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Die Zeit ist reif, Juli 18, 2010, 17:38

Posted by Lila in Presseschau.
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die Grenzen zu öffnen und den Austausch von Waren und Menschen in beide Richtungen ungehindert fließen zu lassen. So sagt Catherine Ashton, für die Außenpolitik der EU zuständig, und ich nehme an, daß sie große Pläne hat. Vorschläge hätte ich zur Genüge.

Ein Beispiel:

“Samos is very close to Turkey. This is why we deal with so many illegal immigrants. At its closest point in the Samos Strait, Greece and Turkey have just 0.6 nautical miles between them,” says Partsafas K. Stillianos, head of the Samos port authority.

Crew 604 took RT on patrol to the sea and a German Frontex team was in the air above.

“There is a helicopter right now in this area patrolling. They help us a lot because they have good equipment, like a thermal camera. With it you can very easily find a target – immigrants,” explains Commander Stelios from the Hellenic coastguard.

The crew tracks the Samos Strait with very precise radar, making it almost impossible for any illegal immigrants to get away. When a boat is caught, the patrol almost always turns into a search and rescue mission.

“They are in rubber boats and most of the time they destroy the rubber boats, so we have to collect them and rescue them,” Commander Stelios says.

However, critics say it is the other way round – Frontex and partners actually push the immigrants back to Turkish waters, damage the boats, and leave them to drown.

“Frontex is a war machine. They have ships, airplanes, helicopters. They shoot. They use war tactics against refugees,” claims Nasim Mohammadi, from a support office for immigrants and refugees.

Those who do make it across find themselves in the Samos Detention Center.

“They are homeless, Greece is putting them in jails and detention centers that you can find on every island, in every city – many-many detention centers, and they are very bad – they are jails!” Nasim Mohammadi says.

Ein anderes:

The attraction of the European Union is strongest in Moldova, Europe’s poorest country, where remittances from migrants dwarf the government’s internal revenues.

The Schengen space has become a powerful symbol of the long way Europe has come since the days of the Cold War. It is now possible to drive unimpeded from the easternmost points of Poland, just across the border from Ukraine or Belarus, to the Atlantic Ocean.

But if the Schengen scheme fosters a sense of unity within the bloc, the feeling outside is one of painful exclusion.

The blanket relegation of everyone behind the wall to outsider status is felt particularly keenly in the Balkans, where countries have traditionally felt part of the European historical and political mainstream.

Branka Trivic, a Belgrade correspondent with RFE/RL’s South Slavic and Albanian Languages Service, says people in Serbia and most other Balkan countries live in what she calls a European „ghetto.“ Visas may be obtained without bribes, but the process is still heavily skewed against the applicant.

„It’s not easy to get a visa. If you’re a decent young person who just wants to travel, to see the world, it’s not easy,” Trivic said. “It’s humiliating most of the time, and you need a lot of paperwork. And it also happens pretty often that you get refused, that you don’t get the visa, without any explanation.“

Formally, Schengen visas should cost applicants in any country no more than 60 euros. But in Moldova, where a 90-day visa should officially cost just 35 euros, EU travel documents appear to be virtually unobtainable by honest means.

RFE/RL’s Moldovan Service recently spoke with a one-time illegal immigrant in the EU. The woman, identified only as S.T., said she bought a visa through unofficial channels – and it came at a high price.

Und noch eins:

The contrast between Spain and Africa is remarkable. The poverty existence of those who inhabit the latter and the wealthy existence of the Spanish is what prompts many to cross the Mediterranean in rickety launches. For some of these people, it is as if Spain is a promised land.

Some leave their own countries because of wars and endless conflicts. And it must be pointed out that for every migrant, illegal or legal, there are whole families – and in some cases communities – that survive on the reparations of those who make the crossing.

Spain and the EU are presently initiating a number of projects and policies in an attempt to slow down, and eventually stop, the migration of Africans to their shores. However, the polices being proposed are like using a rag to stop a dripping tap – cheap, temporary with no substance. This begs the question: are these policies aimed at reducing the numbers or spreading out the arrivals rather than stopping immigration altogether?

Wie schlaft Ihr nachts, als Europäer, hinter Euren Schengen-Mauern, die Armuts- und Kriegsflüchtlinge draußen halten?  Macht Euch die Unmenschlichkeit dieser Abschottung nicht zu schaffen, die die Ärmsten der Armen dazu verurteilt, in Krieg und Elend zu leben oder zu sterben?

Ganz einfach. Ihr wißt, daß es viel, viel schlimmere Übeltäter gibt. Zwar ist Israel weder so groß noch so reich wie die EU, zwar kamen in der Vergangenheit gar zu viele Grenzgänger mit Bombengürteln und Gewehren, zwar schwören sie Israel den Tod – aber der europäische Appell zeigt, welche Grenze auf jeden Fall geöffnet werden muß.

EU Foreign Policy Chief Catherine Ashton says Gaza’s borders must open to enable the territory’s battered economy to recover.

There needs to be an opening of the crossings to allow the flow of people and goods in both directions,“ Ashton said at a news conference Saturday with Palestinian Prime Minister Salam Fayyad.

Da kann ich aus vollem Herzen zustimmen. Tu was, Catherine!

Kommentare»

1. Ostap Bender - Juli 18, 2010, 19:41

Diese Kreatur versinnbildet das Antlitz der EU. Interessanterweise sind diejenigen, die schon mal Schengen auf eigenem Rücken gespürt haben, größtenteils pro Israel.

2. zwanzigprozent - Juli 18, 2010, 21:42

Schön auf den Punkt gebracht. Danke.

3. Anne - Juli 19, 2010, 0:06

Bittere Wahrheit, was Du schreibst.

4. mibu - Juli 19, 2010, 7:37

Man könnte es als politische Show, einer Politikerin, die es nötig hat, abtun. Ich fürchte aber, dass das wirklich ihre Handschrift ist, wobei sie darin bestimmt auch von einigen EU-Staaten starke Unterstützung erhält. I’m not amused, to say the least. Aber eine halbwegs vernünftige Aussenpolitik scheint augenblicklich nicht Europas dringendstes Problem zu sein.

5. mibu - Juli 19, 2010, 8:06

Ich finde allerdings, dass der Vergleich mit Schengen ziemlich hinkt. Europa mag gross sein. Es ist allerdings auch relativ dicht besiedelt und es gibt bereits innerhalb Europas grosse strukturelle insbesondere wirtschaftliche Unterschiede. Ich bekomme inzwischen mit, was die Wirtschaftskrise in Spanien für folgen für das Zusammenleben nordafrikanischer Migranten hat. Ein spanischer Le Pen könnte nur noch eine Frage der Zeit sein. Die Niederlande und Dänemark sind bereits merklich nach rechts gerückt. Dabei ist man gelegentlich überrascht, von wem die Zustimmung kommt: es sind manchmal selbst Zugewanderte, die sich inzwischen etwas stabilisiert haben, dies aber permanent durch weitere Zuwanderung gefährdet sehen. Trotz Aufschwung schiessen neue Arbeitsplätze auch hier in Deutschland (noch?) nicht gerade wie Unkraut aus dem Boden. Von anderen europäischen Ländern mit z.T. beängstigender Jugendarbeitlosigkeit ganz zu schweigen.

6. Lila - Juli 19, 2010, 8:41

Das sollte auch kein 1:1 Vergleich sein. Einfach nur ein kleiner Denkanstoß. Die eigenen Motive kennt man so genau und hält sie für so überzeugend. Von anderen dagegen verlangt man gern ein bißchen mehr.

Warum sollen wir wieder Menschenleben gefährden, indem wir Leute aus dem Gazastreifen oder der Westbank (Stichwort „Apartheidsmauer“) freizügig nach Israel lassen? In dem Film waren wir schon mal. Noch vor ein paar Jahren waren die Grenzen komplett offen, jeder konnte rüberkommen. Wir hatten alle paar Tage Beerdigungen, weil sich partout wieder jemand in die Luft sprengen mußte.

Leuten wie Ashton fehlt jedes Verständnis dafür, daß wir die Grenzen nicht aus Jux und Dollerei dichtgemacht haben. Sie sind geschlossen worden als Reaktion auf brutalen, anhaltenden, wohlorganisierten Terror, der sich jahrelang auf unseren Straßen, in unseren Einkausfszentren und an unseren Falafelbuden ausgetobt hat.

Es ist so einfach, von uns zu verlangen, daß wir uns dieser Gefahr wieder aussetzen, wenn man selbst viel kleinere Risiken nicht einzugehen bereit ist. „Das müßt ihr eben aushalten“, meinte mal ein Bekannter gemütlich zu mir, der im Leben noch nicht in Israel war, weil er Angst hat….

Ich weiß noch zu genau, wie es war, als Ehepaare nicht mehr gemeinsam einkaufen gegangen sind, aus Angst, daß die Kinder beide Eltern verlieren. Wie es war, wenn man voller Angst nach jedem Anschlag rumtelefonierte. Und wenn dann die Namen der Opfer verlesen wurden und man jemand davon kannte. Diese Menschen sind nie wiedergekommen. Die Terroristen haben sich in die Luft gesprengt, die politische Führung der PA vom Pießprossess gefaselt, die Strippenzieher sind nie festgenommen worden oder wenn, sofort wieder freigelassen worden – bis wir Maßnahmen ergriffen haben. Lange genug hat es gedauert.

Über diese rein defensiven Maßnahmen empört sich eine Ashton. Wo war die EU, als hier täglich von Nägeln und Stahlkugeln zerfetzte Großväter, schwangere Frauen und Schulkinder beerdigt wurden? Wo war der internationale Aufschrei? Wo war der internationale Druck, die Drohungen, als der allen zurückgebliebene Vater seinen kleinen Söhnen Schnuller ins Grab mitgab? Wo war die Empörung, als eine hochschwangere Frau mit ihren vier kleinen Töchtern aus nächster Nähe erschossen wurde? Als ein kleines Mädchen auf der Autobahn im fahrenden Auto von Heckenschützen erschossen wurde? Ich könnte noch Dutzende Menschen aufführen, sie haben sich in mein Gedächtnis gebrannt. Ich erinnere mich an jeden einzelnen Anschlag, Y. ist immer verblüfft, daß ich sie alle noch im Gedächtnis habe.

Ich will nicht mehr in diese Zeiten zurück. Ich halte das nicht noch einmal aus. Damals waren die Kinder klein und ich habe sie nirgends hingelassen, sie waren immer im Kibbuz und Y. auch und vor jedem Kinderhaus standen bewaffnete Wachen.Ich war die einzige, die täglich mit dem Bus oder Sammeltaxi fuhr, und das ging. Aber jetzt sind meine Kinder groß und kaum zu halten und fahren überall hin, mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie gehen in Cafes und Kneipen und campen am Strand. Ich persönlich halte eine weitere Terrorwelle nicht mehr aus.

Terror hat es seit de 20er Jahren immer wieder gegeben, jedes Jahr sind Menschen dadurch gestorben. Wir haben die Opferzahlen enorm gedrückt, weil wir die Terroristen daran hindern, sich unter uns zu mischen. Das geht auf Kosten der Palästinenser, no doubt, und das tu tmir leid. Aber warum orienterien sie sich nicht woanders hin? Warum müssen sie partout nach Israel? Haben sie keine anderen Nachbarn? Sollen doch Syrer, Ägypter und Jordanier ihnen wirtschaftlich beistehen, die haben vom Terror nichts zu fürchten. Aber wenn ein Großteil der palästinensischen Bevölkerung Terror befürworten – wie können sie dann von uns fordern, daß wir sie zu uns einladen?

Wo ist der internationale Druck auf die arabischen Nachbarn, den Palästinensern zu helfen? Wo ist der Druck auf die Palästinenser, den Terror grundlegend zu bekämpfen? Wenn Israel sowas fordert, gilt das als lästige Meckerei.

Das Ganze ist einfach rundherum nicht fair. Ich wäre damals vor Verzweiflung am liebsten ausgewandert, und ich kenne Leute, die es getan haben. Ich kann ihnen keinen Vorwurf machen. Es war nicht auszuhalten. Es ist unbeschreiblich. Der Shahid-Kult blüht in der Westbank und im Gazastreifen. Wer garantiert mir, daß die vollkommen indoktrinierte Jugend aus Kalkilia und Ramallah nicht eine neue Terrorwelle lostritt? Catherine Ashton garantiert mir das?

Wer zum Teufel ist Catherine Ashton eigentlich, daß sie von mir verlangt, freiwillig wieder in der Hölle der Angst vor Terror zu leben?

7. Karl Eduard - Juli 19, 2010, 9:46

Ja, die einen schicken Selbstmordattentäter und die anderen Waren. Das nennt man dann erfolgreiche Handelsbeziehungen.

8. Ostap bender - Juli 19, 2010, 10:07

„Wer zum Teufel ist Catherine Ashton eigentlich“

Das ist in der Tat eine sehr berechtigte Frage! Ihr Amt ist „Hoher Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik“. D.h., sie ist für „humanitäre Fragen“ gar nicht zuständig! Dafür ist der „Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz“ Kristalina Georgiewa zuständig. Die Show, die diese widerliche Mißgeburt abzieht, sollte als rein politisch betrachtet werden und als Amtsmißbrauch auch noch.

9. Karl Eduard - Juli 19, 2010, 11:43

Kann man diese Ratschlägner aus der EU nicht in Sderot einquartieren? Das müßte doch zu organisieren sein.

10. grenzgaenge - Juli 19, 2010, 11:51

@Lila: Du hast sowohl die verlogene Heuchelei der EU als auch die Verlogenenheit der europäischen Gutmenschen wunderbar auf den Punkt gebracht. Europa schützt sich selbst mit Zäunen und fängt Flüchtlinge auf den Seewegen ab. Andererseits wird Israel deswegen kritisiert. (Um von der eigenen Politik abzulenken ?). Ich empfehle in diesem Zusammenhang wärmstens ein Buch von Harald Welzer. Es trägt den Titel „Klimakriege“. Da gibt es ein Kapitel mit der Überschrift „Aeneas, Hera, Amazon und Frontex: indirekte Grenzkriege“. Sehr lesenwert. Gerade für europäische Gutmenschen die Israel wegen seiner „Grenzpolitik“ kritisieren, aber vergessen mit der Kritik vor der eigenen Haustüre anzufangen.

http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/lesezeichen/harald-welzer-klimakriege-lesezeichen-2008-07-06-ID1215079949174.xml

11. Lila - Juli 19, 2010, 15:43

Meryl Yourish kann sich ebenfalls nicht für Ashton, hrr-hm, begeistern.

Auch Israel Matzav bleibt nicht sachlich.

Europa und Israel entfernen sich immer weiter voneinander. Für die Europäer sind wir aggressive Blutsäufer, für uns sind die Europäer Heuchler und Terroristenversteher. Ashton tut nichts dazu, auf beiden Seiten Annäherung zu schaffen.

Richard Herzinger zum selben Thema, mit erschreckenden Beispielen der Rhetorik, zu der Europäer greifen, wenn sie über Israel geifern.

12. Europäische Heuchelei « grenzgaenge - Juli 19, 2010, 16:57

[…] Wer zum Teufel ist Catherine Ashton eigentlich, daß sie von mir verlangt, freiwillig wieder in der Hölle der Angst vor Terror zu leben? […]

13. charly - Juli 19, 2010, 17:57

Mir fällt dazu ein geradezu prophetisches Zitat aus dem Peel-Bericht von 1937 ein:

Unsere Schlussfolgerung ist also die, dass, allgemein gesprochen, die Araber in beträchtlichem Maße an den materiellen Vorteilen teilgenommen haben, die die jüdische Einwanderung für Palästina gebracht hat. ………………..
…… Zweitens wird solch ein wirtschaftlicher Vorteil, wie ihn die Araber aus der jüdischen Einwanderung ziehen, ständig abnehmen und schließlich verschwinden, falls die politische Kluft zwischen den Völkern sich weiter vergrößert. Zwei im Kriegszustand lebende Völker können ihre Wohlfahrt nicht gegenseitig fördern.
Boykott und Blutvergießen und alles, was sie bedeuten für den Zusammenbruch der Wirtschaftsbeziehungen, für das Einschrumpfen des Handels, für die Ausgaben der Regierung und den Abbau der öffentlichen Einrichtungen – alles dies wird bald, wenn es so weitergeht, all das Gute zunichte machen, das das Erscheinen der Juden ganz Palästina gebracht hat. Kap. 5 Abschn. 34

Es hat eine Menge Sprengstoff und Blut gebraucht bis Israel dicht gemacht hat, jetzt das Spiel von vorne anzufangen wäre sinnlos und dumm, für Fr. Ashton, Hr. Niebel und Co aber relativ ungefährlich.
Das haben die Palis sich eingebrockt, sollen sie sehen wo sie bleiben und sich zu ihren Bruderstaaten hin orientieren. Sicher gibt es auch manche, die zu Unrecht getroffen wurden, aber es geht ja primär nicht um eine Kollektivstrafe, sonder um eine Verständliche und berechtigte Schutzmaßnahme für israelische Zivilisten. (Israelische Soldaten halte ich für genauso schützenswert.)
Sollen die Palis erst mal zehn Jahre schön friedlich bleiben, auf Beschuss verzichten, Gilad heimschicken und ihren Kindern beibringen, dass der Nachbar Israel heißt.

14. Wolfram - Juli 19, 2010, 22:47

Es ist die Tragik, daß der Schutz Israels vor den Terroristen auf dem Rücken der friedlichen Grenzgänger liegt. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit…
… und auch ich habe noch zu gut im Ohr, wie Edna Brocke sagte, jeden Abend telefonierte sie nach der Tagesschau nach Israel, um zu hören, ob noch alle ihre Lieben da sind…
Das hat sie nicht coram publico gesagt, sondern im persönlichen Gespräch. Ich nehme aber an, daß sie es nicht nur mir und Professor Wengst erzählte…

15. Lila - Juli 19, 2010, 23:02

Edna Brocke – die kannte Y.s Oma, soweit ich weiß. Die war nämlich eine alte Essenerin.

Ja, es waren grausige Zeiten, man kann es eigentlich nicht schildern. Ich fand es schlimmer als die Kriege, die ich hier miterlebt habe, denn die waren kurz, wenn auch sehr, sehr unangenehm. Aber der Terror war eigentlich immer da – den ersten Anschlag habe ich mitbekommen, als ich gerade mal ein paar Monate hier war. Und wenn die Welle jeweils anstieg – es war absolut fürchterlich.

Wir hatten Glück, daß die uns bekannten Opfer keine Verwandten oder engen Freunde waren, sondern Bekannte oder Angehörige von Bekannten. Aber es war schlimm genug. Denn auch wenn es nicht meine Kinder waren – es waren doch anderleuts Kinder, und auch für meine Erleichterung, daß es wenigstens niemanden aus meiner nächsten Nähe traf, habe ich mich geschämt.

Wer einen Anschlag auch aus der Ferne miterlebte, war traumatisiert. Meine Schwiegermutter fuhr an einem explodierenden Bus vorbei, auf der anderen Spur – Studenten sahen einen Bus wenige Minuten nach der Explosion – bei meiner Freundin Yael auf der Sderot Moria in Haifa explodierte ein Bus vor der Haustür (übrigens „meine“ Linie) – das waren üble Erlebnisse.

Ich weiß schon nicht mehr, wie oft ich damals „evakuiert“ wurde. „Chefetz chashud“, ein verdächtiger Gegenstand. Erst vor ein paar Wochen standen wir ewig im Stau, weil so ein Gegenstand auf der Kreuzung vor Akko den Verkehr aufhielt. Aus Bussen mußten wir aussteigen, die UB wurde geräumt, die Halle im Flughafen – alle sind wachsam, keiner möchte, daß die verlassen dastehende Tasche das Letzte ist, was er in diesem Leben sieht.

Ich schreibe oft darüber, vielleicht zu oft, aber es war wirklich eine schwierige Zeit.


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