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Die Ermittlungen Dezember 6, 2010, 16:59

Posted by Lila in Presseschau.
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Das war mir rätselhaft, langsam klärt es sich vielleicht auf.

Die beiden Jugendlichen aus Usfiya, die festgenommen wurden – ein 14 und ein 16jähriger, zwei Brüder. Das kam mir seltsam vor – warum nimmt man Jugendliche fest, warum Jugendliche, die aus Versehen ein Lagerfeuer nicht löschen? Das schien mir totaler Overkill. Es sei, dann diese Veröffentlichungen sind nur ein Ermittlungstrick, und die Ermittler vermuten Brandstiftung. Und üben Druck auf die Jugendlichen aus, um den wahren Verdächtigen zu fassen. Der Vater der Jungen beschwerte sich, daß ein Nachbar die Jungen angeschwärzt hatte, und was hatte dieser Nachbar am Stecken, um sowas zu behaupten?

Ich konnte mir auch nicht vorstellen, daß ein Druse den Carmel anzündet. Die Drusen lieben den Carmel wie ihre Seele, das ist unmöglich.

Heute sind die beiden Jungen nach Hause entlassen worden, der Nachbar dagegen, ein Mann in den frühen 30ern, festgenommen worden. Verdacht auf Brandstiftung. Der Mann wohnt im moslemischen Teil von Usfiya – von dem ich nicht mal wußte, daß es ihn gibt. Ich kenne viele Drusen in Usfiya und eine christliche Familie, aber anscheinend gibt es auch Moslems.

Noch weiß keiner Genaueres.  Ich bleibe aber am Ball. Vermutlich sind die ganzen Veröffentlichungen, daß es sich nicht um Brandstiftung handelt, falsche Spuren gewesen… wer weiß, was noch alles ans Licht kommt.

Die Welle der Brandstiftungen hier im Norden, die schon länger anhält, in den letzten Tagen aber unglaubliche Ausmaße angenommen hat, ist jedenfalls gefährlich und brutal. Ich glaube, die Polizei will alles tun, um Nachahmer zu entmutigen. Falls es zu einem Prozeß kommt, werden wir Höchststrafen sehen, so sagt das Lila-Orakel.

ETA: im Fernsehen wird berichtet, daß eine Abteilung der Polizei, die sonst nur schwerste Verbrechen ermittelt, diesen Fall bearbeitet. Sie haben Erlaubnis vom Gericht bekommen, die Handies und Telefone Verdächtiger abzuhören, und diese Erlaubnis bekommen. Dann haben sie die Jugendlichen festgenommen und damit Schockwellen ausgelöst, die per Handy hörbar wurden. Zwei weitere junge Männer wurden festgenommen, und mir scheint, da wird entweder ein Schlangennest ausgehoben – oder ein Nest Gemseneier, das werden wir sehen

 

ETA: Mir scheint, wir müssen unsere Neugierde zügeln, bis die Polizei zu wirklichen Erkenntnissen kommt. Sie veröffentlicht nur Teile, Bruchstücke, aber wir wissen noch nicht alles.

Kommentare»

1. Malte S. Sembten - Dezember 6, 2010, 17:16

Falls es zu einem Prozeß kommt, werden wir Höchststrafen sehen, so sagt das Lila-Orakel.

Abschreckungsurteile sind unrechtsstaatlich. Kein Angeklagter sollte ein härteres Urteil nur deshalb empfangen, weil die Richter sich eine „pädagogische Wirkung“ davon versprechen. Kriminelle Schuld sollte nach der Tat und den Tatumständen beurteilt und bestraft werden, nicht nach der Außenwirkung des Strafmaßes.
In den Brandstiftungsfällen allerdings sind harte Urteile den perfiden Taten völlig angemessen.

2. Lila - Dezember 6, 2010, 17:30

Ich bin keine Juristin, aber ich denke mir, zwischen „Abschreckungsurteil“ und „Strafmaß voll ausschöpfen“ verläuft eine Linie, die auch Richter in Israel kennen.

Ist auch nur meine orakelhafte Vermutung, auf nichts gegründet als auf das Gefühl, daß die Zeit gekommen ist, Brandstiftung richtig ernstzunehmen.

3. Mia - Dezember 6, 2010, 17:39

Verwirrend: Nun heisst es doch wieder, dass der Jugendliche unabsichtlich das Feuer entfacht hat, als er, nachdem er Nargila geraucht hat, die glühende Kohle weggeworfen hat. Der 30jährige wurde festgenommen, weil er die Ermittlungen sabotiert habe.

4. mibu - Dezember 6, 2010, 18:07

Lila, meine Einschätzung läuft darauf hinaus, dass es noch recht lange dauern wird, bis man ein klareres Bild vom Ablauf der Ereignisse, die zu einem solch grossen Unglück geführt haben, bekommen wird. Und ich halte es auch nicht für ausgeschlossen, dass mehrere Personen unabhängig von einander mit sehr unterschiedlichen Absichten dazu beigetragen haben.
Wenn die Ermittlungsbefugnisse in der Weise ausgeweitet werden, wie Du es oben beschrieben hast, bedeutet das für mich zunächst nur, dass man mehrere Verursacher vermutet. Möglicherweise haben ein oder mehrere vorsätzlich Brände gelegt. Aber schon jetzt zu spekulieren, wer was getan haben könnte … Im Moment ist nicht wirklich ein guter Zeitpunkt dafür, ausser man erwischt jemanden in flagranti beim Feuer legen.
Eines der ersten Bilder zeigte eine Verteilung von Brandstellen, die auf mehrere Brandquellen schliessen lässt. Denn hätte sich das Feuer von einer zentralen Stelle aus ausgebreitet, dann hätte es sich z.T. gegen die auf dem Bild erkennbare Windrichtung ausbreiten müssen. Oder der Wind hätte seine Richtung entsprechend häufig in diesem Bereich gewechselt.
Irgendwo habe ich gelesen, dass der Bürgermeister von Usfiya etwas genervt davon ist, dass nun mehrmals hintereinander Personen aus Usfiya mit größerem Tamtam festgenommen und später wieder freigelassen worden sind. Wenn das eine Taktik ist, bin ich mir nicht sicher, ob’s eine gute ist, ob für polizeiliche Ermittlungen nicht doch bessere zur Verfügung stehen.
Es liegen wohl immer noch ein paar Nerven blank, was auch kein Wunder ist.
Hoffentlich regnet’s bei euch genug (aber nicht zu viel !), dass mit der Zündelei Schluss ist.

5. mibu - Dezember 6, 2010, 18:16

„Kriminelle Schuld sollte nach der Tat und den Tatumständen beurteilt und bestraft werden, nicht nach der Außenwirkung des Strafmaßes.“
Malte, ist Abschreckung nicht eine beabsichtigte Aufgabe des Strafrechts ? Eigentlich sogar die wesentliche, da man ja eben keine Rache an den Tätern üben will ?
Wobei man gerade unter diesem Gesichtspunkt auf eine Verhältnismässigkeit von Strafmass zu Schuld, Beteiligung und Vorsätzlichkeit achten sollte.

6. Lila - Dezember 6, 2010, 18:26

Der Bürgermeister von Usfiya weiß auch, daß der Brand in der Gegen seines Orts ausgebrochen ist. Von daher ist klar, daß sich viel Aufmerksamkeit auf Usfiya richtet.

Es ist von seiner Seite aus verständlich, aber nicht ganz professionell, daß er seinen Stolz und seine Loyalität als Druse ins Spiel bringt. Ein Grund, weswegen Bibi Usfiya extra besucht hat, um die Gemüter zu beruhigen.

Daß die Mutter ausgesagt hat, ihr Junge würde nie im Leben Nargila rauchen und zu der Zeit war er bei seiner Tante und der andere in der Schule etc, besagt nicht viel. Es scheint, daß genügend Zeugen für die Sache mit der Nargila gesehen und bezeugt haben.

Die mehreren Brandherde können durch die dauernd umspringenden, extrem starken, heißen und trockenen Winde entstanden sein. Pinienzapfen explodieren, die Funken fliegen weit, wilde Tiere rennen brennend in Panik davon, es gibt viele Erklärungen für die schnelle Verteilung auf mehrere Brandherde. Falls jemand nachgeholfen hat, gibt es FAchleute, die das erkennen können, auch Tage später. Brandstiftung hinterläßt Spuren.

Der 14jährige hat die Nargila zugegeben, und der 30jährige hat das bezeugt. Es wußten wohl mehrere Leute davon und haben keine Hlfe gerufen.

Mich interessiert, ob und wie es Kontakte zu den anderen Brandstiftugen gegeben hat.

Kurz, wir werden sehen.

Regnen soll es am Wochenende.

Mein Mann amüsiert sich gerade über die Ernennung von Bürgermeisterin Miriam Feierberg zur Vorsitzenden des Komittees für die Entschädigung der Betroffenenen, schnelle unbürokratische Hilfe etc. Er meint, sie haben sie bestimmt wegen ihres passenden Namens ausgesucht. (Feier ist jiddisch für Feuer.)

7. Claudio Casula - Dezember 6, 2010, 18:56

Lese gerade: Der 14-Jährige hat heimlich Wasserpfeife geraucht und den verheerenden Brand ausgelöst, als er Kohle in die Gegend warf. So banal kann eine Katastrophe ihren Lauf nehmen.

8. Mikado - Dezember 6, 2010, 19:06

Das hat jetzt zwar nix mit dem Brand in Israel zu tun, aber es geht auch um ein Unglück und wie die Medien damit umgehen. „Wetten, dass…“ wurde am Samstag nach einem Unglück abgebrochen:

http://www.sueddeutsche.de/medien/erfundene-wetten-dass-berichte-es-ist-ungluecklich-geschrieben-1.1032703

9. steponas - Dezember 6, 2010, 20:03

Ab wann sind denn in Israel Menschen strafmündig? Nicht auch ab 14 Jahren? Immerhin kann den Jungs Brandstiftung durch Fahrlässigkeit und fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen werden, sofern ich das als juristischer Laie verstehe.

10. boxi - Dezember 6, 2010, 20:07

unter http://www.boston.com/bigpicture/2010/12/wildfire_in_israel.html gibt es ein „paar“ sehr beeindruckende fotos vom feuer. danke übrigens für die berichterstattung 🙂

11. Lila - Dezember 6, 2010, 20:15

Oh, schreckliche Bilder dabei, auf das schwarze klick ich lieber nicht.

Traurig, traurig, das Museum für Spieluhren. Meine Freundin, die in En Hod im Museum arbeitet, hat oft Gruppen dort hingeführt. Sie hat mich immer gedrängt, mit den Mädchen mal hinzufahren, ja ja, das hatten wir unbedingt vor.

Zu spät, der arme alte Mann, der sein Leben lang Spieluhren gesammelt hat, hat sie alle beim Brand verloren.

12. Malte S. Sembten - Dezember 6, 2010, 21:05

5. mibu – Dezember 6, 2010, 18:16

„Kriminelle Schuld sollte nach der Tat und den Tatumständen beurteilt und bestraft werden, nicht nach der Außenwirkung des Strafmaßes.“

Malte, ist Abschreckung nicht eine beabsichtigte Aufgabe des Strafrechts ? Eigentlich sogar die wesentliche, da man ja eben keine Rache an den Tätern üben will ?

So sehe auch ich das. Aber man sollte dennoch nicht den einen Delinquenten bei gleicher Schuld härter bestrafen als den anderen, nur weil in dem einen Fall gerade mal Abschreckung gewünscht ist. Das widerspräche dem Gleichbehandlungsgrundsatz.

„Offiziell“ ist übrigens Abschreckung nicht Sinn und Zweck des angewandten Strafrechts; angeblich funktioniert sie ohnehin nicht. Sinn und Zweck des angewandten Strafrechts ist 1. die Resozialisierung der Täter und 2. (mit weitem Abstand) der Schutz der Bürger.

13. Malte S. Sembten - Dezember 6, 2010, 21:12

2. Lila – Dezember 6, 2010, 17:30
Ich bin keine Juristin, aber ich denke mir, zwischen „Abschreckungsurteil“ und „Strafmaß voll ausschöpfen“ verläuft eine Linie, die auch Richter in Israel kennen.

Ein Richter kann üblicherweise milde urteilen („Richter Gnadenreich“), aber in einem bestimmten, gleichartigen Fall das Strafmaß zwecks Abschreckung plötzlich bis zum Anschlag ausschöpfen. Und schon haben wir ein Abschreckungsurteil.

Dass ein Richter über das gesetzlich zulässige Strafmaß hinausgeht (aus welchen Gründen auch immer), sollte in einem Rechtsstaat ohnehin nicht möglich sein.

14. Markus Oliver - Dezember 9, 2010, 22:14

Ach Lila,

ich hatte nie einen Zweifel, dass es

1. Moslemische Bewohner Israels
2. mindestens 1 geplante Tat
3. im Zusammenhang mit einem wie auch immer gearteten Dschihad gegen Israel

gewesen ist. In einem Land wie Israel ist die Feuerwehr nämlich viel zu gut vorbereitet, als dass sie von einem Waldbrand DERART überrascht werden könnte. Das Ausmaß der Brände deutete von Anfang klar auf Brandstiftung hin. Nur geplante Brände können so verheerend sein.


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