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Drei Stimmen zum Ereignis des Tages Mai 2, 2011, 18:08

Posted by Lila in Presseschau.
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David Bogner:

… when Israel hunts down and kills known/proven terrorists, we are soundly condemned for it.

I guess this is just one more lesson in paternalism that we have to swallow from the US; ‚do as I say… not as I do‘.

Spirit of Entebbe:

„Zahlreiche Regierungen in aller Welt haben den tödlichen Anschlag auf Al-Qaida-Gründer Bin Laden verurteilt“, schreibt Spiegel online. „Besonders deutliche Worte fand Großbritanniens Außenminister Miliband: Er bezeichnete die Aktion als völkerrechtswidriges Vorgehen (…). Außenminister Miliband sagte am Montag, Amerika habe zwar das Recht, sich selbst gegen Terrorismus zu verteidigen. „Die britische Haltung ist seit langem, dass diese gezielten Tötungen und Attentate außerhalb internationalen Rechts stehen und nicht gerechtfertigt sind.“ Amerika habe dazu kein Recht. „Wir verurteilen dies daher.“ Auch sei es unwahrscheinlich, dass Amerika damit seine Ziele erreiche. Miliband rief die USA und radikale Islamistengruppen zur Mäßigung auf. In der EU herrsche „sehr tiefe Besorgnis“ nach der Liquidation des Gründers der radikalislamischen Terrorganisation.

Lesen!

Jörg Lau:

Unfasslich die Hamas, die ein rhetorisches Selbstmordattentatbegeht:
Der politische Hamas-Führer im Gazastreifen, Ismail Hanija, verurteilte die Tötung Bin Ladens als «Mord»: “Wir verurteilen die Ermordung eines arabischen Heiligen Kriegers.” Die US-Kommandooperation auf pakistanischem Boden sei «eine Fortsetzung der amerikanischen Politik der Gräueltaten», sagte der islamistische Politiker am Montag in Gaza-Stadt.

Das war’s dann mit der Fatah-Hamas-Versöhnung. Dieses drohende neue palästinensische Einheitsregime kann niemand unterstützen. (Unfasslich das Ganze auch deshalb, weil Al-Kaida Hamas längst abgeschrieben hatte – als viel zu moderat und demokratisch.)

Ganz recht. Der Jubel in den deutschen Medien über diese „Versöhnung“ war entweder idiotisch oder verlogen. Was ist positiv an einer Annäherung von Fatach und Hamas? Höchstens vielleicht, daß wir jetzt auch Abu Mazen für Gilad Shalits Schicksal als verantwortlich betrachten können. Unfaßbar ist an der Reaktion der Hamas übrigens gar nichts – ich hatte nichts anderes erwartet. Aber gut, daß Lau sie so deutlich beim Namen nennt.

Ansonsten muß ich sagen, daß ich jeden Jubel über den Tod bin Ladens geschmacklos finde. Es ist schlimm genug, in eine Auseiandersetzung auf Leben und Tod mit Terroristen seines Schlags gezwungen zu werden – für Jubel ist da kein Platz bei mir. Ich fühle nur eine Art Entschlossenheit, mir vom Terror den Pelz nicht von über die Ohren ziehen zu lassen. Ich finde auch zehn Jahre sind doch eine ziemlich lange Zeit, bis dieser Mann gestellt wurde, und nicht unbedingt ein Grund für stolzes Siegesgeheul. Und ich persönlich hätte eine Festnahme, einen klipp-und-klaren Prozeß und angemessene Bestrafung eindrucksvoller gefunden als eine Kommandoaktion.

Ich würde auch Merkeln und die anderen freudig Erregten gern fragen, was denn nun genau der Unterschied zwischen Yassin, Mabhou, Mughniya und bin Laden ist. Warum bei bin Ladens Tötung Beifall geklatscht wird, während man die anderen zum Opfer stilisiert. Entweder – oder, Leute. Entweder solche Tötungen sind in Extremfällen erlaubt, um jemandem das Handwerk zu legen, der sonst weiter Terror gegen Unschuldige anstiftet. Oder es ist rundherum und in jedem Fall verboten. Aber diese Doppelmoral nach dem Motto „wer mich bedroht, ist Sohn des Tods – aber wer nur Israelis bedroht, ist ein harmloser, liebenswerter Choleriker“ – die muß doch mal ein Ende haben.

Kommentare»

1. yael1 - Mai 2, 2011, 18:17

Die Amerikaner wollten ihn gefangen nehmen, aber er leistete Widerstand (was sicher klar war) und erst dann haben sie ihn getötet, was auch eine logische Folge ist

Es wird nicht überall gejubelt, siehe hier (Leser der SD):

http://www.suedwatch.de/blog/?p=5322

2. Silke - Mai 2, 2011, 18:30

ob Bin Laden lebt oder tot ist, ist mir ziemlich wurscht. Ich hoffe, daß er tot weniger Unheil über die Welt bringt und freue mich für jeden, der nun nicht mehr durch seinen Befehl und/oder Einfluß zu Schaden kommen wird.

Der CIA und den Navy Seals gratuliere ich von ganzem Herzen und bewundere sie für ihre gelungene Operation und freue mich dämlich, daß sie es anscheinend alle mit heiler Haut überstanden haben und das trotz des Helikopter-Versagens.

Daß uns das mit dem Prozess in den USA erspart geblieben ist, dafür bin ich von ganzem Herzen dankbar – die Abgründe von Juristereien, die sich da aufgetan hätten, es ist sehr gut, daß der Welt das erspart geblieben ist. So weit ich sehen kann, sind die ja noch nicht mal mit dem Abarbeiten von Nürnberg durch und dem Unterfangen in Den Haag sehe ich mit äußerster Skepsis zu.

Osama’s Tod wird auch so noch genug Menschen das Leben kosten …
hier ist David Kilcullen im Interview u.a. auch dazu http://elderofziyon.blogspot.com/2011/05/probable-satellite-image-of-osama-bin.html#comment-195766881

3. Lila - Mai 2, 2011, 18:51

Yael, willst Du mich wirklich, also ganz ganz wirklich, mit den Leserbriefschmierern der Süddeutschen auf eine Stufe stellen? 😯

Überleg´s Dir, das ist ZU hart und grausam 😀

Ich sehe gerade: eine seier Ehefrauen soll ihn verraten haben. Na, wenn das kein schlagendes Argument gegen Polygamie ist!

4. Malte S. Sembten - Mai 2, 2011, 18:55

Ansonsten muß ich sagen, daß ich jeden Jubel über den Tod bin Ladens geschmacklos finde. Es ist schlimm genug, in eine Auseiandersetzung auf Leben und Tod mit Terroristen seines Schlags gezwungen zu werden – für Jubel ist da kein Platz bei mir.

Aber bei mir. Und der Geschmack zergeht mir auf der Zunge!

(Wenn überhaupt eine betretene Miene angebracht ist, dann wegen der „Kollateralschäden“, wegen der toten Frau und der (möglichen) toten Kinder – aber die erwähnt keiner derjenigen, die sich wegen der Erschießung Bin Ladens so zwiespältig fühlen.)

Und ich persönlich hätte eine Festnahme, einen klipp-und-klaren Prozeß und angemessene Bestrafung eindrucksvoller gefunden als eine Kommandoaktion.

Das hätte auch mich überaus beeindruckt. Fast so sehr wie ein Liveauftritt von Otto Waalkes auf der Venus vor 100.000 Fans.

Bitte, Lila – wie stellst Du Dir das vor? Keine Kommandoaktion? Hätten die USA, da sie nun die Adresse Bin Ladens kannten, ihm eine gerichtliche Vorladung zustellen sollen? Diese Kommandoaktion war ja der Versuch, Bin Laden festzunehmen. Mit der Option, ihn zu töten, falls er damit nicht einverstanden ist (womit natürlich zu rechnen war). Es ist nicht die Schuld der Amerikaner, dass sie ihn nicht lebend bekommen haben. Im Übrigen wäre ein Bin-Laden-Prozess in den USA sehr teuer und hochgefährlich für die innere Sicherheit der USA gewesen. Er hätte Terrorakte, Entführungen und Erpressungen zur Folge haben und Menschenleben kosten können.

5. yael1 - Mai 2, 2011, 18:59

😳 Das war doch gar nicht so gemeint. 😥
Im Ernst, ich habe bei mir auch geschrieben, dass ich nie über den Tod eines Menschen juble.
Ich hätts anders schreiben müssen: manche, nicht nur die Hamas, bedauern sogar seinen Tod.

6. Lila - Mai 2, 2011, 19:02

Ja ja, Malte, hau mich nicht, ich hab mal wieder schnell geschrieben und abgeschickt – ich meinte nicht, daß es keine Kommandoaktion hätte geben sollen. Natürlich ist es nicht die Schuld der Amerikaner – ich meine nicht, daß sie hätten sagen sollen, „oh sorry, wir kommen ein andermal wieder“. Aber auch bei unseren Aktionen dieser Sorte wäre mir eine andere Methode lieber. Ich kann mich nicht darüber freuen, in einer Welt zu leben, in der solche Maßnahmen nötig sind, um Menschenleben zu retten.

Ich habe nur heute früh mit einem Ohr gehört, daß er tot ist, aber nicht die Umstände.

7. Lila - Mai 2, 2011, 19:27

So, und jetzt habe ich in den Nachrichten auch gesehen, wie die Amerikaner auf der Straße jubeln. Neee, is nich meins, wie man so sagt.

Die amerikanischen Soldaten haben, soweit man das als reiner Nachrichten-Konsument sagen kann, gute Arbeit geleistet.

Was für ein Ekeltyp war doch dieser bin Laden. Daß es immer noch Leute gibt, die daran zweifeln, was der Mann alles auf dem Kerbholz hatte, ist kaum zu glauben. So viele Tote auf seinem Pfad. Immer wieder Angriffe auf amerikanische und jüdische Ziele.

8. Malte S. Sembten - Mai 2, 2011, 20:16

@ Lila:

Auch bin nicht froh darüber, dass solche Maßnahmen nötig sind. Aber da sie nun einmal nötig sind, freue ich mich, wenn diese nötigen Maßnahmen gelingen. Worin wir uns aber sicherlich einig sind. 🙂

Ist oder war Bin Laden „böser“ als einer der berüchtigten Serienkiller? Oder einfach nur effizienter? War Hitler „böser“ als Bin Laden – oder einfach nur effizienter? Hätte John Wayne Gacy 3000 Menschen ermordet, wenn er gekonnt hätte? Oder 20 Millionen?
Müßige Fragen. Jedenfalls: sie alle sind tot. Doch „Nachwuchs“ gibt es in jeder Kategorie – Serienmörder, Massenmörder, Völkermörder – mehr als genug.

9. Marlin - Mai 2, 2011, 20:30

Dieser Tod ändert nicht viel. Mir ist er wurscht. Aber immerhin durfte er nicht an Altersschwäche eingehen, das dürfte die Versicherungspolice für seine Nachfolger etwas erhöhen.

Und ja, die Doppelmoral zeigt sich wiedermal deutlich, auch wenn die Amis die jetzt jubeln, vermutlich mit Israels Vorgehen konform gehen dürften.

10. boxi - Mai 2, 2011, 20:38

ich frag mich ja schon, was da in den amerik. köpfen vor sich geht. ich meine so eine starke emotionalität und freude kommt ja auch nicht ohne her. da stellt man sich auch die frage, was da vielleicjt auch von der kommunikation falsch gelaufen ist,vielleicht ist es aber manchen auch ganz recht,das böse hinter einer person zu „verstecken“.
menschlich gesehen find ich den jubel über eine getötete person alles andere als angessen, auch wenn die aktion richtig gewesen sein mag.

bleibt abzuwarten ob a) der terror nun weniger wird und b) eine geringere angsthysterie (die mit freiheitsreduzierenden gesetzen beantwortet wird) versucht wird zu erzeugen (unddamit mein ich jetzt nicht israel).

11. mibu - Mai 2, 2011, 21:03

Bin Laden schien bis jetzt den Nimbus der Unerreichbarkeit und Unbesiegbarkeit zu haben, was wohl einige davon überzeugte, dass er für eine gerechte Sache kämpfte.

Der Erfolg der Amerikaner mag ein symbolischer sein, aber vielleicht ist er gerade deshalb wichtig.

Ich finde auch, dass Obama gute Worte für seine Bekanntmachung gefunden hat.

12. May - Mai 2, 2011, 21:17

Also ich weiß nicht… Massen, die den Tod eines Menschen bejubeln, hinterlassen bei mir einfach einen fahlen Nachgeschmack… wird die Welt nun besser? Es bleibt zu hoffen.

13. Silke - Mai 2, 2011, 21:34

Lila – 7

die Amis haben gekämpft und sie oder ihre Soldaten haben gesiegt. Das darf man feiern und das ist man vermutlich den Truppen, die schließlich ihr Leben riskiert haben, sogar schuldig, daß man es und damit sie feiert. Ob da jedeR die politisch und ethisch korrekte Geisteshaltung einbringt, ist mir erst einmal wurscht.

Nur Orden und Medaillen ist nicht genug und wenn ich Yaacov trauen darf, dann haben die Israelis auf eine ganz figelliensche Weise nach der Dubai-Aktion auch gefeiert. Sie haben sich nämlich mit Tennisschlägern und Baseballkappen kostümiert, berichtete er. Eine schönere Hommage und/oder Solidaritätserklärung an den Mossad ist wohl kaum vorstellbar.

Daß dieser Krieg so ein langer und für Medien so wenig ergiebig ist, ist nicht gut für Soldaten. Die brauchen auch Glorie, die steht ihnen zu. Früher wenn eine Festung fiel, wurde auch gefeiert.

Wir haben nix zu feiern, wir haben nix gemacht, zumindest direkt nich. Aber die Amis haben ihre Kinder in harm’s way geschickt und es ist gut gegangen und mission accomplished und dieses Mal nicht mit so’m erbärmlichen gefaketen Truthahn.

——

Obama’s justice has been done oder so ähnlich gefällt mir nicht besonders. Justice muß vor Gerichten stattfinden und es ist mir auch ein wenig zu biblisch, aber da ich den Mann schon allein wegen seiner Stimme und seiner Sprechweise (von allem anderen abgesehen) nich verknusen kann, übertreibe ich da vielleicht udn es ist einfach die für Amerika angemessene Ausdrucksweise.

14. Silke - Mai 2, 2011, 21:45

Lila 7

es sind nicht „nur“ amerikanische und jüdische Ziele, es sind auch Moslems gegen Moslems in Massen. Die von ihren Glaubensbrüdern ermordeten übersteigen meines Wissens die vom Westen in Kampfhandlungen getöteten um ne Menge wenn nicht sogar ein Mehrfaches. (AlQaeda in Iraq ist nicht das einzige Beispiel)

Neulich bin ich im Clinch mit einem Troll auf das Argument gekommen, daß wenn sich einer an einer Jerusalemer Bushaltestelle in die Luft sprengt, wie stellt er dann sicher, daß er keinen aus seiner Familie/Großfamilie/Stamm/Sippe umbringt. Kriegen die ne Warn-SMS?

Und hinterher wie handhaben sie das dann? der Bomber kriegt Märtyrer-Status mit allen weltlichen und nachweltlichen Ehren. Doch welchen Status haben die von ihm ermordeten von seiner eigenen Seite? Werden die auch zu Märtyrern? Der Troll ist leider nicht drauf eingegangen und scheint auch das Interesse verloren zu haben, sich weiter mit uns rumzubalgen.

Doch wen’s interessiert, darf gern mal nachlesen, wie ein bei MEMO publizierender Journalist (Links in Richard’s Post) im Comment-thread argumentiert. MEMO (Middle East Monitor) wird von Amnesty International geshcätzt. Da gibt es bald irgendeinen gemeinsamen Auftrieb. Also eine hochrespektable Geschichte sollte man meinen.

http://richardmillett.wordpress.com/2011/04/29/amnesty-and-middle-east-monitor-israel-hatefest-love-in/

15. Yon - Mai 2, 2011, 22:21

Mit den jubelnden Menschen auf den Straßen war mir auch erst mulmig. Das hat sich aber etwas gewendet, als ich Bilder von den New Yorker Feuerwehrleuten gesehen habe, die inmitten der Feiernden waren.
Für die Menschen, die Familie, Freunde, Kollegen verloren haben, war es vermutlich schwer zu ertragen, dass der Drahtzieher dieser Morde davonkommen soll. Ich glaube, nachdem dieser Zustand nun ein Ende hat, ist die Erleichterung verständlicherweise sehr groß. Auch bei denen, die nicht im persönlichen Umfeld betroffen waren, sondern sich als Amerikaner mit den Opfern eben solidarisiert haben. Das gönn ich ihnen ja doch. Kann nicht behaupten, dass ich über die Nachricht unglücklich war, im Gegenteil.

So ist das wohl: Wenn einer Falsches und Böses tut, nimmt er auch anderen die Möglichkeit, das vollkommen Richtige zu tun – oder macht es zumindest sehr schwer. Das ist das Teuflische daran.

16. Malte S. Sembten - Mai 2, 2011, 22:33

„Bild“ widerspricht sich selbst:

Mittlerweile ist klar: Es war ein Killier-Kommando, das Bin Laden getötet hat! Die Festnahme des Terroristenchefs sei nicht das Ziel gewesen, hieß es. Es habe sich um eine „Kill Mission” gehandelt, berichtete der Sender am Montag unter Berufung auf offizielle Quellen. (…) Bin Laden soll selbst auf die Angreifer geschossen haben. Er wurde aufgefordert, sich zu ergeben – lehnte dies aber ab.

http://www.bild.de/politik/ausland/osama-bin-laden/tot-seine-letzten-minuten-17687130.bild.html

Na, egal. Fischfutter ist Fischfutter.

17. Heimo - Mai 3, 2011, 2:19

muß gestehen, daß ich innerlich auch ein bißchen frohlockt habe, als ich heute morgen von der Aufspürung Osamas & seinem Tod hörte, wie ich mich immer freue, wenn einer der Köpfe dieser islamradikalen Hydra ausgeschaltet wird, egal ob Yassin, Mabhou, Mughniya etc. aber für einen abgeschlagenen Kopf wachsen wahrscheinlich immer 3 neue nach – allerdings ist mir so öffentlicher Jubel & Fahnen-geschwenke wie in den USA auch etwas suspekt & erinnert mich fatal an die Freudentänze in Hamastan etc. als das World-Trade-Center zerstört wurde – gezielte Tötungen radikaler Führer dieser Anschläge-planenden & ausführenden Organisationen halte ich unter Umständen, wenn man nicht anders an sie ran kommt, für angebracht & vielleicht für die einzige Möglichkeit in einem unsichtbaren Krieg an den Gegner zu kommen, bzw. diesen auszuschalten…

18. Lila - Mai 3, 2011, 5:40

Yon, richtig, ich habe auch den Unterschied empfunden zwischen Angehörigen und Feuerwehrleuten, für die vermutlich eine Art Erleichterung in diesem Tod liegt, und anderen. Schwer zu beurteilen. Aber ausgelassener lauter Jubel in so einem Fall liegt mir persönlich fern, ich kann es nicht verstehen. Wenn Nasrallah tot wäre, würde ich hier rumlaufen und jubeln? Nein.

Ich habe jahrelang auch geglaubt, daß gezielte Liquidationen, wie sie von uns ja auch praktiziert wurden, sinnlos sind, weil sie gewissermaßen eine Auslese der Furchtlosen bewirken. Jeder, der nachfolgt, muß noch einen Tick härter und radikaler sein. Aber es hat sich herausgestellt, daß diese Theorie ein kompletter Irrtum war. Die konsequente Ausschaltung führender Terroristen hat entscheidend dazu beigetragen, daß der Terror so stark zurückgegangen ist.

Aufklärungsarbeit (die richtig anfing mit den Festnahmen und Verhören nach „Protective shield“), defensive Maßnahmen (Schutzzaun, Checkpoints) und offensive Maßnahmen (gezielte Liquidationen) haben gemeinsam Hunderten das Leben gerettet, weil damit der Terror zurückgedrängt wurde.

Es hat also durchaus Sinn, die Drahtzieher aus dem Verkehr zu ziehen, nicht nur als Vergeltung, Abschreckung und strategische Störung, sondern auf lange Sicht.

Obwohl es oft die einzige Möglichkeit ist, gegen solche Köpfe des Terrors vorzugehen, ist es nur ein Zeichen dafür, was das für Leute sind, denen wir uns gegenüber sehen, und wie schwierig dieser Kampf ist. Wer weiß, was noch auf uns zu kommt.

19. Zum Tod Osama bin Ladens Teil 2 - Mai 3, 2011, 11:27

[…] Adalberts Meckerecke beschäftigt sich ausführlich mit der Darstellung des Falls in den Medien. Letters von Rungholt findet es mal wieder ungerecht, dass Amerika zugejubelt wird und versteht nicht, warum es bei […]

20. Silke - Mai 3, 2011, 12:06

Ja Jon, ganz genau so sehe ich es auch

So ist das wohl: Wenn einer Falsches und Böses tut, nimmt er auch anderen die Möglichkeit, das vollkommen Richtige zu tun – oder macht es zumindest sehr schwer. Das ist das Teuflische daran.

In Deutschland gängig als „wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt, dann kann der Beste nicht in Frieden leben.“

seltsam, daß wir diese im Alltag überall als wahr anerkannte Tatsache so ungern auf Größeres übertragen, aber täten wir es, so würde das unsere Möglichkeiten zum Rumschwafeln als die Edlen vom Dienst natürlich schwerstens einengen.

Hier ist ein Foto aus dem Weißen Haus während die Operation ablief
Ich denke, das erzählt die richtige Geschichte.

21. Silke - Mai 3, 2011, 12:09

Malte
ich lese die BILD nicht zu allem, aber welcher Sender????

mein derzeitiger Stand ist, daß Bin Laden hat sich hinter seiner jungen Frau versteckt und mit der AK47 rumgeballert – ich find’s schön, auf die Art bestätigt zu bekommen, daß wir Frauen in seinem Weltbild doch zu was gut sind.

22. Silke - Mai 3, 2011, 12:20

oops – zu Bild

Die Navy Seals sind KEIN Killerkommando …

auch das nicht-existierende Team 6 ist keins …

einige Leute sind mal wieder fällig für ein gründliches Mundauswaschen mit Seife

übrigens: mit einem Auge habe ich gestern nacht noch mitgekriegt, daß deutschnamige Islamwissenschaftler mit denen hier voll d’accord gehen:

http://translating-jihad.blogspot.com/2011/05/shaykh-of-al-azhar-condemns-bin-ladens.html

Eins muß man ihnen lassen, im Erbsenzählen übertrifft sie keineR.

23. Harry - Mai 3, 2011, 16:38

CNN und ungenannte Regierungsbeamte sprachen von einer „Kill Mission“, also einer gezielten Tötungsmission, andere Quellen sagen, dass er quasi in Notwehr getötet worden sei. Es ist schade, dass es so viel Verwirrung und Unklarheiten um diesen Umstand gibt, gibt dies doch nur den Verschwörungstheoretikern Auftrieb.

Eine „Kill Mission“ ist aus rechtsstaatlichen uind humanistischen Gründen klar abzulehnen. Wie viel besser wäre es gewesen, ihn lebend gefangen zu nehmen und vor ein internationales Gericht zu stellen? Dies hätte auch eine deutliche Botschaft an die heimlichen und unheimlichen Sympathisanten des Terrorismus gesandt: Wir stehen nicht mit euch auf einer Stufe, wir gehen nach rechtsstaatlichen Prinzipien vor. Schließlich wurde auch ein Adolf Eichmann vor Gericht gestellt.

PS: Inzwischen wurde dementiert, dass sich bin Laden hinter einer Frau versteckt haben soll.

24. Paul - Mai 3, 2011, 19:43

Lila, der von Dir geäußerten Auffassung kann ich in vollem Umfang zustimmen.

Nachdem ich vom Tod Osama bin Laden’s gehört hatte, war Erleichterung das vorherrschende Gefühl und Hoffnung. Die Hoffnung, dass die Terrororganisation, ihres Kopfes beraubt, entscheidend geschwächt ist.
Bald folgte die Befürchtung, dass dieser Tod auch neue Haßenergien freisetzen könnte und, dass es genügend Hintermänner geben könnte, die sein Werk weiterführen.

Über den Jubel in Amerika war ich nur entsetzt. Wirklich zutiefst entsetzt. Wie kann man den Tod eines Menschen und sei er noch so ein schlimmer Verbrecher bejubeln?
Bisher war dieser Jubel immmer mit der moralischen Verkommenheit der Palästinenser verknüpft.
Ist die übrige Menschheit jetzt auch schon auf dem gleichen abschüssigen Weg? Wenn das so ist, dann kann ich nur noch schwarz sehen.

25. Zahal - Mai 3, 2011, 19:54

Zitat von Dir Lila:

Und ich persönlich hätte eine Festnahme, einen klipp-und-klaren Prozeß und angemessene Bestrafung eindrucksvoller gefunden als eine Kommandoaktion.

Nachdem jetzt eigentlich feststeht, daß Osama sogar seine eigenen Ehefrauen als „menschliches Schutzschuld“ benutzt hat, frage ich mich in der Tat, wie eine „Festnahme“ hätte zustande kommen sollen.

Lies mal, das gilt auch für Osama, ein wunderbares Essay, ist zwar lang, aber unbedingt lesenswert.:

http://quotenqueen.wordpress.com/2011/04/29/der-moralist/

Terroristen denken nicht wie du und ich.

26. Lila - Mai 3, 2011, 20:11

Zahal, ich habe das geschrieben, als es noch hieß, daß es ein Killerkommando war. Aber es hat sich herausgestellt, daß sehr wohl versucht wurde, ihn festzunehmen, er aber Widerstand geleistet hat.

Und ich hätte noch größeren Respekt vor den Navy Seals gehabt, wenn sie den Kerl lebend geschnappt hätten. Aber auch so haben sie saubere Arbeit geleistet mit so wenig wie möglich „Kollateralschaden“.

Meinst Du, ich dächte, Terroristen denken wie du und ich? 😯

Ich habe eine Überraschung für Dich: das ist mir klar. Und ich habe auch schon versucht, das anderen Leuten klarzumachen. Unter anderem in diesem Blog.

27. Zahal - Mai 4, 2011, 16:55

Überraschung Lila?

Klär mich auf. 🙂

Nein, ich meinte natürlich nicht, daß du so denkst, ich war nur wieder einmal über die deutsche Berichterstattung stinksauer, soviel Empathie für einen Massenmörder, Völkerrecht (Helmut Schmidt) wird sogar missbraucht, um den Deutschen ihre moralische Überlegenheit zu attestieren und die Amis schlecht darstehen zu lassen.

28. yael1 - Mai 4, 2011, 17:01

„Wider die Heuchelei!

Deutschland empört sich über die Tötung Osama bin Ladens und amerikanische Willkür. Sind wir noch ganz bei Trost? “

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/10312

29. grenzgaenge - Mai 4, 2011, 17:14
30. grenzgaenge - Mai 4, 2011, 17:16

@yael1: Danke für den Link. Schön auch so etwas, in der deutschen Presse, zu lesen. Ich würde mir einen solchen Artikel allerdings (auch) auf SPon oder in der Süddeutschen Zeitung wünschen.

31. CK - Mai 6, 2011, 14:35

Sowohl Scheich Yassin als auch Bin Laden sind gut tot. Im Krieg geht es darum den Feind zu vernichten. Das ist das Wesen des Krieges. Enough said. Auch wenn ich deswegen keine Party veranstalte.

32. Silke - Mai 6, 2011, 18:53

Aber ich veranstalte eine Party, weil SEAL’s Team 6 unverletzt geblieben ist und weil hoffentlich auch keineR, der im Vorfeld tätigen CIA-Leute zu Schaden gekommen ist.

33. CK - Mai 7, 2011, 9:11

@Silke: Das will ich Ihnen natürlich nicht verbieten.

Hier übrigens meine Meinung zur Tötung von OBL:
http://lforliberty.wordpress.com/2011/05/02/erleichterungzehnjahredanach/

Zur Frage ab wann Terroristen Kriegsgegner sind und mehr, siehe Diskussion in den Kommentarspalten.

34. yael1 - Mai 7, 2011, 23:23
35. Silke - Mai 8, 2011, 0:41

CK
ich lese derzeit eifrig http://www.lawfareblog.com/ wo das Thema rechtmäßig oder nicht auf nem Niveau diskutiert wird, dem ich nur teilweise folgen kann, aber das was ich verstehe, finde ich aufregend wie den heißesten Krimi, denn z.B. wenn die Regierung sich ausdrücklich und öffentlich und detailliert zur Rechtmäßigkeit äußern würde, dann müßte sie ja implizit auf Israel’s derartige Aktionen belobigen und das tut sie, wie treppenwitz mir erzählt hat, derzeit wohl nicht.

In was für ein Dilemma Staaten doch geraten, wenn sie alles einheitlich beurteilt sehen wollen – in diesem Fall wird’s hoffentlich hoffentlich mit nem Freebie für Israel ausgehen.

36. aristobulus - Mai 8, 2011, 18:36

Freibier für Israel 🙂 las ich grad instinktiv, oh Wunschdenken, feinn wär’s.


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