräch in den USA, das ich mit ihm gehört habe. Irgendwie finde ich, in und mit dem Ausland spricht man nicht so über sein Land. Das darf man zwar, aber das ist etwas, was man nicht tun sollte (außer vielleicht man ist Deutsche und trifft auf Leute, die unsere Totalrehabilitation nicht nur glauben, sondern auch verherrlichen/romantisieren)

Und dann ist da noch das Verknäultsein mit den ausländischen Israel-Verbesserungshelfern, angefangen von Heinrich-Böll-Stiftung bis über unser auswärtiges Amt, das mir zwar mitgeteilt hätte, es würde die Fummelei den einzelnen Abteilungen überlassen und es damit natürlich in plain sight versteckt (es gibt 400 und von denen überlassen es die angesagten, vermutlich wieder irgendwelchen Unterabteilungen) und irgendeinen von Niebel’s Amt finanziertes Outfit, das mal in Deutschland getunte Friedenserzieher oder so nach Bethlehem schicken wollte und wo immer ich da mal rumgestochert habe, war das Bedürfnis Israelis zu friedenwollenden Menschen zu machen zuoberst, wenn nicht ausschließlich.

Geld stinkt zwar nicht, aber ich fürchte, daß es bei Menschenrechtsaktivisten den Character noch gründlicher gefährdet, als normal ist.

21. Lila - September 24, 2012, 14:06

Die höhere Opferzahl bei den Palästinensern läßt sich aber nicht einfach durch die Formel “Opferzahl aufgrund von Aggression der Gegenseite” erklären. Die Zahl der zivilen Opfer wird auch davon beeinflußt, wie gut man die Zivilisten schützt bzw wie skrupellos man sie verheizt, und wen man überhaupt als Zivilist bzw Kombattanten definiert. Die Palästinenser definieren ALLE Teilnehmer und Opfer des Konflikts als Zivilisten. Die palästinensische Führung schützt die Bevölkerung nicht im geringsten, im Gegenteil, wenn die israelische Armee warnende Flugblätter abwirft, halten Hamas-Aktivisten die Leute davon ab, sich in Sicherheit zu bringen. Waffen-Werkstatten und -Lager werden in Wohnvierteln, Schulen, Moscheen und Krankenhäusern untergebracht. So treibt man die Opferzahlen hoch.

Israelische Angriffe richten sich gegen solche militärischen, auch inoffiziellen, Ziele. Palästinensische Angriffe gelten fast ausnahmslos zivilen Zielen: Eisdielen, Pizzerien, Einkaufszentren, Schulen und Kinderhäusern, Schulbussen, Kreuzungen und Mutter-und-Kind-Kliniken.

Es gibt kein israelisches Äquivalent für diese pausenlosen Terrorangriffe auf israelische und jüdische Zivilisten seit den 20er Jahren.

Aber natürlich kommt man bei der reinen Beobachtung der Zahlen zum Schluß, daß die Israelis mehr Gewalt anwenden als die Palästinenser. Aber sie haben auch viel stärkere Waffen zur Verfügung. Die sie nur sehr, sehr zurückhaltend einsetzen, im Vergleich mit anderen Armeen. Wie lange hätten die Briten oder Franzosen täglichen Raketenbeschuß ihrer Grenzstädte geduldet? Oder die Russen, Türken oder Chinesen…?

Im Vergleich mit anderen Armeen jedenfalls schneidet Israel bei der Ratio zivile Opfer – Kombattanten sehr gut ab. Auch der NATO unterlaufen immer wieder Fehlleistungen. Das ist die Crux an bewaffneten Konflikten.

Insgesamt jedenfalls ist der Blutzoll dieses Konflikts wesentlich niedriger als in anderen, viel weniger medial verbreiteten Konflikten. Die Opferzahlen sind zwar “gefühlt” sehr hoch, aber im internationalen Vergleich sind sie es nicht.

Frag mal Leute aus Deiner Bekanntschaft, wer ihrer Meinung nach mehr arabische Todesopfer auf dem Gewissen hat, Israel oder andere arabische Staaten… Ben Dror Yemini hat zu dem Thema publiziert.

22. Lila - September 24, 2012, 14:13

Silke, es gibt jede Menge Israelis, die aus allen möglichen Gründen die Rhetorik der Israel-Gegner übernehmen. Manchmal ist es einfach das Unvermögen, die schreiende Ungerechtigkeit Israel gegenüber zu ertragen. Weißt schon: blame the victim. Sonst müßte man doch zB über das Verhalten der UNO einfach verzweifeln, so wie ich. Es ist psychologisch manchmal einfacher, das eigene Land zu beschuldigen, als sich damit auseinanderzusetzen, daß es tatsächlich täglich gefährdet ist und vielleicht im Falle eines Falles vergeblich die Fackeln von Gondor entzünden könnte. Dann findet man lieber Gründe, warum Israel dieses Schicksal verdient hat. Oder man möchte von AUsländern geliebt werden.

Wohlgemerkt: sachliche, faire Kritik im Inneren darf man nicht aus Angst vor Beifall von der falschen Seite unterdrücken. Das ist eben von Fall zu Fall verschieden. Aber gerade bei jungen Menschen, die noch keinen Abstand zu ihren Erlebnissen haben, verkneife ich mir das Urteil.

Wenn sie hingegen einen gepflegten weißen Rauschebart haben und fließend Deutsch sprechen und sich als menschliches Schutzschild heroisch vor Herrn Arafat stellen… dann kämpfe ich mit dem Brechreiz.

Vergeblich.

Silke - September 24, 2012, 14:16

Fortissimo – 19

Zwei Mordbuben stürmen Dein Haus – Du hast eine Waffe – tötest Du den zweiten erst nachdem ein Mitbewohner von einem von den beiden erledigt worden ist?

Wenn Du beide tötest, ohne zwei Tote auf Deiner Seite zu beklagen zu haben, wie rechtfertigst Du denn das?

Ich vermute mal, würde jemand so eine widerliche Statistik machen, daß auf jeden getöteten Palästinenser mehr als ein genau darum weiterleben könnender Israeli kommt. Doch warum eigentlich widerlich? Die Leute, die das Argument mit den höheren Palästinenseropferzahlen verbreiten, finden es ja auch nicht widerlich.

Genauso wie Du und Deine Mitbewohner würden weiterleben können, würdest Du beide Mörder töten, bevor sie Dich und die Deinen töten können.

23. Lila - September 24, 2012, 14:23

Fortissimo, wie viele Nicks hast Du bei mir eigentlich schon benutzt?

Silke - September 24, 2012, 14:55

Lila

eigentlich teile ich Deine sorgfältige Unterscheidung zwischen alt und jung. Andererseits versuche ich wie es bei alten Leuten so Sitte und Brauch ist, festzunageln, was an Altmodischem der Verteidigung wert ist.

Sicher wurde in der “guten alten Zeit” das Prinzip, daß man schmutzige Wäsche nicht in der Öffentlichkeit wäscht, übertrieben (1962 galt noch, daß hatte frau sich über Ehemann gegenüber Freunden beschwert und er kriegte es raus, konnte ihr das die schönsten Scheidungsgründe wertlos machen). Doch ebenso finde ich das Gebot der Offenheit und/oder Alles-Rauslasserei heute überzogen. Was in der Sprechstunde des Psychos oder der Selbsthilfegruppe oder der “Kameradschaft” angemessen ist, muß nicht für Fremdlinge gelten. Und irgendwie scheint mir heutzutage manchmal, daß schon der Wunsch über solche Grenzen nachdenken zu wollen als Symptom für einen tiefsitzenden Persönlichkeitsmakel gilt.

Und ja, ich kenne den Wunsch, einen einem dank Geburtsort anhaftenden Makel loszuwerden, sehr gut und ich habe mich gegenüber meinem eigenen Land ganz sicher oft nicht besser benommen als die jungen Leute, hoffe aber inständig, daß hätte ich damals schon Veröffentlichungsmöglichkeiten gehabt, ich mir erst einen etwas ausgewogeneren Standpunkt erdacht haben würde.

24. Fortissimo - September 24, 2012, 16:56

“Fortissimo, wie viele Nicks hast Du bei mir eigentlich schon benutzt?”

Kann man hier unter verschiedenen Nicks posten? Ich dachte, das sei nicht erwünscht und werde ganz streng kontrolliert… (So erklärte ich mir die Tatsache, dass es manchmal mehrere Tage dauert, bis Kommentare aufgeschalten werden)

@Silke:

du hast natürlich Recht: ein Einbrecher ist selber blöd, wenn er bei einem Typen einbricht, der gerade seine kalashnikoff griffbereit hat…

Ich denke, irgendwo in diesem Spannungsfeld spielt sich der ganze Konflikt ab: die Araber sind selber blöd, wenn sie die stärkeren angreifen, und müssen sich nicht wundern, wenn sie dann ein paar auf den Deckel kriegen. Wenn alle Ruhe geben würden, dann wäre Ruhe, das ist auch unbestritten.

Aber der Mythos dass die Israelis schwächer und immer auf Menschenrechte bedacht sind ist eben auch nicht so wahr, wie die Israelis das gerne hätten…

Zum Beispiel habe ich den Eindruck, dass Israel sich in den letzten Jahren ganz gut mit dem Status Quo (nicht wahlberechtigte Bevölkerungsmehrheit in der Westbank, kein Rückzug aus derselben) ganz gut arrangiert hat und nicht unbedingt danach strebt, diesen Zustand zu ändern.

Das beste Beispiel dafür sind die erbosten Reaktionen, als die Palästinensische Autonomiebehörde um Mitgliedschaft bei der UNO angesucht hat und in die Unesco als Vollmitglied aufgenommen wurde.

wenn das Demokratiedefizit in der Westbank den Israelis unter den Nägeln brennen würde, dann wäre sie auch für die Gründung eines palästinensischen Staates und für seine Aufnahme in die UNO und in ihre Unter-Organisationen…

25. Lila - September 24, 2012, 17:06

Fortissimo, wenn es dauert mit dem Freischalten, liegt das auch daran, daß ich manchmal lästige Dinge erledigen muß wie Arbeit, Haushalt, Privatleben… was halt so anfällt. Ich kontrolliere nur bei Leuten, deren Tonfall mir bekannt vorkommt. Das ist bei Dir eindeutig der Fall.

Selbstverständlich haben wir uns jetzt mit dem Zustand arrangiert. Wir haben noch in zu guter Erinnerung, was die Palästinenser nach den letzten Versuchen einer Einigung veranstaltet haben und noch veranstalten. Wohl oder übel werden wir warten müssen, bis sie bereit sind, von ihren Maximalforderungen (die ja bekannt sind) abzurücken.

Das mag Dich stören, weil es aus dem sicheren Europa einfach ist, größere Risikobereitschaft von Israel zu fordern. Kostet Dich ja nichts.

Silke - September 24, 2012, 17:23

Fortissimo

möge es Dir erspart bleiben, Dich je in einer Situation zu befinden, wo es zutrifft, daß der Schiller recht hatte, als er behauptete, auch der Frömmste könne nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.

Und wenn Du mir ein Beispiel sagen kannst, in dem es ein angegriffener Staat geschafft hat, sich nach dem jeweils tagesaktuellsten höchsten moralischen Standard zu verteidigen, dann her damit. Ghandi und Mandela giltet nicht, nur Staaten gelten.

Übrigens mir kommst Du auch bekannt vor, kaum hat sich Dein widerliches Aufrechnen der Opferzahlen in Luft aufgelöst, kommste mit ner neuen Nummer an.

Ob und wie es Israel mit der UNO hält, ist übrigens einzig und allein Entscheidung des Staates Israel und sofern Du nicht nach nem Job als Regierungsberater für Israelis strebst, würde ich an Deiner Stelle dazu lieber schweigen. Das gilt aber nur, wenn Du wie ein Erwachsener behandelt werden möchtest.

PS für Lila:
Ich habe den nicht unberechtigten Verdacht, daß es auch sockpuppetry gibt, wo ein anderer die Texte von nem Rausgeflogenen unter seinem Nick postet. Also ein in Sachen Israel Gleichgültiger hilft seinem Kumpel oder seiner Kumpelin. Da ist dann das Achten auf irgendwelche sprachlichen Eigenheiten ganz hilfreich, sofern man es wichtig genug nehmen will.

26. willow - September 24, 2012, 18:45

@18. Lila

Im Prinzip hast du natürlich völlig Recht ;-)

Andererseits ist mir nicht wirklich klar, wie zuverlässig “Breaking the Silence”-Berichte sind … wenn da berichtet wird, daß einfach mal so, ohne Bauchschmerzen und Konsequenzen paar Kinder erschossen werden, dann habe ich doch so meine Zweifel. Andererseits aber wird kritisiert, daß Araber an den Checkpoints unter Generalverdacht stehen, ohne Ansehen der Person jeder kontroliert wird – da frage ich mich dann eher “habt ihr sie noch alle!?” vor israelischen Busbahnhöfen und Supermärkten stehen ja auch alle, selbst Touristen unter Generalverdacht…

Silke - September 24, 2012, 19:10

willow 25

meines Wissens gelten Palästinenser bis zum Alter von 18 als Kinder und/oder Zivilisten während bei afrikanischen Kindersoldaten wohl die Debatte ob 14 oder 16 das richtige Alter ist, ab dem sie aufhören, Kinder zu sein, immer noch läuft.

Diese offizielle Etikettierung als Kinder und die Leugnung dessen, was man mit ner Flitsche auch im Alter von 10 oder so alles anrichten kann, lässt mich alle Berichte überlesen, in denen pauschal von Kindern die Rede ist. Nicht weil mir die armen fehlgeleiteten nicht leid täten, das tun sie, sogar sehr, doch wer da undifferenziert berichtet, serviert mir Propaganda und um Propaganda zu lesen, kann ich mir das Geld für ein Buch sparen, das gibt’s im Netz aufs Üppigste.

PS für Lila:
ich denke gerade, ob ich jungen Leuten wirklich einen Gefallen damit tue, wenn ich an sie nicht die gleichen Maßstäbe anlege? Irgendwie heißt das doch, daß ich sie für nicht ganz erwachsen halte und das hätte mich spätestens ab da, als ich mein eigenes Geld verdiente, mehr gekränkt und verletzt, als ein ordentliches “Spinnst Du?”

27. colchico - September 24, 2012, 23:41

Fortissimo, gibt es auf israelischer Seite weniger Todesopfer, weil die palästinensischen Terroristen sich um Schonung bemühen? Wohl kaum. Ein sehr viel wahrscheinlicherer Grund sind das Alarmsystem, die Bunker, Bombenunterstände und Schutzräume, der Alarmdrill schon für Kleinkinder, die Schulbusse mit Panzerglas, der Dom, die Kontrollen und die Grenzanlage. Wer dank dieser Einrichtungen überlebt, wird im body count nicht erfasst.

28. Culatello - September 25, 2012, 12:31

Colchico – 26

“Ein sehr viel wahrscheinlicherer Grund sind das Alarmsystem, die Bunker, Bombenunterstände und Schutzräume”

Da kannst Du von ausgehen.
Zumal von israelischer Seite ja erfolgreich verhindert wird, dass im abgeriegelten Gaza-Gebiet Schutzräume überhaupt gebaut werden können. Zementlieferungen sind ja verboten.
Aber immerhin werden vor israelischen Bombardierungen ja Flugblätter zur Warnung abgeworfen.
Wie lustig daraufhin die Menschen panisch und kopflos durcheinandergramseln: raus können sie nicht —> tja, leider abgeriegelt!
Schutzbunker gibt es aber auch nicht —> so’n Pech auch!

29. willow - September 25, 2012, 12:56

“Zwei New Yorker Intellektuelle beim Small Talk während einer Party. Sagt der eine zum anderen: »Du, ich habe letztens einen Essay geschrieben, gegen den Antisemitismus.« – »So? Wie schön! Ich bevorzuge Baseballschläger.«” – Woody Allen

30. Silke - September 25, 2012, 13:40

ich habe beschlossen, Culatello zu ignorieren, seine Argumente sind wirklich zu jenseitig. Wenn es nicht um Leben und Tod ginge, würde ich sagen, albern, kindisch, unreif, das ganze Paket.

Er scheint das komplette Pallywood-Propagandapaket verinnerlicht zu haben und merkt nicht einmal mehr, wo das, was er plappert, in sich selbst nicht mehr stimmig ist und somit durch die Erinnerung an schlichte Alltagserfahrungen zu debunken ist.

Falls jemand einen wirklich hoch-informativen Artikel dazu lesen will, wie so was funktioniert – hier ist Jill Lepore (eine der wenigen US-Historiker(innen), die nicht so schreibt, als wolle sie gern eine Regierungsberaterstelle) über politisches Beratertum – die Überschrift indes überliest man besser, solch eine eindeutige Positionierung ist bei ihr sonst nicht üblich.

http://www.newyorker.com/reporting/2012/09/24/120924fa_fact_lepore?currentPage=all

31. fortissimo - September 25, 2012, 14:20

Ich denke, es gibt auf israelischer Seite weniger todesopfer, weil die israelis wesentlich besser ausgerüstet sind, und natürlich auch aus dem grund, den colchico erwähnt, weil in Israel auch wirksame schutzmassnahmen ergriffen werden.

Wenn man in jeans mit Steinen auf Panzer und bis auf die Zähne bewaffnete Soldaten losgeht, muss man tatsächlich damit rechnen, dass man den Kürzeren zieht. Insofern bestätige ich noch einmal: wenn Ruhe wäre, wäre Ruhe, und wenn man als schwacher auf den starken losgeht ist man bis zu einem gewissen Grad selber schuld.

Ich finde nur, dass dieses Ungleichgewicht der Todesopfer-Zahlen den Israelis besser bewusst sein sollte. Die meisten Israelis glauben wahrscheinich, dass nur sie zivile Opfer zu beklagen haben und die gegenseite nicht, und das stimmt einfach nicht.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es in der Natur des Krieges liegt, dass man die eigene Armee immer für harmloser hält als die des Gegners, aus dem einfachen Grund, dass die eigene Armee die eigene Bevölkerung für normal nicht angreift. die Armee zieht aus, um beim Feind Angst und Schrecken zu verbreiten. Früher ging das einher mit Beutezügen, Vergewaltigungen, verbrannten Dörfer, erschossenen Männern, geplünderten Lebensmittellagern. Im eigenen verhalten sich die Soldaten (normalerweise) anders. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Deutschen über das Verhalten der sovjetischen Soldaten am Ende des 2. Weltkriegs so empört waren: ihnen war offenbar nicht bewusst, dass ihre Soldaten in Russland genau das Gleiche und noch viel Schlimmeres gemacht hatten. Das hatte die Wochenschau wohl nicht so genau berichtet…

Heute, bei modernen Armeen ist eher das Problem, dass man von der Luft aus nicht so genau trifft, und dass so die sogenannten “Kollateralschäden” (Euphemismus für getötete Zivilisten) entstehen. Aber schon die Wortkreation “Kollateralschaden” für menschliche Todesopfer zeigt ja, dass man das Blut dieser Menschen für weniger Rot hält.

Wie gesagt: ich verstehe, dass man in einem Konflikt für das eigene Land Partei ergreift und die gegenseite entsprechend entmenschlicht, das scheint ein tief menschlicher Vorgang zu sein.

Ich wollte nur sagen, dass Lilas Wahrnehmung wahrscheinlich auch etwas verzerrt ist, weil sie wahrscheinich Betzelem und tzomet watch mehr wahrnimmt als die tägliche Warterei und Untersuchungen an den Checkpoints oder das nächtliche Ausgehverbot, das bis 1994 in Gaza geherrscht hat oder die Warterei der Waren für Gaza an den israelischen Grenzübergängen, die streng genommen gar nicht zuständig sind.

Den Amerikanern ist auch nicht bewusst, dass durch ihren Kriegszug nach Afghanistan wesentlich mehr Opfer – auch auf ihrer eigenen Seite – entstanden sind als bei dem Ereignis, das sie “rächen” oder “sanktionieren” wollten, nämlich 9.11 – dort waren es knapp 3000 tote, aber mittlerweile sind in diesem Krieg über 3000 soldaten der Koalition (USA, GB, CAn, F, De u.a.) gefallen… Dazu kommen ca. 14’000 Afghanische Zivilisten…

Silke - September 25, 2012, 14:46

Heute, bei modernen Armeen ist eher das Problem, dass man von der Luft aus nicht so genau trifft

ach ja? – ich staune immer wieder über die Tiefe und Akkuratesse des hier demonstrierten Wissens über Geschichte.

http://thehistorynetwork.org/blog/1306-a-brief-history-of-artillery/


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