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Eine kleine Geschichte Februar 24, 2011, 21:47

Posted by Lila in Bloggen.
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Ich habe sie soeben bei A Soldier´s Mother gelesen – einem Blog, den ich sehr schätze. Die Autorin ist Jüdin, aus den USA eingewandert, lebt mit einer großen Familie in einer Siedlung, und sie ist genau der Typ Frau (eshet chayil), den das Judentum preist. Sie nimmt einsame Soldaten bei sich auf und kümmert sich um jeden, der es braucht. Politisch und weltanschaulich stehen wir in verschiedenen „Lagern“, aber wenn sie über ihre Söhne in der Armee spricht, dann fällt jedes Wort bei mir auf ein JA, JA, JA. Und so erzählt sie heute von einer Unterhaltung mit ihrem Sohn Elie.

 

Es geht um Strafen und Konsequenzen. Elie erzählt ihr eine Geschichte aus der Armee, als er Soldat war und Verantwortung für andere hatte. Ein junger Soldat, ein verwöhnter Junge aus Tel Aviv, kotzte sich eines Tages vor der ganzen Mannschaft aus und erklärte, wieso die Armee ihm stinkt und er alles satt hat. Er redete sich richtig in Rage, und vor lauter Ärger und Frustration spuckte er die Flagge an.

 

Nun weiß ich, daß für deutsche Leser die Flagge vielleicht nicht so viel bedeutet wie für Israelis, aber Fußballfans können es vielleicht doch verstehen. Die israelische Flagge mit dem Davidsstern ist ein zentrales Symbol des Staats Israel, und wer darauf spuckt, der spuckt auf die Werte, die er repräsentiert.

 

Dem Commander (Elies Vorgesetztem) war klar, daß es dafür eine Konsequenz geben mußten. Er war schockiert und wußte nicht, wie man auf so eine Übertretung, noch dazu vor allen anderen Soldaten, reagiert.

 

So, und jetzt macht mal eine Lesepause und stellt Euch vor, was die Strafe wohl war. Ein israelischer Soldat spuckt auf die Flagge.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sind Euch Ideen gekommen? Nun, auch Elies Commander. Er gab dem Soldaten die Aufgabe, einen zweistündigen Vortrag über Israel, die Flagge und ihre Bedeutung auszuarbeiten. Dafür bekam er von der Armee Sonderurlaub, um in ganz Israel rumzufahren, um mit Lehrern, Holocaust-Überlebenden, anderen Soldaten und Jugendlichen zu sprechen. Das war seine Strafe.

 

Er erfüllte seine Aufgabe, gab einen schönen, interessanten Vortrag und bedankte sich hinterher bei seinem Commander. Er hatte was fürs Leben gelernt, und ich denke mir, der Rest seines Diensts verlief besser als der Anfang.

 

Das, meine Lieben, das ist Israel. Not quite what you expected.

Kommentare»

1. heplev - Februar 24, 2011, 22:01

Wie heißt es so schön: Only in Israel!

2. boxi - Februar 24, 2011, 22:37

sowas wäre in D gar nicht möglich, da spätestens nach dem vorschlag jemand mit mehreren tausend paragraphen unterm arm ankommen würde. schön, dass es auch anders geht. etwas was hier definitiv fehlt:(

3. Marlin - Februar 24, 2011, 22:46

Guter Commander.

Interessante Geschichte. Spucken an sich finde ich schon abartig, aber gezielt ist es noch schlimmer.

Es ist aber schön, dass die Geschichte ein gutes Ende nimmt, bei gewissen Leuten á la Nasrallah etc. wäre das wohl anders.

4. Paul - Februar 25, 2011, 0:20

Danke Lila für diese schöne Geschichte.
So hat mein Tag des Zorn’s doch noch einen versöhnlichen Ausklang.
Glücklich das Land, glücklich die Armee, die solche Vorgesetzte hat.

Die Geschichte hinter der Geschichte, der junge Mann durfte seinen Frust ‚herausschreien‘ und wurde nicht schon zu Beginn daran gehindert. Wo hätte es sonst noch so etwas gegeben?
In Deutschland? Ich glaube eher nicht.

Doppelt glücklich solch ein Land, in dem es dies gibt.

5. Roithamer - Februar 25, 2011, 0:53

Von Israel können wir viel lernen. Diese Geschichte gefällt mir sehr gut. Der Mann, der die Nationelflagge bespuckt hatte, hat eine Chance zur Rehabilitierung bekommen und genutzt.
Für Deutschland ist beides nicht selbstverständlich. Wenn hierzulande jemand auf diese Weise „bestraft“ würde, würde dieser zu sich und aller Welt fragen: hä ja, was soll ich in dem Referat denn sagen, was erwarten die von mir usw.

6. hans (troglodytes) - Februar 25, 2011, 7:52

Das, meine Lieben, das ist Israel. Not quite what you expected.

ein deutscher feldwebel würde ihn vermutlich in den bau senden,

ein amerikanischer ausbilder würde ihn vermutlich durch den schlamm robben lassen,

ein israelischer commander nun ja…
reagiert wieder mal unverhältnismässig…

alternativ hätte man den jungen zu einem archäologischen grabungsprojekt in israel abkommandieren können, seine jüdische wurzeln schicht für schicht freizulegen.

oder was gemeines:
ihn nach dem tier? chilazon suchen lassen ,vielleicht hätte er das geheimnis um die farbe techelet (türkis/blau) lüften können.

7. willow - Februar 25, 2011, 10:07
8. Lila - Februar 25, 2011, 10:11

Donnerwetter, was Du für ein Gedächtnis hast! Die Geschichte kannte ich ja gar nicht. Was hatte sie letztendlich für Konsequenzen?

9. willow - Februar 25, 2011, 14:44

und dann gibt es noch die Antimilitaristen…

http://www.welt.de/politik/deutschland/article5851146/Kriegsgegner-feiern-wenn-deutsche-Soldaten-fallen.html

Ich schätze mal, bei uns hat das keine Konsequenzen…


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