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Nach dem Feuer Dezember 10, 2010, 11:58

Posted by Lila in Land und Leute, Uncategorized.
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Dieses Wochenende soll es stürmisch werden, viel Regen haben uns die Wetterexperten versprochen. Bisher scheint die Sonne, der Himmel ist wolkenlos, aber ich hoffe, diese Wetterfront kommt trotzdem. Für den abgebrannten Carmel ist so viel Wasser auf einmal allerdings gefährlich: weil die Bäume verbrannt sind, die das Wasser in der Erde halten könnten, fürchtet man dort Schlammlawinen.

Meine Freundin, die in Ein Hod im Janco-Dada-Museum arbeitet, ist gestern dorthin zurückgekehrt. Ich habe noch nicht mit ihr gesprochen, aber soweit ich weiß, ist es so gut wie unzerstört. Aber viele Gruppen haben ihren Besuch abgesagt, sie wollen nicht in ein Katastrophengebiet kommen. Ein Hod, ein fast überirdisch schönes Fleckchen, in dem wir so oft waren, sieht jetzt ganz anders aus und es wird Jahre dauern, bis es sich erholt. Ich möchte unbedingt hinfahren und alle Museen und Galerien besuchen, die es dort gibt. Sie freuen sich über jeden Besucher.

Ein Museum jedoch werde ich nicht mehr besuchen können. Wie oft hat meine Freundin mich gedrängt, mit den Mädchen mal das Spieldosen-Museum zu besuchen! Sie hat oft Gruppen dort abgeliefert und kennt den alten Mann gut, der es leitet. Er hat aus Liebe zu Spieldosen über Jahrzehnte hinweg Exemplare aus aller Welt gesammelt.

(Mehr Bilder hier.) Sie hat mir so oft davon vorgeschwärmt, und ich habe immer gesagt, hm, diese Woche paßt es nicht, vielleicht in den Ferien…. Zu spät. Es gibt das Museum nicht mehr, es ist abgebrannt.

Nisan Cohen, der Museumsgründer, ist 84 Jahre alt. Keiner weiß, wie viel Zeit ihm noch bleibt, um sein Museum neu aufzubauen.  Aber ich werde zur Eröffnung dabeisein.

Auch die Bilder von Guy Shahar sind sehr traurig (den Hinweis verdanke ich Bert, dem der Brand auch sehr nah auf die Pelle gerückt ist, viel näher als mir).

IsraelMatzav verweist auch auf Yemin Orde, das Jugenddorf, das durch das Feuer verwüstet wurde. Dort haben 500 Jugendliche gelebt, viele von ihnen Waisen, deren einziges Zuhause es war. Manche von ihnen haben im Brand die Bilder ihrer Eltern verloren und die einzigen Habseligkeiten, die sie noch an die Eltern erinnern.

 

Kurz nach dem Brand kam eine Gruppe von sudanesischen Flüchtlingen, die dort als Kinder aufgenommen wurden, und trauerten um das Dorf. Sie trugen ein Plakat, „Kinder Darfurs in Israel“ (Bnai Darfur, Facebook).

 

(Adam sieht auf das Jugenddorf Yemin Orde vor der Zerstörung –  und Adams Geschichte.)

Hoffentlich werden die Häuser und Klassen schnell wieder aufgebaut. Die verlorenen Erinnerungsstücke sind nicht zu ersetzen.

 

 

Kommentare»

1. Malte S. Sembten - Dezember 10, 2010, 12:56

Nisan Cohen, der Museumsgründer, ist 84 Jahre alt. Keiner weiß, wie viel Zeit ihm noch bleibt, um sein Museum neu aufzubauen.

Hat er denn die Spieldosen-Kollektion retten können? Ohne die Ausstellungsstücke wäre ein Neuaufbau des Museums ja sinnlos.

2. Lila - Dezember 10, 2010, 13:22

Nein, er hat nichts retten können. Er will eine neue Sammlung aufbauen, ein paar der beschädigten Stücke sind wohl noch zu reparieren, und mit einem Winz-Museum neu anfangen.

Aus dem von mir verlinkten Artikel:

When New Yorker Nisan Cohen moved to Israel 15 years ago, he took along his treasured collection of 200 music boxes, and made it the core of a new museum he opened. On December 6, he sat, woebegone, in his soot-filled museum, his entire collection ruined by the forest fire of the preceding four days.

“The heat was so intense that even those music boxes not reached by the flames had the [mechanical] cone destroyed so they don’t have their music anymore,” he said.

Und aus einem anderen Bericht:

“We hope to be up and running again within several months,” Cohen says. “We’ve begun going over the pieces to see which ones are salvageable or repairable, and we plan on cleaning the ones that survived in the coming days.” After that, Cohen says, he plans to try and acquire more pieces, enabling him to rebuild in the coming months.

“Fortunately the museum had good friends who did not forsake us in our time of need,” Cohen says. Those friends are helping Cohen – with material and other support – get the project going again. “We appreciate all the support we’ve received in the past few days,” Cohen said, with the optimism for which he is known, having printed original bumper stickers that say „Everything is everywhere“ and „Don’t postpone joy“ that he sells in his museum shop.

“With some luck, we’ll have the museum back up and running soon,“ he said.

Er ist wirklich so, meine Freundin bestätigt es, immer optimistisch und total verliebt in seine Spieldosen.

3. yael1 - Dezember 10, 2010, 14:32

Schade um das Museum. Ich hoffe, er schafft es noch mal es neu aufzubauen. Ich wünsche euch Regen und hoffe aber, dass es nicht zu den befürchteten Schlammlawinen kommt.

4. Lila - Dezember 10, 2010, 14:47

Tatsächlich ziehen sich richtig dicke Wolken zusammen. Oh Mann! und der Wind wird kühler. Hoffentlich geht´s gleich los.

5. Yon - Dezember 10, 2010, 18:29

Oh, Gott sei Dank! Mir hat der Mann so wahnsinnig leid getan, ich hatte Angst, er wäre jetzt völlig gebrochen… Wie schön, dass er dieses Unglück mit soviel Optimismus und Überlebenswillen nehmen kann. Wenn ich eine schöne Spieluhr hätte, würd ich sie ihm nun wohl überlassen, mindestens als Leihgabe. Da wüsste ich sie auch in guten Händen! 🙂
Vielleicht finden sich ja wirklich viele Leute, die das tun können. Bitte, würdest Du darüber bloggen, wie es mit dem Museum weitergeht?

6. Silke - Dezember 11, 2010, 12:21

OT
aber weil Wochenende ist, was Herzwärmendes (Israel) und Gräßliches (Iran) zugleich von dem immer und immer besser werdenden Michael Totten, der zu meinem großen Vergnügen ganz ohne „ich als Experte“ hochgradig Lesenswertes produzieren kann.

Iran’s Other War
http://pajamasmedia.com/michaeltotten/2010/12/09/iran’s-other-war/#comment-24836

und hier ist zur Vervollständigung der Link zum deutschen Bahai-Tempel
vor Jahrzehnten bin ich da gewandert und aus’m Wald auf das Gelände zu kommen, hatte was, es paßte, besser als so manche Jagdhütte. Hätte ich ne elitäre Journalistenschule besucht, würde ich die Erfahrung als „organisch“ beschreiben 😉

bahai.de/haus-der-andacht.html

7. Lila - Dezember 11, 2010, 12:54

Silke, ich sehe die Bahai-Gärten in Haifa bei Nacht von meinem Schlafzimmerfenster aus! Wir sind zwar recht weit von Haifa entfernt, aber sehen die Lichter – und die doppelte Lichterkette der Bahai-Kette den Berg rauf kann man nicht übersehen.

Und am Bahai-Garten in Akko fahre ich fast täglich vorbei.

Die Bahai sind eine interessante religiöse Gemeinschaft. Das deutsche Haus der Andacht kannte ich noch nicht.

Danke für die sehr guten Links! Eine echte Bereicherung.

8. yael1 - Dezember 22, 2010, 15:16
9. Lila - Dezember 22, 2010, 16:29

Ja, das war vorgestern, glaube ich. Sehr traurig. Bei diesen schweren Verletzungen war es praktisch ausgeschlossen, daß sie es überleben konnten. Alle Verletzten sind gestorben. Die Beerdigung war in Afula. Seine Frau sagte, er hätte sich gewünscht, so zu sterben: im Einsatz, bei der Rettung von Menschenleben.

Gut, daß die Regierung den Opfern den Status von Gefallenenen gegeben hat. Das erspart den Familien viel Bürokratie.

Ich war noch immer nicht im Carmel, obwohl ich mir vorgenommen habe, alle Museen und Galerien zu besuchen. Hoffentlich dieses Wochenende…


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