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Der Kult des Todes Juli 19, 2010, 16:31

Posted by Lila in Presseschau.
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Und ich habe endlich Informationen über die Doku gefunden. Sie heißt Precious Life.

Haaretz erzählt die Geschichte, Lozowick erwähnt sie ebenfalls (bei ihm finden sich auch weitere Links). Ein kleiner Junge aus Gaza, Mohammed Abu-Mustafa, wird im Krankenhaus Tel Hashomer gerettet. Seine Behandlung wird von israelischen Jude finanziert, nachdem Shlomi Eldar im Fernsehen über die schwere Krankheit des Kinds im Gazastreifen berichtet hatte. Sofort gingen Spenden ein, der Junge wurde nach Israel geholt, behandelt und gesundete.

Und was sagt die Mutter dazu? Ist sie dankbar, froh, gerührt? Aber nein.  Seine Mutter meint, sie ist froh, daß er lebt – denn dann kann er eines Tages als Shahid sterben und Israelis mitnehmen.

Shrink Wrapped schreibt ebenfalls über diese Doku und sieht sie als Beispiel für  den Kult des Todes in der islamistischen Ideologie.

Shrink Wrapped gibt die Worte der Mutter wieder:

Nevertheless, this idyllic situation developed into a deep crisis that led to the severance of the relations and what appeared to be the end of the filming. From an innocent conversation about religious holidays, Raida Abu Mustafa launched into a painful monologue about the culture of the shahids – the martyrs – and admitted, during the complex transplant process, that she would like to see her son perpetrate a suicide bombing attack in Jerusalem.

„Jerusalem is ours,“ she declared. „We are all for Jerusalem, the whole nation, not just a million, all of us. Do you understand what that means – all of us?“

She also explained to Eldar exactly what she had in mind. „For us, death is a natural thing. We are not frightened of death. From the smallest infant, even smaller than Mohammed, to the oldest person, we will all sacrifice ourselves for the sake of Jerusalem. We feel we have the right to it. You’re free to be angry, so be angry.“

And Eldar was angry. „Then why are you fighting to save your son’s life, if you say that death is a usual thing for your people?“ he lashes out in one of the most dramatic moments in the film.

„It is a regular thing,“ she smiles at him. „Life is not precious. Life is precious, but not for us. For us, life is nothing, not worth a thing. That is why we have so many suicide bombers. They are not afraid of death. None of us, not even the children, are afraid of death. It is natural for us. After Mohammed gets well, I will certainly want him to be a shahid. If it’s for Jerusalem, then there’s no problem. For you it is hard, I know; with us, there are cries of rejoicing and happiness when someone falls as a shahid. For us a shahid is a tremendous thing.“

Wird so eine Doku wohl in Deutschland gezeigt werden? Werden die Zeitungen sie beachten? Bestimmt würden die braven deutschen Zuschauer sagen, die junge Frau hat ihre Religion mißverstanden, ihre politische Führung mißverstanden, ihre Medien, ihr Erziehungssystem, alles mißverstanden. Denn es kann doch nicht sein, daß der Todeskult wirklich so brutal und unmenschlich ist – daß eine Mutter den Menschen den Tod wünscht, die aus Mitleid mit dem Schicksal ihres Kindes für eine OP Geld gespendet haben. Sie wünscht allen, die ihren Sohn geheilt haben, den Tod – und zwar durch ihren Sohn.

Und wie sollen wir mit Menschen, die so denken und fühlen, einen verläßlichen Frieden schließen? Wie kommt Europa zu dem Schluß, daß es an Israel liegt, daß es noch keinen Frieden gibt, und keinen funktionsfähigen Kompromiß?

(Ich erinnere an die junge Wafa Samir Ibrahim al Biss, die nach einem Unfall im Gazastreifen schwere Verbrennungen erlitt, in Beer Sheva im Soroka-Krankenhaus behandelt wurde und mit einem Bombengürtel gefaßt wurde, nachdem es ihr besser ging. Wo wollte sie sich in die Luft sprengen? In einem Krankenhaus. Hier habe ich einen interessanten Brief gefunden, den ein arabischer Arzt geschrieben hat. Er arbeitet im Soroka und hat darum eine besondere Perspektive auf die Krankenhäuser in Israel und ihre Atmosphäre der Toleranz und Kooperation.)

Kommentare»

1. Karl Eduard - Juli 19, 2010, 16:59

Das ist wie, wenn man auf Alien trifft. Sie mögen zwar menschenähnlich aussehen aber Vulkanier zum Beispiel, unterscheiden sich grundlegend. Wir sollten dabei unsere Gedanken nicht in diese Leute hineinprojezieren.

Die Mutter ist froh, hat ihr Sohn doch nun Gelegenheit als Schahid oder Märtyrer im Kampf gegen die Juden zu fallen und ins Paradies einzugehen. Das ist schon eine tolle Sache in deren Augen. Da fängt das Leben sozusagen erst an. Für die Ewigkeit.

2. grenzgaenge - Juli 19, 2010, 17:02

@Lila:

*Zynismus ein*

Ein sehr guter Bericht. Deutschland gibt sich ja allergrösste Mühe die nächste Generation von Antisemiten aufzuzüchten. Wer sich genug angestrengt hat wird dann eingebürgert.

*Zynismus aus*

http://www.welt.de/politik/article3252414/Viele-junge-Muslime-haben-mit-Juden-ein-Problem.html

Nein, Lila, ganz im Ernst: Ich glaube da wird einiges an islamistischem, antisemitischem, Potenzial nicht ernstgenommen.

Ehrlich gesagt bin ich sehr froh darüber eines rechtzeitig geregelt zu haben: Ich werde nicht in deutscher Erde bestattet.

3. Ostap Bender - Juli 19, 2010, 17:43

Dass diese Geschichte kein Einzelfall ist, zeigt die heutige Nachricht über die Mörder des Polizisten aus Hebron:

„One of the cell’s heads said in his interrogation that just two weeks before he embarked on the attack, his six-year-old daughter was hospitalized in Hadassah Medical Center in Jerusalem, where she had a tumor removed from her eye. The operation was funded by an Israeli organization.“

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3921842,00.html

4. Anne - Juli 19, 2010, 17:53

Ich frage mich, ob der plästinensische Arzt, der den Mut hatte, den Brief zu schreiben, noch lebt, und wenn ja, ob er in Freiheit und mit gesundem Körper lebt. Denn es sind schon viel moderatere Kritiker der palästinensischen Politik drakonisch bestraft worden. Dies hier wird doch bestimmt als Verrat empfunden.

Dieser Kult des Todes wirkt auf mich genauso fremd und abstoßend wie z.B. die Täufer-Bewegung in Deutschland. Jemals mit Menschen, die mit dieser Ideologie geimpft sind, in Frieden leben zu können, scheint eine vergebliche Hoffnung zu sein. Da bleibt nichts übrig, als sich gut zu bewaffnen und seine Kinder darin zu schulen, dass sie sich verteidigen können.

5. Claudio Casula - Juli 19, 2010, 18:00

Na, immerhin lief vor etwa einem halben Jahr „Shahida – Allahs Bräute“ auf ARTE. Rezension auf meinem Blog:

http://spiritofentebbe.wordpress.com/2009/12/20/morden-fur-allah/

Tipp: Am 3. August (22.45 Uhr) läuft in der ARD ein weiterer Film zum Thema: „Soldatinnen Gottes – Die Frauen der Hamas“. Da erzählt dann eine Mutter von zehn Kindern, die bereits zwei Söhne als Selbstmordattentäter verlor, warum sie unheimlich stolz darauf ist. Was für eine kranke Gesellschaft.

6. Lila - Juli 19, 2010, 18:28

Danke für den Link, Claudio. Oh Mann, ich werde wohl nie abgehärtet genug sein, um solche Geschichten mit Gleichmut ertragen zu können. Es macht mich krank.

Aber sagt mir mal – ich frage es zum 100. Mal – wieso sind für Pax-Christi und Ulrike Pütz und die komischen Tanten und Onkels bei der NZZ und taz und der FAZ und der Süddeutschen und allerlei Hinkenden Boten – wieso sind die Palästinenser das schuldlose Opfer und wir entmenschte, wahllos draufhauende Mörder? Das ist doch der reinste Wahnsinn.

Wirklich, ich sollte nicht bloggen, es legt sich auf mein Gemütchen.

Aber eins hat mich erheitert: die fetten Klosterkater. Ich glaube, das einzige, was ich mit einer Nonne gemeinsam habe, müssen meine pummligen Kater sein 😀

7. yael1 - Juli 19, 2010, 19:39

Ich denke, dass wir das nie verstehen werden. Mich macht es auch krank, wie Menschen den Tod bervorzugen und ihre Kinder darauf trainieren, im Shahid zu sterben. Das ist eine kranke Welt und solange sich das nicht grundsätzlich ändert, kann es auch keinen Frieden geben. Aber wie kann sich dieses Denken ändern? Ich weiß es nicht.
Aber Gott sei Dank lieben sind nicht alle Palästinenser den Tod, bei manchen hat durch eine Rettung durch Israelis auch ein Umdenken begonnen.

„Nach der Behandlung sagte Muhammeds Vater: „Mein Sohn und ich sind nicht mehr dieselben wie vor diesem Vorfall und ich will das mit meiner Familie und meinen Freunden teilen.“ Das palästinensische Volk wisse nicht die Wahrheit über Israel und die palästinensische Medizin habe noch einen langen Weg vor sich, sagte der Palästinenser weiter. “

http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:5yPvF96U1tEJ:www.israelladen.de/xist4c/web/07-06-10—Israelische-Aerzte-retten-Palaestinenser-nach-Schlangen_id_29955_.htm%3Bjsessionid%3DEB7D008EC43194847E53E9A4153F055F+pal%C3%A4stinenser+%2B+sein+sohn+%2B+israelisches+krankenhaus&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de

8. Lila - Juli 19, 2010, 19:42

Aber ja, ich würde nie behaupten, daß sie alle so sind. Die Frage ist, wohin wendet sich die palästinensische Gesellschaft als Ganzes – und wie stellt sich der Rest der Welt dazu.

Ein Beispiel für eine Annäherung zwischen palästinensischer Familie, denen Soldaten halfen, habe ich schon mal erwähnt – hier noch mal der Link.

Palästinenser und Israelis spenden Organe verstorbener Angehörige, auch wenn sie wissen, daß sie vielleicht einem Kranken der „anderen Seite“ zugute kommen. Kein Zweifel, es gibt viele Beispiele für gegenseitige Hilfe und Freundlichkeit.

Primus erzählte mir neulich, daß ein Palästinenser ihm und seinen Freunden eine ganze Kiste frisch gepflückter Gurken schenkte. Manche bieten ihm Kaffee an. Auf der rein menschlichen Ebene kann man mit vielen Palästinensern gut und friedlich leben.

Wie gut waren vor der Intifada Zusammenarbeit und geschäftliche Beziehungen mit vielen palästinensischen Firmen. Y. erinnert sich immer noch, er hat noch lange den Kontakt mit manchen früheren Zulieferern gehalten,. Der wirtschaftliche Aufschwung in der Westbank hat hoffentlich positive politische Auswirkungen. Denn dafür braucht man sachorientierte, lebenszugewandte Menschen. Mit Todeskult-Fanatikern läßt sich keine Kultur der Produktivität und des Ehrgeizes aufbauen. Über den Aufschwung dort wollte ich schon länger schreiben… mach ich demnächst vielleicht mal…

9. grenzgaenge - Juli 19, 2010, 20:56

@Yael1: Ich stimme Dir in dem Punkt zu das es unter den Palästinensern sicherlich auch Menschen gibt die den „Dschihad“ ablehnen.

Das Problem ist nur: Die Menschen in den Autonmiegebieten haben Angst zu sagen das sie in Frieden leben wollen. Vielleicht gar in Frieden mit Israel. Ich kann nicht einschätzen wie gross die Gruppe der auf Verständigung bedachten Palästinenser ist.

Letztlich wird diese Gruppe nicht nach aussen dringen solange in den Autonomiegebiete keine Demokratie herrscht. Leider stehen die Zeichen nicht in Richtung Demokratie.

Mir tun die friedensbereiten (!) Palästinenser schon leid. Wenn sie sagen was sie denken besteht die akute Gefahr in ein paar Stunden am nächsten Baum zu hängen. Leider ist das ja schon zu oft vorgekommen.

Ich weiss auch nicht ob ich so mutig wäre gegen eine Diktatur, unter der Drohung des Todes, zu demonstrieren. Ich hoffe ich. Aber ich weiss es eben nicht. Vielleicht würde ich mich aus Angst nicht an Demonstrationen beteiligen.

Ich finde es immer fragwürdig wenn Menschen (in Bezug auf Nazi Deutschland oder die SED Diktatur) von sich behaupten sie hätten (!) auf jeden Fall auf der richtigen Seite gestanden. Wo nehmen Menschen die Gewissheit her wenn sie Zeit ihres Lebens in einer Demokratie gelebt haben ?

Der „Westen“ auch keinen wirklichen Mut für die Demokratie aufzustehen. Das Versagen im Falle des Iran ist noch frisch in Erinnerung. Wo war die Unterstützung (z.B. der UNO) für die iranische Demokratiebewegung ? Wo waren die berufungsmässigen Verurteiler Israels ?

Demokratie ist m.E. ein Kernproblem im Blick auf die Autonomiegebiete und die Nachbarstaaten Israels.

Israel ist eben die einzige Demokratie im Nahen Osten und das einzige Land mit Meinungsfreiheit. Amos Oz, Avi Primor, selbst Uri Avnery, müssen nicht um ihr Leben fürchten obwohl sie hart mit ihren Landsleuten ins Gericht gehen. Ich denke Israel ist ohnehin ein Land in dem so heftig wie kaum irgendwo die eigene Regierung kritisiert und über Politik gestritten wird.

Wenn diese Demokratie und diese Meinungsfreiheit Einzug in die Autonomiegebiete hält wird sich zeigen wie gross der Anteil der auf Ausgleich bedachten Palästinenser wirklich ist.

Ob wir das noch erleben werden ?

10. yael1 - Juli 20, 2010, 16:13

„Aber ja, ich würde nie behaupten, daß sie alle so sind.“

@Lila, ich weiß, dass du immer diffenzierst und nie pauschal urteilst, deswegen lese ich deinen Blog auch sehr gern.

11. Dorothee - Juli 20, 2010, 23:31

Der Brief von Izzeldin Abuelaish (in 2005) war so wichtig! Als ich jetzt darüber las, fiel mir wieder die Tragödie des Arztes ein, der 2009 seine drei Töchter im Gaza-Krieg verloren hat! Und es ist tatsächlich der selbe Mann!
Daher bitte hier mal weiterlesen:
http://www.daughtersforlife.com/

12. Lila - Juli 21, 2010, 4:47

Ja, ich habe damals darüber geschrieben, hier nachzulesen. Der Journalist war derselbe – Shlomi Eldar hat sehr gute Beziehungen in den Gazastreifen und hat immer mit Empathie berichtet. Er hat ja auch sofort die Hilfe für die Töchter organisiert, leider war es schon zu spät. Es war eine der ganz schlimmen Fehlleistungen dieses Kriegs. Die Anteilnahme war sehr groß, auch hier in Israel.

Es ist eine Tragödie. Und der Mann arbeitet noch immer in Israel, heilt dort Israelis und Palästinenser. Ärzte beider Seiten spielen in diesem Konflikt oft eine außergewöhnliche Rolle. Ich wünschte, sie hätten mehr Einfluß. Es sähe ganz anders aus im Nahen Osten.

Die ganze Geschichte des Gazastreifens ist eine einzige Tragödie. Ich halte Liebermans Idee für gut, nämlich daß wir uns endgültig und rundherum von Gaza verabschieden, aber das wird für die Menschen dort keine Verbesserung bedeuten. Sie sind in den Händen der Hamas, die ein brutales Regime führt.

Und verschont mich mit „demokratisch gewählt“, das macht die Sache doch nicht besser. Sie lynchen und foltern und bedrohen Kritiker und politische Gegner, wen tröstet es da, wie sie an die Macht gekommen sind?

Ich sehe keine echte Lösung für den Gazastreifen. Am besten wäre natürlich, die Ägypter würden sich vernünftlig drum kümmern, schließlich war es ägyptisches Gebiet. Aber das lehnt Ägypten ja vehement ab.

13. Dorothee - Juli 21, 2010, 9:28

Es gibt auf dieser Seite http://www.daughtersforlife.com
einige sehr anrührende Briefe, darunter von David Grossman.
Und den Versuch einer Stiftung, die hoffentlich Resonanz hat?

14. beer7 - Juli 24, 2010, 20:31

Auch Rantisi war Arzt, Kinderarzt. Aber seinen Einfluss haette ich nicht positiv beurteilt. Zum Glueck kann er nicht mehr weiter wirken.


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