jump to navigation

Eine Schildersammlung Juli 27, 2012, 19:50

Posted by Lila in Bloggen.
trackback

Wenn ich so unterwegs bin, fallen mir immer wieder lustige Schilder auf. Längst habe ich noch nicht alle photographiert – auch Y. fallen immer wieder welche auf, und sein Sinn für das Absurde ist viel ausgeprägter als meiner. Da kommt also noch was dazu – aber ein paar ganz nette Exemplare kann ich doch beibringen.

Ich glaube, das hier kennen schon einige – durch dieses Schild bin ich erst auf die Idee gekommen, weitere Exemplare zu sammeln.

Eine Boutique mit ziemlich billiger Mode, die sich Atrakzia nennt – was natürlich eine verrückte Hebraisierung von Attraktion ist – eize atrakzia, was für eine Attraktion!, das sagt man wirklich auf Hebräisch. Ich freue mich immer, wenn ich dieses Schild sehe, und das ist jedesmal, wenn ich in Nahariya in die Nebenstraße einbiege, wo die Sherut-Taxis warten. Für mich ist das jedesmal eine atrakzia.

Auch das nächste Bild ist aus Nahariya, aber einer Ecke, wo ich seltener bin. Das Telefon war ein bißchen klebrig nach einem langen Arbeitstag, aber das Schild läßt einen die miese Qualität vergessen, finde ich.

Denn dieser Friseur, liebe Leser, verheißt nicht etwa nur schnödes super hair, das könnte ja jeder sagen. Nein, SUPPER hair können seine Kundinnen tragen. Mal gucken, ob die Speisekarte je um breakfast oder lunch hair erweitert wird…. nur vom soup hair würde ich abraten.

Bei diesem Bild handelt es sich nicht um einen Schnitzer mit dem schwierigen loasit, der „Sprache fremder Völker“. (Loasit nennt man auf Hebräisch alle Sprachen, die nicht Hebräisch sind – so wie alle fremden Länder kurz chuz-la-aretz heißen, „außerhalb vom Land“. DAS Land ist immer Israel.)

Hier berührt mich die Diskrepanz zwischen der hoheitsvollen Mona Lisa und der Schäbigkeit ihrer Umgebung. Irgendjemand hat mal ein Schild für ein Möbelgeschäft auf der Straße Akko-Haifa entworfen, auf dem Leonardos berühmtestes Porträt für Qualität wirbt. Längst ist das Geschäft pleite und zugemauert, das Schild zerfällt – aber die Mona Lisa ist immer noch zu erkennen, in drei verschiedenen Versionen. Auch dieses Schild ist auf meinem Weg zur Arbeit, und ich habe es aus dem fahrenden Sherut-Taxi heraus aufgenommen. Ganz melancholisch eigentlich, der Anblick.

Das Schild war die Frucht eines Spaziergangs durch Haifa. Auf dem Schild steht ein Name und als Berufsbezeichnung: nihul proyektim, Projekt-Management. Ich weiß natürlich nicht, was für Projekte der Mann managt – aber das Haus kann schwerlich den Anspruch einlösen, den das Schild stellt. Bevor er andere Projekte übernimmt, sollte er wohl erstmal die Ruine restaurieren, in der sich sein Büro befindet…

Auch dieses Schild sehe ich oft auf dem Weg vom Norden in Richtung Haifa, und es hat eine Weile gedauert, bis mir ein Licht aufging, was überhaupt gemeint ist. Makiage? Schule für Kosmetik…? Ach du liebe Güte. Maquillage natürlich. Die Rück-übersetzung vom Hebräischen ins loasit birgt doch immer wieder Tücken.

Ähnliche Probleme hatte der Besitzer dieses Cafes. Shtroudl (das L am Schluß ist auf dem Bild nicht erkennbar, ich verspreche aber, daß es existiert), sehr passend für ein Cafe, denn wer ißt nicht gern… Shtroudl?

Natürlich könnt Ihr jetzt sagen, es ist häßlich von mir, über Leute zu lachen, die weder Deutsch noch Französisch können, Maquillage und Strudel nur im Hebräischen kennen und jetzt eifrig drauflos transkribieren, nur von den vage erinnerten Ausspracheregeln des Englischen geleitet. Aber man könnte ja mal einen Muttersprachler fragen oder das Internet bemühen, bevor man sich mit einem Schild lächerlich macht. Wobei ich natürlich sehr dankbar sein muß für diese kleinen Peinlichkeiten.

Das hier ist ein Fundstück meines Mannes. Es ist das Schild eines Bauunternehmens, das gerade die Polizeiwache von Nahariya renoviert. Ken-ha-tor heißt die Firma, und laut Website ist das die Hebraisierung des Namens Kantor. Ken-ha-tor bedeutet „Nest der Turteltaube“, wie auch das Bild andeutet. Was daran so lustig ist? Daß diese Vögel ein paar Zweige zusammenrupfen und das ihr Nest nennen. Es wird dann durch die Ausscheidungen ihrer Nachkommen zusammengehalten, das steht sogar in Lehrbüchern über die Vogelwelt Israels. Y. amüsiert sich köstlich darüber, wie ein Bauunternehmer meint, ausgerechnet diese schäbigen, dreckigen Nester flößten seinen Kunden Vertrauen ein.

Ein weiterer Fund meines Mannes, in Zusammenarbeit mit Secundus, dem das besonders gut gefallen hat. KYC – Kentucky Yarka Chicken – steht auf dem Schild, das für ein Hühnchen-Schnellrestaurant wirbt. Zweifellos in Anlehnung an Kentucky Fried Chicken. Aber statt ihr Lokal Yarka Fried Chicken zu nennen, haben sie es eben Kentucky Yarka Chicken genannt – entweder, weil sie die Bedeutung nicht kannten oder weil sie so nah wie möglich am KFC-Logo bleiben wollten. (Übrigens finde ich das Schild darunter für ein Fleisch-Restaurant auch nicht schlecht – Dona Drama. Wenn ich je ein Restaurant eröffne, wäre das zweifellos der passendste Name.)

In Akko sehe ich schon seit einiger Zeit den Brautsalon Shontal. Da haute couture richtig geschrieben ist, spekuliere ich mal, daß die Schreibung Shontal auf die Eltern der Besitzerin zurückzuführen ist oder den Beamten, der Shontal mal ihren ersten Reisepaß ausstellte und dabei mit ihrem Vornamen experimentierte. Na, angeblich gibt´s ja auch in Deutschland Shanett und Nikoll.

(Ein anderer Brautsalon in den Krayot heißt mon sheri – ich werde den auch mal photographieren. Auch dort wurde der Name wohl von jemand transkribiert, der nicht wußte, daß das hebräische shin im Englischen zwar als sh geschrieben wird, aber nicht zwingend auch in allen anderen Sprachen…)

Eine Art Kapitulation sehe ich auch im Namensschild des Restaurants Bordo in Nahariya. Wer kann denn auch ahnen, daß diese verrückten Franzosen vier Buchstaben verschwenden, wo man mit einem o prima auskommt? Bordo, übrigens auf der ersten Silbe betont, ist als Farbbezeichnung sehr gebräuchlich.

Leider darf ich eine ganz bestimmte Speisekarte nicht in meine Sammlung aufnehmen, das hat mein Nachwuchs mir unter Androhung sämtlicher Höllenstrafen verboten. Die israelische Sitte, englische Speisekarten bereitzuhalten, finde ich lobenswert (die israelischen Studenten haben sie in deutschen Restaurants schmerzlich vermißt), und ich bitte oft um eine – aus reiner Faulheit. Und da stoße ich dann schon mal auf einen salat nissoas oder ähnliche Fundstücke. Korrigieren darf ich nicht, die Kinder schämen sich so schon genug für mich.

Ich dürfte über solche Sachen eigentlich auch gar nicht lachen, denn ich komme aus dem Rheinland, wo man Baguette Päng-Brot nennt, ganz logisch, denn päng heißt ja Brot auf französisch… normal, ne…

Wie gesagt, da kommt noch mehr zu, aber fürs erste Mal reicht das doch, oder?

Kommentare»

1. heplev - Juli 27, 2012, 20:36

Ich erinnere mich, dass du mal ein Café „piece of cake“ fotografiert hattest – da stimmte zwar das Englisch und auch die hebräische Transkription, aber diese ließ sich auf unterschiedliche Weise aussprechen/lesen und das war wirklich lustig.
Übrigens ärgere ich mich heute noch, dass ich vor zwei Jahren an der Jaffa Road in Jerusalem dieses kleine Restaurant nicht fotografiert habe, das mit mexikanischen Spezialitäten zu werben versuchte. Was da schief gelaufen war, weiß ich leider auch nicht mehr, aber ich hatte mich köstlich amüsiert.

2. Jack - Juli 27, 2012, 20:53

Ob Ratte, Wespe oder Schabe,
wir lösen ihre Schädlingsplage. http://inlinethumb24.webshots.com/16791/2622013300103263814S425x425Q85.jpg

Ruf da doch mal an, bevor Du wieder auf großes Drama machst, weil bei Dir im Zimmer ’ne Mini-Spinne rumläuft. Brauchst Du sie nicht selber morden und so tun, als wär’s Notwehr. Pfui, böse Spinne.

3. Claudia Sperlich - Juli 27, 2012, 21:33

In irgendeinem in der DDR erschienenen Lehrbuch kam immer wieder der Philosoph Wolter vor. Das war die Rücktranskribierung des in kyrillischen Buchstaben geschriebenen Voltaire.

4. Lila - Juli 27, 2012, 21:38

Ich denke mir oft, wenn ich jemanden mit Namen wie Gechtmann treffe, daß es sich um einen ähnlichen Fall handelt…

5. Silke - Juli 27, 2012, 22:14

Von den 3 Stunden Spanisch-Unterricht, die ich mal vor fast 60 Jahren hatte, ist mir in Erinnerung geblieben, daß die Spanier Cocktail ganz ungeniert cóctel schreiben. Das hat mich sehr beeindruckt und ich bin jetzt ein bißchen traurig, weil ich nun weiß, daß es „un-israelisch“ ist, es wie die Spanier zu treiben.

PS: irgendwann habe ich einen wundervollen Sketch von Robert Gernhardt im Radio gehört, in dem zwei sich einem Wettbewerb ums Fremdsprachenwissen/können hingeben.

6. Lila - Juli 27, 2012, 22:42

Aber nein, es ist keinesfalls un-israelisch, es ist das genaue Gegenteil! Daß ich darüber lache, ist schon eher un-israelisch.

Meine Chefin erklärte mir vorgestern, daß in ihrer Jugendzeit in Argentinien Guillermo Sha-ke-spe-aaare mit Absicht so ausgesprochen wurde, weil alles andere un-spanisch gewesen wäre.

Und Israelis nennen die Rolling Stones „ha-avanim ha-mitgalgelot“ und die Beatles „ha-chipushiot“, also die rollenden Steine und die Käfer. Ja selbst die Doors werden als „dlatot“ trivialisiert.

Nur wir doofen Deutschen wollen immer alles korrekt haben und lachen über Shontal.

7. mia12 - Juli 28, 2012, 9:26

Ich amüsiere mich auch sehr gerne über solche Sachen, z.B. Speisekarten, die Wüsten (deserts) statt Nachtische (desserts) anbieten.

Mein liebstes Ereignis ist immer noch, als ich einmal in einer israelischen Pizzeria „Pizza Funghi“ (korrekt italienisch ausgesprochen) bestellt habe, und von der Kellnerin korrigiert wurde, dass das „Pongi“ hiesse. 😉

8. Lila - Juli 28, 2012, 9:32

Du hättest sie mit dem Hinweis zum Schweigen bringen können, daß man ja auch swimming fool und fornografia sagt. Beides schon gehört!

Ist eben blöd, wenn man für P und F nur einen Buchstaben hat und sowohl O als auch U mit einem V andeutet… meine Schwiegermutter besteht übrigens darauf, daß es Mafle-Sirup heißt.

9. Wolfram - Juli 28, 2012, 9:54

Das rosbif steht vermutlich so im Petit Robert…
aber Claudias Anmerkung (n°3) erinnert mich daran, daß evangelische Theologen über Generationen einen Kirchenvater mehr kannten als die katholischen Kollegen, nämlich Dulian. Den hatte Luther öfter erwähnt, wie aus den Mitschriften seiner Studenten hervorgeht: „Der Dulian schreibt…“
Es brauchte einen Sachsen, um dem Rätsel auf die Spur zu kommen…

10. Wolfram - Juli 28, 2012, 9:57

Ach ja, zu Shakespe-are : die französischen Lateinlehrer weigern sich strikt, die Diphtonge als solche zu behandeln, sie pflücken also nicht rosae (rosä), sondern rosaé. Und das, obwohl so manches ae auf dem Weg aus dem Lateinischen ins Französische zu é geworden ist, wie im préfixe, praéfixum… :crazy:

11. vered - Juli 28, 2012, 11:07

Wer fornografia sagt, hat weder pilosofia noch pilologia studiert. (Über pilosofia habe ich sogar eine Dozentin dozieren hören, pilologia ist eine boshafte Weiterführung von mir. (Für Nichthebräer: pil heisst Elefant).
Übrigens gab es in Bet Sche´an seinerzeit phalaphel zu kaufen.

12. Lila - Juli 28, 2012, 11:20

Von der pilosofia leitet sich dann logisch die hitpalsefut her: die eitle Sophisterey…

Y. hat mal einen Herrn Couperberg im deutschen Telefonbuch gesucht, dessen Namen er von einem Kollegen hatte – irgendwas wegen Maschinenteilen. Erst als ich ihm vorschlug, doch mal Kupferberg zu suchen, wurde er fündig 😀

13. gingit - Juli 28, 2012, 13:00

Wir hatten kürzlich einen ‚Militär-Futsch‘ im Gespräch… Das ist aber auch sehr schwer mit dem P und dem F… 😉
Viele Grüße!

14. mia12 - Juli 29, 2012, 9:48

… und da die Israelis Probleme mit Umlauten haben, hiess der Bundeskanzler auch schon mal „Schredder“. 😉

15. Lila - Juli 29, 2012, 10:36

Da ist es mit Ängäla Märkäl schon viel einfacher. Ha-kanzlerit. 😀

Gätä für Goethe ist auch immer wieder schön.

(Für Sprach-Interessierte:

Es gibt eine bestimmte Klasse hebräischer Substantive, die segolata genannt werden, weil sie zweimal ein ä haben. Diese ä sind aber nur Hilfsvokale, um das Wort besser aussprechen zu können, und in anderen grammatikalischen Umständen als der Grundform verflüchtigen sich die ä wieder. In verwandten Sprachen wie dem Arabischen werden die Worte ohne die ä-ä-Vokalisierung benutzt.

Beispiele:
käläv, der Hund – aber kalbi, mein Hund
arabisch: kalb

käräm, der Weinberg – aber karmel, der Weinberg Gottes
arabisch: karm

Dieses ä, segol genannt, wird kurz wie in ächzen ausgesprochen, nicht lang wie in ähnlich.

Normalerweise wird das segol als e transkribiert, weil die offizielle Schreibung sich nach dem Englischen richtet, aber der Umlaut ä ist eigentlich präziser, darum benutze ich es.

Nun, ich glaube, daß Israelis diese ä-ä-Kombination einfach so gewöhnt sind, daß sie sie eben auch auf Schrädär, Märkäl, Gätä anwenden 😀 Vor allem, da es ja kein ö gibt im Hebräischen und die deutsche Gewohnheit, die letzte Silbe zu verhuschen, hier unbekannt ist. Denn eigentlich spricht ja keiner das -r am Ende von Schröder richtig aus. Außer den Israelis natürlich.)

16. mia12 - Juli 30, 2012, 9:53

Wieder was gelernt, danke.

Israelis amüsieren sich gerne darüber, wie seltsam/kompliziert meine Sprache (nicht Deutsch, sondern Schweizerdeutsch) ist, z.B. das Wort „Grüezi“. Umlaut _und_ Diphthong. Ich frage dann jeweils, wie die Mehrzahlform von „Meziut“ lautet. Meziuiot, vier Vokale nacheinander? Und Deutsch/Schweizerdeutsch soll seltsam sein? 😉

17. Lila - Juli 30, 2012, 12:09

Hat meziut, die Realität, überhaupt einen echten Plural? Das ist aber schon ein sehr postmodernes Konzept, dem die alte Sprache vielleicht gar nicht gewachsen ist.

Und in Meziyuoyot hast Du doch aleph und yud, also Konsonanaten satt. Mah ha-baayiah? 😀

Schweizerdeutsch mag kompliziert sein – ich kann es nicht beurteilen, da ich kein Wörtchen verstehe, obwohl ich Neffen und Nichten habe, die diese Sprache täglich benutzen, zu meiner großen Bewunderung.

Aber warum ist Grüezi schlimmer als Gräuel?

18. mia12 - Juli 31, 2012, 9:49

Jaja, wenn man Aleph und Yud als Konsonanten anschaut, sieht’s gleich ganz anders aus. 😉

Ich bin nicht sicher, ob Meziut offiziell einen echten Plural hat, aber da ich mal das dringende Bedürfnis hatte, meiner Umwelt mitzuteilen, dass ich in mehreren Realitäten lebe, habe ich mich so lange durchgefragt, bis mir jemand glaubhaft versichert hat, dass eben „Meziuiot“ die Mehrzahlform ist.

Grüezi ist wohl nicht schlimmer als Gräuel, wahrscheinlich ist beides für Israelis ziemlich unaussprechbar. Allerdings muss ich Israelis, die mich in der Schweiz besuchen, jeweils nicht beibringen, wie man Gräuel ausspricht, während das Wort „Grüezi“ doch eher nützlich ist. (Allerdings habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass Deutsche Probleme mit dem Wort haben und eher Grützi statt Grüezi sagen.)


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s