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Hypertrophierender Familiensinn… Juli 21, 2010, 11:44

Posted by Lila in Persönliches.
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…. scheint ansteckend zu sein. Ich habe den Familienstammbaum auf Geni weiter ergänzt, sieht inzwischen geradezu imposant aus. Anhand der auf dem Familientreffen erstellten E-Mail-Liste habe ich den Zugang zu diesem Familienbaum an die anderen Familienmitglieder geschickt, und ich bin keineswegs überrascht, daß schon fünf von ihnen dort eigene Bäume erstellt haben. Die basteln wir jetzt alle zusammen. Interessanterweise habe ich auf Geni niemand von meiner Familie in Deutschland gefunden – obwohl es Geni in vielen Sprachen gibt, auch auf Deutsch. Ich werde bei Gelegenheit mal meine zahlreichen und sehr geliebten Vettern und Cousinen mit dem Link belästigen.

Es ist schon ein seltsamer Anblick. Wo Y.s und mein Name nebeneinanderstehen, verzweigt sich die Familie in zwei vollkommen verschiedene Teile. Der eine kennt Golda, Mordechai, Gitel, Sarai und Yossi. Der andere Heinrich, Elfriede, Peter, Heidi und Monika. Doch halt, so eindeutig ist das nicht. Der jeckische Teil von Y.s Vorfahren hat Vornamen, die auch aus meiner Hälfte stammen könnten (und die wieder sowas von modern sind!). Und die jüngeren Mitglieder meiner Familie geben ihren Kindern modisch-jüdische Vornamen, die aus der Eltern- oder Großelterngeneration von Y. stammen könnten.

Wir füllen Namen, Bilder, Geburtsdaten ein. Der Familienbaum ist nur Familienmitgliedern zugänglich, aber da wir uns alle gegenseitig  einladen, entsteht ein richtiges Netz. Schön.

Update: mein Schwippschwager kurdischer Herkunft spielt ebenfalls mit. Wir haben unsere Bäume vernetzt, und jetzt kann ich mich auch zu Ghanem und Hassiba durchklicken. Die Cousine aus den USA fügt Details über den amerikanischen Zweig der Familie ein. So sieht sie aus, die jüdische Weltverschwörung…

Kommentare»

1. Yoram - Juli 21, 2010, 12:16

Ich bin ja meistens ein schwarzseher der unkend erstmal das negative sieht: keine Sorge wegen Datenschutz, gerade da das eine US-Amerikanisches Unternehmen zu sein scheint? Die Datenschutzbestimmungen was die Weitergabe an den Staat bzw. die Staaten angeht ist in den USA ja leider doch etwas anders. Meine andere Hauptsorge wären aber auch Datenlecks bzw. das Hacken der Datenbestände.

Auch die Verbindung mit Facebook, die ja sehr »offene« Datenschutzbestimmumg hinsichtlich des Teilens ihrer Nutzerdaten mit Dritten haben, stimmt mich nicht gerade positiv.

Aber wie gesagt, ich sehe manchmal die Dinge zu kritisch.

2. Lila - Juli 21, 2010, 12:49

Tja, ich weiß es auch nicht. Sie versprechen natürlich Schutz der Privatsphäre und Daten. Per Google findet man uns nicht, aber klar, einen Hacker hält das nicht ab. Facebook macht mir auch Bauchschmerzen.

Aber heiterer: ich habe gerade die Kopie der Heiratsurkunde von Urgroßmutter und Urgroßvater gefunden, die haben 1892 geheiratet. Dann hatten sie 13 Kinder, von denen sechs sehr früh gestorben sind. Meine arme Urgroßmutter. Meine Mutter erinnert sich noch sehr gut an sie, sie muß trotz dieser Verluste eine fröhliche Frau gewesen sein. Ihre Sprüche geistern noch immer in der Familie, ich gebe sie an die Kinder weiter.

3. Yoram - Juli 21, 2010, 12:55

(Ich bin mal so frei und »poste« Auszüger der «Terms of Use» und der «Privacy Policy» — wenn Dir das zuviel ist lösch es bitte.)

Terms of Use
(updated March 1, 2010)

VI. Proprietary Rights in Content.

[…] By displaying or publishing („posting“) any Content on or through the Geni Services, you hereby grant, and you represent and warrant that you have the right to grant, to Geni a limited license to use, modify, publicly perform, publicly display, reproduce, distribute, and create derivative works of such Content solely on and through the Geni Services for commercial and non-commercial purposes. […]

Und wichtige Bestandteile der Datenschutzbestimmungen, die bisher nicht auf Deutsch vorliegen:

Geni.com Privacy Policy (Auszug)

[…] Geni also collects Users‘ IP addresses (Anmerkung: IP Adressen sind sehr häufig — in Abhängigkeit des Internet-Zugangs durchaus persönliche und nicht anonyme Daten, da Sie auch den Ort des Anschlusses verraten können) and basic log file information (such as address, browser type and language, number of clicks, domain names of web sites visited, pages viewed, the amount of time spent on particular pages, and the date and time) to help locate potential problems with our server, and to aggregate general user statistics including demographic and geographical information. We use this information to analyze general usage patterns, and to provide advertisements and other services appropriate to the user’s location. Geni may aggregate user information in a non-personally identifiable manner to share with advertisers and to enhance the Website with new features. […]

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[…] If you are accessing the Website from outside the United States, your use of the Website is governed by U.S. law, you are transferring your personal information to the United States, and you consent to that transfer. […]

[…] we cannot guarantee that unauthorized third parties will never be able to defeat those measures or use your personal information for improper purposes. You acknowledge that you provide your personal information at your own risk. […]

4. Yoram - Juli 21, 2010, 12:59

Aber ganz ehrlich — auch mich juckt’s (ganz wenig) das zu nutzen. Ich habe vor Jahren einen Stammbaum mit meinem Vater angefangen, und wenn dieser sich jetzt sozusagen fast automatisch erweitern und korrigieren würde, könnte ich mir viel Arbeit ersparen.

5. Lila - Juli 21, 2010, 13:11

Nicht nur das, Du lernst auch Leute kennen 🙂

Klar, alles ist anfällig für Mißbrauch. Andererseits bietet das Internet wirklich ideale Bedingungen, um so einen Stammbaum zu rekonstruieren. Mich persönlich interessiert es sehr – andere Leute juckt es nicht, meinem Mann zB ist es vollkommen gleichgültig.

Für die avodat shorashim der Kinder haben wir schon sowas erstellt, aber viel primitiver. Mich freut jeder Name, den ich eintragen kann.

So hat meine Urgroßmutter drei Töchter begraben, als sie noch Babies waren. Die erste Tochter hieß Helene. Die zweite Tochter Elisabeth. Die dritte wieder Helene (zwischendurch wurden natürlich noch andere Kinder geboren). Dann endlich wurde eine Helene Elisabeth geboren, die aber im Alter von 20 Jahren starb. Ich kann mir nur vorstellen, was in meiner Urgroßmutter vorgegangen ist. Ich habe nur den Auszug aus dem Familienbuch, wo all die Helenen übereinander stehen. Wer hat an sie gedacht, seit sie Anfang des 20. Jahrhunderts starben? Die Urgroßeltern sind lange tot.

In Y.s Familie, mit den vielen, vielen Löchern, die die Shoah gerissen hat, ist das Gefühl des so-muß-es-sein noch viel stärker. Jeder Mensch hat es verdient, nicht vergessen zu sein.

Natürlich beeinflußt mein Beruf mich…

6. grenzgaenge - Juli 21, 2010, 13:52

Um ehrlich zu sein: Ich möchte gar nicht so viel über meine Familie wissen. Ich glaube die Ergebnisse würden mich nicht unbedingt freudig überraschen.

7. Carl - Juli 21, 2010, 16:11

Wow, du kennst du soviel über deine Familie, wie toll.
Das ist bestimmt schön aber sicher auf der anderen Seite auch sehr schwierig.
Da ich noch nicht einmal meine Großeltern kannte und die handvoll Tanten und Onkel, die mir bekannt waren, schon tot sind und mir der Rest der Familie ebenfalls vollkommen unbekannt ist habe ich keine Chance jemals etwas über unsere Familiengeschichte zu erfahren – nur ab und zu kommen immer wieder Gedanken und Fragen in mir hoch, die niemand jemals beantworten wird.
Es gibt einige Geschichten, die in meiner Kindheit erzählt wurden aber die kratzen nur an der Oberfläche.
Deine Geschichte vom Familienstammbaum berührt mich daher besonders.

8. Marlin - Juli 22, 2010, 21:42

Wir haben dank des 10oo Jährigen Reiches und seiner Erfolge auch keinen Baum. Ist bei der Flucht verlorengegangen. Ich wollte schonmal einen starten, aber naja. Das meiste ist nicht mehr machbar. Und mein Oppa war ein Adoptivkind, also ists da schon recht kurz. Also, väterlicherseits ist vielleicht noch was im heutigen Polen, oder es ist ganz weg, so weiß meine Oma nur was bis zu ihrer Oma, oder so.

Schade. Bei Euch klingt das total supi. Weiter so. Irgendwann kommts eh öffentlich raus. 🙂

9. kalb - Juli 29, 2010, 4:45

Da ich noch nicht einmal meine Großeltern kannte und die handvoll Tanten und Onkel, die mir bekannt waren, schon tot sind und mir der Rest der Familie ebenfalls vollkommen unbekannt ist habe ich keine Chance jemals etwas über unsere Familiengeschichte zu erfahren – nur ab und zu kommen immer wieder Gedanken und Fragen in mir hoch, die niemand jemals beantworten wird.


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