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Blöde Raketen Juli 28, 2012, 21:31

Posted by Lila in Qassamticker (incl. Gradraketen).
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Schon wieder vier von den Dingern. Iron Dome funktioniert, Gott sei Dank. Eine Frau wurde leicht verletzt, als sie in den Schutzraum rannte.

An der Grenze zu Ägypten geht es sowieso munter zu. Eine terroristische Gruppe hat ein Video veröffentlicht, das ihre Vorbereitungen zeigt. Interessant, ja, aber auch äußerst unerfreulich.

Dauernd diese elenden Feindseligkeiten gegen Israel, die im Süden wieder zunehmen. Und keinen kümmert´s. Erst wenn Israel irgendwann gezwungen ist zurückzuschlagen, kommen wieder die Klagen über die unmotivierte und „disproportional“ aggressive israelische Reaktion. Aber warum sollen israelische Bürger, die ganz normal und legal in ihren Städten und Dörfern leben, ständig diesen Beschuß hinnehmen?

Die sollen sich mal mit Israels Existenz abfinden und selbst anfangen, ihr eigenes Leben zu leben, ohne ständig dem Drang nachzugeben, israelischen Zivilisten mit Raketen nach Leib und Leben zu trachten, diese Nachbarn. Das ist ja nicht mehr auszuhalten.

Kommentare»

1. unermuedlich - Juli 28, 2012, 22:00

Die Weltgemeinschaft protestiert aber nicht gegen die Teilnahme einer palästinensischen Delegation bei den Olympischen Spielen in London. Wenn es gegen Israel geht ist man nicht kleinlich. Als physisch nicht Betroffener finde ich die Einstellung und Meinung der meisten Menschen meiner Umgebung zu Israel deprimierend.
PS Ich freue mich immer auf die „Letters from Rungholt“. Danke!

2. Marlin - Juli 29, 2012, 10:25

Liebe Lila, es war schon immer nicht auszuhalten. Typisches Understatement.

3. grenzgaenge - Juli 29, 2012, 19:22

Leider passt Dein Beitrag, den ich inhaltlich voll unterstütze, zum aktuellen Datum. Nimmt das niemals ein Ende ?

4. Georg - Juli 30, 2012, 3:33

Ja, es ist nur deprimierend. Das Desinteresse der deutschen Bevölkerung, ich glaube, ich weiß, woher es kommt: Diese gefühlten ewigen Auseinandersetzungen sind die Leute leid, dabei können sie nicht mehr zwischen Ursache und Wirkung unterscheiden. Irgendwann, wenn ein Streit zu kompliziert wird, kommt das „Ihr“ ins Spiel: „Ihr seid beide dies und das … reißt euch beide doch endlich zusammen …“ usw.. Der uninformierte Bürger denkt einfach an eine Zwei-Staaten-Lösung und meint, damit sei der „Konflikt“ gelöst. Und dummerweise sind 90% der deutschen Bevölkerung uninformiert, da die Kenntnis der Fakten eine ordentliche Geschichtskenntnis voraussetzt (ich meine gar nicht nur vor, sondern explizit nach 1945, selbst das ist zu schwierig). Diese Geschichtskenntnis ist einfach nicht mehr vorhanden. Da kommt natürlich verstärkend die negative Entwicklung der USA auf Europa zu, dort wissen manchen US-Bürger nicht mal, wo Israel oder Deutschland geografisch liegen.

So, wenn das Wissen feht, wird die „Nahostproblematik“ wie die zweier streitenden Jungen bewertet. „Können die sich nicht endlich mal einigen?“

Die Mehrheit der Deutschen will nichts davon wissen, was in Israel tatsächlich los ist, sie sind aber sauer, wenn beim Eurovision Song Contest Israel Deutschland null Punkte gibt, diese Meldung schafft es sogar in die Presse. Sie fühlen sich genervt von immer neuen Konflikt-Berichten und fallen dann ganz leicht herein, wenn die Medien nur noch Anti-Israel-Berichte veröffentlichen. Also liegt das Desinteresse Deutschlands eigentlich in der Verantwortung der sog. 4. Gewalt, der Medien.

Die Palästinenserorganisationen, die selber gegen ihre eigene „normale“ Bevölkerung agieren, machen es immer geschickter, sich als Opfer des Konflikts darzustellen – und das ist die ganze Erklärung: Die Sympathie der Welt liegt immer auf der Opferseite.

Was außer Aufklären wie z.B. mit deinem Blog könnte man dagegen tun?

5. grenzgaenge - Juli 30, 2012, 16:11

Das ist doch mal eine positive Geschichte. Das wird in den deutschen Medien natürlich auch nicht vorkommen.

http://www.timesofisrael.com/in-a-jerusalem-park-a-small-group-of-potential-ultra-orthodox-idf-recruits-find-a-bridge-between-two-worlds-aharai/

6. A.mOr - August 3, 2012, 9:26

„Dauernd diese elenden Feindseligkeiten gegen Israel,…“
Die Kritiker in Deutschland gegen die Brit Mila aka „Beschneidung“ lassen durchaus auch Feindlichkeiten gegen Juden „erspüren“.
Das ist selbstverständlich noch eine ganz andere Nummer als Raketen!

Sage ich’s so, das „Bedrohungsszenario“ nimmt insgesamt wieder zu.

7. Lila - August 3, 2012, 10:23

In diese ganze Beschneidungdiskussion wollte ich eigentlich nicht einsteigen, das ist wirklich eine dornige Sache, und keiner versteht den anderen.

Für nichtjüdische, nichtmoslemische Deutsche ist Religion eine Konfession, die man jederzeit ablegen kann, und die mit der Identität nichts mehr zu tun hat. Man wird nciht in eine Religion hineingeboren, eine Konfession ist wie ein Club, und wenn die Religion Dinge fordert, die dem eigenen Geschmack oder Weltverständnis zuwiderlaufen, dann tritt man selbstverständlich aus.

Religion hat in diesem Kontext nichts mit Zugehörigkeit zu einer Schicksalsgemeinschaft zu tun, mit Zugehörigkeit zu einem Volk o.ä. Deutsche haben eine sehr moderne Auffassung von Volk – den Deutschen ist erst im 18. Jahrhundert gedämmert, daß es sowas gibt, und nach einigen hilflosen Anläufen in der napoleonischen Zeit ist das Nationalbewußtsein wieder eingeschlafen, um dann 1848 wieder aufzuwachen und schließlich 1871 einen politischen Ausdruck zu finden. Historisch gesehen – ein Wickelkind.

Deutschen fehlt jeder Blick dafür, daß ältere Völker eine andere, prä-moderne, prä-nationale Auffassung von Volk haben könnten. Ich versuche es immer, immer wieder, zu erklären, aber ich stoße bei Deutschen immer wieder auf dieselben, nicht bösartigen, aber vollkommen unüberwindbaren Scheuklappen. „Aber Judentum ist eine Religion – wieso braucht eine Religion einen extra Staat?“

Judentum ist Religion und Volk zugleich. Und darum steht es für die meisten Juden gar nicht zur Diskussion, auszutreten oder Forderungen der Religion als beliebig auszuschlagen. Das geht gar nicht. Klar, heutzutage gibt es besonders in Israel genügend säkulare Juden, die wie Weihnachtschristen vom Judentum in ihrem Leben nur noch die blanken Wurzeln übriggelassen haben – den Seder-Abend, Latkes zu Chanukka und eine wilde Kostümparty zu Purim. Kashrut geht von Nichtbeachten über Wischiwaschi zu halbwegs koscher in vielen Schattierungen zur allerstrengsten Einhaltung, Shabatruhe ebenfalls.

Aber Brit Mila der Söhne am 8. Tag ist für die allermeisten Juden nicht verhandelbar. Sie würden es als Vergehen am Kinde ansehen, es NICHT beschneiden zu lassen, es NICHT am Bund teilhaben zu lassen. Das wäre für Juden so, als wollte man die Nabelschnur dranlassen.

Es ist praktisch unmöglich, diese Jahrtausende alte Verbundenheit mit einer nicht rational erklärbaren Sitte jemandem zu erklären, der sich nichts und niemandem verbunden fühlt als dem eigenen Wohlbehagen und der eigenen körperlichen Unversehrtheit und der eigenen Mündigkeit.

In diesem Konflikt sprechen einfach zwei Seiten so unterschiedliche Sprachen, daß es unmöglich ist, der einen Seite die andere zu erklären.

Dazu kommt, und darauf beziehst Du Dich vermutlich, in diesen Diskussionen auf deutscher Seite oft ein sehr häßlich klingendes anti-jüdisches Geifern zum Vorschein. Nicht immer, aber allzu oft. Nach dem Motto, „jetzt können wir mal, im schützenden Windschatten von Kindeswohl und Menschenrecht, rauslassen, was uns an diesem Judentum immer schon genervt hat“. Und das hört sich sehr unschön an und holt die Argumente, aber auch den hämischen Ton, aus sonst verstaut herumstehenden Kisten mit alten Sachen.

Es wird in diesem Streit keinen Kompromiß geben können. Es ist schlicht unmöglich, einem NIchtjuden zu erklären, warum eine freiwillig durchgeführte Beschneidung im Alter von 18 oder meinetwegen 14 Jahren für die meisten Juden kein akzeptabler Kompromiß ist. Und es ist nicht weniger schwierig, einem Juden zu erklären, welches Entsetzen eine nichtjüdische Mutter bei dem Gedanken befällt, ihrem unschuldigen Baby sollte jemand mit einem Messer naherücken.

Ich als Nichtjüdin bekenne frei, daß es mich auf Beschneidungsfeiern immer gegraust hat, wenn begeisterte Familienangehörige feiern, während das Baby weint und die Mutter zittert. Das frisch beschnittene Kind von Arm zu Arm zu reichen, während die Musik dudelt und die Männer tanzen. Ich meide solche Feste. Übrigens kenne ich genügend jüdische Israelis, die die Beschneidung aus diesem Grund im Kankenhaus, mit Betäubung und ohne tanzende Onkel vornehmen. Gefeiert wird erst, wenn Mutter und Kind sich erholt haben. Es ist keine einfache Sache. Auch unter Juden besteht durchaus das Bedürfnis, sich über einen lebbaren und vertretbaren Umgang mit Brit Mila auszutauschen. Allerdings ohne besserwisserische Einmischung von Nichtjuden, die keinen einzigen Grund FÜR die Beschneidung als stark genug sehen, um die Gründe GEGEN außer Kraft zu setzen.

Bei moslemischen Beschneidungsfeiern kommt noch hinzu, daß die Kinder alt genug sind, um sich an die ganze Sache zu erinnern, und die Rhetorik der Männlichkeit kann in diesem Zusammenhang auch sehr unangenehme Assoziationen wecken. Immerhin werden im Namen dieser männlichen Ehre Gewalt und Dominanz über Frauen angemeldet, die bis zu Verbrechen wie „Ehren“morden führen können.

Das ganze Weltbild, das dahinter steht, ist vielen Deutschen höchst suspekt, und sie glauben, daß man, wenn man die Zeremonie der Mannwerdung mit ihrer Schmerz-Rhetorik aushebelt, vielleicht dieses Weltbild ins Wanken bringen kann, den Islam und die Herrschaft des moslemischen Mannes über die Frauen mit all seinen negativen Folgen modernisieren kann, in die Aufklärung zwingen kann. Ich zweifle allerdings daran, daß eine Diskussion von außen viel bewirken kann.

In dieser Diskussion geht also vieles durcheinander. Das postkoloniale schlechte Gewissen, daß andere Völker mal machen läßt, denn es sind ja edle Wilde, wird vom kulturellen Überlegenheitsgefühl des humanitären, säkularen Westens überrundet. Es besteht bei einer Güterabwägung überhaupt kein Zweifel für einen Großteil der Deutschen, daß kein Anspruch eines Kollektivs, zu dem man sich zugehörig fühlt, einen größeren Stellenwert haben kann als das körperliche Wohlbefinden eines Kindes.

Seit Jahren und Jahrzehnten kämpfen nichtjüdische und jüdische Mütter für eine Humanisierung des Geburtsprozesses, gegen grelles Licht und Lärm im Kreißsaal, gegen brennende Augentropfen als Routine-Verabreichung, gegen vorschnelles SChneiden der Nabelschnur, gegen Prozeduren, die das Baby verschrecken könnten. Von dem Standpunkt des frühen 20. Jahrhunderts, das Babies nichts fühlen können und nur sich windende Würmer sind, die man am besten still stellt, um sie alle vier Stunden nach einer Tabelle zu füttern… von diesem Standpunkt sind wir heute weit entfernt.

Ein Neugeborenes wird heute als waches, sensibles, dialogfähiges junges Wesen betrachtet, mit genau denselben Rechten wie ein Erwachsener. Vielleich in Kompensation zur immer größeren Liberalisierung des Abtreibungsrechts, in dem die Rechte der Mutter über die Rechte des Ungeborenen gestellt werden, obwohl nicht einzusehen ist, warum ein Neugeborenes einem Ungeborenen so viel überlegen sein soll…

Aber die archaische Einstellung des Judentums, das Neugeborene als Teil einer Schicksalsgemeinschaft zu begreifen, die an ihm die vorgeschriebenen Riten vollzieht, auch auf Kosten seines Wohlbefindens, diese uralte Einstellung hat die nichtjüdische Umgebung so gründlich überwunden, daß es nicht möglich ist, den Abgrund argumentativ zu überwinden. Wenn das Judentum die Beschneidung am 8. Tage fordert, dann soll man eben aus dem Judentum austreten – welchen Wert hat eine Religion, die so etwas fordert? Das ist für eine Mehrzahl der Deutschen, die den Anschluß an ihre Religion vergessen hat, die einzige vertretbare Ansicht.

Nur streitbare Katholiken, für die ihr Katholizismus ein bedeutsamer und nicht verhandelbarer Teil ihrer Identität ist, können das vielleicht noch verstehen, oder sehr fromme Freikirchler. Aber für den Mainstream? Auch ohne anti-jüdische Ressentiments, um nicht gleich zu sagen, auch ohne blanken Antisemitismus gibt es keine Brücke.

Nichtjuden graut vor der Beschneidung, so wie es Juden vor Nicht-Beschnittenen graut. Die meisten Juden glaube nicht, daß man durch Unterlassen der Beschneidung einem Kind einen Gefallen tut.

Ich persönlich glaube, daß ich vermutlich die Einzige bin 🙂 die beide Seiten versteht (nicht die Antisemiten, aber die, denen davor graut, ein Neugeborenes in die Hände eines Mohel zu geben, der ohne Anästhesie schneidet). Wenn es die Möglichkeit einer symbolischen, aber gültigen Beschneidung gäbe, als Option für Eltern, die sich zu einer vollen Beschneidung nicht entschließen können, damit dem Betroffenen selbst die weitere Entscheidung im Erwachsenenalter überlassen und möglich ist, das wäre für mich die beste denkbare Lösung. Ich halte das Judentum für pragmatisch genug, eine solche Lösung zu finden, aber es gibt wohl nicht genügend Juden, die Bedarf dafür sehen. Obwohl, wie gesagt, es hier in Israel sehr viele Eltern gibt, die eine pragmatische Lösung willkommen heißen würden.

Aber das ist etwas, das die Juden unter sich abmachen müssen. Ich halte nichts davon, anderen vorzuschreiben, was sie tun sollen. White man´s burden und so.

Und ganz besonders halte ich nichts davon, wenn sich unter dem Deckmäntelchen der Besorgnis ums Kindeswohl uralte, stinkende Vorurteile gegen Juden Luft verschaffen – Juden als Kindesmißhandler, als Kindermörder, die Motive sind einfach zu tief eingebrannt, es sind die archetypischen Motive des Antisemitismus.

(Ich habe mit Absicht die ganze Diskussion um die Genitalverstümmlung von Mädchen außer Acht gelassen – das ist eine ganz andere Geschichte, und die reine Tatsache, daß man sie lange als „Beschneidung“ bezeichnet hat, war unzulässig. Mädchen werden nicht beschnitten, sondern verstümmelt, der Eingriff wird aus ganz anderen Motiven vorgenommen als der an Jungen, und die Spätfolgen sind viel, viel gravierender. Es bringt nichts, beide Diskussionen miteiander zu vermischen.)

So, das war eigentlich zu viel für einen Kommentar, aber es geht mir schon lange im Kopf herum, und für einen extra Beitrag ist mir das Thema eigentlich zu kontrovers.

8. Culatello - August 3, 2012, 13:48

Danke Lila,

für Deine unnachahmlich verständige Erklärung der Differenzen in dieser Beschneidungsdebatte.
Dies ist die beste und für alle Seiten einfühlsamste Erklärung, die ich je gelesen habe.

Gruß, Culatello

9. A.mOr - August 3, 2012, 15:14

Wow! 😉 Eine ausführliche Stellungnahme. 😯
Finde alles plausibel und nachvollziehbar, auch meine Seite hast Du richtig eingeschätzt.

Ein so offener Antisemitismus, wie er derzeit durch die Medien (inkl. Blogs) wabert -nein: schwemmt!- das habe ich zuletzt vergleichbar erlebt mit den Haßtiraden gegen Juden angesichts der „Mavi Marmara Angelegenheit“.
Der Unterschied ist diesmal, daß es offenbar nicht „die Moslems“ der deutschsprachigen Länder sind, die den Aufhänger zum Freilauf ihrer Haßgefühle nutzen.
Bin gerade nicht sicher, bei all den unfreundlichen Anmerkungen derzeit habe ich allerdings nichts gelesen, wie zB „Hitler war ein Schwächling: er hat es nicht geschafft alle Juden zu ermorden!“
Solches konnte man anläßlich der ‚Mavi Marmara Angelegenheit‘ allerdings lesen.

Mavi Marmara & „moslemische“ Reaktionen oder Kölner Beschneidungsurteil & „christliche“ („aufgeklärte“-„höchstvernünftige“-„atheistische“-„auf gutdeutsch“) Reaktionen;
am Pranger stehen wir, Juden weil wir Juden sind. So oder so.

Der Präzedenzfall ist ein moslemisches Kind, wir kriegen dafür jedoch die „Wut“ von „Bevölkerungsanteilen“ um die Ohren, für etwas, das man uns nicht nachweisen kann.
Man muß sich fragen, ob das „Kölner Gericht“ solches in der Urteilsbegründung einkalkulierte. Es hätte anders entscheiden können, vor allem aber hätte es zur Sache besser abwägen sollen. Das weiß doch jeder bekloppte Jude, will ein Richter ein gerechtes Urteil fällen, so sollte er vorher sich genauestens über alle relevanten Anteile/Anklage/Beschuldigte usw informieren, er sollte alle Seiten kennen, erst dann kann er zu einem gerechten Urteil abwägen.
Wir haben nichts böses -nichts!- getan, aber zack!

Da wird fordernd festgestellt von den Mahnern und Warnern, daß das Kindeswohl zu schützen sei, deren Eltern aber wird gesagt -wie quasi seit den ‚Kreuzzügen‘- „wenn es euch hier nicht gefällt, dann geht doch!“
Lila, willkommen in Israel! Aber was haben Juden in Israel zu suchen? Verstehste?

Die vermeintlichen „Kinderschützer“, die selber keine Kinder kriegen wollen, wollen über das Wohl unserer Kinder entscheiden, tatsächlich aber wollen sie weder unsere Kinder noch uns.

Wie nun andererseits mit den Moslems in Deutschland oder zB Österreich ist, kann ich nicht sagen. Zumindest habe ich den Eindruck, daß sie nichteinmal ein Viertel von der Schelte abbekommen, wie sie Juden nun einstecken. Sei’s ihnen gegönnt!
Aber, was spricht dagegen es auch uns gönnen zu wollen? „Die Auserwähltheit“?

Nun habe ich beobachtet, mich selbst auch probiert, wie Juden wirklich redlich und geduldig versucht haben die Frager über die Brit Mila aufzuklären, wieder und wieder.
Nur diese Frager haben wir zu allermeist falsch eingeschätzt.
Sie waren nicht neugierig, was Brit Mila bedeutet, sondern sie stellten nur uns in Frage, uns, unsere Erklärungen, unsere Glaubwürdigkeit, unsere gute Absicht, sie unterstellen uns, daß wir unserern Kindern etwas böses wollen, weshalb sie unsere Kinder vor dem Behüten unserer Eltern „beschützen müssen“.
Wahre Ritter allesamt!
„Ritterlichkeit“ hat eben uU seine zwei Seiten. Tja.
(Wo ich mich doch so gerne „ritterlich“ sehe…)
Habe übrigens eine kleine, bescheidene Satire dazu geschrieben, Yael gönnte mir die Veröffentlichung.
Magste lesen?
http://yaelmyblog.wordpress.com/2012/08/01/gegen-barbarismus-und-archaische-brauche/

Das Mütter nicht sehen wollen, wie irgend ein bärtiger Kerl mit dem Säbel auf 8 Tage alte Säuglingspenisse losgeht, das ist schon klar. Aber, es ist eine innerjüdische Angelegenheit.

Natürlich sind Juden als deutsche Staatsbürger auch den Gesetzen des Landes gegenüber verpflichtet, diese einzuhalten und zu achten, aber war es jemals anders? Kann man uns vorwerfen, wir würden sie nicht achten?
Das Kölner Urteil hat Signalwirkung, es zählt (noch?) nicht zu den Gesetzen der BRD, aber anläßlich können wir derzeit sehr gut beobachten, daß es offenbar bei Teilen der deutschen Bevölkerung brodelt.

Soll es uns wundern nach jahrzehntelanger mißgünstiger Berichterstattung der „Qualitätsmassenmedien“ in Deutschland zu Israel und Juden, wenn es dann auch mal Früchte trägt?
Hast Du zB schon diesen „kleinen Patzer“ gelesen, kennst ja Sebastian Engelbrecht (ARD)…
http://aro1.com/tagesschau-kroent-tel-aviv-als-israelische-hauptstadt/
Kein Patzer meiner Meinung nach, bewußte Nadelstiche, Engelbrecht mag uns nicht.

Kann sein, vielleicht erscheine ich Dir ein wenig „hysterisch“ (und einen meiner letzten Kommentare fand ich im Nachhinein überzogen, bzw „schwammig“ ausgedrückt, denn es geht uns in Deutschland doch -noch- ziemlich gut, nuja..), aber es ist doch so, man gibt uns immerwieder zu verstehen: „Seht euch vor! Seid bloß vorsichtig! Ihr seid komische Leute!“ usw.
Man muß auf der Hut sein, ohne Kippa oder sonstwas, was einen „jüdisch“ erscheinen läßt (um Israelflaggen kümmert sich bekanntlich die deutsche Polizei) fällt man nicht weiter auf, höchstens noch als „Ausländer“, oder eben als „schräger Typ“, das dürfte hin und wieder für mich der Fall sein. Nicht so wild, man muß eben hin und wieder rachmones zeigen. 🙂

Die Polizei auf jeden Fall bewacht nicht nur das unerlaubte Zeigen von Israelflaggen in Deutschland, sondern eben auch die Synagogen. Aber das weiß Du.
Ja, ein wenig besorgt bin ich schon angesichts einiger Ereignisse und Entwicklungen.
Es handelt sich letztlich doch nur um ein „1+1“.
Dabei lernte ich einmal im Spiegel der „Umjang-Theorie“: 1+1=1.
Schön wär’s! Oder, ist’s tatsächlich so?
Schätze, die Frage versteht man nur, wenn man mal nichts verstanden hat…

Daß Du das Thema hier im blog nicht behandeln möchtest, zumal dort irgendwo vom fernen fernen Osten aus, das kann ich gut nachvollziehen, danke aber, daß Du mir diesen Raum gegönnt hast und Danke vor allem auch für Deine besonnene und (wie stets!) scharfsinnige Stellungnahme.

Falls ich was vergessen haben sollte, immer her damit! 😀

Schabat schalom.

10. A.mOr - August 3, 2012, 15:30

Beinahe hätte ich den noch vergessen, so sieht es aus, wenn Juden „barbarisch und archaisch“ vorgehen. Schnipp-Schnapp ab! Wie Chajm titelte. 😉
Ojweh! Ich mag’s mir auch nicht gerne ansehen!
(Aber es beruhigt mich, daß dem kleinen Mann wohl vor allem der Luftzug untenrum Sorgen bereitete?)

11. Lila - August 3, 2012, 15:42

Na ja, Du weißt, es kreise auch andere Videos… ich würde mich da nicht auf eine Video-Skat-Runde einlassen.

12. A.mOr - August 3, 2012, 16:21

Jepp, ich weiß, hab’s teils schon gesehen. Dachte mir, daß dieses -auch schon hart!- das Ganze wieder etwas auf den Boden stellt…

13. A.mOr - August 3, 2012, 16:26

Falls so richtig miese Videos kommen -denn ich habe kein Interesse an „Video-Skat-Runden“, und es wäre nicht schön, wenn ich quasi Anlaß für Horrorvideos werden sollte und wem hilft’s??- dann bittebitte rauswerfen! 😯 Zensuuur!
Das bringt die Diskussion schließlich nicht voran?

14. Lila - August 3, 2012, 16:32

Es ist und bleibt nun mal kein schöner Anblick. Mir reicht, das Baby weinen zu sehen und zu hören. Ich glaube nicht, daß Du damit jemanden von der Harmlosigkeit des Eingriffs überzeugen kannst.

Klar, man läßt Kinder auch impfen, und sie weinen dabei. Meine Tertia wurde als Frühgeburt erbarmungslos mehrmals täglich in die Ferse gepiekst, Blutabnahme. Manchmal geht es eben nicht anders. Auch unter der Geburt leidet ein Baby. Mir soll keiner sagen, daß es angenehm ist, von den Wehen durchgewalkt zu werden. Dann den Schleim abgesaugt zu kriegen, gewaschen und gewogen zu werden, angezogen, oft mit hastigen oder kalten Händen. Babies machen ganz schön was durch.

Brit-Befürworter sagen bei dem Video vermutlich: es geht nun mal nicht anders, kleiner Schmerz, großer Gewinn. Brit-Gegner: es ist nicht einzusehen, warum man dem Kind ohne Not Schmerz zufügen soll.

15. Lila - August 3, 2012, 16:34

Ho ho. Wer austeilt, muß auch einstecken können 😀

Nein nein. Ich kann es sowieso nicht mit ansehen. Auch bei Deinem Clip habe ich die Mite übersprungen.

Ich muß Dir sagen, daß zu den skurrilsten Erlebnissen in Israel der Tag nach einer Geburt gehört. Wenn alle halbe Stunde ein Mohel den Kopf durch die Vorhänge steckt und fragt: ben o bat? Sohn oder Tochter? und auf die Antwort Sohn einem seine Visitenkarte zusteckt.

Machen die das immer noch? Ich fand es ziemlich ärgerlich, dauernd von diesen fremden Kerlen gestört zu werden, die auf der Suche nach Kunden waren. Daß das Krankenhaus das zugelassen hat!

16. A.mOr - August 3, 2012, 17:37

Also, ich finde, daß ich genug eingesteckt habe dafür geboren geworden zu sein, und außerdem dieses eine Video nur zu sehen.
Entsetzlich!
Nein, angenehm find ich’s auch nicht, aber es war angenehm zu sehen, wie das Kind die Sache an sich doch „relativ“ gelassen überstand. Vielleicht rede ich mir was ein?
Mindestens entdecke ich nichts von den vielen wirklich gemeinen und miesen Vorwürfen, die nun so „frei“ an uns gerichtet werden.
Klar, teile Deine Beurteilung, die einen so die anderen so, fliegen müßte man können… 😉

Zu Deiner Frage, keine Ahnung, kenne ich so garnicht.
Aber Du im erez solltest doch ’nen guten Überblick zu der Frage haben?

17. Lila - August 3, 2012, 18:17

Da muß ich mal ne junge Mutter fragen.

18. Paul - August 3, 2012, 22:04

Zu 7) Vielen Dank für diesen Artikel, liebe Lila.
Da kann ich mich Culatello vorbehaltlos anschließen. Das ist das Beste was ich bisher zum Thema Beschneidung gelesen habe. Und ich habe in letzter Zeit sehr viel gelesen. Das Thema hat mich ganz schön umgetrieben.

Schade ist nur, dass dieser Artikel hier nur für eine eingeschränkte, eigeweihte, Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Zumal Du Ihn auch noch „Unter Raketen“ versteckt hast.
Den Beitrag zu den Raketen hatte ich gelesen. Was soll man da noch kommentieren?
Wenn A.mOr den Beitrag zur Beschneidung nicht bei Yael verlinkt hätte, hätte ich ihn nicht gelesen. Der ist so gut, dass ich ihn gleich in meine „Waffebkammer“ gelegt habe.
Er hätte es auch verdient einer größerer Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt zu werden. Wirklich! Das ist jetzt kein Schmus.
Denk mal darüber nach.
LG Paul

PS: In unserer Katholischen Gemeinde war am Sonntag während des Gottesdienstes die Taufe eines Säuglings. Der hat bei der Taufe mit Wasser genauso geschrien wie der Säugling der beschnitten wurde.
Nun sage mir bloß nicht, der hat so geschrien, weil er Angst davor hatte beschnitten zu werden. 🙂

19. Lila - August 3, 2012, 22:55

Ich soll bei meiner Taufe auch fürchterlich geplärrt haben. (Allerdings habe ich das erste halbe Jahr durchgeschrien, nur im fahrenden Auto war ich still. Meine Mutter ging sogar zur Kinderärztin mit mir, und die sagte: das Kind hat keine Freude am Leben. Sehr erbaulich für meine Mutter. Zu ihrer Ehre sei gesagt, daß sie mich nicht hat schreien lassen, obwohl das damals vorherrschende Lehrmeinung war.)

20. willow - August 4, 2012, 9:00

„meine Mutter. Zu ihrer Ehre sei gesagt, daß sie mich nicht hat schreien lassen“

Du hast deine ersten Monate also im fahrenden Auto verbracht!? 😉

21. Lila - August 4, 2012, 9:09

Ganz genau. Meine Eltern hatten einen Käfer, darin habe ich meine ersten Monate verbracht. Gut, daß sie beide begeisterte Autofahrer sind 🙂

22. A.mOr - August 4, 2012, 21:07

Paul (18), Lila,
jepp, habe gepetzt! 🙄

😉 schawua tow.


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