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Sage mir, mit wem Du umgehst… Februar 27, 2011, 13:37

Posted by Lila in Lug und Trug, Presseschau, Uncategorized.
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… und ich sage Dir, wer Du bist.

Wer von Euch wußte, daß Ghaddafi jährlich einen Preis verlieh?

Und zwar einen internationalen Preis für Menschenrechte.

Nein nein, es ist noch nicht der 1.April, und ich habe es zu Anfang auch nicht geglaubt (obwohl bei Daniel Pipes gefunden, der sich keinen schlechten Scherz erlauben würde). Auch meiner Aufmerksamkeit entging die jährliche Preisverleihung bisher. Es gibt aber eine Website, sie existiert noch – hoffentlich dokumentiert jemand sie, bevor sie rausgenommen wird. Taufrisch ist sie auch nicht mehr und atmet den Geist der frühen 90er Jahre.  (Beachtet bitte die Tauben, die aus dem Logo flattern – sehr stimmungsvoll).

Dort findet sich auch die Liste der distinguierten Preisträger, manche davon im Westen als ehrenwert respektiert, so daß man sich fragt, wie sie in diese Gesellschaft geraten – andere davon hingegen „einschlägig bekannt“.

The honored Persons who were awarded the Alghaddafi Human rights Prize:-

1.The Great African freedom-fighter President Nelson Mandela (1989).
2. The Children of stones in Occupied Palestine                           (1990)
3. The Red Indians ( for the struggle of the Indian Nation)           ( 1991)
4. The African Centre for combating Aids                                      (1992)
5. The victim children of Bosnia & Herzegovina                            (1993)
6. The Union of Human Rights Societies and Peoples in Africa   (1994)
7. The freedom-fighter Ahmed Ben Bella and former Portuguese President Costa Gomez.                                                                    (1995)
8.The American Moslem freedom-fighter Louise Farakan                (1996)
9. The symbols of woman struggle for freedom & equality           (1997)
10 .Freedom- Fighter President Fidel Castro.                                (1998)
11. The Children of Iraq ,victims of hegemony and embargo      (1999)
12. Five symbols of national struggle and  defense for freedom and equality; Suha Bishara- joseph Kea Zirbo- Ivomor Ellis Ima –the Movement of September , The European Centre for the Third world.                                                                                                 (2000)
13. A group of  writers ,Men of letters ,outstanding Notables  nationals, Arabs and internationals (2002)
14. His Holiness Pope Shnoda the Third ,Pope of  Alexandria and the Patriarch of Karaza Almorgasia.                                                    ( 2003)
15. President Hugo  Chavez- President of Bolivarian Venezuela (2004)

Und der neuste Preisträger ist niemand anders als unser guter Freund und Nachbar, Erdogan. Er war im Dezember 2010 in Tripoli und holte sich den Preis ab. Seine Rede ist leider nicht überliefert. (Auszüge bei Pipes)

Und jetzt, ihr wißt es ja, mein ceterum censeo.

In der Auseinandersetzung um die Flotille hat die Welt ohne mit der Wimper zu zucken Erdogan geglaubt. Erdogan, ein Mann nach Ghaddafis Herzen. Ghaddafi, jetzt kennt ihr ihn ja etwas besser – das ist die Sorte Leute, mit denen wir zu tun haben. Das sind die Gegner. Das sind die Todfeinde Israels: Assad, Ahmedinijad, Nasrallah, ihr kennt sie.

Das sind die Leute, denen deutsche Journalisten und Politiker glauben. Eure Bundestagsabgeordneten haben einstimmig gegen Israel gestimmt (was ich keiner der Parteien dort verzeihen werde), ohne uns anzuhören. Eure Medien haben uns erbarmungslos als Lügner dargestellt. Ohne zu zögern.

Aber das, meine Lieben, ist die Schlachtordnung. Auf der einen Seite stehen wir, ziemlich allein.

Auf der anderen Seite Ghaddafi, Erdogan und die türkische IHH-Gruppe (auf deren Website Israel bereits von Palästina abgelöst wurde), die BBC, Al Jazeera (deren Berichte die ZEIT glaubwürdiger findet als unsere Angaben), Amnesty International, der Bundestag, die UN mit ihrer Menschenrechts-Spielschar (ja, Libyen ist dabei), und die gesamte arabische Welt mit Schaum vor dem Mund. Mit Blut, mit Geist, schreien sie, werden sie Palästina erlösen. Itbach al yahud!

Jetzt sagt mir aber selbst – fühlt ihr euch wohl in der Gesellschaft, in der ihr euch wiederfindet? Fühlt ihr euch nicht ein bißchen benutzt, angeführt, eventuell gelackmeiert? Wäre es nicht besser, beim nächsten Mal, wenn Israel von Leuten, die mit Ghaddafi Brüderküsse tauschen, unglaublicher Verbrechen angeklagt wird – wenn man dann mal wenigstens einen Moment Luft holte, um zu prüfen, ob sie nicht vielleicht – lügen?

Ghaddafis Website zum Menschenrechts-Preis ist eine einzige Lüge, mit Honig überzogenes pures Gift. Hätte ich diese Seite vor einem Monat entdeckt und hier vorgestellt, wäre garantiert ein gutherziger Leser gekommen und hätte gesagt: nun, er hat es doch nun kapiert, guck mal wie schön… ach, der Ghaddafi hat sich ja total gewandelt… Menschenrechte sind doch universal… wir sind doch alle nur Menschen, die in Frieden leben wollen…

Aber dem ist nicht so. Es gibt Menschen, deren Wunschvorstellung eine Karte ohne Israel einschließt, die haben große Übung darin, genau die Wortwahl, die Terminologie zu benutzen, die direkt ins weiche Herz der europäischen Schönen Seelen zielt. Wie das wehrlose Opfer eines Heiratsschwindlers dem Glitzern des Rings nicht widerstehen kann, so kann der normal sozialisierte Mitteleuropäer dem Sirenengesang der Menschenrechts-Slogans nicht widerstehen.

Der von Hamas-Sympathisanten ausgesandte IHH-Terrorist mit dem Shahid-Video, der Tasche voll abgelaufener Medikamente  und der Eisenstange ist ein armes Opfer, weil er die richtigen Vokabeln stammelt. „Humanitäre Hilfe… Menschenrechte… arme Kinder in Gaza, von Israel drangsaliert…“ Und unsere Soldaten, mit ihrer Ausrüstung für die Auflösung von Demonstrationen vollkommen falsch vorbereitet, beziehen Prügel, bis sie sich irgendwann wehren.

Der Tirkel-Report ist glaubwürdig, aber nicht in den Augen eurer Politiker und Journalisten. Der türkische Report ist getürkt, aber nicht in den Auge eurer Politiker und Journalisten.

Recht ist Unrecht geworden, „Menschenrechts“propagandisten schießen Tausende von Menschen zusammen, und Wahrheit unterliegt der Lüge.

Ich glaube, ich werde die Bitterkeit dieser Flotillen-Tage, als ich nicht bloggen konnte vor Übelkeit und Hilflosigkeit, nie verwinden. Als die Mädchen im Fernsehe die Aufnahmen sahen, wie die Soldaten verprügelt wurden, fingen sie an zu weinen. Als ich die Schlagzeilen in den Medien sah, wußte ich, den Krieg um die öffentliche Meinung können wir nicht gewinnen. (Daß ich schon in der Nacht vorher wußte, daß das schiefläuft, half nicht).

(Hier eine Auswahl der oft tendenziös geschriebenen Berichte über Tirkel: ZEIT, Dnews, AG Friedensforschung, taz, Deutsche Welle…keiner von ihnen hat Israel wirklich geglaubt, sie verweisen auf die UNO als wirklich glaubwürdige Quelle – ja dieselbe UN-Menschenrechtsspielschar, in der Libyen sitzt! lest das Zeug mal kritisch!)

Niemanden interessiert mehr, was wirklich passiert ist. Israel ist auf die Rolle des verlogenen, brutalen Schurken festgelegt, keiner fragt sich: Moment mal, kann es nicht doch sein, daß Israel Recht hat?

Nein, die Urteile sind längst gefällt, es interessiert niemanden.

Aber erinnert Euch daran, wenn Ihr über Ghaddafi nachdenkt. Er ist unser Feind, Erdogan ist unser Feind, und Leute dieses Schlags haben das Narrativ über den Vorfall auf der Mavi Marmara zur Unkenntlichkeit verstümmelt.

Es tut mir leid, wenn ich euch besessen erscheine. Aber angesichts der laut scheppernd fallenden Masken unserer Todfeinde fragt euch mal: kann es nicht sein, daß ihr euch geirrt habt? daß Gut und Böse doch nicht so sonnenklar verteilt sind, wie eine Website mit flatternden Tauben glauben macht?

Kommentare»

1. Silke - Februar 27, 2011, 13:55

Erdogan hat das Ansinnen, den Preis zurückzugeben, empört zurückgewiesen. Ich glaube es war in der JPost. EoZ hatte es wohl auch.

und heute freigeschaltet in der London Times:

Überraschung!!!!

Now they tell us!!!

und wenn ich mich richtig erinnere, wurden in der zweiten der zwei Veranstaltungen, die ich dazu gehört habe, die Anwälte, die argumentirten, Libyen sei da aufs Übelste verleumdet worden und habe als Sündenbock herhalten müssen, mit so viel Respekt behandelt, daß ich es für nicht unwahrscheinlich hielt. (ich hab’s nicht nachgegoogelt, es war mir nicht wichtig genug, aber mich fasziniert, wie richtige Juristen argumentieren – ich glaube eine der beiden Veranstaltungen war bei Duke University.)

http://www.thesundaytimes.co.uk/sto/news/uk_news/People/article564089.ece

Lockerbie bomber ‘blackmailed’ Gadaffi for release

Abdelbaset al-Megrahi blackmailed Gadaffi into releasing him by threatening to expose the dictator’s role in the attack, it is claimed

2. Andreas Moser - Februar 27, 2011, 13:55

Ich bin weder ein Freund von Gaddafi, noch von Erdogan, aber man kann das ganze schon in die Perspektive rücken, wenn man sich erinnert, daß bis 2010 Gaddafi auch einigen Besuch aus der EU erhielt, die EU mit ihm Abkommen über die Flüchtlingsrückführung schloß und Libyen generell als ein positives Beispiel für die Abkehr vom Staatsterrorismus erwähnt wurde.

Das mindert nicht die Fehleinschätzung von Erdogan, aber er steht nicht mehr so singulär da.

In Bezug auf Libyen und ganz Nordafrika lagen wir fast ALLE falsch mit unserer Politik!

3. Marlin - Februar 27, 2011, 13:57

Diesen Artikel solltest Du vielleicht außerhalb deines Blogs veröffentlichen..

Hier hast Du ja die Mehrzahl der Leser hinter Dir.

Aber Selbstkritik erwartest Du doch nicht wirklich von den Gesamtdeutschen Gutmenschen? Die haben aus der Geschichte schließlich gelernt…

4. Silke - Februar 27, 2011, 14:02

ooops ich vergaß zu erwähnen, daß der vielgelobte Götz Aly in seinem Divan-Tagebuch während seiner Zeit bei Yad Vashem die Vorzüge einer wiederbelebten ottomanischen Hegemonie übers Mittelmeer gepriesen hat.

Götz Aly stammt aus ner türkischen Familie, die unter Friedrich dem Großen oder so in Berlin Karriere gemacht hat (ja, sowas gab es anno dunnemals ziemlich oft, von wegen Globalisierung iss was Neues). Aber das hat natürlich seine Sicht der Dinge in keinster Weise beeinflußt, i wo denn, iss ja so lange her und daß in der Familie irgendeiner noch den Ahnen als Vornamen trägt, auch vollkommen ohne Einfluß (derzeit ist es Aly selbst)
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0525/meinung/0060/index.html

Tja, man findet sie, die Israel dies und Israel das, in allen Ecken und allen Verkleidungen und manchmal denke ich, daß meine Mitkommentatoren an anderen Orten recht haben, wenn sie sagen, ordentliche Antisemiten seien ihnen irgendwie lieber, da könne man wenigstens was gegen tun.

5. Lila - Februar 27, 2011, 14:02

Marlin, ich weiß, jeder der anders denkt, will es ja gar nicht wieder und wieder hören… tut mir ja selbst leid… aber es ist so quälend zu wissen, daß man in Lebensgefahr schwebt und alle sagen: das bildet ihr euch nur ein, die wollen nur spielen, niemand meint es ernst… es klingt ja auch pathetisch…

Ich habe davon Albträume. Ist für mich nicht nur ein Gedankenspiel oder Spiegelgefecht.

6. Silke - Februar 27, 2011, 14:26

Andreas

als Erdogan den Preis seinerzeit annahm, war er noch durchaus Mainstream. Das jetzige nicht Zurückgebenwollen oder was auch immer, ist ne andere Geschichte.

7. Silke - Februar 27, 2011, 14:35

Lila

obwohl ich es weiß, kann ich es nicht oft genug hören …

obwohl meine Grundeinstellung immer pro war und mich die Verleumdungen größtenteils nicht erreicht haben, bin ich aus allen Wolken gefallen, als ich als totaler Internetneuling in Broder’s Kommentarthread auf dem Blog las, daß die ganze Jenin-Anschuldigung ein einziger Hoax war.

Mein reales Leben war dann etwas zu dominierend, doch als ich im März 2006 M&W Stück in der LRB las, da wußte ich, daß Voldemort einen Weg zurück ins Leben gefunden hat. Dann kam der Libanon-Krieg und seitdem ist mir schlecht vor Angst, wann iimmer ich richtig dran denke und daß Israel, ausgerechnet Israel vermutlich an erster Stelle vom drohenden Kladderadatsch sitzt, ist mir in seiner Ungerechtigkeit schier unerträglich.

Meine ganz große Hoffnung ist allerdings, daß Ihr Euch im Auge des Sturms findet und vielleicht sogar zur Schweiz des ME werdet. Ich hoffe, der Mossad arbeitet eifrig daran, so ne Variante von divide et impera auf die Beine zu stellen. Wenn die jemanden vorbeischicken, werde ich dem oder der jedenfalls gern zeigen, wo mein Pass liegt 😉

8. boxi - Februar 27, 2011, 14:46

liebe lila, ich kann deinem beitrag nur teilweise zustimmen. an manchen stellen klingt es ein wenig „überheblich“, auch wenn ich weiß, dass du das nicht so meinst.

erdogan und gaddafi auf eine ähnlivhe stufe zu stellen finde ich nicht richtig, auch wenn erdogan ebenso kein freund israels ist, er ebenso fehler macht.

„Jetzt sagt mir aber selbst – fühlt ihr euch wohl in der Gesellschaft, in der ihr euch wiederfindet? Fühlt ihr euch nicht ein bißchen benutzt, angeführt, eventuell gelackmeiert? Wäre es nicht besser, beim nächsten Mal, wenn Israel von Leuten, die mit Ghaddafi Brüderküsse tauschen, unglaublicher Verbrechen angeklagt wird – wenn man dann mal wenigstens einen Moment Luft holte, um zu prüfen, ob sie nicht vielleicht – lügen?“

ich finde es nicht richtig, dass so zu verallgemeinern. ich bin kein freund dieses landes, dieser medien, dieser politik, wir machen überall schwere fehler und beteiligen uns an der schaffung von armut, ausbeutung und tot. darunter leide ich deutlich mehr als das bekloppte verhalten von presse&co.

auch finde ich es ein wenig seltsam. vor kurzem haben sie die europäer kritisert, dass sie von mubarak sich schnell „abgegrenzt“ haben, man einen freund sowas nicht antun könne und das zeigen würde, wie wenig uns freundschaften wert sind. sie begründeten/rechtfertigten/legitimierten die menschenrechtsverbrechen in ägypten,da es einer der wenigen verbündeten israels war. jetzt kritisieren sie, dass „wir“ jemals uns mit gaddafi „unterhalten“ haben, vergessen aber, dass er für uns auch vorteile gebracht hat, die über erdöl hinausgehen. sichere grenzen sind da nur ein punkt. entweder ich übersehe da wieder was und mache mich so zum gespött von so manchen kommentator hier, aber ich kann es mit meinem wissen nicht nachvollziehen.

natürlich ist ein großer teil unserer politik nicht richtig gewesen, das wurde von meist minderheiten auch damals schon erkannt. aber im nachhinein ist man halt svhlauer, auch wenn wir nicht viel gelernt haben.

im übrigen ist es ja auch nicht so, dass wir fehlerfrei sind. wir verletzen ja auchenschenrechte, manche länder teilweise, manche länder extrem (siehe usa, china, russland,…). trotzdem haben wir noch kontakte zwischen ihnen. und es ist ja auch schwierig, die grenze zwischen einem diktator der uns nützt (siehe mubarak, hussein,…), ist halt schnell ein verbrecher,obwohl unsere politiker sich vorher noch wohlwollend die hand gegeben haben. ich finde das zumindest schwierig.

9. heplev - Februar 27, 2011, 14:48

So viel ich weiß hat auch der hoch gelobte Schweizer und UNO-Mann Jean Ziegler diesen Preis bekommen.

10. Silke - Februar 27, 2011, 14:48

und das, nur um mal wieder an die Perspektive zu erinnern, erscheint nicht mal als Nachricht, sondern nur als schmuckloser Tweet.

Geschähe das bei uns würde die von mir geschätzte BILD Tonnen von Honig draus saugen …

Mortar shell fired from Gaza this morning landed in Eshkol Regional Council, home to ~10,000 Israeli residents

11. Silke - Februar 27, 2011, 15:32

heplev
Jean Ziegler hat seine Verbindungen zu Ghadafi aus rein wissenschaftlichem Interesse als Soziologe im Dienste der Soziologie gepflegt und dann war er nur einer von vielen lt Wikipedia – link s. unten

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1395861/

http://en.wikipedia.org/wiki/Al-Gaddafi_International_Prize_for_Human_Rights

12. Silke - Februar 27, 2011, 15:41

boxi
Du machst immer das Gleiche:

Du schmeißt kleine Verbrecher und große Verbrecher und Unsägliche alle in einen Topf, rührst um und verkündest dann, alle seien gleich grauenhaft, als wenn Nagelschneiden, Fingerspitze abhacken und ganzer Arm alles gleich schuldig machen würde und wenn Du dann unfreundlich angegangen wirst, wirst Du wieder jammern, daß niemand sich die Mühe macht, Dich richtig zu verstehen ohne noch mal zurückzufragen oder überhaupt so ne Art auf die Couch legen mit Dir zu veranstalten.

Im Sinne von auf die Couch legen, gebe ich Dir hiermit den dringenden rat, daß falls es Dir nicht bloß um a bisserl Soft-Trollen hier geht und Du Wert darauf legst, von z.B. mir für erwachsen gehalten zu werden, daß Du Dein Wertesystem überarbeitest.

Wer immer der Guru Deiner Weltsicht ist, er oder sie ist ein Traumtänzer von der üblen Sorte, der ohne Bezug zur Wirklichkeit, ihren Zwängen und ihren Zwickmühlen äußerst von oben herab übers Menschliche urteilt.

Und last but not least: Jung sein unter amerikanischer Besatzung war himmlisch, so himmlisch daß alle Orte/Gegenden, die das Glück hatten, auch noch nach Besatzungsende Kasernen zu haben, dicke Tränen geweint haben, wann immer die Truppenzahl runtergefahren wurde.

Last but not least, ich kann mir nicht vorstellen, daß Du und ich aus den gleichen Gründen was gegen Sarrazin haben.

13. Gan-Chan - Februar 27, 2011, 16:11

Auch ich werde das nicht verzeihen und nichts vergessen. Die Bitterkeit der Flotillen-Tage haben meine Befuerchtungen bestaetigt. Ich haette nicht gedacht, dass sich so viele Menschen auf die Seite des Irrationalem, Unlogischen, Zerstoererischen, des Wegbereiters des Terrorismus schlagen. Seitdem bin ich auf der Suche nach Menschen und Orten, die sich diesem Irrsinn entgegenstellen.

Es gab mal T-Shirts mit Fadenkreuz und darin Ghaddafi mit dem Aufdruck „Get Ghaddafi!“ und die US Air Force flog Luftangriffe gegen diesen Diktator und seinem Terrorregime. Und ueber Nacht war die USA und der Westen ploetzlich befreundet mit Ghaddafi. Ueber Lockerbie wurde auch nicht mehr gesprochen. Auch der Terrorist Arafat ist so ein Beispiel. Vielleicht denkt Europa, dass man das Morden verhindert, wenn man nur viel Geld gibt. Man sieht was es bringt, wenn man sich Gaza, Samaria und Judaea ansieht.

Ich bin mir gar nicht mehr sicher, dass es nur um Geld und Macht geht. Fuer den einzelnen Diktator vielleicht. Vielleicht haben die meisten Menschen ein Gen in sich, dass das Streben nach Wohlstand, Glueck und einer besseren Zukunft fuer alle verhindert und stattdessen auf Zerstoerung setzt?

14. Gan-Chan - Februar 27, 2011, 16:16

Liebe Lila,

Was ich noch sagen wollte; ich halte Dich nicht fuer besessen, sondern fuer erleuchtet. Leider kommt es ja nicht so oft vor, dass jemand die Situation klar erfasst und auf den Punkt gebracht wiedergibt.

תודה!

15. boxi - Februar 27, 2011, 16:18

was (und vorallem wen) meinen sie mit großen und kleinen verbrechern? gibt es gute und böse? wo ist ihr unterschied zw. mubarak und gaddafi? können sie diese grenze ziehen und wo machen das fest? wenn es für sie so klar ist, erklären sie es mir, denn ich weiß es nicht. vielleicht fehlt mir dazu die erfahrung, das wissen,…
warum sollte man in manchen sachen nicht auch ähnliche vorstellungen, in anderen aber unterschiedliche haben?

16. Lila - Februar 27, 2011, 16:39

Boxi, kannst Du Dich nicht einfach mal informieren, bevor Du hier die Threads mit Deinen naiven Frage zuspammst? Du kannst doch mit dem Internet umgehen. Du bist hier nicht auf der VHS. Ich verlinke ohne Ende Websites. Lies mal einfach alle Links, das hast Du nämlich nicht, dafür war die Zeit viel zu knapp – lies Dich ein, und dann stell Fragen.

Informier Dich einfach mal selbst über Mubarak, Ghaddafi, was sie gemeinsam haben und was nicht.

Du glaubst mir doch sowieso nicht.

Sonst würdest Du nicht nach einem wirklich mit Herzblut geschriebenen Eintrag völlig am Thema vorbeit einwerfen, daß ich Dir aber sehr überheblich vorkomme.

Na und? Dann bin ich eben überheblich.

So what? Ändert das was an den Tatsachen?

Ich bin mein Leben lang arrogantes Arschloch genannt worden. Mit 46 Jahren kann ich Dir offen sagen: ich habe mir, im Gegensatz zu anderen, das Recht auf meine Arroganz redlich erarbeitet.

Die andere Seite meiner Arroganz ist Bescheidenheit. Die Themen, bei denen ich mir Kompetenz zutraue, sind eng umgrenzt:

mein Fachgebiet (Kunstgeschichte Mittelalter, Renaissance, Barock), deutsche Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, Häkeln, Erziehung von kleinen Kindern, Wäsche, freie Stickerei, Israel, Kuchenbacken (Kochen schon nicht)

Da kenn ich mich halbwegs aus und mache den Mund auf. Du wirst mich nicht über Dinge reden hören, von denen ich nichts verstehe, wie Autofahren, Nähen, Naturwissenschaften, Administration, Steuern, Gesetze, Bergsteigen, Musik, Gewichtheben, Tennis, Maschinenbau…

Ich meine, solange man für seine Überheblichkeit auch eine Quittung beibringen kann, kann man sie sich leisten, wenn man Mitte 40 ist.

17. boxi - Februar 27, 2011, 16:46

dann erkläre mir bitte welche aussage von mur falsch war? oder einfach: inwieweit ist gaddafi schlimmer als mubarak?

überheblichkeit ändert nichts an tatsachen, und bestimmt kannst du sie dir leisten.

18. Marlin - Februar 27, 2011, 16:51

Lila, was ich doch sage. Publizier mal den Artikel, dann erreicht er vielleicht einige mehr, die es in dieser Deutlichkeit eben nicht vermittelt bekommen von den Supi-ausgewogenen Medien.

Kannste ja anonym machen und ohne zuviel persönlichen Bezug.

Ich fände das „hilfreich“. 😀

19. Silke - Februar 27, 2011, 16:53

Lila – DU?????
ich glaub es nicht …
wie schön!!!!!!!!!
wieviel Geheimnisse doch so eine Autorin mühelos für sich behalten kann …

Ich bin mein Leben lang arrogantes Arschloch genannt worden. Mit 46 Jahren kann ich Dir offen sagen: ich habe mir, im Gegensatz zu anderen, das Recht auf meine Arroganz redlich erarbeitet.

und danke, daß du mir bei boxi zuvorgekommen bist –

habe ich eigentlich schon mal meine pesönliche Übersetzung von Sapere Aude hier verkündet?

SELBER denken macht SCHLAU

und boxi sollte sich das mit den geheuchelten Demutsgesten wirklich abgewöhnen. Das genau ist es nämlich, was mich vermuten läßt, daß er zur Kategorie der Soft-Trolls gehört.

20. Silke - Februar 27, 2011, 16:54

und noch was zu Lila – wie jung Du bist – ich könnte glatt Deine Mutter sein …

21. boxi - Februar 27, 2011, 16:57

oder ist das ermorden von menschen schlimmer als das foltern? oder die verstümmelung von über 35millionen frauen? wer kann denn da zwischen gut und böse, schlimmen und weniger schlimmen diktator entscheiden? ich kann es jedenfalls nicht.

22. Ausgerechnet Erdogan… « himmel und erde - Februar 27, 2011, 17:33

[…] Und auch dieser Hinweis passt dazu, der in einem „letter from rungholt“  aktuell zur Lage in Libyen beigesteuert wird:  „Sage mir, mit wem du umgehst…“ […]

23. mibu - Februar 27, 2011, 18:30

boxi,
glaubst du wirklich, dass Mubarak für die Verstümmelung von Frauen durch die unsägliche Praxis der Beschneidung verantwortlich ist ? Allein ? Mich würde ja wirklich interessieren, ob und welche Stellungnahme es von Mubarak zu dem Thema gibt. Wenn ich Samad richtig verstanden habe, ist sie eigentlich sogar verboten und wird dennoch praktiziert, Volksglaube.
Fällt dir wirklich kein qualitativer Unterschied zwischen Mubarak und Gadhafi auf ?
Ich stehe nicht auf dem Standpunkt, dass man Mubaraks Fehler unter den Teppich kehren soll, aber schon die Erpressung mit dem bulgarischen Krankenpflegerinnen, das Lockerbie-Attentat und die seltsame Haftentlassung des Attentäters, das Theater um die Behandlung seines Sohnes in der Schweiz, weil er dort Hotelpersonal scheisse behandelt, gibt doch schon reichlich Stoff sich vorzustellen wie er mit seinem eigenen Volk umspringt. Seine Reden, auch die seiner Söhne lassen darauf schliessen, dass er Libyen als sein persönliches Eigentum betrachtet, mit dessen Volk er umspringen kann wie er will. Er droht mit Mord, Totschlag und Bürgerkrieg. Nichts davon konnte man von Mubarak hören. Gadhafi hat nichts begriffen, absolut gar nichts – was bei einem solchen Egomanen wie ihm auch nicht verwundern kann. Ich bin ehrlich etwas baff …

24. mibu - Februar 27, 2011, 18:38

Und er droht ja nicht nur damit, er holt dafür Söldner aus dem Tschad und aus Mali, um gewissenlos auf das eigene Volk schiessen zu lassen. Irrsinn.

25. yael1 - Februar 27, 2011, 18:49

@Mibu, sehr schön, danke.

26. Silke - Februar 27, 2011, 19:22

mibu
für boxi ist geklaut geklaut und ob’s ein Pfennig oder ne Million war, wo ist da der Unterschied?

und ja ich glaube, zwischen den beiden ist ein Unterschied, obwohl ich lieber nicht genau wissen möchte, was in ägyptischen Gefängnissen abgegangen ist.

27. Margot - Februar 27, 2011, 19:58

Lila, Du hast so recht!
Ob die Weltgemeinschaft wohl ihre Schlüsse aus den derzeitigen Vorkommnissen ziehen wird? Mit einem so farblos-blassen Ban-ki-Moon sicher nicht. Libyen sitzt in der Menschenrechtskommission!! Wieso feuerte man ihn immer noch nicht?
Und Erdogan ist heute bei uns in Deutschland! Er wird wieder seine Reden vor den Türken schwingen und vielleicht Frau Merkel raten, endlich türkisch als Hauptsprache einzuführen …
Ich kann Deine Angst verstehen. Man stelle sich vor, um uns herum säßen nur Länder, die uns mißgünstig gesinnt sind und uns vernichten und verleumden wollen.
Am Israel chai!
Margot

28. mibu - Februar 27, 2011, 20:10

„Wieso feuerte man ihn immer noch nicht?“

Weil sich der lybische Vertreter inzwischen von Gadhafi distanzierte, wie dies inzwischen auch der lybische UN-Botschafter und sein Stellvertreter getan haben.

29. Lila - Februar 27, 2011, 20:13

Die wechseln die Farbe, während sie noch auf dem Baum sitzen – besonders schlaue Chamäleons. Vom Schlage des „immer schon dagegen gewesen“… teuflischer Zufall, daß sie gerade jetzt Bekennermut gefaßt haben…

🙄

30. mibu - Februar 27, 2011, 20:29

Erdogan ? … ach Erdogan ! … das ist der, der dem Westen vorwirft, nur ans Öl zu denken, weil ihm möglicherweise 15 Mrd. US$ türkischer Investitionen in Libyen davonzuschwimmen drohen.

31. mibu - Februar 27, 2011, 20:35

Lila, man kann’s so sehen, aber auch anders. Sie haben Familie und Verwandte, vielleicht sogar in Tripolis.

Lange Zeit während meiner Schulzeit war ich davon überzeugt, dass ich sicher gegen das dritte Reich gewesen wäre. Hat für reichlich Krach gesorgt. Aber was heisst das schon ? Von heute betrachtet, lässt es sich leicht sagen.

32. mibu - Februar 27, 2011, 20:47

Die Abstimmung im UN-Sicherheitsrat kam insbesondere unter dem Eindruck der Rede des lybischen UN-Botschafters zustande.

Wir sehen die Bilder aus Libyen, aber ich bezweifle, dass wir verstehen oder nachempfinden können, welche gesellschaftliche Dynamik die Menschen zu ihrem Widerstand ermutigt. Was in ihren Gemüter dadurch aufgebrochen wird, wenn sie plötzlich feststellen, dass so viele ihrer Mitmenschen die gleichen Gedanken und Gefühle gegenüber Gadhafis Regime haben.

Ich weiss nicht mehr ob ich es heute bei BBC oder bei AlJazeera gesehen habe:
Reporter betraten mit einem ehemaligen Häftling ein Gefängnis eines Ortes und der Mann erzählte von den Torturen durch die Wärter und Polizisten.

33. Lila - Februar 27, 2011, 21:04

Wir haben auch hier in Israel Leute, die dort gefoltert wurden. Übrigens auch Leute, die im ägyptischen Gefängnis gesessen haben – wie Azzam Azzam zB. Unerfreulich.

Tja, was den fliegenden Wechsel angeht – schwer zu sagen, ob es ihnen ums Gewissen oder Gesäß geht.

Ich würde hoffen, daß ich gegen das Dritte Reich gewesen wäre, aber wer kann dafür garantieren? Kommt auch ganz auf Alter und Elternhaus an. Unter den richtigen Umständen (an Idealismus appellieren und andere Schwächen, die ich an mir kenne) hätte ich auch Meisterhausfrau im Krampfader-Geschwader werden können, oder Kulturtante bei den Mädels, oder irgenwas anderes Unsportliches. Wer kann schon für sich garantieren? Da nimmt mancher den Mund ganz schön voll, der noch nie Zivilcourage zeigen mußte.

Trotzdem weiß ich nicht recht, was ich von diesen Leuten halten soll. Na ja, Ghaddafi ist ein Irrer, mit dem sich niemand anlegen will…

34. Silke - Februar 27, 2011, 21:13

auf die Gefahr hin, daß Lila mich rausschmeißt, hier ist ne kleine Erinnerung an Erdogan von kurz nach der Flotilla:

auch nicht übel und auf dieser Seite vielleicht eher mehrheitsfähig: Erdogan fällt vom Pferd kriegt einen ….autsch
http://www.israellycool.com/2010/06/06/and-now-for-the-turkish-prime-minister-being-kicked-in-the-groin-by-a-horse/

YouTube hat anscheinend diese Perle der befriedigenden Unterhaltung nicht mehr.

35. mibu - Februar 27, 2011, 21:31

Nun ja, ich weiss, warum ich vor diesen Viechern einen Heidenrespekt habe.
Aber die Türken habe sich da überhaupt eine Staatspitze zusammen gewählt, bei der man den Eindruck nicht los wird, dass es vor allem um ihren Unterhaltungswert ging: vor kurzem wurde bekannt, das Präsident Gül im Internet einen amerikanischen Film lobte. Zu diesem Zeitpunkt war der allerdings in der Türkei noch nicht erschienen … Da ich ein paar Türken kenne, kann ich mir die Witze schon in Breitwand vorstellen.

36. Peter - Februar 27, 2011, 23:59

Also Leute mit dem Lockerbie Attentat wäre ich vorsichtig wenn ihr mit dem Finger auf Ghadaffi zeigt.Das Verfahren sollte wieder aufgerollt werden und der Angeklagte hatte sehr gute Chancen auf Freispruch.Dann aber hat man sich aber auf diesen Kuhhandel eingelassen dass er krebskrank ist und zum Sterben nach Hause geschickt werden soll.Die Briten haben das Angebot dankbar angenommen ersparte es ihnen doch die Blamage eines Freispruchs.Lybien hat zwar die Entschädigungen gezahlt sich aber nie zum Attentat bekannt.Viele sagen es waren die Iraner wegen dem Abschuss einer vollbesetzten iranischen Passagiermaschine durch die USS Vincennes im persischen Golf im Jahre 1988.
Falls es jemanden interessiert
http://english.ohmynews.com/ArticleView/article_view.asp?menu=A11100&no=383550&rel_no=1&back_url=

37. boxi - Februar 28, 2011, 0:01

@mibu… natürlich gibt es einen unterschied zw. mubarak und gaddafi, das habe ich doch auch nicht bestritten. nur kann ich da nicht zw. gut und böse entscheiden, nicht zwischen kleine verbrecher und große. gleichsetzen würde uch beide nie.
deine herangehensweise ist ebenso eine andere als mir nur unwissenheit (die ich ja nichtmal abstreite) vorzuwerfen.
keine ahnung wie die haltung von mubarak war,aber als alleiniger herrscher, hat er auch eine gewisse macht. verharmlosen sie das bitte nicht. ich weiß, dass sich am ende auf druck von außen die „offizielle“ seite zum postivien geändert haben soll. aber auch gaddafi hat sich damals zum „positiven“ gewandelt.  hat lockerbie zugegeben, hat formal den terrorismus abgeschworen…. aber am ende bleibt er ein menschenverachtender mensch.und ich kann hier nicht den riesen unterschied festmachen zw. einem hussein und einem mubarak. auch wenn sie natürlich unterschiedlich waren.

@silke.. „für boxi ist geklaut geklaut und ob’s ein Pfennig oder ne Million war, wo ist da der Unterschied?“
keine ahnung was ich ihnen angetan hab, dass sie immer wieder von der seite mir worte in den mund legen, die ich nicht getätigt habe. warum antworten sie nicht direkt?

38. Heimo - Februar 28, 2011, 4:20

„Es tut mir leid, wenn ich euch besessen erscheine.“ – Nein – du hast vollkommen recht & sprichst mir aus der Seele! –
Übrigens – ich hatte zur Zeit des Flotillenvorfalls heftige Auseinandersetzungen im Freundes- bzw. Bekannten-Kreis, als ich gegen allgegenwärtige Pauschal-Verurteilung aufzuklären suchte..

39. Heimo - Februar 28, 2011, 4:37

naja, wenn Silke schon die alte Kamelle der drei Terrors reinstellt, dann hier auch nochmal der „We con the world“ song, den ich zu jener Zeit auch in einer Rundmail an meinen Bekanntenkreis verbreitete: http://www.youtube.com/watch?v=Ef1quYFXebc (ja kennen wohl die meisten hier bereits..)

40. mibu - Februar 28, 2011, 8:37

„In der Auseinandersetzung um die Flotille hat die Welt ohne mit der Wimper zu zucken Erdogan geglaubt.“ … langsam aber deutlich regt sich meine Erinnerung: das stimmt so nicht.

„Das sind die Leute, denen deutsche Journalisten und Politiker glauben.“ … dies auch nicht. Die ersten Bilder, die ich über das Internet sehen konnte, sah ich bei AlJazeera und zeigten deutlich, wie Aktivisten mit Knüppeln und Eisenstangen auf die Soldaten los gingen. Noch viel fragwürdiger wurde die Sache, nachdem einige Partei-Aktivisten der Linken Aussagen zum Verlauf des Enterns machten, obwohl sie von den Organisatoren unter Deck in einem Raum eingesperrt waren („zu ihrer Sicherheit“). Auch die Verstrickung der IHH ging hier durch die Presse. Die Reaktionen der politischen Spitze in der Türkei auf diese Aktion haben der Türkei mit ziemlicher Sicherheit in Europa nicht genutzt.

Lila, ich muss gestehen, dass ich manchmal den Eindruck bekomme, dass Du deine Sicht auf Auseinandersetzungen und Debatten hier für vollständig und uneingeschränkt richtig erachtest, z.T. weil sie von einigen hier begeistert bestätigt werden. Entweder haben wir hier im Süden eine völlig andere Betrachtungsweise als weiter nördlich in Deutschland oder es stimmt grundsätzlich etwas an manchen Darstellungen nicht.

41. Lila - Februar 28, 2011, 9:08

Mibu, hast Du den einstimmigen Beschluß gegen Israels Blockade des Gazastreifens vergessen? Der war eine Reaktion auf diese Flotillen-Geschichte.
http://www.welt.de/politik/ausland/article8277525/Regierung-begruesst-Beschluss-gegen-Gaza-Blockade.html

Und die von mir verlinkten Reaktionen auf den Tirkel-Bericht im Vergleich mit dem türkischen und dem UNO-Bericht zeigen doch recht deutlich, daß israelischen Darstellungen mit Skepsis begegnet wird und Israels Gegner immer grundsätzlich glaubwürdiger sind.

Ich bin immer froh und erleichtert, wenn Du anderes aus Deiner Welt berichtest, aber meine Familie in Deutschland hat von unverhüllter Feindseligkeit praktisch überall erzählt, vieles im Tenor von „jetzt hat Israel mich aber endgültig verloren“.

Wirklich, ich bin heilfroh, wenn Du sagst, das war nicht so. Ich habe nach wie vor das Gefühl, in Deutschland wird die Mavi Marmara nach wie vor als „Hilfsschiff“ von „Menschenrechtsaktivisten“ gesehen und auch so bezeichnet.

Korrigier mich weiter, das ist gut so. Aber ich wäre noch froher, wenn Du ein paar Mainstream-Medien-Kommentare in dem Sinne zur Hand hättest. Ich erinnere mich nur an Verurteilungen in aller Schärfe, noch bevor alle Tatsachen bekannt waren.

Jede Angabe Zahals wurde mit Zweifel begegnet und mit Gänsefüßchen versehen. Die Darstellungen der Türken dagegen wurden übernommen.

Wie gesagt, falls meine Wahrnehmung selektiv ist und verfälscht – ich freue mich über Korrekturen und zusätzliche Ansichten. Her mit den Journalisten, die Verständnis für Israel hatten! Vielleicht hab ich sie nicht mitgekriegt, weil ich mich damals abgekapselt habe.

ETA: Ein paar Links, noch mehr!, um die damalige Stimmung zu dokumentieren:

Lizas Artikel zum Thema, mit Links zu anderen Quellen

Äquidistanz im Tagesspiegel

Wergin – bestätigt Deinen Eindruck und ist meiner Meinung sehr nah, aber wie repräsentativ ist er?

Ein Leserbeitrag in der ZEIT mit vielen Links und dem Stimmungsbild in den Kommentaren, das ich so gut kenne

Und eine Sammlung von ZEIT-Artikeln zum Thema

Und Links zu SPon-Artikeln

Blutbad, Massaker, Hilfsschiffe, Menschenrechts-Aktivisten…

42. mibu - Februar 28, 2011, 9:23

„Aber ich wäre noch froher, wenn Du ein paar Mainstream-Medien-Kommentare in dem Sinne zur Hand hättest.“
Ich schau mal, ich bin mir sicher in der Süddeutschen mindestens einen entsprechenden Artikel gelesen zu haben, wobei das bei der SZ nicht bedeutet, dass sie nicht auch einseitige und unfaire Artikel dazu veröffentlicht haben. Auch bei Telepolis ist das im allgemeinen so, wobei die Tendenz dort leider eher in Richtung unfairer Einseitigkeit geht. Aber sowohl FAZ als auch lokale Blätter, die z.T. eine sehr große Verbreitung haben, haben darüber manchmal ausgewogener berichtet als die großen Zeitungen.

43. Lila - Februar 28, 2011, 9:36

Das ist gut möglich. Aber mein überwältigender Eindruck war, daß wir ein neues Jenin-Massaker erleben. D.h., das Meinungsbild wird von den Gegnern Israels bestimmt, während das Thema noch aktuell ist – spätere Korrekturen werden angebracht, wenn alle Meinungen schon feststehen.

Wie gesagt, Mibu – bitte laß nicht nach und korrigiere meine Eindrücke, das ermutigt mich.

44. willow - Februar 28, 2011, 9:37

@boxi

um das nochmal bissel hochzuholen, was mich mal wieder genervt hat

im übrigen ist es ja auch nicht so, dass wir fehlerfrei sind. wir verletzen ja auchenschenrechte, manche länder teilweise, manche länder extrem (siehe usa, china, russland,…).

Meinst du nicht eventuell auch, daß doch gewisse Unteschiede bezüglich der Menschenrechtslage zwischen den von dir genannten drei Ländern besteht – sowohl qualitativ als auch quantititativ!? Mal gaaaanz davon abgesehen gibt es auch noch paar Gegenden, da würde selbst der chinesische Umgang mit Staatsfeinden noch als liberal und menschenfreundlich durchgehen. Aber nein, wir sind ja auch nicht fehlerfrei…

Nein, sind wir nicht. Aber wer alles nur immer und überall gleichsetzt hat sehr schnell das Problem eines nicht mehr so richtig funktionierenden moralischen Kompasses (das ist diese Sache mit gut & böse) –

Das führt dann sher leicht zu Abwiegeleine in der Art „wir sind auch nicht fehlerfrei, da soll doch der Ghaddafi ruhig weiter morden. In Berlin werden ja auch besetzte Häuser geräumt ohne den Aufschrei der Weltöffentlichkeit…“

45. Silke - Februar 28, 2011, 11:30

boxi

wenn ich mal den Eindruck haben sollte, daß Du Dich zu irgendetwas real schlau gemacht hast und nicht nur Sprechblasen vom Gutmenschenzirkus wiedergibst, werde ich mir vielleicht mal die Mühe machen, Dir direkt zu antworten.

Übrigens betrachte ich die Entscheidung, wem ich direkt oder indirekt oder über die Bande antworte (so fies oder so freundlich wie immer möglich), als mein höchst persönliches inalienable right.

—–

Danke Heimo

für mich war in jenen Tagen „We con the world“ wie ein frischer Luftzug. Nach all den israelischen „we blew it“ Selbstbeschuldigungen (die ich für Kokolores pur hielt) endlich was richtig Triumphalistisches.

Doch verpass nicht das Erdogan fällt vom Pferd Video – ich vermute, für Männer muß es tough sein, das zu sehen, aber denkt dran, wessen … es trifft. Ich liebe den Anblick und besonders derzeit, wo er’s mal wieder in Deutschland krachen läßt.

Im Spiegel wird er zitiert mit „eigene Kampfflugzeuge bauen“. Will er damit der Welt sagen, was ich vermute, was er ihr sagen will odr andrs gefragt: Ist es aus dem „Permission to Narrate“ Kästchen oder ein reales Projekt? Bauen die ne Fabrik? Wer liefert No-How? Westerners oder Nord-Koreaner? oder wer? Für mich war das neu?

46. boxi - Februar 28, 2011, 11:43

@willow… mir ging es mit diesem satz nicht um eine gleichsetzung der taten. sondern darum, dass ich es nicht so leicht finde immer zw. „gut“ und „böse“ zu unterscheiden, wie es in dem artikel getan wurde, das kann ich nicht verstehen, erst recht nicht beim krizisierten umgang mit mubarak. beide sind schweine, bei beiden gab es berechtigte gründe sie zu unterstützen, aber es gibt auch kritik, diese regime zu akzeptieren.

auch zwischen den von mir genannten ländern gibt es unterschiede. nur wo ist die kritik wenn wir uns mit china treffen? wer kann sicher sagen, dass sie nicht wieder auf ihre leute schießen würden? wer kann sich sicher sein, dass russland dies nicht wieder in tschetschenien oder südossetien tut? wie halten wir es mit der usa, was mit gefälschten dokumenten einen angriffkrieg gegen den irak plant, bei dem insgesamt mehr menschen ums leben gekommen sind als libyen je schaffen wird? die menschen foltern und manchen keinen rechtsstaatlichen prozess gewähren? die das land mit den meisten menschen im gefängnissen sind,… natürlich besteht da trotzdem ein unterschied, ein qualitativer als auch ein quantitiver. und doch weiß ich nicht, warum die einen die bösen sind, die anderen aber nicht.

ich möchte damit keine „böse tat“ rechtfertigen oder beschwichtigen. und nur weil „wir böses macen“, soll man auch weiterhin „böses“ kritisieren. 

ich für mich kann nicht klar sagen wie der umgang mit „dem bösen“ richtig ist, auch weil ich an manches naiv träumend herangehe. ich kann halt nicht verstehen, wie man jetzt zu so einer meinung zu gaddafi und erdogan kommen konnte (nach dem motto „wie konnte man je mit ihnen reden“) und kurz vorher die stilisierung von mubatak zum bösen kritisiert wurde, weil er doch auch etwas gebracht hat.

47. Silke - Februar 28, 2011, 13:22

Lila
wenn Du an MSMs zu Gaza, Flotilla, Dubai etc. interessiert bist, werde ich mal entsprechende „Wink-Winks“ (so nenne ich Halbsätze von der „wir wissen ja wie’s wirklich war“ Art in sich selbst wohl als positiv sehenden Stücken) vom dradio, wann immer sie vorbeikommen, dokumentieren, gegebenenfalls auch out of context.

48. mibu - Februar 28, 2011, 14:54

„keine ahnung wie die haltung von mubarak war,aber als alleiniger herrscher, …“

boxi, glaubst du wirklich, dass in Ägypten Mubarak völlig alleine Macht ausgeübt hat ? Mubarak kommt aus dem Militär, war glaube ich sogar General während des Jom Kippur Krieges. Er war schon vor Sadats Ermordung eine wichtige Führungs- und Vertrauensperson. Er ist in den Strukuren des ägyptischen Militärs aufgestiegen und durch dieses geprägt. Es sind aber auch einige andere während seiner Amtszeit aufgestiegen, und einige haben sich dabei ebenfalls ordentlich bereichert. Allein der Zerfall seiner Macht und wie er darauf reagiert hat unterscheidet sich m.E. fundamental von Gadhafis Götterdämmerung. Das Militär in Ägypten hat sehr früh eine andere Position bezogen als beispielsweise die Polizei. Natürlich muss man auch beachten, dass noch immer alles im Fluss ist. Ich kann nirgends eine Stabilisierung der Lage erkennen. Aber dass sie in Ägypten und Tunesien momentan und von Anfang an eine andere ist als in Libyen, halte ich nicht für reinen Zufall sondern hat m.E. mit den Personen zu tun. Von den dreien Ben Ali, Gadhafi und Mubarak, war und ist Mubarak international der angesehenste – und ich glaube, dass es dafür durchaus Gründe gibt, z.B. seine bzw. Ägyptens vermittelnde Rolle bei diversen Konflikten.

Aus Ahnungslosigkeit alles querbeet über einen Kamm zu scheren ist m.E. in Nichts besser als aus Ahnungslosigkeit blind hinter einer bestimmten Meinung hinterher zu latschen. Wobei in unserem Land ersteres noch beliebter ist wie letzteres, weil man glaubt damit nicht falsch liegen zu können.

49. willow - Februar 28, 2011, 15:07

@boxi

Um es kurz zu machen, wann darf ihrer Meinung nach „der Westen“ unterdrückte Völker beim Kampf gegen mörderische Diktaturen unterstützen? Es muß doch irgendwelche Kriterien geben, bis vor Kurzen saßen teilweise genau die gleichen Politiker & Journalisten, die jetzt so tugendhaft sind auf den Schößen der Machthaber in Ägypten und Libyen (und Syrien und Iran undundund…)

Immer dann, wenn sicher scheint, daß antiwestliche Kräfte gewinnen? Immer dann, wenn die Initiative nicht die bösen USA sondern von den guten Europäern ausgeht?

Seltsam seltsam, ebenso wie ihr USA-Bild – aber nicht wirklich überraschend.

50. yael1 - Februar 28, 2011, 16:06

Wirklich, ich bin heilfroh, wenn Du sagst, das war nicht so. Ich habe nach wie vor das Gefühl, in Deutschland wird die Mavi Marmara nach wie vor als „Hilfsschiff“ von „Menschenrechtsaktivisten“ gesehen und auch so bezeichnet.

Ich denke schon, dass es so ist. Ich lese nicht jede Zeitung, aber was man durch Leserkommentare so mitbekommt, ist genau das der Eindruck, den deutsche Leser zwangsläufig bekommen. Ausnahmen bei Zeitungen gibt es immer, aber eben nur Ausnahmen.

51. boxi - Februar 28, 2011, 16:14

@mibu… da haben sie natürlich recht, dass mubarak ebenso personen um sich herum hatte. auch muss ich ihnen recht geben, dass sich der umgang mit den protesten von gaddafi & mubarak unterscheiden. ich würde beide auch nie gleichsetzen. aber trotzdem empfinde ich es als seltsam wenn man den einen als ganz böse und den einen als halbwegs akzeptabel einstuft.

wie gesagt, ich wollte beide nie gleichsetzen und ich stimme zu, dass es abstufungen gibt. eigentlich wollte ich doch nur sagen, dass ich es seltsam finde, dass hier kritisiert wurde wie schnell mubarak fallen gelassen wurde, da er ja verbündeter war, er etwas für die westliche welt getan hat, bei gaddafi dagegen schon immer klar war, dass er der größte verbrecher ist. ich verstehe nicht, wie wir überhaupt mit beiden staaten so gut befreundet sein konnten.

@willow… meiner meinung nach gar nicht, aber das ist wieder mein naives bild von der welt (ihr dürft mich alle belächeln). ich finde es ärbermlich, dass wir nicht nur uns mit machhabern wie china fröhlich lächelnd fotografieren lassen, sondern wir auch noch mit ihnen „zusammen arbeiten“. wir regierungen waffen liefern und verkaufen, wo klar ist, dass die bevölkerung der leidtragende ist. und wenn wir nicht direkt leifern, geht es über länder mit denen wir dickste freunde sind. wie kann man diktatoren waffen verkaufen, wie kann man ländern waffen verkaufen, die ihre alten an diktatoren weiterverscherbeln? wir konnte es passieren, dass menschen von gsg9 polizisten in libyen schulen? das bedeutet nicht, dass man jegliche verhandlungen mit ihnen abbrechen sollte… aber die welt ist zu kompliziert um das in paar sätze zu fassen.

natürlich soll es kritik geben. am besten von allen seiten, wenn es etwas zum kritisieren gibt.
es gibt keine guten europäer, ich sehe sie jedenfalls nicht.
was meinen sie mit seltsamen usa-bild? wie sieht ihres aus? abseits von den positiven dingen, die uns die usa gebracht hat?

52. boxi - Februar 28, 2011, 16:27

oh. hätte es nochmal lesen sollen. 😦

53. willow - Februar 28, 2011, 17:23

@boxi

„meiner meinung nach gar nicht“

Hmmm…

Völkermorde wie in Kambodscha, Ruanda, Darfur sind also „innere Angelegenheiten“, schließlich haben wir mit den Machthabern ja keine dreckigen Geschäfte gemacht – können wir unsere Hände also in Unschuld waschen. Wir waren jedenfalls immer dagegen, nur für den Fall, daß etwas schiefgeht. Nur wer nichts macht, macht auch nichts verkehrt und behält seinen wunderschönen Heiligenschein…

54. boxi - Februar 28, 2011, 17:44

@willow.. da haben sie mich missverstanden. oh, ich sehe, ich habe sie missverstanden und deswegen falsch geantwortet. als pazifist lehne ich kriege generell ab, ausnahmen bestätigen die regel. an welchen ich diese ausnahmen „akzeptiere“, ist wirklich schwer zu sagen. einfach gesagt, wenn das leid größer ist, als das durch einen krieg verursachende leid.
die tatsache, dass wir bei den völkermorden wie z.b. in ruanda zugeschaut haben, macht mich innerlich sehr wütend.
nichts zu tun, ist ebenso falsch wie unnötige kriege zu starten. oder aber waffen in die ganze welt zu verkaufen.

um aber auf ihre eigentliche frage zurück zukommen. ein unterdrücktes volk sollte man immer unterstützen. unterdrücker auch immer dementsprechend ablehnen.

55. Silke - Februar 28, 2011, 18:22

bevor das mit dem Fundamental-Pazifismus Formen annimmt, empfehle ich wieder mal die Lektüre von John Gray. Ich kann auf Wunsch auch mit Audios von dem Mann dienen – so klingt es, wenn einer sich nicht davor drückt, das Machbare als Machbar zur Kenntnis zu nehmen und die Grenzen seiner Möglichkeiten einzugestehen. Und was Waffenlieferungen anlangt, da gibt’s hübsches Hirnfutter in G.B. Shaw’s Major Barbara. Ich sage Hirnfutter, weil ich glaube, er argumentiert nicht sauber, dennoch ist es als Denkanregung zu gebrauchen und passt hier gerade mal gut zu John Gray (der in seinem neuesten Buch über das Verlangen nach Unsterblichkeit nachdenkt. Für Anfang März ist mir ein Book Talk bei IQ2 angekündigt. Ich kann’s kaum erwarten.)

http://nationalinterest.org/bookreview/what-rawls-hath-wrought-4570

boxi:

meinst Du nicht, daß ne Aussage wie „wenn das leid größer ist, als das durch einen krieg verursachende leid.“ a bisserl sehr unter Niveau ist, aber wie ich sehe, hast du da ja auch schon wieder ne Hintertür eingebaut, anhand deren Du mich dann wieder der Grausamkeit zichtigen kannst.

Im Netz gibt es massenweise Diskussionen von Fachleuten und Laien zum Thema proportional und disproportional und Kriegsrecht. Wie wär’s mal mit erst lesen, dann plappern?

56. boxi - Februar 28, 2011, 19:11

@silke.. ich habe sie noch nie einer grausamkeit bezichtigt. „Wie wär’s mal mit erst lesen, dann plappern?“ mich hat jemand gefragt und ich habe meine antwort gegeben. was ist daran falsch? ich pachte doch mit meiner aussage keine wahrheit, es ist meine bescheidene meinung, nicht mehr und nicht weniger. dieses thema geht doch weit über das hinaus, worüber man hier diskutieren kann. das problem ist doch deutlich komplexer, als ich mit meinen sinnlosen kommentaren hier beantworten kann.

was ist denn ihre antwort auf diese frage? ich würde es wirklich gerne wissen, denn ich weiß, dass sie mehr lebenserfahrung und wissen als ich angehäuft haben.

57. Silke - Februar 28, 2011, 20:17

dieses thema geht doch weit über das hinaus, worüber man hier diskutieren kann.

Das Thema, über das man hier oder in anderen Blogs, die ich mag, nicht diskutieren kann, muß erst noch erfunden werden.

sinnlosen kommentaren

So was ist allerdings ein Gesprächskiller erster Ordnung und wenn Du das los werden willst, dann googele, finde ein Dir sinnvoll erscheinendes Zitat und stelle es zur Diskussion. Aber bitte ein Zitat mit nem Zusammenhang nicht so einen von proportionalem Leid oder ähnlichem Gesülze.

und noch etwas boxi, ich habe keine mütterlichen Anwandlungen, jedenfalls Dir gegenüber nicht, also lass das mit der Schmeichelei und benimm Dich, wie es sich für einen Erwachsenen gehört.

Stimmt, der Grausamkeit hast Du mich nicht bezichtigt, aber wie hast Du es ausgedrückt? – Es war in nem anderen thread, aber Du weißt es doch sicher noch.

58. boxi - Februar 28, 2011, 21:08

„Das Thema, über das man hier oder in anderen Blogs, die ich mag, nicht diskutieren kann, muß erst noch erfunden werden.“
ich meinte doch nur, dass ich hier auch keine seitenlange abhandlung über den (un)sinn von krieg schreiben kann. ich versuche hier meine meinung zu äußern, manches was mir logisch erscheint mitzunehmen, …

„lso lass das mit der Schmeichelei und benimm Dich, wie es sich für einen Erwachsenen gehört.“
keine ahnung was ich schon wieder falsch gemacht habe. aber anscheinend ist es egal was ich schreibe, da es meist ja doch nur mit ablehnung darauf reagiert wird. als hätte ich etwas verbrochen.

„Stimmt, der Grausamkeit hast Du mich nicht bezichtigt, aber wie hast Du es ausgedrückt? – Es war in nem anderen thread, aber Du weißt es doch sicher noch.“
nein, weiß ich nicht. vermutlich ist das auch nicht richtig.

59. Fremde Federn: Lila (mal wieder) « Spirit of Entebbe - Februar 28, 2011, 23:15

[…] Ja, ich wusste, dass Muammar al-Gaddafi jährlich einen Menschenrechtspreis zu vergeben pflegt. Aber wenn es je einen passenden Zeitpunkt gab, daran zu erinnern und diese Groteske mit der nötigen Verve in den Kontext zu setzen, dann jetzt. Und von genau dieser Frau. Lesen! […]

60. mibu - März 1, 2011, 1:14

“ aber trotzdem empfinde ich es als seltsam wenn man den einen als ganz böse und den einen als halbwegs akzeptabel einstuft.“

„… und ich stimme zu, dass es abstufungen gibt.“ … eben, manchmal kleinere, manchmal größere. Jeder hat so seine Kriterien, nach denen urteilt. Ich gebe dabei ja auch nur meine persönliche Einschätzung zum Besten. Aber vielleicht ist dabei ja ein bisschen erkennbar, dass ich mich für Politik, den nahen Osten und die Mittelmeerregion (mare nostrum) schon länger etwas interessiere, und ich mir auch nur deshalb manchmal ein Urteil erlaube.

„eigentlich wollte ich doch nur sagen, dass ich es seltsam finde, dass hier kritisiert wurde wie schnell mubarak fallen gelassen wurde, …“
boxi, eigentlich nicht wie schnell, es war gar nicht so schnell. Aber aber dem Zeitpunkt, ab dem der Eindruck vorherrschte, dass er sich nicht mehr lange würde halten können, haben manche – speziell die Medien – plötzlich angefangen Mubarak als Schwerverbrecher darzustellen. Da war’s in Libyen noch mucksmäuschen still, und die Häme klang so, als gäb’s keinen schlimmeren als Mubarak. Ehrlich, da schwoll mir der Kamm, und der erste an den ich dachte, war tatsächlich Freundchen Gadhafi – vielleicht wohne ich zu nah an der Schweiz, wo ich deren Debatten über diplomatische Missionen, um schweizer Bürger freizubekommen, mitbekommen habe. Vor kurzem habe ich einiges Üble von Syrien gelesen. Und was im Iran abgeht, …
Nichts davon entschuldigt Mubaraks Fehler, weil das immer noch eine andere Sache ist. Aber was den Igitt-Faktor angeht, ist zumindest für mich aus meiner Sicht klar, dass Mubarak von der Spitze ziemlich weit entfernt ist … selbst von R.Mugabe – auch so ein trauriges Kapitel …

„ich verstehe nicht, wie wir überhaupt mit beiden staaten so gut befreundet sein konnten.“
Befreundet halte ich für übertrieben, höchstens einzelne … Weil Gadhafi sein Land, insbesondere sein Volk bezüglich allem, was über Geschäftliches hinausging, abgeschottet hat.
Mit Ägypten bestehen erheblich offenere Beziehungen. Z.B. gibt es wissenschaftliche Beziehungen wie z.B. eine Kooperation der Uni Stuttgart mit irgendeiner technischen Uni in Kairo. Dann natürlich der ganze Tourismus, viele kommen recht begeistert zurück.

Und Libyen ? Bis vor kurzem wusste ich von Libyen ausser über Gadhafi nicht mehr, als dass sich dort Rommel und Montgommery im zweiten Weltkrieg gekloppt haben – trauriger Weise waren mir nur deshalb die Namen Sirt, Benghasi und Tobruk vertraut. Dabei hat’s dort schöne Strände, interessante Landschaften und jede Menge Überbleibsel aus der Antike und späteren Zeiten. Und offenbar feine, mutige Menschen.

61. Meforash - März 1, 2011, 1:17

Eines der ständigen Themen diese Blogs scheint zu sein, dass man sich aus Zeitungen/Fernsehen eigentlich kein vollständiges Bild von fremden Ländern machen kann.

Lila greift immer wieder Reportagen oder Aussagen von Politikern über Israel heraus und betont, dass darin nur ein ganz kleiner Teil der Realität widergegeben wird.

Ich denke, sie hat recht, im Allgemeinen und im Besonderen. Von fremden Ländern wissen wir kaum etwas, und wahrscheinlich sind die Tageszeitungen, Fernsehen, Aussagen von Politikern nicht unbedingt die besten Quellen, um uns ein vollständiges Bild zu machen.

Was mich aber erstaunt, ist dass auf diesem Blog trotzdem so frisch-fröhlich über die Situation in Ägypten, Libyen, etc. geredet wird, als wüssten wir etwas darüber.

Sollte man hier nicht die gleichen Massstäbe anlegen und nicht einfach auf die Nachrichten etc vertrauen, von denen Lila uns ja schon hundertfach bewiesen hat, dass sie unzuverlässig und bestenfalls stückwerk sind?

62. mibu - März 1, 2011, 1:49
63. mibu - März 1, 2011, 9:12

Meforash, ich sehe das etwas anders. Dass sie kein vollständiges Bild der Situation eines Landes widerspiegeln könnnen, kann man den Medien nicht vorwerfen, weil das ein Phantom ist.

Kritisch wird’s, wenn dies dazu ausgenutzt wird, einseitig zu berichten. Aus Schludrigkeit, aus Borniertheit, wegen uneingestandener Vorurteile, wegen eines in einer Branche etablierten Konformismus, etc. …

Ich habe von den Beschüssen aus Gaza in den letzten Tagen zumindest im Radion nichts gehört. Von Israels Gegenreaktionen ebenfalls nichts. Bisher war jedoch sehr oft so, dass erst im Zuge einer Reaktion Israels darüber berichtet wurde nicht selten im Stil von „Israel hat das und das angegriffen. Ein Sprecher der Streitkräfte begründete dies mit dem Raketenbeschuss aus Gaza in den letzten Tagen“.

Es kommt rüber, als ob man sich in Israel es sich nach belieben aussuchen würde, wann man wie reagiert. Als ob Hamas und Djihad Spielzeug- oder Feuerwerksraketen in die Gegen feuern würde.

Silke hat in einem anderen Thread dieses Video eingestellt. Es zeigt die Wirkung des Einschlags einer iranischen Grad-Rakete, in deren Sprengkopf Stahlkugeln, wie sie für Kugelleager verwendet werden, als Splittermaterial verwendet werden. Sie wurde aus em Gazastreifen abgefeuert und schlug in einem Wohngebiet in Beersheba ein. Darüber habe ich in unsreren Nachrichten keinen Ton gehört. Passiert das in Hamburg oder Baden-Baden alle Tage ? Ist das eine Kleinigkeit ? Was wäre los, würden durchgeknallte Georgier solche Raketen nach Südossetien schiessen ?

Journalisten haben nicht nur einen Beruf sondern auch einen Auftrag. Das scheinen einige, insbesondere in den GEZ-Gebührenfinanzierten Medien aber auch bei solchen Platzhirschen wie Spiegel, Stern und Zeit nicht nur manchmal und rein zufällig zu vergessen.

Meines Erachtens geht es hier oft um diesen Aspekt. Was Journalisten wissen könnten und was sie berichten und die Diskrepanz zwischen beidem.

64. willow - März 1, 2011, 9:57

„Kritisch wird’s, wenn dies dazu ausgenutzt wird, einseitig zu berichten. Aus Schludrigkeit, aus Borniertheit, wegen uneingestandener Vorurteile, wegen eines in einer Branche etablierten Konformismus, etc. …“

Genau. Wie gern wird zum Beispiel über die israelische Militärzensur berichtet und daraus abgeleitet, in Israel gäbe es keine freie, unabhängige Presse.

Am Wochenende wurde man (wenn man seeeehr genau hinsah) Zeuge, wie Militärzensur auch in Deutschland ganz selbstverständlich daher kommt – aber das ist kein Thema in der Öffentlichkeit, in den Medien schon gar nicht… interessant, oder?

65. Robert - März 1, 2011, 10:34

Mibu, ich sehe nicht, dass, dass die Medien kein vollständiges Bild der Situation eines Landes widerspiegeln können, ein Phantom ist.
Es ist vielmehr eine Tatsache.
Und dass man es ihnen nicht vorwerfen kann, ist uns allen klar.
Wir sollten heilfroh sein, dass es überhaupt diese Medien gibt, und dass es eine Reihe guter Journalisten gibt. Denn sonst wüssten wir noch viel weniger über andere Länder und Orte.
Man mag es bedauern, dass über israel einseitig und irreführend berichtet wird. Aber einzig und allein den Medien die Schuld dafür zu geben, griffe ein wenig zu kurz.
Du kannst mal folgendes Gedankenexperiment machen: eine bekannte Zeitung oder Zeitschrift berichtet fortan über Israel in Deinem, also unserem Sinne. Es wird mehr über das Land berichtet, so dass es den Leder nahe rückt und dann über die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen.
Was meinst Du, was mit der Auflage dieser Zeitung oder Zeitschrift, die Du natürlich abonniert haben wirst, im Laufe der Zeit passieren wird und warum?

66. Silke - März 1, 2011, 10:38

mibu

ich bin dem Namen Ellen Rohlfs, Übersetzerin von dem von Dir verlinkten Avnery Stück (wieso braucht Avnery ne Übersetzerin?), gestern das erste Mal bewußt begegnet und zwar im Zusammenhang mit einem Anti-Israel Geiferer Patrick Seale, den ich bei der Eröffnungsveranstaltung des gruseligen neuen Middle East Center der London School of Economics „kennengelernt“ habe.

Da also die Dame anscheinend wer ist, habe ich sie gegoogelt und wurde außer mit Eddie Arendt Links, der offenbar Patrick Seale Klasse findet, mit diesem SoE Link fündig.

http://spiritofentebbe.wordpress.com/2008/07/17/poetin-des-grauens/

Ich habe aufgehört, Avnery zu lesen oder ihm zuzuhören. Das Freundlichste, was ich über ihn sagen kann, ist, daß er weltfremd ist.

Admiral Mullen versucht übrigens derzeit irgendwas zu wuppen. Denn zumindest in meiner Weltsicht kann die Begeisterung für das „Gute“ nicht so weit gehen, daß man den Iranern erlaubt, ihren Einfluss im Persischen Golf auszudehnen.

Übrigens gibt es diese ganze Debatte zwischen Ethischem und Realzwängen im letzten oder vorletzten Band von Churchill’s WW1 zu lesen, als Wilson den Europäern ob ihrer Verderbtheit die Leviten las. Da bleibt einem, nach dem man die vorherigen Bände inhaliert hatte, anhand von so viel Ethik-Hochmut doch locker die Spucke weg.

http://www.stripes.com/news/mullen-defends-plans-to-meet-with-middle-east-leaders-1.135486

Wünsche ich mir, die Welt möge anders sein? Darauf kannst Du wetten.
Bin ich bereit, mich dafür über interessante Zeiten in „meiner“ Welt zu freuen oder gar für sie zu plädieren? NEIN – interessante Zeiten haben „kleinen Leuten“ noch nie gut getan und das sind „meine“ Leute. Ich weiß, sie sind es auch auf der anderen Seite, doch glaubst Du, sie würden mir im umgekehrten Fall helfen?

67. Silke - März 1, 2011, 10:48

Robert

ich glaube ich bin das erste Mal in einem Aki (Aktualitätenkino) mti Israel bekannt gemacht worden und war hin und weg. Da wurden wir richtig pro angemacht, in der Art, wie es diese alte britische TV-Serie anscheinend noch in den 70ern unters Volk brachte. Ich habe bis jetzt nur in Teil 2 kurz reingeschaut.
http://www.youtube.com/results?search_query=pillar+of+fire&aq=3

Kann sein, daß es a bisserl zu pro ist, aber dann vergleiche es mal mit dem was lt. Richard Millett den Briten jetzt serviert wurde. Für mich liest es sich, als sei es gepfropft voll mit allem worüber sich Lila meiner Meinung zu Recht beklagt und mehr …

http://richardmillett.wordpress.com/2011/02/28/channel-4-is-not-promising-for-british-jews/

68. Meforash - März 1, 2011, 10:58

Mir fällt besonders auf, dass uns z.B. nicht bewusst ist, wie reich Libyen ist, und wie viele Arbeitnehmer aus dem Ausland kamen, um dort zu leben, durchaus auch aus Europa (siehe Affäre der bulgarischen Krankenschwestern).

Dasselbe gilt für Iran. War Euch bewusst, dass der Iranische Staat kein Defizit hat? Dass die Leute dort mit 55 in Pension gehen und eine schöne Rente kriegen, weil jeweils zig Junge auf ihren Arbeitsplatz warten?

Dass die jungen Menschen, die in Tunesien demonstrieren meist einen Hochschul-Abschluss haben, damit aber nichts anfangen können?

Oder wer sind DIE Palästinenser? Der Landwirtschaftliche Hilfsarbeiter im Glashaus, der keine Arbeit mehr hat, seit die Israelis aus Gaza weg sind? Oder der Superreiche, der sich eine Villa mit Kuppel auf Har grizim gebaut hat? Fanatische Hamas-Anhänger? Oder Leute, die in Europa studiert haben und keinesfalls zurück wollen? Oder Ärzte, Professoren und Rechtsanwälte, die ganz normal ihrem Beruf nachgehen?

Die Zeitungen berichten nie ausgewogen. Schon alleine die Tatsache, dass die Zeitungen nur von „politischen EReignissen“, wie z.B. diesen Demonstrationen & Umstürzen reden, verfälscht das Bild, das wir vom entsprechenden Land haben. Denn unsere Assoziation ist dann im Prinzip: Bosnien-Krieg, Palästinenser-Terror, Irak-Amerikanische Invasion (oder Invasion in Kuwait), Afghanistan-Bin Laden.

Schon alleine, dass wir von einem Land nur im Zusammenhang mit Katastrophen – Umstürze, Kriege, ERdbeben – etwas hören verfälscht unser Bild total.

Natürlich kann mich sich bemühen, Gegensteuer zu geben, indem die Sprache lernt, das Land selber bereist, oder zumindest Bücher oder Reiseberichte liest. Aber wer kann da schon mithalten mit den Informationen über internationale Politik & Katastrophen, die täglich auf uns einstürmen?

69. Meforash - März 1, 2011, 11:05

„(wieso braucht Avnery ne Übersetzerin?)“

Weisst du wie fad das ist, zweimal dasselbe STück zu schreiben? Ich kann dir was davon erzählen, ich übersetze manchmal Texte in zwei verschiedene Sprachen: langweiliger geht’s nicht mehr.

70. Lila - März 1, 2011, 11:14

Ich habe nie etwas anderes behauptet und das auch oft genug gesagt.

Was mich stört, ist die selektive Berichterstattung aus einem bestimmten Blickwinkel, das Unterdrücken bestimmter Nachrichten und das Aufblasen anderer, vollkommen marginaler (Beispiele bringe ich ja genug).

Und dann stört mich, daß die Medien ihren Konsumenten nicht nur die Illusion von Information vermitteln, sondern auch die Illusion, daß sie sich nun eine Meinung bilden können.

Und dann denen vor Ort erklären können, wie der Hase eigentlich läuft.

In Bezug auf Israel ist leider die Neigung von Tagesschau-SPon-genährten Besserwissern groß, den Konflikt mit den Palästinensern aus dem Fernsehsessel zu analysieren und eine Lösung zu skizzieren.

Ich äußere mich selten zu Themen, die in Deutschland aktuell sind, und wenn ich tue, lasse ich nie die Einleitung weg, daß ich nicht vor Ort bin und vielleicht nicht beurteilen kann, worum es geht. Ich äußere mich auch noch seltener zu anderen Ländern und gebe nie vor, die riesige Kenne zu haben.

Obwohl ich als Nicht-Journalistin ohne jeden öffentlich-rechtlichen Heiligenschein oder Pseudo-Objektivität mir das ohne weiteres leisten könnte.

Wieso erregt Israel die Gemüter in Deutschland so? Wieso fühlt sich jeder berufen, seinen Senf dazu zu geben? Wieso ist jede Forderung der Palästinenser quasi naturgegeben, jede Forderung der Israelis ein lächerlicher Vorwand?

Wenn man die Sprache vieler Kommentare über Israel in deutschen Medien genauer betrachtet, entdeckt man jede Menge distanzerzeugender Wortwahl. Auch der Aufbau ist oft so, daß der Artikel auf einem anti-israelischen Statement ausklingt. Auch der Gebrauch von Anführungszeichen ist bezeichnend.

Erst gestern hab ich da doch noch was gesehen… ich weiß nicht mehr,w as es war 😦

Ich würde nie jemandem mangelnde Einsicht vorwerfen, wenn er nicht so täte, als hätte er sie. Auch Kommentare können aus jedem Blickwinkel kommen. Was mich viel mehr ärgert, sind sog. Agenturnachrichten, die von allen übernommen werden und als Nachricht deklariert werden, obwohl sie eigentlich Meinungen sind.

Ich habe auch auf meiner Ich-Seite geschrieben:

Ich bemühe mich, meine Aussagen zu belegen, aber erhebe keinerlei Anspruch auf Objektivität. Zu sehr vielen Themen erkenne ich die Meinungen verschiedener Menschen als gültig an. Oft gibt es keine eindimensionalen Antworten, und ich glaube nicht an Patentrezepte.

Auf meiner Blogroll finden sich viele verschiedene Standpunkte, nicht immer die meinen. Ich bin sicher, auch Blogger, die mich verlinkt haben, stimmen nicht unbedingt mit mir überein. Das macht den Austausch interessanter.

Ich freue mich, wenn meine Leser sich für den Nahen Osten interessieren und für meinen ganz persönlichen Gang zwischen meinen Welten. Aber ich bitte, nicht als offizielle Informationsquelle gesehen zu werden. Wenn ich jemanden zu der Einsicht gebracht habe, daß die Gemengelage zu komplex für schnelle Meinungen ist, dann ist das schon genug.

Dem habe ich eigentlich nichts hinzuzufügen.

71. Lila - März 1, 2011, 11:17

Meforash, mit wie vielen verschiedenen Nutzernamen warst Du hier eigentlich schon aktiv? Ich habe den Verdacht, daß es mehr als einer war.

72. Silke - März 1, 2011, 12:45

Meforash

Vogue hat gerade bewiesen, daß Deine Behauptung nicht stimmt

Ich nehme lieber das Link vom Elder, weil der das Google-Ranking mehr braucht als die idiotische Vogue.

http://elderofziyon.blogspot.com/2011/02/vogue-fawns-over-wonderful-assads.html

– ich erinnere mich übrigens aus meiner nachrichtenfernen vor-Internet-Zeit an ein Hanna Ashrawi Portrait in der Brigitte, das mich voll Bewunderung für diese Voll-Ethikerin zurückließ

Und weder meine Hanan Ashrawi Erinnerung, noch das jetzige Syrien-Stück sind Einzelfälle, auch die Berichterstattung über Queen Rania läßt alles, was ich je über Katholenheilige gelesen habe, weit weit hinter sich.

Man stelle sich nur in einen beliebigen Zeitungsshop und gucke sich die einschlägigen Titelbilder an. Da fragt man sich dann, warum eigentlich hat sich Israel nicht für ne Monarchie entschieden? Es gibt schließlich genug Adelige, die sich importieren lassen? Ich habe gerade gelesen, daß z.B. Guttenberg kurzfristig verfügbar werden dürfte …
(Da er – oh Horror – anscheinend ne Evangele heiraten konnte, dürfte das mit der Konversion kein unüberwindbares Hindernis sein.)

Und hier ist eine anscheinend aktuelle Aktion, über die Brigitte berichtet, in der Hanan Ashrawi für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wird. Mir sagen die meisten Namen nix, Lila wird sich da besser auskennen. Nachdem war ich in neuerer Zeit von ihr gelesen habe, würde ICH Ashrawi übrigens unter Hate-Monger einordnen.

http://www.brigitte.de/gesellschaft/politik-gesellschaft/friedensnobelpreis-frauen-539046/?print=1

Haben wir schon mal puff pieces über die auf Fotos durchaus moderne Frauenschönheit verkörpernde Tzipi Livni zu lesen gekriegt? (sie ist zumindest die einzige, die es schafft, selbst in diesen gräßlichen Hosenanzügen à la Merkel und Clinton erträglich bis Klasse auszusehen)

73. Meforash - März 1, 2011, 12:49

„Und dann stört mich, daß die Medien ihren Konsumenten nicht nur die Illusion von Information vermitteln, sondern auch die Illusion, daß sie sich nun eine Meinung bilden können.“

Du hast vollkommen recht. Die Tagespresse präsentiert sehr selektiv ausgewählte Mosaiksteinchen, und aus diesen Mosaiksteinchen KANN SICH NIE EIN GANZES ergeben.

Dein Blog hat mir geholfen, darüber nachzudenken, und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass dies eine allgemeine Wahrheit ist.

Was habe ich davon, wenn man mir erzählt, dass in der Ukraine Wahlen stattgefunden haben und dass Partei xy gewonnen hat und dass Herr abc jetzt Regierungschef ist? Weiss ich dadurch mehr über die Ukraine? Weiss ich dadurch, wie die Menschen in der Ukraine leben? Weiss ich dadurch, wie die Landschaften in der Ukraine ausschauen? Nein, ich weiss genau genommen nichts über die Ukraine, aber diese Nachricht vermittelt mir die Illusion, dass ich jetzt etwas über die Ukraine weiss.

Und als durchschnittlicher Medienkonsument nehme ich diese Information zur Kenntnis und halte sie für relevant. Dabei ist sie in Wirklichkeit nur für das Verhandlungsteam „Ukraine“ relevant, das mit diesem neuen Regierungschef oder mit seiner Regierung etwas zu tun haben wird… Aber für dieses Team fehlen wiederum in der Tagespresse ganz zentrale Informationen, und sie verlassen sich dann sicher lieber auf andere Kanäle. Also kann man letztlich sagen, dass die Informationen der Tagespresse letztlich für niemanden wirklich nützlich sind.

„Und dann denen vor Ort erklären können, wie der Hase eigentlich läuft.“

Ja glaubst du nicht, dass zur Zeit die ganze Welt den Tunesiern, Libyern und Ägyptern erklären will, wie der Hase eigentlich läuft?

In diesem Punkt finde ich, dass du eine selektive Wahrnehmung hast.

Du erklärst in diesem Blog so gut die Diskrepanzen zwischen Realität und Mediendarstellung in einem „Fachgebiet“, das du kennst, Israel, aber wenn die Medien dir dann erzählen, was in Ägypten, Libyen oder auch nur in den Palästinensergebieten läuft, dann schluckst du das genauso gutgläubig wie alle anderen, über die du dich im Zusammenhang mit Israel aufregst.

Verstehst du, was ich meine?

74. Meforash - März 1, 2011, 12:58

„Vogue hat gerade bewiesen, daß Deine Behauptung nicht stimmt“

Welche Behauptung? Dass man sich aus den Medien kein vollständiges Bild machen kann?

Die Yellow Press berichtet über andere Sachen als die „seriösen“ Zeitungen, und tatsächlich ist das eine interessante ERgänzung, weil dadurch wenigstens andere Mosaiksteine hinzukommen. Aber jedes einzelne Steinchen wird auch in der Yellow Press mit einem gewissen Blickwinkel berichtet, so dass ein gewisser Eindruck entstehen soll. Gerade dafür ist die Yellow Press ja berüchtigt. Andererseits hat das wieder den Vorteil, dass man sich im Zusammenhang mit der Yellow Press dieser Tatsache bewusst ist, in der „seriösen“ Presse weniger, obwohl sie genauso selektiv ist.

Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, prinzipiell die Tagespresse nur im Zusammenhang mit Geo-Berichten zu lesen. Natürlich gibt auch Geo kein objektives Bild, aber es wird wenigstens ein ganz anderer Aspekt beleuchtet.

75. Meforash - März 1, 2011, 13:03

„Meforash, mit wie vielen verschiedenen Nutzernamen warst Du hier eigentlich schon aktiv?“

Keine Ahnung. Ich schaue immer, dass ich innerhalb eines Threads erkennbar bleibe, aber langfristig werde ich mein Gedächtnis nicht mit Nicks belastenm, zumal sich die ja auch nicht speichern. Habe schon genug zu tun mit Passwörtern, die ich ständig vergesse.

Falls dir sehr daran liegt, kann ich von jetzt ab diesen Nick beibehalten, aber prinzipiell stört es mich, immer unter demselben Nick zu posten. Ich gebe manchmal auch private Sachen über mich bekannt, und ich möchte nicht unbedingt, dass man aus der Addition von x verschiedenen Details in x verschiedenen Aussagen auf meine Person Rückschlüsse ziehen kann. Das geht oft viel schneller, als man es sich vorstellt.

76. Silke - März 1, 2011, 13:06

Wieso erregt Israel die Gemüter in Deutschland so?

Israel erregt mein Gemüt, weil mich die Ungerechtigkeit und die Verleumdungen Euch gegenüber rasend machen. Weil ich 1967 mit Juden zusammen gezittert habe und weil ich München 1972 mit Juden vorm Fernseher saß und weil ich mit 13 oder so Anne Frank vorgelesen bekam und weil ich im Aki Kibbutzim gezeigt bekam und weil Moshe Dayan damals so jemand erfrischend aufregend Anderer war usw. usf. In meinem Weltbild seid Ihr da, fertig, das ist die einzige Rechtfertigung, die’s für mich braucht (zetert einer an der Slowakei oder Slowenien rum?) seit 1948, länger als die alte BRD übrigens und dieses Rumgezerre an Eurer Existenz finde ich eine Beleidigung all dessen was ich je über Staatssouveränität mitgekriegt habe und weil Mr. Knightley’s Belehrungen von Emma meine bevorzugten Anstandsregeln enthalten usw. usw. Würde man Israel in Frieden lassen, ich würde vermutlich augenblicklich das Interesse an Euch verlieren, doch so wie es heute ist, ist in meinen Augen Anti-Zionismus nix als „putting lipstick on a pig“.
Und das total selbstsüchtige Motiv ist, daß würde mich, was immer in Kaschmir abgeht ebenso hautnah in meinem friedlichen uninteressanten Leben bedrohen, würde ich mich dafür interessieren.

ich hoffe, hoffe, hoffe, daß ich nie nie nie irgendetwas in der Richtung „Israel dies oder Israel das“ von mir gebe oder gegeben habe oder geben werde.

Ooops gelogen, im Flotilla-Kontext ist mir der Kragen geplatzt und ich habe gesagt, Ihr solltet endlich mit dieser verdammten Selbstbezichtigerei aufhören und wie die Fehleinschätzung, die es da anscheinend gab, hochgradig normal (im Sinne von häufig) und unter den Umständen rundum nachvollziehbar ist.

Für den Ausrutscher schäme ich mich allerdings nicht, da er auf dem beruhte, was als israelische Reaktionen in Englisch an mich gerichtet ankam und mir aufs Irrsinnigste überzogen erschien.
—-

Lila

solange Du einen deutschen Pass hast und wahlberechtigt bist, steht Dir jedes aber auch jedes öffentliche Kundgetue zu Deutschland rechtmäßigst zu. Bloß weil Du zufällig im Ausland lebst, hörst du schließlich nicht auf, dazu zu gehören.

Und danke für’s Zitieren Deines Statements auch wenn ich hier und da mal der Meinung bin, daß a bisserl Strenge à la Mr. Knightley Dir gut anstünde und Deinen Kommentatoren Hilfestellung fürs Leben geben könnte …

77. Lila - März 1, 2011, 13:13

Wo habe ich den Ägyptern, Libyern oder Tunesiern versucht zu erklären, wo der Hase läuft?

Zu den Palästinensergebieten habe ich ganz gute Quellen. Trotzdem habe ich mir nie angemaßt, den Leuten dort zu erklären, was sie tun sollen. Außer der heißen Empfehlung, nicht auf Terror zu setzen, und ich glaube nach wie vor, daß das sowohl in ihrem als auch meinem Interesse ist.

Von Ratschlägen an Ägypter habe ich abgesehen, von einer umfassenden Bewertung ebenfalls. Zu Libyen geht meine Meinung so weit, daß ich Ghaddafi für einen gefährlichen Mann, einen intelligenten Verbrecher und Tyrann halte. Ich glaube, dagegen können kaum Argumente ins Feld geführt werden.

Wo habe ich je in Bausch und Bogen anderen erklärt, wie sie zu leben haben? Die Sätze, die ich am häufigsten benutze, sind: mal sehen, noch wissen wir nicht genug, ich bin nicht kompetent um das zu beantworten…

Außerdem gebe ich stets die Quellen an, auf denen meine Aussagen beruhen. Guy Bechor oder Yoram Bin Nur, wenn es aus dem Fernsehen ist, und Links, wenn aus dem Internet.

Viel vorsichtiger als ich kann man eigentlich nicht agieren, finde ich.

Entschuldige auch, wenn ich mich mal selbst lobe, aber auf Korrekturen wie zB die gestern von Mibu reagiere ich positiv und bedanke mich, wenn sie berechtigt sind.

Ich weiß wirklich nicht, wo ich noch vorsichtiger sein könnte.

Und was die Berichterstattung über Libyen etc angeht: naturgemäß haben die israelischen Medien und Politiker, außer Tibi und seinen Parteifreunden (den ich übrigens auch recht fair behandele), sich nichts in der Art vorzuwerfen, wie nun Köhler selbstkritisch von sich gibt. Arabischen Diktatoren gegenüber, die Israel gegenüber Vernichtungsphantasien hegen, haben wir hier in Israel uns keine Liebedienerei vorzuwerfen.

Das Verhältnis zu Mubarak war rein funktional, und wir haben es stets zu schätzen gewußt, daß er rational genug ist, die Interessen seines Lands zu schützen, und wenn durch de kalten Frieden mit uns. Die Behandlung von „Spionen“ und Sudanesen etc wurde hier oft genug thematisiert.

Nein, wer wieder mal aufgewacht ist und feststellen mußte, daß er statt eines Schnuckelhässchens die ganze Nacht über eine eklige Spinne im Arm gehabt hat, das sind wieder mal nicht wir.

Ist vielleicht kein großes Verdienst, sich nicht vom Charme eines Ghaddafi umstricken zu lassen, wenn der einen mit Tod und Vernichtung bedroht, aber ehrt doch mal, wem Ehre gebührt. Und wenn es nur das eine Mal ist.

Daß die arabische Welt jetzt in Aufruhr ist und keiner von uns weiß, wer die Oberhand behalten wird, das ist wohl eine vertretbare Aussage.

Ich weiß nicht, welche Maske der Allwissenheit Du mir unbedingt abreißen willst.

Wie gesagt, lies nochmal, was auf meiner Ich-Seite ganz klar steht.

78. Ruth - März 1, 2011, 13:28

Boxi,
in Kommentar 37 schreibst Du: „keine ahnung wie die haltung von mubarak war,aber als alleiniger herrscher, hat er auch eine gewisse macht. verharmlosen sie das bitte nicht“ und das, nachdem Lila Dich darauf hiungewiesen hat, wie schnell und leicht man sich im Internetzeitalter kundig machen kann. Eine einzige Google-Suche mit den Begriffen „mubarak femal mutilation“ zeigt, dass First Lady Suzanne Mubarak sich engagiert gegen Frauenbeschneidung einsetzte und dass die Praxis 2007 offiziell verboten wurde.
Das fuehrt Deine Argumentation ad absurdum. Ich gehe davon aus, dass Du nun einfach dieses Argument durch ein anderes ersetz. Dir gheht es um Ressentiments, nicht um Erkenntsn. Lilas engelhafte Geduld mit Dir ist zu loben, von meiem Blog haette ich Dich schon lange geperrt.

79. Lila - März 1, 2011, 13:46

Ich bin nicht nur eine Schäferin, sondern auch ein Engel – oh, wie schön, endlich bin ich durchschaut 🙂

Danke, liebe Ruth. Ich glaube auch nicht, daß es Boxi wirklich um neue Erkenntnisse geht. aber macht nichts, es liest ja nicht nur Boxi mit.

80. Meforash - März 1, 2011, 14:05

„Wo habe ich den Ägyptern, Libyern oder Tunesiern versucht zu erklären, wo der Hase läuft?“

Das habe ich nicht behauptet. Meine Aussage war:
„Ja glaubst du nicht, dass zur Zeit die ganze Welt den Tunesiern, Libyern und Ägyptern erklären will, wie der Hase eigentlich läuft?“

Damit will ich sagen: heute erleben diese Länder genau das, was dich im Zusammenhang mit Israel so stört. Aber in dieser Sache bist du auch nur ein Medien-Konsument, so wie wir alle anderen auch, und du steigst nicht auf die Barrikaden, um zu verkünden, dass die Bilder über die Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz, die das Fernsehen in den letzten Wochen ständig gezeigt hat, ein verzerrtes Bild von Ägypten wiedergeben, denn schliesslich befinden sich von den 84 Millionen Einwohnern nur ein paar Tausend auf diesem Platz…

Ich will dich damit einerseits ermutigen, weiterhin über Diskrepanzen zwischen Medienbild und Realität zu berichten und vielleicht auch auf andere Themen auszuweiten.

Und andererseits möchte ich zu bedenken geben, dass wir als Menschen eben an Grenzen stossen und nicht über alles gleich gut informiert sein können.

81. Meforash - März 1, 2011, 14:12

„Und was die Berichterstattung über Libyen etc angeht: naturgemäß haben die israelischen Medien und Politiker, außer Tibi und seinen Parteifreunden (den ich übrigens auch recht fair behandele), sich nichts in der Art vorzuwerfen, wie nun Köhler selbstkritisch von sich gibt.“

Bei Ghaddafi nicht, aber von türkishcen Militär-Diktatoren warne die Israelis schon ziemlich begeistert.

Das hat mich seinerzeit sehr erstaunt, als ich mit einer israelischen Reisegruppe in der Türkei war. Die Mitreisenden haben sich sehr begeistert über das türkische Militär und seine Macht geäusser. Das kannte ich von Westeuropa eigentlich weniger. Da prangerte man mehr die Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Kurden und so an…

Natürlich kann man von ein paar Mitreisenden in einer Reisegruppe auch keine allgemeinen Schlussfolgerungen ziehen, aber vielleicht könnten wir dem Thema mal ein bisschen auf den Grund gehen.

82. Lila - März 1, 2011, 14:28

Was die Türkei angeht: die militärische Zusammenarbeit mit der Türkei war für Israelis, die sonst in keinem Sandkasten geduldet werden, wirklich eine sehr positive Erfahrung. Manöver mit der Türkei haben uns für einen Moment die Illusion vermittelt, daß wir tatsächlich einen Verbündeten haben. Bei Besuchen in der Türkei haben viele Israelis ihre einzigen Auslandserfahrung gemacht. (Israelis sind nicht so reich wie DEutsche, und Fahrten ins Ausland sind teuer – für viele, die ich kenne, ist eine Pauschalreise in die Türkei die erschwinglichste Lösung gewesen, mal aus Israel rauszukommen).

Die säkulare Linie, die in der Türkei seit Atatürk vorherrschend war, hat uns die Hoffnung gegeben, daß es möglich ist, mit einem vom Islam geprägten Land gute, sachliche Kooperation zu pflegen. Es mag gut sein, daß sich viele Israelis davon haben bezaubern lassen. Beggars cannot be choosers und so.

viele aus arabischen Ländern nach Israel geflohene oder ausgewanderte Israelis können ihre alte Heimat nicht besuchen. Türkische Juden können das, und die jüdische Gemeinde in Istanbul, so versicherte mir neulich noch ein aus dieser Gemeinde stammender älterer Herr, fühlte sich bis vor ein paar Jahren relativ sicher und akzeptiert.

Andererseits herrscht den Türken gegenüber auch wegen Armenien und Kurden großes Mißtrauen.

Auch in Westeuropa kommt es wohl immer drauf an, wen man fragt.

Es ist vielleicht gut, daß die auf falschen Grundlagen beruhende „Freundschaft“ mit der Türkei kaputtgegangen ist.

Als im Dezember Türken, Griechen und Zyprioten gemeinsam geholfen haben, unseren Waldbrand zu löschen, haben viele Israelis ihnen dankbar zugewinkt, auch ich. Solange die Nachbarschaft so funktioniert, ist schon viel gewonnen.

83. Meforash - März 1, 2011, 14:40

Weisst du, genau darum geht es ja: letztlich ist immer alles sehr vielschichtig.

Glaubst du Sarkozy hat Ghaddafi geliebt? Aber wenn seine Atomlobby ihn dort hinschickt, um ein Atomkraftwerk zu verkaufen, dann macht er es halt. Umso besser wenn er sich die bulgarischen Krankenschwestern dann gleich mitnehmen kann.

84. Lila - März 1, 2011, 14:43

Richtig, alles Interessenpolitik. Hätten wir Öl, wären wir vielleicht auch beliebter…

85. Meforash - März 1, 2011, 15:49

„Hätten wir Öl, wären wir vielleicht auch beliebter…“

So wahnsinnig unbeliebt wie viele Israelis das gerne sehen ist Israel nicht. Schliesslich verkaufen sie genügend hochtechnologie-Systeme, Kameras, was weiss ich alles… sogar an die, die angeblich nichts von ihnen wissen wollen (siehe Irak, Iran, etc). Muss halt ein Zwischenhändler dazwischen oder man schickt das GAnze kurz nach Deutschland zum Umpacken…

86. Meforash - März 1, 2011, 15:53

…ich verstehe gar nicht, warum sich die Israelis so sehr in der Rolle der schmollenden Schwiegermutter „du hast mich ja noch nie mögen“ gefallen…

87. Lila - März 1, 2011, 16:01

… wo sie doch bei allen Umfragen top of the pile und beliebtestes Land der Welt sind und es überhaupt keinen besseren Einstieg in eine Unterhaltung mit Fremden gibt als zu sagen, daß man aus Israel kommt…

88. Meforash - März 1, 2011, 16:58

Na ja, vielleicht geht es der Schwiegermutter ja genau gleich…

89. anti3anti - März 1, 2011, 21:19

Internationaler Al-Gaddafi-Preis für Menschenrechte

http://anti3anti.wordpress.com/2011/03/01/al-gadaffi-preis/

90. Andy - März 3, 2011, 22:14

..seid ihr alle Europäer froh, dass Ghaddafi die „unbewaffnete“ Jubelmeute der Islamisten bekämpft. Eine F-16 von Ghaddafi über ihnen und schon greinen sie nach den verhassten Amis unm Hilfe…
Widerliches Gesocks.
Tschüssikowski.

91. grenzgaenge - Februar 27, 2014, 22:07

Eine gute Erwiderung auf die neueste amnesty-Hetze gegen Israel.

Menschenrechtler. Was soll man von diesen Antizionisten = Antisemiten anderes erwarten ?

http://glocalist.blogspot.co.at/2014/02/amnesty-international-wie-blind-darf.html

92. P. Bereit - Februar 28, 2014, 11:12

Erstaunlich. Es existieren tatsächlich einige user, die man noch nie gehört hat.
Der Streit um die Diktatoren dieser Welt, ist wie der Streit um des Kaisers Bart. Sinnlos. Wen interessiert es, ob Ghadafi besser oder schlechter ist oder war als Mubarak, oder …oder? Richtig. Niemanden. Diktatoren haben es so an sich, dass sie niemand wirklich mag, es sei denn, sie nützen den eigenen Interessen. Und so existieren eine Reihe Beispiele dafür, wie man Diktatoren machen ließ, was sie wollten. Man ließ sie morden und foltern, bis .., ja bis sie irgendwie nicht mehr in den eigenen Kram passten. Nehmen wir Saddam Hussein. Bis Anfang der 80-er Jahre klopfte ihm ein gewisser Donald, nein-nicht Donald Duck, sondern D. Rumsfeldt, auf die Schultern und versicherte ihm, er wäre der Garant für Stabilität und Sicherheit in der Region. Schon zu diesem Zeitpunkt war er kein Guter und nicht besonders beliebt bei seinen Gegnern. Die wichtigste Frage ist also nicht, ob einer schlechter ist als der andere Diktator, sondern die, wie einer zum Diktator werden kann, wer ihm dabei zur Seite steht und wer ihm hilft, an der Macht zu bleiben. Es existiert kaum eine verbrecherische Diktatur, die nicht von den USA unterstützt wurde bzw. wird. Viele Diktaturen sind allein darauf zurückzuführen, dass die USA einen vorausgehenden demokratischen Wandel zunichte machten. Was den Sturz von „bösen Diktatoren“ und Regimen anbelangt, so können wir die Erfolge der USA auch hier bewundern, siehe Irak und Afghanistan.
Ein Wort zu den Freunden oder Feinden Israels. Es ist durchaus so, dass viele das Thema Israel sehr einseitig betrachten und diesem Land den Schwarzen Peter zuschieben wollen. Das ist falsch. Andererseits ist es geradezu grotesk, wenn sich Israel ständig als Opfer betrachtet, dem alle nur unberechtigterweise an den Hals wollen. Wer so wenige Freunde hat, der muss sich schon fragen, woran das liegt. Es hat wenig Sinn, wenn sich der Geisterfahrer in der Hoffnung wähnt, er allein sei auf der richtigen Fahrspur. Um mit Shlomo Sand zu sprechen: „Auch das Kind einer Vergewaltigung, hat ein Recht auf Leben“. Aber es bleibt eben ein Kind von Gewalt.

93. P. Bereit - Februar 28, 2014, 12:58

Ich für meinen Teil bin davon überzeugt, dass die Opferrolle Israels und auch ein gewisses Maß an Antisemitismus, gewollte Größen sind.
Sie erzeugen nicht nur Mitleid und Verständnis. Sie spülten auch Milliarden nach Israel und füllten Anwaltskanzleien die Töpfe.
Diese Feststellung hat nun seinerseits nichts mit Antisemitismus zu tun, wohl aber mit Mathematik.

Einen Beitrag von mir hat wieder der SPAM-Filter verschluckt. Aber das ist nur Zufall.

94. P. Bereit - Februar 28, 2014, 13:35

76.

„Würde man Israel in Frieden lassen, ich würde vermutlich augenblicklich das Interesse an Euch verlieren“.(Zitat Ende)
Mensch, Silke. Weißt du überhaupt noch, was du schreibst?
Israel ist auch im Frieden ein interessantes Land. Mehr noch. Es wäre für viele Menschen noch viel interessanter. Meine Frau weigert sich dorthin zu reisen, weil man im Straßenbild nur Waffen sieht und keiner weiß, wer eine berechtigt trägt. Was auch stimmt.
Da können wir ja nur auf Kriege hoffen, damit du dich nicht langweilst, liebe Silke.
Was rauchst du für ein Zeug?

95. willow - Februar 28, 2014, 22:43

Nun, „Meine Frau weigert sich dorthin zu reisen, weil man im Straßenbild nur Waffen sieht“ – manchmal hat Unwissenheit auch ihre Vorteile, in diesem Fall für die Israelis 😉 , manchmal allerdings (Saddam Hussein) wird es eher peinlich … ihnen ist wirklich entgangen, daß dieser nette Ex-Zeitgenosse am Gängelband der UdSSR hing und von denen auch seine Waffen bekam? Peinlich peinlich … aber sonnen sie sich ruhig weiter in ihrer Überheblichkeit 😉

96. julia - März 1, 2014, 0:44

Der Thread ist ziemlich genau 3 Jahre alt.

97. willow - März 1, 2014, 12:39

😀

98. wollecarlos - März 1, 2014, 21:41

93. P. Bereit – Februar 28, 2014, 12:58
„Einen Beitrag von mir hat wieder der SPAM-Filter verschluckt.“

Selbst Elektronik erkennt den Gehalt der Bereit-Gedichte.
Sage man also nie mehr was gegen die „Künstliche Intelligenz“!


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