jump to navigation

Noch eine Baby-Geschichte März 20, 2011, 6:15

Posted by Lila in Presseschau.
trackback

Es passierte in Neve Zuf, einer Siedlung. Dort wohnen die Eltern der ermordeten Ruthie Fogel, und dort sitzen sie auch Shiva (Trauerwoche). Gerade war Benny Gantz, der Generalstabschef, zu einem Kondolenzbesuch eingetroffen, da fuhr  ein palästinensisches Taxi in die Siedlung. Darin lag eine junge Frau, bei der die Geburt eingesetzt hatte – und die Nabelschnur war um den Hals des Ungeborenen gewickelt. Sie wohnt wohl in einem der umliegenden Dörfer, und der Taxifahrer wußte, daß er nicht genug Zeit hat, sie ins Krankenhaus zu bringen. Es war eine gute Entscheidung, die Gebärende nach Neve Zuf zu bringen, denn Sanitäter der Armee und als Sanitäter ausgebildete Siedler halfen der Frau sofort.

Es ist keine Geschichte für die Massenmedien, keine Geschichte, die man außerhalb von Israel lesen wird, weil es ja eigentlich Alltag sein sollte, daß einer dem anderen hilft. Aber daß noch während der Trauerzeit nach einem grausamen Mord die Angehörigen und Freunde der Opfer einer Frau beistehen, die aus einem Dorf kommt, in dem nach dem Mord Freuden-Feuerwerk abgebrannt wurde, das finde ich trotzdem bemerkenswert.

Außerdem ist das Bild einfach schön.

Der junge Sanitäter hält das Neugeborene. Er sieht richtig beglückt aus. Und wie unschuldig sieht so ein Baby aus.

Eine Frau aus der Siedlung, die als Rettungssanitäterin ausgebildet ist, und ebenfalls half, mußte dabei an das ermordete Baby denken.

„It was touching, but I couldn’t help but think that a few meters from there, people were sitting Shiva for another baby, who was murdered,“ she said. „I was touched to see the face of the new baby, but I also thought about the face of the murdered baby.“

Sie half trotzdem.

Die Verwandten dankten den Helfern. Das kleine Mädchen haben sie Jude genannt, keine Ahnung, wie sie das aussprechen.

Der Leiter der Magen-David-Adom-Station in Neve Zuf meinte, daß andauernd Palästinenser um medizinische Hilfe bitten und sie auch bekommen – wie ich ja auch von Primus weiß. Vor zwei Jahren wurde ein Terrorist, der eine Bombe legen wollte, von Soldaten angeschossen. Auch er wurde behandelt – von denen, die er töten wollte.

Ich weiß nicht, ganz ehrlich, woher die Juden dieses Image als besonders rachsüchtig und unversöhnlich haben.

Kommentare»

1. scipio - März 20, 2011, 7:11

Danke, Lila!

2. boxi - März 20, 2011, 9:57

vielleicht haben sie dieses image auch „nur“ in bestimmten kreisen…

3. Silke - März 20, 2011, 10:10

Ich weiß nicht, ganz ehrlich, woher die Juden dieses Image als besonders rachsüchtig und unversöhnlich haben.

„Man“ hat mich gelehrt, daß der Unterschied zwischen Juden und „uns“ ist, daß Jesus gesagt hat, man solle die andere Wange hinhalten, während es bei Juden (im sogenannten Alten Testament) heißt „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Ich bin ziemlich sicher, daß ich das auch noch in diesem Jahrtausend von jemandem als tiefe alles erleuchtende und erklärende Weisheit mitgeteilt bekam.

Als ich jung war, hatten praktische alle meiner Co-EuropäerInnen kein Problem damit, mich darauf hinzuweisen, daß mich meine schlechten Vorfahren verdächtig machen. Kein Jude hat jemals so etwas auch nur vage angedeutet, eher im Gegenteil, die denen Deutsch zu sprechen zuwider war, wurden deutlich wärmer, wenn ich ihnen Englisch anbot.

Als ich 1962 in Paris arbeitete, hieß der netteste und fürsorglichste Kollege von allen Cohen …

4. Lila - März 20, 2011, 10:12

Glaubst Du? Das alte Mißverständnis von „Aug um Auge“, der Gebrauch des Worts „alttestamentarisch“ im Sinne von unflexibel, unversöhnlich, drakonisch, der inflationäre Gebrauch von Worten wie „Vergeltungsschlag“ oder „angedrohter Vergeltung“, auch wenn es diese gar nicht gab – protestiert dagegen jemand außer den üblichen Verdächtigen?

Mir kommt es immer so vor, als wäre das Ausmaß der Hilfe, das Israelis Palästinensern angedeihen lassen, im Ausland unbekannt.

Ist es wirklich allgemein bekannt, daß israelische Krankenhäuser Palästinenser und ARaber aus anderen Ländern, auch Iraner, behandeln, oft umsonst oder finanziert von jüdischen Wohltätigkeitsorganisationen? Ist es bekannt, daß die Sanitäter der israelischen Armee täglich Palästinensern Hilfe leisten, nach Verkehrsunfällen oder bei anderen Notfällen?

Es ist also allgemein bekannt, daß sich Israelis und Palästinenser gegenseitig Organe spenden, daß arabische und jüdische Ärzte und Krankenpflegepersonal zusammenarbeiten und so weiter.

Das freut mich sehr. Ich hatte bisher immer eher den Eindruck, daß die meisten Leute außerhalb von Israel glauben, all diese Dinge sind unmöglich…

5. Lila - März 20, 2011, 10:19

Liebe Silke, genau das hat unsere Religionslehrerin uns auch erzählt (Frau des Pfarrers, konnte Hebräisch und hat uns gründlich über Judentum unterrichtet, also keine Ignorantin). Judentum ist die Religion des Gesetzes (und damit der Ahndungen bei Übertretungen), Christentum die Religion der Liebe. So haben wir das auch gelernt, aber es ist schon eine Weile her.

Daß schon in der Hebräischen Bibel steht, man soll seinen Nächsten lieben wie sich selbst, hat sie uns nicht erzählt.

Ich habe leider ein sehr gutes Gedächtnis und kann mich an die Schulstunden noch sehr genau erinnern. Ich könnte rückblickend den Religionsunterricht sämtlicher Schuljahre rekonstruieren. Ich hatte nämlich immer gern Reli und hab gut aufgepaßt.

Das Judentum kam nicht schlechter weg als der Islam (über den wir auch gelernt haben – die Lehrerin hatte so ein Doppelheft über Islam und Judentum bestellt, wo man zB eine Moschee basteln konnte, und wo die Sieben Säulen des Islam erklärt wurden) oder gar der Katholizismus.

Aber irgendwie kamen wir evangelischen Christen immer am besten weg 😀 Teuflischer Zufall, wie man so sagt…

6. Zahal - März 20, 2011, 12:30

3. Silke – März 20, 2011, 10:10

Dabei ist das nur eines von vielen Fehlübersetzungen. Wenn Euch diese Dinge interessieren, lest mal Pinchas Lapide, der hat das sogenannte Alte Testament in die ursprünglich hebräische Fassung zurückversetzt und den richtigen Sinn erfasst und erklärt, zudem auch die vielen Fehlübersetzung im Neuen Testament.

Ich habe darüber einen Gastbeitrag bei Quotenqueen geschrieben, der heute Abend veröffentlicht wird und werde weiter schreiben. Hier der Auszug:

Auf mehrfachem Wunsch möchte ich einige Fehlübersetzungen und Sinnentfremdungen, die bis heute auch im alltäglichen Leben (selbst bei Atheisten, Agnostikern und Ähnlichen) ihren Eingang gefunden, sich breit gemacht haben und sprichwörtlich angewandt, ja selbst als geflügelte Worte verstanden werden, auf ihre Ursprungsaussage zurückführen.

Pinchas Lapide ist es unter anderem gelungen, viele der vor allem hebräischen Texte der Tora, aber auch neutestamentarischen Texte im ursprünglichen Sinn vorzustellen und auf diesen eigentlichen Sinn, der sich dann auch wieder erschließt, aufmerksam zu machen.

Trotz Aufklärung, trotz der Erkenntnis, dass die Bibel an sich, sei es das sogenannten Alte Testament (schon dort liegt die erste Fehldeutung, denn was bedeutet Testament? Für die Juden ist es Lehre oder Weisung) sei es das Neue, sich aus einer Vielzahl von Autoren und Geschichten zusammensetzt, dass der Urtext (Tanach) im hebräischen Original (mit einzelnen aramäischen Passagen) erhalten geblieben ist, die „Septaguinta“ eine Übersetzung ins Griechische ca. 270 v.u.Z. in Alexandria vorliegt, die zwar von den Christen sehr geschätzt, von den Juden aber wegen ihrer vielen Fehlübersetzungen abgelehnt wird und man sich vor Augen halten sollte, in welchem geschichtlichen Kontext dies alles geschrieben wurde.

Bitte – das soll kein theologischer Beitrag werden, ich versuche nur die Fehldeutungen aufzuzeigen, die sich bis heute als fatale Missverständnisse herausgestellt und verheerende Folgen hatten und manchmal sogar noch haben.

Das Schlimmste von allen: Auge um Auge – Zahn um Zahn.

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass in Presse, Rundfunk oder Predigten unter diesem Motto auf die „alttestamentarische Strenge“ oder „Gesetzesstarrheit“ hingewiesen wird. Von dem jüdischen Rachegott ist es dann nur ein gedanklicher Katzensprung zur „grausamen Vergeltungsmoral der Juden“, so dass das sogenannte „Talionsgesetz“ zu einem der Lieblingsklischeè nicht nur für Journalisten geworden ist. Dabei müsste doch schon im Zusammenhang mit dem israelischen „Sklavengesetz“ diesem Missverständnis der Zahn gezogen sein:

Die geringste Beschädigung, bzw. Verletzung des Auges oder auch nur eines Zahnes gewährleistet nämlich den „alttestamentarischen Frontarbeiter“ die sofortige Freilassung (Ex 21, 26f). Und dieser Sinn sollte sich bei einem freien Israeliten nicht bewähren? Auch die sprachliche Gestalt der Wendung in der hebräischen Bibel schließt diese Deutung einer austauschbaren Gleichwertigkeit aus.

Dagegen ist gemeint: Der Schädiger muss dem Beschädigten etwas geben, das an Stelle des Gliedes oder des Organs tritt, das nicht mehr die voll Funktion erfüllen kann, der Richter setzt die Höhe der Wiedergutmachung fest, die der Täter seinem Opfer zu leisten hat, wobei dem Täter die private Vergeltung entzogen wird (Ex 21,1), folglich muss jemand, der seinen Mitmenschen eine Verletzung schlug, nicht selbst eine erhalten, sondern einen Gegenwert, oder eine richterliche Ersatzzahlung leisten, kurzum diese bibelwidrige Verzerrung in ein angebliches „Rachegebot“ fußt auf drei sachlichen Fehlern:

1.) Rache ist wie gesagt in der hebräischen Bibel ausdrücklich verboten: Sei nicht rachsüchtig – sondern liebe Deinen Nächsten wie dich selbst (Lev.19,18) und ist keine Erfindung des Christentums, denn Jesus bezog seine Lehre aus dem Tanach. Dieses Grundgebot wird noch durch das Wort verstärkt: Mein ist die Ahndung (nicht Rache), spricht der Herr (Dt. 32,35) oder auch: Du sollst nicht vergelten. (Lev. 19,18)

2.) Der Urtext lautet: Wenn aber Lebensgefahr droht, so gib Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn (Ex.21,23f) Also nicht vom Geschädigten ist hier die Rede, der Rache oder Vergeltung nehmen soll, sondern vielmehr vom Schädiger, der vor dem Richter Wiedergutmachung leisten muss.

3.) Das Schlüsselwort in der hebräischen Bibelstelle „tachat“ heißt gar nicht „um“ oder „für“, sondern „anstelle von“, daher hat Buber diese Stelle sowohl sinngetreu als auch textgemäss übersetzt: Geschieht also das Ärgste aber, so gib Lebensersatz für Leben, Augenersatz für Auge, Zahnersatz für Zahn.

Mit anderen Worten: die humanitäre Universalregel „Maß für Maß“, die auch Jesus dreimal empfiehlt (Mt 7; Mk 4,24; Lk 6,38;) wird zum Rechtsprinzip der Geldentschädigung und des Schmerzengeldes in allen Fällen von Körperverletzung erhoben.

Nur in diesem Sinne der Abgeltung durch Schadensersatz wurde dieser Bibelvers im Judentum lange vor Jesus verstanden und auch angewandt, wie der Talmud (BQ 83b-84a, Ketubot 38a) deutlich beweist.. Indem die hebräische Bibel den Einzelnen an den Richter verweist, hat sie dadurch das Verlangen nach Vergeltung auf das Ausmaß des erlittenen Schadens begrenzt. Dies bezieht sich auf jeden Menschen, mit dem man im Umkreis des Zusammenlebens jeweils unmittelbar zu tun hat, denn darin ist auch der „Fremde“, der „Nächste“ in gleicher Weise einbegriffen (Lev 19,33;)

Das verpönte Talionsgesetz ist also ein wesentlicher Fortschritt gegenüber der Wüstenethik der vorbiblischen Zeit (Blutrache ect.) und der erste wesentliche Schritt zu einer allmählichen Verfeinerung der menschlichen Moralität, wie sie später auch bei vielen Propheten zum beredten Ausdruck kommen wird.

· Im zweiten Teil wird es um: „Macht Euch die Erde untertan“ gehen, um „Wer dich auf die rechte Wange schlägt“ und „Hassen und Lieben“ und „Perlen vor die Säue werfen“, all diese Aussagen wurde in schlechtes Griechisch übersetzt, um später noch einmal ins Lateinische (Vulgata) übersetzt zu werden und dann durch Luther Eingang in allen reformatorischen Lehren zu finden, heute aber hat man die Möglichkeit, den Sinn in ihrer Originalsprache zurückzuversetzen um endlich längst fällige Missverständnisse aus der Welt zu schaffen.

Shalom

PS: Ähnlich ergeht es dem deutschen Wort: Frieden, das weder mit Shalom deckungsgleich ist, noch mit irgendeinem anderen deutschen Wort ganz auf seine Rechnung kommt – die eigentliche Aussage aber wäre einen eigenen Beitrag wert

7. Malte S. Sembten - März 20, 2011, 12:58

Es ist keine Geschichte für die Massenmedien, keine Geschichte, die man außerhalb von Israel lesen wird, weil es ja eigentlich Alltag sein sollte, daß einer dem anderen hilft.

Nein, es ist deshalb keine Geschichte, die man außerhalb von Israel lesen wird, weil man außerhalb Israels nur Geschichten hören will und wahrnimmt, die das umgekehrte Bild zeichnen. So wie die im „Spiegel“ vor wenigen Jahren mehrseitig aufgemachte Story eines Palästinensers, der die Organe seines bei einem israelischen Militärschlag umgekommenen Kindes einem todkranken israelisch-jüdischen Kind spendete. Das ist natürlich, falls es so stimmt, spektakulär, aber wenn das getötete Kind ein jüdisches Siedler-Kind gewesen wäre und das todkranke Organempfänger-Kind ein Palästinenser, hätte die hiesige Presse dazu geschwiegen, obwohl es ebenso spektakulär gewesen wäre.
Dabei kommt mir der Gedanke: vielleicht hatte der palästinensische Vater des getöteten Kindes ja ein Erlebnis wie das oben von Lila geschilderte oder wusste aus seiner großen Verwandtschaft von einem solchen; daher seine großartige, versöhnliche Entscheidung.
Und doch fragt man sich, warum trotz derartiger Erfahrungen ein solcher Hass der Palästinenser auf die Israelis herrscht. Vermutlich dürfen Palästinenser wie die Frau, deren Kind entbunden wurde, gar nicht offen über eine solche Erfahrung reden – dafür sorgt die Hamas. Und ich glaube nicht, dass das gerettete Baby wirklich Jude heißen wird. Mit diesem Namen wäre ihm in den „Palästinenser-Gebieten“ kein langes Leben beschieden.

8. Lila - März 20, 2011, 13:15

Lieber Malte, jeder Israeli, der einen Organspender-Ausweis hat (wie ich zB), der weiß auch, daß seine Organe nach medizinischen Kriterien weitergegeben werden (nicht als würde ich jemandem meine schrottigen, narbenbedeckten Nieren wünschen 🙂 ). Es ist schon oft vorgekommen, daß jüdische Organe an arabische Kranke gingen und umgekehrt. Das ist selbstverständlich.

War das hier der Film? Auch darum geht es um Organspenden – in beide Richtungen. Ich erinnere mich noch gut daran.

Ich korrigiere mich: im Film ging es nur um die Familie Khatib, nicht um die Jesners…

9. willow - März 20, 2011, 13:21

Damit es nicht untergeht –

Pinchas Lapide, „Ist die Bibel richtig übersetzt“

wirklich äußerst empfehlenswert.

z.B. bezüglich:

„Judentum ist die Religion des Gesetzes“

wird erläutert, daß „Gesetz“ nur eine Möglichkeit ist, den Begriff „Torah“ zu übersetzen, neben Lehre oder Weisung – die fast immer die bei weitem bessere Übersetzung darstellen würden….

10. Lila - März 20, 2011, 13:25

Richtig, Danke, daß ihr das aufgreift. Die Mißverständnisse sind einfach zu riesig. Die meisten christlich sozialisierten Menschen meinen nämlich, daß sie das Judentum kennen.

Ich weiß nicht, wie oft ich mir das Zeug schon hab anhören müssen mit dem Auge und dem Blut, das über die Juden kommen möge, und dem alten Bund, der durch den neuen Bund aufgehoben ist, und den Strafen Gottes, und dem bethlehemitischen Kindermord, und Barrabas, Barrabas…

11. Silke - März 20, 2011, 13:25

Zahal – 6

danke, ich hoffe, Du erreichst viele viele LeserInnen mit Deinem Beitrag. Nebenbei ich pflege regelmäßig in Kommentaren zu beklagen, daß Israelis so zurückhaltend beim Vergelten sind.

Übrigens habe ich mit einem Auge gesehen, daß der angebliche CIA-Agent in Pakistan gegen Zahlung einer Entschädigung freigekommen ist. Es gibt sie also noch, das in der Bibel (zuerst?) vorgeschriebene Verhalten.

Apropos Übersetzungen – ich bin einige Male drüber gestolpert, daß Luther-Text oder derzeitiger offizieller deutscher Text und King James weit auseinander klaffen.

Apropos Vergeltung – Yaacov Lozowick linkt zu einem Haaretz-Text zum letzten Bombenhagel aus Gaza, in dem dieser hübsche Satz zu finden ist

Hamas said – and to a certain extent justifiably – that Israel had exceeded the unwritten rules of the game. The Qassam had been fired by a marginal Palestinian group, and the accepted response would have been a bombing of empty Hamas offices or an escape tunnel without casualties.

Wenn Hamas seine Unterlinge nicht im Griff hat und die ballern, was das Zeugs hält, hoffend eines Tages doch einen voll belegten Kindergarten zu treffen, darf Israel nur unter Schonung von Hamas „militants“ vergelten.

Ich glaube, es wird eine geraume Zeit brauchen, bis ich das meinem Langzeitgedächtnis einverleibt haben werde.

12. yael1 - März 20, 2011, 13:51

„Die meisten christlich sozialisierten Menschen meinen nämlich, daß sie das Judentum kennen. “

Tja, die wissen meistens gar nichts, haben aber eine Meinung dazu und genau das ist oft unerträglich.

13. willow - März 20, 2011, 13:55

Tja Lila, aber offenbar geht es noch immer nicht zumutbar, normale Christen darauf hinzuweisen welches Wort im Origal dort steht, wo in ihrer Bibel „mein Lehrer“ oder „mein Meister“ übertsetzt wurde…

14. Malte S. Sembten - März 20, 2011, 14:02

@ 8. Lila – März 20, 2011, 13:15

Das Organe israelischer Inhaber von Spenderausweisen nach medizinischen Kriterien zugewiesen werden, ist schon klar. Aber zählen zum potentiellen Empfängerkreis auch Menschen, die keine israelischen Staatsbürger sind? Eurotransplant verteilt Organe ja auch nur an Bürger von Ländern, die der Eurotransplant-Zone angehören.
Aber Spenderausweise sind eine Sache.
Eine andere Sache ist es, wenn trauernde Eltern die Organe ihres toten Kindes freigeben. Den eigenen größtmöglichen Trauerfall zum Glücksfall für Fremde zu machen, das verlangt Größe. Noch mehr Größe verlangt es, die Organe des eigenen, vom „Feind“ getöteten Kindes dem „Feind“ zu vermachen. Ich glaube nicht, dass es viele Palästinenser oder viele jüdische Siedler gibt, die Organe ihres vom „Feind“ getöteten Kindes an die jeweilige Gegenseite spenden würden.
Im Allgemeinen weiß natürlich der spendebereite Hinterbliebene gar nicht, an wen die freigegebenen Organe gehen. Ich entsinne mich auch nicht mehr der Erklärung in dem genannten „Spiegel“-Artikel, wie es kam, dass der Vater die Organe seines Kindes so „gezielt“ spenden konnte.
Aber an den „Spiegel“-Artikel selbst erinnere ich mich immerhin – hingegen erinnere ich mich nicht, im „Spiegel“ oder in einem anderen deutschen Printmedium jemals (zumal in derartiger Aufmachung) von Fällen israelischer Hilfsbereitschaft und Großherzigkeit gegenüber Palästinensern gelesen zu haben. Was nicht bedeutet, dass es solche Fälle nicht gibt – im Gegenteil. Es bedeutet nur, dass solche Fälle nicht ins von deutschen Journalisten propagierte und liebgewonnene, überaus einseitige Weltbild passen.

15. Malte S. Sembten - März 20, 2011, 14:10

Nachtrag zu 14:

Ich spreche NICHT von Organspenden von Israelis an Israelis, egal ob Araber oder Juden oder Christen oder Atheisten. Sondern von Spenden zwischen Israelis und Palästinensern.
War vielleicht der Vater aus dem „Spiegel“-Artikel kein Palästinenser, sondern ein israelischer Araber? Warum kam dann sein Kind bei einem israelischen Angriff zu Tode? Ich erinnere mich nicht mehr genau genug an den Artikel …

Ist aber auch egal für das, worauf ich hinaus will: die hiesige einseitige, parteiische „Berichterstattung“.

16. Lila - März 20, 2011, 14:17

In israelischen Krankenhäusern werden sehr viele Palästinenser behandelt, wie das genau gehandhabt wird, weiß ich nicht. Hab auch leider keine Zeit, nachzuforschen….

Hast Du meinen Link angeguckt? Ich stell ihn noch mal rein. http://en.wikipedia.org/wiki/Yoni_Jesner_and_Ahmed_Khatib

War das der Fall, über den Spiegel berichtet hat? Der Junge aus Jenin wurde versehentlich von Soldaten erschossen und in Haifa noch versucht, sein Leben zu retten (war die Sache mit dem Spielzeuggewehr).

After his death his parents donated six of their son’s organs to four Jewish and two Arab citizens of Israel.

Der Vater gehörte noch zu der Generation vor der Intifada, mit echten Kontakten nach Israel (hab ich mal drüber geschrieben, nach einer Reportage von Yoram Bin Nur, glaub ich…hier und nochmal Bin Nur hier – ich seh den Mann wirklich gern, zynisch, ignorant und paranoid, wie ich nun mal bin 😀 )

Ahmed’s father Ismail used to work as a motor mechanic in Israel together with Israeli Jews for many years. His knowledge of ordinary people, his co-workers from Israel, helped Ismail to make his decision about the organs donation.

17. Malte S. Sembten - März 20, 2011, 15:29

@ 16 Lila:

Bin Deinem Wiki-Link gefolgt. Gut möglich, dass der von mir erwähnte „Spiegel“-Artikel von Ahmed Khatib (2005) handelte; es könnte so lange her gewesen sein. Im Online-Archiv des „Spiegel“ habe ich den Beitrag nicht gefunden, dafür aber einen kurzen, unerwartet fairen Bericht von SPON über einen israelisch-deutschen Dokumentarfilm zur Causa Khatib. Fair – aber leider überhaupt nicht so hoffnungsvoll, wie der Vorgang zunächst scheint:

(…) einfach macht es sich der Film nicht. Schon die ersten Szenen sind alles andere als herzerwärmend: Es sind Bilder des toten Ahmed, der aus der Leichenhalle des israelischen Hospitals in einen Krankenwagen gebracht und zu seinen Eltern ins Westjordanland gefahren wird. Dort schart sich neben der weinenden Familie sofort eine Menschenmenge um die Leiche, wickelt sie in eine palästinensische Flagge und trägt sie durch die Stadt. „Hebt den Märtyrer hoch“, ruft die Meute wütend. Und: „Jeder Tote wird mit hundert gerächt“. (…) Auch der Vater [von Ahmed Khatib], der im Mittelpunkt des Filmes steht, ist nicht einfach ein heiliger Edelmann. Es sei ein Akt der Menschlichkeit gewesen, sagt er, „mit Politik hat das nichts zu tun“. Doch später sagt er auch, seine Menschlichkeit sei als Widerstand zu verstehen. „Glaubst du, es hat den Israelis gefallen, was ich getan habe?“, sagt er. (…) Ismael Khatib glaubt an keine Aussöhnung, genauso wenig wie der strenggläubige Jude Jakoov Levinson, dessen Tochter von Ahmed eine Niere bekommen hat. (…)

Puuhh … Dennoch sehr lesenswert! Komplett und mit Filmausschnitten unter:

http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,623206,00.html

18. Zahal - März 20, 2011, 17:42

Hier auch noch eine „andere“ Babygeschichte, die jene, die ausschliesslich den Israelis die Schuld an der Armut der Araber geben, wie so oft widersprechen.

Sie sind nur Verschiebemasse in dem schmutzigen Spiel:

Khaled Abu Toameh
Übersetzt von Karl Pfeifer

Der 11jährige palästinensische Junge Mohammed Nabil Taha, ist diese Woche am Eingang eines libanesischen Spitals gestorben, nachdem sich die Ärzte weigerten ihm zu helfen weil seine Familie eine medizinische Behandlung nicht bezahlen konnte.

Der tragische Fall von Taha wirft ein Licht auf die Notlage von Tausenden Palästinensern, die in armseligen Flüchtlingslagern im Libanon leben und die Opfer eines Apartheidsystems sind, das ihnen den Zugang zu Arbeit, Erziehung und medizinischer Versorgung verweigert.

http://www.juedische.at/TCgi/_v2/TCgi.cgi?target=home&Param_Kat=27&Param_RB=69&Param_Red=13735

19. Paul - März 20, 2011, 21:58

Zu 4 Lila

„Mir kommt es immer so vor, als wäre das Ausmaß der Hilfe, das Israelis Palästinensern angedeihen lassen, im Ausland unbekannt.“

Lila, ich kann nur für mich sprechen. Über diese Hilfe und dieses Ausmaß wusste ich nichts, bevor ich es hier in Deinem Blog gelesen habe. Leider muss man davon ausgehen, dass andere weniger am Thema interessierte, dies erst recht nicht wissen.
Diese Hilfeleistungen werden also ausserhalb Israels im Wesentlichen nicht wahrgenommen. Sie werden auch von den Palästinensern nicht dankend erwähnt.
Nun ist bekannt, dass für Journalisten nur eine schlechte Meldung eine gute Meldung ist. Dieser Fakt gilt generell und verhindert natürlich auch die Verbreitung derartiger guter Nachrichten.
Ich halte es schon für einen Erfolg, dass wenigstens die Raketenangriffe, die vor einigen Jahren noch totgeschwiegen wurden, jetzt in den Berichterstattungen erwähnt werden.
In Bezug auf Öffentlichkeitsarbeit hat die Israelische Botschaft eine große Verpflichtung. Sicherlich ist das ein Kampf gegen Windmühlen. Es ist aber sehr notwendig diesen Kampf zu führen.

20. Paul - März 20, 2011, 22:21

Zu 6 Zahal

Ich bin erst jetzt dazu gekommen hier in Lilas Blog zu lesen.
Meine Erfahrung hat sich wieder mal bstätigt, auch wenn die „Karawane schon weiter gezogen ist“, lohnt es sich die Kommentare zu lesen.
Danke Zahal für die Richtigstellung des weitverbreiteten Irrtums, „Aug um Aug“ und „Zahn um Zahn“ habe etwas mit Rache und Vergeltung zu tun.
Juristen bezeichnen diese Umstellung des Rechts als eine wahrhaft revolutionäre Veränderung. Auf dieser Grundleige sei unser heutiges Recht überhaupt erst denkbar und möglich geworden.
Aber so gut wie Du hätte ich das nicht darlegen können. Danke für Deine Ausführungen.

21. Silke - März 20, 2011, 22:32

die israelische Botschaft bietet mehrere Newsletter – äußerster rechter Knopf in der oberen Leiste – dank Übersetzung kommen die Nachrichten a bisserl verspätet, aber sie kommen.

http://berlin.mfa.gov.il/mfm/web/main/missionhome.asp?MissionID=88

22. yael1 - März 21, 2011, 1:00
23. Urs - März 22, 2011, 14:12

War heute ein Thema in der Gratiszeitung «20 Minuten». Mit dem selben Foto (?!). Der gedruckte Artikel ist ausführlicher. Sonst Online: http://www.20min.ch/news/ausland/story/Baby-gerettet-25741316


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s