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Ein komisches Gefühl Dezember 23, 2010, 9:15

Posted by Lila in Persönliches.
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Heute steht auf der Speisekarte für meine geplagten Studenten: Karolingische Renaissance. Ich kann überhaupt nicht sagen, wie seltsam sich das anfühlt, hier im strahlenden Sonnenschein, mit Blick auf die Bucht von Haifa, von Aachen und dem Kaiser Karl und seinem Scriptorium zu erzählen.  Noch dazu am 23. Dezember.

Als mein Bruder und ich klein waren, war es bei uns Sitte, daß unser Vater uns zu einem Ausflug mitnahm, während unsere Mutter und Oma zuhause dem Christkind halfen. (Ich habe ziemlich lange geglaubt, daß da tatsächlich etwas Übernatürliches vorgeht – meine Eltern und Oma waren einfach sehr überzeugend, alle Achtung). Und zu den Zielen, die wir am Heiligabend-Nachmittag ansteuerten, gehörte auch Aachen, der Dom, der Domschatz. Und natürlich die Schaufenster, das Rathaus, der Karlsbrunnen. Das ist für mich einfach Kinderheimat.  Wie kann das jemand nicht kennen?

Alles, was ich über karolingische Renaissance weiß, habe ich hier in Israel gelernt …. und das war noch viel seltsamer: in Haifa in einer Vorlesung zu sitzen und die Spolien im Dom erklärt zu kriegen, den ich doch aus den Weihnachtsfahrten mit Papa so gut kenne.  Nein, ich kann gar nicht beschreiben, wie vertauscht ich mich in solchen Momenten fühle, wenn ich in den Gesichtern der Studenten sehe, daß Aachen für sie so weit weg ist wie der Mond.

Kommentare»

1. Erik de Smidt - Dezember 23, 2010, 10:00

Du wirst lachen, genau dorthin werde ich morgen mit meiner Kleinen gehen (oder rutschen, falls noch mehr Schnee fällt). Aber glücklicherweise wohne ich direkt um die Ecke. 🙂

2. Yoav Sapir - Dezember 23, 2010, 10:38

Ich glaube dich sehr gut zu verstehen, nachdem ich mir früher in Heidelberg so manches zum Judentum habe erklären lassen.

Was unterrichtest du eigentlich?

3. Lila - Dezember 23, 2010, 12:25

Karolingische Renaissance – natürlich Kunstgeschichte. Heute auf dem Menü: Kunst des Mittelalters. Daß ich Ende September noch immer im 9. Jahrhundert hänge, zeigt, daß ich dieses Semester die Sache nicht schnell genug durchziehe bzw daß mehrere Stunden ausgefallen sind. 👿 Bis in 4 Wochen muß ich sie bis zur Gotik prügeln, keine Ahnung, wie das gehen soll…

Ich unterrichte übrigens auch israelische Kunst, das ist für meine Zuhörer bestimmt auch nett, wenn ich ihnen was von Sigalit Landau erzähle 😀

Aber ich hab auf Kongressen schon Japanern und Brasilianern zugehört, die Kirchendecken in Rom oder Grabkapellen in Neapel erforscht haben. Es ist oft von Vorteil, einen gewissen biographischen Abstand zu seinem akademischen Fach zu haben.

Studenten in den ersten Semestern erkennt man daran, daß sie gern für ihre Hausarbeiten Themen auswählen, die „too close to home“ sind. So schreibt die alleinerziehende Mutter über alleinerziehende Mütter usw. Das vergeht aber irgendwann.

4. willow - Dezember 23, 2010, 14:04

„Wie kann das jemand nicht kennen?“

Da oute ich mich mal… *schäm* – hat irgendwie nie geklappt. Aber wenn wir mal richtig oll sind, dann zeiger wir uns gegenseitig solche noch bißchen olleren Sachen, ja? 😉

5. Lila - Dezember 23, 2010, 14:22

Ha, ich bin bestens gerüstet für Eure Weltgegend, hab mich ins Thema eingelesen 😀

6. grenzgaenge - Dezember 23, 2010, 14:25

Liebe Lila,

ich wünsche Dir und Deiner Familie FROHE WEIHNACHTEN !

Dieses Video scheint mir eine schöne Einstimmung zu sein …

Herzliche Grüsse,
G.

7. mibu - Dezember 23, 2010, 14:39

„… war es bei uns Sitte, daß unser Vater …“ … dafür war Opa zuständig.

„Und zu den Zielen, die wir am Heiligabend-Nachmittag ansteuerten, gehörte auch Aachen, der Dom …“ … war bei uns oft die Basilika in Weingarten, in der verschiedene schöne Krippen zur Weihnachtszeit aufgestellt sind. Davor gab’s ’nen großen Spaziergang durch die Winterlandschaft, manchmal über zugefrorene Weiher (von denen man mit nassen Schuhen zurückkam, wenn einer doch nicht so zugefroren war wie’s schien). Wenn’s dann dunkel wurde, ging’s nach hause und in die Wohnung der Großeltern, um auf das Läuten eines Glöckchens zu warten.

8. willow - Dezember 23, 2010, 17:51
9. heplev - Dezember 23, 2010, 20:22

Darauf eine Printe 🙂

10. mibu - Dezember 24, 2010, 13:52

Allen, hier aber besonders Lila und ihrer Familie, wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest, schöne Feiertage und schon jetzt viel Gesundheit, Zufriedenheit und Glück für’s neue Jahr.

11. yael1 - Dezember 24, 2010, 13:53

Hallo Lila, ich wünsche dir und deiner Familie ein schönes Weihnachtsfest.

12. Piet - Dezember 24, 2010, 15:51

Dem schließe ich mich, sonst mehr lesend als schreibend, gerne an: Ich wünsche allen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

13. Silke - Dezember 24, 2010, 16:18

hier ist meine Version http://www.youtube.com/watch?v=dXcNfA4qebQ

und nicht vergessen: Irving Berlin war …

für robustere Gemüter Latma TV hat sich ne Variante zu Jingle Bells ausgedacht, die mir gefällt.

und für Nicht-so christlich Gestimmte nicht vergessen, Wintersonnenwende ist rum, die Tage werden länger und länger und länger, die Welt wird heller und heller und heller

last but not least Frohe Feiertage für Lila und die multi-religiösen ihren


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