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Raphael Velato April 11, 2011, 10:41

Posted by Lila in Kunst.
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Jedesmal, wenn eine gewisse allzu bekannte Dame im Unterricht „dran“ ist, tauchen dieselben Sachen auf. Die Mona Lisa ist so desaströs über-bekannt, daß keiner sie mehr mit frischen Augen angucken kann. Ich kann nicht auf alles eingehen – es ist ja eine lächerliche Tatsache, daß jeder Heini, der eine Gesichts- oder Gefühlserkennungs-Software entwickelt hat, die sofort auf die Mona Lisa anwendet und damit in alle Zeitungen kommt. Oft bildet die Mona Lisa dabei nur den Vorwand, um eine Idee zu popularisieren – über das Bild selbst erfährt man eher wenig.

Die bekannteste These jedenfalls, die jedesmal von den Studenten aufgebracht wird, ist die von Lillian Schwartz: Mona Leo.

Also die Idee, daß die Mona Lisa ein Selbstporträt mit anderen Mitteln ist.

Ich sage schon seit Jahren, daß ich an dieser These schwer zweifle. Maler haben ihre „Handschrift“, oft ähneln sich ihre Subjekte oder sie malen Gesichter in ähnlichen Proportionen und Winkeln. Und seit Jahren nehme ich mir vor, mal die Probe aufs Exempel zu machen und zu sehen, ob es solche Ähnlichkeiten nicht auch woanders gibt.

Meine Damen und Herren: Raphael im Selbstbildnis mit einem Freund, 1517

Die Donna Velata, 1516:

Und beide zusammen:

Wußt ich´s doch. Jetzt nehm ich Botticelli und Tizian unter die Lupe. Das wär ja gelacht.

Wäre ich nur ein bißchen ehrgeiziger, würd ich da sofort einen Artikel draus machen 🙂 aber akademisch bin ich ein miserabler Futterverwerter 😦

Kommentare»

1. Silke - April 11, 2011, 11:40

warum akademisch?

warum nicht als äußerst amüsante und vermutlich viel weniger aufwendige Sehschule für Normalverbraucher? (gegen Honorar natürlich, Kokettieren mit Deinem Mangel an Selbstvermarktungsfähigkeiten iss nich, wenn Du’s nich selber kannst, finde einen Agenten)

2. Malte S. Sembten - April 11, 2011, 12:05

Schade, dass Du nicht ehrgeizig bist. Das ist doch verschenktes Talent!

3. Silke - April 11, 2011, 13:12

OT für Genießer

Arye Sharuz Shalicar iss auf book-tour

http://www.ndr.de/suche10.html?query=arye

4. Lila - April 11, 2011, 14:59

Das ist so. Ich hab vor ein paar Jahren mal einen Vortrag auf einer akademischen Konferenz gehalten.Nichts Besonders, kurz und knapp. Nach mir war ein Kollege dran.

Nach einiger Zeit habe ich ihn wiedergetroffen. Er hat mich gefragt: nu, was hast du mit deinem Vortrag gemacht? Und ich so: 😯 was meinst du gemacht?

Also, sagt er, ich habe aus meinem Vortrag erst einen Artikel gemacht, dann ein Kapitel in einem Buch, und jetzt kommt mein neues Buch raus, das auf diesem Material aufbaut.

O-kay.

Er hat einen irrsinnig langen Lebenslauf, in meinem Lebenslauf dagegen ist die einzig eindrucksvolle Zahl (außer meinem Alter) die Kinderzahl 😛

Und auch das nicht wirklich.

Aber glaubt nicht, daß ich mich beschwere. Ich könnte es ändern, wenn ich wollte. Aber ich hab das akademische Gen nicht. Ich investiere lieber in meine Stunden. Ich kriege jedes Jahr einen Brief vom Rektor, daß ich beim Feedback der Studenten wieder mal in den höchsten 5% gelandet bin.

Aber mein Kollege, dem die Studenten eher egal sind und der seinen Stoff runterreißt, der steigt unaufhaltsam in akademischen Ehren.

So funktioniert das Land Akademia. Ich bin da eigentlich nur, weil ich ein paar Stunden die Woche haben will, wo mir keiner dazwischenquasselt, wenn ich was von Caravaggio erzähle.

Ein akademisches Ego hab ich nicht und nie gehabt.

Tja, typisch Frau eben.

PS: Gut, daß ich Y. habe. Der hat mich mehrmals davor bewahrt, meine Arbeit anderen einfach so zur Verfügung zu stellen. Sagen wir mal, ich sammle etwa seit einer kleinen Ewigkeit alles Material, das ich über Kinder in der Kunst vom Barock bis zur Romantik finde. Ein richtig hübsches fettes Paket, ordentlich aufbereitet. Kommt ein Kollege und erzählt mir von einem Projekt mit dem Erziehungsministerium, und einer Aktion mit Kindern und Kunst, und dafür braucht er kunstgeschichtliches Material. Und ob nicht meine Datensammlung… die käme ihm gerade so zupaß… und er könnte damit….

Ich war gerade dabei, ihm das ganze Zeug auf CD zu brennen, als Y. wie Blitz und Donner über mich kam. Er meinte, ich bin wahnsinnig – der Kollege wird nie und nimmer sagen, daß das meine Arbeit ist, er wird es als seins ausgeben. (Das hat er nämlich schon mal getan). Und ich so: oh, da hatte ich ja gar nicht dran gedacht. Hmmm… was mach ich denn da?????

Übrigens: dieser Kollege, inzwischen Ex-Kollege, war stinksauer und hat mich seither geschnitten. Ich hätte mein Wort gebrochen und so. Tja.

Ich bin und bleibe eben Pöttchen Doof. Macht nichts. Die muß es auch geben.

5. Silke - April 11, 2011, 16:24

Lila – 4

ich könnte jetzt anhand Deiner Erklärungen natürlich argumentieren, daß Du der Welt, dem gemeinen Volk, dem Steuerzahler usw. vorenthältst, was Du uns dank Deines Wissens, Deiner Begabung, Deiner Interessen schuldest i.e. daß Du ein Sozialgeizkragen bist – tue ich aber nich, wünsche mir nur, Deine Lektionen würden bei iTunes reingestellt, falls Du sie auf Englisch hältst, meinetwegen sogar kostenpflichtig, kannste dann ja spenden?

Ich höre gerade Making of Europe from 1453 von ner US-Professorin, echt gut und interessant mit dem extra-Dreh der nicht-europäischen Sicht. Ich weiß bloß nich, wieso einer das Powerpointzeugs dazu braucht, ne Landkarte und ein Zeigestock täten’s doch auch und der Rest der Bildchen kann doch bestenfalls nur ablenkend wirken (ich downloade nur die Audio-Version), aber bei Kunstgeschichte würde sogar ich gucken.

6. Silke - April 11, 2011, 16:28

oops ich wollte ja eigentlich jubeln, daß Haaretz sagt, Israel habe vier weitere Iron Domes bestellt – also 60 bis 80 Millionen für einen erscheint mir nich so furchtbar teuer für eine derartig offensive Defensivwaffe und wenn die dem erst beigebracht haben werden als Doppeldecker zu fliegen, eine Hälfte killt den „selbstgebastelten Feuerwerkskörper“ und eine andere fliegt die Bahn entlang zur Abschußstation – rummms!!! – und lass Goldstone den Computer verklagen

http://wiki.answers.com/Q/How_much_does_a_fighter_jet_cost

7. Lila - April 11, 2011, 16:39

zu 5. Liebe Silke, es ist genau umgekehrt. Was hätte die Welt, was hätte das gemeine Volk 🙂 davon, wenn ich jetzt wie ein Weltmeister Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichte, um meine akademische Karriere zu befördern? (Publish or perish)

Statt dessen unterrichte ich zukünftige Lehrer und Kunsttherapeuten, die an Schulen, in Kindergärten, Horten, Einrichtungen für Alte und Kranke weitergeben werden, was ich vielleicht ihnen beibringen konnte.

Ich unterrichte wirklich mit voller Kraft und riesiger Freude, ich hänge mich sehr rein und bin nie zufrieden und mach das auch gut. Damit schenke ich der Welt viel mehr, auch wenn ich damit immer nur auf der untersten Stufe der Hochschule rumkrabble und nie genügend Meriten für einen leitenden Job haben werde. Und ich würde an einer Uni nie genommen – bei unserer PH liegt der Akzent ja viel mehr auf Unterricht, Lehre und auch Vorbildfunktion, als auf Forschung.

Ich bitte also um Anerkennung für meine Sozial-Großzügigkeit 🙂 oder -Verschwendung…

8. Silke - April 11, 2011, 17:19

liebe Lila

viel zu insiderish für meinen Geschmack – ich liebe die Welt von iTunes und iTunesU

wenn ich denke, daß meine ersten englischsprachigen Bücher unersetzbare Schätze waren und heute? es gibt nicht nur amazon und abebooks, es gibt auch die illustresten Geister, die mir was ins Ohr flüstern und jemand mit Deinen sprachlichen Fähigkeiten in irgendso ner Fachzeitschrift wäre doch Perlen vor die Doktoren geworfen …
ich will Dir ja keine extra-Arbeit machen, aber ich habe gehört, auf YouTube gäbe es alles mögliche 😉 – und ja da ist das vermutlich fast unlösbare Copyright-Problem, deswegen fände ich ne Uni oder sowas als Schirmherr/Anbieter für sowas besser.

ich glaube nicht, daß ich so selten bin, ich stelle immer wieder fest, daß ich Lieschen Müller bin, manchmal ein bißchen vor dem Zeitgeist, aber das ist auch alles. Daher glaube ich, es gibt sie die freakische breite Masse – die Unis brechen zusammen unter dem Ansturm der Seniorenstudenten (habe ich gelesen), in englischen Podcasts kriege ich mit, daß die history buffs aller Klassen ne Menschheit für sich zu sein scheinen und von Dir nur ab und zu mal so ein Scharfmacher …

aber meine Haupt-Sorge gehört natürlich den bildungshungrigen Ungebildeten/Ungeschulten, also meinesgleichen …

ernsthaft die history Gemeinde scheint groß und klassenlos gefächert mit nem üppigen Angebot für Militärgeschichte, fehlt nur noch selbiges für Kunstgeschichte … Wie wär’s mit ner Lecture über Schlachtengemälde für die Pritzker Military Library?????????

9. Malte S. Sembten - April 12, 2011, 19:55

7. Lila – April 11, 2011, 16:39

… Statt dessen unterrichte ich zukünftige Lehrer und Kunsttherapeuten, die an Schulen, in Kindergärten, Horten, Einrichtungen für Alte und Kranke weitergeben werden, was ich vielleicht ihnen beibringen konnte.

Ich unterrichte wirklich mit voller Kraft und riesiger Freude, ich hänge mich sehr rein und bin nie zufrieden und mach das auch gut. Damit schenke ich der Welt viel mehr …

Ich nehm’s zurück – das mit dem „verschenkten Talent“ (#2). Das war unüberlegt. Sorry!

10. Paul - April 13, 2011, 23:54

Zu 4:
Lila, gut das Du Y. hast. Ihr ergänzt Euch sehr gut.
Das reicht doch dann auch.
Aber „Pöttchen Doof“ bist Du nicht. Du bist nur gutmütig und hilfsbereit. Wenn man das ist, ist man nicht doof, aber kann natürlich leicht ausgenutzt werden.
Wenn der Kollege Dein Material benutzt hätte und Dich als Urheber genannt hätte, dann wäre das ok. Besser noch wäre es gewesen, er hätte Dich in dieses Projekt eingebunden.

Stell Dir mal vor, Du hättest dieses Material weggegeben. Du selbst hättest es nicht mehr benutzen können, bzw. wenn Du es genutzt hättest, hättest Du den Kollegen als Urheber nennen müssen. Es wäre für Dich sehr schwierig geworden, sagen wir mal nach 10 Jahren nachzuweisen, dass dieses Material auf Deinem ‚Mist gewachsen‘ ist.
Vielleicht kommt doch mal der Augenblick, wo Du dieses Material für so wichtig hälst, dass Du andere darüber informieren möchtest.
Deshalb bist Du noch lange nicht Profilierungssüchtig.
Du weist, man soll nie Nie sagen.
Und Deine Schätze solltest Du auch nicht auf immer und ewig für Dich behalten.


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