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Palästina, Israel und andere Kleinigkeiten Juli 22, 2010, 8:15

Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute.
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wie palästinensischer Nationalismus, die Zukunft dieses Teils der Welt inklusive Jerusalem, Siedlern und Grenze. Wenn ich Lozowick lese, bin ich immer beruhigt. Ich denke mir: eigentlich muß ich nicht bloggen, denn er hat schon alles gesagt, hat bestimmt 100mal mehr Leser als ich (ist ja ein bekannter Mann, schreibt noch dazu Englisch, ich hoffe, er hat Leser wie Sand am Meer!), und er durchdenkt die Probleme wirklich von einem interessanten Standpunkt. Es ist mir noch nie passiert, daß ich einen Text von ihm denke und lese: och näää, dat wor et äwwer net. Ich lese und denke mir, ha, genauso ist es, warum konnte ich das nicht sagen? Und deswegen verlinke ich obsessiv zum ihm rüber, weil er wirklich den Standpunkt des vernünftigen, aufgeklärten Zionisten vertritt.

So ging es mir auch heute. Lozowick nimmt einen Artikel von Danny Rubinstein zum Anlaß, seine eigenen Gedanken in die Zukunft wandern zu lassen. Und ich wandere hinterher.

Er sieht, im Gegensatz zu Rubinstein,  alle Zeichen in Richtung Zweistaatenlösung – und das klingt wirklich einleuchtend, trotz wachsender Anhängerschaft der Ein-Staaten-Lösung unter den Arabern. (Den Rest der Welt läßt er mal außen vor, was in diesem Fall gut ist). Seit den 70er, 80er Jahren, als Israelis in Jenin einkaufen gingen, in Jericho Falafel aßen und in Hebron beten gingen, als Palästinenser aus den „Gebieten“ überall zu sehen waren, weil sie in Israel arbeiteten und Bekannte hatten und überhaupt keine Grenze spürbar war – seit diesen Tagen ist viel Wasser den mageren kleinen Jordan runtergetröpfelt.  Kein Weg führt mehr dahin zurück. Wir sind einander fremd geworden.

Intifada, Terror, Grenzanlagen, enttäuschte Hoffnungen hüben und drüben, und jetzt langsam aber sicher wachsender Wohlstand in der Westbank und Ausbildung einer wirklichen eigenständigen palästinensischen Identität zeigen eindeutig in Richtung Staat Palästina. Für die meisten Israelis ist es kein Problem, für eine Räumung der Siedlungen zu stimmen, wenn wir im Gegenzug endlich unsere Ruhe haben und die Palästinenser eindeutig erklären: das war das Ende aller Ansprüche, der Konflikt ist vorbei, gelöst, Makulatur. Um diesen wunderbaren Moment erleben zu dürfen, würde eine Mehrheit der Israelis ohne weiteres auf die Siedlungspolitik verzichten – ein Zyniker würde sagen, wir halten uns die Siedler als Pfand. (Oy vey, ich weiß schon, was aus diesem Satz wieder in den Kommentaren gemacht wird! Zum Teufel mit der Selbstzensur, ich fahr sowieso heut nacht weg….)

Und Lozowick würde, genau wie ich, den Siedlungen nicht nachtrauern. Natürlich sage ich wieder dazu, daß es riesige Unterschiede gibt zwischen wiederbelebten jüdischen Ortschaften, die seit Generationen jüdisch waren, zwischendurch jordanisch waren und in denen jetzt wieder Juden leben – und zwischen illegalen Karavangrüppchen auf umstrittenen Hügeln, in denen Großisrael-Fanatiker wohnen. Für die einen suchen wir einen pragmatischen Kompromiß (ich zähle dabei, was Lozowick nicht erwähnt, auch auf jordanische Hilfe, denn mit denen hat es ja auch geklappt), die anderen räumen wir. Und zwar diesmal vernünftig, nicht holterdipolter wie Gazastreifen-Siedler, die immer noch in Baracken leben und um die sich niemand mehr kümmert.

Wenn ich zu pessimistisch bin, dann stelle ich mir das richtig deutlich vor. Eine einvernehmliche Lösung mit den Palästinensern, ein Ende von Terror und Gewalt,  und eine feste, auch von Feindesländern wie Iran und Kritikern wie Norwegen anerkannte Grenze. Aus den ursprünglich vorgesehenen zwei Staaten im britischen Mandatsgebiet werden zwar drei statt zwei Staaten, aber das ist besser als einer. Salz und Wasser, Salz und Wasser, möge Lozowick Recht behalten, möge Vernunft und Pragmatismus siegen, und mögen wir endlich frei werden voneinander, Israel und Palästina.

Kommentare»

1. Dorothee - Juli 22, 2010, 10:10

Danke für die beiden links, sehr lesenswert!

2. yaacov lozowick - Juli 22, 2010, 22:57

Und danke fuer die Komplimente!

3. Dorothee - Juli 23, 2010, 22:11

schabbat schalom
manchmal findet man auch
-ganz zufällig- schöne Berichte im TV, positive Nachrichten wie diese: http://videos.arte.tv/de/videos/israel_eine_ganz_besondere_schule-3254466.html


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