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Einfach nur ein Idiot Februar 9, 2012, 19:44

Posted by Lila in Uncategorized.
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war der Redaktionsknecht bei der taz, der diese Bildunterschrift verbrochen hat:

Wer viele Kinder hat, braucht keine Leiharbeiter: orthodoxe Siedler im Westjordanland.

Wer Israel kennt und weiß, was gestern für ein Tag war, der erkennt auf den ersten Blick, daß hier ein Mann mit einer Gruppe Kinder Bäume pflanzt. Gestern war nämlich Tu bi Shvat, das Neujahrsfest der Bäume. Und nicht nur „orthodoxe Siedler im Westjordanland“ pflanzen an diesem Tag einen Baum. Stört es nur mich, daß die Kinder allesamt als „Siedler im Westjordanland“ subsumiert werden? Kinder sind doch wohl erstmal Kinder, noch dazu an einem der schönsten Tage des jüdischen Jahreskreises.

Also ein Artikel über Tu bi Shvat? Oder doch über Siedler? Nichts von alledem.

 In Israel hat sich der Streit um die Bezahlung von Leiharbeitern im öffentlichen Dienst und Teilen der Privatwirtschaft am Mittwoch mit einem Generalstreik zugespitzt. Zu der Aktion, an der sich etwa eine halbe Million Beschäftigte vor allem im öffentlichen Dienst beteiligen wollten, hatten die Gewerkschaften aufgerufen.

Hintergrund des Generalstreiks ist die umstrittene Situation von Leiharbeitern vor allem im öffentlichen Dienst. Ein Sozialgericht hatte Gewerkschaften und Finanzministerium zu einer Einigung aufgerufen, am Mittwochnachmittag wollten beide Seiten wieder beraten.

Warum um alles in der Welt man da nun wieder Siedler reinbringen mußte, und noch dazu mit einem Seitenhieb gegen deren Kinderreichtum…? Na ja, in Deutschland gilt ja schon als anrüchig, wer mehr als anderthalb Kinder hat. Und das wäre ja noch schöner, wenn eine linke Zeitung mal ein gutes Haar an Israel ließe, wo jetzt für Leiharbeiter gestreikt wird – und zwar von Nicht-Leiharbeitern. Aus Solidarität. Sollte der taz doch eigentlich gefallen.

(Wobei ich persönlich bei allem Verständnis für die Nöte der Leiharbeiter höchst nervig finde, wie Ofer Eini und die anderen Gewerkschaftsfritzen es immer an armen Schweinen wie mir auslassen müssen. Ehrlich, von diesen ganzen Streiks bei Bus und Bahn merken die Autobesitzer nichts. Nur Soldaten und Autolose wie ich leiden darunter. Und ich sehe fast täglich, wer außer mir in Bussen unterwegs ist: alte Leute, arme Leute, Soldaten. Dabei steigen die Preise und der Service wird immer mieser. Ehrlich, wer solidarisiert sich mal mit uns ÖNV-Benutzern?)

Kommentare»

1. willow - Februar 9, 2012, 20:06

Nenn mich sentimental, aber ich liebe dieses „Tu bi Shvat“ sehr, seitdem ich es mal vor Ort miterleben durfte …

2. Lila - Februar 9, 2012, 20:13

Ja, Du hast es aber auch an einem sehr besonderen Ort miterlebt, wenn ich richtig rekonstruiere.

Kann man einer viel verleumdeten Religion nicht mal positiv ankreiden, daß sie die Natur so ehrt? Ich liebe diesen Tag auch. Den ganzen Tag laufen im Radio Lieder von Bäumen und Obst 🙂

Eigentlich wollte ich einen Eintrag dazu machen, aber ich bin krank und krieg nichts nichts nichts auf die Reihe…

Übrigens bin ich gespannt, ob die taz sich dazu durchringt, meinen Leserkommentar freizugeben. He he. Bisher noch nix.

3. willow - Februar 9, 2012, 20:28

Genau, ich habe miterleben dürfen, wie in einer israelischen „heilpädagogischen Einrichtung“ dieser Tag begangen wurde … wirklich wirklich herzerwärmend 🙂

Als Mitleidender (mich hat irgend so ne Vire angesprungen -krächs, hust, krächs- wünsche ich von Herzen gute Besserung.

4. Paul - Februar 9, 2012, 21:20

Lila,
wenn Du als TOM geschrieben hast, haben sie es gebracht. Zumindestens hat er das geschrieben, was Du auch hättest schreiben können.
Ich sehe gerade, das kannst Du nicht gewesen sein, da der Beitrag schon von gestern ist.

Zur Sache selbst.
Das ist der latente Judenhass (Du erinnerst Dich, ich differenziere nicht), der fast immer unterschwellig mitschwingt und auch fast immer artikuliert wird. Ob es nun einen Sinnzusammenhang gibt oder nicht.
Baumpflanzaktion zum Neujahrsfest der Bäume und Leiharbeit. Passt schon! 😕

Ein anderer Kommentator schreibt es in der TAZ.
Es wäre schön, wenn in Deutschland das Problem der Leiharbeiter und ihre eklatante Unterbezahlung und arbeitsrechtliche Schlechterstellung in dieser Weise, wie in Israel artikuliert würde.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass andere, nicht Betroffene, hier in Deutschland, für die Leiharbeiter streiken würden.
Da müssten sie schon selber streiken.
Das ist das was ich an Israel so bewundere: Ihr tickt anders.
Oft für mich nicht nachvollziehbar, aber sehr oft viel besser als wir.

5. Paul - Februar 9, 2012, 21:25

Ach so, Lila,
beinahe vergessen.
Gute Besserung und denke an den Zwiebelsaft. Der hilft auch gegen Krächz.
Noch was: Halte Deinen PC von allen Getränketassen fern.
Wir können uns nicht schon wieder einen neuen kaufen, würde Y. sagen.
😀

6. Lila - Februar 9, 2012, 21:49

Nein nein, ich würd doch nie unter Männernamen schreiben 🙂 Ich habe als Lila geschrieben, ganz wie es sein muß, und mit Link nach Rungholt. Was ich ja sonst nicht mache. Aber es mußte sein.

7. Zahal - Februar 9, 2012, 22:10

Erst mal gute Besserung Lila, und wenn mich nicht alles täuscht, gibt es doch schon Lösungen, aber anscheinend bekommen es die Journalisten erst Tage später mit, wenn der Artikel mal schon längst in den Köpfen „verarbeitet“ wurde…..

Generalstreik – Einigung steht bevor
_____________________________________________________

Das Arbeitsministerium und die Einheitsgewerkschaft Histadrut sind heute in Gesprächen einer Einigung zur Beendigung des seit gestern andauernden Generalstreiks deutlich näher gekommen.

Der sich abzeichnende Kompromiss sieht vor, dass einige Tausend der 300.000 Leiharbeiter, die zurzeit in Behörden und anderen staatlichen Einrichtungen tätig sind, in den öffentlichen Dienst übernommen werden.

Gleichzeitig soll die Zahl der Inspektoren, die zur Überprüfung der Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern im Staatsdienst eingesetzt sind, um einhundert steigen.

Eine Pressekonferenz ist noch für heute angekündigt. Ursprünglich hatte die Histradrut verlangt, alle Leiharbeiter direkt anzustellen. Sollte dies nicht möglich sein, so sollte der Staat den Forderungen zufolge zumindest dafür sorgen, dass die Leiharbeiter für gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten.

(Haaretz, 08.02.12) DAS WAR GESTERN

8. Vered - Februar 9, 2012, 22:39

Auch aus der taz:
TEL AVIV/HEBRON/JERUSALEM taz | Es ist ein Erlebnis in Hebron, das Cem Özdemir schockt. Der deutsche Grünen-Chef besichtigt gerade die Abraham-Moschee in der Stadt im Westjordanland, unter der das Grab des Erzvaters liegen soll, einen der heiligsten Orte des Islam.
Hast du das schon gewusst?
Ein bildendes Blatt, die taz.

9. Lila - Februar 9, 2012, 23:09

Die Abraham-Moschee???? Sollen sich was schämen, diese Islamophoben. Das heißt schließlich IBRAHIM.

10. Sven Engel - Februar 9, 2012, 23:34

„(Wobei ich persönlich bei allem Verständnis für die Nöte der Leiharbeiter höchst nervig finde, wie Ofer Eini und die anderen Gewerkschaftsfritzen es immer an armen Schweinen wie mir auslassen müssen. Ehrlich, von diesen ganzen Streiks bei Bus und Bahn merken die Autobesitzer nichts. Nur Soldaten und Autolose wie ich leiden darunter. Und ich sehe fast täglich, wer außer mir in Bussen unterwegs ist: alte Leute, arme Leute, Soldaten. Dabei steigen die Preise und der Service wird immer mieser. Ehrlich, wer solidarisiert sich mal mit uns ÖNV-Benutzern?)“

So verschieden die Welt auch sein mag, der öffentliche Nahverkehr ist überall gleich! 😉

11. Lila - Februar 9, 2012, 23:43

Ich fahre ja eigentlich gern damit, besonders, seit Egged nicht mehr das Monopol hat bei uns, sondern viele kleine, meist arabische Gesellschaften hinzugekommen sind. Und die arabischen Fahrer sind deutlich netter und kulanter, knallen den Leuten nicht die Tür vor der Nase zu. Bei uns in der Gegend fährt Nateev Express durch die Dörfer, wo ich arbeite, hat Omni Express mehrere kleine Linien übernommen. Allerdings ist es immer problematisch, Monatskarten auf die verschiedenen Gesellschaften abzustimmen. Und ich fahre jeweils 2einhalb Stunden zur Arbeit, hin und zurück also fünf Stunden – auch wenn es nur zweimal die Woche ist, läppert sich das.

Jedoch: ich fahre meistens mit dem Sammeltaxi. Allein schon der Döneken wegen, die ich dann zu Blogwurst verarbeiten kann.

12. Claudia Sperlich - Februar 10, 2012, 2:15

Gute Besserung auch von mir.
Die Bildunterschrift ist sowas von dämlich, da frage ich mich, was auf Journalistenschulen eigentlich gelernt wird. Ich finde das Photo einfach nur schön und freue mich, hier etwas mehr über ein Fest zu erfahren, das ich nur dem Namen nach kenne.
In Deutschland wird man übrigens von den einen schief angesehen, wenn man mehr als zwei Kinder hat, von den anderen, wenn man keine hat. Die meisten Deutschen wollen, glaube ich, Frauen, die ein einziges Kind allein erziehen, gleichzeitig Karriere machen und sich in ihrer Freizeit sowohl künstlerisch als auch politisch betätigen, dazu ständig lächeln und gertenschlank sind.

13. Paul - Februar 10, 2012, 10:43

Claudia,
die Deutschen?
Ich glaube eher die Deutschinnen wollen das. 😆

14. Lila - Februar 10, 2012, 11:03

Die haben meinen Kommentar tatsächlich nicht durchglassen. Andere neue Kommentare erscheinen, meiner nicht. Tz tz tz.

15. Paul - Februar 10, 2012, 11:18

Lila, kannst Du ihn uns nicht mal lesen lassen?

16. Lila - Februar 10, 2012, 11:27

Hab ich doch schon. Ich hab einfach meinen Eintrag zitiert und einen Link gesetzt. Na ja, sie lassen eben ungern ihren Bilduntschrift-Überflieger IDIOT nennen. Menschlich verständlich. Außerdem erspart es mir nun empörte taz-Leser auf Rungholt. Gamzu le tova, alles zum Besten.

17. Claudia Sperlich - Februar 10, 2012, 12:12

@Paul: Nee, generisches Maskulinum ist hier angebracht. Die Innen sind da nicht schlimmer als die Endungslosen.

18. A.Y. - Februar 10, 2012, 12:18
19. Lila - Februar 10, 2012, 12:28

Nach nur zwölf Stunden. Tröstet mich ja, daß nicht nur bei Häkelblogs wie meinen die Kommentare manchmal in der Kommentarschleife liegenbleiben. Und daß auch anderen der Bezug zum Fest Tu bi Shvat aufgefallen ist.

20. Yael - Februar 10, 2012, 13:13

Idiot ist sehr passend. Wenn es im dt. Journalismus nicht so viele gebe, könnte man den einen ertragen. Aber die Masse dieser Idioten ist mittlerweile nicht mehr hinnehmbar.

Refuah Schlema, liebe Lila. Erhole dich gut.

21. Yael - Februar 10, 2012, 15:51

Es gibt auch Meldungen, die der TAZ etc. wie immer entgehen:

Siedler und Palästinenser pflanzen gemeinsam Bäume

Im Rahmen einer Initiative für Koexistenz haben die Einwohner der Siedlung Efrat und Bewohner des benachbarten Dorfes Jurat al-Shama im Westjordanland gemeinsam ein Wäldchen angelegt. Die Aktion fand am jüdischen Feiertag Tu B’Shvat statt und soll gegen den Staub schützen, der von der angrenzenden Holzverarbeitungsanlage ausgehend die Luft verschmutzt.

http://newsletter.cti-newmedia.de/index.php?site=newsletter&id=1103&uid=4902&sid=NA==#n3

Darüber wird natürlich nicht berichtet. Dabei sind diese Dinge wichtig für ein gegenseitig besseres Vertrauen und Verständnis.

22. Wolfram - Februar 11, 2012, 19:18

Wahrscheinlich darf man sich noch glücklich schätzen, daß der Blechcontainer im Hintergrund nicht als Schützenpanzer identifiziert wurde…

23. Was religiöse, jüdische, kinderreiche Siedler mit einem Generalstreik wegen Leiharbeit in Israel zu tun haben sollen « scriptalstrangulat - Februar 17, 2012, 20:16

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24. Was religiöse, jüdische, kinderreiche Siedler mit einem Generalstreik wegen Leiharbeit in Israel zu tun haben sollen « My Blog - Februar 17, 2012, 21:46

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