jump to navigation

Gute Wünsche Dezember 24, 2010, 15:41

Posted by Lila in Kinder, Persönliches.
trackback

Frohe Weihnachten meinen lieben und hochgeschätzten Lesern, und wer nicht feiert: freut Euch an der Feststimmung rundherum.  Ich war zwar schon seit drei Jahren nicht mehr zu Weihnachten in Deutschland, aber ich glaube, in den meisten Familien ist trotz Geschenk-Lawine und allgemeiner Hektik ein fester Kern von Weihnachtsstimmung geblieben.

mein Bruder und ich – war das anno 1969 oder 1970?

Wenn ich versuche, Israelis deutsche Weihnachten zu erklären, gucken sie mich erstaunt an. Denn hier wird in den Medien amerikanische Weihnachtsstimmung verbreitet: Sportwettkämpfe, motorradfahrende Santa Cläuse und kitschige Filme mit elektrisch beleuchteten Plastikbäumen und Kindern, die hart bestraft werden, wenn sie sich weigern, an die hohle Mythologie des Kommerzes zu glauben (wie hieß dieser geisterhafte Animationsfilm mit dem Expreßzug zum Nordpol noch mal? Mein Gott, so ein Film könnten einen zum Weihnachtshaß bringen, wüßte man´s nicht besser).

Babypüppchen muß auch singen

(Ich weiß, ich poste diese Bilder alle Jahre wieder, aber ich hab keine anderen digital greifbar)

Auch die seit Wochen durch Nazareth strolchenden Gruppen von lärmenden Jugendlichen in Santa-Claus-Masken und das große Feuerwerk heute abend sind für mein Gemüt ungewohnt und damit un-weih-nacht-lich. Ich besuche Nazareth in der  Vorweihnachtszeit gern, aber natürlich will sich bei strahlendem Sonnenschein und Frühlingswetter einfach keine Weihnachtsmarktstimmung einstellen…

Ach, was hatte ich für Angst vor dem Nikolaus!

Wir haben unsere Weihnachtserinnerungen, und ich bin froh, daß ich es meinen Kindern fast jedes Jahr ermöglichen konnte, Weihnachten in Deutschland mitzuerleben. Sie sind sich alle einig, daß es eigentlich kein magischeres Fest für Kinder gibt als Weihnachten – die Wartezeit, die Kerzen, die Abende mit Nüsseknacken, Apfelsinenessen und Plätzchen um den Adventskranz, dann das Warten aufs Christkind (das hoffentlich noch nicht gänzlich ausgestorben ist…) und das Singen und das Glöckchen und das Vorlesen aus der alten Bibel mit den Illustrationen von Dore. Wobei alle lächeln, wenn „das Kind in der Krippe“ erwähnt wird, denn eines unvergeßlichen Abends las eine junge Verwandte „das Rind in der Krippe“. R und K sind sich aber auch sehr ähnlich in der alten Druckschrift.

Ich erinnere mich an Weihnachten bei meiner Oma, an die Blockflöten-Wettrennen zwischen meinem Vetter und mir („Kommet ihr Hirten“ – wer konnte das schneller?) und an Omas leicht sorgenvolllen Blick – sie hatte die Geschenke stets so gut versteckt, daß sie sie nicht wiederfinden konnte. Einmal tauchte im Februar ein von ihr schön gehäkelter Teppich für mein Puppenhaus auf…

Überhaupt meine Puppen. Sie verschwanden im Advent, um sich im Himmel vom Christkind neue Kleider anpassen zu lassen. Ich habe das ohne jeden Zweifel geglaubt und sie am Weihnachtsabend freudig begrüßt in ihren schönen neuen Sachen – wobei mir schon klar war, daß die Oma diese Kleider und Pullöverchen gemacht hatte. Aber zu Weihnachten war Oma nun mal Christkinds Helferin. Und mir tat nur leid, daß Susi und Michael und Brigitte mir nicht erzählen konnten, wie es im Himmel eigentlich aussah.

mit unserer Oma – auf dem Schrank liegt die Puppe Monika, mit der schon meine Mutter und Tante als Kinder gespielt haben

Jedes Jahr zu Weihnachten wurden auch wieder die Familien-Dönekens erzählt. Von meiner Mutter und meiner Tante, die sich gegenseitig zu Weihnachten mit neuen Bänden ihrer liebsten Mädchenbuch-Serien zu beschenken pflegten. Meine Mutter sammelte Elke (Elke die Welke, wie ihr großer Bruder sagte), und meine Tante sammelte Pucki. In der Adventszeit las die große Schwester zuerst das für die kleine Schwester gekaufte Buch und umgekehrt. Irgendwann wurden die Bücher dann unter dem Siegel der Verschwiegenheit ausgetauscht und ebenfalls gelesen. Womit die Überraschung unter dem Weihnachtsbaum ruiniert war.  (Weswegen das eine Warn-Geschichte war. Tut das bloß nicht, Kinder! Ich habe die Serien übrigens geerbt.)

Meine Mutter war als Kind eine Naschkatze, und einmal hat sie sich am guten Heringssalat (den es in unserer Familie von jeher zum Heiligabend gibt) samt Plätzchen so überfressen, daß sie sich übergeben mußte. Und sie hat sich mal unter den Weihnachtsbaum verkrochen, bis der kippte und umfiel. Das mußte sie uns oft erzählen.

Ich erinnere mich auch noch an das Weihnachtsfest, als mein Vater hocherfreut den Auto-Feuerlöscher auspackte, den sein ebenfalls autoverrückter Bruder ihm geschenkt hatte. „Ach“, rief er, „guckt mal, wie einfach das geht. Man zieht nur hier und drückt dann da…“, woraufhin der Feuerlöscher anfing zu spucken und zu schäumen. Unser Vater verschwand mit ihm auf dem Balkon, wo der Feuerlöscher sich seiner gesamten Ladung entledigte. Zu unserer großen Freude.

Ich habe rührenden Glauben auch bei meinen Kindern gesehen. So bewegen sich ja bei uns die ganze Adventszeit über unsere schönen, aus Olivenholz geschnitzten Krippenfiguren langsam in Richtung Krippe. Erst Josef, dann Maria, und von der anderen Seite tauchen nacheinander die Hl. Drei Könige auf mit ihren Kamelen. Sie ziehen langsam die Bücherreihen entlang. Als Quartas bester Freund einmal zu Besuch kam, zeigte sie ihm die Figuren und flüsterte: und weißt du was, nachts bewegen die sich!

Und einmal hatte ich beim Stoff-Nikolaus mit den Taschen, der seit Jahren treu seine Adventsdienste bei uns leistet, ein Papierchen vergessen. Da meinte Tertia ganz andächtig: guck mal Mama, der Nikolaus hat ein Papierchen liegengelassen!

Dieser Nikolaus hängt immer noch im Advent bei uns an der Wand, einträchtig neben den Chamsa-Glücksbringern. Auch meine großen Jungens gucken jeden Morgen nach, was der Nikolaus ihnen gebracht hat. Weihnachten hat so was an sich, man glaubt gern an Wunder.

bei meiner Mutter – so wird es auch heute aussehen


Wir werden bei Einbruch der Dunkelheit ins Örtchen Miilya fahren, ganz in der Nähe – eins der gänzlich christlichen Dörfer in Israel. Dort ist schön geschmückt und wir können ein bißchen Weihnachtsstimmung aufsaugen.  Die Christen dort sind Melkiten – eine ganz besondere Kirche mit griechisch-orthodoxem Ritus, die sich dem Papst unterstellt hat.  Ein altes Castellum der Kreuzritter steht da auch noch. Noch näher bei uns liegt ja die Kreuzritterburg Montfort. Und Jesus kam schließlich auch aus Galiläa.

Kommentare»

1. heplev - Dezember 24, 2010, 16:26

Eigentlich schade, dass ihr dieses Jahr nicht hier seid – wo gerade die weiße Weihnacht wahr wird, die wir immer überall besingen!
Euch schöne Tage!

2. katrin - Dezember 24, 2010, 22:57

Frohe Weihnachten und der Film heißt „Der Polarexpress“
MfG Katrin

3. Lila - Dezember 24, 2010, 23:41

Richtig – und ist er nicht mehr als gräßlich? Uh, diese Kinder mit den toten Augen, und die albtraumhaften Wichtel, und der furchteinflößende Santa. Ich hab den Film nur einmal gesehen, aber war vor Entsetzen so gelähmt wie anno dazumal, als ich das erste Mal vom Horla gelesen hatte… bei der Vorstellung, daß Millionen von Kindern diesem Schrecken ausgesetzt wurden.

4. katrin - Dezember 25, 2010, 1:05

ein wirklich schöner Film ist „Der kleine Lord“
Er ist bei uns Pflicht zur Weihnachtszeit.Genau so wie die Tochter auf „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ besteht.
Den Polarexpress mag hier auch keiner sehen….der ist sehr *unweihnachtlich*

5. Flash - Dezember 25, 2010, 15:18

Herrlich, die alten Fotos. Die Kindheit und die ganze Zeit damals erscheinen einem doch immer wieder idyllisch.

Und unseren Kindern wird es dann mit ihrer Kindheit wieder so gehen.

Weihnachten ist ein Kinderfest.

6. Marlin - Dezember 25, 2010, 20:55

In der Tat, schöne Fotos. Alles Gute Euch allen. 🙂

7. Letters from Rungholt | Notizblog - Dezember 26, 2010, 14:33

[…] from Rungholt Der Blog “Letters from Rungholt” hält unter der Überschrift Gute Wünsche wunderbare Beschreibungen verschiedener Weihnachtserinnerungen der Authorin […]

8. Teutanixcus - Dezember 29, 2010, 4:34

Danke für die schönen oder interessanten Fotos !
– So ähnlich sah es bei uns in Nordrhein-Westfahlen auch aus, wenn wir Kider auch ca. 10 Jahre älter waren. Nun bin ich ganz traurig.
Und man kann verrückt werden, wenn man hört, was die Arschkriecher des Islam alles gegen Tradition und Inhalt des Christentums so unternehmen, leider auch in den USA.
Kopten aus Ägypten werden in Deutschland oder Schweden nicht aufgenommen, weil sie sich gegen ihre islamischen Verfolger in Ägypten wehrten und nun hier neuen Herrenmenschen vergraulen könnten . . . ., ebenso wird das tägliche Morden von Christen verschwiegen, ganz abgesehen von der notorischen Verleumdung ISRAELs.

Den sogenannten WEIHNACHTSMANN – ein wesentliches Element der Entchristlichung der Weihnachtsbotschaft — den sollten wir bekämpfen indem wir das immer wieder ansprechen: Es ist doch das Christkind, das kam un dfür die Kinder zu Weihnachten wieder kommt, um Geschenke aus Liebe zu verteilen. Und letztlich die göttliche Liebe durch Jesus selber.

. . . Wir haben in Deutschland dies Jahr den frühesten und meisten Schnee im Dezember, den ich je erlebt habe. – Was mich daran erinnert, wie sehr mir als Kind das mich Ziehen meiner Mutter mit dem Schlitten Spaß gemacht hat, – wärend ich dabei auf dem Rücken oder Bauch liegend . . . .

Ich schicke Dir mal Advents- und Weihnachtslieder, die mich immer am meisten berührt haben :

Es ist für uns eine Zeit angekommen
(ist ein Sternsingerlied aus dem Weihnachtsbrauchtum der deutschsprachigen Schweiz, 1939 entstand dazu in Deutschland eine Neufassung, wahrscheinlich um dem „jüdischen“ ( mosaischen) Christentum Konkurrez zu machen.)
>>
Es ist für uns eine Zeit angekommen,
die bringt uns eine große Freud.
Es ist für uns eine Zeit angekommen,
die bringt uns eine große Freud.
Übers Schneebedeckte Feld,
wandern wir, wandern wir,
durch die weite, weiße Welt.

Es schlafen Bächlein und Seen unterm Eise,
es träumt der Wald einen tiefen Traum.
Es schlafen Bächlein und Seen unterm Eise,
es träumt der Wald einen tiefen Traum.
Durch den Schnee, der leise fällt,
wandern wir, wandern wir,
durch die weite, weiße Welt.

Am hohen Himmel ein leuchtendes Schweigen,
erfüllt die Herzen mit Seeligkeit.
Am hohen Himmel ein leuchtendes Schweigen,
erfüllt die Herzen mit Seeligkeit.
Unterm sternbeglänzten Zelt,
wandern wir, wandern wir,
durch die weite, weiße Welt.

Fröhliche Weihnacht überall

Fröhliche Weihnacht überall
Tönet durch die Lüfte froher Schall.
Weihnachtston, Weihnachtsbaum
Weihnachtsduft in jedem Raum.
Fröhliche Weihnacht überall
Tönet durch die Lüfte froher Schall.

1. Darum alle stimmet ein
in den Jubelton,
denn es kommt das Heil der Welt
von des Vaters Thron.
2. Licht auf dunklem Wege,
Unser Licht bist du,
Denn du führst die dir vertrau’n,
ein zur sel’gen Ruh.
3. Was wir andern taten,
sei getan für dich,
Daß bekennen jeder muß,
Christkind kommt für dich.

Es ist ein Ros entsprungen

1. Es ist ein Ros entsprungen
aus einer Wurzel zart,
als uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art,
und hat ein Blümlein bracht,
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.
2. Das Röslein, das ich meine,
davon Jesaja sagt,
hat uns gebracht alleine
Marie die reine Magd;
aus Gottes ewgem Rat
hat sie ein Kind geboren
wohl zu der halben Nacht.
3. Das Blümelein so kleine,
das duftet uns so süß;
mit seinem hellen Scheine
vertreibt’s die Finsternis.
Wahr‘ Mensch und wahrer Gott,
hilft uns aus allem Leide,
rettet von Sünd und Tod.

O Tannenbaum

1. O Tannenbaum, o Tannenbaum,
du trägst ein‘ grünen Zweig,
den Winter, den Sommer,
das dauert die liebe Zeit.
2. Warum sollt ich nicht grünen,
da ich noch grünen kann?
Ich hab nicht Vater noch Mutter,
der mich versorgen kann.
3. Und der mich kann versorgen,
das ist der Erde Schoß,
er läßt mich wachsen und grünen,
drum bin ich schlank und groß.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s