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Und nun das Wetter Oktober 11, 2010, 23:06

Posted by Lila in Bilder.
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Es wird ja öde, aber es muß raus. Ich genieße die klaren Herbsttage, die nach einem staubigen Zwischenspiel wieder eingekehrt sind, mit allen Sinnen. Vor drei Tagen fiel hier der Yore, also der erste Regen nach dem Sommer. Wie hab ich auf den gewartet! Wir gingen gerade einkaufen, und es fing an zu tröpfeln, als wir auf dem Parkplatz das Auto beluden. Um uns herum erstarrten die Wochenend-Shopper genau wie wir und hielten die Hände auf, ein leicht idiotisches Lächeln auf den Gesichtern. Ja Mensch, von diesem Himmel kann auch Wasser runterkommen, das haben wir ja schon fast wieder vergessen! Welch ein Glück!

 

Dann ging es richtig los. Der Himmel wurde gritzegrau und es pläästerte nur so runter. Wir fuhren langsam in Richtung Norden. Da sah ich in einer Nebenstraße, die auf ein Dörfchen zuführt, einen Soldaten mit riesiger Tasche durch den Regen rennen. Ich sagte nur zum Fahrer: Y., dreh um, wir müssen den Jungen mitnehmen. Er wendete den Wagen klaglos und fuhr in die Nebenstraße rein. Dort fanden wir den Soldaten in einer Bushaltestelle, er hatte Schutz vor den Wassermassen gesucht. Wir boten ihm an, ihn nach Hause zu fahren. Er guckte etwas überrascht, meinte aber, er hat schon seinen Vater angerufen, aber danke. Ganz bestimmt? Bestimmt.

 

Da konnte ich den Regen wieder genießen. Als wir nach Hause kamen, war er schon fast vorbei. Luzifer stakste ums Haus und begutachtete die Pfützen.

 

 

Ich schloß mich ihm an und schnappte mir schnell die Kamera. Wer weiß, wann es das nächste Mal regnet?

 

Das rauschende Bächlein, in das sich unsere Straße verwandelt hatte, war schon verschwunden.

In Richtung Meer konnte man wenigstens noch Wolken sehen.

 

Das ist in Richtung Kabri – die Wolke steht ziemlich genau über Tertias Schule.

Dann klarte es langsam auf.

 

Luzifer schloß seine Inspektion der nassen Erde gründlich ab.

 

Und seitdem ist die Luft so klar, daß man jedes Fenster in Nesher sehen kann, jedes Lämpchen auf jedem Schiff auf dem Meer, und jeden Stern am Himmel. Zu meinem Entzücken ist der Weg unter unserem Haus nach wie vor unbeleuchtet, so daß wir richtig gut Sterne erkennen können. Ich wache manchmal nachts auf und kriege so große Sehnsucht nach den Sternen, daß ich rausgehe auf die Terrasse und einfach nur hochgucke. Das geht immer noch barfuß und leichtbekleidet, die Nächte sind frisch, aber nicht kalt.

 

Dann warte ich oft, bis der Morgen anbricht, das geht ja hier leider sehr schnell. Die Dämmerung ist sehr schön, meine schröddelige alte Kamera kann natürlich nichts davon einfangen als das Bekenntnis, daß ich sie gesehen habe und sie gern mitgeteilt hätte.  Der frühe Morgen ist eine wunderschöne Tageszeit – ich habe dabei immer das Gefühl, der liebe Gott gibt uns eine neue Chance…

 

Und seit dem Regen ist es wirklich eine Freude, zu sehen, wie rein die Luft ist. Ich habe als Kind bei meinen Cousinen mal ein Buch gelesen über eine sehr schmutzige Stadt, die mit Seifenblasen vom Himmel gereinigt wurde – das war im prä-ökologischen Zeitalter und hat mich sehr beeindruckt. Eine ähnlich gründliche Wäsche hat die staubige Luft hier hinter sich. Die getrockneten Tropfen sind geradezu Dreckpladdern. Aber die Luft ist sauber.

Und das war unsere Aussicht heute. Das Meer war so blitzeblau, daß ich in Akko am liebsten gejauchzt hätte und aus dem Bus gesprungen wäre. Leider hatte ich keine Kamera dabei, aber zuhause habe ich sofort angefangen, Bilder zu machen.

 

Es ist ja Quatsch, ich mache Hunderte von dilettantischen  Aufnahmen von immer derselben Aussicht, aber jedes Bild erinnert mich an die Luft an dem Tag, an das Licht und die Temperatur und mein Gefühl dabei. Heute war mein Gefühl: Mensch, ist das schön hier, und: hurra, der Herbst kommt, und: endlich Luft, endlich Kühle, vielleicht brauch ich ja sogar mal ne Strickjacke, in zwei, drei Wochen?

Das war dann am späten Nachmittag,

 

und das der Sonnenuntergang. Leider haben wir keine freie Sicht auf die Sonne, wenn sie untergeht, so wie im alten Haus, als wir den Sonnenuntergang jeden Abend frei Haus geliefert bekamen. Da müssen wir jetzt schon entweder eine Dachterrasse einplanen (das ginge eigentlich) oder aber ein paar Schritte laufen.

 

Trotzdem, ich klage nicht.  Nein nein, ich genieße jede Minute auf diesem wunderschönen Fleckchen Erde.

Kommentare»

1. Schorschi - Oktober 12, 2010, 5:35

Och, Lila. Da kriegt man ja Fernweh.

2. Lila - Oktober 12, 2010, 6:31

Ihr seid jederzeit eingeladen 🙂

Meine Töchter wollen übrigens nach Florida. Sie haben sich in den Kopf gesetzt, das Harry-Potter-Spektakel zu besuchen (das mir mehr wie ein riesiger Fanartikel-Laden vorkommt). Quarta hat im Februar Bat Mitzva und eine Reise nach Florida ist ihr Wunsch… 😯

3. Wolfram - Oktober 12, 2010, 7:57

Mach mal deine Kamera nicht schlecht, die Stimmung kommt gut über!

4. Peelia - Oktober 12, 2010, 15:02

Hallo 🙂

Unvorstellbar, wie sich alle über diesen Regen freuen. Aber nachvollziehbar, wenn der Regen so selten fällt. Hier in Deutschland (ich weiß, das liegt auch um einiges nördlicher) sinken die Tagestemperaturen langsam unter die 10Grad-Grenze. Mit einer Stickjacke ist man da nicht ausgerüstet. Aber so ist das. Einen wunderschönen Herbst Ihnen unbekannterweise!

Liebe Grüße,
Peelia

5. Frau Irgendwas ist immer - Oktober 12, 2010, 16:34

WOW der Blick auf das Mittelmeer …. *neidisch bin* … die Bilder sind schön!
Und ja, im Sommer in der ‚grünen Hölle‘ am Stadtrand von Berlin ist Sterne gucken ein Muss! Auch bei meinen ELtern im Garten … wenn meine Mama Anfang August Geburtstag feiert, sitzt oft die ganze Gesellschaft nach dem Grillen mit dem Kopf im Nacken im Garten und will Sternschnuppen sehen.

6. Karl Eduard - Oktober 12, 2010, 18:49

Das ist soooo schön. Im Winter glotze ich auch manchmal Sterne. Unglaublich, daß das Sonnen mit Planeten sein sollen. Diese Gefunkel.

7. arabrabenna - Oktober 12, 2010, 20:15

Sternegucken geht bei uns fantastisch, am besten im August, gleich von der Wiese aus. 22 Uhr gehn die Straßenlaternen aus und dann breitet sich das Sternenmeer über unserem trauten Heim aus!
Regen hätten wir gern weniger gehabt. Diesmal kam das Wasser bis in den Keller und stand da 1.20m hoch und unser Haus glich einer Insel im Wasser. Der Bach an dem wir wohnen kam gar nicht mehr um die beiden Biegungen sondern floß direkt am Haus vorbei. So unterschiedlich ist der Regen verteilt.


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