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Ehre… April 4, 2012, 23:34

Posted by Lila in Presseschau.
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… wem Ehre gebührt. Seit Jahr und Tag beschwere ich mich über die deutschen Medien, aber heute haben sie mich überrascht. Die Kritik an Grass´unsäglicher Ode an den Weltfrieden kommt von vielen Seiten, und sie ist fundiert. Eine Blütenlese bringe ich hier – sie ist längst nicht vollständig.

Josef Joffe in der ZEIT.

Es geht nicht um U-Boote. Es geht um Schuldverschiebung und Selbstentlastung. Wie in dem legendären Spruch, der dem israelischen Psychiater Zvi Rex zugeschrieben wird: “Die Deutschen werden den Juden nie Auschwitz verzeihen.” Denn allein deren Existenz ist die ewige Anklage gegen Grass und die schuldlosen Nachgeborenen. Der “Jud” ist von Tabus umgeben, Israel ist es nicht. Dieser staatgewordene “Jud” verhält sich jetzt wie Nazi-Deutschland; deshalb soll er uns nicht andauernd “zur Rede stellen”, um uns zu erniedrigen und uns U-Boote abzuluchsen. Die Juden wollen, was wir getan haben. Gaza ist das Warschauer Ghetto, die israelische Bombe die neue Endlösung, diesmal Made by Israel und reserviert für Muslime.

Trägt der Jud die Schuld, ist die moralische Rechnung beglichen, wird das Nazi-Menschheitsverbrechen von Berlin nach Tel Aviv ausgelagert. Und Grass ist aus dem moralischen Schneider. Am besten, Israel verschwände von der Landkarte. Das sagt beileibe nicht Grass, sondern Ahmadinedschad. Dieses Schicksal aber wäre die Konsequenz, wenn Israel seine Abschreckungsfähigkeit verlöre.

(Die Kommentare dagegen unter der ZEIT-Meldung über die Reaktion des israelischen Botschafters und des jüdischen Zentralrats entsprechen schon mehr meinen Erwartungen: was wollt ihr denn, Grass hat doch recht, stimmt doch alles, immer diese A-Keule… aber lassen wir das…)

Henry Broder in der Welt:

Grass hatte schon immer ein Problem mit Juden, aber so deutlich wie in diesem “Gedicht” hat er es noch nie artikuliert. In einem Interview mit “Spiegel Online” im Oktober 2001 sagte er, wie er sich die Lösung der Palästina-Frage vorstellt: “Israel muss nicht nur besetzte Gebiete räumen. Auch die Besitznahme palästinensischen Bodens und seine israelische Besiedlung ist eine kriminelle Handlung. Das muss nicht nur aufhören, sondern rückgängig gemacht werden. Sonst kehrt dort kein Frieden ein.”

Das war nicht mehr und nicht weniger als eine Aufforderung an Israel, nicht nur Nablus und Hebron, sondern auch Tel Aviv und Haifa aufzugeben. Ebenso wie die Hamas und die Hisbollah macht auch Grass keinen Unterschied zwischen den 1948 und den 1967 “besetzten Gebieten”, für ihn ist “die Besitznahme palästinensischen Bodens und seine israelische Besiedlung eine kriminelle Handlung”. So sieht es auch der iranische Staatspräsident.

Clemens Wergin in der Welt:

Tatsächlich sind nicht nur die Motive des Grass’schen Machwerks zweifelhaft. Es offenbart auch ein seltsames Verhältnis zu den Fakten. Das Gedicht wimmelt nur so von Verzerrungen, Halbwahrheiten und Lügen. “Welt Online” macht den Faktencheck.

Tatsächlich wäre eine iranische Bombe weit weniger besorgniserregend, wenn dort ein anderes Regime an der Macht wäre. Grass setzt jetzt nicht nur beide Länder gleich, nein, er hält Israel tatsächlich für die größere Gefahr.

Wie blind, unwissend und voller Ranküne muss man sein,  um derart an den tatsächlichen Gegebenheiten in der Region vorbeizuschreiben? Dass er israelische und iranische Atomanlagen gleichermaßen international kontrolliert sehen will, obwohl das Völkerrecht dies nur im Falle des Iran vorsieht, ist dabei nur noch eine juristische Fußnote.

Man fragt sich beim Lesen dieser abschließenden Zeilen, ob Grass nun endgültig senil geworden ist. Das ganze Gedicht handelt von Iran und Israel. Und dann schreibt er, dass nur mit der intenaionalen Kontrolle der israelischen und iranischen Atomanlagen den Palästinensern zu helfen sei. Wie bitte? Was haben die jetzt damit zu tun, außer dass Islamischer Dschihad und Hamas von Teheran bezahlt werden?

Malte Lehming im Tagesspiegel:

Ist Günter Grass ein Antisemit? Ja, das ist er. Das beweist sein jüngstes Gedicht “Was gesagt werden muss”, das ebenso treffend “Die Juden sind unser Unglück” hätte heißen können.

Offener und gleichzeitig verdruckster hat selten ein deutscher Nachkriegs-Intellektueller im Repertoire der judenfeindlichen Klischees gewildert – und das Resultat dann als gewissenszerknirschte Friedensverantwortung getarnt. Hier muss keine textexegetische Überführungsarbeit mehr geleistet werden. Das Poem spricht für sich. Wer meint, es noch entlarven zu müssen, heuchelt Disputationsmöglichkeiten, die es nicht gibt.

Klaus Hillenbrand in der taz:

dieses Gedicht spielt falsch, so falsch wie viele der Reaktionen darauf.

Dabei geht es nicht darum, dass Grass die israelische Regierung für ihre Iranpolitik scharf kritisiert. Solche Kritik ist alltäglich und nur allzu berechtigt. Doch Grass nutzt seine Gedichtveröffentlichung für etwas ganz anderes: Er entschuldigt sein langes Schweigen mit der Furcht, als Antisemit abgestempelt werden zu können.

Das aber ist falsch und perfide. Die auch in deutscher Sprache verfassten Beiträge, die den Kurs der Regierung Netanjahu für gefährlich halten, sind nicht zu zählen, so viele sind es. Und selbstverständlich hat es nicht das Geringste mit Judenhass zu tun, wenn man seine Ablehnung von Israels Iranpolitik öffentlich äußert.

Wenn Grass aber genau das behauptet, dann produziert er ein Tabu, das nicht existiert. Dann erzeugt er neue Vorurteile. Und dann passt es ins Bild, wenn Grass über das Teheraner Regime wenige milde, über Israels Atommacht aber viele deutliche Worte verliert.

Micha Brumlik in der taz:

Ebenso verdruckst wie zielsicher steuert Grass dann auf jene unter Deutschen populäre und keineswegs tabuierte Meinung zu, wonach der Staat Israel die Hauptgefahr für den Weltfrieden sei: “Warum“ so fragt er sich verquält „sage ich jetzt erst/ gealtert und mit letzter Tinte:/ Die Atommacht Israel gefährdet/ den ohnehin brüchigen Weltfrieden?“

Der Dichter will also seine bisher geübte Rolle ändern, jetzt nicht mehr als ungeliebter Mahner auftreten, als praeceptor germaniae, sondern durch das Brechen eines lastenden Schweigens mit gutem Beispiel vorangehen: „zudem ist zu hoffen,/ es mögen sich viele vom Schweigen befreien,/den Verursacher der erkennbaren Gefahr/ zum Verzicht auf Gewalt auffordern“.

Dass das angesprochene Publikum auch dazu bewegt werden könnte, die iranische Führung zum Verzicht auf ihre Vernichtungsdrohungen aufzufordern, kommt dem Dichter nicht in den Sinn.

Fragt man darüber hinaus nach den Gründen, die ihm jetzt die Möglichkeit bieten, das ach so belastende Schweigen, das zu übertönen einem den Ruch des Antisemitismus einbringen könnte, zu brechen, so ist es nicht weniger als die Hoffnung, die phantasierte Auslöschung des iranischen Volkes zu verhindern.

Thomas Steinfeld in der Süddeutschen, hübsch vorsichtig:

Gewiss, der Ton der sich in Gewissensqualen marternden Unschuld, den Günter Grass in seinem Gedicht “Was gesagt werden muss” anschlägt, der ganze, so sorgfältig inszenierte Schmerzensschrei eines geschundenen Liebhabers des Weltfriedens hat etwas Gekünsteltes.

Er ist ebenso illusorisch wie der Gedanke, man könne in Gestalt von Gedichten – mit oder ohne Mandat – über die Weltpolitik verfügen. Und allzu durchsichtig ist die Funktion, die hier der lyrischen Form übertragen wird: Sie dient dazu, den Schriftsteller der Kritik zu entziehen. Indem er sich – scheinbar – nach innen wendet und sein Innerstes nach außen kehrt, in dem er, vor und anstatt einer politischen Auseinandersetzung, als lyrische Empfindsamkeit auftritt, will er einen Standpunkt über allen anderen einnehmen und sich unangreifbar machen. An der Empfindsamkeit sollen alle Einwände zugrunde gehen. So ist das, und so ist Günter Grass. Einen anderen gibt es nicht mehr.

Frank Schirrmacher im Feuilleton der FAZ (exzellente sprachliche Analyse):

Nein, das ist kein Gedicht über Israel, Iran und den Frieden. Wie könnte es das sein, wo es den iranischen Holocaust-Leugner als „Maulhelden“ in einer Zeile abtut und gleichzeitig doch ausdrücklich nur geschrieben ist, um Israel zur Bedrohung des Weltfriedens zu erklären?

Es ist ein Machwerk des Ressentiments, es ist, wie Nietzsche über das Ressentiment sagte, ein Dokument der „imaginären Rache“ einer sich moralisch lebenslang gekränkt fühlenden Generation. Gern hätte er, dass jetzt die Debatte entsteht, ob man als Deutscher Israel denn kritisieren dürfe. Die Debatte aber müsste darum geführt werden, ob es gerechtfertigt ist, die ganze Welt zum Opfer Israels zu machen, nur damit ein fünfundachtzigjähriger Mann seinen Frieden mit der eigenen Biographie machen kann.

Tobias Kaufmann im Kölner Stadtanzeiger:

 Günter Grass spricht nicht, was zutreffend wäre, von einem – möglicherweise – bevorstehenden israelischen „Angriff“ auf begrenzte Ziele, also das Atomprogramm. Er spricht auch nicht von Krieg. Er verwendet das Wort Erstschlag, das seit dem Kalten Krieg von dem Attribut „atomar“ begleitet wird, auch unausgesprochen. Grass unterstellt Israel also, den Iran atomar angreifen und dessen Bevölkerung auslöschen zu wollen. Zugleich tut er so, als basiere das Unterjochen des iranischen Volkes nur auf dummen Sprüchen des Präsidenten, nicht etwa auf Wahlfälschung, Folter, Mord.

In Wahrheit aber gibt es keine israelischen Vernichtungsfantasien gegen den Iran. Es hat sie nie gegeben. Es ist das Regime von Teheran, das Israel von der Landkarte tilgen will, das seine pure Existenz im Nahen Osten mit einem Krebsgeschwür gleichsetzt und seine Missachtung so weit treibt, dass nicht einmal der Olympische Geist es dazu bringen kann, iranische Sportler gegen Israelis antreten zu lassen. Nichts davon gilt auch nur ansatzweise umgekehrt. Grass behauptet es trotzdem, und deshalb ist sein Text schon nach diesen beiden Versen eine schauerliche investigative Leistung. Er enthüllt seinen Verfasser als politisch ahnungslos und moralisch bankrott.

….

Noch mal ohne Verslametta: Grass trägt eine Verschwörungstheorie vor. Ihr zufolge wird jeder, der den Tatbestand, dass Israel über Atomwaffen verfügt, nicht verschweigt, mit dem Verdikt bestraft, ein Antisemit zu sein. Damit ihn auch alle richtig verstehen, legt Grass noch einen drauf. „Warum aber schwieg ich bislang? Weil ich meinte, meine Herkunft, die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist, verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit dem Land Israel, dem ich verbunden bin und bleiben will, zuzumuten.“

Mit Herkunft meint Grass allem Anschein nach nicht die Waffen-SS, sondern Deutschland. Mit Makel meint er den Holocaust. Der deutsche Dichter vermutet in einem Anflug von Größenwahn, die Israelis wüssten ohne ihn gar nicht, dass sie über Atomwaffen verfügen – und es sei geschichtliche Sensibilität, die Grass bisher hinderte, den Israelis diese Wahrheit zu sagen.

Spätestens an dieser Stelle wird der Zynismus in der Argumentation offenbar. Ist es nicht ein Kreuz mit diesem vermaledeiten Holocaust? Erst werden in ihm Millionen Juden vernichtet und dann beraubt er die Nachkommen der Überlebenden auch noch der Chance, ausgesprochene Wahrheiten von Günter Grass zu hören!

Uwe Vorkötter in der Frankfurter Rundschau:
Die Atommacht Israel, schreibt Grass, gefährdet den brüchigen Weltfrieden. Diese These kann man vertreten, die Politik des Benjamin Netanjahu ist nicht auf Ausgleich ausgerichtet, nicht mit den Palästinensern, nicht mit dem Iran. Auf der anderen Seite sieht der Autor nur einen Maulhelden, der womöglich nicht einmal über die Atombombe verfügt. Der Maulheld heißt Mahmud Ahmadinedschad; er bezeichnet Israel als Schandfleck, der von der Landkarte getilgt werden müsse, verbreitet abenteuerliche zionistische Verschwörungstheorien, leugnet den Holocaust, strebt offenkundig nach der Bombe.

All das ist Grass keine Erwähnung wert. Ist das der dichterischen Freiheit geschuldet? Grass selbst hat einmal festgestellt, Lyrik sei die Form des Schreibens, die am deutlichsten und klarsten sei. Klar und deutlich ist: Der Mann ist auf einem Auge blind.

Sein Gedicht enthält, auf einer zweiten Ebene, andere Schlüsselbegriffe: Schweigen. Verschweigen. Lüge. Verdikt. Antisemitismus. Herkunft. Heuchelei. Die Überschrift lautet: Was gesagt werden muss. Bisher hat unser Großdichter seine Meinung über Israel offenbar für sich behalten, weil er sich nicht traute – wegen seiner Herkunft (Als Deutscher? Als Mitglied der Waffen-SS?), weil er sich nicht dem Vorwurf des Antisemitismus aussetzen wollte.

Wenn Grass gegen die Lieferung deutscher U-Boote nach Israel ist, warum verschweigt er das so lange? Andere sagen es doch auch. Westliche Regierungschefs, von Merkel über Sarkozy bis Obama, wirken auf Netanjahu ein, auch mit dem wüsten Iraner eine friedliche Lösung zu suchen. Hat Günter Grass das alles nicht mitbekommen?

Was da angeblich gesagt werden musste, wäre besser ungesagt geblieben. Politisch ist es Unfug. Das Urteil über die literarische Qualität überlassen wir der Literaturkritik. Aber erklären kann wohl nur die Psychologie, warum ein alter Mann glaubt, “mit letzter Tinte” ein angebliches Tabu brechen zu müssen, das er sich und seiner Generation selbst auferlegt hat.

Und das ist noch längst nicht alles.

Ich muß ehrlich sagen, es beruhigt mich doch, daß so ein infames Stückchen Bombast, das wieder mal alle Schuld vor Israels Tür ablädt, nicht unwidersprochen durch die Medien geht. In den Kommentaren drückt sich deutlich mehr Zustimmung zu Grass aus – aber vergessen wir nicht, daß jeder fünfte Deutsche…. und so.

Kommentare

1. Yael - April 4, 2012, 23:40

“aber vergessen wir nicht, daß jeder fünfte Deutsche…. und so.”

und

er spricht nur aus, was viele denken. :D

2. T - April 5, 2012, 0:16

Warum konnte ich nirgendwo lesen, daß Deutschland schon seit Jahrzehnten U-Boote an Israel liefert, zum Abschuß von atomaren Mittelstreckenraketen.
Genauso, wie die Amerikaner in Deutschland atomare Mittelstreckenraketen stationiert haben – zur Abschreckung. Wenn der kalte Krieg heiß geworden wäre, und der Ostblock Deutschland mitsamt den Deutschen pulverisiert hätte, so hätten eben genau diese Waffen ebenso einen Teil des Ostblocks pulverisiert.
Niemand außer ein paar friedensbewegten Deutschen hat sich daran gestört. Wir Deutschen hatten gelernt, mit dieser Bedrohung zu leben und der einzige Trost war, daß die Soviets nicht ihr eigenes Volk opfern wollen.
Nichts anderes macht Israel mit den U-Booten – schon seit Jahren.
Der Unterschied besteht lediglich darin, daß uns Deutschen diese Art von Abschreckung den Frieden gebracht hat, während Israel ständig seit bestehen der Nation angegriffen wird.

In meinen Augen ist die Empörung der deutschen Medien und Politiker über das Grass`sche Geschreibsel nur ein oberflächlicher Reflex.
Ich bin mal gespannt, ob es eine einzige Talkrunde im deutschen Fernsehen zu diesem Thema geben wird.

Mit pessimistischen Grüßen aus Deutschland
T

3. Silke - April 5, 2012, 0:24

und meine niederen Instinkte hoffen aufs Inständigste, daß Grass fest damit gerechnet hatte, mit dem “Lyrik” in die New York Times zu kommen und daß die abgewunken hat.

Falls die Story stimmt, dann muß ihn das schmerzen, ist er doch rund um “das Häuten der Zwiebel” überm Teich gefeiert worden.

Ob er sich zum Trost dran erinnern wird, wie sehr ihm, dem SS-Mann, als Ami-Kriegsgefangener deren Umgang mit Schwarzen zuwider war? Tja wenn so ein SS-Mann endlich mal “echte” Rassisten in Aktion sieht, dann wird’s ihm ganz schlecht.

Übrigens in und um Lübeck, wo Grass sich ja irgendwo niedergelassen hat (es gibt ein Grass-Haus in Lübeck) soll es ziemlich viele Neo-Nazis geben.

4. Malte S. Sembten - April 5, 2012, 0:36

Ja, auch ich war angenehm überrascht von der veröffentlichten Meinung zur Grass’schen Lügen-Lyrik. Über die öffentliche Meinung habe ich mir ohnehin keine Illusionen gemacht und wurde auch nicht enttäuscht.

Nun würde ich die öffentliche deutsche Meinung gerne generell verdammen, aber das geht auch nicht.

Denn im Falle Sarrazins hatte ich mich noch gefreut, dass die öffentliche Meinung so stark von der veröffentlichten abwich.

Mal bin ich Plebs, mal bin ich’s nicht :(

5. Malte S. Sembten - April 5, 2012, 0:43

Silke – April 5, 2012, 0:24

und meine niederen Instinkte hoffen aufs Inständigste, daß Grass fest damit gerechnet hatte, mit dem “Lyrik” in die New York Times zu kommen und daß die abgewunken hat.

Falls die Story stimmt, dann muß ihn das schmerzen,

Ging auch mir so. Der legendären Grass’schen Eitelkeit muss es eine schmerzhafte Wunde zugefügt haben, dass die NYT letztendlich auf den Abdruck verzichtet hat. Und das freut mich auf’s Gemeinste.

6. Justme - April 5, 2012, 1:00

na dann hat er ja noch mehr zumi bekommen…

Ob die Leute gut oder schlecht über ihn reden, hauptsache, sie reden…

7. Silke - April 5, 2012, 1:49

und zu meiner großen Freude stimmt auch BILD angemessen in den Chor ein

http://www.bild.de/politik/inland/guenter-grass/irres-gedicht-gegen-israel-23502664.bild.html

8. Silke - April 5, 2012, 1:56

Lieber T

bevor Du Dich weiter auf Israel konzentrierst, solltest Du Dich vielleicht mal schlau machen, wem Deutschland alles Waffen und deren Peripherie liefert.

Solltest Du ab und zu mal Zeitung lesen, wäre Dir bestimmt aufgefallen, daß wir Deutschen mit Saudi-Arabien und dem Iran ganz dick im Geschäft sind und es vor dem Krieg mit dem Irak auch waren.

Falls ich es richtig verstanden habe, gab Stuxnet sich in irgendwelchem Siemenszeugs die Ehre.

Und wieso kam Siemenszeugs in den Iran an Stellen, wo es der Herstellung von Atombomben hinderlich sein konnte?

Das herauszufinden wäre doch mal eine Aufgabe, die sich bestimmt als lohnend herausstellt.

9. oren1 - April 5, 2012, 7:51

Das Grass-Gedicht ist glasklar. Aber es zeigt nicht die Realität Israels auf, sondern die Realität Deutschlands und Österreichs. Anhand der Posts unter den Artikeln erkennt man, wie viel Druckkochtöpfe da noch herumrennen, die alle glauben zu “wissen” und es nicht sagen zu dürfen. Gibt es eigentlich Psychotherapie für ganze Länder oder besser für Kontinente?

10. willow - April 5, 2012, 8:30

@T

Warum konnte ich nirgendwo lesen, daß Deutschland schon seit Jahrzehnten U-Boote an Israel liefert

Kann ich auch nicht sagen … also in den Zeitungen stand es, daran kann es nicht liegen.

Aber mal ganz unter uns – könnte es nicht sein, daß Israels Bewaffnung auf Israels Feinde stark “beruhigend” wirkt? Immerhin ist es nicht Israel, das seinen Nachbarn mit Auslöschung droht, ist es nicht Israel, das ankündigt “die Araber” ins Meer treiben zu wollen.

Dagegen ist es typisch für Israel, dafür zu sorgen, daß Mord an Juden -anders als in den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor- nicht “ohne Konsequenzen” bleibt, im Kleinen wie im Großen.

Für mich mehr als akzeptabel …

11. Culatello - April 5, 2012, 10:18

Sagt mal, Silke und willow,

LEST ihr auch mal die Kommentare, bevor ihr reflexartig zubeißt?

Lest doch mal den Kommentar # 2 von user T. zur Gänze durch, er liegt doch ganz auf Eurer Länge. Aber nein: erstmal abwatschen.

12. Yael - April 5, 2012, 10:31

@Silke

April schrieb folgendes:

“Niemand außer ein paar friedensbewegten Deutschen hat sich daran gestört. Wir Deutschen hatten gelernt, mit dieser Bedrohung zu leben und der einzige Trost war, daß die Soviets nicht ihr eigenes Volk opfern wollen.
Nichts anderes macht Israel mit den U-Booten – schon seit Jahren.
Der Unterschied besteht lediglich darin, daß uns Deutschen diese Art von Abschreckung den Frieden gebracht hat, während Israel ständig seit bestehen der Nation angegriffen wird.”

Das hast du missverstanden.

13. Claudia Sperlich - April 5, 2012, 11:01

In der Mediathek des ARD gibt es kluge Worte des israelischen Historikers Tom Segev. http://www.tagesschau.de/multimedia/audio/audio86520.html

14. Stefan Wehmeier - April 5, 2012, 11:24

1) Der kämpfende Pazifist, der sich der Größe seiner Aufgabe bewusst ist, wird keinen Unterschied machen zwischen Bürger- und Völkerkrieg, zwischen äußeren und inneren Feinden. Für ihn gibt es nur einen Krieg, nur einen Frieden. Mit gleicher Macht erstrebt er den Frieden nach innen wie nach außen.

2) Der Pazifist, der tiefer in die Beweggründe der Kriege schaut, geht noch einen Schritt weiter in der Beurteilung des Bürger- und Völkerfriedens und sagt, der Kriegsgeist, der Geist der Gewalt, ist ein Kind des chronischen bürgerlichen Kriegszustandes, der die Eingeweide aller Kulturvölker zerreißt. Wer diesen Geist bekämpfen will, muss ihn in erster Linie als Bürger im eigenen Lande bekämpfen. Der Weg zum Völkerfrieden geht über den Weg des Bürgerfriedens und nicht umgekehrt.

3) Das, was die Völker und Volksklassen in Waffen gegeneinander treibt und immer getrieben hat, sind Dinge wirtschaftlicher Natur, die Notzustände schaffen oder vorherrschen lassen, und für diese Zustände gilt das Gesetz: NOT KENNT KEIN GEBOT. Die Not bricht nicht nur Eisen, sondern auch Verfassungen, Verträge und Bündnisse und setzt sich über alle moralischen, ethischen und religiösen Hemmungen hinweg. Nichts ist schließlich der Not heilig als der Kampf gegen ihre Ursachen.

4) Auf die Beseitigung solcher Notzustände hat also der ernsthafte Friedenskämpfer sein Augenmerk zu richten, unbeschadet seiner etwaigen Überzeugung, dass der Frieden oder wenigstens der Friedenswunsch mit moralischen, religiösen und ethischen Mitteln auch noch gefordert werden könne.

5) Der Notzustand, der zu den Kriegen treibt, hat wenigstens bei den heutigen Industrie- und Handelsvölkern seinen Grund nicht in einem naturgegebenen Mangel an Industrie- und Nährstoffen, sondern in unseren gesellschaftlichen Einrichtungen, die die Produktion und den Austausch beherrschen und die Arbeit tributpflichtig machen, wobei der Umstand noch erschwerend wirkt, dass zur Sicherung dieses Tributes der Produktion und dem Tausch Hemmungen bereitet werden müssen, die zu Krisen und Arbeitslosigkeit führen. Die gesellschaftlichen Einrichtungen, um die es sich da handelt, sind das Privateigentum an Grund und Boden und das herkömmliche, aus dem Altertum in unveränderter Gestalt von uns übernommene Geldwesen, dessen Mängel immer offensichtlicher geworden sind. Grund- und Geldbesitzer fordern Zins, sonst sperren sie der Produktion den Boden und dem Austausch der Produkte das Geld. Dieser Zins überträgt sich automatisch auf das gesamte Wirtschaftsleben und schafft das, was als Kapitalismus bezeichnet wird.

Silvio Gesell (Stabilisierung des Bürger- und Völkerfriedens, 1928)

Ein geistiger Tiefflieger wie Günter Grass wird das wohl bis zum Jüngsten Tag nicht mehr begreifen.

http://www.deweles.de/intro.html

15. Silke - April 5, 2012, 12:01

Klaus Staeck schert aus

http://www.derwesten.de/kultur/kuenstler-klaus-staeck-verteidigt-guenter-grass-gedicht-id6531492.html

Manchmal denke ich, wenn wieder so ne Diskussion stattfindet, daß da Verleger den Ton angeben, nur nix laufen lassen, was Bestsellern oder Sicher-Sellern wie z.B. der Blechtrommel Schaden zufügt und dann setzt so ein “eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus” Reflex ein.

16. Lila - April 5, 2012, 12:14

Staeck hat genauso das Recht, seine Meinung zu äußern, wie Grass und jeder andere. Aber anderen vorzuwerfen, ihre Reaktion sei reiner Reflex, das ist schon etwas billig. Ich war positiv überrascht von den Reaktionen, weil es nicht etwa ein gesäuseltes “aber so etwas sagt man doch nicht über die Juden… Sie wissen schon…” war, sondern die Kommentatoren haben genau wie ich auf meine bescheidene Art sofort gesehen, wo Grass die Fakten verdreht und falsch darstellt, wo er einseitig Partei ergreift und Tabus bricht, die es nie gegeben hat.

Hätte er wie Meir Dagan eine sachliche Analyse abgegeben, warum er einen Schlag auf iranische Atomanlagen für falsch hält, hätte man ihm nicht nur zugehört, sondern viele, auch ich, hätten seiner Meinung zugeneigt. Hätte er Verständnis dafür gezeigt, daß Israel einerseits nichts gegen den Iran hat, andererseits sich durch dessen Rhetorik und Atomplanungen bedroht fühlt, dann wäre kein Mensch auf die Barrikaden gegangen. Ein deutscher Schriftsteller hat dasselbe Recht wie jeder andere Mensch auch, sich aufgrund der Tatsachen eine fundierte Meinung zu bilden.

Denn wir leben nicht in einer “vom Wahn okkupierten” Region. In Israel ist die Diskussion um die Frage, was machen wir, um uns vor der iranischen Atombombe zu schützen?, lebhaft und kontrovers. Überall sonst auch. Ist nun mal eine schwierige Frage.

Ich persönlich glaube nicht, daß Israel das allein stemmen kann und sollte. Das ist auch nicht allein unser Problem. Es gibt noch viele andere Länder, die sich ebenfalls Sorgen machen.

Mir graut vor einer solchen Nachricht. Dann wird eine Hölle entfesselt, in der wir alle umkommen. Der Iran wird nciht stillhalten und sich die Backe wischen wie der Irak oder Syrien.

Dank der schönen deutschen U-Boote können dann die letzten Überlebenden den Iran auch dem Erdboden gleichmachen. Tolle Aussichten. Der Rest des Nahen Ostens stirbt dann peu a peu an Leukämie.

Das ist mein worst case scenario.

Ich halte nichts davon, den ersten Dominostein umzuwerfen. Und die Mehrzahl der Israelis ist laut Umfragen meiner Meinung.

Wenn Shaul Mofaz die Wahlen hier gewinnen will, muß er den Wählern nur verkaufen, daß er weiß, wie der Iran ohne militärisches Eingreifen zu stoppen ist… denn das ist alles, was der israelische Wähler will. Na ja, er kann ja vielleicht direkt mit Mahmoud Tacheles reden, Farsi ist ja Mofaz´ Muttersprache :-)

17. Malte S. Sembten - April 5, 2012, 13:01

Jan Fleischhauer:

“(…) Wer die ersten Reaktionen auf seinen Ausfall gegen Israel liest, könnte meinen, diesmal habe er sich ins Abseits geschrieben. Aber man soll sich nicht täuschen: In der Welt, in der Grass ein Großer ist, gilt nicht die Abrechnung mit dem Judenstaat als anstößig, sondern das Bekenntnis zu ihm, jedenfalls dann, wenn neben Worten auch Waffen folgen sollen. Nur sagt man es nicht so deutlich wie der Mann aus Lübeck. Das ist, wenn man so will, die Tabuverletzung, die ihm jetzt so viel indigniertes Kopfschütteln in den Medien einträgt (und deutliche Zustimmung in den Leserforen). (…)”

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,825879,00.html

18. j5727 - April 5, 2012, 16:51

Grass ist ein alter Deutschnationaler (bestmöglich formuliert), den es immer noch wurmt, dass ihm die Polen seinen schönen Geburtsort weggenommen haben, obwohl er sich doch damals ganz in den Dienst der Sache stellte….
Es ist schade, dass derartige Pseudointellektuelle (wer das Pseudo nicht glaubt, solle mal versuchen ein Buch von ihm zu lesen … viel Spaß) so viel Einfluss haben.
Bitte glaubt nicht dass alle Deutsche so sind. Es gibt auch den Philosemiten hier, nicht nur den Altnazi.
Frohes Fest – pessach sameach

19. j5727 - April 5, 2012, 16:53

Grass bleibt seinen jugendlichen Wurzel treu. Schade dass dieser Pseudo-Literat so viel Aufsehen bekommt.

Trotzdem und auf jeden Fall:

Frohes Fest – pessach sameach

20. T - April 5, 2012, 19:04

Das öffentlich-rechtliche deutsche Fernsehen bietet Günter Grass heute Abend in den Tagesthemen eine Plattform für seine antisemitische Propaganda.
Laut Ankündigung wird er dort sein “Gedicht” vortragen.

21. Justme - April 5, 2012, 19:49

Ich frage mich, wie so ein Atom-U-Boot den ganzen Iran vernichten soll… Wahrscheinlich hat sich der Mensch noch nie eine Karte von Iran angeschaut…

22. A.mOr - April 5, 2012, 20:06

Heute Abend.
Liebe Lila,
Dein abschließender Kommentar zum Artikel „heute Nacht“, Deine Offenheit auch angesichts der Konflikte, die das bloggen Dir eben zusätzlich beschert, Deine „Weichheit“, Deine “Stärke” und alles, was Du von Dir preisgibst, daß Du uns schräg sein läßt oder korrigierend, daß Du Einsichten anderer zuläßt, so wie Du uns an den Deinen teilhaben läßt, Anregung und Ermutigung sind Dir von Wert, in einem einzigen Satz möchte ich Dir sagen, wie sehr ich Dich hochschätze, Dir dankbar bin für Deine Stärken und Schwächen, wie sie mir über den blog zugänglich erscheinen, daß ich einfach froh bin, Dich lesen zu können, Dich quasi „atmen zu hören“, Dein „Herz schlagen“ zu sehen, daß Du bist, wie Du uns Dich hier zeigst, und das es wichtig ist, was Du tust, ganz freiwillig, wie könnte ich es nur ausdrücken, wie mich erklären, Du bist wirklich wunderbar!

Bei meiner Ehre! ;)

Frohe Ostern un pessach kascher we sameach!

23. willow - April 5, 2012, 20:20

Nun, der öffentlich-rechtliche deutsche Rundfunk erwähnt zwar die überwiegende “Ablehnung” seines “israelkritischen” “Gedichtes” durch Journalisten, Intellektuelle und Politiker, läßt allerding nur Grass-freundliche Stimmen tatsächlich zu Wort kommen …

24. j5727 - April 5, 2012, 20:25

Die sind total meschugge ;-)

Euer Ministerpräsident hats übrigens auf den Punkt gebracht:

“”Ministerpräsident Binyamin Netanyahu erklärte heute zur Veröffentlichung von Günter Grass:

“Der peinliche Vergleich, den Günter Grass zwischen Israel und dem Iran gezogen hat, einem Regime, das die Shoah leugnet und zur Vernichtung Israels aufruft, sagt sehr wenig über Israel und viel über Herrn Grass. “”

Quelle: Infobrief vom 05.04.2012
Von “Botschaft des Staates Israel – Berlin

25. Seen - April 6, 2012, 1:11

Ich war zunächst auch sehr positiv überrascht über die vielen eindeutigen Kommentare zum Grass’schen Gedicht. Aber inzwischen bin ich da auch eher auf der Linie von Jan Fleischhauer. Ich denke, die einhellige Empörung konnte in diesem Fall nur zustande kommen, weil es um den Vergleich Israel/ Iran ging. Vom Iran hat man hierzulande eben doch noch ein anderes Bild als von der Hamas. Die iranische Diktatur wird von den Medien hierzulande größtenteils als das gesehen was sie ist: Eine grausame, menschenverachtende Diktatur. Die Hamas hingegen versteht es anscheinend besser sich als Opfer zu verkaufen.
Wenn es dann wieder um Israel/ Palästina geht, können wir glaube ich nicht mit ähnlichen Reaktionen rechnen. Dann dürfen Gabriel und Konsorten Israel wieder als Apartheidstaat bezeichnen und nur die üblichen unermüdlichen Kämpfer werden ihnen dann widersprechen.

26. Seen - April 6, 2012, 1:14

@j5727:

Sehr gut fand ich auch, dass Netanyahus Büro seine Stellungnahme als Gedicht deklariert hat.

27. Claudia Sperlich - April 6, 2012, 5:03

Und nun ein Interview, in dem er sich als Opfer des tobenden Mob geriert. Daß er sich mit Walther von der Vogelweide, Goethe und Brecht vergleicht – geschenkt.

Grass tut in dem Interview so, als sei er der, dem wir die Untersuchung der Geschichte des Antisemitismus verdanken. Und erklärt, daß er (ER!) in “Grimms Wörter” dargelegt hat, wie der Antisemitismus schon vor der Romantik sich entwickelte.

Tut mir Leid, Grass, aber da kommen Sie zu spät. Der Historiker Walter Grab (1919-2000) schrieb bereits 1991 “Der deutsche Weg der Judenemanzipation”, und alles, was Sie über Ihr neues Büchlein in dem Interview sagen, habe ich bei Grab längst in aller Ausführlichkeit gelesen. Und zwar ohne Pathos, dafür mit Sachkenntnis.

28. Lila - April 6, 2012, 6:22

Walter Grab übrigens war Y.s Großonkel. Angeheiratet, aber Familie. Ich habe ihn noch kennengelernt.

29. Claudia Sperlich - April 6, 2012, 6:24

Oh, Lila – dann trennt uns nur ein Händedruck! Die Grabs waren einige Male bei meinen Eltern zu Besuch.

30. Lila - April 6, 2012, 6:50

Sheyne mishpuche

31. Claudia Sperlich - April 6, 2012, 7:38

Schönes Photo!

32. Ich beiße in den Grass | Mein Leben als Rezitatorin und Verlegerin - April 6, 2012, 10:38

[…] Darüber ist in den letzten Tagen viel geschrieben worden, ich verweise besonders auf Letters from Rungholt, wo Lila zahlreiche Artikel auszugsweise […]

33. a. - April 6, 2012, 13:02

Würde ein Angriff auf den Iran Israel sicher machen oder die Gefahr einer atomaren Aufrüstung des Iran verhindern oder auch nur verringern?
Wer redet die ganze Zeit von Krieg, Zeitfenstern, möglichen Opferzahlen, Machbarkeit; obwohl selbst die USA eineindeutig erklärt haben, einen atomar bewaffneten Iran nicht zu akzeptieren?
Kann mir mal jemand den Zusammenhang zwischen historischer Verantwortung und der Form und Inhalte der Verträge für die U-Boot Lieferungen an Israel erklären?
Wäre es nicht an der Zeit, auch das israelische Atomprogramm transparent zu machen, gerade weil es keine offensiven Charakter hat?

Ich habe mehr Fragen als Antworten und genauso Angst vor einer iranischen Bombe und allem was das noch bedeuten kann.
Mutmassungen über die Person Grass beantworten nichts.

Chag Pessach Sameach!

34. Justme - April 6, 2012, 13:58

In einem Punkt muss ich Grass aber recht geben: wenn irgendwelche Terroristen nun auf die Idee kämen, dass es doch recht publikumswirksam ist, wenn man Atomanlagen / Atomkraftwerke zerstört, dann hätte das für die Menschheit eher unangenehme Folgen…

35. jim - April 6, 2012, 13:58

Hallo lieber A.mor, alter Freund – happy passover!

Schönes Wochenende un pessach kascher we sameach!

36. willow - April 6, 2012, 14:38

@33 a.

“Würde ein Angriff auf den Iran Israel sicher machen oder die Gefahr einer atomaren Aufrüstung des Iran verhindern oder auch nur verringern?
Wer redet die ganze Zeit von Krieg, Zeitfenstern, möglichen Opferzahlen, Machbarkeit; obwohl selbst die USA eineindeutig erklärt haben, einen atomar bewaffneten Iran nicht zu akzeptieren?”

Interessante Fragen, die gerade in Israel durchaus kontrovers disskutiert werden – wußten sie das? Gegenfrage: macht das Nachdenken darüber, ob es sich vom Iran nuklear vernichten lassen soll auch für sie tatsächlich zum größten Feind des Weltfriedens?

“Kann mir mal jemand den Zusammenhang zwischen historischer Verantwortung und der Form und Inhalte der Verträge für die U-Boot Lieferungen an Israel erklären?”

Nun, da gibt es einige Gründe, einer wäre daß die DDR nie irgendwelche Wiedergutmachungsleistungen erbracht hat und daduch ein gewisser moralischer Druck auf der wiedervereinigten Bundesrepublik lag. Außerdem wollte sich die damalige Regierung von einer Teilnahme am 1. Golfkrieg freikaufen und zeitgleich sollte Israel dafür “belohnt” werden, daß es trotz massiver irakischer Raketenangriffe militärisch “stillhielt”. Dann gibt es seit Jahren eine intensive Rüstungs-Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik, durchaus zum gegenseitigen Vorteil aber mit Rücksicht auf die deutschen Israelhasser ist es immer noch konfliktfreier deutsche Leistungen als Geschenk zu deklarieren als all die besser geheimgehaltenen Fakten über technische Details dieser Zusammenarbeit offen auf den Tisch zu legen – so schenklen sich Israel und die Bundesrepublik regelmäßig etwas …

“Wäre es nicht an der Zeit, auch das israelische Atomprogramm transparent zu machen, gerade weil es keine offensiven Charakter hat?”

Sie meinen, damit auch Ägypten und Saudi-Arabien sich nicht mehr dumm stellen können und endlich ein eigenes Atomwaffenprogramm starten!?

“Ich habe mehr Fragen als Antworten und genauso Angst vor einer iranischen Bombe und allem was das noch bedeuten kann.
Mutmassungen über die Person Grass beantworten nichts.”

Nun, immerhin wird einiges bezüglich Herrn Grass recht deutlich-

Ein ehemaliger SS-Mann sieht im Juden nach wie vor die Wurzel allen Übels, die tatsächliche Gefahr für den Weltfrieden. Deshalb plädiert er dafür, von allen Ländern der Welt ausgerechnet Israel zu entmündigen und unter Zwangsverwaltung zu stellen. Darüber sieht er die Medien fest in jüdischer Hand und der Holocaust ist für ihn in erster Linie ein Werkzeug, die Deutschen und alle anderen guten Menschen zu knechten …

37. A.mOr - April 6, 2012, 15:00

Ha! Lieber jim! Hatte eben noch an Dich gedacht. ;)
(siehe unter „Alle Klarheiten…“)
Diesmal ohne Musik, quatsch, da kommt’s mir gerade an die Ohren: ist doch auch passend!
Yossele, warum die Orgel? Nicht so wild, hat ja funktioniert!

Danke Dir, kol tow un pesach kascher we sameach!

38. Andre - April 6, 2012, 18:42

Hallo Lila, ich wage mich mal mit meinem Kommentar hervor. Nachzulesen hier: https://andremoeller.wordpress.com/


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