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Deutsche Lyrik April 4, 2012, 11:34

Posted by Lila in Presseschau.
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Was gesagt werden muss

(Hab das Gedicht selbst rausgenommen – ist zu lang und am Ende krieg ich noch ne Klage wegen Textklau 🙂 )

Da sind sie reinlich beieinander, in bemüht „gedankenvoller“ Form – auch mein Literaturstudium erklärt mir nicht, warum er das nicht einfach in Prosa niederschreiben konnte. Sollte wohl dichter, anspielungsreicher, raunender und apodiktischer daherkommen in dieser Form. Irgendeinen Rhythmus erkenne ich nicht. Na gut. So konnte er´s im Feuilleton unterbringen.

Fas alle Topoi des linken Israelhassers  Israelkritikers sind versammelt. Der ehrliche Freund, der nicht mehr still bleiben kann, und schweren Herzens das Schweigen bricht. Die reinste Katharsis. Nur Sennestee wirkt noch erleichternder.

Dazu gehört natürlich auch die Klage, daß „wiederum und rein geschäftsmäßig“ die Israelis den Deutschen den Holocaust unter die Nase halten, um daraus finanzielle Vorteile zu schlagen.

Israel, nicht Iran, gefährdet den Weltfrieden. Dieser Wahn wird ja von einer erstaunlich großen Zahl Deutscher geteilt. Israel ist gewissermaßen der Herr Tur-Tur der Weltpolitik – je weiter man weg ist, desto größer und bedrohlicher sieht Israel aus. Huh, die Faszination des Grusels.

Israelische Atomanlagen müssen kontrolliert werden. Mit dieser Forderung schwimmt Grass natürlich im deutschen Mainstream. Ach, muß es da schön warm und angenehm sein!

Noch einmal für alle, die es nie kapiert haben, obwohl es sonnenklar ist: einer der Gründe, weshalb Israel sich nie zu seinem atomaren Potential bekannt hat, ist die fragile Lage im Nahen Osten. Nur aufgrund dieser Unklarheit war es Ägypten und Jordanien überhaupt möglich, einen brüchtigen kühlen Frieden mit Israel zu schließen. Unter anderem, weil Israel darauf verzichtet hat, unverschleiert als Atommacht aufzutreten und andere konkret zu bedrohen, ist es nicht zu einem atomaren Wettrüsten im Nahen Osten gekommen. Ist das wirklich so schwer zu verstehen?

Israel übt sich die ganzen Jahrzehnte über in einem Eiertanz, den kein anderes Land leisten mußte: einerseits die Hand zum Frieden ausstrecken (wie es schon in der Unabhängigkeitserklärung steht), denn ohne Frieden kann das kleine, von Feinden umgebene, rohstoffarme und vom Wesen her zivile Land nicht überleben – und andererseits den Feinden ringsherum genügend Respekt einflößen, um den einen Schlag, der Israel vernichten würde, zu verhindern.

Ich kann nicht glauben, daß niemand das versteht. Ist Grass wirklich so dumm? Fällt es nur mir auf, wie Rabin gesagt hat: „wir arbeiten am Frieden, als gäbe es keinen Terror, und bekämpfen den Terror, als gäbe es keinen Friedensprozeß“? Daß Netanyahu droht und Peres für Frieden wirbt, unisono?   Daß Israel gleichzeitig gezielte Schläge gegen Terroristen im Gazastreifen führt UND den Gazastreifen mit Waren versorgt?

Die doppelte Aufgabe Israels, gleichzeitig abzuschrecken und Vertrauen aufzubauen, ist ungeheuer diffizil, und sie gelingt nur selten. Allzuoft werden entweder so große Zugeständnisse gemacht, daß die andere Seite vor Triumph überschnappt (Terrorwellen erfolgten immer schon gern nach weitreichenden Zugeständnissen Israels, check the timeline), oder es wird auf Seiten der Abschreckung zu einer Rhetorik oder Taten gegriffen, die jede Annäherung fast unmöglich machen. Es ist eben wirklich und tatsächlich verdammt schwierig auf diesem Hochseil. Homöostasis gibt es nicht.

Ein bißchen dramatisieren muß Grass natürlich auch. Es ist nicht Israel, das den Iranern die Auslöschung androht – Israel überlegt nur laut, ob es nicht die Atomanlagen zerstören soll. Von einer Vernichtung des iranischen Volks ist keine Rede und war nie die Rede, das ist Grass´sches Drama. Die iranische Regierung dagegen behauptet zwar, gegen das jüdische Volk nichts zu haben, jedoch den Staat Israel würde es gern vernichten. Und das hat sie oft genug in wechselnden Formulierungen deutlich ausgesprochen. Hingegen hat auch Netanyahu nie gedroht, das iranische Volk auszulöschen. Israel hat überhaupt nichts gegen den Iran und das iranische Volk. Eine Vernichtung des gesamten Iran ginge auch nur per Abwurf mehrer Atombomben, denn Iran ist groß. Im Gegensatz zu Israel. Bei uns würde eine Bombe reichen, und wir wären weg. Was die iranische Regierung genau weiß. Grass anscheinend nicht.

Grass wird natürlich viel Applaus einheimsen. Ach, endlich mal einer, der offen sagt, was Martin Walser, Hecht-Galinski, Felicia Langer, all die anderen nie, nie, nie sagen würden! Endlich mal einer, der dem dröhnenden Chor der Netanyahu-und-Liebermann-Fanmeile ein Kontra entgegensetzt! Es hat ja nie eine einstimmige Verdammung Israel im Bundestag gegeben, Norbert Blüm und Ströbele haben nie ein Wörtchen gegen Israel verlauten lassen, es gibt ja nur eine Einheitsmeinung zu Israel, und Grass, in Heldenpose, ist der erste, der heldenhaft den Konsens bricht.

Auch er kennt Antisemitismus selbstverständlich nur als Keule. Daß es eine starke antijüdische, gemeinhin „antisemitisch“ genannte Unterfütterung der westlichen, auch der deutschen Kultur gibt, die naturgemäß den Betroffenen wesentlich deutlicher ins Auge springt als den Nichtjuden, das glaubt er nicht. Antijüdische Motive aufzudecken – das kann nur Ablenkungsmanöver, Manipulation und Maulkorb sein, es kann nicht berechtigt sein. Als hätten die Juden den Judenhaß erfunden, um den Judenhassern den Mund zu verbieten.

Ach Gott, der alte Mann. Er hat den Nobelpreis gekriegt und Amos Oz nicht, ja Wahnsinn. Und dann noch diese Gedichtform. Wieso hat er die Zeilen nicht wie bei Hölderlin angeordnet? So wäre seine Ode NOCH bedeutungsvoller erschienen.

 

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,

     mehr noch, allen Menschen, die in dieser

          vom Wahn okkupierten Region

               dicht bei dicht verfeindet leben

                    und letztlich auch uns zu helfen.

NUR so und nicht anders. Grass weiß, was am besten für uns ist. NUR so.

Immerhin. In Zukunft können Israelkritiker einfach aus diesem Gedicht zitieren. So wird Grass doch noch Volksgut.

Kommentare»

1. Naomi - April 4, 2012, 11:58

Du große Güte, LIla –

das ist ja der letzte Schwachsinn, den Grass da verbrochen hat!
Dem ist wohl wirklich nichts mehr peinlich …

Zu der „logorrhoeischen Explosion“ kann man nur noch Broder zitieren, der wie in besten Zeiten das Gedicht auseinandergenommen hat:

… „Grass hatte schon immer ein Problem mit Juden, aber so deutlich wie in diesem ‚Gedicht‘ hat er es noch nie artikuliert. …

Während Israel über ein „atomares Potential“ verfügt, haben die Iraner nur ‚Atomanlagen‘, die vermutlich der Stromerzeugung dienen. Der Verursacher der ‚erkennbaren Gefahr‘ ist Israel, das sich der Kontrolle entzieht, während der Iran nichts lieber tut, als seine ‚Atomanlagen‘ einer internationalen Aufsicht zu öffnen. …

Grass ist der Prototyp des gebildeten Antisemiten, der es mit den Juden gut meint. Von Schuld- und Schamgefühlen verfolgt und zugleich von dem Wunsch getrieben, Geschichte zu verrechnen, tritt er nun an, den ‚Verursacher der erkennbaren Gefahr‘ zu entwaffnen.

Die Deutschen werden den Juden nie verzeihen, was sie ihnen angetan haben. Damit im Nahen Osten endlich Frieden einkehrt und auch Günter Grass seinen Seelenfrieden findet, soll Israel ‚Geschichte werden‘. So sagt es der iranische Präsident, und davon träumt auch der Dichter beim Häuten der Zwiebel.“ …

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article106152894/Guenter-Grass-Nicht-ganz-dicht-aber-ein-Dichter.html

2. Serious Black - April 4, 2012, 12:03
3. Justme - April 4, 2012, 12:05

Ach, ein politisches Gedicht. Hatten wir doch schon lange nicht mehr, wohl aus gutem Grund…

Ach, Günther Grass, der ex-SS&Moralkeulenschwinger.

Da gefällt mir „Coltan“ von Ernesto Cardenal schon um ein paar Klassen besser. (Vielleicht auch nur, weil es spanisch ist).

Warum gibst du diesem Grass mit seiner politischen Lyrik hier überhaupt eine Plattform?

„ein anderes Land“ hat Atombomben…??? zig andere Länder haben Atombomben!!!

4. CK - April 4, 2012, 12:19

Wie gestern abend auf FB schon gesagt: wären alle Deutschen so wie GrASS (gottseidank sind sie es NICHT, wenngleich leider viel zuviele doch so sind), müsste man Deutschland wirklich zumauern. So dumme Nachbarn vertrage ich nämlich nicht. (Jaja, ich weiss, bei uns laufen auch genug so Deppen rum, allen voran unsere peinliche Karikatur von Aussenminister.)

5. willow - April 4, 2012, 12:55

Um mal jemanden zu zitieren:

„Schlimmer als seine Gedichte sind eigentlich nur noch seine Aquarelle.“

6. Culatello - April 4, 2012, 13:00

# Eingangsbeitrag Lila

„Die doppelte Aufgabe Israels, gleichzeitig abzuschrecken und Vertrauen aufzubauen, ist ungeheuer diffizil, und sie gelingt nur selten.“

Sie gelingt NIE.

Könntest Du das? Vertrauen zu jemandem aufbauen, der Dich gleichzeitig abschreckt?

***************************************************************************************
Und fairerweise solltest Du mir noch die Antwort auf Dein vorletztes Posting (welches ja direkt an mich gerichtet war) im geschlossenen Straßenbahn-Thread gestatten:

„Es gibt kein Äquivalent für den palästinensischen Terror und seine Verherrlichung innerhalb der palästinensischen Gesellschaft auf israelischer Seite.“

Oh doch.
Wurde nicht der Top-Terrorist, der durch Sprengstoffanschläge 91 Menschen ermordete und 2 britische Soldaten entführen und aufhängen ließ, wurde nicht also dieser Menachem Begin Ministerpräsident Israels?
Und wurden nicht viele Straßen in Israel nach dem Oberkommandanten der Terrororganisation Irgun, die Anschläge auf Briten und Palästinenser verübte, Wladimir Jabotinsky, benannt?
Wenn das keine Verherrlichung innerhalb der israelischen Gesellschaft ist, was ist es dann?

„Aber selbstverständlich bleibe ich dabei, “dass die Israelis den Verlust von Menschenleben vermeiden wollen, während die Palästinenser möglichst viele Menschenleben zerstören möchten”. Wer nicht blind ist, sieht das selbst. Die einen führen punktgenaue Schläge gegen bewaffnete Terroristen, die auf Zivilisten zielen. Die anderen zünden Nagelbomben in Pizzerien und Eisdielen. Wie blind muß man sein, um den Unterschied nicht anzuerkennen?“

Aha.
Daher kommt es also, dass ein Vielfaches an Palästinensern von Israelis getötet wurde als umgekehrt.
Ups, ich vergaß: das sind ja alles Terroristen, vom Säugling bis zum Greis.

7. willow - April 4, 2012, 13:24

@6. Culatello

sind sie tatsächlich intellektuell nicht in der Lage, diese Sätze zu verstehen und zu begreifen!?

Israel übt sich die ganzen Jahrzehnte über in einem Eiertanz, den kein anderes Land leisten mußte: einerseits die Hand zum Frieden ausstrecken (wie es schon in der Unabhängigkeitserklärung steht), denn ohne Frieden kann das kleine, von Feinden umgebene, rohstoffarme und vom Wesen her zivile Land nicht überleben – und andererseits den Feinden ringsherum genügend Respekt einflößen, um den einen Schlag, der Israel vernichten würde, zu verhindern.

8. Silke - April 4, 2012, 13:32

„Eure peinliche Karikatur von Außenminister“ hat allerdings in dem einen Fall, dem ich genau gefolgt bin „unserer“ wandelnden Peinlichkeit von Außenminister aufs Eleganteste den Doppelnelson angelegt und ihm den geplanten und angekündigten großen Auftritt à la „wo Israel Sicherheitsbedürfnisse hat, bestimmen wir“ vermasselt.

Sehr peinlich in der Tat, aber nach Entwicklungshilfeminister Niebel’s gelungenem 5-Minuten-vor-12 Coup in der Sonntagsabendstalkshow sicher ein herber Schlag für uns Guido.

„Eure peinliche Karikatur von Außenminister“ hat außerdem ein sehr gutes Newsletter-Angebot, das, wären deutsche Journalisten des Lesens mächtig, zu fairer Berichterstattung führen könnte.

Kurz gesagt, ich finde, da sollte man den Hebel ansetzen. Lieberman los werden, so man es für nötig erachtet, kann man ja mit Hilfe der nächsten Wahlen.

9. Yael - April 4, 2012, 13:34

Lila, dass ich mich so schnell korrgieren muss, hätte ich nicht gedacht. Es dauert keine Woche mehr, sondern jetzt nur eine Stunde. 😀

„Ups, ich vergaß: das sind ja alles Terroristen, vom Säugling bis zum Greis.“

Diese Unverschämtheit, Schinken, dies immer wieder Lila und anderen zu unterstellen, wird nicht besser, auch wenn Sie diesen Scheiß noch so oft wiederholen.

10. Silke - April 4, 2012, 13:43

ich finde es immer erstaunlich, wie schnell die Culatellos, Jennys, Ludwigs dieser Welt ihre Äquidistanz vergessen können (Nick Cohen – und ich – sehen Äquidistanz als slippery slope). Hier ist ein sehr interessanter Vortrag, der das mit dem einerseits/andererseits ganz gut hinkriegt und sich nicht auf den slippery slope zu begibt.

http://www2.lse.ac.uk/publicEvents/events/2009/20090209t0905z001.aspx

Norman Rose: A review of British policies in Palestine in particular and the Middle East in general with special emphasis on the inter-war and post-war periods. For the Jews, this critical period led to the establishment of the state of Israel, for the Palestinians, to their ‚Nakba‘ (Catastrophe), and for the British, a humiliating retreat from their imperial standing.

Bei dieser Gelegenheit zuerst gelesen von – nie nie nie hat mir ein Begin et al basher von so was erzählt.

http://www.amazon.de/Major-Farrans-Hat-Terrorism-1945-1948/dp/009952287X/ref=wl_it_dp_o_pC?ie=UTF8&coliid=I31Q0P2HEMJ3L1&colid=10PTYRPDRTY2O

11. Culatello - April 4, 2012, 13:55

# 7 willow

Ich bin tatsächlich intellektuell in der Lage, die Aussage des zitierten Satzes zu verstehen. Ich stimme nur nicht mit dieser Aussage überein.

Da ich mich bereits längere Zeit über mit pro-israelischen Blogs beschäftigt habe, schwankte ich ein wenig in meiner Einstellung. Zumal speziell Lila ja hasbara at its best gemacht hat (und das ist keineswegs ironisch, sondern in vollem Ernst gemeint, sie wäre gut geeignet für diesen Job hier: http://www.botschaftisrael.de/2011/02/03/in-eigener-sache-wir-suchen-verstarkung-fur-unsere-hasbara-abteilung/)

Leider (oder zum Glück; kommt auf den Standpunkt an) hat sie dann aber doch ihre wahre Einstellung raushängen lassen: nämlich ihre feste Überzeugung, dass die Israelis praktisch Heilige sind und nie und nimmer auch nur den geringsten Fehler im Laufe des Nahost-Konfliktes gemacht haben.
Die bösen Palästinenser sind ganz alleine an Allem schuld.
Und wer daran auch nur zu zweifeln wagt, der ist ein moralischer Bankrotteur.

Ich gehe davon aus, dass die israelische Regierung ganz genauso denkt, warum also sollte ich glauben, dass sie tatsächlich Frieden wolle? Zumal ich bisher noch kein ernsthaftes Friedensangebot gesehen habe.

12. Justme - April 4, 2012, 14:25

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,825718,00.html

na da hat er ja seine zumi bekommen, der günter…

13. Silke - April 4, 2012, 15:25

hier ist ein Beispiel Grass’scher Schwafelei vom 10. November 1989 – da trieb er’s noch in Prosa:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sendezeichen/1700572/

„Das Wiedervereinigungsgeschrei wird wieder anfangen“

PS: was die oder das U-Boot anlangt, so denke ich, daß Deutschland Israel sehr sehr dankbar sein muß, daß es Gelegenheit zum Spenden kriegt, denn wie sonst sollte man deutsche Werften an der EU vorbei Staatsknete zukommen lassen können.

Es ist ein perfekter Fall von eine Hand wäscht die andere, aber sofern Herr Grass so weit denken könnte, wären ihm die Arbeitsplätze im ohnehin strukturschwachen Norden, die ohne Staatshilfe verloren gingen, sowieso schnurzegal.

14. willow - April 4, 2012, 15:37

Fundstücke …

Gedicht für Günter
(unterstufenlyrisch)

Mit letzter Tinte ächzt der Alte
in ungereimter Poesie:
Dass die sich nicht mehr schlachten lassen,
verzeihe ich den Juden nie.

Der Jude will Atomraketen.
Der Jude will des Weltenkrieg.
Der Jude will uns alle meucheln.
Am Ende droht des Juden Sieg!

Da muss man doch was machen können,
und wenn nicht wir, dann der Iran.
Mahmud, mein alter Mullahkumpel!
I shout it out loud: Yes, you kann!

Der Günter fühlt sich ganz verwegen,
der Greis ist wieder jung, vital.
Die Lösung einst ging zwar daneben,
versuchen wir es halt nochmal!

So denkt’s im deutschen Dichterdenker.
Er rülpst und rotzt es aufs Papier.
Sein Wahn kennt keine Einsamkeit.
In Deutschland gilt: vom ich zum Wir.

Boris Yellnikoff
(der für dieses Gedicht den Nobelpreis verlangt)

oder auch:
http://www.titanic-magazin.de/news.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=4873&cHash=b696243846379915813a59c59e34127b

15. Sarah - April 4, 2012, 16:01

Grass hat nun endgültig bewiesen, dass er jede pseudo-intellektuelle Bodenhaftung verloren hat und sich voll und ganz den Stammtisch-Platitüden hingibt. Sein „Gedicht“ ist der beste Beweis dafür, in welcher Gedankenwelt der Ex-SS’ler immer noch lebt. Gruselig, der Mann.

16. grenzgaenge - April 4, 2012, 16:29
17. sunshine42 - April 4, 2012, 17:00

Liebe Lila, vielen Dank für diesen Kommentar zu Grass und deinen schönen Blog. Vieles habe ich so vermutet wie du es schreibst, aber nie in der deutschen Presse gelesen. Vielen Dank.
p.s. du musst diesen Kommentar nicht veröffentlichen, ich wollte dir einfach nur einmal für ein wenig mehr Klarheit danken.

18. Monika - April 4, 2012, 17:08

„So wird Grass doch noch Volksgut.“
Beim Scannen der Zeile habe ich zuerst Vollidiot gelesen. Scannen tue ich um rauszukriegen ob ich genauer lesen will. Und das Gedicht ist schaurig und keine. Deiner Kritik an dem Gedicht stimme ich uneingeschränkt zu.

Dem folgenden Absatz aber nicht:
„Auch er kennt Antisemitismus selbstverständlich nur als Keule. Daß es eine starke antijüdische, gemeinhin “antisemitisch” genannte Unterfütterung der westlichen, auch der deutschen Kultur gibt, die naturgemäß den Betroffenen wesentlich deutlicher ins Auge springt als den Nichtjuden, das glaubt er nicht.“

Ich bestreite nicht, daß es diese Unterfütterung gibt. Wenn man darauf achtet, ob es eine Abneigung gegen andere Gruppen, z.B. Priester, Schwaben, Lesben, Politiker, Ostfriesen, … gibt, wird man die auch finden. Menschen, die meisten und die ehrlichen, lehnen nun mal Gruppen anderer Menschen ab. Klar sagen wir das nicht mehr laut, ich weiß aber genau, daß ich gegen einige Gruppen pauschale Vorurteile habe. Es gibt aber Untersuchungen, die für sich beanspruchen, latente Islamophobie, latente Frauenabwertung, latenten Farbrassismus feststellen zu können. Vielleicht könnten die selben Experimente mal über Sachsen, Nonnen, Kleinwüchsige, … gemacht werden. Aussagekräftig in Richung Antisemitismus wird diese unterfütternde Abneigung gegen Juden erst, wenn sie höher ist, als die gegen andere Gruppen. Die Sozialwissenschaftler werden wissen, um wieviel sie höher sein muß als bei wieviel Gruppen.

Oder anders ausgedrückt: Wenn man in vielen Europäischen Menschen negative Vorurteile gegenüber Juden findet bedeutet das alleine noch gar nichts. Europäische Menschen haben negative Vorurteile gegen viele Gruppen. So kann naturgemäß jeder das finden, wonach er sucht.

19. Silke - April 4, 2012, 17:11

hier hat einer, inspiriert von Grass, gelyrigt – tut (mir) richtig gut

http://lizaswelt.net/2012/04/04/was-gesagt-werden-muss/

Gedicht für Günter (unterstufenlyrisch)

Mit letzter Tinte ächzt der Alte
in ungereimter Poesie:
Dass die sich nicht mehr schlachten lassen,
verzeihe ich den Juden nie.

Der Jude will Atomraketen.
Der Jude will den Weltenkrieg.
Der Jude will uns alle meucheln.
Am Ende droht des Juden Sieg!

Da muss man doch was machen können,
und wenn nicht wir, dann der Iran.
Mahmud, mein alter Mullahkumpel!
I shout it out loud: Yes, you kann!

Der Günter fühlt sich ganz verwegen,
der Greis ist wieder jung, vital.
Die Lösung einst ging zwar daneben,
versuchen wir’s halt noch einmal!

So denkt’s im deutschen Dichterdenker.
Er rülpst und rotzt es aufs Papier.
Sein Wahn kennt keine Einsamkeit.
In Deutschland gilt: Vom Ich zum Wir.

Boris Yellnikoff
(der für dieses Gedicht den Nobelpreis verlangt)

20. Jeanne - April 4, 2012, 18:17

Die Süddeutsche hat einen netten Kommentar zum Grass-Gedicht als Aufmacher: http://www.sueddeutsche.de/kultur/anmerkungen-zu-guenter-grass-dichten-und-meinen-1.1326553

21. heru - April 4, 2012, 18:38

Die Idee mit Hölderlin ist ja der Bringer

22. Jack - April 4, 2012, 18:49

Ich konnte Grass bzw. ‚Spät SS-Grass‘ noch nie ab. Schon in der Schule hatte ich mich geweigert, den Typen zu lesen.
Meine Begründung war immer gleich und auch gar nicht schwer: Ich kann Typen nun mal nicht ab, die aussehen wie Grass. Allein schon diese Fresse. Und Grass sieht aus wie Typen, die Mundgeruch haben. Und ich gehe jede Wette, den hat er auch. Aber das ist das Problem bei Typen wie Grass und ihrer oft so typischen Umgebung. Das ist keiner, der ihm mal sagt „Alter, Du stinkst aus’m Maul. Putz dir mal die Zähne oder halt dein Maul“.

Falsche Freunde. Oder ein Dauerbrenner in vielen Intellellen-Kreisen. Die reden oft viel aber kriegen dann die einfachsten Sachen nicht hin. 🙂

23. Günter GraSS „musste“ mal wieder « abseits vom mainstream – heplev - April 4, 2012, 18:58

[…] – Was gesagt werden muss (Lizas Welt) – Was anscheinend mal gesagt werden musste (Gerrit Liskow) – Deutsche Lyrik (Lila) älteres zu SS-GraSS: – Große Schnauzbärte – Die Vergangenheit des großen literarischen […]

24. Margot - April 4, 2012, 20:10

Warum schwieg Günther Grass eigentlich 60 Jahre über seine Zugehörigkeit zur SS? Erst im Jahar 2006 nach 60 Jahren „fiel es ihm wieder ein“, wo er im 2. Weltkrieg diente. Er glaubt wohl, man nimmt ihm ab, dass er die Jahre seiner Jugend vergaß, wo und für wen er beinahe sein Leben verloren hätte. Für wie dumm hält er die Menschen? Vielleicht schließt er von sich auf andere. Ein Nobelpreis für Literatur beweist noch lange keine dauernde Klugheit und politisches Gespür. Günther Grass sollte nicht so überheblich den Moralischen spielen, sondern sich bei der eigenen Nase nehmen.
Außerdem findet er nicht mal den Mut, seine Meinung über Israel in einem offenem Brief darzulegen. Vielmehr verpackt er seine Kritik in ein sogenanntes „Gedicht“, um seine verletztenden Worte – die ihn angeblich zerreissen wenn er sie nicht endlich los wird – literarisch zu verkleiden.
Vielleicht hat ihn in letzter Zeit auch nur geärgert, dass über Martin Walser anläßlich seines 85. Geburtstags in den Medien viel Aufhebens gemacht wurde. Da mußte einfach eine sog. Gedicht-Bombe platzen, um endlich Schlagzeilen über Grass hervorzurufen. Egal wie.
Von Politik versteht er gar nichts, dieses Zeugnis hat Günther Grass mit seiner Einschätzung des Iran abgelegt. Und Israel als Gefahr für den Weltfrieden hinzustellen, damit glaubt er, seinen Antisemitismus bestens verpacken zu können und viel Lob bei den vielen Gleichgesinnten einzuheimsen. Für mich zeigt er, dass er damals aus Überzeugung zur Waffen-SS ging und diese Gesinnung bis heute nie vergessen hat. Mit diesem Pamphlet zeigt er nun sein wahres Gesicht, denn das Existenzrecht Israels und seine Bedrohung durch den Iran ist ihm völlig egal.
Margot

25. Lila - April 4, 2012, 20:47

Y. Kommentar (nachdem ich ihm die Sache geschildert habe, die hier in den Nachrichten gar nicht vorkam): „Na ja, Mut hat der Mann ja schon. Hat der keine Angst vor der Abschußliste vom Mossad…“

Wenn wir uns über Mossad-Verschwörungstheorien lustig machen, sprechen wir das Wort deutsch aus, mit Betonung auf der ersten Silbe 😀 Klingt gleich viel bedrohlicher.

Ich bin froh, daß er nicht durch die Bank Beifall bekommt. Von der CDU bis Özdemir – ich bin sehr dankbar. Das SPon-Forum guck ich lieber nicht an, da sind wieder alle Verdächtigen versammelt. Aber Sydows fact check ist erfrischend sachlich. Selbstverständlich wird die Möglichkeit eines Erstschlags auch in Israel kontrovers diskutiert – von Meir Dagan bis 60% der Bevölkerung sind eine ganze Menge Leute dagegen, auch u.a. ich.

Leider kann ich nicht auf alles eingehen, ich hab lästigerweise ja noch ein paar Sachen IRL zu erledigen… werde mich aber bemühen.

26. Lila - April 4, 2012, 20:54

zu 8., Silke: Ich glaube, Du hast das falsch verstanden. „Unsere peinliche Karikatur von Außenminister“ ist, soweit ich CK kenne, Jean Asselborn. Wobei ich, ich gestehe es, an einen Born, also eine Quelle, von Kellerasseln denke, die eifrig ans Licht wuseln. Die Luxemburger mögen mir verzeihen…

27. willow - April 4, 2012, 21:08

Nun, woran lieg es nun, am Lesen können oder an der Fähigkeit zu verstehen?

Da ich mich bereits längere Zeit über mit pro-israelischen Blogs beschäftigt habe, schwankte ich ein wenig in meiner Einstellung. Zumal speziell Lila ja hasbara at its best gemacht hat (und das ist keineswegs ironisch, sondern in vollem Ernst gemeint, sie wäre gut geeignet für diesen Job hier: http://www.botschaftisrael.de/2011/02/03/in-eigener-sache-wir-suchen-verstarkung-fur-unsere-hasbara-abteilung/)

Leider (oder zum Glück; kommt auf den Standpunkt an) hat sie dann aber doch ihre wahre Einstellung raushängen lassen: nämlich ihre feste Überzeugung, dass die Israelis praktisch Heilige sind und nie und nimmer auch nur den geringsten Fehler im Laufe des Nahost-Konfliktes gemacht haben.

Wie schaffen sie es, 98% des hier Gelesenen durch einen Filter sofort, vor Erreichen des Hirns zu entsorgen und die restlichen 2% so zu verdrerhen, daß es in ihre kranke „Denke“ paßt !? Aber sie als Truther haben natürlich den totalen Durchblick – ich bin echt über die Möglichkeiten des menschlichen Hirns erstaunt … aber Psssst., im Vertrauen, vielleicht ist Lila ja nur eine Halluzination … 😉

28. Lila - April 4, 2012, 21:09

zu 6. Culatello

Mir war klar, daß Du das nciht verstehen würdest.

Bei Gegnern wie den Arabern, die vno Anfang an darauf aus waren, Israel zu vernichten, wären andere Völker gar nicht auf die Idee gekommen, ohnen überhaupt die Hand zu reichen. Abschreckung ist für Israel lebensnotwendig, und wenn Du es hundertmal für eine Pose hältst.

Daß wir gleichzeitig mit der Abschreckung auch Frieden anstreben, solltest Du uns lieber mal positiv anschreiben, statt immer nur zu kritisieren, daß Israel sich seiner Haut wehrt.

Was begreifst Du nicht an der Situation? Siehst Du wirklich nicht, daß Israel von den Bullies der Nachbarschaft seit Generationen in die Ecke getrieben, bedroht und international isoliert ist?

Ist Dir nie aufgefallen, daß Israel weder in der UNO noch im Roten Kreuz noch auch in der FIFA dieselben Bedingungen bekommt wie andere Länder? Der Druck der arabischen Länder verhindert das. Typisches Bully-Benehmen.

Wer sich einem Bully gegenüber wehrlos verhält, der begeht Selbstmord. Das hat Israel nicht vor.

Guck Dir die beiden Videos mal an, die ich heute verlinkt habe, und sag mir, worüber Israel überhaupt mit solchen Leuten noch verhandeln kann

Und zähl mir mal fünf Beispiele auf für echtes, dauerhaftes Entgegenkommen oder Kompromisse der Araber ODER Palästinenser. Bitte in der Größenordnung der Räumung der Pufferzone im Südlibanon oder der Räumung von Siedlungen.

Was sagen die deutschen Medien übrigens zu der heute erfolgten prompten Räumung eines von Siedlern gekauften, aber ohne Genehmigung bezogenen Hauses? Das sollte eine riesige Signalwirkung haben, das Haus, wegen seiner Lage, aber Bibi und Barak haben es kurzweg räumen lassen.

Sowas gibt es also auch.

Bin leider gleichzeitig auf c. zehn Baustellen unterwegs, kann nicht auf alles eingehen, bin immer so hastig, furchtbar.

Ich würde Dir einfach mal raten: komm nach Israel, nimm dir drei Wochen, guck Dich um. In Shfaram und Meilia und Jerusalem und Petach Tikva und Afula und Arad und Beer Sheba und Rahat und überall sonst. Hör den Leuten einfach mal zu. Juden, Christen, Moslems, Beduinen, Drusen. Nimm mal zur Kenntnis, wie Israelis wirklich ticken, statt Deine Theorien zu entwickeln. Guck mal, ob sie wirklcih vor Haß und Aggressivität zerfressen sind.

Beitar-Fußballfans – ja. Aber Motti Normalbürger? Den gibt es ja gar nicht. Und stell Dich mal in Ramat Gan auf diesen komischen Turm bei gutem Wetter, guck Dir die Grenzen ringsherum an und überleg Dir, wie Du Dich fühlen würdest, wenn Du Enkel und Urenkel von Verfolgten wärst, wenn Du seit Jahrzehnten nur Drohungen hörtest, wenn Du Dich an mindestens zehn Terroranschläge erinnern könntest, denen Du oder Deine Schwester nur knapp entronnen sind, und wenn Du drei Jahre Deines Lebens für die Armee opfern müßtest, obwohl Du viel lieber in Goa abtanzen würdest.

Empathie, ein kleines bißchen Empathie. Oder geht das überhaupt nicht im FAlle Israel???

Und ich treibe überhaut keine Hasbara. Hasbara heißt Erklärung, vielleicht in dem Sinne, ich will schon erklären, Hintergrund geben,, aber bestimmt nicht im institutionellen Sinne. Ich bin weder organisiert noch krieg ich was dafür. Ich schreibe nieder, wie ich Israel erlebe. Und ich hör mich um. Und ich finde, ich habe einen sehr interessanten Lebensbereich – im Gegensatz zu vielen meiner deutschen Leser kenne ich nämlich auch israelische Araber aus der Nähe und glaube darum nach wie vor, daß ein Zusammenleben möglich ist.

Ich lasse mich vor keinen Karren spannen. Und ich lasse mich weder für irgendwelche Siedler oder sonstige Lieblingsfeinde in Sippenhaft nehmen, noch auch als Kronzeugin gegen sie vereinnahmen.

29. willow - April 4, 2012, 21:09

Lila, diese Assoziation hatte ich auch schon paar Mal angesichts dieses Außenministers … die Asseln mögen mir verzeihen! 😉

30. Silke - April 4, 2012, 21:17

Lila –

danke für die Aufklärung, aber ich bin doch froh, daß mir das Mißverständnis wieder einmal Gelegenheit gab, Westerwelle abzuwatschen.

31. Silke - April 4, 2012, 21:23

PS: ich habe den Namen Asselborn noch nie vorher gehört. Habe ich da was verpaßt?

Übrigens in Sachen GraSS hat es sogar Herr Schirrmacher geschafft, mich zu erfreuen.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/eine-erlaeuterung-was-grass-uns-sagen-will-11708120.html

(außer daß er offenbar von IKEA-Regalen bzw. den Aufbauanleitungen dazu keine Ahnung hat. Warum der IKEA-Verweis ausgerechnet bei denen so beliebt ist, die die absolute Zuverlässigkeit und Genauigkeit der Bildchen vermutlich nie einem Praxistest unterworfen haben, ist mir irgendwie rätselhaft. Früher stapelten die Kolumnisten bildungsmäßig hoch, obwohl es ganz offenbar war, daß sie bestensfalls Tertiärliteratur zum zitierten Buch gelesen hatten, heute stapeln sie tief und stellen ihre Ignoranz durch Bezug auf IKEA zur Schau. Tun sie das, um sich als volksnah auszuweisen?)

32. Claudia Sperlich - April 4, 2012, 21:25

Ich finde im Moment richtig peinlich, daß ich das „Treffen in Telgte“ für ein gutes Buch halte.
Himmel, was für ein sauschlechtes Gedicht der Mann geschrieben hat! Von der inhaltlichen Dürftigkeit mal abgesehen, ist es formal so, wie es ein engagierter Gymnasiast in der Aula vortragen dürfte… aber ein Berufsliterat mit der hohen Verpflichtung, die der Nobelpreis mit sich bringt (zumindest in meinen Augen), darf das nicht.

33. willow - April 4, 2012, 21:25

Bishaer mein Favorit zum Thema:

http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2012/04/04/gunter-grass-fur-deutschland/

viel schwärzer geht Humor wohl kaum noch …

34. aki - April 4, 2012, 22:05

@willow…danke für die fundstücke 😀

ich hätte da auch noch eines http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/videos/grass161.html

und dir liebe lila danke ich für deine geduld, die du hier immer wieder unter beweis stellst!

35. Yael - April 4, 2012, 22:12

Jemand sagte heute: Grass schrieb dies um sein schlechtes Gewissen während der Nazizeit zu relativieren, deshalb auch der pathetische Satz, er wolle nicht mehr schweigen. Dass er Israel vorwirft, es wollen den Iran mit Atomwaffen vernichten, zeigt entweder einen Realitätsverlust oder eine kranken Kopf.
Er schrieb dieses Pamphlet vor allem nur für sich. Irgendwie bliebt die Nazischeiße auch bei Leuten wie Grass hängen.

36. Yael - April 4, 2012, 22:13

@Lila 28

tu es dir doch einfach nicht länger an. Die Grenze ist längst überschritten.

37. Silke - April 4, 2012, 22:33

Lila

wenn ich Lizaswelt folge, was ich grundsätzlich tue, dann sind zumindest in den Klassen, die nicht ganz so im Blickfeld der Öffentlichkeit sind, die Sitten extrem rau.

Scheint beim Fußball irgendwie Pflicht zu sein.

38. Yael - April 4, 2012, 22:52

Und was aber auch noch gesagt werden muß

Warum schwieg ich überdies, schwieg all die Jahre

Von dem anderen Land, das mein Land provozierte

Anno Neunzehnneununddreißig, bis aufs Blut.

Und dann aber als unschuldiges Opfer davonkam

Während mein Land unter einer unbarmherzigen

Siegerknute ächzte und bis heute auf den Knien rutscht?

Warum untersagte ich mir immer wieder

Jenen großen, mißverstandenen Mann zu ehren

Ohne den wir immer nur in Bus und Bahn unterwegs wären

Statt unsere Motorgefährte auch mal schön auszufahren mit

Tempo Zweihundertvierzig und Wind in unserem Haar

Beziehungsweise Schnurrbart.

Das allgemeine Verschweigen dieser Tatbestände

Empfinde ich als Lüge, gewiß irgendwie

politisch korrekt, wie es heute so sein muß

Will man nicht als Rechtsterrorist gebrandmarkt werden

Aber trotzdem als hundsgemeine Lüge.

Und so will ich von nun an stets und immerfort sagen

Was gesagt werden muß, gerade von uns Deutschen

Über den Schandvertrag von Versailles, über Olympia ’36

Über Stalin, die Kriegsschuld, die angeblichen

Sechs Millionen, mit denen „man“ seit Jahrzehnten

Mitgefühl und vielviel Geld aus uns herauspreßt, ja saugt.

Über all dies will ich nicht mehr schweigen

Solange ich noch gehörig Tinte auf dem Füller hab

Und das übrigens auch im übertragenen

Sinne, meine hochverehrten Damen!

http://www.titanic-magazin.de/news.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=4873&cHash=b696243846379915813a59c59e34127b

39. A.mOr - April 5, 2012, 0:55

Culatello (no6)

„Könntest Du das? Vertrauen zu jemandem aufbauen, der Dich gleichzeitig abschreckt?“

Die Antwort auf diese Frage dürfte wohl so ziemlich klar sein, obwohl es unter den Menschen schon seltsame Beziehungen gegeben haben soll.
Nur ist diese Frage nicht ganz angebracht in den Zusammenhängen hier.

Die Botschaft von Israel ist doch klar und deutlich. Die Araber, als Menschen wie alle Menschen, sind zu respektieren. Lila hat oft genug Beispiele dafür gegeben, was der Staat Israel eben auch für die Araber aus den Gebieten leistet.
Aber Mördern gegenüber gelten andere Maßstäbe, so wie in jedem „rechtsstaatlichem“ Land.

Du vermengst also in Deiner Frage die Opfer von Mördern (in dem Fall zuerst Araber) mit ihren Mördern und Tyrannen und unterstellst dem Staat Israel, diesen Unterschied nicht zu erkennen.

Daß dem aber so nicht ist, das beweist Israel jeden Tag.
Also, entweder kennst Du Dich mit den Verhältnissen nahost nicht aus, oder Du konstruierst bewußt ein Bild, welches eine Unwahrheit zur Wahrheit stilisiert. Wenn, warum?

Oder ist es es ganz einfach so, wie es sich liest?
„Aha.
Daher kommt es also, dass ein Vielfaches an Palästinensern von Israelis getötet wurde als umgekehrt.
Ups, ich vergaß: das sind ja alles Terroristen, vom Säugling bis zum Greis.“

Unterstellung? Strategie? Ahnungslosigkeit?
Eines geht daraus hervor, die Israeli sind Dir ziemlich suspekte Gesellen?

– und wie praktisch, eine Überleitung → … –

…Culatello (no11)
(an Lila)
„…nämlich ihre feste Überzeugung, dass die Israelis praktisch Heilige sind…“

Lila (im anderen Strang an jemand.)
„Meinst Du, jüdische junge Männer prügel nicht und sind nicht aggressiv? DAnn irrst Du Dich aber. HIer gibt es Messerstechereien in Bars, Rangeleien zwischen Jugendbanden, Kriminalität, wie überall sonst auch.“

Ergo, heilige, aggressive und prügelnde Juden, messerstechen in den Bars. Heilige wie überall.

Heiliges Gehänge!

Kleine Frage noch, Culatello, was ist „hasbara“?

40. colchico - April 5, 2012, 1:30

Es gibt Menschen, die als Greis geistig vollkommen fit sind. Herr Grass gehört offensichtlich nicht dazu.

41. Jakobo - April 5, 2012, 1:40

@ Sarah 15.:

„Grass hat nun endgültig bewiesen, dass er jede pseudo-intellektuelle Bodenhaftung verloren hat und sich voll und ganz den Stammtisch-Platitüden hingibt. Sein “Gedicht” ist der beste Beweis dafür, in welcher Gedankenwelt der Ex-SS’ler immer noch lebt. Gruselig, der Mann.“

In deutschland haben viele eine art hass-liebe zum moralischen zeigefinger und der grass hat den leuten was zum hass-lieben geliefert. aber wenn du diesen teil mal ausschliesst, was bleibt dann uebrig? fuer meinen verstand bleibt nicht viel uebrig und das war schon vor seinem ss „skandal“ so.

J

42. colchico - April 5, 2012, 1:48

zu Culatello in 11: Was geschieht, wenn die Israelis abziehen, räumen und nicht schießen, ließ sich ja bereits beobachten. Zur Wiederholung laden die Ergebnisse nicht ein. Nur spekulieren kann man hingegen darüber, was geschähe, wenn die Palästinenser nicht schießen würden. Vielleicht gelingt’s ja mal jemandem, sie zu diesem Experiment zu überreden, wenigstens für ein, zwei Wochen.

43. fxf - April 5, 2012, 9:26

Zu Grass fällt mir nur der Satz von Odo Marquardt ein: „Man entkommt dem Tribunal, indem man es wird.“

44. CK - April 5, 2012, 9:37

@Silke : Wieso denkst Du, ich sei Israeli ?

Mit der Karikatur von Außenminister war nicht Lieberman sondern der hier gemeint:

Putziges Kerlchen, oder? Wenn er nicht gerade Israel belehren will, zerstört er Waffeln 😉

45. Silke - April 5, 2012, 11:48

ich bin in die Irre gelaufen, weil Du Außenminister mit was zusammen gemixt hast, was ich gewöhnt bin zu Lieberman zu lesen.

Danke für das Video – ich mag solche „der Politiker ist wie der Mensch von nebenan“ Kapriolen überhaupt nicht. Aber wenn ich mich auf das Genre einlasse, dann hast Du hier eher Werbung für Herrn Asselborn gemacht. Wie gesagt, ich bin dem Namen hier das allererste Mal überhaupt begegnet.

Aber apropos Steinmeier und peinliche Videos, hier ist eins, das es wirklich bringt – so um 1:10 kommt die Großaufnahme und der „Integrierte“ hatte durchaus auch einiges an hübschen Texten zu bieten und das zusätzlich zu seiner Entgleisung gegenüber Esther Schapiro. http://litart.twoday.net/stories/4445593/

Aber mein Superbild aller Superbilder zum Politiker als Mensch ist immer noch das hier

Putin kam wohl erst danach und ich hoffe, daß kein Israeli bei dieser Art von Männlichkeitsdemo mitmacht, obwohl der Asselborn wäre vielleicht als Gegenmodell nicht untauglich 😉

46. Culatello - April 5, 2012, 13:35

# 39 A.mOr

„Heiliges Gehänge!
Kleine Frage noch, Culatello, was ist „hasbara“?“

Das ist ein jüdisches Badehaus mit exakt 38,5°Celsius warmen und 28,5%igem Salzwasser.
Da das Wasser sehr reich an Magnesiumchlorid, Calciumchlorid, Natriumchlorid und Kaliumchlorid sowie an Bromid ist, werden dort Badekuren vorgenommen, welche sich äußerst günstig auf Hautkrankheiten (Neurodermitis, Schuppenflechte usw.) auswirken. Das ist sicherlich auch der Grund, weshalb ich wirklich nicht einen einzigen Juden mit Schuppenflechte kenne.

Aber was ist ein „Gehänge“, mein lieber A.mOr? [Lila konnte nicht anders als Culatellos Assoziation zum Gehänge brutal zu zensieren. Sorry Culatello.]

47. Culatello - April 5, 2012, 14:25

# 28 Lila

vielen Dank für Deine ausführliche und geduldige Antwort, ich weiß das wirklich zu schätzen.
Ich sehe die Palästinenser keineswegs so unkritisch, wie Du vielleicht annimmst. Ein Rückkehrrecht lehne ich beispielsweise absolut ab.
Leider kann ich mich momentan zu keiner klaren Position durchringen, es sind zu viele Dinge zu bedenken.
Um ehrlich zu sein: ich glaube auch nicht, dass ich mich jemals für eine von beiden Seiten entscheiden können werde. Ich bin halt eine Person, die es vorzieht „mittelmäßig“ zu sein.
Aber dennoch würde ich gerne einmal nach Israel reisen und zwar trotz der handtellergroßen Spinnen 😉

Noch eine Erläuterung zu meiner Antwort an A.mOr: ich mag es nicht ver*rscht zu werden, das gebe ich dann umgehend retour.

So, zunächst ist es wohl besser, wenn ich erst einmal wieder eine Pause einlege.
Deiner internationalen Familie sowohl frohe Ostern als auch ein schönes Pessachfest.

48. A.mOr - April 5, 2012, 14:55

Mit Bezug auf das aktuelle Gedichte des Altmeisters von Schrift und Zeichnung und dergleichen mehr Grass, G., abgedrückt zB in der ‚Suedwestdeutschen‘.

Grass über die Sache wachsen lassen, nicht mit Grass!

Gequält ist er, der arme Mann!
Ordnet sich unter, nennt’s nicht beim Namen, erhorcht allgemeines Verschweigen eines Tatbestandes. Belastend die Lüge, der Zwang, Strafe in Aussicht, tief empfunden!

„…das Verdikt „Antisemitismus“ ist geläufig.“
Ja, Herr Grass, kraSS, Mann kennt’s, will nicht, muß!

Ureigene Verbrecher, Herr Grass, ohne Vergleich und mit flinker Lippe, rein geschäftsmäßig, ein weiteres U-Boot voller israelischer Technologie heim ins (Atombomben)reich, nennen wir’s doch: Israel!
Ein Windhauch der Wahrheit, das Grass auseinandergeblasen, eröffnet den Blick auf das, was verschwiegen erhorcht, scharf erblickt, gegen jede Strafe in Aussicht nun doch da ist, wo es sein muß, wo’s Grass es erblicken macht, starre nicht, rühr dich nicht, oh Israel!

Als ‚Befürchtung von Beweiskraft sein‘ will es, Dir, oh Grass über den Sachen. Verbunden bist Du Israel, hat’s Dich gebunden, angebunden, kannst die Flügel nicht ausbreiten, mußt Schweigen und Dich quälen, Strafe in Aussicht, zu sagen wider dem allgemeinen Verschweigen des Tatbestandes!
Deine Herkunft! Deine Unterkunft! Deine Niederkunft! Grass, gib Grass!

Gealtert und mit letzter Tinte sprichst Du, nein sagst Du, was Du sagen mußt, Gebundener an Israel!

„Israel gefährdet den Weltfrieden?“
So schreibst Du, fragend? Das weißt Du nicht sicher?
Qual und Herkunft, gebunden an die Frage, darfst Du sie stellen, droht nicht, bei einer winzigen Unvorsichtigkeit, oj, Strafe in Aussicht! „Juice“!!!
Was, wenn das ‚?‘ hängt und sich zu ‚!‘ erstreckt?!

Wäre der Deutsche nicht so belastet, nicht, er wäre kein rundrückenhohlkreuzgebücktes Fragezeichen mit Schweinehals, nein gertenschlank und rank und hager und muskulös, nur nicht zu dick, ein Ausruf mit Zeichen! Heimat! Wohin hast Du mich gebückt!?

Mitschuld, das darf nicht sein, Heimat mit Mitschuld, gebückt, nein!
Nein, schweigen tust Du nicht, überdrüssig bist’s das Heucheln, nicht Deins, das, von denen, jenen, immer waren sie’s! Mit flinken Lippen, u-booten sie Deutschland ins Verderben, in die Mitschuld, gebunden, fest verbunden an die Lüge, den Zwang, das Schweigen mit flinken Lippen, u-bootig, fürwahr!

Der Verursacher der erkennbaren Gefahr, er ist da, er war, wo? Wer? Nein, nicht der!
Gertenschlank war er einst, rank und hager und bedeutsam wie ein Ausruf, ein Zeichen!
(Paul, darf ich? „er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau“, Danke!)
Gedrückt, verzwangt und verschwiegen, angedroht ungenannt jedoch bekannt, in Aussicht, sichtbar, nur nicht sehbar, fühlbar durch Last zum Fragezeichen mit dickem Hals, geplatzt ist er, das Grass schwingt zur Seite und spricht, wo’s schweigen soll, hier, hört, da ist er, er ist ein Fragezeichen!

Und u-bootet, von hier nach dort und zurück, wo soll das hinführen?
Das müssen wir kontrollieren und überwachen und inspizieren, wir wollen es endlich wissen!
Hat Israel es, das Ding, hat es nicht, ist er länger oder nicht?! Der Weltfrieden, oh Günter, er droht!

Keine Chance der Mitschuld!

49. A.mOr - April 5, 2012, 15:33

culatello (no46)
(und an Mame Lila 😀 )
„…Aber was ist ein “Gehänge”…“
ZB ein Fragezeichen, das solange hängt, bis es ein Ausrufezeichen wird…
(Vergleiche zum Beispiel mein „Rezensöhnchen“ im vorhergehenden Kommentar.)
Es besteht die Möglichkeit, bleibt’s auch lang Gehänge, daß ein turbulenter Wind ein ‚§‘ hervorzaubert; etliche Variationen nicht ausgeschlossen. Ist so wie die Fahne im Wind? Oder eben ein Grass-Halm.

Oh, lese gerade noch „ver*rscht“ von no47.
Hm, keine Sorge, es gibt einige Leute, die sich von mir „ausgetrickst“ oder „verarscht“ fühlen. Passiert (meist) nicht absichtlich, hat mir allerdings schon mal ’n Spitznamen eingebracht, oder zwei. Die, zum Glück, eher schmeichelnd.
Ist Dein „Lieber“ also auch „Verarsche“?

Weißte, nimm’s locker, laß Dich hängen, das hilft beim Entspannen.

Feste feiern an alle!
A.mOr., ganz hasbaräisch und wohlmeinend.

50. A.mOr - April 5, 2012, 15:40

Nochwas. Da schaffe ich’s nicht hinterher zu kommen. Aber ein gutes, ganz offenbar, hat dieser G. doch bewirkt: überallenorten macht sich rege lyrische Beteiligung bemerkbar. Es wird schon nach’m Nobel gerufen! Grauselig, der Gedanke, wenn der noch aufsteht… 😛

51. Stefanie - April 5, 2012, 18:56

Die veröffentlichte Meinung kritisiert tatsächlich weitgehend das Gedicht von Grass. Guckt man sich allerdings die Kommentarspalten zu den Texten an, dreht sich das ganze und weit überwiegend wird Grass verteidigt. Es scheint also zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung ein diametraler Gegensatz zu bestehen. Guckt man dann, wer aus den ersten Reihen der Politiker sich zu Grass einließ, könnte man auf den Gedanken kommen, dass sich in der Politik zurück gehalten wurde, um nicht gegen Stimmungen in der Bevölkerung sprechen zu müssen.

Da der Strang zu der Rakete auf Eilat geschlossen wurde:
„Die dienen bei der Armee und ich kaufe bei ihnen im Dorfladen ein.“

Das war ein anderer, als der, in dem wir waren, gell?

Liebe Grüße

52. Lila - April 5, 2012, 19:26

Ja, wo wir waren, das hieß shuk Faisal ha gadol, Faisals großer Markt, und ist in Mazra, einem arabischen Ort, der direkt an Nahriya grenzt. Wo das Aquädukt verläuft.

53. willow - April 5, 2012, 20:48

Am neuen Gedicht von Günter Grass fällt sofort das ungewöhnliche Versmaß auf. Der Dichter fügt Elemente des vierhebigen Jambus, des einsilbigen Trochäus und des frei schwebenden Daktylus zu einer Phrasierung zusammen, die Anklänge an einen lyrisch gelifteten Leitartikel erzeugt und damit exakt den zum Thema passenden Ton trifft. Thema ist das perfide Israel. Grass lässt den Judenstaat allerdings nicht im Ungewissen schweben, sondern stellt ihn in eine konkrete Situation, indem er als Kontrast den reinen, wenn auch verführten Iran in Szene setzt.
Wir haben es zweifellos mit einem neuzeitlich-nahöstlichen Echo des Faust-Motivs zu tun: Hier Ahmadinedschad als Reinkarnation des Gretchen. Dort das Mephistophelische, das unbeugsam auf seinem Existenzrecht beharrt.
Denkbar ist, dass Grass sich selbst in der Rolle eines alternden Faust sieht, der sich zu lange von Mephisto hat verführen lassen. („Warum schweige ich, verschweige zu lange …“) In diesem Fall stellt sein Gedicht einen tragisch scheiternden Versuch dar, dem armen Gretchen auf dem Wege der Poesie sehr spät, ja zu spät Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Warum zu spät? Ach, Mephisto holt schon zum Atomschlag aus, der nicht nur Gretchen sondern “das ganze iranische Volk auslöschen” wird.
Gibt es Rettung? Grass lässt uns wenig Hoffnung, schreibt er doch “mit letzter Tinte”. Ob mit letzter Tinte oder mit letztem Federkiel: Grass hat mit der Anschaffung eines Computers zu lange gewartet. Er rettet den Freund nicht mehr.
Auch seine Versuche, der poetischen Tinte eine harsche Alltagslyrik spannungsreich entgegen zu setzen, etwa in den Formulierungen “nukleares Potenzial” und “rein geschäftsmäßig”, lösen den Nahostkonflikt nicht auf. Hinzu kommt die “flinke Lippe”, der sein Altersspott gilt. Sie steigert nur die Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit. Die flinke Lippe ist ja das hervorstechende Merkmal des Mephisto und seines Dieners Faust; sie ist das Werkzeug, mit dem Gretchen in den Untergang getrieben wird.
Diese mag in Gestalt des Ahmadinedschad atomar schwanger sein. Doch sie wird ihr Kind nicht austragen können. Die Besitzer der flinken Lippen werden ihr und dem iranischen Volk, das stellvertretend für uns alle steht, vorher den Garaus machen. Wir haben es hier womöglich mit dem letzten großen Gedicht vor dem nahen Weltuntergang zu tun, der neben den Mayas nun einen weiteren Propheten hat.

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/noch_n_gedicht/

54. Wolfram - April 7, 2012, 18:55

@ Lila (25) „Mossad“ wie „Hossa“ – oh oh oh! 😉
@ Claudia (32) auch ein blindes Huhn findet mal einen Korn, pflegte meine Oma zu sagen. Und die Reise nach Telgte ist ja nun auch gepflegtes Puzzlespiel mit den Werken anderer – nicht zu vergessen: meinen geliebten Paul Gerhardt läßt er gar nicht gut wegkommen…

Grass hat mich mit der Blechtrommel angeödet (und meinen Deutschlehrer, der ein paar Jahre vor meinem Abi von einem Abiturjahrgang mit Oskar Matzerath verglichen wurde, wohl auch…), wir mußten im selben Jahr „Katz und Maus“ lesen, was ich als ziemlich spätpubertäre Vulgärschreibe empfand, und außer der Reise nach Telgte, die mir geschenkt wurde samt einer Schatulle CD, worauf Grass selbst das Buch liest und gute Musik das ganze strukturiert, habe ich Grass seither weder als Autor noch als sonstwas überhaupt wahrgenommen.
Über den rege ich mich nicht auf, warum soll ich seine Sünden büßen? (steht sowas nicht irgendwo in den Schriften?)

55. CK - April 16, 2012, 17:30

@Silke: Danke für das lustige Steinmeier-Video! Aber wir hier in Luxemburg haben halt lauter so Dorfpolitiker-Typen
(ist ja auch irgendwie wie ein großes Dorf, unser Kleinstaat), die auch meist vorne bei sind beim Saufen.
Von Juncker und Frieden mal abgesehen (die zwar sicher auch genug bechern können, aber wenigstens noch wissen wie
sie sich nach aussen hin weltmännisch-verantwortlich geben).

Hier ein lustiges Video von unserem derzeitigen Justizminister Biltgen (CSV), damals noch Arbeitsminister:

Das war vor ca. fünf Jahren auf der REEL, einem grossen Studententreffen, wo manchmal Promis eingeladen werden.
Sichtlich angetrunken, sollte der nicht gerade dünne Biltgen eigentlich einen Purzelbaum schlagen,
keine Iglorolle. 😉

56. Silke - April 16, 2012, 23:35

Also CK

ich finde, Steinmeier gebührt nach wie vor der erste Platz, besonders wenn man ein paar von Muhabbet’s Gedichtetem in Sachen Frauen mit dazu nimmt. Ich frage mich, was haben die für Stäbe in den Ministerien, daß die solche Peinlichkeiten zulassen.

Und was den mißglückten Purzelbaum von Eurem Justizminister anlangt, da hat halt die Umwucht zugeschlagen, doch ich finde, er hat’s gut gemeistert.

Doch wie’s der Zufall so will, habe ich „Deinen“ Asselborn mittlerweile im Podcast-Interview gehabt und da ist er nicht durch herausragende Schlimmigkeit aufgefallen, aber auch nicht durch geballte Brillanz. Dabei hatte ich immer vermutet, daß die in Luxemburg überdurchschnittlich zu finden sei. Frag mich nicht wann und wieso ich zu diesem Vorurteil gekommen bin, vielleicht weil das Wort Benelux lange für mich so etwas Geheimnisumwittertes hatte.

Doch da wir bei schönen Politikervideos sind, hier ist mein alltime favourite:

Hier ist ne Version, die ich noch nicht kannte, sehr hübsch und die läßt Euren Justizminister vergleichweise hochelegant wirken

57. CK - April 17, 2012, 18:05

@Silke: Naja geballte Brillianz gibt es hier m.E. eher selten. Dein positives Vorurteil rührt wohl daher, dass wir a. vielsprachig sind (das wirkt immer gebildet und intelligent nach aussen hin) und b. so reich sind dank dem internationalen Finanzplatz.

Ich weiss nicht welche Rede Du von Asselborn gehört hast, aber wohl keine wo er mit „moderaten Taliban“ daherkommt oder mit „was man Israel alles abverlangen sollte“, Oder Du regst Dich über dergleichen einfach nimmer so auf wie ich, das ist natürlich auch möglich.

Hier mal ein sehr gutes Video zum Vorfall auf der Mavi Marmara, wo Asselborn vor Wut so rot wird wie seine Parteikarte:

Schade, dass der dafür verantwortliche Mann (ehemals bei „meiner“ Partei, den Liberalen, heute aber bei den Rechtskonservativen) nicht Aussenminister ist. Mit ihm trinke ich durchaus gerne ab und zu ein Bier und sei es nur weil er als quasi einziger Abgeordneter den Mumm hat, Israel gegen diesen Aussenminister zu verteidigen.

Das Video von Erdogan ist in der Tat leiwand, herrlich ;-)))

58. Silke - April 17, 2012, 20:21

CK
auf Deutsch behaupten wir, daß die leisen Fürze am übelsten riechen und so konzentriere ich meine Verzweiflungsanfälle schon lange auf selbige und hier ist so ein ganz besonderer Stinker.
1. dradio ist ein hochseriöser öffentlich rechtlicher Sender, komplett werbefrei,
2. Der Sendeplatz Andruck hieß bis vor kurzem „Politische Literatur“ und wenn Du wissen willst, was es an neuen Sachbüchern auf dem Gebiet so gibt, bist Du da gut aufgehoben

außer es geht um Du weißt schon was –
ich habe das erste heute gehört und ernsthaft überlegt, ob ich nicht eine Flasche Eierlikör zum Trost verdient hätte.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1676973/

Innenansicht einer Belagerung

59. colchico - April 18, 2012, 1:58

Oh, das ist ein eindrückliches Bild, Silke. Da ich in der Schweiz wohne, wage ich auf empirischer Grundlage zu behaupten, dass die Gasabsonderungen der Schweizer zwar akustisch oft nur dezent, olfaktorisch aber um so intensiver wahrnehmbar sind. Sollte Frau Schnieper in ihrem Buch erwähnen, was zu Sperranlage und Einreisebeschränkungen führte, wäre sie eine große Ausnahme.

(Dass beides den Alltag der Leute in der Westbank erheblich erschwert, kann ich mir ohne Weiteres vorstellen und finde es sehr bedauerlich. Aber Terroranschläge auf die Nachbarn zu tolerieren, wenn nicht sogar zu fördern, lässt sich nun mal schlecht vereinbaren mit gutnachbarschaftlichen Beziehungen und Bewegungsfreiheit. Das scheinen die Schweizer Journalisten allerdings ebenso wenig einzusehen wie ihre palästinensischen Interviewpartner. Jedenfalls kann ich mich an keinen Beitrag eines Schweizer Journalisten zum Konflikt zwischen Israel und den PA erinnern, der diesen Aspekt auch nur erwähnt hätte. Wie ihre Kollegen vom Deutschlandfunk und anderen Medien fügen sie lieber Zitate der „leidenden Betroffenen“ zusammen, ohne Ergänzung oder gar Überprüfung der Fakten. – Prost!)


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