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Zur Heuchelei in westlichen Medien Februar 25, 2011, 23:50

Posted by Lila in Presseschau, Uncategorized.
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Carmel Gould in Haaretz:

The Guardian’s response to the revolution in Tunisia in January is a classic case in point. Its editorial following the fleeing of President Ben Ali in January cited “a brutal dictator and his venal family,” a “police state” and “torture and human rights violations.” It also awarded “the prize for brazen hypocrisy” to France for its role in propping up the regime, with the U.S. and EU following “close behind.”

All quite accurate, but since when did The Guardian care about this brutal dictator and the poor people living in the grip of his police state? By the publication’s own calculations, in 2010, Tunisia was one of their least reported countries – 114th out of a possible 194 – with only 18 “content items” in 2010. To put this in context, there were 1008 pieces on Israel.

The hitherto lack of journalistic interest in what goes on in the 21 Arab countries is illustrated starkly by how few foreign correspondents are based there. Take the five British broadsheets: The Times, Financial Times, The Daily Telegraph, The Guardian and The Independent. Each has two or three correspondents permanently based in the Middle East. In all five cases, at least one of those correspondents is in Jerusalem. The Independent and The Times devote two of their three people to Israel.

Those not in Israel live in and report from Lebanon and Dubai; in one case, Iraq. Hence, the lack of reportage (before now) about the terrible police states and autocracies that are (or were) Egypt, Tunisia, Libya, Bahrain, Yemen etc: the British broadsheets had all their resources in the West Bank reporting on Israeli settlements, which, as a result, everybody knows a great deal about.

Genau dagegen schreibe ich schon sieben Jahre an. Jede Gartenlaube in Ostjerusalem sorgt für einen kollektiven Aufschrei, obwohl dabei niemand zu Schaden kommt und die Gartenlaube, so der Frieden ausbricht, ohne weiteres von palästinensischen Besitzern genutzt werden kann. Nirgends auf der Welt (und wie viele umstrittene Gebiete gibt es!) wird von einem Volk gefordert, keine Wohnungen mehr zu bauen – nur in Israel. Und wie die Welt sich aufregt! Selbst wenn bis vor kurzem ein Baustopp überhaupt nicht im Gespräch war und an allerlei Bedingungen geknüpft wurde.

Aber gefolterte Libyer, unterdrückte Jemeniten, geknebelte Syrer? Da weiß keiner was von, das interessiert keinen, das ist kein Thema.

Acht Artikel im Guardian über die Lage der Menschen in Tunesien – aber 1008 über die Westbank. Jetzt sagt mir selbst, wie ist das zu rechtfertigen? Was ist der Grund dafür? Ist das fair und angemessen? Erfüllen die Journalisten wirklich ihre Arbeit, auf bestehende Mißstände hinzuweisen, oder folgen sie einer bereits feststehenden Agenda und übersehen glatt Tatsachen, die in diese Agenda nicht reinpassen?

Keiner weiß, was aus diesen ganzen Umsturzversuchen rauskommt – man hofft, daß demokratische Strukturen aufgebaut werden und die Menschen mehr Rechte, Bildung und einen besseren Lebensstandard erreichen werden. Und daß keine Islamisten alle Hoffnungen zunichte machen.

Aber eines weiß ich: die Heuchelei, die jetzt offenbar wird, die so deutlich aufzeigt, wie recht wir alle hatten, die seit Jahren die selektive Wahrnehmung der Medien anprangerten – die darf nicht wieder einreißen. Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird oder ob es je geschieht, daß ein kritischer Leitartikel in der FR, Süddeutschen oder ZEIT erscheint, in der klipp und klar steht: mea culpa.

Ich habe meine Zeit mit Geschichten über Parkbänke in Zfat vergeudet, während in Libyen ein Verbrecher seinen Bürgern die Fingernägel einzeln gezogen hat. Ich habe Gin Tonic an der Bucht von Tel Aviv geschlürft und mit Hamasniks geflirtet, wenn ich auf Kurzurlaub im Gazastreifen war, während meine Regierung Millionengeschäfte mit Verbrechern abgeschlossen hat. Ich habe die Stimmung gegen Israel geschürt, während Ghaddafi seine Lager mit deutschen Waffen bestückt hat.

Da kann ich lange drauf warten, auf ein ehrliches Bekenntnis zur verzerrten Wahrnehmung Israels in den Medien? Ehrlich gesagt, ich warte gar nicht darauf. Ich erwarte nicht einmal diesen letzten Tropfen Ehrlichkeit oder Selbstreflektion von Journalisten, die uns seit Jahrzehnten genußvoll und unter Mißachtung der Wahrheit in die Pfanne hauen.

Ich erwarte, daß sie auch weiterhin verschweigen, wenn israelische Ärzte arabische herzkranke Kinder umsonst behandeln, aber einen Spektakel sondergleichen veranstalten, wenn eine dumme Pute respektlose Bilder von ihrem Armeedienst auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht. Ich erwarte, daß sie weiterhin verschweigen, wenn Ruths Töchter mit Albträumen im Schutzraum schlafen, um die Schlagzeilen desto größer aufzublasen, wenn Zahal weitere Grads zerschießt, bevor sie auf Beer Sheva fallen können.

Ist schon okay, Leute. Für einen Moment ist die Maske gefallen. Das reicht mir schon. Ich wußte eh, was ich von Euch zu halten hatte. Kühntopp, Knaul, Putz, Marty, wo seid Ihr jetzt? Was habt Ihr zu Eurer Verteidigung zu sagen? Verstehe – Ihr habt nur getan, was von Euch erwartet wurde.

Kommentare»

1. heplev - Februar 26, 2011, 0:08

Da kannst du aber die Politiker direkt auch in dieselbe Tonne kloppen! (s. Abstimmung im UNSC und Merkels neueste Vorwürfe an Netanyahu http://www.israelnetz.com/themen/sicherheit/artikel-sicherheit/datum/2011/02/25/merkel-von-netanjahu-enttaeuscht/)

2. Silke - Februar 26, 2011, 0:24

was die Demokratie anlangt, so hat Bernard Lewis Interessantes zu sagen und nein nicht aus ner Haltung von oben herab sondern aus ner Haltung des Respekts

http://www.jpost.com/Opinion/Columnists/Article.aspx?id=209770

ich bin zuerst auf Bernard Lewis in nem Artikel in Al Ahram gestoßen, wo er als ein ziemlicher Gott-sei-bei-uns apostophiert wurde.

Doch ich finde ihn immer lesens- und bedenkenswert, möge mein Denkapparat in 25 Jahren noch genauso sauber funktionieren.

3. boxi - Februar 26, 2011, 0:41

der einzige grund der mir einfällt ist die tatsache, dass an israel andere werte gesetzt werden. israel gehört zu den „westlichen ländern“ und hat als einziges einen derartig komplizierten konflikt (nein, israel ist nicht daran schuld, nur damit mich nicht wieder jmd. missversteht). „uns“ fällt es so leicht darüber zu urteilen, wir können so auf andere zeigen, von anderem ablenken.
denn was bedeuten schon vergleiche mit „dritt“-ländern, an denen wir sowieso nicht interessiert sind. überspitzt ausgedrückt.
mit der usa ist es ja ähnlich, lange galt es ja fast als normal gegen die usa zu sein.

aber ist das in israel wirklich anders? ist eine ernstgemeinte frage, denn ich weiß es nicht. kann ich mir nämlich nicht vorstellen. die welt ist groß, und niemand interessiert sich für länder die niemand kennt… auch werden wohl andere werte an z.b. die usa gelegt als an den iran/nordkorea.

aber im grunde sind es auch nur wieder meine naiven gedanken, um mir einen grund dafür zu liefern…

4. Bertha Dicke - Februar 26, 2011, 3:11

Ach jaach ja, die Ha’aretz: Die hat doch mit ihren Artikeln von … Atzmon, Gideon Levy, Amira Hass und der Verdunkelung von der islamisch-nazi-antisemitischen Vorgeschichte des Dauerkrieges gegen ISRAEL dermaßen viel dazu beigetragen, „echt gemacht“, d a ß die The Guardian, Independent und viele andere europ. Redaktionen, die SÜDDEUTSCHE, FR, der WDR, DLF zusammen mit ihren jüdischen „Zeugen“ Verleger, Hecht, Langer, Zuckermann, Avneri so verblendet und verzerrt schreiben und senden können, wie sie es besonders übel – mir bewußt geworden – seit Scharons Besuch auf dem Tempelberg getan haben.

Dazu kommt ihnen – so wie es mir kürzlich eine Radio-Redakteurin nochmal sagte – e i n echtes Argument zuhilfe, gewissermaßen beim Selbstbetrug oder bei ihrer Besessenheit: An ISRAEL könnte/ müßte man, weil es ein demokratisches/ zivilisiertes Land sei, besonders hohe Maßstäbe anlegen !
Dagegen, daß dieser zumindest teilweise selbstbetrügerische (un-)geistige Kreisverkehr oder Kurzschluss zum dauernden Nachteile ISRAELs „gelingt“, tragen ISRAEL und seine Freunde zuwenig zur Störung bei, bzw. zur historischen und ideologiekritischen Grundlagen-Aufklärung.
– Immerhin argumentieren schon europäische Minister mit dem völkischen, islamischen Blut- und Bodenrecht gegen die jüdischen Siedlungen, fast ohne WIDERSPRUCH.
Ein gelegentlicher Erfolg der israelfreundlichen Aufklärung auf tagespolitischer bzw. taktischer Ebene kann nicht an gegen das seit 1919/1928 verbreitete Bewußtsein und geschaffenen Verhältnisse auf antisemitisch-antizionistisch weltverschwörungs-propagandistischer Grundlage :

Eine Massenterror- oder Hinterhalt- Grundvariante des D j i h a d — wie es Koran und Co. bei passender Gelegenheit vorsieht, auch im damaligen, uns fälschlich als „friedliches Zusammenleben“ beigebrachten „Andalus“, mit dem Ziel, jeden Zweifel an Herrschaftsrecht und Kritik an der Herrschaftsmacht des Islam zu zertreten oder mit Massen-Terror-Schrecken seine Herrschaft vorzubereiten —
wurde v e r m i s c h t, amalgamiert mit dem Glauben bzw. Propaganda von der „Protokolle“- freimaureisch-jüdischen Weltverschwörung“, nicht erst durch die Hamas, sondern seit 1919 al-Husseini/ 1928 MB-Gündung.

Das ergibt (pro-)islamisch eine welt(macht)politisch ( pan-islamisch und transnational) rationalisierte und flexiblere „Verteidigung“ und per Dämonisierung die Fanatisierung seiner djihadischen und alten Kulturmacht(methoden),
– „erklärt“ die koranisch unerklärbaren Niederlagen gegen die Juden, die ihres messianischen Bündnispartners Hitler und das Verschwinden des Kalifats, dient geistig und praktisch (einem Teil ?) der per Ausrottung islam-messianisch-apokalyptischen Vorbereitung überhaupt.

– Dazu passen auch die Hadithen-/Hamas-Sprüche, vom „Baum der ruft …“, von memri.org dokumentierte TV-Propaganda bzw. vom ehemligen syrischen Minister … „Wenn nur jeder Araber
e i n e n Juden umbringt, dann …“, was schon früher ba’ath-artig zusammen mit den „Schlachtfest“-Kommentierungen von pan-arabisch-national-sozialistischen Führern wie Nasser den Übergang zur „Todesindustrie“ nach MB-/ NS-Muster bildete.

Neben der Bedeutung für Hitler/ MEIN-KAMPF, Goebbels, ihrem Freund Mohammed Amin al-Husseini und ihrem Berater Johann/ Amin Omar von Leers ist es dokumentiert, welche Bedeutung „die Protokolle …“ für die Mörder von Rathenau, Erzberger, für 11-9.-Moh. Atta, die letzte Zarin, den KGB und für Suizidmörder von Israelis gehabt haben bzw. sogar mit den „Protokollen“ in der Tasche aufgefunden wurden. – Siehe
spez. dazu auch Hassad Ben-Itto in „Die Protokolle – Anatomie …“ bzw. „The Lie That Wouldn’t Die“ und in „SCHWARZBUCH des KGB 2 oder unter http://www.Die Große Lüge und der Medienkrieg gegen ISRAEL ; ..“

– Auch die „neuen israelischen Historiker“ sollten vor ihrem nächsten Buch dort dringend nachschlagen, bevor sie über die Irgun, Begin und ähnliche herziehen.
Hassada Ben-Itto, die ehemalige Richterin und UNO-Mitarbeiterin schrieb, die Israelis erkannten/ erkennen nicht, daß und wie der Geist Hitlers weiterlebt und wirkt.
Doch ohne dieses und durch seine islam-arabisch-iranisch ( + zuvor auch sowjetisch) fast ungehindert geschaffenen ideologischen und politischen Verhältnisse und somit den GRUND für den Dauerkrieg gegen ISRAEL anzugreifen, können Eure Argumente auf tagespolitischer bzw. auf taktischer Ebene kaum greifen; statt dessen breitet sich der Lügen-„Grund“ weiter aus.

Merkt Ihr das nicht, liebe ISRAELfreunde ?

5. Silke - Februar 26, 2011, 14:25

An ISRAEL könnte/ müßte man, weil es ein demokratisches/ zivilisiertes Land sei, besonders hohe Maßstäbe anlegen !

Liebe Bertha,

ich bin ehrlich beeindruckt (keine Ironie), aber wenn Du mit Deiner Argumentation schon mich theoriemäßig Unterbelichtete dank Überforderung verlierst, wie ist es dann erst mit der Bäckereiverkäuferin?

Die Rundfunkredakteurin hingegen bereitet ihr Zeugs zumindest ansatzweise Hausmeister-gerecht auf. (über die mehr und mehr für untere Schichten unverständliche Sprachwahl ein andermal)

Und rund um die Mavi Marmara habe ich mit Mitgliedern beider Gesellschaftsschichten Gegenpropaganda betrieben, indem ich auf den Vandalismus der „Friedlichen“ abstellte, und das schien mir durchaus erfolgversprechend.

Als Angriff über die Bande würde ich vorschlagen, obiges mal (probeweise) abzuwandeln in die Anklage, daß sie z.B. Nord-Korea so vergleichsweise mißachten, weil sogar diese Alleswisser dann einräumen müssen, daß sie keine brauchbaren Lösungsvorschläge haben. Doch sich einzugestehen, daß sie einem Problem HILFLOS gegenüber stehen, dazu sind sie zu feige. Das würde ihr Selbstbild mehr beschädigen, als sie auszuhalten in der Lage sind

(feige Bande alle miteinander – ich möchte nicht wissen, wie viele sich beim Urlaub hie und da mit ihrer „tapferen“ Haltung Freunde schaffen um damit in den Genuss dieser sagenhaften arabischen Gastfreundschaft zu kommen)


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