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Unterwegs Juli 2, 2012, 21:00

Posted by Lila in Persönliches.
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Seit ein paar Tagen genieße ich mit Quarta die schöne Stadt Amsterdam. Wir laufen ziemlich viel rum, heute auch mit meinem Bruder, der genau wie ich ein Fan dieser Stadt ist. Quarta hat sich Rijksmuseum, van-Gogh-Museum und Hermitage-Museum energisch verbeten, was ich auch akzeptiere. Das kann man immer noch nachholen, aber im Moment interessiert es sie einfach nicht. Statt dessen haben wir den Blumenmarkt, Madame Tussaud und viele Grachten zu Fuß und zu Boot erkundet.

Ich fühle mich wie aus der Routine gefallen. Wann ich das letzte Mal ohne Verpflichtungen und schlechtes Gewissen einfach so rumgelaufen bin, weiß ich gar nicht mehr. Ich liebe die niederländische Sprache und Kultur und fühle mich hier wohl. Zu meiner Freude ist auch Quarta sehr davon angetan. Wir wohnen in einem kleinen Hotel, das in einem alten Grachtenhaus untergebracht ist, und vor unserem Fenster sehen wir Wasser und historische Gebäude und Hausboote.

Obwohl ich Y. und die anderen Kinder sehr vermisse, genieße ich mal die Zeit mit Quarta und meinem Bruder.

Als nächstes Projekt steht die Seebestattung meines Vaters an – fast einen Monat nach seinem Tod. Viele Gespräche mit lange nicht mehr gesehenen Menschen und alte Dokumente seines Lebens haben ein dreidimensionaleres und lebendigeres Bild meines Vaters in mir entstehen lassen, als ich es lange hatte – es ist sehr schwer, Eltern anders wahrzunehmen als in Beziehung zu sich selbst, auch in meinem ehrwürdigen Alter.

Ein Familientreffen mit den Cousinen meiner Mutter war ebenfalls ein Ausflug in die Vergangenheit, ebenso Radtouren in der Umgebung, darunter zu Plätzchen, wo ich seit Jahrzehnten nicht mehr war.

Also, ich bin nicht verlorengegangen, aber ich habe eine kleine Auszeit von meinem Alltagsleben genommen. Es wird schön sein, wieder zurückzukehren, aber im Moment genieße ich es, aus dem Fenster auf eine Gracht zu blicken, um elf Uhr nachts noch Licht am Himmel zu sehen und mir gegen die frischen Windstöße morgens und abends ein Jäckchen überzuziehen. Oh, das Grün, das viele Wasser. Mitteleuropa ist gesegnet und weiß es doch oft nicht zu schätzen.

Kommentare»

1. Paul - Juli 3, 2012, 0:35

Liebe Lila,
kann es sein, dass man oft das was man hat, nicht so schätzt und mehr das haben möchte, was man nicht hat?
Für mich ist das Klima in Israel verlockender als das hier in Berlin.
Ich liebe die Wärme, kann es aber verstehen, dass Dir, mit Deiner hellen Haut, etwas weniger Sonne, bekömmlicher ist.

So träumen wir beide unseren Traum und akzeptieren es schließlich, so wie es ist. 🙂

Eine gesunde Heimkehr
wünscht Paul

2. Wolfram - Juli 3, 2012, 9:36

Ich winke nur mal kurz rüber (immer an der Küste lang…) und bin dann schon wieder still. Genieße, was zu genießen ist, lebe, und lasse die Welt sich weiterdrehen…

3. Lila - Juli 3, 2012, 9:48

Lieber Paul, warst Du schon mal in Israel? Selbst für meine Mutter, die Sonnenfanatikerin ist und sich immer in warme Weltgegenden hingezogen fühlt, ist die Hitze und Helligkeit unerträglich. Der Himmel ist metallisch-stumpf und grell, das Wetter unveränderlich, Schwüle wird nie durch Gewitter erlöst und auch nachts ist es wie im Backofen. Selten weht mal ein Lüftchen.

Das ist keine angenehme Wärme, selbst bei uns in den Bergen nicht. Um sieben Uhr abends ist es stockdunkel und heiß. Abends draußen sitzen so wie hier in Amsterdam ist oft gar nicht möglich, weil es einfach immer noch zu heiß und stickig ist.

Schlimmer noch als die Hitze ist für mich die Helligkeit. Und natürlich die Trockenheit.

Nein nein, das ist keine angenehme Ferien-Wärme, das ist Jahr für Jahr monatelange dörrende, sengende, stickige, grelle Hitze. Ich kenne niemanden, der sie genießt. Nur Leute, die sie mit größerem Gleichmut als ich ertragen oder denen sie weniger ausmacht.

Quarta staunt, daß hier auch im Regen alle draußen sitzen. In Israel sitzen die Eingeborenen fast immer drinnen, wegen der Klimaanlage 😀

Paul - Juli 3, 2012, 10:44

Liebe Lila,
ich war zwei mal in Israel, immer um die Osterzeit herum also mitte April. Sicherlich habe ich Glück gehabt. Aber sowas schreckliches habe ich nicht erlebt.
Zugeben muss ich aber schon, dass ich kein Maßstab bin. Jahrelang haben wir in Bulgarien am Schwarzen Meer im Juli Urlaub gemacht. Nun ist es am Meer immer noch angenehmer, als im Landesinneren. Die Bulgaren haben uns Deutsche für verrückt gehalten, weil wir, nicht alle, aber doch sehr viele, selbst in der größten Mittagshitze, bei 30-35° im Schatten, uns am Strand gesonnt haben. Viele, so wie ich und meine Frau, auch ohne Sonnenschirm.
Auch das Mittelmeer in Spanien hat uns gut getan.
Du merkst, ich bin kein Maßstab.
Allerdings, ich gebe zu, jetzt im doch fortgeschrittenen Alter, verbringe ich die Mittagszeit nicht mehr in der prallen Sonne.

Dir noch einen genussvollen Aufenthalt in unseren Breiten. Tanke etwas Kühle, denn Israel wird in den ersten Tagen wieder besonders ’schrecklich‘ für Dich sein.

LG Paul

4. Frau-Irgendwas-ist-immer - Juli 3, 2012, 10:46

Also ich war Ende November/Anfang Dezember (1997) in Israel – da fand ich das Klima, gerade im Gegensatz zum Wetter in Dt., total schön! 😉 Und würde jederzeit wieder zu dieser Jahreszeit reisen. Der Rest des Jahres wäre mir sicher viel zu heiß.
Amstersam ist sicher ein totaler Kontrast – ich wünsche viel Spaß beim geniessen. Und die Sprache ist echt der Hammer!

Für die Seebestattung ganz viel Kraft!

5. willow - Juli 3, 2012, 12:01

Ach ist das schön, da freue ich mich für euch … 😀

Habt ihr schon eine Grachtenrundfahrt gemacht? Solltet ihr, ist sehr interessant … ansonsten noch paar Empfehlungen (kennst du aber bestimmt alles schon)

– extrem schmackhafte Schokoladenerzeugnisse, speziell belgisch Trüffel, gibt es in der Staatsstraat 11, das ist direkt an der Amstel zwischen Uni und Rathaus

– einen wunderschönen Wochenmarkt gigt es in der Alber Cuyp Straat … sehr nett

– in der inneren Innenstadt müßt ihr euch unbedingt den Beginenhof ansehen und wenn euch der Trubel zu sehr nervt die Cafeteria des historischen Museum direkt an der fürchterlichsten Einkausstraße busuchen (Kalverstraat 92, kein Eintritt 😉 )

– sehr interessant auch das Amstelkring-Haus, dort findet sich eine geheime Kirche in der die Amsterdamer Katholen lange im Verborgenen Gottesdienste feierten

und dann natürlich flämische Fritten, Pfannkuchen und Matjes essen 😉

6. Malte S. Sembten - Juli 3, 2012, 13:08

Schön, dass Du euren Urlaub genießt!

Aber wie man als Ästhetin die holländische Sprache mögen kann … :p

Kulturell haben die Niederlande natürlich gerade für eine Kunsthistorikerin einen beträchtlichen Reiz.

Quartas Abneigung gegen Museen kann ich gut nachvollziehen. Sieht man während des Besuches nicht alles, was das Museum zu bieten hat, hat man ein schlechtes Gewissen und das nagende Gefühl, etwas verpasst zu haben. Sieht man alles, ist man hinterher fußlahm und erschlagen. Das geht zumindest mir so – jedenfalls in größeren Museen. Museen haben generell viel zu wenig Sitzplätze, wo man sich erholen kann.

Außerdem sind Kunstmuseen und Gemäldegalerien in den Zeiten von Farbbildbänden und Internet ohnehin nicht mehr die erste Anlaufstelle, wenn man ein Land kennen lernen will.

Israel würde ich gerne einmal kennen lernen. Aber in der Tat schreckt mich das dortige Klima. Ich bin kein Mensch, den es in sonnige oder gar sonnengrelle Gefilde zeiht. Schottland ist ein verlockendes Urlaubsziel für mich.

7. Georg - Juli 3, 2012, 13:51

„Oh, das Grün, das viele Wasser. Mitteleuropa ist gesegnet und weiß es doch oft nicht zu schätzen.“

Da spricht die Liebe zur Heimat, die man meist erst sehnsuchtsvoll aus der Entfernung so richtig erkennt.

Viel Spaß weiterhin in Holland, nur ein Steinwurf weit, hier vom unteren Niederrhein 🙂

8. vered - Juli 3, 2012, 14:29

O Lila, ich habe in den letzten Tagen so oft an dich gedacht und mir vorgestellt, wie du durch verregneten deutschen Wald stapfst und immer wieder die herrlich duftende Luft tief einziehst, dann nach der Wanderung zufrieden und mit Federbett bedeckt in traumlosen Schlaf verfällst, neun oder zehn Stunden an einem Stück. Schön daneben geraten! Nun hast du dir eine andere Zauberecke Europas gewählt – es gibt ja so viele, jeder kann das finden, was ihm gerade gut tut.
Geniesse es, schön, dass Quarta und dein Bruder mit von der Partie sind. Und frier ein bisschen, damit dir die israelische Sommerwärme wieder angenehm ist. Von Hitze sage besser nichts, du wohnst ja an einem klimatisch bevorzugten Platz. Wenn´s Beerscheva wär oder die Arava oder das unerträglich klebefeuchte Tel Aviv – aber wir „Bergbewohner“ sollten wirklich nicht klagen. 🙂

9. Marlin - Juli 3, 2012, 19:48

„Also, ich bin nicht verlorengegangen, aber ich habe eine kleine Auszeit von meinem Alltagsleben genommen.“

Ausgezeichnet!

10. Lila - Juli 3, 2012, 21:05

Mit Museen halte ich es bekanntlich so: ich lasse die Kinder frei laufen und trage ihnen auf, sich nach einer Stunde oder anderthalb mit mir im Cafe zu treffen. Mit dem Auftrag, mich hinterher zu den drei Kunstwerken zu schleppen, die ihnen gefallen haben. Oder die sie so gräßlich fanden, daß sie mir das zeigen müssen 😀

Dadurch entfällt das öde neben-Mama-durch-die-Säle-Schlurfen. Das Kind hat das volle Recht, einen kurzen Blick in jeden Saal zu werfen und sich ein, zwei Kandidaten für die Großen Drei auszusuchen. Ich sehe keinen Wert darin, irgendjemanden zum Ansehen von Sachen zu zwingen, die ihn nicht interessieren. Ich finde es auch selbst unerquicklich, mein Tempo anderen anzupassen, und würde das niemand anderem zumuten wollen.

Ich mache es oft so, bei unbekannten Museen, daß ich in neugierigem Schweinsgalopp rumlaufe und mir eine Übersicht verschaffe. Und dann gehe ich langsam noch mal durch. Aber ich lasse weg, was mich nicht interessiert, es sei denn, ich „brauche“ das für Unterricht oder ein Projekt.

Das Auge ist nur begrenzt aufnahmefähig. Das ist wie beim Parfüm-Aussuchen. Da fang ich ja auch nicht bei A an, mich durchzuschnuppern.

Drum hätte ich es schön gefunden, wenn Quarta auch diesmal mitgegangen wäre. Leider ist sie gerade in der Phase, in der sie das total öde findet – sie ist gleichzeitig zu klein und zu groß zum Museengucken mit Mama.

Wir waren heute im Tretboot unterwegs, im NEMO-Museum (Riesen-Empfehlung! hochinteressant und sehr gut gemacht – ich konnte die Jugend kaum loseisen!), Madame Tussaud ist nicht mein Ding, aber für Quarta einfach toll, und morgen gehen wir ins Katten-Kabinett. Schokolade und Trüffel reizen uns weniger, Grachtenfahrt hatten wir gratis bei der Touristenkarte dabei, Vondelpark, Zoo und besonders botanischer Garten waren toll (im Zoo tun mir die Tiere immer leid), ach, wir haben so viel gesehen, es fällt mir nicht mehr alles ein….

11. Silke - Juli 3, 2012, 21:31

Lila
ich hatte ein Erlebnis, das mich in Sachen israelisches Wetter etwas mit Dir fühlen läßt.

Wir sind im Mietwagen zu viert auf Kreta rumgefahren und haben einen Abend, eine Nacht und einen Morgen an einem Strand mit schwarzem Sand an der Südküste verbracht.

Gegen 9 oder zehn sind wir den steilen Abhang zurück zu unserem Auto hochgekraxelt – nie mehr möchte ich das erleben – später haben uns Leute erzählt, daß an der Südküste eben schon afrikanisches Klima herrsche … und es war bloß Ende Mai/Anfang Juni gewesen.

Dennoch würde mich die Erfahrung, würde ich überhaupt noch reisen wollen, natürlich nicht davon abhalten, Israel zu besuchen …

😉

12. Jack - Juli 3, 2012, 23:12

Ich bin morgens (war trotzdem heiß) mit dem Rad von Ein Bokek hoch nach Arad und dann mit Vollspeed wieder runter, um rechtzeitig zum Frühstück zurück zu sein. Im Juni!
War schön. Und anstrengend. Und bescheuert.
Aber da war noch einer. Ein Touri wie ich. Den habe ich überholt, die Flasche.
Das tat gut.

Aber so hell wie in Israel ist woanders schwer zu finden.
Ohne Sonnenbrille kannst‘ vergessen. Tolles Land.

13. Zimtapfel - Juli 4, 2012, 0:31

Ich war damals im Juli (1995) in Israel das war schon ganz schön heiß da. Draußen gesessen haben wir abends trotzdem, in irgendwelchen Strandbars in Nahariya bei einem kühlen Maccabi-Beer. Klar war es da auch abends ganz schön schwül. Aber es ging noch einigermaßen. Ich weiß noch, wie wir uns im Hotel letztlich gegen die Klimaanlage entschieden haben, wegen zu laut, und die Nächte trotzdem gut überstanden haben. Aber ich erinnere mich auch noch sehr genau an den Moment, in dem ich (Abends um neun oder so) in Tel Aviv aus dem Flugzeug stieg und augenblicklich das Gefühl hatte, von so einer unglaublich schwül-warmen Wand fast erschlagen zu werden. Uff!

Doch, das kann ich mir gut vorstellen, das man da das gemäßigte Klima in Mitteleuropa vermisst. Herbstlaub, Sommerregen, Gewitter, alles Sachen, die ich auch sehr liebe. Dieser Geruch der Erde, wenn es nach einer trockeneren Zeit wieder zu regnen beginnt, hmmmmmm!

14. Lila - Juli 4, 2012, 6:08

Mir graut schon, bei aller Vorfreude auf zuhause, vor dem Moment, wenn ich zum ersten Mal wieder die heiße, feuchte Tel Aviver Luft einatmen muß. Das ist immer ein Gefühl, als würde einem jemand den Kopf ins Badewasser drücken und sagen: jetzt atme. Man wünscht sich verzweifelt Kiemen, um aus diesem Badewasser irgendwie Sauerstoff zu holen.

Hoffentlich erwischen wir einen angenehmen Tag für unsere Heimkehr. Ich bin jetzt so an den frischen, klaren Wind gewöhnt….

Primus meinte, ich sehe ganz anders aus, wenn ich in diesen Breiten bin. Meine Mutter behauptet schon seit Jahren dasselbe.

15. Georg - Juli 4, 2012, 15:58

Also, wäre ich ein Psychologe, würde ich dir sagen: Alles was du hier schreibst, zeigt deinen innigen Wunsch, wieder hierher zu ziehen. Dann würde ich dir raten, dies zumindest als längerfristiges Ziel ins Auge zu nehmen und ganz langsam doch durchaus schon konkret mit kleinen Vorbereitungen dazu zu beginnen. – Wäre ich ein Psychologe … 😉

16. Inch - Juli 4, 2012, 19:11

Eine schöne und erholsame Zeit wünsche ich Dir und Quarta in Amsterdam, auch wenn der Anlass der Reise nicht so schön ist

17. A.mOr - Juli 4, 2012, 19:42

Georg no15.
😉 Wäre ich kein Psychologe, wenn ich einer wäre, dann würde ich vermuten, daß das nun vorangebrachte „Kölner Beschneidungsurteil“, welches im Prinzip de iure Juden für ihr Judentum in Deutschland kriminalisert, einer Lila & Familie dieses „vermeintliche Sehnen“ mit einer Hitze beschwert, die den israelischen Hochsommer wie laue Brise vom Meer erscheinen läßt? 🙄

Lila, alles Gute, genieß die Freiheit so wie’s unbeschwerte Zusammensein und die Wunder der mitteleuropäischen Natur!
Würde sofort rüberfliegen zu den Nederlanden, wenn es dort nicht einen Tiefflieger-Stau zu vermuten gäbe.
Ist nur für’n blöden Flachlach-Spruch, ich mag die Holländer! 😉

18. Lila - Juli 4, 2012, 22:35

Lieber Georg, Du über- oder unterschätzest mich 😀 Was täte ich denn, wenn ich den israelischen Sommer nicht mehr bejammern könnte! Dann müßte ich mich ja des deutschen Winters annehmen, dessen fiese Kälte ich überhaupt nicht vertrage. Brrr, wie einem das durch Mark und Bein geht, und es blühen gar keine Blumen. Was ist denn das für ein Winter????

Ich sage immer schon: ich müßte sommers in Deutschland und winters in Israel leben, dann hätte ich das ganze Jahr dasselbe Wetter – kühl, grün und frisch, mit echten Wolken und viel Wasser.

Da das aber nicht durchführbar ist, genieße ich den israelischen Winter von ganzem Herzen und fliege sommers nach Europa, um die hier lebenden Menschen (wie heute eine junge Müllersgesellin auf einer Mühle mit Wasserpumpe) zu beneiden. Ist doch schön, wenn durch mein Gejammer ein paar Europäer wieder freundlicher auf die Regentropfen an ihrem Fenster blicken.

Und natürlich habe ich meinen Heimat-Kontinent noch sehr gern, warum auch nicht? Ich habe ja auch nicht aufgehört, meine Herkunftsfamilie zu lieben, als ich mich in Y. verliebt habe. Aber leben kann man in einer Situation wie meiner nur an einem Ort auf Dauer. Und der ist bei mir der noch halbwegs erträgliche Norden Israels.

Allerdings liebe ich Niederlande sehr und da ich hier noch nie gelebt habe, kann ich auch ungestört in Illusionen schwelgen. Das macht man doch gern so – bis man dann wirklich unter den aus der Ferne ach so interessanten und wunderbaren Menschen lebt und merkt, daß die lauter seltsame Angewohnheiten haben, denen man sich entweder anpassen muß oder aber… derentwegen man dann wieder wegzieht.

Und Amsterdam ist erst recht ein Sonderfall. Ich habe eine Vorliebe für diese Stadt, aber wäre die alltagstauglich? Nein nein. Ich bin wie die Lok 1414 – „auf Urlaub gehn, wie ist das schön, wie ist das schön, auf Urlaub gehn…“, aber am Ende kehre ich gern auf mein altes Gleis zurück, „von Altstadt nach Neustadt, von Neustadt nach Altstadt…“. Sehr vielen Menschen geht es doch genauso – die lebenslangen Abenteurer, die sich alle paar Jahre entschlossen umtopfen, die sind doch eher selten. Obwohl ich das Glück habe, mehrere zu kennen.

Von Heimweh will doch niemand was hören, oder?

19. Georg - Juli 4, 2012, 23:27

„Von Heimweh will doch niemand was hören, oder?“

Doch, Heimweh ist irgendwie die Seele des Selbst oder nicht? Zeigt sich im Heimweh nicht alles, was wir sind? Heimweh zur Mutter, zur Kindheit, zum Unbeschwerten …

Aber Kontinente wechseln ist auch gut (für Menschen, die es können). Ich liebe Heinrich Heine – und eigentlich kenne ich niemanden, dem die Seele so sehr vor Heimweh brannte. Und welch wunderbare Dichtung (aus heutiger Sicht) hat er dabei erschaffen.

Rheinlande ist Holland – Holland ist Rheinland, das passt schon 😉

Liebe Grüße


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