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Väterlicher Opfermut Februar 24, 2011, 6:55

Posted by Lila in Kinder, Uncategorized.
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Tertia findet das Buch „Der Teufel trägt Prada“ toll, und auch den Film mag sie gern und guckt ihn regelmäßig. Nun hat sie durch beständigen sanften psychologischen Druck ihren Vater dahingebracht, daß er das Buch liest.

 

 

Es liegt auf seinem Nachttisch, zum Amüsement meiner Schwester („was, der Y. liest „Der Teufel trägt Prada?“ – denn das Titelbild ist dasselbe wie in der englischen Ausgabe).

Gestern abend hat er mit den Mädchen auch den Film angeguckt und mit Tertia gefachsimpelt, wie er sich vom Buch unterscheidet.

 

Da habe ich Tertia gesagt, daß sie den vermutlich besten Vater der Welt hat. Wer sonst wäre bereit, den Interessen seiner Töchter so treu zu folgen, auch wenn ihn Mode und Zickenzank kein bißchen interessieren?

 

 

Kommentare»

1. vonhaeften - Februar 24, 2011, 12:08

Das ist gut beobachtet und rührend erzählt. Auch ich bin den Interessen meiner Tochter und denen der Söhne „treu“ gefolgt, obwohl ich nicht immer alles so fesselnd und packend fand, was den Nachwuchs faszinierte. Ich würde aber niemals aus diesem „treu folgen“ den Schluß ziehen, daß ich damit „vermutlich der beste Vater der Welt sei“.

Letztlich, so denke ich, könnte auch dieses Verhalten des Vaters nichts anderes als ein durch die Evolution hervorgebrachtes, dem eigenen und dem des Nachwuchses dienendes „Wohlverhalten“ sein, dessen Konsequenz vor allem eines ist: die Kinder haben in ihrer Entwicklung, in der Auseinandersetzung mit der Umwelt mehr Erfolg, als wenn sie, völlig auf sich alleine gestellt und ohne die Förderung durch die Eltern, ihren Interessen nachgingen. Mehr noch führen ständiges Gängeln, Verbieten und Verhindern (häufig eine Begleiterescheinung elterlichen Desinterresses) einer wirklich freien Entfaltung kindlicher (erwachsener ebenso) Interessen zu einer Gesellschaft, wie wir sie in vielen arabischen Ländern als von einer religiösen Diktatur geprägten Ländern vorfinden: da gibt es maximal einen Stillstand von Wissenschaft und Kultur, und die Beziehung der Väter zu ihren Kindern ist von einer grausamen unmenschlichen Religion geprägt.
Leider haben wir in Deutschland immer noch eine überaus wissenschaftsfeindliche Kultur, die jeden, der es wagt, das Wort „genetisch“ in den Mund zu nehmen, sofort des Rassismus verdächtigt. Daher haben es auch solche eigentlich eher banalen Einsichten wie die oben geäußerte so schwer, in den Medien Gehör zu finden. Immerfort schwebt die Angst im Hintergrund, daß man den Einfluß der Kultur und der Gesellschaft nicht genügend berücksichtigt habe und daher an den sozialdarwinistischen Pranger gestellt werden könnte.
Welche Vorteile habe aber Väter (neben den indirekten Fortpflanzungserfolgen) von einer Beschäftigung mit den Interessen ihres Nachwuchses? Ohne jetzt wieder ins halbwissenschaftliche Grübeln zu verfallen möchte ich hier das viel strapazierte Wort „Bereicherung“ anführen. In der Tat, es gibt jede Menge Bereicherung durch die Beschäftigung mit den Interessen der Kinder. Und zwar nicht etwa ein erzwungenes, abgepresstes und später womöglich nur vorgetäuschtes Interesse, sondern eine wirkliche Begeisterung. Auch wenns manchem Leser komisch vorkommen mag, aber ich gebe hier mal ein paar Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung:
– die Simpsons;
– Oliver Kalkofe
– Switch Reloaded
– Call of Duty, GTA City und diverse andere Computerspiele
– 24 Hours, die Bourne Trilogie
– Typografie
– Kunsthochschulen in USA
– Mac und itunes
– Google-Maps usw.

Ja, klingt vielleicht ein wenig abstrus, aber es werden eben wechselseitig zwischen Eltern und Kindern Dinge ausgetauscht, die wenig miteinander zu tun haben. Von mir haben sie die Begeisterung für Israel, von ihnen habe ich die für die Simpsons bekommen. Und manches entwickelt sich dann beim Nachwuchs sehr viel weiter: erst hatte ich nur 3 Bücher von Leon de Winter, und dann fingen die Tochter und der jüngste Sohn an, innerhalb kürzester Zeit SÄMTLICHE Bücher dieses hervorragenden niederländischen Schriftstellers und unbequemen SPIEGEL-Essayisten zu lesen. Da kam ich nicht mehr mit….
Und ein letztes Beispiel für diese Form der Weiterentwicklung eines Interesses: Musik. Ein paar Platten von McCoy Tyner, Oscar Peterson, Miles Davis u.a kamen von mir. Aber was für ein gigantischer Output kam dann von meinen Kindern zurück, ein musikalischer Output, von dem ich noch nie gehört hatte und für dessen Entdeckung ich den Kindern dankbar bin: Wolfgang Haffner, Joshua Redman, Eldar oder Christian Prommer, all das hörte ich aus ihren Zimmern tönen und war fasziniert.
Mein Beitrag, mein Anstoß für dieses musikalische Interesse war klitzeklein und unbedeutend, aber ich bekam dann einen Riesenhaufen Anregung zurück.

Eins steht also für mich fest: meine Kinder sind die besten. Oder so ähnlich….

2. Andreas Moser - Februar 24, 2011, 12:15

Ich habe mich auch geopfert, den Film mit meiner Freundin anzusehen. Naja.
Ich glaube, ihr gefiel der James-Bond-Film, den sie sich dafuer ansehen musste, besser.

3. Marlin - Februar 24, 2011, 16:02

vonhaeften: Du spielst KILLERSPIELE!!!

*kreisch*, *ohnmacht*

😀


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