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Und noch ein Schild September 1, 2012, 15:32

Posted by Lila in Bilder.
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No tremp heißt eine Aktion, die Soldaten vom Trampen abhalten soll. Im Moment hängen diese Plakate in vielen Eisenbahnen in Israel.

Das Lachen über die Schreibung von tremp bleibt einem aber im Halse stecken. Leider ist es bittere Realität, daß Terrororganisationen mit dem Kidnappen von Soldaten drohen, und das Schicksal von Nachschon Wachsmann und auch von Gilad Shalit ist zu bekannt, um die Warnung als leere Drohung abzutun. Andererseits ist mir unbehaglich bei der Darstellung von Arabern als gesichtslose Angstkulisse. Im Zug fahren auch sehr viele Araber, besonders auf meiner Linie, zwischen Lod und Akko. Ob die diese Darstellung so toll finden?

Ich kann mir auch nicht vorstellen, was die Shalit, die ich ja in der Eisenbahn schon gesehen habe, beim Ansehen eines solchen Plakats empfinden. Bestimmt kriegen sie erstmal zuviel und alles kommt wieder hoch.

Eine sehr drastische Darstellung. Und mit Spellcheck wäre sie noch ein Stück eindrucksvoller.

Kommentare»

1. Silke - September 1, 2012, 16:18

man kann den tremp-Erfindern natürlich auch ganz besondere Raffinesse oder nur state-of-the-art unterstellen, indem man vielleicht aufgefordert ist, temptation zu assoziieren.

Aber ernsthaft, ich habe irgendwo gelesen, daß solche haha-wie-blöd Fehler in der Werbung gern eingesetzt werden, weil sie das Zeugs dann wohl besser im Hirn festsetzt.

Möge die Theorie wahr sein und die Warnung in Augenblicken höchster Versuchung klar und deutlich flashen.

Manchmal vermute ich, die Idee kam den Werbeleuten als Ich habe fertig ein Hit wurde und dann gab es dieses Hier werden Sie geholfen, das auch zündete. An Orthografisches*) kann ich mich im Augenblick nicht erinnern, aber ich bin ziemlich sicher, es gibt es.

*) außer natürlich an so selbstverständlich Gewordenes wie Whiskas

2. Lila - September 1, 2012, 16:39

Nein nein, das war bestimmt ein Flüchtigkeitsfehler. Laasot tremp oder litfos trempim heißt eben trampen, yesh li tremp heißt ich habe eine Mitfahrgelegenheit, und eine gute Trampstelle heißt trempiada… und würde man es tramp schreiben, dann würden Israelis es vermutlich als traamp aussprechen. Es ist einfach nur die phonetische Übersetzung eines Worts, das als israelischer Slang empfunden wird. So wie Deutschen nicht klar ist, was Handy und Bodybag in der Originalsprache bedeuten.

3. Silke - September 1, 2012, 17:14

Lila

Du solltest nicht meinen Glauben daran erschüttern, daß in Israel die Kreativität überschäumt.

Übrigens habe ich neulich mal per Zufall gesehen, daß Cross Body Bag hie und da zu Bodybag verkürzt wird.

4. flx - September 1, 2012, 20:29

Es wird trotzdem nicht aufhören. Wie sollte es auch. Manche Gegenden (meine persönliche Erfahrung) sind so schlecht angebunden, dass dir keine Wahl bleibt, als zu trampen, wenn dir kein Auto zur Verfügung steht und man den Bus, der ewig braucht und nur alle Stunde fährt, verpasst. Zum Glück sieht man dann auch öfter einen anderen Soldaten oder Bekannten aus dem Dorf, aber wenn nicht, ist man eben ziemlich aufgeschmissen.

5. Lila - September 1, 2012, 20:39

Deswegen nehmen wir alle Soldaten, die wir in der Gegend sehen, mit – wir sagen immer vorher, daß wir Eltern von Soldaten sind, weil wir ja wissen, daß sie nicht trampen dürfen, aber am Ende der Welt gestrandet sind. Am liebsten wäre mir, wir könnten uns ausweisen – ein choger für Eltern, der uns das Recht gäbe, Soldaten zu transportieren.

Wir machen manchmal lange Umwege, um Soldaten nach Hause zu bringen.

Und vor ein paar Tagen sah ich beim Aussteigen aus der Bahn, daß eine Gruppe Soldaten draußen noch rannte, um die Bahn zu kriegen. Ich bin in der Tür der Bahn stehengeblieben und habe dem Zugbegleiter zugerufen, sie sollen warten. Sie haben auch noch ein bißchen gewartet, bis die Soldaten drin waren.

Ich würde alles dafür tun, es ihnen leichter zu machen. Wenn ein Soldat mir in der Bahn seinen Platz anbietet, nehme ich nie an. ich sage immer, ich muß sowieso gleich raus, und such mir einen Platz in einem anderen Wagen. Am liebsten würd ich ihnen die Taschen schleppen, besonders den Mädchen. Ich kann das nicht sehen, wenn ich so ein dünnes Mädchen mit einer riesigen Tasche vor mir habe.

Was wir unserer Jugend zumuten! Was die Umstände unserer Jugend abverlangen! Es ist brutal, und ich fühle es und nehme es schwer. Es ist kein Wunder, daß die meisten Todesfälle Selbstmorde sind. Immer noch, trotz aller Bemühungen, schnell zu helfen und frühe Warnzeichen zu erkennen.

6. flx - September 1, 2012, 21:42

Das ist wirklich nett von euch. Meistens hilft es ja auch schon, sie zur nächsten zentralen Bushaltestelle zu fahren.

Meine Freundin hasst es Leute mitzunehmen, weil es dann immer diese komischen Gespräche gibt „Wohin musst du? Was machst du da? Ist es interessant?“ und danach kommt nur betretenes Schweigen.

Ich kann mich noch erinneren, dass wir mal einen relativ hochrangigen Offizier (Seren, wenn ich mich recht erinnere, also lang genug dabei) mitgenommen haben. Nicht gerade ein gutes Vorbild. Vermutlich lag es daran, dass wir so liebenswürdig aussehen oder vielleicht auch einfach daran, dass wir selbst noch zu der Jugend gehören.

7. Lila - September 1, 2012, 21:50

Oh, ich nehm sehr gern Leute mit. Mal schweigt man, mal unterhält man sich. Das Schöne: in fast allen Fällen stellt sich raus, daß man gemeinsame Bekannte hat. Entweder wegen der Armee oder der Schule oder der Jugendbewegung oder der Kibbuzzeit.

Mein Mann kennt schon alle jungen Soldaten der Gegend und weiß genau, welche Kurse sie gerade machen. Ich gehöre zu den schamlosen Alten, die auch einfach mal Leute anquatschen. So hab ich im Bus mal eine Soldatin angequasselt, weil sie ein Abzeichen von einem Kurs hatte, den eines meiner Kinder erwog. Oh, die war so nett, wir haben ganz schön gequatscht, die würd ich gern noch mal treffen. So eine mit Sommersprossen, ein ganz freundliches Mädchen. Ihre Auskunft hat uns auch sehr geholfen.

Ich habe auch vorgestern einer Kellnerin ein Kompliment über ihre schönen, wilden Locken gemacht. Ihr gesagt, wie schön ich es finde, daß sie die nicht glattbügelt, denn alle geglätteten Köpfe sehen gleich aus, aber solche Locken sind total individuell. Sie hat sich sehr gefreut. Ich weiß doch, wie unsicher auch die hübschsten Mädchen sind, und ich weiß auch, daß ein Kompliment von einer älteren Dame ernster genommen wird als von einem Kerl 🙂

Auch mit jungen Müttern komme ich oft ins Gespräch. Oder mit alten Menschen.

Aber immer nur, wenn die andere Seite das auch will. Sonst laß ich die Leute in Ruhe. Oft genug freut sich der andere aber, wenn man ihm Löcher in den Bauch fragt.

8. Silke - September 1, 2012, 22:09

wenn ich Laune habe, quatsche ich jeden an, mehr als lass mich in Ruh kann ja schließlich nich passieren. Irgendein Vorwand fällt mir immer ein.

Ich höre sehr sehr gern Lebensgeschichten, wie sie sich kennengelernt haben und dann und dann (stories vom Eheleben und Kindern und Haus und Garten törnen mich weniger bis gar nicht an) oder wie’s mit dem Beruf ging. Auch Krankheiten und Schönheitsproblemen kann ich viel abgewinnen.

Wenn das Gespräch in Fahrt kommt, warne ich die Leute manchmal, daß ich ne total hemmungslose Fragerin bin und es drum überhaupt nicht übel nehme (im Gegenteil) wenn mir das „Opfer“ sagt, Das geht Sie nix an.

Kurz ich behaupte, ich bin neugierig, aber nicht indiskret.

Derzeit warte ich begierig darauf, daß die äußeren Umstände mal so sind, daß ich die Fragmente zu der 2-maligen Kinderlandverschickung des 85-jährigen irgendwie zusammengepuzzelt kriege. (Männer sind viel schwieriger zu „interviewen“ als Frauen.)

9. flx - September 1, 2012, 22:10

So eine bist du also. Ich bin meistens zu schüchtern, um Leute direkt ohne Grund anzusprechen, aber ich freue mich immer, wenn jemand das macht. Ich hatte es in dem anderen Thread schon mal geschrieben. Ich hatte schon wirklich lustige Begegnungen in Frankfurt, wenn ich Shirts mit hebräischer Aufschrift getragen habe. An manchen Orten arbeiten viele Israelis und so kam man dann ins Gespräch, wo ich das Shirt her hatte und so weiter.

Am schönsten war eine Begegnung mit einem älteren Mann. Der versuchte zu entziffern, was da steht „Ah, das ist das Volk“ „Nein, das ist ein Aleph, das heißt „wenn“ oder „falls“ mit Ayin heißt es Volk“ „Achso, da war doch was“ und wie sich herausstellte, hatte er Hebräisch gelernt, weil er Pfarrer war. Dann sagte er noch, dass es ihn sehr freue, zu sehen, dass Leute sowas hier tragen. Ich gehe mal davon aus, dass er damit auf das Thema anspielte, was uns jetzt so mehr oder weniger beschäftigt.

10. Lila - September 1, 2012, 22:30

Ja ja, so eine bin ich 🙂 Ich gehör auch zu den Gästen, die unheimlich gern Fotoalben angucken. Ich habe schon ganz viele Hochzeitsalben, Jugendalben und anderen Erinnerungskram von anderen Leuten angeguckt. Mich interessiert sowas.

Deswegen war ich im Kibbuz auch erstmal ganz glücklich, weil man da, wie Amos Oz ganz richtig sagt, Einblick kriegt in das innerste Leben von 500 fremden Leuten, und es kam mir vor wie eine einzige riesige Seifenoper. Nach einer Weile merkte ich dann aber, daß dieser Einblick oft entweder täuschte, oder unerwünscht war, oder traurig war, und daß ich im Gegenzug dazu ebenfalls unters Mikroskop gelegt wurde. Da habe ich dann angefangen, mich nach außen zu orientieren.

Aber ich gebe immer noch gern Fremden die Gelegenheit, mir einen Blick auf ihr Leben zu gewähren. Nur, was sie auch gern zeigen.

11. Gesehen bei Lila: No tremp « grenzgaenge - September 2, 2012, 11:26

[…] Es ist nicht lustig. Lila berichtet über die Aktion „No tremp“. Leider hat diese Aktion einen Hintergrund, der mehr als ernst ist. […]

12. Wolfram - September 4, 2012, 19:48

arte zeigte vor einiger Zeit (ich habs aber erst jetzt von der Festplatte geholt) eine Sendung über die israelische Eisenbahn. Sie waren im Süden in Beersheba, haben da eine junge Soldatin getroffen (und deren Worte waren der Abschluß des Films: wir wollen alle nur Frieden: leben und glücklich sein können.), und sie waren auch bei dir im Norden. Wenn ichs früher gewußt hätte, hätte ich dir bescheid gesagt. Ich hab beim Sehen an dich gedacht, und an Ruth, und an…


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