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Ich bin verwirrt Juni 5, 2012, 19:55

Posted by Lila in Presseschau, Uncategorized.
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Wie? Wat? Bin ich ins Zeitloch gefallen und in in den 50er Jahren, in Lilo Auredens „Was Frauen wissen müssen“, aufgeschlagen?

Gern wird in wirtschaftspolitischen Debatten die Fiktion einer schwäbischen Hausfrau beschworen, deren Handeln Ausbund bodenständiger ökonomischer Vernunft sei. Sie gilt als das Beispiel, an dem sich Wirtschaftspolitik zu orientieren hat. Gemeint ist damit vor allem die ihr unterstellte Sparsamkeit und Vorsicht, die Politikern als leuchtendes Vorbild empfohlen wird.

Nein, es ist ein heute erschienener Artikel, der messerscharf die wahren Ursachen der wirtschaftlichen Krise analysiert.

Nun hat die schwäbische Hausfrau eine Schwester in Spanien. Katalanen gelten in Spanien als ebenso sparsam und vorsichtig wie die Schwaben in Deutschland. Somit verhält sich die katalanische Hausfrau genauso wie die schwäbische. Sie spart gern und geht mit ihrem Geld vorsichtig um.

Okay, Geld ausgeben tun also in erster Linie Hausfrauen. Das weiß auch Lilo schon:

Die Hausfrau aber, durch deren Hände mehr als fünfzig Prozent des Volkseinkommens gehen, darf nicht wie eine Grille in den Tag hineinleben: sie muß Vorsorge treffen wie ein Wirtschaftsminister. (Aureden, 178)

Und der Mann?  Das erklärt der heutige Artikel:

Das Unternehmen, in dem ihr Mann arbeitet, bekommt nun vielleicht weniger Aufträge vom Staat.

Gut, sie ist Hausfrau, er arbeitet in einem Unternehmen. Da ist die Welt also noch in Ordnung. Also: sie gibt das Geld aus, das er verdient. Und wenn sie das nicht gut und genügend tut, verlieren andere tüchtige Männer ihr Einkommen.

Die Señora reagiert wie immer und spart. Nun sind aber auch ihre Ausgaben die Einnahmen anderer, beispielsweise des Bäckers oder des Einzelhändlers.

Diese Hausfrauen! Die sind es also gewesen! Cherchez la femme.

Dagegen wehrt sich 1958 schon Lilo Aureden:

Ein lebensfremder Politiker erklärte neulich: „Die Hausfrauen sind schuld an den Preissteigerungen!“ Ich habe hell aufgelacht, als ich das in der Zeitung las. Ein paar Tage brachte die gleiche Zeitung Briefe von Hausfrauen, die sich ergrimmt und ermannt hatten. Sie waren recht blamabel für den Schwätzer. Wie soll sich eine Hausfrau gegen den schamlosen Butterpreis wehren, der seit Jahren klettert und klettert [….]? Die Hausfrau kann sich nur wehren, indem sie ihren Butterkonsum einschränkt. (Aureden, 182)

Klar, Aureden wendet sich an Hausfrauen, die tatsächlich das Familienbudget verwalten, während Horn sie einfach als Metapher für Verbraucher nimmt. Das aber mit wahrer Begeisterung. Man sieht sie förmlich vor sich, die deutschen, spanischen und griechischen Hausfrauen.

Für einen zweiten Artikel habe ich auch schon eine Idee: über die verschwenderische Frau, die nicht mit dem Haushaltsgeld auskommt, wie Pucki Feigen und Orangen statt Kohl und Nierenfett kauft und mehr Schuhe kauft, als sie je brauchen wird. Auch sie ist ganz klar als Wurzel der Wirtschaftskrise auszumachen.

Erst im letzten, optimistisch formulierten Satz ist wohl bei einem Redakteur ein sauer ersparter Groschen gefallen und er hat ein vorsichtiges Wörtchen eingefügt:

In einem solchen veränderten institutionellen Gefüge werden auch die katalanischen, schwäbischen und andere Hausfrauen und –männer wieder genug Vertrauen gewinnen, um ihre Ersparnisse im eigenen Land zu lassen.

Im Weltbild des Schreibers, Gustav Horn, gibt es nämlich bestimmt keine Hausmänner. Vielleicht war es gar eine anmutige weibliche Redakteurin, die das Wörtchen eingefügt hat?

Übrigens, eine Feministin war Aureden keineswegs, wie ein anderes Buch zeigt („Schön sein, schön bleiben„). Meine liebste Illustration:

In diesem Sinne: prost, Herr Horn. Auf die sparsamen Hausfrauen.

Kommentare»

1. Silke - Juni 5, 2012, 20:14

Also Lila Du hast was ganz Grundlegendes falsch verstanden. Vor der „Krise“ war der deutsche an sich und die Hausfrau natürlich auch daran schuld, daß der Boom nicht noch mehr boomte, weil sie/er es nämlich nicht wie Pucki machten und kauften was immer der Kredit hergab. Dieses konsumfeindliche Verhalten der Deutschen wurde endlos bemängelt.

Seit die „Krise“ da ist und wir nun endlich durch Schulden die der anderen bezahlen sollen, habe ich es nie mehr gelesen.

(ich habe nur eine Meinung zu dem Geplapper der WirtschaftsOjmel, was richtig wäre, habe ich keine Ahnung. Rund um die Wirtschaftskrise 1930 war wohl die Nicht-Großzügigkeit erst der USA und dann der Franzosen schlecht ausgewirkt, nur wie’s geworden wäre, hätten sie die Portemonnaies geöffnet, glaubt zwar heute jeder zu wissen, aber weiß es einer sicher?)

http://en.wikipedia.org/wiki/Lords_of_Finance

Den Namen habe ich in den letzten Tagen in heftigen Diskussionen gesehen – ach ja hier war’s – aber da habe ich mich nicht für ihn interessiert, doch ein Mann der von der Frau am Herd träumt, ja das passt zu einigen in der dortigen Kommentiergemeinde.

http://starke-meinungen.de/blog/2012/05/29/warum-man-sarrazin-nicht-zum-opfer-machen-sollte/comment-page-2/#comment-14147

2. Lila - Juni 5, 2012, 20:21

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
Silke, den Dolch im Gewande:
Sie schlugen die Häscher in Bande,
„Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!“
„Sarrazin besiegen, verstehst du mich?“

Das mußte jetzt sein 🙂

Ich habe mich jahrelang geschämt, daß ich als Tochter eines Dipl.Kfms nichts von Wirtschaft verstehe. Bis ich kapiert habe, daß die Wirtschaftsweisen so heißen, weil sie anderen oder sich selbst was weismachen. Sie wissen auch nicht mehr bzw wissen es immer im Rückblick. Immerhin, das ist auch was.

3. Silke - Juni 5, 2012, 20:32

guck emol do, der ist wer bei der Gewerkschaft und hier ist die Bio

ich habe die Gewerkschaft schon oft verdächtigt, daß die im Fall eines Falles lieber unter sich blieben – da war oft zu viel Unterton vom Mann als Maß aller Dinge.

http://www.gustav-horn.de/
http://www.gustav-horn.de/Deutsch/Lebenslauf.html

Nu hab ich den Artikel überflogen. Der plappert nach was Krugman predigt und was die behaupten, daß es Keynes geraten hätte. Keynes scheint aber mal dies mal das je nach Lage geraten zu haben und er soll sich auch hin und wieder mal geirrt haben. Er scheint ein Selber-Denker gewesen zu sein.

Dazu packt Horn dann noch originelle Idee es uns dem „Volk“ am Bild der Hausfrau zu erklären.

4. zimtapfel - Juni 5, 2012, 20:49

Hihi! In meiner Tante Küchenschrank steht von der selben Autorin „Was Männern so gut schmeckt“, muss ein Geschenk gewesen sein, als sie Ende der 50er ihr Elternhaus verließ. Da habe ich als Teenie gern stundenlang drin geblättert und mich über die Ausdrucksweise und das ganze Gehabe amüsiert. Herrlich!

5. Lila - Juni 5, 2012, 20:55

Ich lese Aureden auch sehr gern. Übrigens lobt Wolfram Siebeck sie ausdrücklich, und nicht nur er.

1954 erschien ein Kochbuch, das sich rasch zum Bestseller entwickelte: „Was Männern so gut schmeckt“ von Lilo Aureden. Doch hinter dem damals politisch vielleicht noch korrekten Titel verbarg sich neben gutbürgerlichen Gerichten ein kulinarischer Streifzug der vielgereisten Autorin durch die Welt der Genüsse, wie sie die Deutschen noch nicht kannten. Statt ewigem Schmorbraten, Einheitsgulasch und paniertem Kotelett empfahl Aureden (Motto: „Mal was anderes“) Rezepte für Bouillabaisse und Minestrone, für serbisches Reisfleisch und den Cassoulet genannten französischen Bohneneintopf. Es war auch die Zeit, in der „Bella Italia“ lockte und die ersten Bundesbürger in ihrem Urlaub auf Capri lernten, wie man Spaghetti mit Gabel und Löffel isst.

http://www.morgenweb.de/freizeit/essen-und-trinken/als-die-kalte-ente-den-kase-igel-traf-1.186496

Ich weiß noch ganz genau, daß in meiner frühen Kindheit (bis zu meinem 11. Lebensjahr – bis zur Scheidung meiner Eltern) das Mittagessen aus Königsberger Klopsen oder Kotelett bestand. Und auf einmal gab es Ratatouille und Avocados. Ich glaube, seit der Scheidung hat meine Mutter kein einziges Mal mehr Königsberger Klopse gemacht oder Kartoffelsalat.

Und ich versuche schon seit Jahren rauszufinden, wer sie eigentlich war, diese Lilo. Ihr Schreibstil läßt auf Temperament schließen – seitenlang plaudert sie charmant dahin, und auf einmal ereifert sie sich und wird richtig heftig. Sie war bestimmt eine interessante Frau.

6. Silke - Juni 5, 2012, 21:49

jo Lila
Du hast’s getroffen. Das ist auch der einzige Grund, warum ich mich von Posener’s Kommentatoren habe anlocken lassen, weil ich da endlich mal nach Herzensluft sarrazinen durfte.

Du läßt mich ja nich – schnief

und zur Strafe für das schöne Gedicht, meine neuesten Lieblinge von Theo S. sind, daß er mal auf Campingtour in Griechenland war und da ganz viel beobachtet und „richtig“ eingeordnet hat und daß es im Süden allgemein rgendwie an „linearem Effizienzdenken“ mangelt. Also wenn’s nicht Sarrazin wäre, hätte da Broder nicht seine gesammelten Sekundär-Tugenden-Keulen ausgepackt?

Zitat 9: http://www.stern.de/politik/deutschland/zitate-aus-sarrazin-buch-honecker-holocaust-griechische-esel-ueber-die-europaeischen-suedstaaten-1830318-bb72cb0a6d43ed81.html

7. Lila - Juni 5, 2012, 21:52

Neee, da bin ich unerbüttlüch.

Lineares Effizienzdenken? Ach Gott, das fehlt mir auch. Mein Leben lang. Kriegt man das im Norden? Wie weit nördlich muß man dafür gehen? Herrje, ich weiß, mein Leben könnte ganz anders sein, wenn ich nur ein bißchen linearer und effizienter denken könnte.

Ich kriegs aber einfach nicht hin.

8. Jakobo - Juni 5, 2012, 21:58

Naja.. einerseits exportiert deutschland vor allem in die union und es kurbelt die deutsche wirtschaft an auch wenn vieles nur auf pump gekauft wird… hauptsache es wird verkauft… (was ueber banken so hin und hergeschoben wird will ich gar nicht erst wissen)

anderer seits gibt es den fc bayern der von einem schwäbischen hausmann sehr gut gemanaged wurde während barcelona und real erfolgreicher sind aber eben nur auf pump…

J

9. Silke - Juni 5, 2012, 21:59

Bei uns hielt Reis auf persische Art und so’n Zeugs Einzug, nachdem Clemens Wilmenrod im Fernsehen erschien und meine Mutter glaubte, er könne es besser, als sie es von Oma gelernt hatte. Toast Hawaii natürlich auch

Und das war’s dann, Experimente statt perfekt Gekochtem

Nur zu Weihnachten wenn Oma da war schafften wir die Synthese – ich lieferte die Ideen und sie das Handwerkliche.

Der Schmerz des damals erlittenen Verlusts wirkt noch nach, ich kann den Kerl immer noch nicht verknusen

Einmal haben wir Erdbeeren im Büro mit reichlich schwarzem Pfeffer gegessen – das war tatsächlich lecker

10. Silke - Juni 6, 2012, 0:04

Lila 7

Das Buch soll angeblich das Beste sein, das es gibt wenn man linear effizient werden will – es ist in der Tat gut, jedenfalls um Meilen besser als alle anderen, die ich je in der Hand hatte und unsere Firmenbibliothek hatte immer das Neueste und ich habe sie alle angeguckt, damit ich im voraus wußte, welche Sau die Kerle (Schlipsträger nannte sie die Kassiererin bei Aldi neulich zu meinem großen Vergnügen) als Nächstes durchs Dorf treiben würden. Und ich vermute es funktioniert auch, sofern man nach all der Listenmacherei noch Zeit findet, sein Programm durchzuziehen.

Aber doch, ganz ernsthaft, die Grundidee ist nicht schlecht. Aber der beste Linearrat, den ich kenne ist der, daß man nicht zuerst das Dringendste erledigen soll sondern das Wichtigste. Wenn’s die Zeit zuläßt, hilft das der Linearität mächtig auf die Sprünge, weil’s das Hirn frei macht und ein freies Hirn hat eher ein Nebengleis frei fürs Monitoring vom lästigen Linearen.

http://www.amazon.com/How-Get-What-You-Want/dp/B0010RD9Y6/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1338933010&sr=8-1

Wenn Du allerdings je mit einem Griechen ernsthaft Fischen gewesen wärest, dann wüßtest Du, daß das das ideale Training wäre um Theo S.‘ eigenen Mangel an linearem Effizienzdenken mal a bisserl abzuhelfen. Oder als wir in Piräus waren, um einen Bootsmotor zu kaufen und von Kellershop zu Kellershop (wo Motoren restauriert wurden) gelaufen sind und viele der (ölverschmierten) Eigentümer, die da rauskamen, sahen so aus, wie Mr. AEG ausgesehen haben muß, bevor aus seiner Klitsche was wurde. Anscheinend haben nicht genug von ihnen das Kunststück geschafft oder die Verhältnisse waren nicht so, aber die Kompetenz und das Geschick und der Wille waren da. Damals habe ich gedacht, diesen Humus an Unternehmertum gibt’s bei uns gar nicht mehr. Das fand ich nicht gut, aber entweder haben wir ihn irgendwo doch gekriegt den Unterbau, das Übungsgelände für Begabte oder es geht auch ohne.

Beim Fußball haben sie ja auch vor Jahren gesagt, daß wir dunklen Zeiten entgegen gehen, weil so wenig Straßenfußball gespielt wird und jetzt sieht’s so aus, als hätte es uns nicht geschadet.

11. Paul - Juni 6, 2012, 2:39

Zu 2 Lila,
ich komme mal auf den Anfang zurück:
„Ich habe mich jahrelang geschämt, daß ich als Tochter eines Dipl.Kfms nichts von Wirtschaft verstehe.“

Nachdem ich meine Frau darauf aufmerksam gemacht habe, dass sie zu viel Geld ausgeben würde, entgegnete sie mir:
„Ich gebe nicht zu viel Geld aus. Ich kurbele die Wirtschaft an.“

Meine Frau ist ein Naturtalent. Bis heute kennt sie John Maynard Keynes nicht ! 😀

12. Schwäbische Hausfrauen hätten es besser gemacht « stefanolix - Juni 6, 2012, 6:14

[…] Ergänzung: Es gibt noch einen wunderbaren Artikel zu Gustav A. Horns Versuch über die Schwäbischen Hausfrauen Europas — von Lila, die […]

13. Piet - Juni 6, 2012, 10:19

Man möchte meinen, die 50er seien wirklich vorbei. Das Denken aber…

Im Weltbild des Schreibers, Gustav Horn, gibt es nämlich bestimmt keine Hausmänner.

… ist noch immer erschreckend präsent.

14. Justme - Juni 6, 2012, 11:24

@Silke
Übersetzen ist tatsächlich eine wichtige Fertigkeit, die an der Schule an sich nicht unterrichtet wird.

Früher war es Teil des Fremdsprachenunterrichtes, aber man hat dann gemerkt, dass Übersetzen dem aktiven Lernen einer Fremdsprache nicht unbedingt zuträglich ist: wenn man aus der Muttersprache übersetzt, bleibt man immer in den Strukturen dieser Sprache verhaftet, und das ist ja in der Fremdsprach dann meistens falsch. Um eine Sprache zu lernen muss man irgendwann den Sprung wagen, sich innerhalb dieser neuen Sprache zu bewegen, ohne innerlich zu übersetzen.

Ich weiss nicht, ob das Übersetzen, wie es im Latein-Unterricht praktiziert wurde unbedingt zu verwendbaren übersetzungen führte. Allzuoft wollten die Lehrer ja nur überprüfen, ob man jedes einzelne Wort und seine Funktion im Satz verstanden hatte.

Das Vorgehen bei Gebrauchsübersetzungen geht aber über zwei Phasen: erst versteht man den Text, und dann bringt man ihn in richtiges Deutsch, so dass man hinter der Übersetzung den Originaltext nicht mehr riecht.

Ich finde, dass gerade im Deutschsprachigen Raum die Kunst des Übersetzens grosse Fortschritte gemacht hat. Die meisten Bücher, die man so kauft, sind gut übersetzt.

Übrigens gibt es zu diesem Thema einen wunderschönen Film über Svetlana Geier, die Dostojewski neu übersetzt hat. Sie arbeitet nicht alleine im stillen Kämmerlein, sondern immer im Dialog mit anderen Menschen, um zu hören, wie sich der Text liest, samt Melodie und Rhythmus. Der Film heisst „die Frau mit den 5 Elefanten“.

15. Silke - Juni 6, 2012, 12:20

Justme

In meinem Lateinunterricht wurde gelehrt, darüber gesprochen, auch kleinste Abweichungen zu beachten. Vom Deutsch ins Latein haben wir so was nicht gemacht. Ich glaube das war nur so für Klassenarbeiten und Abfragereien, aber dieses gaaaanz genau lesen, das war Teil des Unterrichts.

Ich habe beruflich viel mit technischen Übersetzern zu tun gehabt. Welche die aus ihrer Muttersprache in die Fremdsprache übersetzen, sind für Patente weniger begehrt, weil im Schnitt lang nicht so gut.

Darum habe ich nach einem Versuch, immer abgelehnt die von unserer Konzernzentrale angepriesenen deutschen Muttersprachler zu beauftragen. Die englischen waren einfach viel besser sagten die ausländischen Anwälte, die mit den übersetzten Texten arbeiten mußten. Für mich war London die Hauptstadt der Übersetzer, da gab es keine Sprache für die nicht ein qualifizierter, also das Fach studiert habender Muttersprachler bereit stand.

Ob die Ursprungssprache noch durchscheint oder nicht ist da wurscht. Da ist das Kriterium, daß die Übersetzung so nah wie noch korrekt am Original bleibt.

Einmal, als ich bei Anwalts war ließen wir einen Vertrag von einem hoch empfohlenen Fachübersetzer ins Englische übersetzen. Der Text war für den Müll und der Anwalt, der auch irgendeinen Doktor aus Cambridge hatte, mußte doch selber ran, nicht zuletzt weil sich herausstellte, daß der Fachübersetzer gar nicht die nötigen juristischen Fachkenntnisse hatte. Damals wußte ich noch nix von London.

Das letzte Mal, daß ich einen übersetzten Text gehört habe, war eine von Iris Berben gelesene gekürzte Version von Bonjour Tristesse und da gab’s doch einiges an Holprigkeiten.

Ich selber kann nicht übersetzen, ich steige einfach um komplett mit Gestik und allem. Aber ich hatte ja auch sehr wenig Schulunterricht. In der Schule ging es z.B. einfach in meinen Kopp rein, ob es me la heißt oder la me. Ich war noch keine zwei Wochen in Paris, da hatte ich so was alles vergessen. Natürlich ist der Einstieg mit a bisserl Schule vorher leichter, aber ich kann nicht sagen, daß Neugriechisch so viel schwieriger war (bis auf die Schrift die verdammte) sobald ich einmal Brücken zu meiner bereits vorhandenen Sprachkenntnissen gefunden hatte. Jineka – na klar doch Gynäkologe u.ä. Auf so etwas wurde zu meiner Schulzeit z.B. nicht aufmerksam gemacht, ich hoffe, daß sie in dem Punkt heute besser sind.

Du siehst also, ich habe von deutschen Übersetzern nicht die höchste Meinung, lasse mich aber gern überraschen.

16. Justme - Juni 6, 2012, 12:50

Dass man nur in die Muttersprache übersetzt ist heute beim Übersetzen eigentlich standard. Insofern war die Idee, für Übersetzungen ins Englische in London zu suchen, vollkommen richtig.

Bei Fachtexten kommt es vor allem darauf an, dass man versteht worum es geht (welcher Prozess beschrieben wird), und die entsprechende Terminologie/Jargon in der Zielsprache kennt. Das ist bei Patenten u.ä. ohne fundierte Fachkenntnisse tatsächlich schwierig. (Die kann man sich an sich auch mit Übersetzer-Ausbildung aneignen, wenn man sich in das Fachgebiet vertieft, aber es erfordert viel Arbeit und nicht alle Übersetzer kennen da ihre Grenzen. Nach Berufsethik müssten sie aber ihre Grenzen kennen.)

Ich lese wenig Bücher in Übersetzungen, aber so im Durchschnitt finde ich bei Büchern die Übersetzungen ins Deutsche ganz gut. Ins Englische meist auch. Bei anderen Sprachen ist der Ausbildungsstand der Übersetzer noch nicht so gut, und es ist eher glückssache…

17. Susann - Juni 7, 2012, 18:44

Wunderbar, wie devot die Frau Ihm (anscheinend schreibt die Aureden ja „Er“, als spräche sie von Gottvater Himself) den Versöhnungsalk darbietet…man muss sich ja immer vor Augen halten, dass das erst vor 40-50 Jahren als Ratgeber der Stunde galt.


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