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In Kürze Mai 5, 2012, 10:54

Posted by Lila in Persönliches, Uncategorized.
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Inzwischen hat Tertia ihren Kurs abgeschlossen, trägt mit Stolz Band und Nadel der ausgebildeten psycho-sozialen Diagnostikerin (oder wie auch immer man das übersetzen möchte) und ist in die schöne sandfarbene Uniform der Luftwaffe übergewechselt: sie ist nämlich jetzt der Luftwaffe zugeordnet worden und wird am Sonntag in einer Basis im Süden ihren Dienst anfangen. Erst als Assistentin und Auszubildende einer Offizierin, nach ein paar Monaten dann auf eigene Verantwortung. Sie ist überglücklich und brennt auf ihre neuen Aufgaben.

Nicht alle haben solches Glück. Die Tochter von entfernten Bekannten ist an ihrem Einsatzort todunglücklich, ist mit einer offenbar überforderten und sehr harschen Offizierin aneinandergeraten, hat sich von der Truppe abgesetzt und zu ihren Eltern geflüchtet… ich weiß nicht, was ich täte, wenn meine Tochter so unglücklich wäre. Vermutlich mich vor dem Verteidigungsministerium anketten oder so…

Ich hatte ein interessantes Treffen mit Studenten, die einen Austausch mit einer deutschen Hochschule machen und viele Fragen zu Deutschland hatten – deutsche Sitten, deutsche Mentalität, deutsches Schulsystem, deutsche Parteienlandschaft…. Am Ende waren sie so begeistert von meinen umfassenden Erklärungen, daß sie mich gern mitnehmen möchten nach Deutschland – nur zu, ich habe zugestimmt und werde also vermutlich schon in weniger als einem Monat die alte Heimat heimsuchen. Und ich freue mich sogar drauf. Auch für nächstes Jahr ist eine Exkursion geplant wie die vor zwei Jahren, wieder nach Berlin, und ich sitze im Planungs-Team und bin als Begleiterin fest eingeplant.

Überhaupt geht es ein bißchen aufwärts, mein Gefühl akuter Überforderung legt sich und ich genieße die Arbeit wieder mehr. Ich muß lernen, um Hilfe zu bitten, wenn ich Hilfe brauche. Das fällt mir immer so schwer bzw es fällt mir gar nicht ein. Es ist einfacher, anderen zu helfen, als sich selbst helfen zu lassen.

Die Nachrichten ignoriere ich, sehr zum Vorteil meiner seelischen Verfassung. Was ich nicht weiß, ärgert mich auch nicht. Ich habe aber so nebenbei mitgekriegt, daß im September Wahlen sind. Barak und Livni sind weg vom Fenster, aber ich glaube nicht, daß ihr Fehlen sich bemerkbar machen wird. Andere werden ihre Plätze einnehmen. Zwei politische Hoffnungen, die sich in Nichts aufgelöst haben. Ich hoffe auf eine stabile, überwiegend säkulare (oder moderat religiöse) Regierung der Mitte, mit kompetenten Leuten. Daß die Diskussionen um einen Schlag gegen den Iran sich abgekühlt haben, ist mir sehr lieb. Ich kann mir nicht vorstellen, was dabei Gutes herauskommen könnte.

Ich hoffe, daß Lieberman nicht länger Außenminister bleibt, für den Posten taugt er überhaupt nicht. Als Innenminister kann ich mir ihn viel besser vorstellen – dann kann er endlich die versprochenen säkularen Reformen durchführen, am besten in Zusammenarbeit mit einem moderat religiösen Stellvertreter, so daß auch die Interessen der Religiösen gewahrt bleiben (ich bin nun mal immer für Ausgewogenheit).  Es ist wohl an der Zeit, den status quo neu auszuhandeln und die Lasten (Wehrpflicht, Arbeitsmarkt, Steuern) neu zu verteilen, auf mehr Schultern als vorher – und die Subventionierung des Staats auf die zu beschränken, die wirklich nicht arbeiten können.

Ein guter Kandidat für den Job des Außenministers fällt mir gerade nicht ein – ich werde aber mal die Augen offenhalten. Ich glaube, Bugi Herzog macht im Ausland eine gute Figur, aber ist seine Position stark genug für so einen Posten? Nein.  Shaul Mofaz und Bogi Yaalon werden ums Verteidigungsministerium konkurrieren, nehme ich mal an. Das Hauen und Schlagen fängt jetzt an. Mal gucken, wo Yair Lapids neue „ich bin charmant und habe gute Ideen“-Partei ihr Plätzchen findet. Hinge nicht so viel an unseren Politikern, könnte einen das Schauspiel glatt amüsieren.

So, und jetzt muß ich Y. bei der Wäsche helfen.

Damit die Kinder morgen geschniegelt und gebügelt (nein, größtenteils ungebügelt) antreten können. Montag kommt Primus vom Reservedienst wieder, der macht seine Wäsche aber selbst, weil er viel weniger Zeitdruck hat als seine Geschwister. Die verwöhnen wir gern in den kurzen Stunden, die sie zuhause haben.

Kommentare

1. Marlin - Mai 5, 2012, 11:21

Cool. Kannst ja Bescheid geben, wann und wo ihr in Berlin seid, ein Treffen würde ich nicht ausschließen wollen.:) Wenn Du sowas willst, natürlich nur.

Schön, dass es Dir besser geht.

2. Lila - Mai 5, 2012, 11:51

Ja, das wäre schön. Bei der letzten Exkursion mit Studenten allerdings hatte ich keine Minute für private Treffen, nicht mal meine ältesten und liebsten Freunde oder die Familie konnte ich sehen. Wäre ich nicht auf einem U-Bahnhof in die Familie Willow gerannt, der irrsinnigste Zufall meines Lebens, hätte ich gar niemanden getroffen. Ich hoffe, beim nächsten Mal kann ich mich etwas freier bewegen.

Aber erstmal gucken, ob was draus wird – dh, ob die Hochschule Geld dafür lockermacht, ob Studenten sich anmelden und so. Ist ja noch was hin bis nächsten Sommer…

3. Paul - Mai 5, 2012, 15:04

Dem Angebot von Marlin möchte ich mich anschließen.
Will es sogar noch ausweiten.
Wenn ich mich in ein abendliches zwangloses Gespräch zwischen „Einheimischen“ und Studenten einbringen könnte, würde ich das tun.
Oder auch in anderer Weise.
Aber sicherlich wird da nichts draus, weil ich „Einspracher “ bin. Halt stimmt nicht: außer mit Deutsch, könnte ick ooch noch mit Berlinisch dienen.😀

Vielen Dank Lila, für Deinen Bericht. Es ist wie Balsam für mein Seele auch mal gute Nachrichten zu lesen, neben all der Bedrohlichkeiten, die es sonst leider auf der Welt gibt.

4. vered - Mai 5, 2012, 20:32

Lila, dein Bericht beglückt. Dass es mit dir und deiner Familie so gut läuft – magia lach. Und diese Arbeit mit den Studenten, ist sie nicht wieder „Brückenbau“ zwischen Deutschen und Israelis, ein Beitrag zum sich-Kennenlernen? Wie du im Blog dem deutschsprachigen Leser von unserem Alltag hier, von unseren Freuden und Sorgen, unsere Mentalität(en), unseren Stärken und Schwächen berichtest und dadurch uns ihnen näherbringst, so kannst du jetzt bei den israelischen Studenten Verständnis für „deutsche Sitten, deutsche Mentalität, deutsches Schulsystem, deutsche Parteienlandschaft……“ wecken. Du tust damit deinen beiden Ländern einen guten Dienst. Wäre es mir nicht schade um dich, würde ich dich als israelische Aussenministerin oder wenigstens als Chefin der Hasbara vorschlagen.

5. Lila - Mai 5, 2012, 21:20

Ja, Vered, das würde ich aber nur übernehmen, wenn es im Doppelpack mit Dir geht😀 und natürlich mit allen Vergünstigungen und Spesen, klar😉

6. Noa - Mai 5, 2012, 22:04

Shavua tov lila!

7. Yael - Mai 6, 2012, 17:17

Ein Treffen wäre wirklich schön. Ich wäre auch dabei.

8. Justme - Mai 6, 2012, 19:54

„Die Nachrichten ignoriere ich, sehr zum Vorteil meiner seelischen Verfassung.“

Boker tov, Eliahu!

Gratuliere zu dieser psychohygienisch wichtigen Erkenntnis. Hoffentlich hält es an!

9. Frau-Irgendwas-ist-immer - Mai 7, 2012, 10:56

Hier, hier, hier – noch jemand der sich über ein Treffen in Berlin, sehr gerne auch mit den Studenten, freuen würde!

Oh ja, Wäscheberge – riesig und nur ein Wochenende Zeit – das kenn‘ ich noch gut, meine Eltern (und im Winter die Heizung) waren immer schwer am abarbeiten. Von den Fresspaketen nicht zu reden die ich SOnntags immer weggeschleppt habe….

@Paul
Wir können uns ja beide völlig blamieren und von der ‚Urberlinerin‘ C. Waldorff ‚Hermann heest der‘ oder so singen!!

10. Silke - Mai 7, 2012, 15:35

Ich entschuldige mich im voraus, falls ich Unruhe für Dich (Lila) bringe, doch vielleicht interessiert es Euch, entlang welcher Linien diese deutsche Diskussion läuft:

Kriegsdienstverweigerungsrecht für Sanitäter – Höchstrichterliches Urteil mit weitrei-
chenden Folgen für die Bundeswehr?

http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/streitkraefte_und_strategien/streitkraeftesendemanuskript353.pdf

Besonders beeindruckend fand ich, daß in den „neuen“ Kriegen das Rote Kreuz Zeichen als „Kugelmagnet“ gilt und deswegen dazu übergegangen wird, Sanitäter ohne einzusetzen.

Wer’s hören möchte, es ist im Podcast-Angebot des NDR.

11. Marlin - Mai 7, 2012, 19:46

Na dann schlage ich ja fast ein gesammeltes Treffen der Lilamannschaft vor.😀 Das könnte spannend werden.

Was sagst Du, Lila.:)

12. Lila - Mai 8, 2012, 7:23

Ich sage, willkommen zum Klassentreffen mit Fräulein Rottenmeier…

13. Carina - Mai 8, 2012, 22:24

Schade wäre ich keine 700km von Berlin entfernt wäre ich auch dabei !


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