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Heute im Bus Oktober 11, 2010, 19:17

Posted by Lila in Land und Leute.
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Ich fahre immer mit dem öffentlichen Nahverkehr, den ich schätze, aber bis in unser Örtchen fährt die große Busgesellschaft Egged gar nicht. Für so abgelegene Örtchen gibt es die kleine Firma Nativ Express, die kleinere oder etwas olle Busse haben und auch seltener fahren als die großen Linien von Egged.

 

Seltsamerweise haben mich heute überall Leute angesprochen, angefangen mit einem jungen Mädchen, das von einer aggressiven Psalmenbüchlein-Verkäuferin beschimpft wurde und das bei mir Trost suchte (und auch fand), über eine ältere Dame, die mich „Süßkind“ nannte, bis zu einer spanischen Touristin, die mit ihrem Vater auf dem Weg von Nahariya nach Rosh HaNiqra war, die Höhlen angucken.

 

Der Bus von Nahariya nach Rosh HaNiqra ist so ein etwas klappriger Nativ-Express-Bus, der durch die Pampas kurvt, Leute wie mich in den abgelegenen Örtchen absetzt, in denen sie wohnen, und schließlich den Berg zur libanesischen Grenze hochkeucht, wo man dann die Zahnradbahn in die Höhlen nehmen kann. Dies war der Plan der spanischen Touristen, und die junge Frau war besorgt, daß sie die Höhlen nicht findet. Wir unterhielten uns auf Englisch, ich zeichnete ihr eine Skizze („raxbal“ schrieb sie neben die gezeichnete Zahnradbahn, hebräisch rachbal), sie erzählte mir von ihrem Verlobten und fragte nach meinen Kindern. Und so kamen wir richtig ins Quasseln.

 

Als ich in Manot aussteigen mußte, bat ich den Busfahrer, ihnen in Rosh haNiqra zu helfen. „Klar mache ich das“, meinte er freundlich lächelnd, und ich fragte ihn spontan, „sag mal, wieso sind eigentlich die Busfahrer bei Egged immer muffelig, und bei Nativ Express immer so nett?“ (das sind sie nämlich wirklich – auffallend freundlich und vergnügt). Da feixte der Busfahrer und meinte, „willst du das wirklich wissen? am Ende hältst du mich für nen Rassisten“.

 

Da mußte ich lachen, denn natürlich war der Busfahrer Araber, und auch die anderen Nativ-Express-Fahrer sind Araber. Die Egged-Busfahrer, die ich kenne, sind tatsächlich überwiegend Juden. Tja, ich weiß es nicht, ich habe auch schon nette Egged-Busfahrer erlebt, aber sehr, sehr selten. Dagegen sind arabische Busfahrer und auch Sammeltaxifahrer oft sehr freundlich und gefällig. Von meinem bevorzugten Taxifahrer, dem jungen Drusen, habe ich ja schon erzählt. Der ist so nett, daß ich Kaffee mit ihm trinken gehen würde, auf der Stelle.

 

Eine Erklärung habe ich dafür nicht.

Kommentare»

1. grenzgaenge - Oktober 11, 2010, 22:08

@Lila: Ich bestreite Deine guten Erfahrungen ja nicht. Aber trotzdem macht es die Vorfälle in Ost Jerusalem nicht ungeschehen. Ein gewisses Misstrauen und (vermutlich übertriebene) Vorsicht wird bei mir bleiben. Ich werde nie entspannt durch das Damaskustor gehen können. Wenn ich mal zu Fuss auf dem Weg in die Jerusalemer Altstadt bin passiere ich immer das Zionstor. Ich kann es nicht begründen. Ein Gefühl spricht einfach dagegen. Ganz unbegründet sind die Warnungen und Mahnungen vieler israelischen Freunde ja leider nicht.

http://grenzgaenge.wordpress.com/2010/09/23/der-fatah-frieden-1/

Ich habe übrigens auch schon sehr nette Egged Fahrer erlebt 😉

Da werden wir nicht auf einen Punkt kommen, Lila.

Aber wir müssen uns ja auch nicht immer einig sein.

2. Lila - Oktober 11, 2010, 22:22

Ostjerusalem und Galiläa sind aber auch nicht zu vergleichen. Wir machen alle unsere Einkäufe in arabischen Geschäften und ich nehme mir schon eine kleine Ewigkeit vor, mal über „Faisals großen Markt“ zu schreiben, shuk Faisal ha-gadol, den natürlich nur alle Faisal ha-gadol nennen, also Faisal der Große.

http://www.pnay.co.il/user/articles.php?oper=article&id=12

Da müßte ich eigentlich mal Bilder machen…

Weder in Akko noch in Kfar Yasif oder Meilia habe ich mich je unwohl gefühlt. Auch in Um el Fachm nicht, der Hochburg des Islamismus, oder in Faradis oder Usfia oder Tamra oder Shfaram oder Majd el Shams. Da bewege ich mich genauso wie in Haifa oder Nahariya.

Ha, nette Eggedfahrer habe ich übrigens auch schon erlebt, dann aber meist ZU nett. Einmal hörte mir einer eine ganze Telefon-Session mit einer Studentin zu. Als ich ausstieg, warf er mir einen betörenden Blick zu und meinte, „na Frau Lehrerin, krieg ich denn auch ne Note?“ Und ich sagte ohne nachzudenken: „Noten gibt es nur für Leistungen“… Bevor das Gespräch weiter abgleiten konnte, stieg ich schnell aus…

3. lalibertine - Oktober 11, 2010, 22:24

Also auf die Egged-Busfahrer lasse ich nichts kommen. Die machen zwar immer ein Gesicht wie zehn Tage Regenwetter wenn man sie um Hilfe fragt, aber sie helfen. So kenn ich das zumindestens. Da wird zwar mit den Augen gerollt, wenn so ein Blondchen auf Englisch um etwas bittet, aber dann wird auch der Verbindungsplan gezückt (und nebenher durch den Stadtverkehr gekurvt) oder der Weg in gebrochenem Englisch erklärt. Hart aber herzlich 😉

Dass Araber oft höflicher rüberkommen wundert mich aber nicht. Zuvorkommendes Verhalten gegenüber Fremden im Sinne der Gastfreundlichkeit ist eigentlich tief verwurzelt in dieser Kultur. Leider hat sich das in vielen Regionen gewandelt, und jeder Tourist wird abgezockt und, falls es eine Sie ist, angemacht. Diese Unsitte scheint jetzt auch im Westjordanland eingezogen zu sein, so habe ich das bei meinem letzten Besuch vor über einem Jahr erlebt. Vor 13 Jahren war das noch anders. Die Menschen waren sehr freundlich und hilfsbereit, aber nie aufdringlich.

4. Lila - Oktober 11, 2010, 22:30

Na ja, ich will den Egged-Fahrern ja nicht ans Zeug flicken, ich hab auch schon nette erlebt, aber eben auch Muffköppen… wie hier erzählt.
https://rungholt.wordpress.com/2010/07/03/geschichten/

Über den hab ich mich vielleicht geärgert. Ich bin doch tatsächlich noch zweimal mit ihm gefahren, aber ich sag nie mehr shalom und toda, wenn ich mit dem fahre, obwohl ich das sonst immer mache. Allerdings, ich bin übelst nachtragend…. 😳

5. Miriam Woelke - Oktober 11, 2010, 23:03

B“H

Vor ca. zwei Stunden aus dem NATIV Bus von Tiberias nach Zfat gestiegen und ein jued. Busfahrer brachte uns die Berge hinauf. Nett uebrigens, doch eines muss man Nativ lassen: Naemlich ihre guenstigen Fahrpreise. Ob das nun von Tel Aviv nach Netanya ist oder von Tiberias nach Zfat.:-)))

Die Mentalitaeten der Araber aus Ostjerusalem und Galilaea unterscheiden sich vollkommen. Waehrend in Ostjerusalem gekloppt wird, sind in Galilae die Araber kaum wegzudenken und beteiligen sich mehr an der israel. jued. Gesellschaft.

Silke - Oktober 11, 2010, 23:43

aber der Fahrer hatte doch geleistet – oder ist einen Bus Fahren keine Leistung?

Als ich Fremdenführerin auf meiner griechischen Insel war, waren mir immer die Amerikaner und die Canadier die liebsten, denn die machten sich praktisch immer die Mühe, trotz des ganzen Chaos und der Verzögerungen und des Durcheinanders im Kampf um die Busse anzuerkennen, daß iich mein Bestes gegeben hatte und damit einer „Note“ würdig war.


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