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Kerem Shalom März 13, 2012, 8:01

Posted by Lila in Presseschau, Qassamticker (incl. Gradraketen).
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heißt der Grenzübergang zwischen dem Gzastreifen und Israel, ganz im Süden, wo Gilad Shalit entführt wurde. Gestern landeten dort drei Mörsergranaten – auf der palästinensischen Seite, sie fielen wohl zu kurz und waren natürlich für die israelische Seite gedacht. (Laut Ynet sind 50 Qassam-Raketen auf palästinensischem Gebiet niedergegangen, die sie eigentlich rüber nach Israel schießen wollten – wer weiß, welche Opfer auf Kappe solcher Fehlleistungen gehen?)

Jedenfalls hat das Verteidigungsministerium beschlossen, daß der Grenzübergang trotz des Beschusses weiterhin offen bleibt. Das bedeutet auch, daß die seit Jahren täglich erfolgenden Hilfslieferungen an den Gazastreifen weitergehen. Medikamente, Lebensmittel, Hilfs- und Konsumgüter aller Art. Gestern sind 180 LKWs in den Gazastreifen gefahren, trotz der angespannten Lage. Das ist die Hälfte der durchschnittlichen Lieferungen zu normalen Zeiten.

Auch heute werden wieder zwischen 150 und 200 LKWs die Bewohner des Gazastreifens versorgen. Wären die Beziehungen normal und hätte der Gazastreifen eine funktionierende Wirtschaft, wäre die Blockade nicht nötig (die übrigens nicht viel genützt zu haben scheint, wenn man sieht, wie viel Raketen die verschiedenen Terror-Organisationen auf Lager haben) und könnte der Warenverkehr wieder ganz normal und frei fließen – dann wäre es nicht nötig, daß sich heute wieder Dutzende von LKW-Fahrern der Gefahr aussetzen, beim Übergang in den Gazastreifen beschossen zu werden. Viele von ihnen sind israelische Araber, die diesen Job seit Jahren tun und dabei oft genug mit Steinen beworfen werden.

Der Clip ist vom Juni 2011, aber so sieht es in Kerem Shalom jeden Tag aus.

In der Animation fluppen die LKWs wesentlich schneller durch als in der Realität, aber die Zahlen sprechen für sich.

Gestern sind auch 120 Palästinenser aus dem Gazastreifen nach Israel eingereist, um dort medizinisch behandelt zu werden.

Es wird zwar oft genug das Gegenteil behauptet, aber Israel unterscheidet sehr wohl zwischen Zivilisten und Terroristen.

Also, wenn Ihr einen freundlichen Gedanken an die LKW-Fahrer übrig habt, an die sonst fast keiner denkt – ich glaube, sie haben ihn verdient.

Kommentare»

1. Silke - März 13, 2012, 9:31

seit vor Jahren mal Tanklaster beschossen wurden, habe ich schon oft an das Personal gedacht und mich gefragt, ob die Fahrer an der Grenze wohl wechseln oder ob die LKW’s dort umgeladen werden

Wenn ich Dich richtig verstehe, tun sie es nicht und die Fahrer müssen nach Gaza rein? wie weit? wer beschützt sie?

Gibt es einen zentralen Umschlagbahnhof usw. usf.

Du mußt nicht antworten – vielleicht soll das alles ja nicht zu sehr im Detail bekannt werden, damit nicht irgendwelchen Idioten das Wasser im Mund zusammen läuft.

2. Marlin - März 13, 2012, 20:03

Und das verstehe ich eben nicht. Lassen wir halt den Übergang weiter auf.. Aber das macht Israel (ich zähle Dich übrigens dazu, Lila 😉 ) wahrscheinlich so einzigartig.

Ich würde.. naja, lassen wir das. Aber Silkes Fragen sind berechtigt, kann man den Weg der Güter weiterverfolgen? (Alles ins Hamas-Lager, oder geht auch was zu denen, die es brauchen?)

3. Mikhail - März 13, 2012, 21:10

Liebe Lila, nach dem Lesen von Deinem Artikel stellen sich bei mir drei Fragen:
1. Bestellen die Firmen in Gaza die Ware direkt in Israel oder wie läuft diese Kommunikation?
2. Ägypten grenzt doch auch zu Gaza – gibt es dort offizielle Handelsbeziehungen zu Gaza [ich meine nicht die Tunnel]
3. Was kommt aus Gaza zurück [ich meine ausser Raketen]? Exportiert Gaza etwas [ich meine nicht Terrorismus].

4. Lila - März 13, 2012, 21:48

Es schmeichelt mir zwar, für allwissend gehalten zu werden, aber ich bin weit entfernt davon!

Ich würde als ersten Ausgangspunkt für eine Recherche hier anfangen:

http://www.cogat.idf.il/901-9678-en/Cogat.aspx

Ich habe irgendwo gelesen, daß die Hamas gar nicht glücklich ist über den Warenverkehr per Israel und NGOs, weil sie da weniger für sich abzweigen kann. Die Sachen, die durch die Tunnel kommen, haben sie mehr unter Kontrolle und bedienen sich anscheinend recht unverschämt. Leider habe ich mir die Quelle nicht gemerkt.

Hier sind ebenfalls mehr Einzelheiten:

http://www.mfa.gov.il/MFA/About+the+Ministry/Behind+the+Headlines/Israeli_humanitarian_lifeline_Gaza_25-May-2010.htm

Hier eine Statistik:

http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Peace/weeklygazaaid.html

Interessant, daß außerhalb von Israel das gar nicht bekannt zu sein scheint. Ich habe ja neulich mal „Hilfsgüter Gazastreifen“ gegoogelt, und alle Ergebnisse bezogen sich auf diese Flotilla, die ja nur eine winzige Menge abgelaufener Medikamente dabei hatte. Ziemlich lächerlich, verglichen mit dem, was Israel jeden Tag reinbringt. Deutsch-Google kennt dieses Phänomen wohl nicht…

Eigentlich seltsam, daß darüber nicht mehr berichtet wird. Ist doch eine merkwürdige Situation.

Ich glaube übrigens, daß es israelische Firmen gibt, besonders in den arabischen Orten, die Geschäfte mit dem Gazastreifen machen. Viele Waren sind Spenden oder zu subventionierten Preisen. Einzelheiten weiß ich leider nicht, da war mal eine Reportage drüber. Manche arabischen Israelis haben zwar erlaubte Waren deklariert, aber letztendlich Sachen geliefert, die man zum Bombenbauen gebrauchen kann. Da war mal irgendein Skandal. Begraben in den Untiefen meines schlaflosen Gehirns.

Israel läßt auch Waren aus dem Gazastreifen durch, die dann in Israel und Europa verkauft werden – Erdbeeren und Blumen, glaube ich. Darin waren ja auch die Siedler stark. Ich freue mich über jeden Landwirt, der sich ein Geschäft aufbaut.

Ich halte auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der PA für sehr positiv, die Bibi forciert hat, gemeinsam mit Fayad.

Meiner Erfahrung nach ist sowas ein besserer Stabilisator als hundert viel-photographierte hand shakes auf irgendeinem Rasen. Gemeinsame Geschäfte, gemeinsame Interessen, gemeinsame sportliche und akademische und ökologische Projekte. Bibis Idee vom wirtschaftlichen Frieden, aus dem der politische sprießt, statt umgekehrt, halte ich für eine sehr vernünftige und menschliche Idee. Ob sie wirklich funktioniert, ob sich wirklich alle von der Idee eines Friedens mit Israel „korrumpieren“ lassen, das ist wiederum noch die Frage.

Aber probieren sollte man es. Viele Alternativen haben wir ja nicht.

ETA: ich finde beim Googeln lauter Schätzchen zum Thema „Hilfsgüter Gaza“.

So zB einen Text des IHH, der einen glauben läßt, Israel ließe die Leute im Gazastreifen am ausgestreckten Arm verhungern. Tatsächlich glauben das ja viele, die die Tatsachen nciht kennen. Verrückte Welt.

5. cassandra_mmviii - März 13, 2012, 21:50

Hallo, darf ich eine Frage stellen?

Wer bezahlt das und woher kommen die Waren?

6. Silke - März 13, 2012, 22:30

lila 4

zum Verhungern im Gaza-Streifen – es muß zu der Zeit gewesen sein, als die Fotos u.a. von Cherie Blair’s Schwester im üppig gefüllten Supermarkt und die Bilder von den schicken Hotels und Wasserparks die Runde machten, daß die NGOs Alarm gaben, daß Gaza mit einer „obesity crisis“ zu kämpfen habe. Und wer war schuld? Natürlich! wer sonst!

Also wenn Ihr „Schnupperkram“ liefert, dann seid ihr schuld, daß …
wenn Ihr keinen liefert, dann seid ihr schuld, daß …

Wenn die ihre Erdbeeren etc lieber exportieren und dafür Schokokram kaufen, wer ist schuld? Natürlich! wer sonst.

Ich habe eben mal Gaza obesity rate gegoogelt.15 % kommt als Schätzung am häufigsten und die Zahl scheint von der UNO zu stammen.

Und daneben sah ich, daß über 70 % der Gazaner als Flüchtlinge gelten. Das würde dann ja bedeuten, daß sie von UNRWA versorgt werden und UNRWA wird von „internationalen Gemeinschaft“ finanziert. Europa zahlt meiner Erinnerung nach so um 25 %. Da die Bevölkerungszahlen lt. UNRWA-Seite ständig steigen, seigen natürlich auch die Kosten dafür. Ich hoffe, daß Israel wenigstens anständige Preise von UNRWA gezahlt bekommt.

7. esther - März 13, 2012, 23:47

Nachdem mittlerweile, d.h. seit einigen Jahren ja nicht mehr nur die männlichen Flüchtlinge selber und deren männlichen Nachfahren, sondern auch die der weiblichen Flüchtlinge in die Gruppe der Flüchtlinge gemäss UNRWA aufgenommen wurde, steht zu erwarten, dass die UNRWA über die kommenden Jahre/Jahrzehnte und Jahrhunderte hinaus keine Angst um ihre Pfründe, sprich Lohnzahlungen und Zulagen haben müssen. Entgegen allen anderen Regelungen verhindert auch diue Einbürgerung in einen anderen Staat nicht den Flüchtlingsstatus..
Wer will es da verdenken, dass niemand wirklich an einer Aenderung des status quo interessiert ist?

8. Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (Dienstag, 13.03.12) « abseits vom mainstream – heplev - März 13, 2012, 23:55

[…] – 120 Araber reisten aus dem Gazastreifen zur medizinischen Behandlung nach Israel […]


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