jump to navigation

Ehrenvoller Auftrag Mai 19, 2012, 19:58

Posted by Lila in Kinder.
trackback

Secundus ist schon wieder weg – viel hatten wir dieses Wochenende nicht voneinander. Er war unterwegs, ich war krank. Aber er hat mir einen ehrenvollen Auftrag übertragen. Ich muß ihn über das Bayern-Chelsea-Spiel per SMS und Telefon auf dem Laufenden halten. Ich lauf mich also schon mal warm.

Hoffentlich gewinnen die Bayern, dann freut sich Secundus, der treue Fan. Aber pst, nichts beschreien.

Kommentare»

1. kaltmamsell - Mai 19, 2012, 20:11

Hab Erbarmen: Wenn die Heimspieler gewinnen, steht meine Nachtruhe auf dem Spiel – Tausende gucken um die Ecke auf der Theresienwiese bei einem „Public Viewing“. Musste heute beim U-Bahn-Fahren bereits ein Brüllduell der Fans beider Mannschaften ertragen. Die gesamte Stadt ist von Fußballfans in verschiedenen Idioten- und Alkoholisierungsgraden besetzt.

2. Lila - Mai 19, 2012, 23:36

Na dann cheers. Wird ja eine unruhige Nacht, so oder so. Wir haben laufende Berichterstattung auf die Golanhöhen geliefert. Eine ganze Gruppe von Secundus´ Freunden hat zugehört. Ist vielleicht noch ne Karriere für mich draus zu machen.

3. Paul - Mai 20, 2012, 1:04

Ein weiterer langjähriger Bayernfan grüßt mit einer „Träne i, Knopfloch“ Secundus. “ Junge, egal, das Leben geht weiter.“ 😡 🙂

4. Piet - Mai 20, 2012, 11:31

In einem bin ich mir relativ sicher: Secundus hätte seinem Präsidenten nach dem Spiel sicher nicht den Handschlag verweigert. Für so grobe Unhöflichkeit müssen Schweini und Gomez schon gute Gründe haben, wenn man ihnen nicht schlechte Kinderstube unterstellen will. Vielleicht sind sie aber auch einfach nur schlechte Verlierer. Was auch nicht so wirklich für einen feinen Charakter spricht. (Sorry, wenn ich das positive Bild ein wenig ins Wanken bringe, aber…)

5. Lila - Mai 20, 2012, 11:55

Haben sie das getan? Oh, das ist aber gar nicht schön. Wir haben sofort nach dem Spiel den Fernseher ausgeschaltet und sind ins Bett gewankt. Wir haben also die ganzen Zeremonien verpaßt.

Eine schwere Enttäuschung kann einen schon aus dem Gleis werfen, aber zum Sport gehört Verlierenkönnen leider dazu. Es war ja wohl nicht der Präsident, der die Elfmeter verhauen hat.

Ich hoffe, sie entschuldigen sich.

6. A.Y - Mai 20, 2012, 14:22

@Piet
Du hast einfach keine Ahnung von Fußball,sorry dass ich das so grob sagen muß.Das war Schweinis 3 Finale und die dritte Pleite und gerade gestern wo man den Gegner so überlegen war dann zu verliern da brechen Welten zusammen,da will man sich nur noch verkriechen,nichts sagen,nichts sehen einfach weg sich am besten auflösen und versuchen irgendwie abzuschalten.Man denkt in diesen Moment nicht an Etikette und falls doch ist es einen egal.Für einen NIchtfußballer ist das schwer zu verstehen aber ich kann das nachvollziehen auch wenn ich selbst nicht mehr spiele und natürlich nur ein „Hobbykicker“ war.Entweder ist man Fußballer und man versteht es oder nicht.

7. Justme - Mai 20, 2012, 16:10

Gratuliere Chelsea zur Meisterschaft!

8. grenzgaenge - Mai 20, 2012, 18:22

Also wirklich ! Bin ich der Einzige, an dem der Ball spurlos vorübergeht ? 😉

9. Lila - Mai 20, 2012, 19:21

Du willst doch nicht sagen, es gibt Wichtigeres im Leben…? Ich bin schockiert.

10. Rosa - Mai 20, 2012, 20:49

was war das gleich für ein Spiel? -> mußte google danach befragen, hihi
(hab kein Interesse an Ballschubsern. Auch dann nicht, wenn sie so unfassbar überbezahlt sind 😉 )

11. Lila - Mai 20, 2012, 21:45

Och, das war so ne obskure Truppe aus dem tiefsten Bayern, die gegen irgendwelche namenlosen chavs angetreten sind… nicht weiter bemerkenswert 🙂

12. Silke - Mai 20, 2012, 22:44

Also ich habe null Ahnung von Fußball, aber das Überbezahlt-Argument ärgert mich in dem Zusammenhang schon.

Denn erstens halten die Guten ihre Knochen hin und zweitens sichern sie die Arbeitsplätze von Scharen und Scharen von Leuten.

Noch nie nich ist von ihnen bekannt geworden, daß sie um ein Haar die Weltwirtschaft in den Abgrund gezockt hätten.

Mir ist auch nicht bekannt, daß eine oder einer für schwache Leistung mit exorbitanten Boni belohnt wurde usw. usw. usw.

In einer Welt, wo immer mehr dafür abkassieren, daß sie Mist bauen, scheint mir Fußball das letzte Feld zu sein, wo Leistung honoriert wird und wenn sie’s nicht bringen, sind sie weg. Gut alimentiert zwar, aber sie gehen allein und bringen außer emotionalem Elend niemandem irgendeinen Schaden.

13. A.Y - Mai 20, 2012, 23:05

Gratuliere Chelsea zur Meisterschaft!
Die haben keine „Meisterschaft“ gewonnen,Banause!
Ist ja wiePerlen vor die Säue werfen!

14. Lila - Mai 22, 2012, 8:09

Ich sehe, daß Schweinsteiger sich entschuldigt hat. Ich glaube, man kann ihm das verzeihen und auch verstehen, daß er in dem Moment einfach neben sich gestanden hat und nur noch ein Versteck gesucht hat. Es ist richtig, daß er sich entschuldigt hat, und ich glaube nach den Aufnahmen, die ich davon gesehen habe, daß er die Wahrheit sagt und den Präsidenten nicht absichtlich brüskieren wollte.

Es muß ja schrecklich sein, wenn die übelsten Niederlagen, die ein Mensch einsteckt, sich vor Millionen Menschen abspielen. Ich habe nie verstanden, wie jemand berühmt sein wollen kann – das stell ich mir eher als Strafe vor, deren Ausmaß die Betroffenen sich vermutlich vorher gar nicht klarmachen.

15. A.Y - Mai 22, 2012, 10:06

Sag ich doch,sag ich doch die ganze Zeit, Lila!Aber ich bin ja nur ein dumpfer Fußballtreter!Hoffentlich bauen die Jungs in der Nationalmannschaft den Bayernblock wieder auf,hoffentlich können wie diesen Final-Fluch der seit 2001 auf uns lastet dieses Jahr in die Vergessenheit schicken.3xHolzklopf

16. Piet - Mai 22, 2012, 12:09

@A.Y Obwohl ich seit vielen Jahren Dauerkarteninhaber bin und kaum je überhaupt ein Spiel verpasse, fiele es mir in der Tat nicht ein, mich als Experten zu bezeichnen. Dafür habe ich zuviel Respekt vor Leuten, die wirklich Ahnung haben. 😉

Ich weiß sehr gut, was Verlieren auslöst, was Ab- und Aufsteigen bedeutet. Gerade deswegen aber fehlt mir für Schweinsteigers Reaktion jedes Verständnis. Verlieren-Können gehört zu einem Spiel dazu, das lernt jedes Kind. Daher freut es mich, dass er sich für sein Fehlverhalten nun entschuldigt (und hoffentlich Wesentliches fürs Leben gelernt) hat.

17. Piet - Mai 22, 2012, 12:30

@Lila: Fehler macht jeder, er ist ja auch noch ein junger Kerl. Und ganz bestimmt ist es für Menschen im Allgemeinen, erstrecht aber für so junge Leute nicht einfach, fast permanent im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen (von den fußi-spezifischen Rahmenbedingungen mal ganz abgesehen), daran zerbrechen einige ja auch. Andererseits: Schweini ist mit seinen 28 Jahren und einiger internationaler Erfahrung auch kein unerfahrener Jungspund mehr. Es freut mich auf jeden Fall, dass er sich entschuldigt hat. 🙂

18. Lila - Mai 22, 2012, 14:23

A.Y., erschieß mich, aber als Fluch würde ich sehr gute, wenn auch nicht erste Plätze ausdrücklich nicht bezeichnen. Ich weiß, daß zum Wettkampfsport Siegeswillen dazugehört, aber ich habe die Mentalität des Alles oder Nichts noch nie verstanden. Achtung für die unteren Plätze gehört auch dazu, über Jahre hinweg immer in den obersten drei bis vier Rängen mitzuspielen ist eine riesige Leistung, und man muß die Kombination aus Pech und Versagen im rechten Moment, mit der man verliert, nicht gleich als Fluch bezeichnen. Das Wort ist mir eine ganze Klaviatur zu mächtig.

Eine der erfolgreichsten Mannschaften der Welt, sowohl die Bayern als auch die deutsche Nationalmannschaft, steht nicht unter einem Fluch.

Das Glück ist mit den Tüchtigen. Sie sind tüchtig, und ich wünsche ihnen Glück.

Schweinsteiger hatte nach einer Zeit des Höhenflugs eine Pechsträhne. Den Ausfall nach dem Spiel gegen Chelsea hat er in meinen Augen durch seine Entschuldigung bereinigt. Ich hoffe, daß er sich bekrabbelt und nach vorne sieht. Nein, er ist kein unerfahrener Bub mehr, er hat Verantwortung auch für die jüngeren Spieler, die sich an ihm orientieren, und ich wünsche ihm, daß er in die EM mit Augenmaß reingeht.

SO eine Katastrophe ist der zweite Platz in der CL nämlich nicht, auch wenn es sich nach dem verlorenen Endspiel bitter anfühlt. Und auch wenn diese Konstellation und Chance so nicht wiederkommen wird – es kommen andere. Ich weigere mich, Niederlagen in größeren Buchstaben zu schreiben als Erfolge. Und daß die Bayern nicht einfach „Bunker“ gespielt haben, sich nicht einfach stur aufs Mauern verlegt haben, sondern wacker und unentwegt nach vorne gerannt sind und so ein spannendes und dynamisches Spiel vorangetrieben haben – das ist durch das Endergebnis in meinen Augen NICHT gelöscht.

Ich erinnere mich noch gut an die Jahre, als die israelischen Reporter spotten konnten über den einfallslosen, störrisch defensiven deutschen Fußball. Die deutschen Roboter! Jetzt dagegen höre ich eher Bewunderung und Begeisterung und meinetwegen widerwillige Anerkennung – die Kondition, den Wagemut, das kann man nicht übersehen. Von daher ist es lehrreich, Deutschlandspiele von außen zu verfolgen, wo niemand verdächtig ist, von vornherein „für die Deutschen“ zu sein. Ich rechne dem deutschen Fußball hoch an, daß er zu einer Attraktion für Fußballfans geworden ist.

Das zählt für mich mindestens so hoch wie ein Titel. Ja, mir ist ein glanzvoll verlorenes Spiel lieber als ein glanzlos gewonnenes.

Aber ich bin ja auch nur ein bißschwaches, ehrgeizloses Weib und als solches von vornherein unqualifiziert 🙂

19. Rosa - Mai 22, 2012, 22:30

Zitat Silke:
Denn erstens halten die Guten ihre Knochen hin und zweitens sichern sie die Arbeitsplätze von Scharen und Scharen von Leuten.

Ich bin der Meinung die Arbeitsplätze schaffen die Fans und nicht die Stars. Ebenso ermöglichen die Fans das hohe Einkommen der Stars.

Zitat Silke:
Noch nie nich ist von ihnen bekannt geworden, daß sie um ein Haar die Weltwirtschaft in den Abgrund gezockt hätten. Mir ist auch nicht bekannt, daß eine oder einer für schwache Leistung mit exorbitanten Boni belohnt wurde usw. usw. usw.

joa, das kann man ihnen zugute halten. Vielleicht sollten wir die Weltwirtschaft den Fußballern in die Hände geben? Jedoch, nur weil andere Überbezahlte nicht nur überbezahlt, sondern noch überbezahlter und noch dazu gefährlich sind, bleiben sie dennoch überbezahlt.

Politiker halten dem Druck der Öffentlichkeit jedenfalls für viel weniger Geld den Kopf hin. Und manche davon richten auch nicht nur Schaden an. Dafür trägt so mancher Poltiker Schaden an Leib und Leben davon. Es ist immer eine Frage des Vergleichs.

20. Silke - Mai 23, 2012, 6:36

ohne Spieler keine Fans …

21. Silke - Mai 23, 2012, 6:42

ach und noch was – wenn Politiker Starqualitäten haben, verdienen sie nach ihrer Amtszeit ganz ordentlich und wenn’s nur mit Vortragshonoraren ist.

Ansonsten einerseits, ja wäre ich sehr dafür Politiker ordentlich zu bezahlen, andererseits wundere ich mich oft, wenn ich mal was lese, was die so als Vermögen am Bein haben. Entweder sind die exzessiv sparsam bis zur Gefahr des Hungertods oder es muß sich doch irgendwie lohnen.

22. Piet - Mai 23, 2012, 12:08

Naja. Fußballer haben zwar noch nicht die Weltwirtschaft in den Abgrund gezockt, aber ‚Zocken‘ (Wettmanipulationen) ist leider immer mal wieder ein Thema und sehr wohl wurden Clubs schon in die Pleite gespielt. Sei es, weil man seine Ziele sportlich nicht erreicht hat (in welcher Liga man spielt, entscheidet nicht nur über ausgeschüttete Gelder, sondern auch über Vertragsgestaltungen und Gehälter, Anforderungen ans Stadion, etc. pp.), sei es durch grobes Fehlmanagement.

Ein Verein hat nicht nur eine Bedeutung für seine Fans oder den Sport an sich (hach, wenn ich davon anfinge, von Herzblut und…), sondern ist mit seiner Infrastruktur ein enormer Wirtschaftsfaktor. Ich erinnere mich noch, als „wir“ im Mai 2008 den Klassenerhalt perfekt machten, indem wir (ausgerechnet, mir tut das noch heute weh) Erzgebirge Aue in den Abstieg kickten. Hinterher saßen wir zur Nachbesprechung und ein, zwei Bierchen und zum Feiern zusammen, mit einer Familie aus Aue am Tisch. Ich werde nie vergessen, wie die geweint haben. Nicht nur wegen der Niederlage und wegen des Abstiegs — was ich sehr, sehr gut nachfühlen konnte. Sondern, wie sie dann erläuterten, weil der Verein wichtig für die Region ist, als Vorbild, Orientierungspunkt, Wirtschaftsfaktor. Als Hoffnungs- und Sehnsuchtspunkt in einer sonst wirtschaftlich schwachen Region.

Wenn die Stadt Rostock, selber pleite, große Mühen auf sich nimmt, diese verf*te Kogge (es gibt wenige Vereine, die ich mehr verachte) zu retten, dann hat das gute Gründe. Ohne Garantien bekäme der FCH nicht einmal die Lizenz für die 3. Liga. Stadionerhalt, Spielergehälter, fehlende Sponsoren, keine Fernsehübertragungen, ausbleibende Gelder… Es ist wichtig und richtig, dass die Stadt den Verein stützt, damit der überhaupt eine Chance hat, je wieder oben mitzuspielen (und wir die Kogge — selbstverständlich! — wieder versenken können!)

Und was heißt „überbezahlt“? Was wäre denn „angemessen“?

Der (Fernseh- und Werbe-)Markt regelt Gehälter, Prämien, etc. Wie lange können Sportler ihren Sport betreiben, wenn sie mit Ende 20, Anfang 30 als „alt“ gelten, dem Beruf nicht mehr gewachsen sind? Also vorausgesetzt, Verletzungen zwingen nicht vorher zu Abstieg oder Jobaufgabe. Was machen die Sportler im Anschluss? Es können ja nicht alle Trainer oder Kommentatoren werden. Also, das ist doch sehr relativ, was das „überbezahlt“ angeht… (obschon man über das gesamte Gefüge, Geldverteilung, etc. ohne Frage sehr, sehr gut streiten könnte), über Fußballmafia DFB, … aber da kämen wir vom Hölzchen aufs Stöckchen und würden aus diesem wunderbaren Blog ein Fußball-Blog machen. 😉

23. A.Y - Mai 23, 2012, 14:58

Na ja ich muß ja nicht gleich die Flinte laden,Lila
Aber für den Erfolg gibt es keinen Ersatz!Schöne Floskel ich weiß aber wahr.Im nächsten Jahr werden die Leute sagen letztes Jahr ist Chelsea CL Sieger geworden und nicht die Bayern haben viel besser gespielt,das spielt dann keine Rolle.Immer nur Zweiter zu sein ist sehr wohl ein Fluch,der Fluch des Zweiten frag mal Ballack.Obwohl ich Bayernfan bin jetzt wo ich weiß dass die Spieler nicht den Mumm hatten nach vorne zu gehen um den Elfer zuschießen so dass Neuer als Torwart schießen musste bin ich nicht mehr so sicher wir hätten den Pokal verdient.2 Platz ist der erster VErlierer und man sollte sich nicht damit zufrieden geben das ist wider den GEist des Sports und Wettkampfs und ehrlich gesagt mir wäre lieber die israelischen Reporter würden über uns lachen aber wir gewinnen Titel als immer nur 2 oder3 und alle bemitleiden uns als unglückliche Verlierer.Das ist unerträglich,da kann ich schon besser Spott und Häme ertragen(als Bayernfan ist man einiges gewöhnt)
@Piet
Ich rede nicht davon wer jetzt der größere Experte von uns beiden ist das spielt keine Rolle aber wenn Du sagst Du bist so oft im Stadion dass Du ein Fußballfan bist dann verstehe ich wiederum nicht dass Du Dich nicht in die Spieler hineinversetzen kannst nach so eine MegaKlatsche.Ich nehme an es gibt doch einen Unterschied zwischen Zuschauer und aktiven Spieler
Hier,ich bin ich auf einen anderen Blog drauf aufmerksam geworden was Fußball alles sein kann
http://de.wikipedia.org/wiki/Maracana%C3%A7o

24. Silke - Mai 23, 2012, 17:28

Piet

auch Wirtschaftsbosse haben schon ganze Städte und Regionen ins Unglück gestürzt und alles andere als selten.

Aber was die Zocker getrieben haben, hat noch einmal eine vollkommen andere Dimension. Das kann man nicht vergleichen und welcher Vereinsboss hat einen dicken fetten „Fallschirm“ für seine Risikofreude gekriegt? gibt’s einen? Beim ersten Warnzeichen Longterm Capital Management haben die sich Modelle basteln lassen, die auf Zahlen der 5 vergangenen Jahre beruhten und dann ihre Kundschaft und vielleicht auch sich selbst davon überzeugt, daß sie die Zauberformel gefunden hätten, mit der sie risikofrei auf alle Zeiten Geld machen könnten.

So etwas kann ich mir beim Fußball nicht vorstellen, denn egal wie schlimm es getrieben wird, irgendwann wird auf dem Platz doch wieder die Wahrheit sichtbar werden, oder nicht?

Alles in allem, im Fußball gibt es vermutlich alles, was es im Big Business auch gibt, doch wenn Leute fast ohne Sicherheiten riesige Wetten eingehen und dabei auch noch Computern vertrauen, das ist einfach eine andere Ebene und vermutlich eine ganz neue Qualität, etwas nie Dagewesenes.

http://espn.go.com/espn/print?id=7927946&type=story

Ansonsten voll d’accord und als kleines Dankeschön für Deinen Einblick in die Kickerseelen gibt’s das hier:

http://virtualphilosopher.com/2012/05/football.html

25. Piet - Mai 23, 2012, 18:10

@Silke Danke für diesen wunderbaren link — made my day! 🙂

@A.Y („Aber für den Erfolg gibt es keinen Ersatz“) — Es kommt sehr darauf an, woran man Erfolg misst! Aber nach „KoanNeuer“ und dem Auspfeifen des „Holländers“ gestern weiß ich (trotz vieler Bayern in meiner Timeline) sehr genau, warum ich Fan des magischen und nicht des tragischen FC bin. Forza!

26. A.Y - Mai 24, 2012, 0:09

@Piet
Koan Neuer war eine Sauerei und das war meistens nur ein kleine Hardcoregruppe die Ultras glaube ich nannten sie sich.Du weißt auch dass Neuer als Schalker gerne die Bayern provoziert hat deswegen hatte er keinen leichten Start und Robben nun Robben er hats verdient denke ich.Er verlangt einen Sonderstatus weil er ein Star ist das sagte er selbst aber in dem besagten Finale hat er gekniffen.Ich werfe ihn nicht den verballerten Elfer vor obwohl der ganz schwach war sondern dass er als der selbsernannte Führungsspieler nicht nach vorne gegangen ist als Leute gebraucht wurden.Ghana-Uruguay WM 2010 in der letzten Sekunde der Verlängerung kriegt Ghana einen Elfer,der Käptn ballert ihn an die Latte es geht ins Elfmeterschiessen und er ging wieder hin sogar als erster und versenkte.Das sind Führugsspieler und das hätte auch Robben machen sollen dann wären die Pfiffe ausgeblieben

27. Piet - Mai 24, 2012, 10:43

«Robben hats verdient denke ich» — Das dachten viele andere Bayern auch. Ist auch ein in anderen Vereinen nicht unübliches Verhalten, eigene Spieler auszupfeifen. Und wenn der nächste Spieler einen Suizid-Versuch unternimmt, heucheln die selben Fans wieder was von Mitgefühl und dass sich etwas ändern müsse… Nein, A.Y: Dass Spieler ausgepfiffen werden, weil sie nicht den Ansprüchen des zahlenden Publikums entsprechen, ist ein Denken, dass ich nie werde nachvollziehen können.

28. Lila - Mai 24, 2012, 11:34

Da bin ich wieder mal ganz mit Piet. Diese Lust am Aufbauen eines „Stars“ und dann am Niederreißen – die ist mir unheimlich. Ich denke da immer an die Trikoteusen unter der Guillotine.

Fußballspieler sind Sportler, keine Stars. Das ganze System, das sie zu Stars macht, halte ich für monströs aufgeblasen. Es existiert erst seit den Fußballübertragungen im Fernsehen. Seitdem gehen Fußball, Medien und Konzerne mit Werbeinteressen eine Allianz ein, und wir als Zuschauer spielen mit. Es reicht, sich Bilder aus den 50er Jahren anzugucken – da tragen die Spieler Trikots, sind noch keine wandelnden Werbeflächen, und Siege sind Wunder, keine eingeforderten Leistungen, zu denen sich die Zuschauer wie per Garantieschein berechtigt fühlen.

Auch ein exzellenter Sportler kann Fehler machen, einen schlechten Tag haben, an Verletzungsfolgen leiden, private Probleme haben. Wenn „wir“ ihnen natürlich Millionen in den Schlund werfen und sie an einen Personenkult wie im alten Rom gewöhnen, dann meinen wir natürlich auch, wir haben ein Recht, einen Anspruch auf ihre Leistung.

Und dann pfeifen die Fans.

Das alles ändert nichts daran, daß die spannende Sache im Sport eben die Unberechenbarkeit ist. Weder die Fans von Barca noch vom FCB haben ein Abo auf Pötte und Pokale. Und das ist so gut so. Sonst brauchte man gar nicht erst hinzugucken.

Ich sage nicht: zurück in die 50er. Aber ich plädiere für Maßhalten und Respekt, auch in Momenten der Enttäuschung.

29. A.Y - Mai 24, 2012, 11:46

@Piet
Enke war krank und vor allem der Tod seiner Tochter trieb ihn in den Seltbsmord.Nein Pfiffe gehören dazu im Fußball das ist ganz normal,das muss er abkönnen war Heynckes Antwort zu den Pfiffen gegen Robben.Ich sehe kein Bedarf die Spieler in Watte zu packen.Interessant ist zu wissen dass die Pfiffe nicht aus der Kurve kamen sondern hauptsächlich von der Gegegerade und Tribüne.Ausserdem wurde er nicht wegen dem verschossenen Elfer ausgepfiffen sondern wegen seiner Weigerung nachher den Elfer zu schiessen.Vergiss bitte nicht dass Robben selbst die Latte so hoch gehängt hat
PS:Du hast gefragt: es kommt drauf an worauf man den Erfolg mißt?Das ist ganz einfach! Titel = Erfolg,daran kann man messen wie erfolgreich man ist.Wie steht’s bei Dir?

30. Silke - Mai 24, 2012, 13:27

heutiger Spruch im Perlentaucher Medienticker:

„Es sollt´ein Freund des Freundes Schwächen tragen.“ (William Shakespeare)

und Fans sind doch auch so was wie Freunde, oder?

und jetzt fällt mir noch etwas ein, was ich an den Millionen-Einkommen der Spieler gut finde. Da ist wenigstens noch eine Ecke, wo der der die Leistung bringt nicht nur einen Bruchteil dessen bekommt, was sein Chef bekommt.

Wenn einer mit viel mehr Verantwortung als ich und viel mehr privaten Verpflichtungen das 5- 6- 7- 8-fache von mir verdient, dann ist das rundum in Ordnung, aber das ich weiß nicht derart wieviel-fache, daß ich ihn gar nicht mehr als normalen Menschen wahrnehmen kann, dann ist das nicht OK. Drum freut es mich, wenn es noch eine letzte Ecke im Wirtschaftsgefüge gibt, wo in der Hinsicht die Welt noch in Ordnung ist.

So desinteressiert ich auch an Fußball war, so erinnere ich mich doch, daß ich immer wieder Berichte gelesen habe, daß zu Amateurzeiten gemauschelt wurde was das Zeugs hielt und das muß ja wohl einigen (Geld?)Leuten mehr Einfluß garantiert haben als für den Verein wünschenswert war. Und ich hab’s lieber mit dem Geld offen auf den Tisch und nicht endlose Vergünstigungen nebenher. Wenn schon Durchkommerzialisierung, dann aber bitte transparent.

31. Silke - Mai 24, 2012, 21:28

Titel=Erfolg und sonst nüscht

also ich weiß nich, das wäre ja Sport als die reinste Form des Survival of the Fittest und das kann doch wohl nicht alles sein, denn wenn’s das wäre, dann müßte ja auch der nächste Schritt angesagt sein

http://en.wikipedia.org/wiki/Rollerball_(1975_film)

Ich habe gerade Walter Scott’s Beschreibung eines Turniers in Ivanhoe gelesen, das ein großer Erfolg gewesen sein soll, weil es nur 5 Tote und vergleichsweise wenige fürs Leben Verletzte gab.

Keine Ahnung ob Scott da auf echte Zahlen zurückgegriffen oder phantasiert hat, aber wenn so einer in voller Rüstung vom Pferd plumpst, halte ich schon sehr viel für möglich.

Der Vorläufer des Fußballs in England soll auch Verletzte – und Tote – produziert haben und für all das steht für mich Titel=Erfolg und alle außerm Ersten sind Loser – Mit Verlaub, das ist lächerlich und lebensfremd und wie Metin Tolan (oder wer anders) mir in nem Interview klar gemacht hat, ist das Tolle am Fußball gerade, daß er so lebensecht ist, weil er bewußt so gestaltet ist, daß er Chancen für den Underdog eröffnet und der bleibt so lange ein Loser bis er nicht auf Platz 1 ist und alles dazwischen zählt nicht? Also nee!!! aber werklisch nit!!!

32. Piet - Mai 25, 2012, 3:28

Ach Lila, ein Kuss aus der Ferne! :-*

@A.Y: «Pfiffe gehören dazu im Fußball das ist ganz normal»

Tja, was so alles als „normal“ gilt: Kapitalismus, Anspruchshaltung, Pfiffe, Sexismus, Homophobie, rechts erhobene Arme. Der ganze Macho-Sch***.

«Du hast gefragt: es kommt drauf an worauf man den Erfolg mißt?Das ist ganz einfach! Titel = Erfolg,daran kann man messen wie erfolgreich man ist.»

Ja, das habe ich mir gedacht. 😦

«Wie steht’s bei Dir?»

Na gut, das wird dann aber ein wenig länger: Wobei, genau genommen hat @Silke mit Shakespeare alles schon ganz wunderbar zusammengefasst: „Es sollt´ein Freund des Freundes Schwächen tragen.“

Etwas ausführlicher: (Mit)menschlichkeit. Zusammenhalt. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Liebe! Selbstironie. Die Revolution leben. Gastfreundschaft. Die Vorstadt (St. Ellingen, landläufig auch: HSV) in die zweite Liga kicken. Antifaschismus. Team Green (die Behelmten wollen ja auch gern mal mitspielen) auf Distanz halten. Die Kogge versenken!

Und: Spaß haben am schönsten Sport der Welt, ein großes Fußballfest feiern! Gerne lange und ausgiebig, gerne mit lieben Gästen!

Pokal? Lass mich einen Chant zitieren:

„Wir hol’n die Meisterschaft,
und schießen Rostock ab,
DFB-Pokal,
ist und sch***egal!“

Als unser Stadion umbenannt werden sollte (Thema Werte: Namensgebung, Tradition, Antikapitalismus), haben wir durchgesetzt und in die Satzung schreiben lassen, dass der Stadion-Name nicht! verkauft werden darf. Wir werden nie in einer Versicherungs-Arena spielen oder in einem Pokerroom (war im Gespräch), wir werden das Bier nie mit Millerntalern bezahlen. Stattdessen haben wir die Idee entwickelt, dass St. Pauli käuflich ist: WIR verkaufen unseren guten Namen, sprich: Mit unserem Namen darf man (gegen cash und zu unseren! Bedingungen) werben. Hat aus lizenzrechtlichen Gründen leider nicht geklappt. Aber es zeigt, wie „wir“ ticken.

Selbstverständlich waren die Regionalliga-Zeiten rein sportlich betrachtet nicht schön. Und trotzdem war unser Stadion immer überproportional voll. Selbstverständlich spielen wir, um zu gewinnen, was denn sonst?! Das ist Fußball und es geht nicht um pädagogisch ausgeglichenes „jeder darf mal“. Aber gewinnen und aufsteigen um jeden Preis? Mit all den Modefans, die nur kommen, weil Erfolg (und der „Kultklub“ — jeder St. Paulianer kotzt bei diesem Begriff, das „Freudenhaus der Liga“ *würg*) ja so sexy ist? Eindeutig: Nein! Stets die beste Leistung abrufen? Immer! Spieler auspfeifen, weil sie mal nicht auf der Höhe sind? Im Gegenteil: DANN erstrecht anfeuern und ihnen unsere Unterstützung zukommen lassen, denn DAS ist das „WIR“, das wir leben wollen, DAS ist St. Pauli! Was zu einem überaus gelassenem Umgang mit all dem führt: Wir wollen gewinnen, aber wir müssen nicht, genauer: Es steht nicht bedingungslos an erster Stelle, sondern wird (idealerweise) flankiert von o.g. Werten. Sollte es mal anders laufen, kannst du mit geballter Fan-Macht rechnen, die sich damit (und besonders gern mit dem Vorstand) auseinandersetzt, auf bekannt liebevolle Weise (also nachdrücklich, ironisch, sarkastisch, sehr ernsthaft sowie mit erhobenem Kopf und Mittelfinger).

Oder, um es kurz zu fassen: Die von dir o.g. Werte sind nicht unsere Werte.

Zur Illustration (und wer noch etwas Fernsehen konsumieren möchte):

„Many fans don’t want access at any price“ (Oooooh, das war noch Regionalliga, im alten Stadion! Reportage / Trans World Sport): http://www.youtube.com/watch?v=B-kl93Husv0

US-Mädels, nice! http://www.youtube.com/watch?v=B16SRMRsln8

Reportage / The Guardian: http://www.youtube.com/watch?v=4gkqL0I20sI

Reportage sport inside / GB: http://www.youtube.com/watch?v=7Yf04lyyD-g

East River Pirates/Rabbi Darkside/NYC: http://www.youtube.com/watch?v=alsgxzSL1VA

hach… *schnüff* http://www.youtube.com/watch?v=9FrLrhWiS6Y (die Szene, in Rostock: http://www.youtube.com/watch?v=zzBUqNylH8k )

Und noch mal *hach*… http://www.youtube.com/watch?v=osXuIxVwAMk

Und jetzt höre ich auf, sonst lade ich am Ende das ganze Internet hier runter. 😉

33. Paul - Mai 25, 2012, 11:15

Piet, jetzt misch ich mich mal ein. Eigentlich wollte ich mich aus diesem Thema raushalten, weil für mich das alles kein Sport mehr ist, sondern nur noch Geschäft. Das gilt für Fußball, aber auch für sehr viele andere Sportarten. Schrecklich, wenn bei der Olympiade der Reporter sagt: „Leider wurde er nur Zweiter.“ Ganz besonders schlimm: „Er ist weg vom Fenster. Er wurde nur Vierter.“ Das „Nur“ wird dann auch noch besonders betont.
Ist es nicht so, dass er der Viertbeste der Welt in dieser Disziplin ist? Wenn das kein Erfolg ist, dann weiß ich nicht was sonst noch ein Erfolg sein soll? Für mich ist auch der 10., ja sogar der 20., ein ganz Großer!

Aber das was Du schreibst, geht, wenn ich Dich richtig verstanden habe in die andere Richtung. „Die Trauben da oben sind viel zu hoch. Da kommen wir doch nicht ran. Also wollen wir sie nicht, weil sie nicht schmecken.“ Das ist keine Haltung in einem Wettkampf.
Wenn ich nicht mit einem Leistungsziel, meinem persönlichen Siegeswillen, dem kleinen Sieg nur für mich, antrete, dann brauch ich garnicht anzutreten.
Auch bei der täglichen Arbeit will ich immer das Beste was ich leisten kann erreichen. Warum soll es beim Sport anders sein?

Nun zu dem „Negativbeifall“. Das Wort habe ich für Missfallenskundgebungen bewusst gewählt, es ist aber ironisch gemeint.
Unsere Zeit ist davon geprägt, das ist jedenfalls mein Eindruck, nur noch zu loben und nicht mehr zu tadeln. Misserfolge werden dann „positiv“ ausgedrückt, damit die Psyche des Versagers nicht „geschädigt“ wird.
In der Politik gibt es also keinen Rückgang mehr sonder „Minuswachstum“! Welch ein Unwort? Welche Idiotie?
Achte mal darauf und Du findest beinahe täglich Beispiele für das was ich meine.

Deine Kritik an Pfiffen, also an Missfallenskundgebungen für schlechte Leistung, gehört auch dazu. Wie soll ein Spieler denn sonst mitbekommen, dass das was er abliefert dem Zuschauer nicht gefällt? (Im Augenblick nicht gefällt. Genau in diesem Augenblick!)

Schurren Studenten heute nicht mehr mit den Füssen? Oder zischen sie nicht mehr, wenn das was der Professor sagt ihnen nicht gefällt? Dürfen Theaterbesucher nicht mehr mit Buhrufen ihr Urteil abgeben?
Das sind alles „Pfiffe“, die Du, wenn ich Dich richtig verstanden habe, auf dem Sportplatz nicht mehr haben möchtest.

Kann es sein, dass Du die Pfiffe als Verurteilung empfindest? Das sind sie aber nicht. Sie sind ein Beurteilung.
Also Kritik, in welcher scenetypischen Form sie auch geäußert wird, ist niemals etwas schlechtes, sondern, soll dem Kritisierten auch immer weiterhelfen.
Auch meine Kritik an Deiner Meinung, möchtest Du bitte als Anregung verstehen, über diesen Sachverhalt noch einmal nachzudenken. Auch wenn Du Deine Meinung nicht änderst, fällt das unter die zulässige Meinungsvielfalt.

Meine Meinung aber auch.

34. Paul - Mai 25, 2012, 11:26

Piet, noch eine Ergänzung.

„….weil sie mal nicht auf der Höhe sind? Im Gegenteil: DANN erstrecht anfeuern und ihnen unsere Unterstützung zukommen lassen, …“

Aber ja doch. Das sind doch aber keine Gegensätze, sonder es ist die selbe Seite der selben Madaille.

Und wenn die Manschaft einen „Hänger“, eine „Durststrecke“ hat und trotz aller Mühe nichts gelingen will: Dann anfeuern und zwar Bedingungslos!
Aber wenn es nicht so ist, sondern sie nur nicht wolle: Dann auspfeiffen, aber ebenso bedingungslos. 😈
Das kennzeichnet eine richtige Familie. 🙂

35. Silke - Mai 25, 2012, 11:50

Piet

Bajuwaren sind nun mal Binnenländer. Dafür können sie nix. Das muß man ihnen nachsehen 😉

Es gibt Historiker, die glauben, daß das mit der Solidarität (und der Disziplin) auf Schiffen ganz besonders hoch entwickelt ward und folglich war und ist(?).

Ist es nicht so, daß die Donau es nicht mal als Völkerscheide so richtig gebracht hat, ganz anders als der Rhein?

Den letzteren Olivenzweig offeriere ich natürlich nur, um die hier anscheinend stark vertretenen Rheinischen in Piet’s Lager zu ziehen.

PS:
Als Ihr das mit St. Pauli als Marke versucht habt, habt Ihr da auch die Möglichkeiten für Bilder und Töne erforscht? Wenn ich mich recht erinnere, gab’s da um 2000 erheblich erweiterte Möglichkeiten, mit denen es sich vielleicht umgehen läßt, daß St. Pauli an sich kaum schutzfähig sein dürfte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Marke#Juristische_Marken_und_Warenzeichen

36. Piet - Mai 25, 2012, 14:13

@Paul: «Ganz besonders schlimm: „Er ist weg vom Fenster. Er wurde nur Vierter.“ Das „Nur“ wird dann auch noch besonders betont. Ist es nicht so, dass er der Viertbeste der Welt in dieser Disziplin ist?»

Ich gebe dir absolut Recht!

Im Übrigen liegt aber, glaube ich, ein Missverständnis vor. Es geht Mitnichten darum, die Spieler vor Kritik zu bewahren. St. Pauli war ja nie ein „love and peace“-Stadtteil, sondern ein von extremer Armut und extremen Reichtum, Drogen, Gewalt, Prostitution und Amüsement geprägtes Arbeiter- und Hafenviertel, entsprechend war auch immer der Umgang untereinander. 😉 Glaub mir, ein „Beweg gefälligst deinen A…llerwertesten“ hören die Spieler dann schon häufig genug. 😀 Die Entscheidung, keinen „Negativ-Support“ zu leisten, war eine ganz bewusste, nicht, um die Spieler von Kritik auszunehmen, sondern um die dadurch zum Ausdruck kommende Anspruchshaltung nicht zu unterstützen (ja, ich verstehe Pfiffe oder das vorzeitige Verlassen des Stadions als Gesten mangelnden Respekts, als Verurteilungen für nicht erfüllte, aber ja schließlich bezahlte Ansprüche). Im Gegenteil sollen die Spieler unterstützt werden, die durchaus mal ein ermunterndes „Aufwachen!“ aus allen Kurven zu hören bekommen. (Oder, um das in St. Pauli-Manier politisch zu fassen: Das Ziel ist, sich der kapitalistischen Verwertungslogik bewusst zu widersetzen.)

Auch was das Spielen in hohen Spielklassen angeht: Es ist nicht so, dass Spieler wie Fans nicht ganz oben mitspielen wollten (oder gar Angst davon hätten: „Geld und Angst haben wir nicht!“). Wir wollen durchaus attraktiven Fußball sehen und die Spieler wollen sich schon im Wettbewerb beweisen (und gutes Geld verdienen). Du musst aber berücksichtigen, dass St. Pauli letztlich nur ein Stadtteil-Verein ist, wenn auch ein dafür recht erfolgreicher. Es geht also darum, dass Möglichste unter gegebenen Bedingungen zu erreichen, und zu den Bedingungen gehören ein paar Eigenheiten, die diesen Verein prägen.

Eine Folge dieser Eigenheiten ist z.B., dass St. Pauli der Verein ist, bei denen die Spieler im Schnitt am längsten unter Vertrag stehen, Zeit haben, sich persönlich und als Mannschaft zu entwickeln und Leistungen abzurufen, die nur unter diesen Bedingungen erreichbar sind. Und wenn der Verein einen Spieler dann doch unter aus Fan-Sicht unwürdigen Bedingungen „freistellt“, veranstalten eben die Fans ein Spiel und bereiten ihm die verdiente ehrenvolle Verabschiedung (letztes Jahr, z.B.). Es geht dabei um so etwas wie familiären Zusammenhalt, weil sich das Viertel, dessen Bestandteil der Verein ist, bei aller Problematik dieses Begriffes als eine Familie versteht. Sozial-Romantik, für viele ein abwertender Begriff, für uns ein Wert an sich. Letztlich aber sind es natürlich immer neu auszutarierende Kompromisse, um das eigene Lebensgefühl und die eigenen Werte mit dem Wirtschaftssystem Hochleistungssport in Einklang zu bringen.

Ich will auch gar nicht sagen, dass nur dieses richtig ist (wenn auch für mich kein anderer Verein infrage kommt). Ich will nur aufzeigen, bei allen Fehlern und Widersprüchen, die es auch bei uns gibt: Es geht auch anders, es gibt andere (vielleicht menschenwürdigere?) Wege, und das Sport-System, wie wir es heute kennen, ist kein Automatismus, der vom Himmel gefallen wäre. „Nur der Pokal zählt, nur der Erfolg“ ist eine Haltung, der die Menschen, die diesen Verein ausmachen, eine andere Haltung gegenüberstellen und diese auch leben.

@Silke: Inzwischen gilt der Verein als einer der best-vermarkteten. Was (wie sollte es bei uns anders sein) nicht ohne Murren zur Kenntnis genommen wird. 😉 Damals, als der Verein kurz vor der Pleite stand (ein gewisser Herr H. aus B. hatte nicht geringen Anteil an der Rettung des Vereins: Uli Hoeneß nämlich!), wurden die Verwertung-Rechte (Merch) zu einem Spottpreis an sehr geschickte Schweizer Vermarkter abgegeben, die, nachdem es wieder besser lief, verständlicherweise die langfristig ausgehandelten Verträge nicht mal eben so aus der Hand geben wollten. Übrigens: Derjenige, der den Jolly Roger erstmals ins Stadion trug (Doc Mabuse), hat für das inzwischen vom Verein geschützte Markenzeichen keine müde Mark gesehen. Auch das ist St. Pauli.

37. A.Y - Mai 25, 2012, 15:06

@Piet
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.Die Revolution leben

Was hat das alles mit Sport zu tun,ich will nur ein gutes Spiel sehen das reicht mir mein Leben spielt sich nicht im Stadion ab?Blut und Boden Romantik die gibt es bei Bayern nicht da hast Du Recht.Aber sag mir mal was Du gegen Kapitalismus oder Polizisten hast?Die Behelmten auf Distanz halten?Sei doch bitte nicht so scheu lass es raus was Du wirklich meinst! Den Bullen in die Fresse hauen oder wie letztes in Frankfurt wo man einen verletzten am Boden liegenden Polizisten eine Säure-Pfeffermischung in die Augen gesprüht hat und somit die Augen verätzt hat das ist es doch,oder.Sind doch eh alles Kapitalisten und Faschistenschweine.Das ist dann gelebte Wochened-Revolution,ja?Kapitalisms ist auch nur so lange schlecht bis es in der Gestalt von Uli Hoeneß daherkommt und Euch vor der Pleite rettet wie ein paar Jahre vorher der Fall war.Eure Fans sind auch nicht besser wenn sie als Horde auftreten,da gibt es keine Unterschiede.So bei Euch gibt es keine Pfiffe?Auch nicht gegen Rostock?Rechte Arme oder Linke erhobene Arme was für einen Unterschied gibt es da ausser den Farben?Chaoten sind sie alle da gibt es keinen Unterschied wie man schön an jeden 1 Mai sehen kann.Y.T ist voll von Videos die Randale von den ach so wertebewußten St.Pauli Fans zeigen
Lass Sport Sport sein das reicht vollkommen.Politik hat da nichts zu suchen

38. Piet - Mai 25, 2012, 16:43

«Sei doch bitte nicht so scheu lass es raus was Du wirklich meinst! Den Bullen in die Fresse hauen»

@A.Y Gründliches Lesen und höfliches Nachfragen erspart eine Menge Vorurteile. Aber vielleicht möchtest du dir die ja auch bewahren, ich weiß es nicht.

«Lass Sport Sport sein das reicht vollkommen.Politik hat da nichts zu suchen»

Stimmt. Sport ist unpolitisch. Der ausgestreckte Arm zuckt im Stadion halt ganz zufällig mal nach oben; da braucht man aber nicht hinsehen, der Blick geht ja zum Spielfeld, Sport Sport sein lassend. Das „Schiri, du schw*e Sau“ hat mit Politik nichts zu tun, die zunehmende Segregation von Arm und Reich in den Stadien hat nichts mit Politik zu tun, und Polizisten sind stets Freund und Helfer.

Wie gut, dass ich dies nun gelernt habe, danke dir dafür. Genieße den sonnigen Tag. 🙂

39. A.Y - Mai 25, 2012, 23:54

@Piet
Na dann frage ich ganz höflich:Was heißt es denn „Team Green (die Behelmten wollen ja auch gern mal mitspielen) auf Distanz halten“
So der Sport ist Schuld wenn Leute die in der Horde auf einmal alle Hemmungen verlieren den linken oder rechten Arm hochheben?Mach nicht so ein großen Unterschied zwischen den rechten oder den linken Arm,da ist kein.Das kannst Du auch in manch einer Kneipe haben wenn der Suffpegel hoch genug ist.Ich weiß gar nicht warum Du das hier aufbringst bei einen Thema um Fußball.Sport ist unpolitisch und für jeden offen.Seggregation von Arm und Reich im Stadion?Die gibt es auch in der DB in 1 und 2 Klasse.Jemand muss den Betrieb ja bezahlen dazu hat ja Hoeneß ein paar passende Worte in seiner Wutrede gesagt.

Wie stellst Du es vor?Alles umsonst?ZUr Polizisten in DL da kann ich nur noch sagen ich wundere mich überhaupt noch dass sich junge Leute in DL. entschließen zur Pl. zu gehen so wie sie in diesen Land behandelt werden
http://americanviewer.wordpress.com/2012/05/09/krieg-gegen-die-polizei/

40. Piet - Mai 26, 2012, 16:34

@A.Y Da du höflich fragst: Wenn du dir die vorher verlinkte PK angesehen haben solltest, könnte dein Bild der klaren Zuteilung von gut und böse vielleicht zumindest ein wenig ins wanken gekommen sein. Ich kann dir etliche weitere Beispiele geben, die ähnliche, manchmal schlimmere Bilder zeichnen. Das ist kein Gesamturteil meinerseits, begründet aber mein Abstandhalten genauso, wie es das Wort meint: Abstand halten. Ich will keine Prügel-Menschen neben mir haben, weder in schwarz-vermummt, noch in blau- oder grün-vermummt. Ist das so deutlich genug? Und ich will Menschen neben mit, die gegen Menschenfeinde einschreiten. Deutlich! Und, wenn alles andere nicht hilft, auch handfest und mit Zivilcourage. Zuallererst von Seiten derer, die für öffentliche Ordnung da sind, gefälligst. Um auf o.g. PK zurückzukommen: Die Personalien von Straftätern (hier: Nazi-Hools) nicht aufzunehmen, diese gewähren und unter Geleitschutz abziehen zu lassen und die Opfer als Täter zu stilisieren entspricht nicht! meiner Vorstellung von Demokratie und der Polizei als ihrer Exekutive.

Ich kann dir auch gerne dein Bild von ach so schlimmen Menschen am 1.Mai zumindest in Teilen zurechtrücken (mit Belegen), aber vielleicht reicht es dir schon zu wissen, dass sich beispielsweise Schanzen-Bewohner (also rund um die Rote Flora) in den vergangenen zwei, drei Jahren von den Krawallen distanziert haben. Wenn gelangweilte Vorstadt-Kiddies und abenteuerlustige Jung-Anwälte Hobby-Revolutionär spielen, hat das mit den ursprünglichen Zielen (unabhängig davon, ob man die nun teilt oder nicht) nämlich nix zu tun, ganz im Gegenteil. Also: Man kann sich ein differenzierteres Bild verschaffen, wenn man das denn will.

Und arm und reich im Stadion: Es geht nicht um Hoeneß (ich kenne die Rede natürlich). Selbstverständlich gab es schon immer Plätze mit besserer und schlechterer Sicht, gibt es schon lange Sitz- und Stehplätze. Der Ausbau der Logen (und mit ihr die Abschottung gegen den Pöbel) aber hat erst mit der extrem zunehmenden Kapitalisierung des Fußballs und dem Ausbau von Fußballplätzen zu Erlebnis-Arenen begonnen, und wo früher im Wortsinne der Banker neben dem Punker stand, wird heute die Abschaffung der Stehplätze (vgl. England) diskutiert. Ernsthaft! DAS hat eine durchaus andere Qualität. Und zeigt im Übrigen die Verlogenheit, wenn gleichzeitig mit jenen geworben wird („gute Stimmung“ und so), die man dann aber verdammt und aus den Stadien verdrängen will (anbei: Ich bin weder Ultra, noch Pyro-Befürworter oder irgendwas in dieser Richtung, nur ganz „normaler“ Fan).

Und natürlich ist es nicht St. Pauli, das die Politik ins Stadion gebracht hat. Die war immer schon da und wurde besonders virulent in den 80ern, als Hooliganismus und Nazis im Stadion ihren Höhepunkt hatten (Sportveranstaltungen waren natürlich immer schon politisch, ob zur NS-Zeit oder in den Sowjet-Staaten; oder s. die Diskussion um die Schweige-Minute zur Olympiade jetzt). In den 80ern war das Politische im Fußball unangenehm sichtbar, wenn auch viele Menschen lieber weggucken wollten. D.h. „wir“ sind nur der Katalysator, der o.g. Missstände, die nach wie vor bestehen, sichtbar macht, wo andere lieber wegschauen, und daraus Aktionen entwickeln. So zu tun, als gäbe es einen „unpolitischen“ Fußball (oder einen „unpolitischen“ ESC in Baku, etc.) heißt nur, die Augen vor den Missständen zu verschließen.

Man muss die politischen Ziele und Aussagen und den z.T. anarchischen Humor bei „uns“ nicht teilen. Worauf ich hinaus wollte, ist, das es durchaus einen anderen, wertegeleiteten Fußball geben kann, nicht nur in der Theorie, sondern so gut es geht auch gelebt; und dass es gut ist, seine Wertvorstellungen immer mal wieder zu hinterfragen und aus seinen Reflexionen Konsequenzen zu ziehen. Schweinsteiger z.B. (das war ja der Ausgangspunkt der Diskussion) hat das getan. Sehr gut. 🙂

41. Piet - Mai 26, 2012, 16:52

P.S. Ich finde es schon ein wenig amüsant, dass ein altes Motto, das zur Ausbildung der französischen Republik und mithin zu Demokratie führte («Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.» nämlich), noch heute so viel Empörung, Angst und Entsetzen hervorzurufen in der Lage ist. 😀

42. A.Y - Mai 26, 2012, 23:39

Schweini hat sich entschuldigt das war alles!Ich glaube nicht dass er dabei gedacht hat wie man die Welt besser machen kann.
Aber genau das sagt doch Hoeneß,die gute alte Welt die hat es nie gegeben die gibt es nur wenn man zurückdenkt weil man sich meistens nur an die guten Dinge erinnert.Ich weiß erhlich nicht was Dein Problem ist.Was ist den so schlimm daran wenn ein Bonze für eine Loge 10000€ zahlt und damit den Verein finanziert und auch die Stehplätze für 7 €finanziert?Der Banker hat niemals mit dem Punker in der Stehkurve zusammengestanden auch nicht in der sogenannten guten alten Zeit.HOeneß hat Recht entweder man spielt in der 2, 3 Liga oder auf seine Weise in der CL.Ich dachte immer Fußball ist anderthalb Stunde Spass und nicht Weltanschauung.Polizisten sind Menschenfeinde? Sie sind die einzigen die die Köpfe hinhalten und damit für REcht und Ordnung sprich Zivilisation sorgen nur um dann selbst im Knast zu landen wenn irgendeinen Punk die Frisur durcheinandergeschwurbelt wird.Wenn Du schon von unseren Polizisten als Schläger denkst dann frage ich Dich gar nicht nach unseren Soldaten
PS;Freiheit,Gleichheit,Brüderlichkeit machen mir keine Angst!Na ja Gleichheit das kann man streichen.Ich wollte nur nicht alles kopieren was Du geschrieben hast um Dich zu zitieren also hab ich nur die erste Zeile genommen
Wir sind einfach zu verschieden (Siehst Du schon wieder keine Gleichheit) also das war’s
MfG;A.Y


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s