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Kleine Welt April 3, 2011, 17:53

Posted by Lila in Land und Leute.
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Ich amüsiere mich gerade über eine kleine Illustration der banalen Weisheit von der kleinen Welt, das ich bei Aussie Dave gefunden habe. Es betrifft Ismal Haniyah, den allseits beliebten Hamas-Chefs aus dem Gazastreifen.

Ismael Haniyah hat drei Schwestern, die schon vor 30 Jahren aus dem Gazastreifen nach Südisrael umgezogen sind und sich dort so wohl fühlen, daß sie ihre Familien dort großziehen. Sie haben Beduinen geheiratet. Israelische Beduinen können,wenn sie wollen, in der Armee dienen, und einer von Haniyahs Neffen hat sich dafür entschieden.

Ist das nicht verrückt? Das gräßliche, rassistische Israel ist ein solcher Albtraum, daß Haniyahs Neffe dort die Uniform anzieht und das Land aktiv verteidigt – gegen die Parteigänger seines prominenten Onkels. Ich habe hohen Respekt vor dem jungen Mann.

Von meinen Söhnen weiß ich, wie enorm wichtig viele Beduinen in der Armee sind. Besonders als Spurenleser sind sie unersetzlich. Die anderen Soldaten haben geradezu Ehrfurcht vor dem Wissen dieser Tracker, ohne die die Grenzen nicht zu sichern wären. Außerdem ist es wohl ein Erlebnis, mit so einem Mann auf Patrouille zu gehen, vor dessen Auge jedes Blatt und jeder Grashalm ihre Geschichte erzählen.

Yoram Ettingers Artikel über Araber in Israel, wo Aussie Davie die Information über den Neffen Haniyahs wohl gefunden hat, ist unbedingt lesenswert, wenn man Israel über Schlagworte hinaus verstehen möchte.

 

Kommentare»

1. anti3anti - April 3, 2011, 19:22

Wenn Sein und Schein dasselbe wären, bräuchte man keine Philosophie. (Karl Marx)

http://anti3anti.wordpress.com/2011/04/03/nazis-erkennen/

2. Loreley - April 4, 2011, 10:33

Unter uns gesagt glaube ich, dass das das Hauptproblem der Gazaner ist: sie würden viel lieber in Israel leben, wo sie mehr Wohlstand hätten und sorgenfreier leben könnten… Und ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass allzu viele von denen Fans ihrer eigenen Regierung sind, so richtig tief drinnen.

Leider haben sie sich da in etwas verbohrt, was sie letztlich nur selbst unglücklich macht… Es ist ein teufelskreis.

3. Loreley - April 4, 2011, 11:03

Die Palästinenser sollten einmal die wirtschaftlichen Kosten, die die Rakten-Schmeisserein und der Terror für sie selber verursachen ganz nüchtern dem Nutzen gegenüber stellen, den es für sie bringt.

…ich denke, so eine sachliche Kosten-Nutzen-Analyse hätte ein ganz eindeutiges Resultat: mit Frieden können sie nur gewinnen.

Seit der 1. Intifada haben sehr viele Palästinenser aus den Gebieten ihre Arbeitsplätze oder – bewilligungen in Israel verloren, aus sicherheitsgründen, deshalb sind weite Teile von Gaza unter die Armutsgrenze gesunken. Mit Abzug der Siedler haben sie weitere Arbeitsplätze bei den Siedlern verloren, und da ist niemand wirklich in die Bresche gesprungen. Durch den Raketen-Beschuss haben sie die Grenz-Sperre, die ihre Importe und Exporte behindert und die Wirtschaft weiter zurückwirft (Probleme beim Import von Rohmatierial zur Weiterverarbeitung, Probleme beim Export von Landwirtschaftsprodukten, etc). Sie verlieren wirklich auf der ganzen LInie. Kein vernünftiger Mensch würde so eine Politik verfolgen.

Sie könnten ja sogar einen Friedensvertrag schliessen, der die Flüchtlingsfrage ausschliesst (Israel wäre super-froh), und ihre Ansprüche nachher, in einer friedlichen Atmosphäre über Gericht geltend machen. Dann könnten sie wenigstens ihr Häuschen von 1948 hier und da besuchen…

Es gibt zum Glück schon Stimmen unter den Palästinensern, die sagen „Friede ist das beste Kriegsmittel“. Das Problem ist nur dass sie noch nicht sehr zahlreich sind. Und auch wenn: leider kann dort eine aggressive Minderheit die gesamte Bevölkerung praktisch als Geisel nehmen. Und da man „patriotisch“ sein muss, kann niemand etwas dagegen sagen.

4. Loreley - April 4, 2011, 11:32

…aber vielleicht hat auch die Aggressivität der Palästinenser ganz andere Gründe, als es scheinen mag.

Vielleicht ist 1987 einfach eine sehr zahlreiche Generation erwachsen geworden, für die es keine Arbeitsplätze gab, und sie haben sich dann in Protesten gegen Israel Luft gemacht. Vielleicht ist es tatsächlich schwierig, in einer so stark wachsenden Bevölkerung alle Jungen mit Arbeitsplätzen zu versorgen. Und sobald junge Männer herumhängen, herrscht ein enormes Aggressionspotential…

5. Lila - April 4, 2011, 11:53
6. willow - April 4, 2011, 12:16

@4. Loreley

Naja, bis zur 1. Intifada war das mit der Arbeitslosigkeit für die Palästinenser nicht annähernd so ein Problem wie „danach“ …

7. Zitate! « abseits vom mainstream – heplev - April 9, 2011, 21:18

[…] Ist das nicht verrückt? Das grässliche, rassistische Israel ist ein solcher Albtraum, dass Haniyehs Neffe dort die Uniform anzieht und das Land aktiv verteidigt – gegen die Parteigänger seines prominenten Onkels. Lila, Letters from Rungholt, 03.04.11 […]


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