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Unsyrisch! Juli 19, 2010, 22:09

Posted by Lila in Presseschau.
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Ganz lustig, diese beiden Meldungen gleichzeitig.

In Syrien wird das Tragen von Niqabs an Universitäten verboten.

„We have given directives to all universities to ban niqab-wearing women from registering,“ a government official in Damascus told The Associated Press on Monday.

The order affects both public and private universities and aims to protect Syria’s secular identity, said the official, who spoke on condition of anonymity because he was not authorized to speak publicly about the issue. Hundreds of primary school teachers who were wearing the niqab at government-run schools were transferred last month to administrative jobs, he added.

Hingegen bezeichnet der britische Minister für Einwanderung einen Burqa-Bann wie in Frankreich als nicht wünschenswert, da „unbritisch„.

The immigration minister, Damian Green, said banning Muslim women from covering their faces in public would be at odds with the UK’s „tolerant and mutually respectful society“.

Wer hätte gedacht, daß der Tag kommt, an dem Syrien den Briten vormacht, wie man die äußerlichen Anzeichen religiöser Fanatisierung eindämmt! Ach, diese Syrer haben eben keinen Green, der ihnen vorwirft, un-syrisch zu handeln…

Kommentare»

1. boxi - Juli 19, 2010, 22:20

ehrlich gesagt weiß ich nicht was an einem burka/niqabs -verbot toll ist. andere religiöse kleidungen sind doch auch erlaubt.. es bleibt wohl bei der annahme, dass die welt ohne jegliche religionen wohl doch eine bessere wäre..

2. Lila - Juli 19, 2010, 22:41

Boxi, ich weiß nicht, wem Du diese Annahme unterstellst. Ich habe eine positive Einstellung zu Religion und obwohl ich weiß, daß Religionen viel Unheil angerichtet haben und viele Kriege durch religiöse Intoleranz ausgelöst wurden, habe ich nichts gegen Leute, die glauben, sich mit einer Religion identifizieren und danach leben.

Ich habe auch keine dogmatische Anti-Haltung zu religiös geprägter Kleidung und habe mich mit ziemlich vielen meiner Kommentatoren angelegt, als ich das Kopftuchverbot für einen Scheinkampf erklärt habe.

Aber es besteht ein großer Unterschied zwischen einer religiösen Jüdin (Kissui rosh, Tichel, Mitpachat) oder Moslemin (Hijab), die ihre Haare bedeckt, weil sie sich sonst entblößt vorkommt, und einer Verdeckung des ganzen Gesichts, wie bei Burqa und Niqab.

Wir sollten auch nicht vergessen, daß der Apostel Paulus ebenfalls für Kopfbedeckungen für Frauen eintrat, und daß es bis vor ein paar Jahrzehnten auch in Europa durchaus üblich war, daß Frauen ihren Kopf bedeckten – von Rogier van der Weydens Modellen über Miss Mattys Haube bis zu den schicken Hütchen der 50er Jahre.

Oh, und neulich sah ich in der Verkündigungskirche in Nazareth eine Gruppe koreanischer Christinnen, die sich Spitzentücher auf den Kopf legten, bevor sie die Kirche betraten. Tatsächlich kann man solche Gebetsschleier online erwerben 🙂

3. boxi - Juli 19, 2010, 22:57

vermutlich lag es an dem „lustig“ und meiner eigenen beklopptheit… :/

da unterscheiden wir uns wohl, ich hab eine negative einstellung zu religionen, wobei… eigentlich ist es eher eine negative einstellung zu menschen, die mit der „idee“ religion teilweise nicht umgehen können. vielleicht haben mich aber 12jahre katholischer unterricht ein wenig „verblendet“ 🙂
natürlich bestehen da unterschiede. aber wenn es darum geht, dass religöse symbole aus staatlichen einrichtungen rausgehalten werden sollen, dann ja wenn dann alle oder keine. egal welche religion.
aber für mich wirkt es eher darum, die „eigene“ religion zu verteidigen… was man ja teilweise auch hier in europa sieht.

4. willow - Juli 19, 2010, 22:58

@boxi

Nun noch mal zur Sicherheit – in diesem konkreten Fall ist es Syrien, welches ein Verbot der Totalverhüllung anordnet, ähnliche Verbote gibt es auch -teilweise seit Jahren- in etlichen anderen islamischen Staaten.

Totalverhüllung scheint also mit den westeuropäischen Werten eher vereinbar als mit denen in etlichen moderat-islamischen Ländern… nicht umsonst gelten ja die Länder, in denen Burqa/Niqab & Co. „normal“ sind (Iran, Saudi-Arabien, Afghanistan …) als *die* Horte von Menschenrechten, Freiheit und Emanzipation.

5. Lila - Juli 19, 2010, 23:13

Waas, Boxi? 12 Jahre katholische Erziehung habe ich auch auf dem Buckel, mindestens – frommer katholischer Kindergarten, und dann jahrelang Nonnenbunker. Und auch ich bin, wie Du, selbst nicht katholisch, im Gegenteil, komme aus stockprotestantischem Haus, pietistisch angehaucht. Meine Oma war verhinderte Herrnhuterin, meine Urgroßmutter Diakonisse, Urgroßvater (der sie vom Diakonissendasein abgebracht hat) Missionar, die Pfarrerdichte ist nicht schlecht in unserer Familie.

Vielleicht habe ich gerade deswegen ein positives Bild vom Katholizismus. Ich habe den rheinischen Katholizismus als weltoffen, humorvoll, tolerant wenn auch manchmal etwas ignorant erlebt (ach wat, taufen die bei euch auch?).

Ich habe nichts gegen Religionen, auch nicht gegen den Islam. Aber eine Religion existiert nicht im luftleeren Raum, sondern in einer bestimmten sozialen, politischen, historischen Umgebung.

So ist der Karnevals-Katholizismus meiner herzensguten Geschichtslehrerin, die für uns durchs Feuer gegangen wäre, nicht derselbe wie der Katholizismus zur Zeit der Gegenreformation in Spanien, und der Islam meines früheren Kollegen, der alle Menschen mochte und akzeptierte und seiner Frau die Hausarbeit abnahm und ihre Karriere unterstützte und stolz darauf war…., ist nicht derselbe Islam, der Shahidkult zelebriert und Frauen nicht mal die Wasserpfeife zugesteht.

6. Wolfram - Juli 19, 2010, 23:30

Ich weiß nicht… ich halte von diesen Verboten nichts. In einem freiheitlichen Land kann man normalerweise sich kleiden, wie man will, solange man keine Schamgrenzen überschreitet. Aber das Gesicht zu verhüllen wird verboten – außer für Entstellte und Mitglieder von Sondereinsatzgruppen? Und wenn ich mir im Winter einen Schal vors Gesicht binde, werde ich festgenommen?
Wohlgemerkt, der Minister, der in Frankreich dieses Gesetz durchbringen will (es ist noch nicht gültig), ist derselbe, der vor Gericht steht, weil er vor Kameras erklärt hat, „ein Araber, das ist doch nett – nur wenn sie mehrere sind, dann sind sie ein Problem.“ Der Schoß ist fruchtbar noch… und nicht mal in Deutschland…

7. Lila - Juli 19, 2010, 23:39

Man mag von Burqa und Niqab halten, was man will – aber ihr Verbot als „unbritisch“ zu bezeichnen, ist schon absurd. Wer entscheidet, was britisch ist? Oder unbritisch? Was ist unbritischer, die Burqa oder ihr Verbot?

Wie gesagt, gegen Haare bedecken habe ich nichts, aber Ganzverschleierung finde ich bedenklich und ich würde sie nicht gern um mich sehen. Selbstverständlich kannst Du Dir im Winter einen Schal um den Kopf wickeln, aber ebenso selbstverständlich nimmst Du ihn ab, wenn Du Geld abhebst, an der Kasse beim Gemüsehändler zahlst oder ein Paket verschickst.

In der westlichen Gesellschaft gilt es nun mal als unerläßlich zur Kommunikation, als höflich und üblich, das eigene Gesicht zu zeigen. Wenn Frauen das aus Gründen verweigert wird, die nicht anders als fundamentalistisch zu bezeichnen sind, dann kommt meine Toleranz an ihre Grenze.

Ein westliches Land darf schon eine gewisse Anpassungsleistung erwarten. Zu viele türkische oder arabische Frauen sprechen kein Deutsch, geschweige denn lesen oder schreiben deutsch. Meine Mutter hat jahrzehntelang an der Hauptschule unterrichtet und kann ein Lied von unwissenden Müttern erzählen. Eine Frau in der Burqa sagt damit deutlich: ich pfeif auf eure Normen, ich schotte mich ab, ich lebe in einer euch fremden Welt.

Eine Frau im Kopftuch sehe ich nicht so extrem. Wie gesagt, ich habe viel zu viele kluge Studentinnen im Kopftuch, um es als Hindernis zu sehen. Es ist keines. Aber eine Burqa? Eine Burqa schon.

8. boxi - Juli 20, 2010, 7:23

@lila… hm, also den katholizismus den ich kennen gelernt habe, der war nicht weltoffen. der war brutal, menschenverachtend, religionen verachtend. ich erinnere mich noch gut daran wie der bischof zu besuch da war und uns alle anschrie, weil wir die politik des papstes bezüglich kondome in afrika nicht für richtig empfanden… oder an die kommentare wie unrein bei den nichtkatholiken auf der schule… natürlich gab es auch vereinzelte gute erfahrungen, aber in großen und ganzen war es die hölle. meine erfahrung und mit religionen -für mich- nichts mehr zu tun haben zu wollen.

zum thema kopfbedeckung.. das problem ist doch aber, dass es sehr individuell ist, was man nun mag oder nicht mag. ich würde es nicht richtig finden wenn man einer anderen religion vorschreibt wie man damit umzugehen hat. aber das ist auch nur meine meinung 🙂

9. Lila - Juli 20, 2010, 7:36

Meinst Du, Burqa und Niqab sind nur eine Frage des persönlichen Geschmacks, eine modische Entscheidung wie Quer- oder Längsstreifen….? Hmmm…. let’s agree to disagree.

10. boxi - Juli 20, 2010, 10:18

nein natürlich nicht. aber ich bin nicht in der positition über andere religionen zu urteilen. klar kann man das mögen oder nicht mögen, aber deswegen -meines achtens- nicht verbieten, bzw. wenn dann auch z.b. das kreuz bei der ordensschwester nicht zulassen. gerade im bereich der aufgaben die der staat wahrnimmt möchte ich aber schonn, dass dieser die trennung von staat und religion ernst nimmt. ob das durch kreuz/kopftuch etc verbote gelingt ist nochmal etwas anderes.

11. Lila - Juli 20, 2010, 10:46

Was also stört Dich an meiner Argumentation? Genau das sage ich ja auch. Ich gehe nur einen Schritt weiter und sage: Kreuz, Kopftuch, Nonnenschleier, Kippa, Tichel, Turban – halte ich für einen vertretbaren persönlichen Ausdruck persönlichen Glaubens. Gesichtsverschleierung – da hört es für mich auf, aus vielerlei Gründen. Es ist ja auch gar keine religiöse Tradition, sondern Frucht des politisch gerichteten religiösen Fundamentalismus.

Wenn Du Burqa und Niqab in Deutschland für angebracht hältst, ist das natürlich Dein Recht. Ich würde mich dagegen verwahren, daß diese Gestalt gewordene Negierung weiblicher Identität und Ablehnung der westlichen Welt auf deutschen Straßen normal wird. Ebenso wie weibliche Genitalverstümmelung, „Ehren“mord und Zwangsehe für mich keinen Schutz des Grundgesetzes verdienen.

Damit maßen wir uns kein Urteil über andere Religionen an, wie Du kritisierst – wir erklären nur deutlich, was in unserem Land (in diesem Falle Deutschland) erwünscht und üblich ist. Und damit bieten wir den Moslems, die vor genau solchen fundamentalistischen Zwängen ins vermeintlich liberalere Europa geflohen sind, Zuflucht vor dem Druck, den bestimmte Strömungen im Islam ausüben.

Damit erklären wir der Burqa in anderen Ländern nicht den Krieg. Sollen sie es in Pakistan oder Saudi Arabien oder dem Iran für nötig halten, Männer vor dem Anblick weiblicher Nasen, Ohren, Ellbogen und Knöchel zu schützen, weil sie sonst wie Triebtäter über die Verführerinnen herfallen würden – in Deutschland haben wir ein anderes Menschenbild. Und das dürfen wir auch durchsetzen.

Niemand hat die Einwanderer mit vorgehaltener Pistole gezwungen, sich in Deutschland anzusiedeln, oder? Ein Minimum an Anpassungsleistung darf man erwarten, und im Gegenzug Toleranz und Förderung zu geben bereit sein.

Man muß irgendwo den Schlußstrich ziehen. Wo ziehst Du ihn?

12. CK - Juli 20, 2010, 11:50

@boxi: Willkommen im Club. Ich bin ein radikaler, intoleranter Atheist, der jede Form von Religion und Mystik für dummes Zeug hält (also so ein schrecklicher Mensch wie Richard Dawkins einer ist, *lach*) und sogar den rein deistischen, „unreligiösen“ Glauben an einen „Prime Mover“ ablehnt (auch wenn ich damit, ähnlich wie mit einer agnostischen Einstellung, noch gut leben könnte.)

Rationalität, Vernunft und Wissenschaft sind für mich auf Dauer eben nicht vereinbar mit Religion (man sieht ja immer wieder wie diese Dinge miteinander kollidieren, cf. bspw. Debatte zur Stammzellenforschung), auch wenn ich mir bewusst bin, dass auch so manche Wissenschaftler selber religiös sind.

Auch die Vereinbarkeit mit individueller Freiheit ist fraglich, wenngleich es in der Tat im judäo-christlichen Raum recht gut funktioniert. Bin dennoch ein Freund der Brights.

Besonders stark ist meine Ablehnung gegenüber traditionellen Ritualen, bei denen man an Kindern rumschnippelt. Das gilt auch für Jungen, da teile ich die Meinung von Manndat.

Zudem teile ich die ethisch-moralischen Prämissen jeder Religion (Altruismus) nicht. Ich liebe nicht jeden Menschen und ich will auch gar nicht jeden Menschen gerne haben. Und schon gar nicht meine Feinde, die mich versklaven oder umbringen wollen. Diese falsche (christliche) Nächstenliebe unterminiert sowieso unnötig die militärische Selbstverteidigung eines freien Landes.

Ich mag natürlich viele Menschen, die religiös sind, hab Freunde und Bekannte, die Christen oder Juden sind und erkenne an, dass wir sehr viele gemeinsame Werte und Ideen doch haben. Ich lehne auch viele sakuläre, philosophische Ideen (bspw. Materialismus oder Kulturrelativismus) genauso vehement ab wie Religion und ein religiöser Mensch ist mir sowieso immer noch viel lieber als ein Nihilist.

Nichtsdestotrotz ändert dies alles nichts an meiner Meinung zur Religion allgemein. Zumal Religion eine sehr subjektive Angelegenheit ist, bei der nahezu fast alle Interpretationen erlaubt sind.

Feige finde ich allerdings, dass Du nicht urteilen willst. Wer eine Burka trägt, ist ganz einfach geisteskrank. Ob es deswegen ein Verbot braucht, ist zwar ne ganz andere Frage, aber das Offensichtliche nicht beim Namen zu nennen, nämlich dass ein Mensch, der glaubt, sein eigenes (bzw. das seiner Frau oder Schwester) Anlitz sei beschämend und müsse verborgen bleiben, zumal alle Männer sexuelle Monster seien, die unverhüllte Frauen vergewaltigen wollen, ganz einfach arg gestört ist, ist feige.

Da mache ich von meinem Recht auf Diskriminierung Gebrauch. Von dem würde ich übrigens genauso bei christlichen oder jüdischen Fanatikern Gebrauch machen, derer gibt es gottseidank aber nicht soviele.

13. zimtapfel - Juli 20, 2010, 11:55

Ich bin leider auch einfach nicht davon zu überzeugen, das alle Frauen, die solches tragen, dies aus völlig freien Stücken tun. Wie freiwillig kann eine Entscheidung sein, die eine Frau trifft, weil ihr von ihrer Umgebung von klein auf indoktriniert wurde, das alle Frauen, die sich nicht verschleiern, unreine, dekadente Schlampen und sowieso des Teufels sind? Und die in ihrer Sozialisation nie auch nur den Hauch einer Möglichkeit hatten, doch mal Kenntnis von anderen Standpunkten zu erlangen? Das hat für mich eher wenig von Freiwilligkeit.

14. Mikado - Juli 20, 2010, 12:26

Das schlimmste an der ganzen Sache ist, dass man darüber überhaupt diskutiert.

15. boxi - Juli 20, 2010, 12:39

@lila an ihrer argumentation stört mich nichts, auch wenn ich teilweise anderer meinung bin.
ich empfinde das verstecken des gesichtes nicht als etwas unanständiges. warum hört es bei ihnen bei der gesichtsverschleierung auf. warum ist das verstecken der haare ok, dass des gesichtes nicht. das ist doch nicht rational sondern etwas subjektives, so ein „gefühl“. ich sehe jedenfalls nicht ihre argumente.

ich möchte doch auch nicht, dass hier jeder eine burka trägt, aber ich fände es ok, wenn die frauen der meinung sind, dass sie das bräuchten.
sie setzen nicht wirklich eine burka mit einer zwangsehe oder einem ehrenmord gleich. da gibt es nämlich rationale unterschiede.

ich möchte kein deutschland in dem irgendetwas „üblich“ ist, und alles was unüblich ist , soll verboten werden. sie etwa?

ich glaube aber nicht, dass die eigene freiheit sich für ein kleidungsstück zu entscheiden von einem staat bestimmt werden sollte.

was meinen sie mit schlußstrich? und was wenn jmd. eine burka tragen möchte, die schon immer in deutschland gelebt hat? auch kann man ja bestimmte sachen fordern.. aber deswegen regeln und pflichten aufsetzen?

was sind denn bei ihnen ein „minim an anpassungsleistungen“? mir fällt spontan maximal das lernen der sprache ein, einfach weil nur so eine integration möglich ist. aber ob man das deswegen zur pflicht machen sollte?

@ck … geisteskrank? ich bitte sie. niemand ist geisteskrank, erst recht nicht weil er eine burka trägt. es gibt doch auch andere gründe eine burka zu tragen als sie vorbringen, vielleicht findet eine person es ja auch schön so zu tragen, oder fühlt sich so sicher, warum auch immer.

christliche fanatiker gibt es ja ebenso zu genüge, speziell in der usa. ich sags mal so. so lange mit dem tragen von was auch immer meine freiheit und die von anderen nicht gestört ist, darf jeder tragen was er will. warum also nicht auch eine burka. wers mag.

@zimtapfel.. natürlich trägt das nicht jeder aus freiwilligkeit. und das ist ja auch etwas was ich nicht unterstütze. aber deswegen muss man es ja nicht verbieten. ein messer wird auch nicht verboten, obwohl damit viel blödsinn gemacht wird. wissen sie wie ich das meine?

16. Mikado - Juli 20, 2010, 13:05

Alice Schwarzer heute in der FAZ:

„Doch die subjektiven Motive von Mädchen und Frauen, die sich in Demokratien “freiwillig” unter ein Kopftuch oder den Ganzkörperschleier begeben, sind nur die eine Ebene und übrigens vielfältig und wechselnd – so diese Frauen überhaupt die innere und äußere Freiheit haben, die Meinung zu wechseln. Die zweite Ebene aber, die objektive Bedeutung des Schleiers, ist eindeutig: Kopftuch und Tschador waren auch in der muslimischen Welt Relikte der ländlichen, unaufgeklärten Bevölkerung – bis Chomeini in Iran den Gottesstaat ausrief. Seither ist das Kopftuch die Flagge des politisierten Islam und der Ganzkörperschleier sein totaler Sieg.“

17. CK - Juli 20, 2010, 13:09

@zimtapfel: Gefährliche Argumentation. Abgesehen davon dass man andere Standpunkte immer in der Aussenwelt antreffen kann (ausser man wird weggesperrt und dagegen gibt es bereits Gesetze!), könnte man genauso gut dann argumentieren, dass jedes Individuum nur ein indoktriniertes Produkt seiner Umgebung ist und Freiheit nur eine Illusion (manche Menschen, vor allem Sozialisten, tun das ja sogar auch.) Damit kann man dann den Weg zur „Befreiung des Menschen vom System“ aka Zwangsbeglückung freimachen. Es lebe der totalitäre Verbotsstaat am Ende dieser Überlegung 😦

Alle Burka- oder Nijabträgerinnen tragen diese sicher nicht freiwillig, aber viele wohl schon auch aus fanatischer Überzeugung.

Verbote und Zwang führen aber sowieso nicht zur Emanzipation, emanzipieren kann sich der einzelne, mündige Bürger nur selbst.

Problematisch wird es natürlich bei Minderjährigen, Kindern und anderen Unmündigen. Da können Verbote und Verpflichtungen (wie eben die Bildungspflicht) durchaus sehr sinnvoll sein, weil mündig kann natürlich nur werden, wer auch dazu erzogen wird.

18. yael1 - Juli 20, 2010, 13:21

„warum ist das verstecken der haare ok, dass des gesichtes nicht.“

Weil das Gesicht unter anderem die Persönlichkeit mit zeigt. Ich sehe Menschen gern in die Augen und finde es unangenehm mit jemanden zu reden, in dessen Gesicht ich nicht sehen kann.
Die Burka schränkt den Blickwinkel extrem ein und ist alles andere als gesund. Man sieht zum Beispiel kaum wo man hinläuft. Ich kann mir auch vorstellen, wie sehr man darunter schwitzt.
Und wie Lila schon schrieb, in islamischen Ländern können sie es tragen wie sie möchten, aber bitte nicht hier.

19. CK - Juli 20, 2010, 13:25

@boxi: Bitte lauf mal im Sommer selber in einer Burka rum und schwitze Dich dadrin zu Tode, soviel zum Thema „es schön finden.“ Und wer sich in einer Burka sicher fühlt, muss ja wohl Gründe dafür haben wieso er sich unversteckt unsicher fühlt. Zumindest Minderwertigkeitskomplexe liegen da also vor, womit die Person zum Psychologen sollte.

„christliche fanatiker gibt es ja ebenso zu genüge, speziell in der usa.“

In manchen Gegenden wie dem Bible Belt, leider ja. Ich lebe aber gottseidank nicht bei diesen Spinnern.

Darüberhinaus ist die Burka mehr als nur ein Kleidungsstück, sie ist ein Symbol für eine faschistische Einstellung, weil nichts anderes ist der Islam (jedenfalls der Islam mit Burka und Nijab).

Ob man solche Symbole von Staats wegen verbieten muss, weiss ich aber auch nicht. Von mir aus kann egtl. sogar jemand mit dem Hakenkreuz rumlaufen und sich selber der Verachtung und der vollkommen berechtigten sozialen Ausgrenzung durch seine Mitbürger aussetzen. Eine funktionierende Zivilgesellschaft reinigt sich da ganz gewaltfrei von selbst. Aber gutfinden muss ich das alles noch lange nicht.

„so lange mit dem tragen von was auch immer meine freiheit und die von anderen nicht gestört ist, darf jeder tragen was er will“.

Ergänze Freiheit bitte noch durch Eigentum (weil m.E. kann man frei bestimmen, wenn man in seine Firma einstellt, auf sein Grundstück lässt, zum Tee einlädt usw.) und wir sind uns POLITISCH einig. Persönlich lehne ich Burkaträgerinnen jedoch ab und ihre Macho-Ehemänner noch viel mehr und diskriminiere diese mit Freuden. Wie Du siehst, hege ich da Ressentiments und das ist auch gut so. (Ein gutes Beispiel, wo ich falsche Nächstenliebe ablehne.)

20. Wolfram - Juli 20, 2010, 13:37

@CK: du bist missionarisch unterwegs; mit dir kann man nicht diskutieren.
Für die anderen Leser sei nur gesagt, daß das, was du unter Nächstenliebe verstehst, nichts mit der christlichen Botschaft zu tun hat.
Nächstenliebe im christlichen Sinn ist nicht Affektion, „gern haben“, wie du schreibst, sondern schlicht, die Bedürfnisse des anderen sehen und wichtig nehmen und ihnen, soweit möglich, entsprechen. Der berühmte Samariter hat den Verletzten am Straßenrand nicht gepflegt, weil der so sympathisch rüberkam, sondern weil er Hilfe brauchte. Punkt. Mehr nicht.

@Lila: von ein paar Frauen, die in Frankreich oder Deutschland den Sack über den Kopf ziehen, geht die Welt nicht unter. Bedrohlicher werden allgemein Motorradfahrer empfunden, die beim Tanken und Bezahlen den Helm auf dem Kopf behalten – hier gibts aber kein Gesetz, sondern nur die Geschäftsbedingungen der Tankstelle. Von meinem Zahnarzt sehe ich mittlerweile auch nur noch die Augen und die Haare, aber nicht Mund und Nase, weil das Gesetz den Mundschutz vorschreibt. Und Handschuhe trägt er auch, hinterläßt also keine Fingerabdrücke…

Das Problem an all diesen Gesetzen, ob in Frankreich, Belgien oder anderswo, ist dies: man schränkt Freiheiten ein (nämlich die Freiheit, sich nach eigenem Ermessen zu kleiden), vorgeblich um die Freiheit an sich zu stärken. In Frankreich, dem Land, das in Europa mit die strikteste Trennung des Staates von allen Religionsfragen kennt und Religionsausübung als Menschenrecht anerkennt, das der Staat nicht beschneiden darf, wird gleichzeitig Schülern (nicht etwa nur Lehrern!!) verboten, sich auch in der Schule zu ihrer Religion zu bekennen. Die Muslima darf kein Kopftuch tragen, der Jude keine Kippah, und der Christ kein Kreuz um den Hals. (Das Kreuz wird allerdigns weithin als Schmuckemblem verstanden, fällt also raus, und das Hugenottenkreuz kennt eh kaum jemand.) Wohlgemerkt und noch mal wiederholt: das sind Verbote, die die Schüler betreffen, angeblich um ihre Religionsfreiheit, also die Freiheit zur Ausübung ihrer Religion, zu schützen. De facto handelt es sich aber um einen totalitären Übergriff von CKs Religion, dem Atheismus, der in Frankreich de facto Staatsreligion ist…

Also noch mal ganz kurz: Eine Frau trägt Burqa. Schadet das jemandem? Nein. Also hat der Staat keinen Grund, ja nicht einmal das Recht, ihr das zu verbieten. Oder reicht es aus, wenn eine gewisse Zahl Bürger sagt, „ich will das nicht sehen?“ Warum wurden dann aber nicht Arschgeweihe verboten, die auch keiner sehen will?

21. Anne - Juli 20, 2010, 13:39

Den Video-Vortrag finde ich einfach toll! Am liebsten würde ich ihn auswendig lernen: ‚matle of misery‘ -indeed!!! Und was für ein toller Vorschlag, die Burqa für alle fanatisch-islamistischen Männer als Kleidungsstück verbindlich vorzuschreiben, besonders bei heißem Wetter. Das hat meine sofortige volle Unterstützung.

22. Anne - Juli 20, 2010, 13:42

Das sollte natürlich ‚mantle‘ wie im Video sein.

23. Lila - Juli 20, 2010, 13:58

Wolfram – jetzt bin ich ernstlich gekränkt. Mein schönes Arschgeweih!!!!

Tja, ich bin auch nicht sehr für Verbote. Mir wäre es lieber, daß sich die Sache von allein regelt – aber mit dem fanatischen Islam sehe ich das nicht.

Keine Ahnung, wie es jetzt in Deutschland aussieht, aber als ich das letzte Mal durch Neukölln geschlendert bin (ist auch schon wieder ne Weile her), da habe ich keine Gesichtsverschleierung gesehen. Wenn sich das aber auch in Deutschland ausbreitet, glaube ich, auch vielen Deutschen wird dabei mulmig. Nicht aus „Islamophobie“, sondern einfach aus Unbehagen, weil man ihren Gesichtsausdruck nicht mehr lesen kann.

Verbote sind wirklich problematisch. Aber hier sehe ich eine Rolle für Imame und andere moslemische Autoritäten, die klarmachen können, daß der Burqa nichts mit Koran-Vorschriften zu tun hat. Der Koran sagt nur, Frauen sollen sich züchtig anziehen. Von wandelnden Einmannzelten ist nicht die Rede.

Aber sich auf die ganz neutrale Beobachterrolle zurückzuziehen, finde ich bei solchen Praktiken genauso problematisch. Da muß der Westen sich schon ein Rückgrat zulegen und sagen: das sind unsere Werte, bis hier sind wir bereit, Gäste, die anders sind als wir, zu akzeptieren, und bis hierhin nicht mehr.

Aber ich sehe da ziemlich schwarz. Vor lauter Angst vor der Islamophobie-Keule 😉 halten die meisten Leute lieber still, egal um welche frauenverachtende Praxis des Islams es geht.

Schwarzer ist eine Ausnahme. Sie ist tatsächlich eine Feministin, die sich nicht vom Islam einwickeln läßt. Alle Achtung, sie ist konsequent.

24. boxi - Juli 20, 2010, 14:20

@yael… was hat denn das mit dem land zu tun,ob man sich kleiden darf oder nicht?
das nicht mögen eines kleidungsstückes darf doch nicht dazu führen,dass man es verbietet. un haareb & co sehe ich übrigens auch eine persönlichkeit. ich selbst mag burkas auch nicht,rede lieber mit menschen bei denen ich zumindest die augen sehen kann. aber es geht dich nicht um mich, nicht darum wie praktisch die sind oder nicht… sondern darum ob ich menschen die da eine andere haltung zu haben dies akzeptieren kann. und ja,ich hab damit kein problem.
ich finde viel problematischer diese angst die von teilen hier als auch von den medien geschürt wird… denn sowas führt nicht dazu,dass man sich mit dieser religion beschäftigt,sondern nur zu hass. und wer alle moslems als antidemokratische terroristen hinstellt,kann auch katholiken mit vergewaltigern gleichsetzen. als hätten „wir“ in der „westlichen welt“ nicht auch unsere schandflecke,unsere mörder und patriarchen… immer dieses „wir sind die besseren als die da drüben“… mir wird schlecht.

25. CK - Juli 20, 2010, 14:23

@Wolfram: Gegen (freiwillige) Hilfe ist ja auch nichts einzuwenden. Wenn ich einen Verletzten sehe, helfe ich ihm natürlich auch. Allgemein betrachtet, muss man sich aber überlegen welche und wessen Bedürfnisse man überhaupt befriedigen möchte oder sollte. Zuerst lebt man zuerst für sich, für seine eigenen Bedürfnisse, nicht für die anderer Menschen.

Ich war lange genug selber Christ- brauche da also keine Aufklärung von Dir- um zu wissen, dass jedoch solche Taten als Verpflichtung betrachtet werden. Es ist diese moralische Verpflichtung, nicht die Tat an sich, die ich moralisch ablehne.

Desweiteren ist es ganz einfach mit mir zu diskutieren. Man bringt seine Argumente vor und wenn sie besser als meine sind (sprich vernünftiger, logischer, realitätsorientierter, konsistenter und fundierter), ändere ich meine Meinung, wie schon oft geschehen.

Der politische Islam (verkörpert durch Symbole wie die Burka) ist eine totalitäre Bedrohung. Man muss schon blind sein um das nicht sehen zu können. Aber wahrscheinlich will man es eher nicht wahrhaben.

Der Atheismus ist auch keine Religion, sondern die Anlehnung jeder Religion und jedes Glaubens an Gott. Jedoch gibt es in der Tat leider viele Atheisten, die quasi-religiöse Ersatzideologien verbreiten (Marxisten, Sozialisten, Ökologisten, Esoteriker usw.)

Punkto Schul- und Bildungssystem ist der eigentliche Frevel, dass der Staat in Frankreich darauf ein Monopol hat. Gäbe es wirkliche Bildungsfreiheit, gäbe es zwar selbstverständlich Schulen, die Lehrern und Schülern das Tragen religiöser Symbole nicht gestatten würden, aber eben genauso Schulen, die nur Lehrern es verbieten oder es allen erlauben. Der Bildungsmarkt würde dies regeln. Punkto staatliche Verbote sind wir uns einig.

@Anne: Pat Condell ist in der Tat einfach nur super. 🙂

26. boxi - Juli 20, 2010, 14:23

und stan nicht im spiegel,dass so ein verbot etwa 2.000 menschen betreffen würde… wovor hat man angst? vor dem bösen islamisten? ich bitte euch…

27. yael1 - Juli 20, 2010, 14:51

Es geht doch nicht um Angst, sondern auch und vor allem um die Frauen. Ich kenne keine Frau, die freiwillig eine Burka tragen würde. Frag mal die Afghaninnen, die sie tragen mussten.

„was hat denn das mit dem land zu tun,ob man sich kleiden darf oder nicht?“

Ganz einfach: Wir leben nicht in einem islamischen Land und ich möchte keine Burkas hier sehen. Wenn man in einem islamischen Land ist, kann frau auch nicht so herumlaufen wie frau möchte.
Ich habe keine Lust auf eine Islamisierung in Europa.

28. yael1 - Juli 20, 2010, 14:52

Wir leben nicht in einem islamischen Land

Korrektur:

in keinem.

29. boxi - Juli 20, 2010, 15:21

@yael1… mit dem argument kann ich eigentlich auch polen,franzosen & co nicht nach deutschland lassen. mir ist es egal was für eine religion sie mit D verbinden,bei mir ist jede willkommen.

und wenn sie so gegen den islam sind,trifft das aich auf juden,buddisten & co zu? und warum dann nicht heute alle ungläubigen ausbürgern,schließlich war dad christentum bis vor kurzem noch „staatsreligion“,,,

tut mir leid,aber ich kann deine angst nicht nachvollziehen. waren sie schon einmal in einem „islamischen“ land? haben sie sich dann auch so angepasst,wie sie es von anderen fordern?

30. Violine - Juli 20, 2010, 15:23

In Heidelberg sehe ich einige Burka-Trägerinnen.
Ich finde es unheimlich, so ganz in schwarz. Bei der Hitze kann ich mir das der Gesundheit nicht zuträglich finden und tatsächlich leiden viele der so Verkleideten unter Vitamin-D- und dem daraus resultierenden Calcium-Mangel.

Letztens sind drei Burka-Trägerinnen des Nachts auf der Terrasse eines Bistros gesessen. Die Gesichter waren frei, ansonsten alles verhüllt. Ohne Männer.
Was ich aber vor ein paar Jahren im Stadtteil Rohrbach gesehen habe, da gruselte es mir so richtig. Eine voll verhüllte Frau – auch im Sommer – die ein paar Meter hinter ihrem Mann her ging.
Ich weiss nicht, wie ich mich da verhalten soll. Da wird dermassen deutlich eine ganz andere Kultur gepflegt, sich nicht integriert, dass ich nicht weiss, wie Kommunikation – nicht nur die politische, sondern was mich als Privatperson betrifft die alltägliche – möglich sein soll.

31. boxi - Juli 20, 2010, 15:37

bei allen die sich um die gesundheit der frauen gedanken machen, macht ihr das auch wenn ihr leute bei mcdonalds seht? wenn ihr leute im sommer mit schwarzen ledermantel, springerstiefeln und co seht? oder bei motorradfahrern? warum wird da mit zweierlei maß gemessen? und wenn es euch so fremd ist,warum sprecht ihr sie nicht an?

wozu würde denn ein verbot führen? die einen frauen würden sich unwohl fühlen und die frauen die wirklich noch vom mann unterdrückt werden,würden zuhause bleiben. das wäre ja wirklich DIE beste lösung:(

32. yael1 - Juli 20, 2010, 15:50

„mit dem argument kann ich eigentlich auch polen,franzosen & co nicht nach deutschland lassen.“

Seid wann tragen die eine Burka?

Ich bin nicht gegen den Islam, sondern gegen Europas und vor allem den politischen Islam, das ist ein offensichtlicher Unterschied. Wenn Sie den okay finden, tolerieren Sie jeden Missbrauch durch den Islam, der ja angeblich alles begründet.
Toleranz endet da für mich.

„tut mir leid,aber ich kann deine angst nicht nachvollziehen. waren sie schon einmal in einem „islamischen“ land? “

Sicher, aber da konnte ich eben nicht mal im Top oder Hosen herumlaufen, da wird Toleranz von uns eingefordert und nichts anderes fordere ich von anderen hier ein. Wenn Sie in den Iran wollen, müssen Sie sich fast vollständig verhüllen, sonst haben Sie keine Chance. Und noch einmal: Es geht nicht um Kopftücher oder lange Kleider, sondern um die Ganzkörperverhüllung. Wenn Sie den Unterschied nicht sehen, kann ich Ihnen nicht helfen.

33. yael1 - Juli 20, 2010, 16:09

@Boxi

hier ist die syrische Botschaft. Da können Sie sich gegen das Verbot aussprechen. Darum geht der Artikel ja.

http://www.syrianembassy.de/SyrianSite/Deutsch.html

34. boxi - Juli 20, 2010, 17:26

@yael1… sie tragen genausoviele burkas wie menschen aus deutschland. ich meinte nur, dass sie diese auch nicht reinlassen könnten, weil sie anders sind und das scheint mir bei burkas ja das problem.
was meinen sie mit politischem islam? ich tolleriere übrigens gar keinen missbrauch, egal durch welche religion, auch wenn dieser von der religion begründet wäre. denn der schutz und die freiheit jedes einzelnen geht vor die rechte einer religion.
nur sehe ich nicht wie das tragen einer burka mir irgendwie schadet. erst recht wenn sich die frau genau dafür entschieden hat.

und das unterscheidet uns halt. ich lebe in einem demokratischen, meist freiheitsliebenden land und wenn mir in irgendeinem land etwas aufgedrückt wird, dann fahr ich da nicht hin. ich glaube nicht, dass wir unsere „freiheit“ verteidigen in dem wir die gleichen totalitären methoden anwenden wie in manchen islamischen staaten. das ist nicht die freiheit die ich möchte. und solange jemand etwas macht, was niemanden weh tut, kann er doch machen was er möchte.

im übrigen hat sich doch gerade in den „islamischen ländern“ in den letzten jahren soo viel getan, vorallem in den städten… manches dauert halt zeit, in europa haben frauen bis vor kurzem auch in kleidern gebadet, wenn überhaupt, das frauenwahlrecht wurde in der schweiz erst vor knapp 40 jahren eingeführt und auch die hexenverbrennung ist nicht soo weit weg. von den rechten der frau in der katholischen kirche will ich gar nicht erst anfang. tun wir bitte nicht immer so als wären wir die „besseren“ und bei uns gab es sowas nie..

35. Piet - Juli 20, 2010, 18:10

@ Yael1 (18) — «Weil das Gesicht unter anderem die Persönlichkeit mit zeigt. Ich sehe Menschen gern in die Augen und finde es unangenehm mit jemanden zu reden, in dessen Gesicht ich nicht sehen kann.»

Da gebe ich dir vollkommen Recht. Ich finde es schon unangenehm, mich mit Menschen zu unterhalten, die eine extrem dunkle Sonnenbrille auf haben oder eine Spiegel-Brille, wenn ich also deren Augen nicht sehen kann. Nur handelt es sich hier nur um eine modische Komponente, keine ideologische, was für mich einen großen Unterschied ausmacht.

@ Lila (#23) — «Keine Ahnung, wie es jetzt in Deutschland aussieht, aber als ich das letzte Mal durch Neukölln geschlendert bin (ist auch schon wieder ne Weile her), da habe ich keine Gesichtsverschleierung gesehen.»

Ich sehe es extrem selten, aber auch in Hamburg laufen Frauen in diesen Stoff-Knästen rum.

@ Yael1 (#27) — «Es geht doch nicht um Angst, sondern auch und vor allem um die Frauen. Ich kenne keine Frau, die freiwillig eine Burka tragen würde.»

Das würde ich etwas anderes sehen. Es geht auch um die Frauen, die i.d.R. zum Tragen dieser Kleidung gezwungen werden — letztlich der Versuch, die Frau unsichtbar zu machen, als als Mensch nicht vorhanden zu kennzeichnen, was für mich das unmenschliche an dieser Bekleidung ist. Aber in Frankreich gab es den Fall einer Frau (ich meine, eine Konvertitin, bin mir aber nicht ganz sicher), die sich freiwillig so kleiden wollte, weil ihr dies Sicherheit böte, ein Gerüst, aber auch Blicksicherheit (böse Männer und so…). Und auch eine Algerierin, meine ich, wollte eher nach Algerien zurückgehen als ihren Bekleidungsstil zu ändern. Was ich persönlich schrecklich finde, wenn eine Frau so unsicher ist, dass sie solcher Hilfsmittel bedarf! Therapie? Tatsächlich geht es ja aber um mehr, nämlich um ein politisch-fundamentalistisches, anti-emanzipatorisches, frauen-, nein: menschenfeindliches Statement, welches mit meinem Menschenbild, aber auch meinem demokratischem Selbstverständnis nichts, aber auch gar nichts gemein hat. Schon mit dem Kopftuch (welches ja nicht, wie in den 50er oder 70er Jahren zeitweilig als modisches Accessoire getragen wird, weswegen der Vergleich eben auch hinkt) habe ich meine Probleme, weil es ein Zeichen der Abgrenzung darstellt, also nicht nur ein religiöses Statement wie das Kreuz an der Kette, oder die Kippa.

Nun ist es mit Verboten tatsächlich immer schwierig. Auch ein Punk grenzt sich bewusst ab und symbolisiert die Ablehnung des durchschnittlichen westlichen Werte-Kanons, dennoch wird ihm niemand die Sicherheitsnadel in der Unterlippe verbieten. Von daher denke ich schon, dass die Verbote auch mit unseren Ängsten zu tun haben. Vielleicht nicht ganz zu Unrecht.

36. Piet - Juli 20, 2010, 18:21

Nachtrag: Der Unterschied zum Punk ist: Er symbolisiert (in einer extremen Form) das Leben von und in Freiheit und Selbstbestimmung. Letztlich also wieder westliche Werte, das komplette Gegenteil von Angepasstheit. Rühr-mich-nicht-an-Tuch&Co symbolisieren das komplette Gegenteil, das Mittelalter, das wir hinter uns gelassen zu meinen haben: Religiöse wie gesellschaftliche Unfreiheit, Angepasstheit, Unterordnung. Also das Gegenteil emanzipatorischer Bestrebungen, das Gegenteil von Individualität. Nicht nur ein totaler gesellschaftlicher Gegenentwurf, sondern extremer Rückschritt. Das als erzieherisches Vorbild, erstrecht wenn es auf Verständnis bei Kindern und Jugendlichen trifft, erzeugt nicht nur Unverständnis, sondern Ablehnung.

37. willow - Juli 20, 2010, 18:49

Auch wenn Einige das nicht einsehen, es gibt Grenzen der religiös begründeten Freiheiten – als sehr schönes Beispiel kann das Verbot der jahrhundetelang üblichen Witwenverbrennung in Indien durch die Briten.

Wir können gerne darüber streiten, ob wir den Menschen „irgendwo auf der Welt“ unsere Werte aufzwingen dürfen – aber hier „bei uns“ sieht das für mich anders aus, da dürfen wir nicht nur unsere „Mindeststandard“ für verbindlich erklären, wir müssen es sogar.

Totalverhüllung ist mit „unseren“ Werten ebensowenig vereinbar wie die weibliche Genitalverstümmelung oder der Ehrenmord.

38. willow - Juli 20, 2010, 19:06

Hier mal den ganzen Alice Schwarzer Artikel:

Der Schleier der Fundamentalisten
Die muslimische Totalverschleierung ist nicht nur zutiefst menschenverachtend, sie bedeutet auch den endgültigen Sieg des politisierten Islam. Burka, Nikab und Tschador gehören deshalb verboten. Von Alice Schwarzer

Als das französische Parlament am Vorabend des 14. Juli das Verbot der Burka in der Öffentlichkeit beschloss, enthielten sich – bis auf zwanzig Abweichler – die Sozialisten, Kommunisten und Grünen der Stimme. In der Kopftuchdebatte scheint die politische Front in allen europäischen Ländern ähnlich zu verlaufen: Linke neigen zur Tolerierung, Konservative und Rechte zum Verbot. Und die Bevölkerung? Zweiundachtzig Prozent der Französinnen und Franzosen bejahten das Burka-Verbot. Und die Mehrheit der sechs Millionen Muslime in Frankreich ist ebenfalls dafür. Auch das entspricht der Stimmung in der Bevölkerung der westlichen Länder.

Wie auch in Belgien muss das Gesetz in Frankreich nun noch den Senat passieren. Dann wird in Zukunft eine Frau, die in Frankreich öffentlich vollverschleiert auftritt, mit einhundertfünfzig Euro Strafe und einem Kurs in Staatsbürgerkunde rechnen müssen. Männern, die ihre Frau unter die Burka “zwingen”, drohen ein Jahr Gefängnis und Geldstrafen von bis zu dreißigtausend Euro – was allerdings reine Theorie ist. Denn eine Frau, die so unterwürfig ist, in dem schwarzen Loch eines Vollschleiers zu verschwinden, wird wohl kaum die Aufsässigkeit haben, ihren Mann wegen Burka-Zwangs anzuzeigen.

Als die Burka-Debatte in Frankreich im Jahr 2009 begann, angestoßen von einem kommunistischen Bürgermeister, behaupteten die Burka-Tolerierer zunächst, im ganzen Land gebe es überhaupt nur einhundertsechsundfünfzig Burka-Trägerinnen, von daher sei ein Verbot irrelevant. Inzwischen ist ihre Anzahl in der offiziellen Statistik auf zweitausend angewachsen. Wobei bemerkenswert ist, dass mindestens jede dritte Verschleierte in Frankreich eine Konvertitin ist. In der Regel verdanken deren muslimische Ehemänner der Eheschließung mit ihnen die französische Staatsangehörigkeit.

So ist es auch im Fall des Algeriers Lies Habbadj, dessen vollverschleierte französische Ehefrau Anne die Burka-Debatte in Frankreich auslöste. Ein Polizist hatte ihr eine Geldstrafe aufgebrummt wegen Fahrens am Steuer im Nikab, dem Vollschleier, der nur für die Augen einen kleinen Schlitz im Gesicht frei lässt. Ihr Ehemann ist ein aktiver Anhänger der schriftgläubigen Missionarssekte Tabligh. Der Metzger aus Nantes wurde schon länger vom französischen Geheimdienst beobachtet, weil er sich seit Jahren regelmäßig wochenlang in Pakistan aufhält.

Habbadj hat übrigens noch drei weitere Ehefrauen, mit denen er jedoch nicht nach französischem, sondern nur nach islamischem Recht verheiratet ist. Als die Justiz ihn wegen Polygamie anklagen wollte, ging der offenbar gut Geschulte cool an die Öffentlichkeit und erklärte, dann müssten aber auch die vielen französischen Männer, die Geliebte haben, der Polygamie angeklagt werden. Lies Habbadj ist also keineswegs ein naiver Gläubiger, sondern ein taktisch agierender Islamist, für den das Strafmandat seiner Frau vermutlich ganz in seinem Sinne war, da er auf Provokation des Rechtsstaates aus zu sein scheint.

Ganz wie einst die Deutsch-Afghanin Fereshta Ludin, die für das Recht von Lehrerinnen auf das Kopftuch in der Schule über acht Jahre lang bis zum höchsten Gericht klagte. Oder wie im Fall der sogenannten “Kopftuchaffäre”, die im Jahr 1989 Frankreich beschäftigte. Da hatten politisch einschlägig aktive Väter und Onkel drei kleine Mädchen provokant mit Kopftuch in die laizistische Schule geschickt – und damit eine jahrelange Debatte ausgelöst, in der sich quasi die gesamte Linke für das Kopftuch aussprach.

Die Philosophin Elisabeth Badinter, die Ehefrau des früheren sozialistischen Justizministers, war damals eine der wenigen Stimmen aus der Linken, die gegen das – neunzehn Jahre später schließlich verbotene – Kopftuch in der Schule plädierte. Sie sprach von einem “verschleierten Verstand”. Auch jetzt erhob Badinter wieder ihre Stimme und schrieb einen offenen Brief an die Burka-Trägerinnen: “Sind wir in Ihren Augen so verachtenswert und unrein, dass Sie jeden Kontakt, jede Beziehung mit uns verweigern, bis hin zu einem kleinen Lächeln?”, fragte sie und fuhr fort: “In Wahrheit nutzen Sie die demokratischen Freiheiten, um die Freiheit abzuschaffen. Das ist eine Ohrfeige für alle Ihre unterdrückten Schwestern, denen für diese Freiheiten, die Sie so verachten, die Todesstrafe droht.”

Es ist in der Tat schwer nachvollziehbar, wie Frauen freiwillig eine Verhüllung anlegen können, die in den “Gottesstaaten” und allen Ländern, in denen die Islamisten inzwischen die Macht haben, Frauen mit Todesdrohungen aufgezwungen wird. In diesen Ländern haben die Frauen keine andere Wahl. Und auch innerhalb der islamistisch beherrschten Communitys mitten in Europa ist es für Musliminnen nicht immer einfach.

Aber was ist mit den Konvertitinnen, die in Ländern aufgewachsen sind, in denen ihre Vorfahrinnen die Gleichberechtigung – vom Wahlrecht bis zum Recht der Sichtbarkeit im öffentlichen Raum – so mühsam erstritten haben? Ihre Motive scheinen Angst vor Freiheit und Selbstverantwortung sowie weiblicher Masochismus zu sein, als Folge einer langen realen Unterdrückung und Demütigung des weiblichen Geschlechts.

Doch die subjektiven Motive von Mädchen und Frauen, die sich in Demokratien “freiwillig” unter ein Kopftuch oder den Ganzkörperschleier begeben, sind nur die eine Ebene und übrigens vielfältig und wechselnd – so diese Frauen überhaupt die innere und äußere Freiheit haben, die Meinung zu wechseln. Die zweite Ebene aber, die objektive Bedeutung des Schleiers, ist eindeutig: Kopftuch und Tschador waren auch in der muslimischen Welt Relikte der ländlichen, unaufgeklärten Bevölkerung – bis Chomeini in Iran den Gottesstaat ausrief. Seither ist das Kopftuch die Flagge des politisierten Islam und der Ganzkörperschleier sein totaler Sieg.

Die Mehrheit der Islamwissenschaftler scheint sich einig zu sein, dass weder das islamische Kopftuch, das die Haare ganz bedeckt, noch der Ganzkörperschleier religiös begründet sind. Doch, ehrlich gesagt, finde ich diese Frage für unsere Debatte unerheblich. Denn es kann doch nicht sein, dass wir Texte, die aus religiösen oder machtpolitischen Interessen vor Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden geschrieben wurden, im Rechtsstaat als Realität anerkennen – selbst wenn sie gegen die elementarsten Menschenrechte verstoßen. Mit den kopftuchtragenden Musliminnen in unseren Ländern haben wir selbstverständlich zu reden und nicht mit Verboten zu begegnen. In Kindergärten, Schulen und im öffentlichen Dienst allerdings hat dieses Kopftuch, das kein religiöses, sondern ein politisches Zeichen ist, nichts zu suchen. Hinzu kommt, dass es eine gewaltige Erleichterung für viele muslimische Mädchen aus orthodoxen oder fundamentalistischen Familien wäre, wenn das Kopftuch sie wenigstens in der Schule nicht als die “Anderen” stigmatisierte, in ihrer Bewegungsfreiheit behinderte und sie von den Jungen wie Wesen von unterschiedlichen Sternen trennte. Wir würden den Mädchen mit dem Freiraum Schule überhaupt erst die Chance zu einer eines Tages wirklich freien Wahl geben.

Der Ganzkörperschleier aber hat in einer Demokratie nichts zu suchen. Er raubt den weiblichen Menschen jegliche Individualität und behindert sie aufs schwerste in ihrer Bewegungsfreiheit. Burka und Nikab sind zutiefst menschenverachtend. Nicht nur für die in ihren Stoffgefängnissen eingeschlossenen Frauen, sondern auch für die Männer, denen ja unterstellt wird, sie würden sich auf jede Frau, von der sie auch nur ein Haar oder ein Stück Haut erblicken, wie ein Tier stürzen.

In Deutschland wurde in den vergangenen Monaten über die französische Burka-Debatte in fast allen Medien herablassend spöttisch berichtet. Haben die Franzosen eigentlich keine anderen Probleme? Wir jedenfalls haben diese Probleme nicht!, lautete der Tenor. Angeblich gibt es bei uns keine Frauen, die Burka oder Nikab tragen. Mit Verlaub, da staune ich. Seit geraumer Zeit sehe ich bei jedem Gang durch die Kölner Innenstadt mindestens zwei, drei vollverschleierte Frauen, meist in Begleitung lässiger Männer in Jeans. Wie lange wollen wir eigentlich über einen solchen Sklavinnen-Auftritt noch hinwegsehen?

Als Frankreich im Herbst 2008 das Kopftuchverbot in der Schule für Lehrerinnen und Schülerinnen verabschiedete, drohte der Al-Qaida-Führer Abou Moussab Abdoul Wadoud: “Wir werden uns im Namen der Ehre unserer Töchter und Schwestern an Frankreich rächen. Heute ist es der Tschador, morgen ist es der Nikab.” Wadoud und seine Gotteskrieger scheinen Ernst machen zu wollen.

Doch Präsident Sarkozy ließ sich nicht einschüchtern. Als Sohn eines emigrierten Ungarn und einer griechischen Jüdin, aufgewachsen bei den jüdischen, einst vor den Nazis geflüchteten Großeltern, hat er selbst einen “Migrationshintergrund” und ein sehr pragmatisches, unsentimentales Verhältnis zur Integration. “Wir sind eine alte Nation, die sich einig ist in Bezug auf eine gewisse Vorstellung von der Würde des Menschen, insbesondere der Würde der Frau”, erklärte Sarkozy. “Der Vollschleier, der das Gesicht verbirgt, verletzt unsere fundamentalen republikanischen Werte.”

Auch Sarkozys muslimische Staatssekretärin Fadela Amara erklärte, die Burka sei “ein sichtbarer Ausdruck der Fundamentalisten in unserem Land”. Die Franco-Senegalesin Rama Yade, ebenfalls Muslimin und Mitglied des Kabinetts, nannte sie “menschenverachtend und reinen Hohn”. Ganz anders tönen hingegen europäische linke Menschenrechtsorganisationen. So warnte “Human Rights Watch” vor einer “Stigmatisierung” der Burka-Trägerinnen durch ein Verbot; erklärte “Amnesty International”, ein Burka-Verbot verletze “die Grundrechte von Frauen”; und gab Sozialistenführerin Martine Aubry der Sorge Ausdruck, damit “isoliere” man die Burka-Trägerinnen nur noch stärker. Ganz so, als sei eine Steigerung der Isolation einer Frau unter der Burka überhaupt möglich.

Dieser Paternalismus der Linken ist nicht neu. Auffallend ist, dass in ganz Europa die Linke den Kampf gegen die Islamisierung den Konservativen beziehungsweise Rechten überlässt. Mit dem Resultat, dass die Rechte dies zum Teil populistisch funktionalisiert und missbraucht. Und die Linke? Die relativiert mit einer solchen falschen Toleranz nicht nur mühsam errungene westliche Werte wie Rechtsstaatlichkeit und Gleichberechtigung, sondern ignoriert auch die berechtigten Ängste der Bevölkerung. Vor allem aber lässt sie die Mehrheit der Musliminnen im Stich, die ja die ersten Opfer der fundamentalistischen Agitatoren sind.

Die Gründe für diese scheinbare “Fremdenliebe”, die eigentlich nur die Kehrseite des Fremdenhasses ist, scheinen vielfältig zu sein. Sie reichen von Gleichgültigkeit und schlechtem Gewissen bis hin zu einem sehr grundsätzlichen Differenzialismus dieser Söhne und Töchter von Michel Foucault und Claude Lévi-Strauss. Denn es waren diese Kreise, die die Offensive des Islamismus lange als “Revolution des Volkes” gefeiert haben. Foucault etwa war einer der ersten und glühendsten Befürworter des iranischen Gottesstaates. Und die Liberalen und Konservativen? Die machten und machen fröhlich Geschäfte mit den Islamisten. Von den Menschenrechten, in dem Fall aller Frauen, redet da niemand.

Als die Feministinnen ab den späten siebziger Jahren die Genitalverstümmlung kritisierten, wurden sie von der Linken des “weißen, bürgerlichen Eurozentrismus” beschuldigt und angewiesen sich rauszuhalten. In Bezug auf die grausame Genitalverstümmelung gibt es inzwischen einen allgemeinen Sinneswandel. Müssen wir die Gesellschaftsfähigkeit der Burka auch noch zwanzig, dreißig Jahre gewähren lassen – bis es zu spät ist? Sollen wir uns wieder einmal raushalten, wenn vor unser aller Augen mitten unter uns Frauen ihrer elementarsten Menschenrechte beraubt und unsichtbar gemacht werden? Wollen wir immer noch nicht begreifen, dass es sich hier nicht um Glaubensfragen, sondern um gezielte politische Provokationen handelt, die dank unserer falschen Toleranz die Grenzen des Rechtsstaates überschreiten könnten?

“Sollen wir die Burka verbieten?”, wurde ich jüngst bei einer öffentlichen Veranstaltung gefragt. Was für eine Frage! Selbstverständlich ja! Mit welchen spitzfindigen formaljuristischen Formulierungen auch immer. Denn es gibt Grenzen der “Religionsfreiheit”. Mit der wollen ja auch christliche Fundamentalisten zum Beispiel begründen, wenn sie ihre Kinder nicht in unsere Schulen schicken. Schon seit Papst Johannes Paul II. ist übrigens ein Schulterschluss zwischen den Konservativen und Fundamentalisten beider Religionen zu beobachten. Im Visier haben sie beide dabei ihre Privilegien und die Selbstbestimmung der Frauen. Das ist eine auch für die Christen gefährliche Strategie. Denn sie würden am Ende den Kürzeren ziehen.

Ein Burka-Verbot sei nur symbolische Politik und das Problem der Unterwanderung durch den schriftgläubigen Steinzeit-Islamismus damit nicht gelöst, argumentieren die ganz Schlauen. Das stimmt. Aber symbolische Politik ist auch Politik. Und ein Verbot wären ein erster Schritt und ein sichtbares Zeichen – nicht nur für die unsichtbaren Frauen. Nicht zufällig verabschiedete das französische Parlament das Burka-Verbot am Vorabend des 14. Juli, des Jahrestags der Französischen Revolution – am Nationalfeiertag selbst wird in Frankreich nicht gearbeitet, sondern gefeiert. Diese Französische Revolution proklamierte vor über zweihundert Jahren die “Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit” für alle Menschen. Und wir Frauen fügten die “Schwesterlichkeit”, genauer: die “Geschwisterlichkeit” hinzu. Dahinter wollen wir nicht mehr zurückfallen.

39. Piet - Juli 20, 2010, 20:02

Einwanderer unterläuft Burkaverbot in Frankreich

Ein algerischer Einwanderer und erfolgreicher Immobilienhändler will Musliminnen die ihnen drohende Buße zahlen, wenn sie das Burkaverbot in Frankreich missachten.

Er ist 38 Jahre alt und hat es als Immobilienhändler zu Geld gebracht. Rachid Nekkaz, in der Pariser Banlieue aufgewachsener Sohn algerischer Einwanderer mit abgeschlossenem Studium der Philosophie an der Sorbonne, kann als Beispiel für die gelungene Integration von Migranten in die Gesellschaft gelten … Nekkaz hat die Auflage eines Fonds von einer Million Euro angekündigt, aus dem er die Bußen bezahlen will, die Musliminnen drohen, wenn sie künftig das Burkaverbot in der Öffentlichkeit missachten. … Gegen ein Burkaverbot, soweit es sich auf Rathäuser, Behörden oder Postämter erstreckt, hätte auch der Muslim Nekkaz nichts. Doch als „französischer Republikaner“ findet er es schockierend, dass es sich auf das gesamte öffentliche Leben vom Einkauf bis zum Spaziergang im Park erstrecken soll. Eine solche Einschränkung individueller Freiheitsrechte hält er für verfassungswidrig. …

40. lalibertine - Juli 20, 2010, 21:19

Ob ein Burkaverbot richtig ist? Aus liberaler Sicht wohl nicht.

Was mich bei solchen Diskussionen immer aufregt und hier glaube ich auch schon wieder auftauchte: Die Leute, die sich als Retter der Muslime ausgeben, denen man ihre Burka doch bitte schön im Namen der Toleranz gönnen solle, denn das wäre nunmal „denen ihre Kultur“. Das ist Quatsch, wie der Text von Schwarzer auch zeigt. Nur eine Minderheit, wenn auch eine signifikante, besteht auf der Burka, abenso wie auf dem Züchtigungsrecht des Ehemannes, den Zwangsehen, der gewaltsamen Wiederherstellung der Ehre etc.

Diese selbst ernannten „Freunde“ der Muslime sollten sich mal aus ihren hübschen monoethnischen Vorstädten und Dörfern raustrauen und mit echten Muslimen reden. Da werde sie viele treffen, die mit Patriarchat, Gewalt gegen Frauen und Kinder, Burka etc. nichts zu tun haben wollen.

Letztlich ist die Sache doch klar: Gelten die im GG festgelegten Grund- und Menschenrechte für alle Menschen in D. ohne Ansehen der Hautfarbe, der Religion, des Geschlechts etc., dann müssen sie auch für Musliminnen gelten. Wer dann behauptet, aufgrund ihrer „kulturellen Andersartigkeit“ hätten diese Menschen weniger Rechte als autochtone deutsche Frauen, der ist Rassist, auch wenn er das „im Namen der Toleranz“ tut. Die Burka ist ein Grenzfall. Zwangsehen, FGM, Gewalt gegen Frauen, Kinder, Homosexuelle sind es nicht, und wo die Burka ist, da sind diese Verbrechen meistens nicht weit.

Was mich immer wieder erschüttert: Wie kann man ernsthaft ein Problem damit haben, die universelle Geltung der Menschenrechte, den Rechtsstaat, die Demokratie etc. für etwas Besseres zu halten als Geschlechterapartheid, Diktatur, Scharia-Recht? Gerade hier in Deutschland täten wir verdammt gut daran, unsere Freiheit zu schätzen zu wissen. Es ist mir ein Rätsel, wie man so blasiert auf diese Errungenschaften herabschauen kann. Ich kann mir das nur so erklären, dass solche Leute nichts kennen außer ihrem Reihenhäuschen und den Stränden von Malle. Wenn man mal Gesellschaften erlebt hat, in denen kein oder nur ein eingeschränkter Rechtsstaat vorhanden ist, kann man über sowas nur den Kopf schütteln.

Es sind schon einige Musliminnen in Deutschland von ihren eigenen Familien ermordert worden, weil sie sich nicht ihren Vätern und Brüdern unterordnen wollten. Das ist ein verdammt ernstes Thema und jeder Deutsche sollte sich darüber empören, dass wir es in unserem Land nicht schaffen Menschenrechte für alle seine BewohnerInnen durchzusetzen.

Tja, ich fürchte das musste jetzt alles mal raus.

41. Lila - Juli 20, 2010, 21:49

Lalibertine, das war einfach ein sehr guter Beitrag! Danke!

Ja, Burqa ist ohne Zweifel ein Grenzfall – Kopftuch halte ich für akzeptabel, Zwangsehe und Ehrenmord für absolut inakzeptabel.

42. CK - Juli 20, 2010, 22:19

@Lalibertine: Amen und Danke ! 😉

Zwangsehen und Ehrenmorde udgl. verlangen die STRENGSTEN Strafen. Da muss der Staat mit aller Härte durchgreifen.

Burka ist ein Grenzfall, würde ich aber in der Tat an Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen verbieten lassen, jedoch nicht generell. Ein allgemeines Burkaverbotsgesetz lehne ich daher ab.

Kopftuch ist generell akzeptabel, jedoch hat auch dieses im Staatsdienst m.E. nichts verloren. Ebensowenig wie Kruzifixe, Kippas oder sonstwas. Wegen der Trennung von Kirche/Religion und Staat. Jedenfalls in Europa. Wem das nicht passt, muss ja nicht für den Staat arbeiten.

Wobei das in einem liberalen Nachtwächterstaat allerdings ja eh nur die Hoheitsbereiche betreffen würde. Alle anderen Funktionen wären sowieso wenn möglich privatisiert. Bei privaten Einrichtungen gälte dann das absolute Eigentumsrecht und da bestimmt der Eigentümer/der Arbeitgeber.

Alle Probleme gelöst. Jeder wird in dieser Welt seinen angestammten Platz finden, der Pluralität sei dank.

Wichtig ist es aber vor allem, die No-Go´s (Menschenrechtsverletzungen) auszumerzen.

43. boxi - Juli 20, 2010, 23:12

da es in den letzten beiträgen öfters kam, kann mir einer erklären warum eine burka ein grenzfall ist. also vorallem hinsichtlich der „bösartigkeit“, denn es wird ja teilweise mit zwangsehe, ehrenmord & co gleichgesetzt. wo ich mich immer frage, was wird denn bei der burka verletzt, welches recht, ?
wie CK schrieb, verstehe ich wenn man jegliche religiöse symbohle aus schulen und öffentlichen einrichtungen verbietet, ob das sinn macht kann ich zwar nicht beurteilen (bzw. sehe positives und negatives), ich verstehe aber den sinn dahinter. ein verbot einer burka allgemein verstehe ich aber nichtmal ansatzweise (wirklich nicht, deshalb bitte ich hier um aufklärung).
und bitte kommt nicht mit den zwang argument, oder ist es wirklich das problem? vor kurzem war ein bericht bei stern.de, bei der eine frau sowas sogar trug obwohl es ihr mann nicht wollte. unabhängig wie sie es begründet, warum sollte man sowas verbieten wollen, wenn es niemanden weh tut (mal von dem anblick vielleicht abgesehen, dann müsste man aber so manches verbieten…)?

und natürlich gelten die menschenrechte für alle. aber werden sie nicht durch ein burkaverbot sogar eingeschränkt? warum sollten also menschen, die eine burka tragen wollen,weniger rechte haben? schließlich beinhalteten die menschenrechte auch freiheitsrechte.

@lalibertine… wir schaffen es auch nicht priester an dem missbrauch von kindern zu hindern, oder scahffen die neugeborenen von überforderten eltern zu schützen und dürfen diese in mülleimern / pflanzentöpfen finden. als würde es nur probleme mit ehrenmorden in deutschland geben, bzw. als hätten wir in deutschland ein riesen problem damit. natürlich kommt sowas vor und ja das ist zum kotzen.
ich hab in dem blog übrigens noch kein kommentar gelesen, der diktatur, scharia-recht & co für etwas besseres als demokratie ansieht.

ich bitte um aufklärung 🙂

44. yael1 - Juli 21, 2010, 7:49

@Lalibertine

d’accord!

45. boxi - Juli 22, 2010, 10:36

ein ganz interessanter beitrag dazu in der mädchenmannschaft (nicht unbedingt für frauenfeindlichkeit bekannt) -was nur aufzeigt, dass es auch da mal wieder kein schwarz und weiß gibt..

http://maedchenmannschaft.net/burka-verbot-burka-verbot-burka-verbot/

46. Lila - Juli 22, 2010, 11:27

Selbstverständlich gibt es kein Schwarz-weiß in dieser Frage. Hast Du meinen ursprünglichen Eintrag über Kopfbedeckungen gelesen? Es ist durchaus möglich, die Linie diesseits oder aber jenseits der Burqa zu ziehen. Für mich persönlich fällt aus vielerlei bereits erwähnten Gründen das Kopftuch in die Zone, die ich auch im Schuldienst ohne weiteres sehen kann, die Burqa aber genau auf die Grenzlinie.

Ich halte nichts von symbolischen Kämpfen, die auf Frauenkörpern ausgetragen werden, aber ich halte auch nichts von demonstrativer Verweigerungshaltung der westlichen Welt gegenüber, wenn man in dieser lebt. (Natürlich würde ich einer soeben aus Teheran gekommenen Touristin nicht ihren Tschador wegnehmen).

Wo die Burqa herkommt, da wird keine Toleranz geübt und der Westen abgelehnt. Das muß der Westen nicht mit Gleichmut ertragen. Ob das Symbol für diese scharfe Ablehnung nun bekämpfenswert ist oder man sich nicht lieber um härtere Themen streiten sollte – hm, ich tendiere immer zur nicht-regulierten Seite.

Aus Gleichgültigkeit und Passivität die Burqa zu tolerieren, halte ich für gefährlich, denn der kämpferische Islam bleibt nicht passiv. Sie hingegen zu tolerieren, um wichtigere Themen in Angriff zu nehmen – das halte ich für gut.

Schade, daß ich keine Zeit habe. Ich mach hier auch gleich die Bütt zu, weil ich heute Nacht fliege. Haltet mir die Daumen, daß die ganze Expedition glatt über die Bühne geht. Und noch mal danke für die vielen guten Tips meiner lieben Leser!

47. lalibertine - Juli 24, 2010, 9:52

@boxi: Was daran grenzwertig sein soll, wenn Frauen (und Mädchen) nur komplett verhüllt auf die Straße dürfen? Soll das jetzt irgendwie „witzig“ sein oder trollst Du? Weißt Du wirklich nicht, dass das Tragen der Burka von den Taliban mit brutaler Gewalt durchgedrückt wurde (weil es eben nicht normal war)? Weißt Du nicht, welche Begründungen von radikalen Islamisten (und nur solche fordern das Tragen der Burka!) für den Burkazwang (ja, die Frauen und Mädchen werden gezwungen) angeführt werden? Dass Frauenkörper unrein sind? Das Frauen, die sich nich komplett verhüllen Freiwild sind? Dass es für Männer normal ist, bei unverhüllten Frauen zudringlich zu werden?

Hast Du noch nie twas davon gehört, dass in Saudi Arabien mehrer Mädchen sterben mussten, weil sie unverhüllt aus ihre brennenden Schule fliehen wollten und von der Sittenpolizei wieder hineingetrieben wurden?

Es schockiert mich, mit was für einer Kaltschnäuzigkeit Du Musliminnen ihre Rechte auf ein (gewalt-)freies und selbstsbestimmtes Leben absprichst.


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