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Ein trauriger Tod Dezember 6, 2010, 12:19

Posted by Lila in Land und Leute.
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Vorhin kam die Nachricht durch – Ahuva Tomer ist tot. Bin ich die einzige, die das Gefühl hat, sie kämpfte um ihr Leben, solange das Feuer noch brannte? Als es gelöscht war, starb sie. Als hätte sie ihre Verantwortung für den Brand und die gefährdeten Menschen nicht abgeben wollen.

Danke Dezember 6, 2010, 12:05

Posted by Lila in Presseschau.
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für die Hilfe, für die Hilfsbereitschaft.

Die ausländischen Piloten sind auf dem Weg nach Hause, die meisten von ihnen jedenfalls.

The 192 foreign aid members were awarded IAF medals and each of the delegations was given a special diploma from Air Force Commander Major-General Ido Nechushtan.

Ramat David Airbase commander Colonel Ronen Simhi said, „There was excellent cooperation. A partnership that crossed boundaries, languages and cultures. All were focused on one task: Saving lives and the Carmel landscape.“

„In the Air Force we say friends are measured in a time of need. The State of Israel found itself in trouble, in a disaster. You were there and proved to be true friends,“ said Nevatim Airbase commander Brigadier-General Eden Atias who took part in the supertanker sorties. „This is how we felt throughout the days we fought the fire together. I thank you on behalf of myself, the Air Force and the entire State of Israel. „

Sie haben nicht nur geholfen, das schlimmste Feuer der Geschichte Israels zu löschen. Ja, es sollte selbstverständlich sein, daß Menschen in Not sich gegenseitig helfen, aber das ist es eben nicht. Und deswegen war es für uns wirklich ein bewegendes Gefühl, diese Flugzeuge zu sehen. Als sie mir über den Kopf geflogen sind, habe ich mich gefreut wie ein Kind und  gewinkt.  Und ich bin sicher, daß ich nicht die einzige war. Danke.

Ohne Worte Dezember 6, 2010, 7:24

Posted by Lila in Bilder.
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In Zahlen ausgedrückt Dezember 6, 2010, 0:29

Posted by Lila in Persönliches.
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Die ganzen letzten Wochen habe ich über die quälende Lufttrockenheit geklagt. Ich weiß nicht mal, was eine normale Luftfeuchtigkeit ist, verlasse mich aber auf das Wissen meiner Leser – also, was ist normal? Wir hatten die letzten Wochen unter 10%, und die Auswirkungen habe ich ja schon öfter beschrieben. Wer nicht klagt, lebt verkehrt! Bis heute früh war das Wetter so – heiße, trockene, heftige Windstöße aus dem Osten. Mein Basilikum schüttelte sich, als hätte er Fieber, und vermutlich hatte er das auch.

 

Dann, gegen Mittag, der Umschwung. Der Wind legt sich. (Oh, und normalerweise liebe ich Wind! wenn er einen so richtig frisch durchpustet! eine Seebrise zum Beispiel! oder die kleinen Morgenwinde, oder ein ordentlicher Sturm) Die Luft wird auf einmal angenehm kühl – noch immer nicht wolljackenkühl, noch immer reicht ein T-shirt, aber man merkt einen Unterschied zwischen Haut und Luft. Es geht unter 30 Grad runter! deutlich! Und die Luft fühlt sich weich an, zart, lebendig.

 

Es ging ganz langsam. Gegen Mittag war die Sonne noch so stark und das Meer reflektierte so stark, daß ich nicht draußen sitzen wollte. Aber am Nachmittag habe ich mich mit meiner ewigen Häkelarbeit rausgesetzt und einfach nur genossen. Ich konnte sehen, daß trotz der Rauchglocke über Haifa das Feuer ein letztes Rückzugsgefecht liefert. Ich wußte auch, daß überall, besonders bei uns in West-Galiläa, kleinere Feuer gelegt werden, aber ich konnte über die Brandstifter lachen. Welcher Tembel legt bittesehr ein Feuer, wenn über 20 Löschfahrzeuge in der Luft sind?

 

Und jetzt ist die Luftfeuchtigkeit auf 85% angestiegen. Ich fühle mich wie ausgewechselt. Heute nacht soll, nein nein, unberufen, wer weiß ob es stimmt, aber… oh Mann, es soll regnen! Also kein richtiger strömender Regen, meinte der Meteorologe, aber so kleine Schauer.

 

Ich kann nicht schlafen. Ich warte auf den Regen. Denn ich will rausgehen und mich naßregnen lassen. Aber bis auf die Knochen. Denn ich warte auf Regen wie die Seemannsfrau auf ihren Seemann, der sie monatelang alleingelassen hat.

Künstliche Aufregung Dezember 6, 2010, 0:00

Posted by Lila in Presseschau.
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Unsere Medien sind nicht weniger durch die Pavlovsche Hundeschule gegangen als die deutschen, wie beruhigend… 🙄

Heute prangt in Ynet diese schöne Überschrift:

Fire victim buried in non-Jewish plot

Despite circumstances of death, Rabbinate refuses to bury Prison Service cadet Tania Lansky in main plot, as her mother is not Jewish


Nun, was soll man dazu sagen? Die junge Frau hat ihr Leben verloren, weil sie dem Staat Israel diente, seine Uniform trug und einen vom Staat, also ihren Vorgesetzten, erteilten Auftrag erfüllte: Häftlinge vor dem Feuer zu retten. Das ist tragisch jenseits aller Worte. Aber es ändert nichts daran, daß Tania nach der Halacha nicht jüdisch war.

Den meisten Außenstehenden fällt es schwer zu verstehen, daß der Staat Israel jeden als Juden anerkennt, der jüdischer Abstammung ist – ob mütterlicher- oder väterlicherseits („paternal Jews“). Das hat aber keinen Einfluß auf die Halacha, das jüdische Religionsgesetz. Demnach ist jüdisch, wer eine jüdische Mutter hat, oder konvertiert. (Dieser Unterschied zeigt übrigens auch, daß Israel eben kein auf „Religion“ im christlichen Sinne begründeter Staat ist, wie schon oft erwähnt.) Das bedeutet: man kann jüdisch genug sein für die Einwanderung und den Stellungsbefehl der Armee, aber nicht jüdisch genug für die Rabbanut, um jüdisch zu heiraten.

Jeder Israeli weiß das. Meine Kinder sind Israelis und gehen zur Armee. Aber jüdisch sind sie nicht, und wenn ihnen chalila etwas zustöße, würden sie selbstverständlich auf dem Kibbuz-Friedhof begraben, so wie Y. und ich es ebenfalls planen. Das ist nämlich kein jüdischer Friedhof, sondern ein säkularer, und da kann jeder sich beerdigen lassen, der nicht auf einem jüdischen Friedhof liegen will. Da in Israel die jüdischen Friedhöfe ratzekahl und in meinen christlichen Augen recht trostlos sind, würde ich nicht mal dort liegen wollen, wenn ich könnte, aber natürlich kann ich nicht von mir auf andere schließen. (Was meine Kinder dazu denken – dazu ein andermal, jedoch: keine Sensationen, wir sind und bleiben Kibbuzniks…)

Wer jüdisch heiraten oder beerdigt werden will, der muß konvertieren. Fair enough. Alle Religionen definieren, wer zu ihnen gehört und wer nicht.  Ich kann auch nicht zum katholischen Priester gehen und davon ausgehen, daß er mich wie eine Katholikin behandelt. Ich bin keine, Punktum. Das bedeutet doch nicht, daß der Priester mich als minderwertig behandelt. Es bedeutet nur die Anerkennung eines Unterschieds.

Jedoch hat der Artikel sofort eine Welle von Empörung nach sich gezogen. Ja wirklich, unerhört! Oh, diese bösen Rabbiner! Ich möchte nicht wissen, wie der Artikel in Deutschland oder gar Österreich kommentiert würde! Dabei ist es doch keine Schande, auf einem nichtjüdischen Friedhof begraben zu werden. Das kann den besten Menschen zustoßen, nichtjüdische Friedhöfe sollen ja recht voll sein. Die drusischen Justizbeamten wurden selbstverständlich drusisch beerdigt, und keiner hat sich darüber empört.

Ich bin weiß Gott keine Apologetin des religiösen Establishments, sprich, des orthodoxen Rabbinats, und darum bin ich froh, nicht jüdisch zu sein und in diese ganzen Streitereien nicht hineingezogen zu werden – welche Konversion nun gültig ist und ob nicht vielleicht diese oder jene doch rückwirkend „aberkannt“ wird und so weiter.

Hätte Tanias Fall so gelegen, hätte auch ich mich empört. Die Armee bietet die Möglichkeit zur Konversion, und das Rabbinat bezweifelt die Gültigkeit dieser Konversion gerade, sie erscheint ihr zu husch-husch und oberflächlich. Hätte Tania diese Armee-Konversion vollzogen und wäre das jetzt nicht anerkannt worden, dann wäre das empörend, kränkend und schrecklich. Aber so?

Ich finde nichts Entehrendes daran, in einem kleineren Teil des Friedhofs beerdigt zu werden oder auf einem säkularen Friedhof.  Es ist auch nicht so, als hätte Tania nicht auf dem Militärfriedhof beerdigt werden dürfen. Sie ist im Dienst des Staats ums Leben gekommen und hat ihren Platz auf dem Militärfriedhof bzw dem militärischen Teil des Friedhofs, wie es in Israel üblich ist. Und dort ist sie auch begraben worden, nur eben nicht im jüdischen Teil des Militärfriedhofs. Ich kann daran nichts Entehrendes finden.

Das wirklich Schreckliche und Empörende ist, daß Tania so jung und so tragisch umgekommen ist.

Fundstück Dezember 5, 2010, 20:44

Posted by Lila in Land und Leute.
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Wer partout israelische Nachrichten auf Channel 2 live sehen will, bitte sehr.

Secundus und ich Dezember 5, 2010, 19:44

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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I. Am Wochenende, vor dem Fernseher

 

Secundus (stülpt sich seinen Sonnenhut auf den Finger):  Mama, warum machst du dir eigentlich immer Sorgen und fühlst mit diesen ganzen Menschen mit?

Ich:  In all diesen Orten, da kenne ich doch überall Leute, und dann stelle ich mir vor…

Secundus (läßt den Hut auf seinem Finger tanzen): Nein, ich meine wirklich, wozu regst du dich über anderleuts Probleme so auf?

Ich: Wenn ich sehe, daß…

Secundus (läßt den Hut von seinem Finger auf seinen Kopf springen und feixt mich an): Die Leute haben nichts davon, und du hast nichts davon. Laß es sein.

Ich: 😯

 

Er hat aber Recht. Ich befinde mich schon seit mehreren Jahren im Stadium meines Lebens, in dem ich von den Kindern mehr lerne als sie von mir.  Und der Trick mit dem Hut war cool.

 

II. Vorhin, am Telefon

 

Secundus (mit vor Freude jubelnder Stimme): Mama, nur daß du´s weißt: wir sind angefordert worden, um im Carmel zu helfen. Ich weiß noch nicht genau, was wir machen sollen, aber wir helfen der Feuerwehr.

 

Ich: Das freut mich für dich, das ist schön, daß ihr helfen könnt. Du wolltest ja früher immer Feuerwehrmann werden.

 

Secundus (eine Sekunde Stille, dann entschlossen): Das will ich immer noch.  Ich muß los, wollte nur Bescheid sagen.

 

Ich: Viel Erfolg, ich bin sicher, ihr kriegt eine sinnvolle Aufgabe.

 

Vorhin habe ich im Fernsehen gehört, daß die Armee Busse voll Soldaten schickt, um die ganze Nacht durch den Carmel zu patrouillieren, um ein erneutes Aufflackern des fast gänzlich gelöschten Brands zu verhindern.

 

 

 

 

Wie kann das sein? Versuch einer Antwort Dezember 4, 2010, 20:28

Posted by Lila in Land und Leute.
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Yael fragt:

Was ich allerdings wirklich weniger vestehe, ist, dass man die Brandkämpfung so vernachlässigt hat, denn im Grunde kann man eigentlich von Glück reden, dass nicht vorher schon Brände ausgebrochen sind, wo es immer sehr heiß bei euch dort oben ist.

Meine Antwort: das ist ganz leicht zu erklären. Wir haben selbstverständlich jeden Sommer jede Menge Brände, wirklich viele – sowohl durch Brandstiftung als auch durch Nachlässigkeit, durch Glasscherben, Zigarettenkippen, was auch immer. Im Kibbuz ist Y. jeden Sommer ausgezogen, die Brände in den Feldern und Disteln bekämpfen.
Vor ein paar Monaten war ein riesiger Brand in Gamla, aber auch kleinere Brände gibt es hier dauernd.

Das ist ein Grund für die fehlenden Vorräte an brandverhütenden Chemikalien – nach diesem Sommer waren die Lager fast leer, und irgendjemand hat sich wohl gedacht, die Neubestellung verschieben wir auf Januar, wenn der neue Etat steht, denn im Dezember brennt es ja eh nie, und wenn, dann reicht das Material, das wir noch haben. Eine Nachlässigkeit, die sich böse gerächt hat.
Auch die Raketen lösen oft Brände aus. Im Libanonkrieg II haben viele, viele Brände hier im Norden gelodert.
Und die Feuerwehr ist immer, immer vorbildlich zu Rande gekommen.

Ich nenne das den Fluch der genialen Improvisation. Wer so gut mit unzureichenden Mitteln auskommt, dem gesteht niemand ein größeres Budget zu.
Wie war es früher? Die Luftwaffe hat Hubschrauber zur Verfügung gestellt und damit gelöscht. Irgendwann konnte die Luftwaffe sich das nicht mehr leisten – die Hubschrauber wurden stark in Mitleidenschaft gezogen, und die Feuerwehr muß sich eine bessere Lösung suchen. Nachdem die Luftwaffe raus war aus dem Bild, wurden frühere Pestizidflieger eingesetzt. Und diese kleinen, wendigen Flitzer machten ihre Arbeit bisher gut genug.

Die Ausrüstung war veraltet, ist veraltet, und die Personaldecke dünn, wie man so sagt – aber die Feuerwehrleute machten das Beste draus und wurden mit allen Herausforderungen, von denen es jeden Sommer viele gibt, sehr gut fertig. Nur sie selbst wußten, wie schwer ihnen das fiel. Sie haben gewarnt, gestreikt, demonstriert, Briefe geschrieben.

Es dauerte Monate, bis sich politisch was bewegte – bis sie den Innenminister in Schwung gesetzt hatten und zu einer Kabinettssitzung eingeladen wurden – und dort hat Finanzminister Steinitz sie abgebürstet. (Die Protokolle wurden gestern im Fernsehen verlesen). Und Steinitz hat gesagt, sie kommen doch prima klar – kein Handlungsbedarf. Und gab ihnen einen Bruchteil der Summe, die sie eigentlich gebraucht hätten.

Und auch der Großbrand der letzten Tage wäre vorübergegangen wie der nicht weniger katastrophale Brand in Gamla –  alle hätten gesagt, ja ja, schlimm, schlimm!, und weitergewurstelt. Aber dann kam das grauenhafte Unglück mit dem Autobus. Das hat natürlich überhaupt nichts mit der Feuerwehr zu tun – es war eine Verkettung unglücklicher Umstände, die bei jedem Brand hätten vorkommen können. Aber auf einmal waren 40 Todesopfer zu beklagen. 40! Ein Journalist erzählte im Radio, wie sich so eine Geschichte aus journalistischer Sicht abspielt. Keine Toten – keine Geschichte. 10 Tote – kleine Geschichte. 40 Tote – große Geschichte.

Und wenn es 40 Tote gibt, dann müssen Schuldige gesucht werden, das Versagen (keshel), der Fehler, die Konsequenzen, die gezogen werden sollen. In diesem Fall ist die Liste wohl lang wie Herr Tur Turs Arm, und es muß durchgreifend etwas geändert werden.

Aber: ohne das Unglück mit dem Bus wäre die Zahl der Todesopfer gering geblieben. Alle  Toten und Verletzten begaben sich  im Gefolge des Busunglücks in Gefahr.  Die Justizbeamten wollten die Häftlinge retten, und die Polizisten (Ahuva Tomer und ihre Kollegen) wollten die Justizbeamten retten. Auch der junge Freiwillige, der Schüler von 16 Jahren, hat sich in die Flammen gestürzt, um die Justizbeamten zu retten, und ist dabei selbst gestorben.

Seitdem ist kein Todesopfer mehr zu beklagen. Wäre dieser eine Bus, an einem Tag, an dem so viele Menschen evakuiert worden, nicht in die Feuerfalle gefahren, hätte es keine Todesopfer gegeben. Und kein Medieninteresse, nicht hüben und nicht drüben.

Die Rettungsdienste haben immerhin  Stadtteile von Haifa, drusische Dörfer, ein arabisches Dorf, Moshavim und andere Ortschaften geräumt, 17.000 Menschen evakuiert, und zwar widerspenstige Israelis, die durchs Badfenster wieder reinklettern, wenn man sie gerade aus der Haustür gezerrt hat, und keiner ist mehr umgekommen. Gott sei Dank und unberufen. Das muß man auch sehen und anerkennen.

Also, die israelische Feuerwehr hat aus mageren Mitteln die ganzen Jahre das Beste gemacht, und zur Strafe hat sie nie den Etat bekommen, der ihr zugestanden hätte. Wäre schon vor zehn Jahren ein Brand mit so vielen Todesopfern vorgekommen, dann wäre vermutlich damals schon die Reform durchgeführt worden.

Das ist, soweit ich es verstehe, die Begründung. Die Menschen, die so unvorstellbar qualvoll gestorben sind, haben mit ihrem Tod die Reform erkauft. Ohne ihren Tod – wäre weitergewurstelt werden.  Der Schock und die Trauer haben etwas in Bewegung gesetzt, etwas, das hoffentlich weitere solche Katastrophen wird verhüten können.

 

Ergänzung durch Y.: Man darf auch nicht vergessen, daß die zivile Feuerwehr nicht die einzige ist. Die Feuerwehr der Armee ist besser ausgerüstet, und es gibt noch eine dritte, auf Wälder spezialisierte Feuerwehr, vom KKL. Alle drei arbeiten zusammen. Vernünftige Löschflugzeuge allerdings hat keine dieser Feuerwehren, nur die umgerüsteten Pestizidflieger.

Was wir unseren Enkeln erzählen können Dezember 4, 2010, 9:18

Posted by Lila in Land und Leute.
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Tatsächlich, das ist mein Gefühl. Die israelische Luftwaffe in Ramat David koordiniert den Einsatz, und Piloten und Spezialisten aus aller Welt fliegen zum Meer, füllen ihre Wassertanks und leeren sie dann über den brennenden Bergen. Gut, daß das Meer so nah ist. Die riesigen russischen Maschinen werden in Ramat David befüllt.

 

Die Begegnungen in Ramat David müssen hochinteressant gewesen sein, angeblich waren sie herzlich. Die Bulgaren, in Israel sowieso hochangesehen (historische Dankbarkeit), kamen in Begleitung eines früheren Botschafters in Israel, der fließend hebräisch spricht.  Auch die Russen und Griechen, Zyprioten und Türken, die hier alle zusammenarbeiten, haben Spannungen untereinander und mit uns beiseite gelegt. Es ist eindrucksvoll, das anzusehen. So müssen die Berliner sich gefühlt haben, als sie die Luftbrücke sahen – fremde Menschen lassen alles liegen und stehen, um uns zu helfen, und  gefährden sich selbst dabei.

 

Alles läuft bisher nach Plan. Es ist wohl eine richtige Wissenschaft, wann man wo Wasser oder Chemikalien abladen muß, um das Feuer wirksam zu bekämpfen. Ich kann mir auch vorstellen, daß jede nationale Feuerwehr ihre eigenen Lehrsätze und Methoden hat. Und ich kann mir ebenfalls denken, daß die israelische Feuerwehr, die seit Jahren auf Erwerb vernünftiger Löschflugzeuge drängt, sich gründliche Notizen macht und schon eine zukünftige israelische Flotte entwirft.

 

Es ist das erste Mal seit Donnerstag Mittag, daß sich eine Art Optimismus ausbreitet. Es war Netanyahus Initiative, er hat persönlich die Regierungschefs angerufen und um Hilfe gebeten. Er wollte wohl den Eindruck von  Katrina-Bush oder Ölpest-Obama vermeiden, und er weiß natürlich, daß es sich gut macht, wenn er in seiner Windjacke  sagt: „wie viele Flugzeuge brauchen wir? Sagt mir Bescheid, wenn ihr genug habt, ich rufe jeden an, der uns helfen kann“. Und das hat er getan.

 

Sein Image als Zögerer und Wackelpeter wird dadurch vermutlich korrigiert, auch wenn Kritiker meinen, er produziert sich vor der Kamera und demütigt Israel, indem er um Hilfe bittet. Was würden sie sagen, wenn er nirgends zu sehen wäre oder aus Steifnackigkeit niemanden um Hilfe bäte?  Ich finde, er hat die richtige Entscheidung getroffen.

 

Allerdings gibt es auch schreckliche und traurige  Nachrichten. Die allgemeine Schadenfreude vieler arabischer Zeitungen ist erschreckend und häßlich. Der arabische Photograph, der neben dem brennenden Autobus stehenblieb und die qualvoll verbrennenden jungen Justizbeamten photographierte und diese Bilder dann ins Internet stellte, wo sie mit hämischen Kommentaren versehen werden, hat wohl den Titel „schlechtester Mensch des Jahres“ verdient. Ich wünsche ihm null Traffic, aber das ist wohl eine leere Hoffnung.

 

Aber ich möchte mich an diesem Tag auf die ermutigenden Seiten konzentrieren. Der Anblick von so vielen ausländischen Flugzeugen an unserem Himmel ist etwas ganz Besonderes, wo wir doch schon aufgeregt sind, wenn wir einmal im Jahr ein fremdes Nummernschild auf der Straße sehen (ein Jordanier neulich in Nazareth! das habe ich sogar gebloggt).  Jahr um Jahr hat sich das Gefühl verstärkt, allein dazustehen. Ich erinnere mich an die Freude über die amerikanischen Patriot-Batterien anno 91. Bei einem zivilen Unglück, wo Hilfsbereitschaft keine politische Konnotation hat, helfen alle bereitwillig. Es ist ein einzigartiger Anblick. Und jetzt schnapp ich mir meinen Geburtstags-Feldstecher (nein, ich muß ihn Y. entringen….) und gucke aufs Meer.

St. Florian in der Nacht Dezember 4, 2010, 6:09

Posted by Lila in Land und Leute.
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Im Lauf der Nacht wurde der Brandgeruch im Haus so stark, daß ich wirklich unruhig wurde. Das war nah, das war nicht nur so ein Anflug von Brandgeruch, durch die Entfernung verdünnt, sondern richtig schwerer Gestank. Ich bin aus dem Haus gelaufen, die Straße rauf und auf den höchsten Punkt der Umgebung, um bessere Sicht auf die ganze Umgebung zu haben. Ich konnte nichts erkennen als einen roten Schein am Himmel, in Richtung Maalot. Einbildung?

Internet, Radio und Fernsehen hatten jedenfalls keine weiteren Informationen, bis jetzt. Aha. Auch im Wald bei Maalot wurde ein Brand gelegt – so viel Brandstiftung in so kurzer Zeit, wer lebt eigentlich alles in diesem Staat? Wer immer das unter Kontrolle gebracht hat, hat meinen vollen Respekt. Wie viele Feuer innerhalb von 36 Stunden kann eine von vornherein nicht eben große Gruppe von Feuerwehrleuten löschen?  Und es hat ja gestern auch im Negev gebrannt. Der Feuerwehr gebührt der Israel-Preis für besondere Leistungen, kein Zweifel.

Sie haben die ganze Nacht um Deniya gekämpft, um En Hod und Nir Etzion.

Kabri ist westlich von uns, Maalot östlich. Beide verflixt nah.  Der Brand bei Kabri war so klein, daß wir ihn nicht gerochen haben, aber der Brand bei Maalot muß groß gewesen sein und Wald vernichtet haben. Der Gestank war fürchterlich. Ich bin egoistisch froh, daß sich keins der Feuer zu uns rübergefressen hat, und erleichtert, daß niemandem was passiert ist. Das Feuer bei Maalot ist fast gelöscht. Keiner weiß, wie es in Nir Etzion und En Hod aussieht.

Als ich vorhin auf unseren Balkon trat, sah ich am  Nachthimmel (mit einem Rand von Morgendämmerung)  den Mondaufgang. Es ist fast Neumond, die Sterne strahlten noch, besonders die Venus, und der schwach beleuchtete Mond hing über dem Wald wie ein Trost. Ich weiß, daß es anthropozentrischer Unfug ist, jeden normalen natürlichen Vorgang auf unser Leben zu beziehen, Firenze sagt ja, daß das eine menschliche Schwäche ist, aber der Anblick hat mich trotzdem getröstet. Hoffen wir, daß heute ein besserer Tag wird.

Und jetzt dämmert es wirklich. Der ganze südliche Himmel ist voll Qualm, von Osten bis Westen, der ganze Halbkreis, den wir von unserem Hügel aus sehen. Der Wind ist immer noch extrem heftig.

Bild und Karte Dezember 3, 2010, 22:24

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Das Satellitenbild zeigt die Rauchfahne – kein Wunder, daß man sie auch von hier aus sehen konnte.

 

 

(Vielleicht könnte ich ja auch Rußland vom Deck aus sehen, wenn ich nur einen genügend starken Feldstecher hätte?)

 

Eine Karte der Brandherde veröffentlicht die JPost, die sie wohl auch aktualisiert.  Ich sehe mit Sorge, daß En Hod in Gefahr ist. Ich habe dort nicht nur zwei Bekannte, sondern ich bange um die vielen unwiederbringlichen Kunstwerke, nicht nur aber auch im Museum Jancu Dada. Denia wieder in akuter Gefahr – der Chai Bar brennt wieder – die Tiere sind zumindest teilweise gerettet – Usfiya brennt auch wieder – das schöne Hotel mitten im Wald, Yaarot Carmel,  scheint zu brennen. Bis morgen früh können die Löschflugzeuge nicht starten.

 

Wer kann schlafen?

So, und jetzt Dezember 3, 2010, 21:52

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brennt es bei uns ganz in der Nähe – in Kabri. Kleiner Brandherd, aber unangenehm, ihn so nah zu wissen. Es brennt auch in Tal El und Mashhad. Die Brände in Tivon, Kiriat Bialik, Mitzpe Adi sind wohl gelöscht.

Sonntag soll der Wind schwächer werden, Montag ein bißchen Regen fallen.

Freunde, spendet Schnee!

 

ETA: Danke für den Schnee, das Feuer in Kabri ist gelöscht.

Stolz oder Dankbarkeit Dezember 3, 2010, 21:44

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So klingt es von unseren Nachbarn:

 

Arab networks celebrate fire disaster: Many Arab media outlets have been taking advantage of Israel’s fire disaster to disparage the Jewish state and rejoice over its misfortune.

 

Die Spaßvögel haben auch von Wikileaks nicht gelernt, daß Vertuschen und Lügen nichts hilft. Sie lügen sich Niederlagen in Siege um, Kompromißvorschläge in Niederlagen und Luftballons in Giftgas. Überall auf der Welt laufen Dinge schief, so schlimm es ist. Aufgeklärte Staaten machen daraus kein Geheimnis, nehmen Hilfe dankend an und versuchen hinterher, Lehren zu ziehen. Unser Zivilschutz, unsere Katastrophenmedizin sind bekannt und gut, unsere Feuerwehr leidet unter magerem Budget, veralteter Ausrüstung und dünner Personaldecke. Tatsachen sind Tatsachen.

 

Ich weiß, wir sind im Nahen Osten, wo die Männer kernig sind und männlicher Stolz ihnen verbietet, Fremde nach dem Weg zu fragen. Ein echter Mann fährt lieber zwei Stunden in die Irre, als einen Fremden um den Weg zu fragen. Ein wahrhaft stolzes Land läßt lieber Hunderte Bürger unter Trümmern verbluten, als einen Hilfstrupp aus Israel anzunehmen.

 

Ehrlich gesagt, mir ist es lieber, in einem Land zu leben, in dem offen diskutiert und kritisiert werden kann.  Über eine PR-Niederlage würde ich mir keine Sorgen machen – noch ist nicht aller Tage Ende, und wenn wir die richtigen Lehren ziehen, war dieses Unglück wenigstens der Anlaß, zukünftig besser gerüstet zu sein.  Und ich bin froh, in einem Land zu leben, deren Regierungschef lieber das kleine Zypern und die nicht sehr israel-freundliche (hrr-hm…)  Türkei um Hilfe bittet, als Menschenleben, Wald und Wildtiere zu riskieren. Da fühle ich mich besser aufgehoben, auch wenn Beirut, Teheran und Damaskus vor Händereiben nur so knistern.

 

Y. hatte natürlich wieder die beste Idee: er würde eine Föderation der Mittelmeer-Anrainer für Brandschutz gründen und eine Flotte von Löschflugzeugen und -Hubschraubern auf Kreta stationieren. Dort könnten Feuerwehrleute und Piloten aus allen Ländern abwechselnd und zusammen Dienst tun, trainieren und die Flotte in Schuß halten. Bei Bedarf wären sie dann schnell an Ort und Stelle, die Flugzeuge würden besser ausgenutzt und es müßte nicht mehr jedes Land allein mit den Kosten kämpfen.

 

Und wie gesagt – unsere Feuerwehr ist wirklich in abgrundtief miserablem Zustand. Aber ob auch eine besser ausgerüstete Truppe bei so unglücklichen Wetterbedingugen nicht sehr zu kämpfen hätte? Die Griechen haben auch Hilfe gebraucht, und trotzdem hat die ganze Welt nicht die Augenbrauen hochgezogen. Und die Russen mit ihren wunderbaren großen Löschflugzeugen mußten Monate kämpfen, bis sie die Brände unter Kontrolle hatten. Auch bei bester Vorbereitung kann es passieren, daß eine Naturkatastrophe nicht mehr beherrschbar ist.

 

Wir wissen, wie gut es sich fühlt, wenn man anderen helfen kann. Wir waren stolz, daß in Haiti und nach dem Tsunami und bei vielen andren Gelegenheiten israelische Ärzte, israelisches Know-how und israelische Initiative Leben retten konnten. Und jetzt bedanken wir uns herzlich bei denen, die uns helfen. Auch das muß man können. Und ich denke mir, daß es zB für die Türken die Bürde der Dankbarkeit erleichtert.  Stolz ist schön, Dankbarkeit ist erhaben.  Und wer seine Fehler leugnet, der kann nie aus ihnen lernen.

 

Lagebericht Dezember 3, 2010, 19:40

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Die festgenommenen Brandstifter haben wohl die kleinen Brände gelegt, aber nicht den großen. Auch nach ihrer Festnahmen wurden weitere Brände gelegt. Es sieht so aus, als wären viele Doofe auf einen Gedanken gekommen. In Mitzpe Adi hat es gebrannt. In ganz Galiläa loderten heute den ganzen Tag über kleinere Brandherde auf. Heute nacht wird keiner von uns gut schlafen. Ich wünschte, es würde schon regnen, damit die Zündler nichts mehr ausrichten können.

Es scheint durchaus möglich, daß der große Brand nur von einem Brandherd seinen Ausgang nahm, und eine illegale Müllkippe bei Usfiya ist in Verdacht. Es würde zu dem sehen, was meine bescheidene Person mitbekommen hat – ich habe den Brand seit kurz nach Mittag verfolgt, und er fing über Usfiya an.  Natürlich hat das nichts zu bedeuten, weil ich nicht über den Berg gucken konnte und die Brände auf der anderen Seite nicht gesehen habe. Aber der Wind war heftig, es kann auch Funkenflug gewesen sein. Erst nach Löschung des Brands werden Experten eine Aufklärung versuchen. Die kleineren Brände jedoch waren mit Sicherheit gelegt. Der große Brand ist noch nicht gelöscht, man weiß also noch nichts.

Acht Beerdigungen waren heute, lauter junge Leute, Männer und Frauen, Juden und Drusen. In ihrem Klassenzimmer, wo sie ausgebildet werden (es war ja fast ein ganzer Jahrgang von Offiziersanwärtern im Justizdienst), liegen noch die Hefte und Bücher, die sie bei ihrer überstürzten Abreise zurückgelassen hatten. Das Gefängnis mußte so schnell evakuiert werden, und sie sind einfach aufgesprungen und in den Bus gestiegen. Und nie mehr zurückgekommen. Nur drei haben überlebt, weil sie auf einen vorbeikommenden Wagen springen konnten.  Neue Namen sind bereits veröffentlicht worden, am Sonntag wird es weitere Beerdigungen geben.  Am Shabat wird nicht beerdigt. Die Pathologie arbeitet aber den Shabat durch, um die Leichen so schnell wie möglich zu identifizieren.

 

ETA: Der Brand in Bat Shlomo ist nah am Kibbuz, der neu ausgebrochene Brand zwischen Yirka und Kfar Yasif nicht weit von hier. Es ist geradezu gespenstisch, als würden im ganzen Land Verrückte mit der Spiritusflasche und ein paar Lappen  losziehen.

Stille Welle Dezember 3, 2010, 17:53

Posted by Lila in Land und Leute.
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Wenn ich schon mal im Schwung bin mit Bloggen, kann ich gleich noch eine kleine Besonderheit aus Israel erzählen.

Religiöse Juden benutzen am Shabat kein Feuer und keine Elektrizität. Internet, Fernsehen und Radio bleiben ausgeschaltet. Doch in Israel gibt es immer wieder Situationen, in denen man alle schnell informieren muß, auch die religiösen Juden. Darum hat sich ein kluger Kopf die „stille Welle“ einfallen lassen. Das ist eine Radiofrequenz, die gar nichts sendet, nur Stille. Doch wenn es Informationen gibt, die weitergegeben werden müssen, dann wird die stille Welle hörbar und geht auf Sendung. Danach wird sie wieder still.

Man schaltet das Radio vor Beginn des Shabat ein, es stört nicht, aber man ist erreichbar.

So kennen wir das aus allen Kriegen und auch jetzt, wo das Feuer noch lodert, ist die stille Welle auf Sendung. Falls, Gott bewahre, das Feuer die Stadtteile von Haifa bedroht, in denen fromme Juden wohnen, werden sie rechtzeitig gewarnt.

Diese pragmatischen Lösungen haben ihren eigenen Charme, finde ich.

Bet Oren, ein Paradies Dezember 3, 2010, 15:29

Posted by Lila in Uncategorized.
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Ein Ort, an den ich Erinnerungen habe. Vielleicht der Ort mit der hinreißendsten Aussicht Nord-Israels – Idmit vielleicht ausgenommen. Bet Oren wurde auf einem Gipfel im Carmel erbaut, mit Aussicht aufs Meer, zwischen den Schluchten. Wir haben oft Touren in der Gegend gemacht.

Als der Kibbuz Bet Oren vor vielen Jahren anfing, sich zu privatisieren, verließen einige Mitglieder protestierend das gestörte Paradies und suchten sich ein neues. Mehrere Familien kamen in unseren alten Kibbuz, aber sie blieben immer „die aus Bet Oren“. Sie fuhren oft hin, sie sagten immer, daß Bet Oren der schönste Fleck Israels ist, und ich glaube, sie haben sich immer zurückgesehnt. Einer der Männer aus Bet Oren, seit vielen Jahren von seiner Frau getrennt, fand sich mit meiner Schwiegermutter zusammen. Sie sind schon viele Jahre ein Paar. Ich möchte nicht wissen, was in ihm vorgeht – ich habe mich bisher nicht getraut, anzurufen und zu fragen. Seine besten Freunde leben noch dort.

Bet Oren ist in den letzten Jahren aufgeblüht. Viele Leute haben dort Ferien gemacht, geheiratet, geflittert. Die bemerkenswerteste Hochzeit, bei der ich je eingeladen war, haben wir dort erlebt.

Es war vor vier Jahren im Sommer. Y.s Onkel hat zum zweiten Mal geheiratet, und zwar eine ganz besondere Frau. Sie war in den 60er Jahren israelische Schönheitskönigin, dann international erfolgreiches Model (vor den Supermodel-Zeiten, aber berühmt genug), und hat irgendwann umgesattelt. Heute bietet sie alternative Therapien an. Sie ist eine wirklich bildschöne Frau, und Y.s Onkel hat sie von Jugend auf geliebt und aus der Ferne verehrt. Es war für ihn die Erfüllung eines Traums, als er sie kennenlernte – er geschieden, sie verwitwet, beide bereit für einen neuen Lebensabschnitt, eine zweite Jugend. Da auch dieser Onkel (der jüngere Bruder meiner Schwiegermutter) ein bekannter Mann ist, sind sie vor ihrer Hochzeit durch die israelischen und auch ein paar jüdisch-amerikanische  Medien gereicht worden mit ihrer romantischen Geschichte.

Es war also eine riesige Hochzeit, mit ein paar Berühmtheiten, und wir fanden uns unversehens am Familientisch wieder, als nahe Verwandte des Bräutigams. Bet Oren war der ideale Rahmen. Der Lebensgefährte meiner Schwiegermutter, der meine Vorliebe für Zeit-Löcher kennt, delektierte mich mit Geschichten aus seiner Zeit in Bet Oren vor 40, 50 Jahren, als er, Holocaust-Überlebender und fast allein auf der Welt, sein Leben in Israel anfing.

Auf einmal breitete sich Unruhe aus und trotz der bezaubernd romantischen Atmosphäre mit Kerzen, dreiprachigen Segenswünschen und Liedern (Hebräisch, Arabisch, Englisch) hingen alle an ihren Handies. In Haifa fallen Raketen! der Krieg hat nun wirklich begonnen! Es war wenige Tage nach dem Vorfall Zarit-Shtula. Die Ereignisse überstürzten sich. Wir saßen in dieser idyllischen Umgebung und fühlten uns beklommen. Trotzdem löste sich die Hochzeit nicht auf, sondern alle telefonierten ein bißchen herum und dann beschwor das Brautpaar eine Vision von Frieden und Verständigung. Und so erinnere ich mich an Bet Oren, ein utopischer, aber bedrohter  Ort.

Im Carmel treffen Berg, Wald und Meer zusammen, ein Dreiklang, für den fast alle Menschen sehr empfänglich sind. Ich kenne viele Darstellungen des Paradieses, und fast alle zeigen Gebirge, Wasser und Bäume. Viele von ihnen sehen aus wie der Carmel (bei Jan Brueghel zum Beispiel,  und Henri met de Bles).

Die Kibbuzniks von Bet Oren werden ihr Paradies neu aufbauen, die einfachen Häuser mit der atemberaubenden Aussicht, aber die Trauer um Tod und Zerstörung muß unerträglich groß sein. Die Menschen im Bus, der so nah an Bet Oren verbrannt ist – die Pferde (von denen ein Teil gerettet werden konnte) – die Pflanzen – die Wildtiere.  Im Fernsehen laufen die Bilder, sie sind schmerzhaft.  Aber ich schreibe keinen Nachruf, nur eine Beschwörung. Orte können wieder aufgebaut werden, Wälder rekultiviert. Die Toten aber komme nicht wieder.

Ich hänge ein paar Links an. Flickr, eine Seite für Radfahrer (sehr beliebt in den Carmel-Wäldern), der Reiterhof von Bet Oren. Angucken, genießen.

Weitere Brände Dezember 3, 2010, 15:11

Posted by Lila in Presseschau.
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Vom Sonnendeck aus habe ich schon vor Stunden Qualm in der Bucht gesehen. Ich dachte, ich spinne, vielleicht hat der Wind den Qualm auf die nördliche Seite des Carmel getrieben und es kommt mir nur vor wie in der Bucht. Aber jetzt sagen sie es auch im Radio: in Kiriat Bialik, im Industriegebiet, brennt es auch. Außerdem in Nir Etzion, wo die Landwirte bei den Kühen geblieben sind, sie wollen die Tiere nicht alleinlassen. In Usfiya brennt es. In Tivon, wohl in der Nähe des Denkmals von Alexander Zaid. Außerdem bei uns im hohen Norden, in der Nähe von Maalot.

Brandstiftung? Trittbrettfahrer? Zufall? Schicksal?

Update: es ist eine Bande von Brandstiftern, es gibt Zeugen, man hat sie gesehen. In Shfaram brennt es auch. Sie sind unterwegs. Hoffentlich werden sie geschnappt.

 

Update des Update: zwei Männer sind geschnappt worden.

 

Two suspects were apprehended by police after being seen hurling Molotov cocktails in a forest on a Carmel mountain hilltop. There was a pursuit and the suspects were apprehended. Police suspect that the two may have also been behind the blazes at Tzur Shalom (near Kiryat Bialik north of Haifa) and Tivon.

 

Und das Schockierende: sie sind aus Daliyat el Carmil. Drusen, die ihr eigenes geliebtes Land anziehen? Ihr Nachbardorf?

Israelisches Radio Dezember 3, 2010, 10:30

Posted by Lila in Land und Leute.
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Wer direkte Berichte hören will, kann das hier tun.  Da hat man Zugriff auf alle wichtigen israelischen Radiokanäle. Da unser Fernseh-Provider ausgefallen ist, höre ich auch Radio (ich höre Reshet Bet).  Hebräischkenntnisse von Vorteil…

Kleines Erlebnis am Morgen Dezember 3, 2010, 8:53

Posted by Lila in Land und Leute.
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Ich war vorhin im Garten, unsere trockenen Bäumchen ein bißchen wässern. Wir haben drei Wasserhähne mit Schlauch im Garten, noch keine Tropfenbewässerung, und ich muß den Haupthahn aufmachen, um dann der Reihe nach von allen drei Punkten aus den Garten vor der vollkommenen Austrocknung zu bewahren.

Einer der Schläuche, unten im Garten, hat ein Loch, ein kleines, aus dem das Wasser wie eine Fontäne schießt, sobald der Haupthahn aufgeht. Das habe ich nicht bemerkt, während ich auf der anderen Seite des Hauses die Kräuter wässerte. Als ich ums Haus ging, kniete dort ein Arbeiter von der Baustelle gegenüber am Wasserhahn. Er erhob sich höflich und sagte, „guten Morgen, ich habe an der Gartentür geklopft, aber keiner hat geantwortet, da habe ich schnell den Schlauch umgebogen und Draht drumgewickelt. Ich habe von gegenüber so eine Art Nebel gesehen und habe schon gedacht, vielleicht brennt was… und dann habe ich gesehen, daß der Schlauch leckt“.

Ich habe ihm gedankt und wir haben zusammen den Carmel angeguckt und den Kopf geschüttelt. Als ein wilder Windstoß mir den Rock davonwirbelte, tat er so, als wäre nichts passiert, wie ein echter Gentleman. Er hat mich noch gefragt, ob wir hier neu sind, und hat mir angeboten, daß ich mich an ihn wenden kann, wenn ich Hilfe brauche. Dann ist er wieder an seine Arbeit gegangen und ich an meine.

Er ist Araber aus Abu Snan.  So kenne ich israelische Araber. Hilfsbereit, freundlich, höflich.

Der Carmel brennt immer noch Dezember 3, 2010, 6:54

Posted by Lila in Land und Leute.
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Ich habe auf der Couch campiert und beim Aufwachen in der Morgendämmerung sofort gesehen, daß das Feuer weiter brennt. Ich sehe auch, daß es weiter in Richtung Daliyat al Carmel zieht. Inzwischen sind die ersten Löschflugzeuge eingetroffen, die uns andere Länder zur Verfügung gestellt haben. Hoffentlich wird es heute mit internationaler Hilfe gelingen, dieses Feuer unter Kontrolle zu bringen. Hunderte Feuerwehrleute schuften seit Stunden und weigern sich, Ruhepausen in Anspruch zu nehmen.  Fachleute schätzen, daß es Tage dauern wird, das Feuer zu löschen.

Die Namen der Toten sind veröffentlicht, sie sind alle  identifiziert.  Alles junge Menschen, Männer und Frauen,  Mitte 20, Anfang 30 – viele mit kleinen Kindern, mindestens drei hinterlassen schwangere Frauen.  Wie vermutet, sind Drusen dabei.  Heute werden den ganzen Tag Beerdigungen stattfinden, im ganzen Land, Zfat, Ofakim, Netivot, Kfar Jatt, Yirka. Was für ein grauenhafter Tod.

Der Wind pfeift weiter. Der Qualm zieht in einer riesigen Fahne übers Meer. Ein Albtraum.

So sieht es aus über 30 km Entfernung aus, von unserem Balkon.

Der Wind hat sich gedreht, das Feuer frißt sich in neue Gebiete.

Der Qualm zieht übers Meer

Eher links im Bild das Hochhaus der Uni – man erkennt rechts davon die Qualmwolken über den näher am Meer liegenden Orten auf der anderen Seite des Carmel-Gebirgszugs. Die Uni Haifa liegt auf dem Höhenzug, hinter ihr beginnt das Naturschutzgebiet, das jetzt vollkommen verbrannt ist.  Auch das edle Stadtviertel Denia, wo ich zwei Freundinnen habe, liegt ganz in der Nähe.

Hier sieht man den Brandherd links von der Uni, das sind die Drusendörfer landeinwärts. Usfiya, Daliat el Carmel. Angeblich sind in Usfiya Häuser verbrannt, und Daliat el Carmil ist in Gefahr.

Der Wind weht nach wie vor heftig.