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Gegen meinen Willen… Februar 28, 2011, 9:58

Posted by Lila in Uncategorized.
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… als kritischer Freund und andere sind schlimmer.

Ahmed Tibi muß sich nun für die Besuche arabisch-israelischer Politiker in Libyen rechtfertigen. Kein leichtes Stückchen, es ist ja nicht so, als hätte keiner gewußt, was für ein herziges Kerlchen er ist. Tibi versucht es aber.

Erstens haben die Libyer ihn eingeladen, es war nicht seine Initiative.

„The visit by the Higher Arab Monitoring Committee in which I participated was at the invitation and initiative of the Libyan ambassador in Jordan, Dr. Mohammed Merghani [on behalf of Col. Muammar Gadhafi] … The visit has to be judged by the intention, which was to bring up the issue of the Arab minority [in Israel] and its needs.“

Zweitens waren sie als kritische Freunde da und haben Mißstände erbarmungslos angeprangert.

„I admit the connection with the Arab world is one that involves non-democratic regimes. There’s a difference between visiting and being loyal to or trailing after one regime or another. I am saying clearly and unambiguously that a visit does not constitute an expression of support for Gadhafi’s policy in Libya – and such things were said there. For example, I personally expressed criticism of the backwardness in the world as a result of certain regimes, and the fact that rights are not granted to citizens. And we said that the role of the revolutions that erupted and overcame colonialism in the Arab world has been to give freedom and liberty and democracy to the Arab world.“

Und drittens: in Israel ist die Lage schlimmer als in Libyen.

„In Israel there is ethnic democracy: democracy for 80 percent of the public and exclusion and discrimination for 20 percent, and a regime of oppression and dictatorship in the occupied territories. I and my colleagues, my fellow Arab Knesset members, are sitting just a few meters away in the plenum hall from Israelis who have killed members of our people and are imposing a regime of occupation. Will anyone say this testifies to support for their deeds? This is a compromise of ours because we must make our voice heard. We must speak out on every platform and in every arena. I think Israelis shouldn’t boast of their democracy as compared to Libya, but rather as compared to Sweden, Norway and France. I want the inhabitants of Taibeh to receive the same treatment as the adjacent Kokhav Yair and not be living as in a Third World country.“

Ja, es ist so grauenhaft, daß Tibi, der arme Kerl, schon seit Jahr und Tag in der Knesset rumlungern muß, statt weiter als Frauenarzt zu arbeiten (er soll ausgezeichnet gewesen sein). Denn Araber haben in Israel einfach keine Chance. Wie viele arabische Parlamentsabgeordnete sitzen noch mal im französischen, schwedischen und norwegischen Parlament? Ich geh sofort mal googeln…

Fairerweise füge ich hinzu: Tibi übt so viel Selbstkritik, wie man je von ihm gesehen hat, und er hat durchaus manchmal recht, wenn er über Diskrimination gegen Araber klagt. Worüber ich auch schon geschrieben habe. Aber wer wäre in einer besseren Lage als Tibi, daran was zu ändern? Hat er mal gehört, wie sich Araber über ihn und seine Kollegen beschweren?

ETA: im Riksdag sitzen mehrere arabische Mitglieder, dem Namen nach zu urteilen. Sie gehören verschiedenen Parteien an. Beim Überfliegen fallen mir mehrere arabische Namen auf. Adan, Al Sahlani, Amin, Baylan, Dibrani, Güclü  und Kerimo (klingt türkisch), Kakabaveh… es sind bestimmt noch mehr. Sagen wir ein Dutzend? Im Riksdag sitzen 349 Mitglieder.

In der Knesset sitzen im Moment 14. Die Knesset hat aber auch nur 120 Mitglieder.

Und im Storting? Da sitzen auch nur 169 Mitglieder, ich hab leider keine Zeit, den auch noch zu flöhen.

Ich weiß auch, daß die Anzahl der Volksverteter nur ein Kriterium unter vielen ist. Ich weiß leider wirklich nicht genug über die Lage, Aufstiegschancen und Zufriedenheit der Araber in Frankreich, Norwegen und Schweden. Wenn Tibi sich über die Lage der Araber in Israel beschwert, dann muß er auch in Rechnung stellen, daß Israel auch von Arabern mit Terror überzogen und bedroht wird. Und als nicht legitim angesehen wird. Falls es also Ressentiments gibt, kommen die von beiden Seiten.

Kurz, ich glaube nicht, daß die Lage der Araber in Israel so schlimm ist, daß sie einen Bückling vor Ghaddafi rechtfertigt. Tibi mag das anders sehen. Wäre Ghaddafi in seinem Bett gestorben, als „Führer der Revolution“, hätte niemand ihn deswegen angepfiffen. So gesehen hat Tibi Pech gehabt.

Kommentare»

1. Naomi - Februar 28, 2011, 10:15

Lila –

vielleicht könnte man Tibi ja mal nahelegen, die arabischen Israelis bzw. die arabischen Jerusalemer Bürger zur Teilnahme an den Kommunalwahlen aufzufordern?

Mit ihrer Wählerstimme haben sie nämlich die Möglichkeit, ihre Vertreter in den Stadtrat zu wählen, der dann mehr und deutlicher ihre Interessen vertreten.
Dann gäbe es auch weniger Benachteiligungen bei den Arabern in Israel.

Aber so lange die arabischen Jerusalemer aufgefordert werden, Kommunalwahlen grundsätzlich zu boykottieren, haben sie halt auch keine Interessenvertreter.
Selbst schuld, kann ich da nur sagen …

2. Erik de Smidt - Februar 28, 2011, 10:16

Schau mal in die tweede kamer der Niederlanden rein: http://www.tweedekamer.nl/kamerleden/alle_kamerleden/index.jsp

3. Lila - Februar 28, 2011, 10:29

Sehr beeindruckend. DAS würde Tibis Herz erfreuen!

Naomi, ganz richtig, diese Wahlboykotte verstehe ich überhaupt nicht.

4. Silke - Februar 28, 2011, 10:53

bei diesem US-outfit, das lt. URL Jerusalemfund heißt, gab es mal ein langes Gespräch mit Tibi – mir sind bald die Ohren abgefallen, wie einer im ausland so über sein Land reden kann – aber wenn der anscheinend nicht mehr aktive Podcast „Permission to Narrate“ heißt …

http://itunes.apple.com/de/podcast/permission-to-narrate/id305982905

Die Ironie-Immunität ist jedenfalls bewundernswert, doch mein König des Narrativs in Sachen Libyen ist Jean Ziegler, der den Human Rights Preis und alles andere nur sich opfernd im Dienste der Soziologie gemacht hat. Darauf muß erst mal einer kommen, aber wer ansonsten vor keiner Verleumdung zurückschreckt, ist eben auch sonst ein kreativer Mensch.

Ich schätze, das hier gibt einen guten Eindruck http://www.youtube.com/watch?v=ehUPTdNLpLA

ich „kenne“ ihn auch von einigen dradio-Interviews und kann bezeugen, daß er vor nix zurückschreckt und Ahmad Tibi eventuell noch was von ihm lernen kann.

5. Silke - Februar 28, 2011, 10:59

und weil ich kürzlich was vom Auge des Sturms gefaselt habe:

Dry Bones Blog hat sich von mir inspirieren lassen 😉

Ich habe das Bild übrigens von dem Nobelpreisbuch eines Australiers namens Patrick White glaube ich und es ist kein angenehmer und sehr gefährdeter Platz. Nur, so lange es so bleibt, ist es gesünder als im WirbelSturm, schmaler Trost ich weiß und auch nicht das, was der Cartoonist in erster Linie meint (worin ich ihm übrigens 1000%ig zustimme)

6. Andreas Moser - Februar 28, 2011, 11:29

Ich hatte vor einiger Zeit schon zum „Leid der Palaestinenser“ geschrieben und darauf hingewiesen, dass die Lage der Palaestinenser in Israel wesentlich besser als die der Palestinenser in der West Bank oder gar in Gaza oder im Libanon oder Jordanien ist: http://andreasmoser.wordpress.com/2010/11/11/pogromnacht-palaestinenser/

7. yael1 - Februar 28, 2011, 15:41

Danke Lila, dass du den Kommentarstrang zu Schuldig oder nicht schuldig aufgehoben hast. Es war einfach unerträglich, was sich manche hier erlauben.

8. Silke - Februar 28, 2011, 16:56

von wem ist das Bild, das „Schuldig“ beendet hat ?

und wie könnte ich sowas allein rauskriegen? – ich finde solche Bilder toll, wo die Schöne im Sonntagsgewande inmitten von Schafskötteln und Ameisen gar lieblich aussieht.

Erinnert mich immer an die Begeisterung, in die Touristen verfielen, wenn sie nen echt arbeitenden Esel sahen …

9. boxi - Februar 28, 2011, 17:10

das bild ist meines wissens von fragonard jean-honore…

10. Lila - Februar 28, 2011, 17:11

Fragonard, das kokette 18. Jahrhundert. Marie Antoinette, Trianon, Schäferspiele.

Ich mag das 18. Jahrhundert sehr, sehr gern. Wie gut tut es, die Aufklärer zu lesen, mit ihrem sicheren Glauben, daß man nur Bildung und gleiche Rechte zu geben braucht, um die Welt zu heilen. Der Glaube an die Vernunft, gepaart mit dem Kult des Gefühls.

Na ja, ich denke bei jedem Jahrhundert, wenn ich es angucke: also DAS ist das interessanteste 🙂

11. Silke - Februar 28, 2011, 18:09

apropos Vernunft: aus dem Medienticker vom Perlentaucher von heute:

Zitat des Tages
„Verrücktheit ist unendlich faszinierender als Intelligenz, unendlich tiefgründiger. Intelligenz hat Grenzen, Verrücktheit nicht.“ (Claude Chabrol)

12. Zahal - Februar 28, 2011, 21:42

Zu Tibi hat auch Bernd Dahlenburg etwas Treffendes geschrieben:

http://backsp.wordpress.com/2011/02/28/arabischer-aufstand-drangt-palastinensische-intelligenzija-in-die-defensive/

Bemerkenswert.

13. Silke - Februar 28, 2011, 23:11

Von wegen interessantes Jahrhundert – wie wär’s denn mit unserem augenblicklichen? (Lagerfeld hat übrigens auch mal irgendwo gesagt, das 18. sei’s) – hier ist ein hübsches Video vom „kleineren Leid“, das so ne Spielzeugrakete verursacht. Mittendrin ist ne Großaufnahme von so’m niedlichen kleinen Stahlkügelchen – wie kommt das nach Gaza, ich denke da herrscht Mangel an allem und jedem? Daß die es sich leisten können, solche Feuerwerkskörper zu verballern, erstaunlich.

Aber Israelis sind da dran gewöhnt und müssen sich in Sachen Frieden endlich etwas risikofreudiger zeigen. Die Forderung nach mehr Risikofreude war während der letzten Beace Brocess Runde sehr beliebt und wird von mir übersetzt als, „die sollen sich mal nicht so anstellen diese Feiglinge“ und an diesem Video kann man’s auch wieder sehen, unglaublich wie die sich haben wegen so ner Petitesse, da muß man doch ganz cool bleiben.

http://elderofziyon.blogspot.com/2011/02/video-damage-from-grad-rocket-beersheba.html

Monday, February 28, 2011

Video: Damage from Grad rocket, Beersheba
Here is some of the damage caused by the Grad rocket shot into Beersheba last week. Note the damage from the ball bearings in the missile, as buildings and cars are pockmarked.


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