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Morgens früh um sechs Juli 15, 2010, 5:53

Posted by Lila in Uncategorized.
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muß mein armer Mann schon aus dem Haus, dafür kommt er abends ein bißchen früher wieder – manchmal vor sieben Uhr. Obwohl ich das exakte Gegenteil eines Frühaufstehers bin und auch nicht so früh raus muß, besonders in den Semesterferien nicht, bleibe ich nicht liegen, wenn er aufsteht. Wir sind von jeher gewöhnt, unsere erste Tasse Kaffee des Tags zusammen zu trinken, gern auf der Terrasse. Meist setzt sich Quarta dazu, sie kriegt eine Tasse Kakao und holt sich auch eine erste Runde Schmusen ab. Wenn Y. wegfährt, mache ich die Runde, die vielleicht meine schönste halbe Stunde am Tag ist. Und das, obwohl es wirklich früh am Morgen ist!

Ich gieße meine Kräuter mit dem Wasser, das am Tag zuvor aus der Klimaanlage getropft ist – ich habe da überall Eimer druntergestellt und meine Kräuter wuchern nur so vor sich hin. Sie kriegen nämlich täglich Wasser. Alles andere wässere ich nur alle paar Tage und eher sparsam – Wasserkrise. Aber die langsame Runde ums Haus ist immer schön, so mager das Gärtchen auch ist. Eigentlich wachsen nur ein paar kleine Bäume darin, denn es soll ein richtig wilder Baum- und Kräutergarten werden, hier passen keine smaragdfarbenen Rasenflächen hin.

Alle Katzen und Hunde der Nachbarn sagen mir Guten Morgen, mit Glück sehe ich auch meine Lieblinge, die Klippschliefer. Ich leere den Kompost aus (wir haben schon einen schönen Haufen, mal gucken, was daraus wird), rupfe Unkraut aus, das dem Olivenbäumchen oder dem Salbeistrauch das Wasser nehmen will, und bin rundherum zufrieden.  Um diese Zeit ist es noch so angenehm, daß ich weder geschockt von der Hitze umkehren möchte noch entsetzt vor dem Licht die Augen zukneife.

Irgendwo habe ich mal gelesen, daß nichts wirksamer gegen depressive Verstimmungen vorbeugt als eine halbe Stunde Morgenlicht draußen an der frischen Luft. Da muß was dran sein, ich fange jeden Tag vergnügt an. Wie hat mir ein Garten gefehlt – wir hatten im Kibbuz ja immer einen, aber im letzten Haus war er gefühltes ausschließliches Eigentum unserer Nachbarin. Die haben wir zwar sehr geschätzt, aber es war eben mehr ein Gast-Gefühl, wenn wir im Garten gesessen haben, und gepflanzt habe ich da auch nichts, denn die Nachbarin hat alles bestimmt. Und sie hat einen tollen grünen Daumen,  so daß es sogar bequem war, auf den Garten weitgehend zu verzichten. Weder Y. noch ich sind echte Gartenliebhaber. Aber unser minimales Programm scheint zu reichen, die Bäume wachsen, und ich kann jeden Tag Kräutertee aus dem Garten trinken.

Besonders lecker finde ich dabei zuta levana, das trinke ich gern mit Minze oder allein. Angeblich hat sie sogar medizinische Eigenschaften, ich trinke sie wegen des Geschmacks. Etwas herb und scharf, aber so gut.  So fängt ein Tag gut an.

Kommentare»

1. David - Juli 15, 2010, 7:09

Liebe Lila,
ich möchte Dir bei dieser Gelegenheit einmal herzlich danken für Deine vielen Berichte zu ganz vielen Themen. Mich beeindruckt das und vor allem Deine Art, mit allen und allem umzugehen, sehr. Daher freue ich mich auch, wenn ich wieder einen neuen Beitrag von Dir lesen kann.
Besonders schön ist übrigens, dass Du nach einer Pause jetzt wohl wieder regelmässig schreibst. Ich hoffe, das wird auch in Zukunft so bleiben.
Meine Tochter lebt seit einiger Zeit in Israel, und immer wenn ich Deine Anmerkungen lese, ergänzt das irgendwie ihre Berichte. Und das gefällt mir dann doppelt gut.
Viele Grüße
David

2. mischpoke - Juli 15, 2010, 8:16

Guten Morgen, der König muss erst um 7 los , so haben wir noch eine Stunde mehr zum schlafen. Hat Dein Männe nicht auch bald Urlaub?
Liebe Grüsse Anneka und der noch schlafende Rest

3. Lila - Juli 15, 2010, 8:26

Urlaub? Hm…. Hier gibt es vermutlich etwas weniger Ferientage als in Schweden 🙂 In der Industrie zwischen 10 und 20 Tagen pro Jahr. Dieses Jahr wird Y. sie nicht im Sommer nehmen, wir arbeiten durch…

Ich habe Semesterferien, aber da stapeln sich c. 200 Hausarbeiten zu korrigieren und dann muß ich das nächste Semester vorbereiten. Es ist weniger stressig als Y.s Job, grant you, aber dafür werde ich in den Semesterferien auch nicht bezahlt. Ich habe keinen festen Vertrag und werde darum im Juni entlassen und im September wieder eingestellt. Den Sommer überbrücke ich mit anderen Arbeiten (Übersetzungen etc).

David, wo ist Deine Tochter denn????

4. mischpoke - Juli 15, 2010, 8:54

Ach Lila, Urlaub gibt es hier schon ne ganze Menge, 2,5 tage pro Monat in unserm Alter. Aber ich bin ja nur als Vikarie angestellt und werde auch wie du im Juni entlassen und wenn ich Glück habe zu 50 % im August wieder eingestellt. Dasselbe bei meinem König. Also der Juli ist bei uns die absolute Durststrecke… nun ja dieses Jahr noch mehr, weil wir halt in Jerusalem waren … Deswegen sind wir auch froh das der könig seine guidejobbs noch hat ( liebe Touris kommt bitte nach Schweden, als Südschweden!!!) und jetzt zur zeit gerade den unterricht des mercedes-menschen ( der aber leider erst Ende August bezahlt wird)… nun ja wir machen das Beste drauss, die Bande hier will ja doch schon schöne ferien haben und so gehtz dann abends baden und ein paar kleinere Ausflüge. Ich müsste eigentlich noch für Prüfungen lernen, umd ein paar mehr Stempel auf den H… zu bekommen, aber geprüft wird erst im August!
Ich hoffe immer noch Eure Wege führen mal hier vorbei…

5. Anne - Juli 15, 2010, 11:18

Deine Schilderung des frühen Morgens ist so wunderschön, dass sie einen geradezu zum Mitlächeln zwingt. 🙂

6. Bernd Dahlenburg - Juli 15, 2010, 17:41

Schöner Beitrag!

Grüße
Bernd

7. mibu - Juli 16, 2010, 6:40

Ob’s am Licht liegt ? Während meines Studiums hatte ich ein paar Mal sehr lange an einem Institut zu tun. Das konnte bis morgens um 4 oder 5 gehen. Mein Weg vom Institut nach Hause ging durch einen schönen großen Park. Die ersten Berufspendler hatten sich noch nicht oder nur spärlich auf den Weg gemacht. Es war kaum Verkehrslärm zu hören. Dafür umso mehr ein Konzert von Vogelstimmen, wie man es tagsüber und noch nicht einmal abends hören kann. Dabei hatte manchmal die Dämmerung noch gar nicht richtig eingesetzt. Begleitet wurde dies von verschiedensten Düften verschiedener Pflanzen. Ich vermute, dass solche intensiven Gerüche nur morgens bemerkt werden können, wenn die Pflanzen sich über Nacht regeneriert und Wasser z.B. vom Tau aufgenommen haben. Es war jedesmal ein beeindruckendes Erlebnis, das ich sehr genoss.

8. mona lisa - Juli 18, 2010, 16:47

Für mich ist morgens in meinem Garten auch noch die Welt in Ordnung – vor allem bei der hier lang anhaltenden ungewöhnlichen Hitze. Wässern, Rosen schneiden, gelbe Blätter vom Oleander pflücken, mit den Füßen durchs taunasse Gras gehen – das ist Meditation für mich. Anschließend werden sämtliche Jalousien heruntergelassen, damit die Hitze draußen bleibt, damit aber auch ein Teil des Sonnenlichts.


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